Wintervollmondnacht

Wintervollmondnacht

Der Blick im Dunkeln ins Tal war atemberaubend. Durch die verschneite Landschaft konnte man über das ganze Tal blicken, obwohl es schon kurz vor Mitternacht war. Der Vollmond erhellte die Winterlandschaft noch mehr. Sie hatte das Gefühl, als würde sie jede einzelne Schneeflocke anblinzeln.

Die klirrende Kälte ließ ihr die Nasenflügel beim Atmen aneinander kleben. Schwer atmend wickelte sie den Schal noch fester um ihr Gesicht und machte sich an den Abstieg. Die Kälte saß ihr schwer in der Brust. Der gefrorene Schnee knirschte unter ihren Trippen. Die Kraxe auf ihrem Rücken war schwer, hielt ihr aber den kalten Wind vom Rücken.

Der Bauer wird sich schon Sorgen machen, weil sie so spät noch nicht wieder aufm Hof war. Sie war zu Besuch bei ihrer Großmutter gewesen und sie hatten sich so viel zu erzählen. Deswegen war sie jetzt auch viel zu spät noch unterwegs. Aber jetzt hatte sie es fast geschafft, sie musste nur noch den Berg wieder hinunter laufen, dann noch durch den Ort und dann war sie wieder daheim.

Mit den Gedanken an die warme Stube, machte sie einen Schritt den Abhang hinab, trat dabei wohl auf eine Eisplatte und rutschte aus. Sie konnte sich mit dem Wanderstab gerade noch abfangen. Und in dem Moment als sie sich gerade wieder aufrappelte, kam sie erneut ins Rutschen. Der Schnee gab unter ihr nach und sie rutschte mit samt allen Schnee den Hang hinunter. In einer Wolke aus aufgewirbelten Schnee purzelte sie den gesamten Berg hinab und kam erst wieder zum Stillstand als sie mit dem ganzen Körper an einer Holzwand des ersten Hofes auftraf.

Von der Wucht des Aufpralls stürzte sie in den Schnee zurück und wurde vom nachrutschenden Schnee begraben. Reglos blieb sie liegen. Die Kraxe hatte sich im Laufe ihres Sturzes entleert und war dann unter ihr zerbrochen.

Benommen versuchte sie ihre Arme zu bewegen. Sie hatte den Wanderstab immer noch in der Hand und umklammerte ihn vor ihrer Brust. Beim Zusammenstoß mit der Hütte hatte sie sich die Hand verletzt, deswegen konnte sie nun auch den Stab nicht loslassen, weil ihre Finger vor Schmerzen so verkrampft waren. Sie atmete schwer aus und blies dabei den Schnee von ihrem Gesicht.

Plötzlich griff sie jemand an ihren Arm und riss sie hoch. Sie öffnete den Mund um schmerzerfüllt aufzuschreien. Es fiel ihr aber nur noch mehr Schnee in den Mund. Vor Schmerz hatte sie dann den Stab doch losgelassen. Dem Ersticken nahe versuchte sie den Schnee auszuhusten. Die starken Hände, die sie gepackt hatten, nahmen sie nun um den Ellbogen und halfen ihr fast schon behutsam aus dem Schnee. Es wurde mit ihr geredet, sie verstand aber kein Wort. Sie wurde nun geschüttelt, weil sie keine Reaktion gezeigt hatte.

Ihr Helfer hob sie grob über die Schulter und trug sie fort. Sie ließ es einfach geschehen, in der Hoffnung ihr würde schon geholfen werden. Zu mehr hätte sie eh die Kraft nicht gehabt. Sie wurde umständlich auf einen Stuhl gesetzt. Dann erst konnte sie die Helligkeit wahrnehmen. Es wurden ihr die Schuhe und Strümpfe ausgezogen und es wurden ihr die Füße mit einer körnigen Masse eingerieben. Erst nach einer Weile stieg ihr der Geruch von Senf in die Nase. Ihr wurde eine warme Flüssigkeit eingelöst. Es war irgendwas mit Schnaps. Sie hustete wieder. Unscharf konnte sie einen Mann erkennen, der ihr aus den nassen Klamotten half.

Nachdem ihr ganzer Körper vor Kälte bebte, ließ sie auch dies wehrlos geschehen. Langsam kamen die Töne in ihr Ohr zurück. Sie hörte erst ganz leise jemand neben ihr reden, dann wurden die Worte immer lauter, bis sie so laut waren, dass sie das Gefühl hatte, dass ihr Kopf jeden Moment zerspringen würde.

‚Geh Bua, lauf zum Dokta nüber. Der soi beim Huababauer bescheit gem und dann her kemma.‘

‚Ja, ähm!‘

Nix, ähm! Der Dokta is da oanzige mit am Telefon im Ort. Und da Huababauer ist da oanzige drüm in Kirch, er soi zum Sattler Toni nüber laufn… Muss i dir ois vorkaun!‘

Sie verstand nicht wirklich, was da geredet wurde. Am Ende des Gespräches spürte sie nur einen kalten Luftzug und hörte eine Tür knallen. Jemand legte ihr eine Decke über die Schultern, nahm sie hoch und trug sie zur Ofenbank. ‚Da hast di aber gscheit verlaufn, Traudl!‘ sagte die Stimme von vorhin zu ihr. Er nahm sie am Kinn und zog ihren Kopf hob. ‚Traudl?‘

Sie öffnete die Augen vollends und starrte in ein freundliches, aber wettergegerbtes Gesicht, dass sie zu kennen schien. Es fiel ihr aber nicht ein, wer sich da so liebevoll um sie kümmerte.

Sie dämmerte wieder weg, bis sie leichte Schläge gegen ihre Wangen verspürte.

‚Des könnt a bissal weh tun!‘ meinte ihr Helfer mit ruhiger Stimme und in dem Moment hatte er ihre Finger schon wieder eingerenkt und vor Schmerz war sie nun endgültig ohnmächtig geworden.

Der Bub war mit einer schlechten Nachricht wieder gekommen. Der Doktor sein wohl bei seinem letzten Hausbesuch eingeschneit worden. Das Telefon sei tot und der Schneepflug sei irgendwo zwischen Berg und Kirch steckengeblieben. Ihr Helfer versorgte die bewusstlose Traudl und brachte sie in sein Bett.

Als sie wieder erwachte, lag sie in einem Bett. Jemand saß neben ihr und war auch eingeknickt. Sie erkannte den Hufschmied zu Berg. Sie hatte sich wohl wirklich ganz schön verlaufen. Tastend suchte mit ihrer Hand nach der Seinen. Er war erwacht, kam ihr mit seiner Hand entgegen und hielt sie fest. Dann flüsterte er: ‚Ois wird guat, der Schneepflug wird kommen!‘

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Schnee

Schnee

Es muss ein Traum sein! Schnee, Ruhe, Stille. Eine Frau stapft durch den Schnee. Rote Backen, Blaue Lippen und Schnee soweit das Auge reicht. Sie läuft im Wald auf einem Hügel entlang, dass dieser Hügel ein Relikt aus der Steinzeit ist, ist ihr völlig bewusst. Die Landschaft ist aber nicht nur von den letzten Eiszeiten und den Ureinwohnern geprägt. Die Kelten und Römer haben hier genauso gewohnt und die Landschaft nach ihren Vorstellungen verändert. Später kamen allerlei Adelige und Ritter, auch Raubritter und Räuber.

Die Landwirtschaft prägt die Landschaft schon seit dem die Menschen sesshaft geworden sind. Viele Kriege waren übers Land gezogen und wenn man mal überlegt, wie viele Menschen im Laufe der Zeit hier ums Leben gekommen sind, ob gewaltsam oder aufgrund Krankheit oder Alter, dann könnte es einem schon mulmig werden. Sie ist also noch nicht mal in der Einsamkeit allein.

Jetzt wo der Schnee alles bedeckt, ist alles ganz still. Man kann die Geister der Vergangenheit fast spüren. Sie stapft weiter, der Schnee geht ihr fast bis zum Knie. Hätte sie vielleicht doch auf dem Weg bleiben sollen? Auf dem Weg kann es doch jeder, man muss schon ab und zu vom Weg abkommen, um wieder zum eigenen Weg zurückzukommen. Ihr Weg ist ihr Ziel. Sie trägt einen Kilt und sie hat sich Wollstoffstreifen und Leder um die Beine gewickelt, am Füße trägt Frau Holzschuhe. Auf den Rücken hat sie einen Korb geschnallt. Die Kraxe ist diesmal nicht schwer beladen, aber trotzdem muss sie bei jedem Schritt aufpassen, dass die nicht ausrutscht. Die Holzschuhe sind total vereist und sie muss alle paar Schritte den fest gepressten Schnee von den Sohlen abklopfen. Kalte Füße hat sie dennoch nicht, die Schurwolle tut ihre Pflicht, ob Sommer oder Winter, trägt sie Wollsocken. Sie hat immer warme Füße, die Füße schwitzen aber nicht.

Die Menschen haben sich schon was dabei gedacht, als sie nadelgebundene Socken erfunden haben. Ein Hoch auf die Wikingerfrau, die sich damals Gedanken zu kalten Füßen gemacht hat.

Sie hatte wahrscheinlich eine chronische Blasenentzündung und immer kalte Füße, dann erfand sie bestimmt das Nadelbinden.

Sie läuft immer noch durch den Schnee, am Ende ihres Kilts haben sich kleine Schneeklumpen gebildet, wie beim Fell eines Hundes, der durch tiefen Schnee läuft. Wie gerne hätte sie einen treuen Begleiter dabei, aber sie geht allein.

Nach gefühlten Stunden, ist sie am Ende des Waldes angekommen und ihr Blick fällt nun auf ein weites Tal. Die Sonne geht über den Alpen auf. Das Morgenrot taucht das ganze Voralpenland in ein warmes Licht. Sie kommt sich vor, als wäre sie der einzige Mensch auf der Welt, wie ein Ureinwohner. Ein Neandertaler. Nur sie und die Geister der Ahnen.

Es ist auch gut so, dass sie wirklich alleine ist. Sie trägt eine Fellmütze, eine Gugel, eine Wolltunika und ist mit Wolle und Fellen umwickelt. Ein Mensch in der heutigen Welt, würde die Polizei rufen oder weglaufen, wer er ihr allein im Wald begegnen würde.

Früher wäre es eher weniger Ungewöhnlich gewesen. Da wäre nur die Frage gewesen, ob Freund oder Feind. Heute holt man die Polizei oder gleich einen Krankenwagen.

Menschen, die so rum laufen, müssen doch krank im Kopf sein. Aber wie soll man den herausfinden, wie es damals war, wenn man sich nicht in die damalige Zeit hinein versetzt. Da könnte sich so mancher Professor noch ein Scheibchen abschneiden.

Sie steht immer noch an der Stelle, an der sie vorhin aus dem Wald gekommen war, der Ausblick ist einfach so atemberaubend, dass sie sich zwingen müsste, den Blick wieder auf den Weg zu richten. Einen Moment noch steht sie am Waldrand, als wäre sie dort fest gefroren. Dann läuft sie ins Tal zur Straße hinunter…. in dem Moment fährt ein Schneepflug vorbei.

Jakobsweg – Ich muss mehr sündigen…

Jakobsweg Zeitreise Ich muss mehr sündigen…

Pilgern 2009

Die letzten 2,5 Kilometer bis Pfarrkirchen sind die absolute Hölle. Es ging den Berg jetzt wieder doppelt so steil wieder runter, den ich vorhin noch halbwegs munter hinaufgeschlichen bin. Ich musste mich an den Gartenzäunen festhalten, sonst hätte ich den Berg nicht wieder hinunter geschafft. Meine Wade macht ein komisches Geräusch, ich glaube meine Achillessehne ist angerissen. Na, hoffentlich kommt jetzt nicht Orlando Bloom um die Ecke und schießt mir im Legolas-Style in die Wade. Nach einer halben Ewigkeit bin ich dann unten am Berg angekommen und kaum ist der Weg wieder gerade, geht meine Blase auf, die ich ja eigentlich gar nicht haben sollte. Mein Leben ist ein Alptraum. Würde jetzt gerne was schönes und niedliches kaputt machen. Was für eine Scheiße. Ich humple also weiter und versuche meinen Fuß zumindest an der offenen Blase nicht zu belasten. Mit einer Kraxe auf dem Rücken ist das nicht unbedingt leicht. Das Universum muss mich ganz schön hassen. Habe ich etwa nicht genügend gebetet. Das glaube ich nicht. An irgendwas muss es doch liegen, dass ich so eine Pechsträhne habe. Vielleicht habe ich ja wenigstens etwas im Lotto gewonnen. In der Liebe klappte es ja immerhin auch nicht. Ich glaube ich hänge mich jetzt einfach mit samt meiner Kraxe auf und mache Schluss mit der Scheiße. Und vorher erschlage ich noch ein paar Katzen und deren Besitzer mit meinem Pilgerstab.

Ich finde keinen Baum an dem ich mich aufhängen könnte und an dem Bach an dem ich vorbeikomme, hätte ich nicht mal eine Katze ertränken können. Also schleppe ich mich weiter. Wenn sich meine Blase jetzt noch entzündet, dann hätte ich eine doppelte Blasenentzündung, das wäre mir fast der Spaß wert damit zum Arzt zu gehen.

Irgendwie bin ich zwar jetzt schon in Pfarrkirchen, aber ich laufe an einer Umgehungsstraße entlang. Ich komme mir jetzt noch mehr einsam und alleine vor. Das Alleinsein macht mir ja eigentlich nichts aus, weil ich eigentlich gerne alleine bin, alleine schreibe ich die besten Geschichten, alleine lenkt mich keiner ab. Aber ich bin jetzt irgendwie schon im nächsten Level von Alleine angekommen, ich fühle mich irgendwie unvollständig. Als würde mir etwas zum Leben fehlen. Jemand zum Leben fehlen. Niemand bestimmtes, einfach jemand, der mir Vollständigkeit gibt. Ich glaube ich habe sie wirklich nicht mehr alle beisammen. An Unvollständigkeit grenzende Tatsachen sozusagen. Dazu gibt es auch ein schönes Filmzitat von Echte Kerle. Ich hoffe ich kriege es aus dem Stegreif hin. Wenn ein Kopffüßler (Tintenfisch, Krake, was auch immer) zu lange alleine lebt, dann fängt er an, vor Einsamkeit, sich die Arme abzubeißen. Wie gesagt, es ist ein Filmzitat. In Wirklichkeit ist es bei den Kopffüßlern so, dass die Männchen gleich nach dem ersten Geschlechtsakt sterben und die Weibchen zwischen legen und schlüpfen des Nachwuchses sterben. Beides ist nicht besonders aufmunternd. Wenn der jungfräuliche Kopffüßler sich die Arme abbeißt, weil er keine Frau abkriegt oder wenn er stirb, weil er eine Frau abgekriegt hat. Himmel, jetzt bin ich noch viel mehr deprimiert als vorher.

Ich bin ja eigentlich auf dem Jakobsweg und schleppe mich und meine Kraxe nach Pfarrkirchen. Ich muss schon wieder aufs Klo und mein linker Fuß fühlt sich so an, als wäre er eine einzige Blase. Jetzt achte ich nicht mehr wirklich auf die Jakobswegschilder, sondern will nur noch so schnell wie möglich zu meinem Auto. Ich bin so im Arsch, dass ich kaum noch weiter kann. Ich achte nur noch auf die Bahngleise und überlege, wie ich am schnellsten zu meinem Auto komme, ohne aber dabei völlig aufzugeben. Ich habe nicht vor mich dahin fahren oder tragen zu lassen. Ich komme an einem Autohaus vorbei und es fragt mich ein alter Mann, was ich da mache. Ich bin dankbar für die kleine Pause und erkläre ihm kurz, was ich da mache. Er kramt in seiner Hosentaschen und drückt mir 2 Euro und 20 Cent in die Hand. Ich soll ihm eine Kerze stiften, wenn ich in Altötting ankomme.

Toll, ich hatte mich innerlich eigentlich schon entschlossen aufzugeben und nachhause zu fahren. Was mache ich denn jetzt, ich kann doch jetzt nicht aufgeben und die 2 Euro einfach behalten. Es ist echt nicht einfach aufzugeben und sich seine Niederlage einzugestehen. Am schwierigsten ist es seine Schwäche vor anderen zu zeigen. Kurz bevor ich den Jakobswegs endgültig verlasse, um zu meinem Auto zu gehen, sehe ich wie der Weg einen Berg hinauf geht zu der Wallfahrtskirche Gartlberg, die ich heute wohl nicht mehr sehen werde. Selbst ohne Kraxe würde ich zwar rauf kommen, aber wahrscheinlich nicht mehr runter. Ich verlasse den Jakobsweg und frage mich zum Bahnhof durch. Kurz vor dem Bahnhof, kommt mir eine Frau mit ihrem Kind entgegen. ‚Ui, schau mal der Nikolaus!‘ meint das Kind. Sehr witzig. Hohohoho.

Wenig später bin ich an meinem Nemo angekommen. Mit zitternden Fingern binde ich die Kraxe von meinem Rücken und lasse sie einfach auf den Boden fallen. Ich krame nach meinem Schlüssel und drücke aufs Knöpfchen, wuchte meine Kraxe auf den Beifahrersitz und verpisse mich erst mal hinter mein Auto. Da war sie wieder meine Blasenentzündung und diesmal sind mir mögliche Zuschauer scheiß egal. Dann lasse ich mich auf den Rücksitz meines Autos fallen und bleibe erst mal eine geschlagene Stunde reglos liegen. Dann beschloss ich meine Füße zu untersuchen. Ich habe 6 Blasen auf dem Fußballen und zwei an der Seite, davon ist eine nicht nur bereits aufgeplatzt, sondern sieht schon ziemlich unschön aus.

Meine Füße fühlen sich so an und sehen auch so aus, als wäre ein Panzer drüber gefahren. Das liegt jetzt wohl an meinen Bi(e)nchensocken, mit meinen Pilgersocken, wäre das wohl auch nicht passiert. Der rechte Fuß scheint halbwegs in Takt zu sein.

Und mein Arsch tut mir weh, ich befürchte meine Kraxe hat mir beim Laufen so den Arsch versohlt, dass ich jetzt bestimmt blaue Flecken am Hintern hab.

Mein Fazit ist, dass ich im letzten Jahr anscheinend zu wenig gesündigt habe, so dass sich der Weg irgendwie nicht gelaufen werden will. Aber ich werde nicht aufgeben. Ich werde Stück für Stück weiter machen und irgendwann werde ich wohl mal an meinem Ziel ankommen, wo auch immer dieses Ziel sein wird. Und ich werde dieses Jahr zum Jahr der Sünde ausrufen.

Am nächsten Tag bin ich nach Altötting gefahren und habe zwei Kerzen angezündet. Eine für mich und eine für den alten Mann. Nur die 2 Euro habe ich behalten, es ist ein 2 Eurostück aus Spanien. Das ist ein Zeichen, oder? Trotz meiner Niederlage, habe ich jetzt einen Arsch voll Glücksbringer aufgeladen, die mir hoffentlich für die Zukunft mehr Glück bringen werden. Naja, mein Dieter Bohlen (Tinnitus) nervt zwar wieder, aber dem werde ich jetzt als erstes das Maul stopfen.

Jakobsweg – Die Sache mit den Blasen…

Jakobsweg Zeitreise Die Sache mit den Blasen…

Pilgern 2009

Ich bin also immer noch in Brombach und mache noch ein paar Fotos. Dann packe ich doch meine Sachen und laufe weiter, der Römerweg gewinnt, den ich gleich einschlagen werde. Der arme Tankwart wird dann doch ohne mich auskommen müssen. Hm. Schade. Er hatte aber auch keine übersichtliche Frisur. Ich laufe also die historische Römerstraße nach Pfarrkirchen. Ja, historischer Asphalt unter meinen Holzschuhen reibt mir Millimeter für Millimeter von meinem Profil und reibt auch mich völlig auf, es geht bergauf und zwar gefühlte 5 Kilometer. Ein Auto nach dem anderen kommt mir entgegen oder überholt mich. Einige bremsen sogar ab, bevor sie mich passieren. Ich komme also kaum voran, weil ich ständig stehenbleiben muss, damit ich nicht vom Fahrtwind der vorbeirasenden LKW´s umgeweht werde. Meine Angst vom LKW überfahren zu werden, kommt mir mittlerweile nicht mehr so abwegig vor. Es ist purer Realismus und der blanke Horror. Der Weg ist eigentlich total schön und die Aussicht ist schlichtweg der Hammer, aber zum Genießen komme ich leider nicht, weil ich gerade ernsthaft versuche zumindest meine Unfallverhütungsvorschriften fürs Pilgern einzuhalten. Die da währen. Möglichst unauffällig schnell vorwärts zu kommen! Ich habe ja auch total unauffällige Klamotten an, die zum größten Teil knallrot sind, ich habe diese riesige Kraxe auf dem Rücken und tausend Pilgerglöckchen kündigen jede meine Bewegungen schon kilometerweit an. Und zum Thema schnell sag ich nur gefühlte 5 km berauf. Zweitens bloß kein unnötiges Aufsehen erregen! Des kann ich ja wohl auch völlig vergessen. Die Autos die nämlich abbremsen, machen das nur, weil sie nicht im Graben landen wollen, weil sie vor lauter Gucken nicht mehr mitkriegen, wo sie hinfahren. Drittens den Pilgerschaft immer griffbereit um sich zumindest irgendwie gegen die Automobile wehren zu können. Das funktioniert eigentlich ganz gut, aber darauf möchte ich mich im Ernstfall eigentlich auf nicht verlassen, weil mein alter Pilgerstab sogar das Parieren mit einer Larpwaffe nicht unbedingt überlebt hat. So, ich zwinge sie jetzt einen riesigen Bogen um mich zu machen, die Schweine. Ich brauche jetzt noch mehr Platz auf der viel zu engen Straße. So. Jetzt habt’s es.

Ich hab mir auch lange überlegt, wieso auf einem Pilger- und Wanderweg so viele Autos fahren. Es ist wohl die Vollsperrung der Hauptverkehrsader zwischen Bad Birnbach und Pfarrkirchen. So eine Scheiße. Und alle Einheimischen fahren nun auf meinem Pilgerweg und halten mich von meiner echt nötigen Erholung ab. Ich werde zunehmend aggressiv. Ist jetzt nicht unbedingt das, was man bei einer Pilgerreise erwarten würde und vorallem nicht am ersten Tag. Ich bin endlich oben auf diesem Scheißberg angelangt und muss schon die ganze Zeit pinkeln. Ja, da ist sie wieder meine Blasenentzündung. Aber nachdem ein Auto nach dem Anderen an mir vorbeifährt und ich im Moment die einzige Attraktion zu sein scheine, möchte ich die Massen jetzt nicht mit einem Live Gewandungspinkeln erfreuen. Ich laufe also schneller und genieße wieder die Aussicht nicht unbedingt. Ich komme jetzt in einen Wald und es kommt mir ein bisschen unheimlich vor, dass die vorbeifahrenden Autos immer dann vorbeikommen, wenn ich eine geeignete Stelle zum Pinkeln gefunden habe. Ich verfluche meine Blasenentzündung, weil meine Kraxe gerade und heute das erste Mal so richtig gut sitzt. Und wie vom Universum bestellt kommt ein versteckter Rastplatz in Sicht, ich werfe also meine Kraxe ab und renne hinter die Büsche und es kommt auch ausnahmsweise kein Auto vorbei. Puh. Geschafft. Die Verfassung meiner Nieren macht mir aber richtig große Sorgen. Ich schultere meine Kraxe wieder und versuche mir dabei die Nieren nicht abzuschnüren. Hm. Ein sinnloses Unterfangen. Ich laufe also weiter, die Kraxe fühlt sich nicht gerade perfekt auf meinem Rücken an, aber jetzt geht’s weiter. Die LKW´s kommen nun gleichzeitig von vorne und von hinten. Ich kriege ernsthafte Panik. Meine Hirngespinste kommen nun auf die glorreiche Idee, dass es für einen Vergewaltiger eigentlich total perfekt wäre, eine hilflose Pilgerin ins Auto zu zerren, weil man wie eine Schildkröte auf dem Rücken, sich nicht unbedingt gut wehren kann. Die Autos werden immer weniger, was mein blödes Gefühl nicht besser macht, jetzt würde mich noch nicht mal einer retten. Das Einzige was dem eingebildeter Vergewaltiger gewiss sein kann, wenn er mich wirklich vergewaltigen sollte, er steckt sich hoffentlich mit der schlimmsten Blasenentzündung seines Lebens an. Und zu meinem Glück werde ich bestimmt davon schwanger, was einen DNA-Test dann ziemlich sicher machen würde, wenn man ihn erwischt. Er kommt dann nicht nur in den Knast, sondern dann auch gleich in die Hölle, weil wer Pilger vergewaltigt kommt mal ganz sicher in die Hölle. Und ich bekomme einen neuen Messias, weil das arme Würmchen ja schließlich auf dem Jakobsweg gezeugt wurde. Hm. Ich werde dann wieder Katholik. Super. Auf was Frau alles kommt, wenn man gerade einen paranoiden Anfall hat. Ich laufe also noch schneller und irgendwann zwingen mich dann meine Füße zu einer Pause. Ich befürchte nun ernsthaft Blasen zu bekommen. Das Wort BLASEN verfolgt mich irgendwie schon seit Wochen. Ich sollte echt aufhören vom Blasen zu schreiben, davon kriegt Frauen dann nur Blasen und eine Blasenentzündung. So eine Scheiße. Ich mache also Pause und habe eine grandiose Aussicht auf die Wallfahrtskirche Gartlberg bei Pfarrkirchen. Ich mache ein paar Fotos. Dann gehe ich weiter. Ich weigere mich irgendwie immer noch zuzugeben, dass man in Holzschuhen tatsächlich Blasen kriegen kann. Es ist echt unglaublich, ich behaupte seit Jahren, dass ich keine Blasen kriege und vor allem nicht in Holzschuhen. Des kann jetzt nur an den Omega3 Fettsäuren liegen, mit denen ich meine Holzschuhe vor ein paar Tagen noch, mit Leinsamenöl, behandelt habe. Hätte ich jetzt meine alten, mit Olivenöl behandelten, Holzschuhe angezogen, hätte ich mir durch das riesige Loch wahrscheinlich einen sauberen Schiefer eingezogen, aber ich hätte bestimmt keine Blasen bekommen. Warum nur musste ich sie mir im Schlosspark vom Kastell de Haar auch kaputt laufen. Und ich hätte dem Katze doch einen Blasen sollen und ihn dann auf einer Hängebrücke vergewaltigen sollen, dann würde es mir jetzt wenigsten was ausmachen, dass er sich nicht gemeldet hat. Jetzt bin ich einmal im Leben ernsthaft brav und dann ist es mir das Erste mal in meinem Leben scheißegal, dass mein Traummann sich nicht bei mir meldet. Hm. Das Männer Frauen nicht verstehen und umgekehrt, ist echt begründet, aber wenn sich Frauen noch nicht mal selber verstehen, dann hackt es echt aus. Himmel würde ich jetzt gerne eine Ersatzkatze quälen. Himmel, ich pilgere grade, warum ist keiner da, der mir auf die Finger haut. Mir wäre jeder Schuhbruch echt lieber als Blasen am Fuß. Mir wäre Blasen auch lieber als ne Blasenentzündung, aber es ist ja noch nicht mal ein Vergewaltiger in Sicht. Mensch Bine, wie kann Frau nur Vergewaltigungsfantasien haben und gleichzeitig Angst davor haben vergewaltigt zu werden. Es ist echt unglaublich. Ich war tatsächlich kurz davor, dass ich die Jakobsbibel aus der Kraxe hole und den weiteren Weg mich damit selbst geißle. Ein Wetter zieht auf, jetzt kommt wirklich alles zusammen, ich werde bestimmt gleich vom LKW überfahren und dann noch vergewaltigt, ausgeraubt und irgendjemand bringt dann aufgrund meines Notizbuches meine Ideen als seine Bücher raus und wird dann reich. Die Hölle wird sich freuen, aber ich werde es wohl nicht überleben…Ich packe mein Wimmerl in die Kraxe und beginne jetzt richtig Gas zu geben, ich habe keine Lust darauf auch noch nass zu werden. Und Scheiß auf alles was mit Blasen zu tun hat.

Fortsetzung folgt….

Jakobsweg – Auf den Hund gekommen…

Jakobsweg Zeitreise – Auf den Hund gekommen…

Pilgern 2009

Seit dem ich aus der Niederlande zurück bin, kann ich mich von meinem Roman irgendwie gar nicht mehr trennen. Ich überlege mir ernsthaft ganz daheim zubleiben und weiter Synonyme für Schwanz, Hoden, Möse und Kitzler zu suchen. Mein Pornobuch wird so krank, dass ich es nie jemanden lesen lassen kann, aber es lasst mich vielleicht gerade deswegen kaum los. Für dieses Buch werde ich wohl keinen Buchpreis bekommen, außer Beate Uhse vergibt neuerdings Preise für Pornobücher.

Am Sonntag hatte ich noch nichts gepackt. Aber dafür bin ich schon auf Seite 30 meines Pornos. Aus meinem Kopf sprudeln seit Tagen nur Sauereien. Ich muss mich jetzt endgültig davon trennen. Ich muss echt pilgern. Am Montag zwinge ich mich dazu endlich zu packen. Ich teste meinen Rücksitz auf die Möglichkeit der Übernachtung. Meine Nachbarn müssen mich für völlig bescheuert halten, weil ich mich am helllichten Tag in mein Auto lege und getrost ein Nickerchen abhalte. Mein Nemo war ein guter Kauf. Es passt alles ins Auto, was Frau so beim Pilgern braucht und auf dem Rücksitz ist so viel Platz, dass sogar ich da schlafen könnte. Könnte. Ich bin übrigens total stolz auf meinen neuen Pilgerstab und auf die Glücksbringer, die ich kunstvoll dran gebunden habe. Ich vergesse irgendwie schon zum hundertsten Mal die blaue Trinkflasche im Auto, die ich eigentlich auswaschen und neu befüllen wollte.

Am Dienstag, den 5.5.09 ist es endlich so weit….Es ist 9.13 Uhr und ich sitze im Auto, bereits in Gewandung. Ich habe übrigens schon wieder die blaue Trinkflasche vergessen auszuwaschen. Jetzt habe ich aber keine Zeit mehr und vorallem keine Lust noch einmal rauf zulaufen, nur um die Flasche zu befüllen. Ich habe ja einen neuen Trinkschlauch und ich bin total gespannt, wie lange der durchhält. Beim Befüllen von diesem Trinkschlauch ist mir übrigens schon eine nasse Stelle aufgefallen. Genauso hat es bei dem letzten Trinkschlauch auch angefangen. Ich schweife irgendwie ab…

So, jetzt geht’s auf zum Gewandungstanken. Der Tankwart hält mich für einigermaßen verrückt. Um 11.25 bin ich in Pfarrkirchen. Meinen Zug nach Bad Birnbach kriege ich wohl nicht mehr. Ich steuere also den Mac Donalds an, um zum Gewandungspinkeln zu gehen. Die Leute kucken alle ganz schön komisch, glaube ich zumindest, ich versuche sie weitestgehend zu ignorieren. Da war sie wieder meine Blasenentzündung, ich dachte eigentlich sie wäre vorbei, aber da hab ich mich wohl geschnitten. So, ein Mist. Des kommt davon, wenn man tagelang halbnackt im Bett liegt, Unmengen schwarzen Tee trinkt, um wachzubleiben und versucht einem Porno zu schreiben. Da ist es ja kein Wunder wenn man sich verkühlt. Hm.

Um 11.39 Uhr bin ich am Bahnhof Pfarrkirchen und um 12.30 Uhr geht ein Bus nach Bad Birnbach. Ich packe also meine Kraxe fertig. Um 12.15 mache ich meine Auto zu und schultere meine Kraxe. Als ich auf den Bus warte, will ich eigentlich nur Fotos machen, währenddessen ich übers Fotografieren nachdenke, werde ich von ein paar Schülern mit der Handykamera fotografiert. Was würden wir heute wohl ohne Handy machen? Und ich frage mich schon wieder, was Menschen mit so bescheuerten Fotos machen. Und was denken Menschen, wenn sie so ein bescheuertes Bild gezeigt bekommen. Ein Foto, zu dem man nahezu keinen Bezug hat, durch eine Scheibe fotografiert. Die wissen ja nicht mal, was ich da mache. Ich hätte mir vielleicht doch ein Schild um den Hals hängen sollen. ‚Vorsicht Pilger‘ und hinten an die Kraxe ‚Heck schwenkt aus‘. Ich schicke ein inbrünstiges Stoßgebet ans Universum, dass es nicht zum Regnen anfängt und dass mein Auto heute Abend noch da steht, wo ich es geparkt habe. Und ich hoffe inständig, dass mir meine Blasenentzündung keinen Strich durch die Rechnung macht, dass ich nicht vom LKW überfahren werde und da hätten wir noch die Sache mit den gutaussehenden Vergewaltigern. Böse Bine, du gehst gleich pilgern, da kannst du doch nicht wieder an so versaute Sachen denken. Ich haue mir auf die Finger und da kommt der Bus, pünktlich um 12.30 Uhr. Ich steige ein, zahle meine Fahrkarte und dann stelle ich fest, dass Bayerns Busse definitiv nicht für Pilgerinnen und ihre Kraxen gemacht sind. Die Menschen im Bus sind sehr hilfsbereit und mir ist ihre Hilfsbereitschaft fast schon peinlich. Ich lasse nun schwermütig meinen Laptop in meinem Auto zurück und fahr ins Ungewisse. Die Sehnsucht auf den Weg ist irgendwie seltsam, vor zwei Monaten hätte ich das Pilgern unbedingt gebraucht, einfach abzuhauen und sich einfach mal von allen am Arsch lecken lassen. Vor einem Monat hätte ich den ganzen Tag heulen können, weil mit mein Körper ein Strich durch meine Pilgerreise gemacht hat. Vor ein paar Tagen wollte ich gar nicht gehen, weil ich einfach nur schreiben wollte. Noch vorhin im Auto hab ich geheult, weil ich es kaum erwarten konnte, zu laufen. Und jetzt will ich eigentlich nur zurück zu meinen Laptop. Ich schreibe also ersatzweise einige Zeilen in mein Notizbuch. Hm. Und dabei dachte ich, ich wüsste was ich wollte. Aber jetzt gibt es kein Zurück mehr…

Um ca. 13.00 Uhr steige ich an der Bushaltestelle aus, wo wir vor genau einem Jahr und einem Monat, die Pilgerreise abgebrochen hatte. Ein netter Mensch trägt meine Kraxe aus dem Bus. Ich verabschiede mich vom Busfahrer und überlege mir, wie oft er an diesem Tag noch an mir vorbeifahren wird, bis ich wieder in Pfarrkirchen ankommen werde.

Ich laufe zum Kuramt um mir einen Stempel für meinen Pilgerpass zu holen. Der Typ vom Amt ist ganz schön überrascht von meinem Auftreten, aber irgendwie total begeistert von mir. Ich werde ihn aber nie wieder sehen, weil ich im nächsten Moment damit beginne, Bad Birnbach hinter mir zu lassen. Ich fotografiere noch die Bank als Beweis, dass ich wirklich da gewesen bin. Die Passanten gaffen mir hinterher. So wie letztes Jahr, die Menschen ändern sich wohl nie. Aber wer macht schon in Bad Birnbach Kururlaub. Ich finde eine Feder für meinen Pilgerstab und verlasse Bad Birnbach, nicht ohne noch ein Bild zu machen. Für Autofahrer sind es noch 11 km nach Pfarrkirchen, für Pilger wird es wohl ein bisschen mehr sein. Im nächsten Ort kommt mir ein älteres Ehepaar auf mich zu und fragen mich, ob ich eine Hochzeitsladerin wäre. Es sind Saupreißen, ich finde es bemerkenswert, dass sie den Begriff Hochzeitslader überhaupt kennen. Sie waren direkt vor dem nächsten Jakobswegschild stehengeblieben, um mich zu befragen. Ich stoße sie quasi mit der Nase auf das Schild. Sie sind total überrascht, dass hier der Jakobsweg durch geht. Ich bin überrascht, dass sie den Jakobsweg überhaupt kennen. Ich laufe weiter. Es kommt eine Tankstelle auf mich zu und ich auf sie, ich gehe in die Tankstelle und frage, ob ich die Toilette benützen dürfte. Natürlich darf ich. Der Tankwart ist total nett zu mir und will mir helfen. Unglaublich. Ich gehe aufs Klo. Puh, das war knapp. Ich bete nun an alle Götter, die ich kenne, meine Blasenentzündung solle jetzt sofort vorbeigehen. Egal. Auf dem Klo hängt ein Schild, für Tank und Shopkunden ist des Pinkeln frei und für Nicht-Kunden kostet des Pinkeln 50 Cent. Hm. Ich krame nach meinem Geld, ich hole meine Kraxe aus dem Tankshop, zahle mein Geschäft und sattle wieder auf. Der Tankwart will mir schon wieder helfen. Er ist wirklich total nett zu mir. Wenn ich irgendwann mit dem Auto hier vorbeikomme, werde ich auf jeden Fall hier tanken. Er hängt mir noch ein Gespräch auf und wünscht mir gut Fuß. Er frägt mich, was ich mache, wenn ich es nicht schaffen sollte. Ich erzähle ihm von meinem Notnagel am Bahnhof in Pfarrkirchen. Er scheint irgendwie erleichtert zu sein, dass ich mein Auto zu Sicherheit in Pfarrkirchen geparkt habe.

Ich laufe weiter. Unterwegs verliere ich mein Notizbuch, ich habe es aber gehört, wie es klatschend aus dem Korbwimmerl gefallen ist. Was wäre passiert, wenn ich es nicht gehört hätte, meine ganzen Idee wäre damit verschwunden. Das wäre ganz schön scheiße gewesen. Und was wäre gewesen, wenn jemand mein Buch gefunden hätte, es steht nämlich blödsinniger Weise kein Name drin. Im Einband steht nur Omniintelligente Killerpollen, Käseschinkenbrot und obszöne Pilzgewächse. Schackeline 17 ½, das zwölfjährige Mädchen mit blonden Zöpfen auf einer wunderschönen Blumenwiese. Ich hab des mal alles gegoogelt. Und man kriegt durch die Eingabe der Begriffe keinerlei weitere Informationen, gut es hat noch keiner meine Ideen geklaut. Aber ganz schön scheiße, wenn ich mein Büchlein wirklich mal verlieren würde. Ich habe gerade meinen Namen in mein Notizbuch geschrieben und meine Nummer, nur für den Fall. (Mittlerweile kann man alle meine Begriffe googeln! Haha!)

Zum Thema Wimmerl, ich wollte es eigentlich googeln und bin auf eine deutsch-österreichische Webseite gefunden. Ich hatte eine ganz tolle Idee, die ich über das Wimmerl schreiben wollte. Ich schreibe dieses Wort gleich mal in mein Bücherl, vielleicht schüttelt sich dann von allein eine Geschichte über das ein oder andere Wimmerl zusammen.

Es weiß hoffentlich jeder was ein Wimmerl ist, nein kein Pickel, ähm auch ein Pickel, aber es heißt auch kleiner Rücksack oder Bauch. Und ich habe eine Bauchtasche gemeint. Das Wimmerl ist mir auch noch kaputt gegangen, ich trage es unter dem Arm, bis ich in Brombach ankomme.

In Brombach ist eine Vollsperrung und zum Glück führt der Jakobsweg von der Absperrung weg. Vor mir ist der Dorfbrunnen, ich mache dort Rast und repariere mein Wimmerl. Ich werde die ganze Zeit von einem Hund verbellt. Ich weiß nicht woran das liegt, dass mich Hunde immer nur verbellen, wenn ich beim Pilgern bin. Sonst legen sich Hunde immer auf den Rücken, wenn sie mich sehen und lassen sich dann bereitwillig von mir am Bauch kraulen. Hm. Ich muss mich selbst nochmal überdenken, ich sollte mir vielleicht doch beim Pilgern einen Mann aufreißen, vielleicht legen die sich im Umkehrschluss auch auf den Rücken, wenn sie mich sehen. Hm. Ich überlege, ob ich zurück zu der Tankstelle gehen soll. Vielleicht…. Böse Bine. Und warum ist keiner da, der mir auf die Finger haut. Hm. Ich fühle mich irgendwie ganz schön alleine…. Der Hund bellt, bis die Besitzerin aus dem Haus kommt, sie ist die Erste, die weiß, dass der Jakobsweg durch ihren Ort geht. Die Welt hat wirklich ein Einsehen mit mir. Der Hund hat immer noch kein Einsehen mit mir. Ich glaub ich gehe doch zurück zur Tankstelle und kraule lieber den Tankwart am Bauch. Hihi. Ich wünsche mir beim Universum einen Mann mit einer übersichtlichen Frisur, der mir auf die Hand haut, sich gerne auf den Rücken legt und sich am Bauch kraulen lässt. Hm. Vielleicht fühle ich mich dann besser. Oder vielleicht meint mein Schicksal ja auch ich soll mir einen Hund kaufen. Hm. Fragen über Fragen. Fortsetzung folgt.

Jakobsweg Zeitreise – Ich packe meine Kraxe….

Jakobsweg Zeitreise – Ich packe meine Kraxe….
Und ich nehme mit fürs Pilgern 2009
Es hat sich nicht bewehrt kein Deo mitzunehmen, also nehm ich ein Deo mit und zwar ein Sprühdeo, weil man des auch auf Klamotten sprühen kann.

Dann nehm ich wieder eine Seife mit und Rei in der Tube, sicher ist sicher.

Diesmal müssen die Wattestäbchen mit, ich kann keine drei Wochen ohne.

Ich werd mir so eine Alutrinkflasche kaufen, obwohl ich auch einen neuen Trinkschlauch habe, meinen Thermobecher werd ich nicht mehr mitnehmen. Da ist mir in der Arbeit der Deckel verschwunden, des war kurz nach dem Käseschinkenbrot. Es war ein Zeichen.

Dann werde ich wieder mal im Winter versuchen eine Aluisomatte zum Zusammenfalten zu kaufen, ich werd wohl doch mal zum Lauche & Maas gehen müssen. Weil wenn es jetzt doch noch schneit, brauch ich im Wintern noch Gamaschen, dann kann ich auch gleich fürs Pilgern einkaufen gehen.

Ich werde diesmal mein zweites Schaffell mitnehmen, ein Großes und ein Kleines, nur für den Fall, dass ich wieder im Dreck schlafen muss. Dann muss ich meine Heringe diesmal zusammenbinden, damit nicht wieder die Hälfte wegkommt. Die beiden Zeltplanen und die Plane zum Unterlegen.

Hektor ist ganz wichtig, das ist das Pilgermaskottchen. (Hektor wurde mittlerweile auf einem Markt im Osten gestohlen!) Diesmal nehm ich das Sackfett nicht mit, aber meine Nagelfeile, auch wenn ich Beides nicht gebraucht habe. Hhm. Vielleicht sollte ich doch das Sackfett mitnehmen.

Ein neues Paar Holzschuhe und meine neuen alten Wanderschuhe. Danke Sina! Dafür lasse ich die Römersandalen zuhause.

Das erste Hilfeset, mit Nagelschere und Blasenpflaster. Ich hatte, solange ich meine Holzschuhe noch hatte, keine Blasen und keine Knieprobleme, aber man kann ja nie wissen.

Meine Kniebandagen, haben mir das letzte Mal wahrscheinlich das Leben gerettet.

Ich nehme nichts zum Nähen mit, man kommt eh nicht dazu. Ein kleines Nähzeug tut es völlig.

Ich werde eine Taschenlampe mitnehmen für den Notfall, und zwar eine zum Kurbeln und eine rote IKEA-Lampe für den Fall, dass ich wieder etwas zum Aufwärmen dabei habe. Und Kerzen! Feuerzeug …ähh… Streichhölzer natürlich.

Zum Lesen, werde ich die Jakobsbibel mitnehmen und ein Reclamheftchen von Shakespeare ‚Romeo und Julia‘ und ‚Viel Lärm um nichts‘ und ich werde es auswendig lernen. Einen Reiseführer, keine Karten. Zum Schreiben, ein neues leeres Tagebuch und zwei Kugelschreiber und einen Bleistift.

Ich brauche ein gescheites Messer. Beim Geschirr werde ich wohl auch aufs Gewicht achten müssen, ein leichtes Brettchen und einen Napf, mehr nicht. Einen Löffel und eine Gabel.

Dann zum Anziehen, eine Tunika mehr und ein Unterkleid mehr. Ansonsten habe ich nicht zu viel und kaum zu wenig dabei gehabt. Der Unterrock, dass ist so eine Frage, ich werde darüber nachdenken müssen. Meinen Sonnenhut und zwei Häubchen und meine neue Fellmütze.

Glücksbringer und Pilgerstab. Nachdem mein alter Pilgerstab von einem dummen NSC auf Mythodea zum Parieren benützt worden ist, und er dabei in der Mitte zerbrach, habe ich von einem Bekannten einen Neuen bekommen. Der ist es jetzt wohl.

Glücksbringer, der Stein, den ich vor Tettweis für den Anderl aufgehoben habe und der ihn dann in meinem Auto liegen lassen hat. Seitdem ist mein Auto nicht mehr noch kaputter gegangen. Meinen Bergkristall, vom letzten mal. Ein 10 Cent Stück mit der Irischen Harfe, dass ich auch des letzte mal zufällig mitgeschleppt habe. Den ein oder anderen Stein, der mir noch über den Weg läuft.

Und mein Löffel und das was vom letzten Löffel noch übrig geblieben ist und was sonst noch so an meinem Gürtel hängt. Das ein oder andere Müffelsäckchen und ein Pilgerglocke. Meine Pilgertasche und meinen Gürtelkorb.

Die übliche Rolle Klopapier.

Wieder keinen Umhang, aber meine Wollschultertuch und ein Stück Lodenstoff für über die Kraxe. Das hatte sich letzte mal bei Hanna bewährt.

Einen Wolltuch als Rückenpolster für die Kraxe und meine Wollbeinwickel zum Kraxe an mich hin binden. Ein Stück Seil. Dann muss ich den Barney nochmal anhauen, ich brauch wieder jede Menge Lederbänder.

Meinen Deckenschlafsack und meine völlig unauthentische Kunstfelldecke. Die ist warm und ich hasse es zu frieren.

Weniger zum Essen und dafür mehr Geld zum Einkehren. Etwas warmes und heißer Tee ist echt unersetzlich. Eine Zwiebel und eine Knolle Knoblauch für ein MORETVM und als Hilfe gegen Vampire und Vergewaltiger. Sollte ich vielleicht doch Kondome mitnehmen. Mein Chef könnte dann zumindest ruhiger schlafen.

So, irgendwie ist des schon wieder soviel, dass man gar nicht glauben kann, dass ich des alles schleppen könnte, geschweige denn, dass es in die Kraxe passt. Hm. Da wird wohl echt wieder viel raus fliegen, das Sackfett zum Beispiel.

Blutspuren im Schnee

Blutspuren im Schnee

Ich war bei den Tieren oben am Unterstand und machte mich auf den beschwerlichen Rückweg. Der Winter war zu früh gekommen, noch bevor wir das Vieh wieder vom Berg herunter treiben konnten. Wir hatten zu lange für die Ernte gebraucht. Es fehlt einfach ein Mann am Hof.

Und der alte Knecht hat es am Ischias und kann sich kaum bewegen, sobald der kalte Ostwind kommt. Die Kinder arbeiten sich die Finger wund und ich mache die Arbeit, die vorher mein Mann erledigt hat. Ich konnte ihn nicht mal begraben, weil wir seine Leiche nie gefunden haben, als die Lawine ihn mitgenommen hat. Der Berg gibt einen nicht mehr her, wenn er einen mitgenommen hat.

Oben am Berg hab ich die Kühe gemolken, gefüttert und treibe jetzt zumindest ein paar Ziegen hinab zum Hof. Die volle Milchkanne habe ich mir auf den Rücken geschnallt und habe noch zwei kleinere Kannen in jeweils einer Hand.

Das Gewicht der Kannen lässt mich noch tiefer in den Schnee einsinken, als beim Aufstieg. Aber zumindest kann ich so kaum ausrutschen. Ich schicke jeden Atemzug ein Stoßgebet in den Himmel, dass ich heil den Berg hinunter komme.

Die Sonne war schon fast untergegangen. Die Sicht wurde immer schlechter. Die Ziegen liefen voraus, sie kennen den Weg besser als ich. Ich höre ein Knacken hinter mir und drehe mich, soweit es meine Kraxe eben erlaubt. Ich sehe einen riesigen Schatten hinter mir und bekomme es mit der Angst zu tun.

-Dies ist ein gestelltes Fotos!-

Shooting Winter 2009

Ich versuche loszurennen, der Schnee behindert mich aber bei meinem Lauf. Durch meine Panik angesteckt, suchen die Ziegen das Weite.

Ich höre jemanden hinter mir durch den Schnee stapfen und ich kann seinen schweren Atem hören.

Himmel, das muss einer von den Wilderer sein, die Nachts durch den Wald streifen. Wenn ich sein Gesicht erkenne, bringt er mich um. Und das wäre nur das kleinere Übel, mit dem ich zu rechnen hätte.

Unter der schweren Last kam ich viel zu langsam voran, aber ich konnte die Milch nicht einfach wegschütten, sonst haben wir nichts zu essen.

Im Lauf wagte ich es nochmal meinen Kopf zu drehen. Ich sah einen wilden Hünen mit zottigen Haaren, der hinter mir her rannte. Er hielt eine Axt über den Kopf und schob den Schnee vor sich her, als er auf mich zu hechtete. Er würde mich umbringen.

Ich blieb geistesgegenwärtig stehen und suchte mir einen sicheren Stand. Dabei ließ ich eine meiner Kannen in den Schnee sinken und nahm den Henkel der anderen Kanne in beide Hände. Wenn er mich jetzt schon umbringen sollte, dann sollte er noch möglichst lange an mich denken. Ich warf die Kanne gegen seinen Arm und die Axt flog im hohen Bogen über meinen Kopf hinweg davon.

Im Ducken nahm ich die zweite Kanne in beide Hände und holte aus. Die Milch war bereits gefroren, dass konnte mein einziger Vorteil sein. Mein Schlag saß besser als ich es zu hoffen gewagt hatte. Von der Wucht meines Schlages fiel er nach hinten um. Blut rann dampfend in den Schnee. Zitternd nestelte ich an der Aufhängung meiner Kraxe und rannte los. Als ich die Knoten endlich lösen konnte, warf ich die Kraxe von meinem Rücken. Von dem fehlenden Gewicht auf meinem Rücken kam ich ins Straucheln, stürzte und rutschte bäuchlings den Abhang herab. Meine Hände gruben sich immer tiefer in den Schnee, bis ich endlich zum Stillstand kam.

Mein erleichtertes Aufatmen wurde je unterbrochen, als der Mann sich, wie ein Tier, auf mich warf. Sein Gesicht war blutüberströmt. Und er hatte eine lange Blutspur im Schnee hinterlassen, von dem Punkt, wo ich ihn zu Fall gebracht hatte, bis zu dem Punkt, wo ich zum Stillstand gekommen war. Mein Schlag hatte ihn noch viel rasender gemacht. Er wälzte mich herum und dabei riss er meinen Janker auf.

-Dies ist ein gestelltes Fotos!-

Shooting Winter 2009

Sein Blut tropfte in mein Gesicht und ich konnte seinen stinkenden Atem riechen. Ich würgte von seinem Gestank und versuchte mich unter ihm herauszuwinden. Er hielt mich an meinem Röcken fest, die unter seinem Griff zerrissen. Durch meine Bewegungen grub ich mich nur noch mehr in den Schnee ein. Er versuchte mich zurückzuhalten, bekam aber wieder nur meinen Rock zu fassen und riss ihn mir bis zum Bund auf. Er grinste mich dreckig an, als er meine Unterröcke mit Blut besudelte.

Der Schnee unter mir gab plötzlich nach und ich rutschte mit einer Ladung Schnee ein weiteres Stück den Abhang hinab. Mit einem lauten Krachen landete ich an einem Baum und der Schnee, der von diesem Baum herunter kam, begrub mich bis zum Hals mit Schnee.

Mein Angreifer warf sich mit voller Wucht auf den Schneehaufen, in dem ich lag. Er packte mein Bein und zog mich mühelos aus dem Schnee. Ich versuchte mich an allem festzuhalten, was ich zu fassen bekam. Es half alles nichts, er war einfach zu kräftig. Er zog mich weiter den Hang hinab und ich ließ es bewegungslos zu, bis er am Fuße des Berges an der großen Eiche stehen blieb.

Erst jetzt sah ich, dass er seine Axt wieder in der Hand hielt. Er musste sie nach meiner Rutschpartie aufgehoben haben. Für einen Moment lies er mein Bein los, um sich nach mir zu bücken. Ich trat ihm gegen das Knie und versuchte mich aufzurappeln. Er hatte die Axt fallen gelassen und packte mich an beiden Schulter, drehte mir mit einem Ruck beide Arme auf den Rücken und zog mich hoch. Mit voller Wucht schmetterte er mich gegen den Stamm der Eiche und schob mich mit seinem Körper den Stamm hinauf. Meine Arme schrammten an der Rinde entlang. Heißes Blut rann an meinen Armen und Händen hinab. Ich verkniff mir aber jeglichen Schmerzensschrei. So an den Stamm gepinnt konnte ich mich nicht mehr wehren. Ich hing kraftlos am Stamm der Eiche fest und meine Beine baumelten ein ganzes Stück über dem gefrorenen Waldboden. Er riss mir nun auch mein Mieder und mein Hemd auf. Mit einem zufriedenen Grinsen rieb er seine blutverschmiertes Gesicht über meine nackte Brüste. Ein ekelerregendes Stöhnen kam aus seiner Kehle, als er den Kopf hob um mir ins Ohr zu flüstern: ‚Hübsches Täubchen!‘

Ich spuckte ihm ins Gesicht. Er drückte mich mit seiner Brust gegen den Baum, rieb sich dann mit einer Hand meine Spucke aus dem Gesicht und dann nestelte er an seiner Hose herum. Ich versuchte meine letzten Kräfte zu sammeln, um mich von ihm loszukämpfen, wenn er in dem richtigen Moment die Konzentration verlieren würde, hatte ich vielleicht ein Chance.

Ich schloss die Augen, atmete tief durch und versuchte mich zu entspannen.

Ich spürte einen dumpfen Schlag und riss die Augen auf. ‚Lass die Finger von meiner Mutter, du Bastard!‘ hörte ich meinen Ältesten brüllen, so laut, wie ich es noch nie aus seiner Kehle vernommen hatte.

Der Kopf des Wilderers lag auf meiner Brust. Sein Gewicht quetschte mich immer noch gegen den Stamm. Mein Sohn zog an etwas und der Körper des Wilderers fiel einfach nach hinten um. Ich rutschte vom Stamm herunter, bis meine Beine den Boden berührten. Meine Beine gehorchten aber nicht mehr meinem Willen und gaben nach. Ich krachte mit voller Wucht mit dem Hintern auf den Boden und bleib dann reglos an den Stamm gelehnt liegen. Mein Sohn stand immer noch mit der blutverschmierten Axt da und starrte mit einem entsetzten Blick auf das Geschehen.

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