Liebste Rosmerta,

11896029_1235277639831789_8288598046746135869_nLiebste Rosmerta,

ich weiß ich hab kein Recht Euch meine Aufwartung zu machen, aber mir bleibt nicht mehr lang auf diesem kahlen Stein. Ich hoffe mein Geschenk erzürnt Euch nicht all zu sehr. Ich bitte Euch nur, dass Ihr mein letztes Werk bei Euch behaltet.

Ihr ahnt es wohl schon, dass ich Euch beobachtet habe. Asche auf mein Haupt.

Es war nicht meine Absicht und ich ging auch nicht in die Wälder um Euch im Gebet zu stören. Doch als ich Euch im Mondenschein erblicken durfte, könnte ich meinen Blick nicht mehr von eurem Antlitz abwenden.

Ich habe nie so eine unnahbare Schönheit gesehen und ich schäme mich dafür, dass ich Euch hinterrücks begafft habe.

Ich hoffe Ihr erkennt in meiner Arbeit meine unzerstörbare Liebe zu Euch.

Warum ich Euch ein Stück Stein mit einem Brief übersende, mir bleibt wohl nicht mehr lange und es ist nicht gewiss, ob mein Körper durch die Asche wiederkehren kann.

Meine Berufung war es den leuchtenden Stein in Form zu hauen und mein Ende wird es sein, dass ich einer ehrlichen Arbeit nachgegangen bin. Dieser Sockel brachte mir den Tod und verdammt sei er in alle Ewigkeit.

Der einzige Lichtblick war es euren reinen Körper erblickt zu haben und von diesem flüchtigen Moment zerre ich die letzten Stunden meines Lebens, weil vielmehr bleibt mir wohl nicht.

Ich liege fern ab vom Lazarett in einem alten Verschlag im Wald und keiner aus meinem Lager traut sich noch in meine Nähe. Mein letzter Wunsch war es, dass man Euch diesen Brief mit samt der Statuette bringen möge.

Jetzt wo Ihr diese Zeilen erblickt, werde ich wohl mit dem Wächter darum ringen, ob ich Euch noch einmal erblicken darf, oder ob es endgültig für mich zu spät ist.

Wenn mein Körper es wiedererwartend schaffen sollte, aus der Asche wieder aufzustehen, werde ich auf Euch warten. Am halben Weg zu Eurem Garten, werde ich am Liebesbaum stehen und inständig drum beten, dass Euch mein Brief erhalten hat.

Der Verlauf meiner Krankheit ist so weit fortgeschritten, dass ich kaum noch etwas lesen kann, was ich da schreib…

Meine Finger zittern so, dass ich kaum mehr den Stift halten kann…

Verzeiht, die Blutflecken. Seit mir alle Haare ausgegangen sind, läuft mir immerwährend das Blut aus der Nase…

Wenn es aufhört zu bluten, dann ist es wohl vorbei mit mir… wir sehen uns auf der anderen Seite… oder an den Wurzel des Liebesbaumes…

Oder ich wache über Euch, bis Euer Weg Euch zu mir bringt…

Es tut mir Leid, dass ich Euch nicht mehr bieten kann, als meine immerwährende Liebe

Euer

Hensing Till Brechenthaler

Steinmetz seines Zeichens

Mehr davon auf Inseln der Macht

Bildbearbeitung by Enno

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Drei und eine Axt – Teil 45

Eine Axtgeschichte – Drei und eine Axt – Teil 45

reiter_neuNoch vor dem Morgengrauen wurde Halef vor Kälte wach. Er bereute es nun kein Feuer gemacht zu haben, aber ihm war es lieber halb erfroren nicht gefunden zu werden, als am warmen Feuer überfallen und umgebracht zu werden. Der Hund schlief und er ärgerte sich darüber, dass sie so nachlässig gewesen waren, der Köter und er. Aber das Lächeln auf dem Gesicht seiner schlafenden Lamina versöhnte seinen Groll für einen Moment. Er hatte nicht zu hoffen gewagt, dass es so bald dazu gekommen wäre. Allein der Gedanke daran, erregte ihn erneut. Die Kälte des Morgen war gleich wieder vergessen, aber ein schlechtes Gewissen hatte er trotzdem, er hoffte dass er gestern Nacht nicht zu weit gegangen war.

Sie erwachte, weil sie sich beobachtet vorkam. Lächelnd blickte sie ihn an und ihr Gesicht strahlte, also schien sie überglücklich zu sein. Schlaftrunken klammerte sie sich an seinen Oberkörper und lies ihren Körper auf seinen Schoss sinken. Mit zitternden Fingern strich er ihr die Haare aus dem Gesicht und flüsterte: ‚Guten Morgen, schöne Frau, alles in Ordnung!‘

‚Mir ist kalt!‘ gähnte sie ihn an.

Das hatte er nicht gemeint, aber er nahm sie in den Arm und rieb über ihren Rücken. Er beschloss nicht weiter zu fragen und meinte dann nur: ‚Mir auch!‘

Sie ritten bald los und kamen noch bevor die Sonne über den großen Berg linste an ihrem Ziel an. Doch sie fanden nur Rauch und Asche an dem Ort, wo einst die alte Schmiede stand. Das einzige feste Haus in der ganzen Gegend war nun dem Erdboden gleich gemacht worden. Die Banditen waren sehr gründlich gewesen. Die Tiere waren auf der Ebene versprengt. Die Schweine, Hühner und Ziegen jagten sich verwirrt umher und 3 Kühe standen vor dem verbrannten Stall und plärrten, weil sie keiner gemolken hatte. Einige Pferde grasten im hohen Gras neben dem Fluss.

Der Hund fing übermütig an die Tiere zusammen zu treiben. Weit und breit war niemand zu sehen. Nur die verstreuten Kleintiere stoben durchs Unterholz. Lamina fing die Hühner ein und fand einige Eier im Gestrüpp. Halef fand ein paar kaputte Fässer, die sie zum Transport der Kleintiere nutzen konnten. Lamina molk die Tiere und summte dabei, um ihre Angst etwas zu vertreiben, während Halef die verbrannten Leichen begrub. Sie war heilfroh, wenn sie hier so schnell wie möglich wieder verschwinden würden. Es war ganz schön unheimlich hier. Die Tiere waren ziemlich unruhig, war ja auch kein Wunder.

Sie schreckte hoch, als sie etwas hörte, dann sprang sie jemand von oben aus an und warf sie zu Boden. Ihr entwich ein kurzer Schrei, der unlängst von einem Hieb unterbrochen wurde. Ihr schwanden fast die Sinne. Der Angreifer redete mit ihr: ‚Süßes Täubchen, hab ich dich erschreckt. Ja, dass tut mir leid. Hättest mal lieber auf dem Felsen nachschauen sollen, als so wunderschön zu summen.‘

Seine Stimme war für einen Mann ziemlich hell, er redete schleppend und kicherte nach jedem Satz. Er schien verrückt zu sein und er stank aus dem Mund. Sie musste den Brechreiz unterdrücken, als er ihr über die Wange leckte. Aus Leibeskräften versuchte sie sich zu wehren, doch ihre Mühe war vergebens, er war ihr körperlich völlig überlegen. Er packte sie grob am Hals und hielt sie auf den Boden gedrückt, durch das Gewicht seines Körpers bewegungslos auf den Boden gepinnt. ‚Ich hab euch gehört, von meinem Versteck aus. Da oben!‘ Er wies auf den Felsen über ihnen. ‚Dieses Summen, Täubchen! Süßes Täubchen! Seid ihr beide Schuld, dass meine Männer nicht zurückkommen? Habt ihr das Mädchen gefunden? Süßes Kind!‘

‚Du Bastard.‘ spie sie ihm förmlich ins Gesicht.

Er schlug ihr wieder ins Gesicht, so dass ihre Lippe aufplatzte. Mit einem widerlichen Stöhnen leckte er das Blut von ihren Lippen, bis sie würgen musste.

‚Wenn ich das süße Kind nicht wieder haben kann, dann werd ich wohl dich nehmen müssen. Auch wenn du mich nicht zu mögen scheinst, dass werd ich dir schon noch beibringen.‘ Er riss ihr die Tunika auf und biss ihr in die Brust. Dann blickte er auf, sie spuckte ihm ins Auge, dafür schlug er ihr erneut hart ins Gesicht. Ihr schwanden wieder die Sinne. Der Angreifer nestelte an seiner Hose herum und lies sie einen Moment los, diese Gelegenheit nutzte sie und versuchte unter ihm heraus zu kriechen. Dabei trat sie ihn ins Gemächt. Das heizte ihn erschreckender Weise noch mehr an, er hechtete ihr hinterher, packte sie und zog sie zu sich her. Er riss ihr die Tunika vollends vom Leib, warf sie zu Boden und stütze seinen Unterarm auf ihrer Brust ab, während er ihre Hose aufriss und wieder an seiner herum nestelte. Ihr blieb die Luft weg, sie konnte kaum noch schreien, aber dass musste sie auch nicht mehr, sie sah einen Schatten hinter dem Banditen und eine Klinge blitzte im Sonnenlicht auf. Als der Bandit die Klinge an seiner Kehle spürte, war es bereits zu spät sich zur Wehr zu setzen. Halef hatte dem Angreifer in der Hast, ihn von Lamina fortzuziehen, die Kehle durchstochen. Sie blickte beide völlig entsetzt an. Er zog das Messer aus dem offenen Hals des Angreifers und blickte ihn hasserfüllt an.

Der Ausdruck in seinem Gesicht machte ihr noch mehr Angst, als dass das gescheiterte Vorhaben des Banditen es je hätte tun können. Wie von einem Blitz getroffen lies er erst den leblosen Körper des Mannes los und dann das blutverschmierte Messer fallen, dass zitternd im Boden stecken blieb. In dem Moment blickte sie auf ihren Körper herab und sah das Blut, dass ihr auf den nackten Oberkörper gespritzt war. Sie raffte die zerrissene Tunika vor ihrer Brust zusammen und versuchte sich das Blut vom Körper zu reiben, dabei verschmierteverschmierte sie das Blut nur noch mehr. Er wollte ihr zur Hilfe eilen, erblickte dann aber seine blutverschmierten Hände.

Nach einem langen Zögern, stürzte er zu ihr und versuchte sie in den Arm zu nehmen.

Sie schluchzte: ‚Er hat mich von da oben beobachtet!‘

Er nahm sie mit versteinerter Miene lieblos in den Arm.

‚Du machst mir Angst, Halef.‘

Wortlos hob er sie hoch und brachte sie zum Fluss. Er pfiff nach dem Hund.

‚Wasch dich bitte, schnell, ich schaffe die Leiche fort. Wir müssen schnellstens fort von hier!‘

Fortsetzung folgt…. 

Drei und eine Axt – Teil 44

Eine Axtgeschichte – Drei und eine Axt – Teil 44

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Zur selben Zeit in der Jurte der weißen Hexe:

Alur konnte die Hitze des Feuers auf seinem Gesicht spüren, noch bevor er das Knistern hörte. In seinem Kopf rauschte es und er hatte das Gefühl es würde sich alles um ihn herum drehen. Er öffnete nur ein Auge und musste mehrmals den Kopf schütteln, um ein klares Bild vor Augen zu haben.

Fassungslos ertappte er seine Tanten wie sie ums Feuer herumsprangen. Erst nach mehrmaligem Blinzeln erkannte er, dass Vira nur das Feuer hochschürte und Ziska eigentlich Tee eingegossen hatte. Was war denn nur mit ihm los und warum lag er in der falschen Jurte?

Tante Ziska kam auf ihn zu und lächelte ihn an. Er bewegte sich und dann wurde ihm erst gewahr, dass er nicht alleine im Bett lag. Das Mädchen wimmerte im Schlaf und klammerte sich an seine Brust, wie eine Ertrinkende an den rettenden Baumstumpf.

‘Pünktlich zur Nachtwache!’ flüsterte Ziska.

‘Was? Warum hab ich geschlafen?’ stotterte Alur und zog die Decke über den Rücken des Mädchens.

‘Eigentlich wollte ich nur das Mädchen beruhigen.’ meinte sie kleinlaut. ‘Aber sie hat dann die letzten Stunden so friedlich geschlafen.’

‘Hat sie schon ihren Namen gesagt?’

Ziska schüttelte nur den Kopf und meinte dann: ‘Komm schon, steh auf und hilf mir sie zu euch rüber zu tragen. Die Jurte des Sippenführers ist nicht beheizt, sie schläft heut Nacht bei euch!’

Er versuchte sich aufzusetzen, ohne das Mädchen zu wecken. Sie hatte immer noch seine Tunika in Händen.

Als er mit dem Mädchen auf dem Arm barfuß aus der Jurte trat, wurde ihm erst gewahr, dass er keine Schuhe trug. Seine Mutter nickte ihm zu und stellte einen Napf mit Suppe auf den Tisch, sein Vater und Ainur saßen am Tisch und Elger strich mit dem Hund über den Hof. Die weiße Hexe kam hinter ihm her und bog dann aber zum Tisch ab, also ging er alleine in die Jurte seiner Eltern. Seine beiden kleinen Schwestern lagen in seinem Bett und Lona und Fina lagen in ihremihrem eigenen Bett und schliefen schon. Er legte das Mädchen in sein Bett und deckte alle drei Mädchen sorgsam zu. Er zog seine Schuhe an und ging wieder nach draußen.

Während der Nachtwache war er einerseits erschreckend wach, aber andererseits fror er und nichts konnte ihn so recht erwärmen. Also war er heilfroh, als sein Vater ihn im Morgengrauen ablöste und er endlich in sein Bett kriechen konnte.

Als er dann endlich vor seinem Bett stand, lag nur noch das kleine Mädchen in seinem Bett und starrte an die Jurtendecke. Er nahm einen Becher mit Tee, der neben seinem Bett abgestellt worden war und setzte sich auf die Bettkannte.

‘Du musst viel trinken!’ flüsterte er ihr zu und versuchte ihr ein wenig aufzuhelfen. Sie lies sich den Inhalt des Bechers verabreichen und blickte ihm dann für einen kurzen Moment in die Augen. Beide konnten dem jeweiligen Blick des Anderen nicht standhalten, also blickten sie für einen viel zu langen Moment aneinander vorbei, bis Alur das Schweigen mit einem Räuspern unterbrach.

Leise flüsterte er ihr zu und stellte den leeren Becher wieder ab. ‘Magst du mir deinen Namen verraten?’

Sie blieb ihm die Antwort schuldig, deshalb überging er ihr Schweigen und zog seine Schuhe aus. Während er seinen Klappenmantel auszog beobachtete sie ihn neugierig, wand sich dann aber ab und drehte sich um. Er legte sich neben sie hin und versuchte sich irgendwie zuzudecken, ohne ihr dabei ihre Decken wegzuziehen.

Es dauerte eine halbe Ewigkeit bis er endlich richtig lag, vollständig zugedeckt war und irgendwie nicht mehr fror. Endlich schloss er die Augen und atmete erleichtert aus.

Irgendwann drehte sie sich wieder um, kroch mit ihren Decken unter seine Decken und lies sich seufzend auf seiner Schulter nieder und murmelte: ‘Liirii!’

Vorsichtig nahm er sie in den Arm, küsste die Überreste ihres Haaransatzes und wiederholte ihren Namen: ‘Liri?’

Fortsetzung, wiederholt und bereits bekannt, da dieser Artikel als Lückenfüller eingefügt wurde, der Teil 44 ist jetzt Teil 45… 

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