Das Klagelied des Fuchses – Nach dem Fall an die Front

Das Klagelied des Fuchses – Nach dem Fall an die Front

arcticfoxWegen Zuspätkommens und Missachtung der Befehle wurde ich an die Front versetzt. Das habe ich nun davon, dass ich meine Nase in Dinge gesteckt habe, die mich nichts angehen. Zumindest konnte ich im Vorbeireiten die Fibel und die Stofffetzen an Alveradis und Thôn zurückgeben und das Pferd meiner Mutter gegen mein Eigenes tauschen.

So jetzt sitze ich im Dreck, in einem Schlammloch und der Regen ist in Graupel übergegangen. Der Sommer schickt sich an uns nicht mit seiner Aufwartung zu behelligen. Ist ja nicht so, als wären wir hier nicht schon völlig durch gefroren.

Wir wurden seit Tagen immer wieder angegriffen, von Kriegern der Spinne. Sie trugen kupferne Masken und schlichen nahezu so geschickt, wie wir durch den Wald.

So jagten wir seit Tagen durchs Gehölz und versuchten die Spinnenkrieger in kleinere Kämpfe zu verwickeln. Wir versuchten sie zu schwächen, ohne uns zu schwächen. Genau deshalb haben wir uns in 6 Mann Trupps aufgeteilt und sprengten durch den Wald. Mittlerweile war es auch völlig egal ob Nebelwölfe oder Grünfänge, wir waren ein bunt zusammengewürfelter Haufen. Gegründet aufgrund der hohen Verluste in den vergangenen Scharmützeln.

Ich habe keine Ahnung, ob unser Plan aufgehen möge, aber ich gebe die Hoffnung nicht auf.

Eines Morgens ging doch tatsächlich die Sonne auf und die Strahlen erwärmten unsere müden  Glieder. Ein Pfeil mit einer Nachricht, eines benachbarten Trupps schoss an meinem Ohr vorbei und blieb in einem Baum hinter mir stecken. Der Pfeil vibrierte noch von der Wucht seines Einschlages, als ich ihn aus dem Baum ziehen wollte. Ich las die Nachricht und pfiff zum Sammeln.

Ein versprengte Gruppe unweit unserer Stellung wurde angegriffen und wir eilten schon zur Hilfe, ehe wir darüber nachdachten, was wir taten.

Unachtsam wie wir waren, rannten wir beinahe in eine Falle. Die Krieger der Spinne hatten unsere Mannen gefangen genommen und folterten sie. Kurz bevor sie uns entdecken konnten, kreuzte der weiße Fuchs meinen Weg. Er lief auf einen kleinen Hügel, drehte sich nochmal zu mir um und sang dann sein jammervolles Lied. Wir gingen hinter einer Kuppe in Deckung und dann erblickte ich ihn. Faran, Thôns Sohn, er trug noch seine zerrissene Clanshose und lief an unserem Versteck vorbei. Die weißen Haare waren zu einem zerzausten Zopf gebunden. Als er seinen Kopf drehte, erkannte ich die kupferne Halbmaske. Seine Züge waren hart und steif und er schien nicht nur gewachsen zu sein, sondern auch gleichsam gealtert. Die Wochen in den Händen des Feindes haben ihn um Jahre altern lassen. Sein trüber Blick streifte den Blick des Fuchses und für einen Moment kam es mir so vor, als würde sich sein Blick für den Bruchteil eines Augenblickes wieder aufklaren. Er hob seinen Bogen, legte an und schoss auf den Fuchs.

Blitzschnell zog ich meinen Bogen aus und lenkte seinen Pfeil mit meinem Pfeil ab, dann pfiff ich zum Angriff. Das Lied des Fuchses verstummte an diesem Abend nicht, doch der Körper Farans verschwand.

Einen Teil unserer Mannen konnten wir tatsächlich retten, auch wenn ein Paar von ihnen an der Folter gestorben waren, so entkam an diesen Tag nur der Körper des Jungen Faran.

Und ich will nicht eher ruhen, ehe ich ihn nicht gefunden habe und zu den Seinen zurück gebracht habe. Vielleicht konnte die Liebe der Seinen ihn wieder heilen oder zumindest zur Ruhe bringen.

Brian, Sarolfs Sohn

Reiter im Dienste des ehrenwerten Guiskard Ragin Grünfang

Diese Geschichte basiert auf dem Hintergrund der Rauriker und den Ereignissen nach Beltane (http://www.rauriker.de) Ähnlichkeiten von Personen im realen Leben sind völlig ausgeschlossen und somit reiner Unfug. Wir bitten um Verständnis.

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Das Klagelied des Fuchses – Hochmut kommt vor dem Fall

Das Klagelied des Fuchses – Hochmut kommt vor dem Fall

arcticfoxDie Zeit vergeht wie im Flug und mein Dienst nimmt mich mehr denn je in Anspruch. So konnte ich es mir leider nicht mehr erlauben, weiteren Nachforschungen nachzugehen, weil ich noch eiligere Nachrichten von einem Teil des Landes zum Anderen bringen durfte. So gingen endlos lange Tage ins Land, bis ich wieder an der Stelle war, wo ich das Tagebuch gefunden hatte. Ich war unterwegs mit Nachrichten aus Raurikor und von den Nantwiga. Die Nacht hatte mich überrascht und ich musste absteigen. Ich bin schon so verwirrt, dass mich tatsächlich die Nacht überraschen konnte. Kommt sie doch nach jedem Tag zur selben Zeit.

So ist es nicht die Zeit die sich verändert hat, sondern unser Treiben, dass geschäftiger geworden ist, so dass die Zeit wie im Fluge verronnen ist und mich die Nacht auf dem falschen Fuß erwischte.

Kalt ist es geworden, obwohl der Sommer schon vor der Tür stehen sollte, kann ich meinen Atem sehen, wie er im Vollmondlicht nach jedem Atemzug aus meinem Mund getrieben wird.

Ich lief einen unwegsamen Weg entlang, den ich für sicherer gehalten hatte. In den schweren Zeiten ist mir eine unkomfortable Abkürzung lieber, als das Aufsehen, was ein Meldereiter auf dem großen Weg, hervorrufen würde.

Mein Pferd trottete gelangweilt hinter mir her. Naja, eigentlich war es immer noch das Pferd meiner Mutter. Sie wird mich umbringen, wenn ich mal wieder nach Hause komme.

So in meinen Gedanken versunken, machte ich einen unachtsamen Schritt und stürzte, aber anstatt auf dem Boden aufzukommen, fiel ich. Die Zügel machten einen Ruck, als sie sich strafften und das Pferd hielt meinen Sturz auf. Es gab keinen Laut von sich, obwohl mein ganzes Gewicht am Zaumzeug hing. Ich pfiff leise und es zog mich aus dem Loch, in dass ich gefallen war.

Als meine Beine wieder auf dem Waldboden waren, legte ich mich auf den Boden, entzündete ich eine Fackel und warf sie in das Loch. So tief wie ich erst dachte, war das Loch gar nicht. Ich versteckte mein Pferd und schlich mit dem Zaumzeug und einem Seil wieder zum Loch. Meine Fackel brannte noch. Ich band das Seil an einer Wurzel fest und kletterte nach unten.

Ich lief die restliche Nacht in den Höhlen herum. Und fand neben Unmengen von Spinnenweben nichts außer ein Paar Fetzen Clansstoff und eine verrostete Fibel.

Im Morgengrauen kletterte ich wieder herauf und ritt so schnell ich konnte nach Vargranja zurück.

Brian, Sarolfs Sohn

Reiter im Dienste des ehrenwerten Guiskard Ragin Grünfang

Diese Geschichte basiert auf dem Hintergrund der Rauriker und den Ereignissen nach Beltane (http://www.rauriker.de) Ähnlichkeiten von Personen im realen Leben sind völlig ausgeschlossen und somit reiner Unfug. Wir bitten um Verständnis.

Das Klagelied des Fuchses – Die Wege der Götter sind unergründlich

Das Klagelied des Fuchses – Die Wege der Götter sind unergründlich

arcticfoxKaum war ich in Vargranja angekommen, erstattete ich Bericht und mein Guiskard schickte mich nach Raurikor, um eine wichtige Nachricht zu überbringen. Also ritt ich gen Raurikor und stellte keine Fragen. Ich diente meinem Guiskard, so wie mein Vater vor mir. Sein Vertrauen lag mir im Blut und mein Guiskard konnte sich voll und ganz auf mich verlassen.

In der Stunde in dem ein Krieg in der Hag Raurik entfesselt wurde, ritt ich von einem Ende des Landes zum Anderen, um eine Nachricht meines Herren zu übermitteln. Das kam mir ganz gelegen und langsam glaubte ich, dass selbst mein Guiskard schon Vorahnungen hatte. Er gab mir die Möglichkeit ein Rätsel zu lösen und ich wette mein Pferd und dass meiner Mutter, dass der Schlüssel für unser Schicksal mit dem Tod des Jungen Faran zu tun haben muss. Ich habe es quasi im Urin.

Ich sputete mich, so dass ich genau an der Stelle, wo wir den Jungen Faran fanden, eine Rast einlegen musste. Meine Mutter wird mich umbringen, wenn ich ihr Pferd zu Grunde richte.

Ich baute ein verstecktes Lager auf, lies den Gaul zurück und schlich dann durchs Unterholz, bis ich an die Stelle kam, wo sich der gewundene Pfad durchs Gehölz schlängelte. Gerade mal so breit, dass zwei Gäule versetzt nebeneinander reiten konnten. Ich blickte nach oben, ich konnte die Wolken durch die Baumwipfel kaum sehen, die über dem Weg ein dichtes Dach aus Ästen bildeten.

An der Stelle, an der Faran in meinen Armen starb, hielt ich inne und betete. Ich bat um einen Segen der Götter, damit sie die arme Seele des Jungen sicher zu den Ahnen geleiteten. Dann kroch ich den Weg entlang, von wo er gekommen war. Man konnte seine Spuren immer noch deutlich sehen. Einige tote Spinnen lagen noch herum. Wie nachlässig, wir hätten alle anzünden sollen, nur für den Fall, dass sie auch Eier in sich trugen. Ich sammelte die Spinnen zusammen und nachher werde ich ein hübsches Feuerchen machen.

Den Spuren folgend irrte ich durchs Unterholz und dann verlor sich die Spur. So was ist mir auch nicht nie passiert, ich beschloss wieder ein paar Schritte zurück zulaufen. Ich musste irgendwas übersehen haben. Plötzlich stolperte ich über einen Ast und kam zu Fall. Das darf man echt niemanden erzählen, dass einer der Grünfänge zu blöd zum Laufen ist. Aber wenn ich nicht gestürzt wäre, hätte ich das Tagebuch des Jungen Faran nie gefunden, es lag halb in Dreck und Schlamm versteckt und wenn ich nicht direkt mir der Nase darauf gestoßen wäre, hätte ich es nie gefunden.

So schnell ich konnte rannte ich wieder zu meinem Pferd und las es hastig. Die halbe Nacht fertigte ich eine Abschrift, die der Beginn meiner Aufzeichnungen werden sollten. Und an dem Punkt, wo ich endlich davon erzählen kann, wie ich zu dem Tagebuch gekommen bin, fallen mir keine geeigneten Zeilen dafür ein. Vor allem weil ich mittlerweile weiß, dass die Leiche des Jungen Faran verschwunden war.

Im Morgengrauen werde ich erst mal gen Raurikor reiten, meine Nachricht abliefern und mich umhören. Beim Rückweg bleibt mir vielleicht noch die Zeit nach der Höhle zu suchen. Genug Kräuter gegen Gift hatte ich den letzten Tage ja sammeln können. Und so nebenbei hatte ich jetzt endlich eine Probe von dem Gift nehmen können, dass den jungen Faran danieder gestreckte hatte. Vielleicht kann mir ja die Hüterin der Halle weiterhelfen, ich hatte Leuten hören, sie hatte bereits die ‚Schlonze‘ untersucht, die die Nantwiga aus ihrem Grenzgebiet gebracht hatten.

Ich warf die letzte Spinne ins Feuer und legte mich zum Schlafen hin. In meinen Träumen selbst verfolgte mich der Junge. Der starre Blick sein trüben, toten Augen lies mich nicht zur Ruhe kommen.

Brian, Sarolfs Sohn

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Das Klagelied des Fuchses – Brief eines Freundes

Das Klagelied des Fuchses – Brief eines Freundes

arcticfoxBrian mein Freund, ich hoffe mein Brief erreicht dich schnell, denn ich habe düstere Nachrichten zu überbringen. Mein Dank gilt dir auf Lebenszeit, dass du uns unseren Sohn heim gebracht hast und alles sei vergessen, was früher war.

Ich beginne von dem Moment als du aufgebrochen warst. Wir brachten unseren Sohn ins Haus und wuschen ihn und bahrten ihn dann im Stall auf, damit sich alle, die ihn kannten, von ihm verabschieden konnten. Am Abend gingen wir selbst in den Stall und wollten zu unseren Ahnen beten, damit sie seinen Geist zu sich holten.

Meine Frau zündete einige Kräuter an und reinigte den Ort. Ich kniete bei dem Jungen, hielt seine Hand und strich ihm über sein schlohweißes Haar. Was muss er nur für einen Schrecken erlebt haben, dass seine Haare innerhalb der kurzen Zeit, die er auf Wanderschaft war, weiß geworden waren. Mein Herz vermag es sich gar nicht auszumalen, aber doch will ich es wissen.

Seine Hand war merkwürdig warm, gar nicht so wie sonst bei toten Körpern. Ich beugte mich über ihn und betrachtete ihn. Seine kalten bleichen Augen starrten mich düster an und ich war mir sehr sicher, dass sie geschlossen waren, als wir ihn gewaschen hatten. Der Schauder lief mir nicht nur einmal über den Rücken. Ich untersuchte den Körper meines Sohnes erneut und es lies mir den Atem gefrieren was ich da sah. Die Bisse, die von den Spinnen zu sein schienen, waren nun geschwollen, eitrig und schillerten in merkwürdigen Farben. Und trotz der Kräuter, die immer noch brannten, roch ich den Gestank von Tod und Verwesung. Und schlimmer noch als das.

Draußen konnte man wieder den Fuchs jaulen hören und meine Frau brach weinend zusammen. Ich legte die Hand meines Sohnes auf seine Brust zurück und erschrak, so als hätte mich ein Blitz getroffen. Etwas unter seiner Haut bewegte sich. Die eitrigen Bisse brachen auf und ich konnte etwas unter der schillernden Eitermasse sehen. Würgend schreckte ich zurück und brachte meine Frau aus dem Stall. Ich habe sie zu deiner Mutter geschickt. Sie war uns in den letzten Tagen eine große Hilfe. Und du wirst dir ja denken können, dass wir den Sperber von ihr haben, weil ich sonst nicht gewusst hätte, wie wir dich in der Wildnis erreicht hätten.

Als ich wieder in den Stall gehen wollte, kamen mir Unmengen kleiner Spinnen entgegen, die krabbelten über alles hinweg, was sich ihnen in den Weg stellten. Es kam nichts zu schaden, aber durch diese Flut der Spinnen war ich so abgelenkt, dass ich gar nicht bemerkt hatte, dass der Körper meines Sohnes verschwunden war.

Auf dem Tisch lag nur noch das Leintuch, mit dem wir seinen Körper bedeckt hatten und Überreste von Blut und Eiter. Ich scheuchte die Hunde auf und suchte ihn die ganze Nacht und einen weiteren Tag. Von Faran keine Spur. Und auch dieser Fuchs war verschwunden, der sich immer in der Nähe des Hofes aufgehalten hatte, seit dem Zeitpunkt, als du uns verlassen hast.

Alveradis spricht kein Wort mehr, sie summt nur immer ihr Lied und reagiert auf keinerlei Zuwendung unsererseits.

Ich hoffe inständig, du kannst dir ein Reim aus all dem machen und bitte halte Ausschau nach all den Merkwürdigkeiten, die in diesen Tagen durchs Land ziehen.

Komm gesund zurück. Mein Haus steht dir immer offen.

Dein Freund

Thôn

Ich erhielt den Brief als ich vom Grenzgebiet der Nebelwölfe wieder auf den Weg zurück Richtung  Vargranja war. Die letzten Tage standen mir nicht nur ins Gesicht geschrieben, nein mein Gaul begann zu lahmen und ich zog es vor zu Fuß weiter zu gehen und mein Pferd zu führen. Ich kam an eine Lichtung und da lief mir wieder dieser weiße Fuchs über den Weg und bevor ich mich versah, stand ich unter einem riesigen Vogelbeerbaum und musste unweigerlich an Faran denken und an den Brief, den ich seither in meiner Tasche aufbewahrte.

Mein Blick blieb an dem Stamm schier kleben, als meine Augen die Schriftzeichen erkannte. Bei allen Göttern, der Stammbaum. Ich viel auf die Knie und betete.

Der weiße Fuchs war verschwunden und ich untersuchte alles im Umkreis des Baumes. Ich drehe jeden Stein um, doch fand ich nur ein paar alte Spuren und eine kleine Feuerstelle unter dem Vogelbeerbaum, in deren Asche ich nichts weiter fand, als den schalen Geruch verbrannten Haares.  Ich beschloss meinem Pferd keine Pause zu gönnen und ritt wie der Wind nach Hause. Und bettelte meiner Mutter ein frisches Pferd ab und dann ritt ich zum Haus vom Thôn und Alveradis.

Das Haus lag im Dunkeln, als ich vom Pferd abstieg und fand Thôn in der Küche sitzend. Alveradis schlief bereits. Wir tauschten uns kurz aus und ich versprach ihm, bei nächster Gelegenheit nochmal an den Ort zu reiten, wo unsere Delegation auf Faran traf, bevor er starb.

Ich lies Thôn ein paar meiner Elixiere für Alveradis da und versprach ihm bald Nachricht zu schicken.

Brian, Sarolfs Sohn

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Das Klagelied des Fuchses – Alveradis Klagelied

Das Klagelied des Fuchses – Alveradis Klagelied

arcticfoxIch Brian, Sarolfs Sohn, brachte die dunkle Kunde der Spinnenflut nach Vargranja zum Sitz des Ragin Grünfang und ritt dann gleich weiter zum Haus von Thôn und Alveradis. Ich hatte den Leichnam des Jungen Faran auf ein Geflecht von gebogener Zweigen und Ästen gelegt und schleifte ihn etwas Würdevoller hinter mir her, als ihn nur auf dem Hintern meines Pferdes liegen zu haben. Außerdem wurde mir der Körper des Jungen langsam unheimlich. Ich hatte schon viele tote Körper nach der Schlacht nach Hause gebracht, aber dieser Junge war wirklich ein sehr eigenwilliger toter Junge.

Vielleicht schwindet auch langsam mein Verstand, aber ich schwöre auf meine Mutter und all meine Ahnen und alle Götter, dass mein Guiskard dem Jungen die Augen geschlossen hatte, doch blickte der Junge mich nach der ersten Nacht mit seinen starren bleichen Augen an, worauf ich ihm persönlich die Augen schloss. Das tat ich nun jeden Morgen und langsam bekomme ich es mit der Angst zu tun. Hätte ich nur den Pferdejungen dabei, der hatte mehr Ahnung von solch wunderlichen Dingen. Dann ist mir aufgefallen, dass der Junge nicht in die übliche Starre verfallen ist, die sich sonst über Tote legte. Ich zermartere mein Gehirn, ich musste irgendwas übersehen haben. Irgendwas stimmte da ganz und gar nicht, von den riesigen Spinnen mal ganz abgesehen.

Ich trauerte um den jungen Faran, weil er in meinen Armen gestorben war und weil ich ihm nicht mehr helfen konnte, zweifelte ich an meinem Können. So bin ich nicht nur ein Krieger und Reiter des Guiskard und sondern kenne mich mit den Kräutern gut aus. Ich vermag es, Wunden zu schließen mit meinen Tränken, aber wenn einer keine Wunde hat und trotzdem stirbt, was hätte ich da schon machen können. Meine Tränke haben sonst immer gegen allerlei Gift gewirkt und ich hab ihm die doppelte Menge eingeflößt und es zeigte einfach keine Wirkung.

Und dann war da noch was Anderes. Der Junge hätte mein Junge sein können, wenn der Gehörnte damals mein Flehen erhört hätte. Aber die Götter entschieden es anderes. Und so war es Thôn vergönnt, die schöne Alveradis zu heiraten und nun bringe ich, gerade ich, den toten Jungen heim.

Wie soll ich ihnen unter die Augen treten mit so einer Botschaft, so konnte ich doch vorher kaum unter ihre Augen treten. War ihre Heirat nicht der Grund warum ich damals fort ging.

Wie habe ich es jeden Winter gehasst nach Hause zu kehren und ihr Glück zu sehen und nun komme ich im Frühling und bringe die Leiche des Erstgeborenen heim, zu denen, die ich mein halbes Leben verflucht habe.

Mein Gewissen nagt an mir und nun will ich nicht eher ruhen, bis ich ergründet habe, warum dieser arme Junge sterben musste.

Das Klagelied des weißen Fuchses begleitete meinen Weg und ich stimmte ein, so kommen mir die Worte der Wildelben so leicht über die Lippen, als wäre es meine eigene Muttersprache:Dankar Qualin,Abglam macil,Vanwal nai otha, Im quen isil, Im quen nai, Thalion im quen Anduril…‘

Nicht nur mein Herz weinte, auch dieses Tier litt da draußen vor sich hin. Der Fuchs will uns irgendetwas sagen, nur ist es mir nicht vergönnt, mit dem Krafttier eines Toten zu sprechen. Ich werde bei den Schamanen um Rat bitten, sobald ich wieder in Vargranja bin, aber vorher habe ich noch einen Auftrag, den ich erledigen muss.

In der Ferne konnte ich eine Rauchfahne erkennen, bald würde ich der Liebe meines Lebens unter die Augen treten müssen und nur bei dem Gedanken an sie, stieg mir das Blut in den Kopf. Ich atmete tief ein, versuchte mein Herz zu beruhigen und ritt weiter.

Ich erblickte das Haus von Thôn und kaum war ich vom Pferd abgestiegen, kam er auch schon aus dem Haus gelaufen. Er blickte grimmiger, als ich es in Erinnerung hatte. Die hässliche Fratze erschreckt jeden Angreifer, bevor er den Mut aufbringen konnte, sein Schwert gegen Thôn zu erheben. Mittlerweile empfand ich höchsten Respekt gegenüber diesem Mann, dass war Beiweiten nicht immer so. Thôn knurrte mich an, zog sein Messer aus dem Gürtel und warf es fort. Dieser Mann hasste mich einfach, wahrscheinlich bringt er mich jetzt mit bloßen Händen um.

Wie von einem Blitz getroffen blieb Thôn vor mir stehen, sein vernarbtes Gesicht begann zu zittern, als er erkannte, wer da auf der Trage lag. Ich öffnete die Riemen, die die Trage am Sattel befestigten und lies ganz langsam die Trage auf den Boden sinken. Thôn glitt ganz langsam auf die Knie.

‚Mein Herr schickt mich euch euren Sohn zu bringen. Ich konnte nichts mehr für ihn tun.‘ versuchte ich mich zu erklären. ‚Ich spreche im Namen von Ragin Grünfang. Seine Trauer konnte er kaum in Worte fassen.‘

‚Brian, ich weiß wie schwer es dir fallen muss, mir unter die Augen zu treten…‘ flüsterte Thôn, er musste schwer schlucken und fuhr dann fort. ‚Ich rechne es dir hoch an, dass du in dieser Stunde zu uns gekommen bist.‘ Thôn war aufgestanden und hielt mir die Hand hin. ‚Freund!?‘

Ziemlich verblüfft darüber streckte ich ihm beide Hände hin und Thôn zog mich in eine Umarmung. Ich vermochte keinen Laut von mir zu geben, nicht dass er es sich nicht doch noch anders überlegte. Doch sein Körper bebte in meinen Armen und als seine Frau aus dem Haus kam, trennte er sich von mir. Sie wischte sich die Hände an ihrer Schürze ab, lief auf die Bahre zu und rief erstickt: ‚Faran…!‘ Ihre Stimme brach in dem Moment, als sie auf die Knie sank, um den toten Körper von der Trage zu ziehen und ihn in ihre Arme zu schließen.

Ihr Klagelied zerriss nicht nur das Herz ihres Mannes, sondern auch das Meine. Sie wiegte ihren toten Sohn hin und her und Tränen flossen ununterbrochen über ihr Gesicht. Ihre Lippen vermochten die Worte kaum zu formen und so war ihr Lied von einem Schluchzen und Wimmern begleitet, aber doch verstand jeder die Worte: Yenillor morne a ley, Tulinte I Quettar, Tercano nuruvia, H lasta Qutetes, H firmain o mor, i dhu ely siriair, Mornie utulie à H firmain yenillor morne, Mornie alantie, à i lir en el Luitha uren,i lir en el Luitha uren…!‘

Thôn nahm mich bei Seite und blickte mich fragend an: ‚Er kam auf uns zu, als wir gen Raurikor zogen, er wurde von Spinnen verfolgt. Sie müssen ihn zu oft gebissen haben, meine Tränke konnten ihn nicht mehr retten. Er sprach noch von seinem Stammbaum, den er gefunden hatte.‘

In dem Moment brach der Gesang von Alveradis ab und sie ließ den bleichen Körper ihres Sohnes sinken. Dabei glitt die Hand von seinem Brustkorb und man konnte die Schriftzeichen erkennen, die er sich in die Hand geritzt hatte. Thôn erbleichte, als er die Zeichen erkannte und ich musste ihn stützen. Ich hätte nie gedacht, dass diese drei Zeichen diese knorrige Kiefer von einem Mann zu Fall bringen hätte können, aber in seiner Trauer erkannte ich, dass die zerfurchte, harte Rinde nur die Fassade für einen weichen Kern war und nun begriff ich endlich, warum Alveradis ihm sein Herz geschenkt hatte. Die Sanftmütigkeit die ich in der Stunde seines Todes in dem Jungen gesehen hatte, hatte er gleichsam von seiner Mutter und von seinem Vater geerbt.

‚Er wollte nicht vergessen, um nicht vergessen zu werden.‘ flüsterte ich, aber es kam nicht mehr als ein Krächzen aus meiner Kehle, doch mein Krächzen gab Thôn die Kraft, nicht vollends zusammenzubrechen.

Am Waldrand trat der weiße Fuchs durchs Dickicht und sprang geschmeidig auf einen erhöhten Stein. Und dann sang er wieder sein Lied. Alveradis stimmte mit ein: O mor henion I dhu, ely siriair el sila, Ai Anrion Undumiel, Ti iro el eria, Im quen nai isil, quen bruin anduril, Mornie utulie à H firmain yenillor morne, Mornie alantie à i lir en el Luitha uren, i lir en el Luitha uren!‘

Sie letzten Silben verklangen im Wind und ich sprach zu Thôn und schickte mich an aufbrechen zu wollen: ‚Thôn, mein Herz ist mir schwer, dass ich euch in eurer dunkelsten Stunde verlassen muss, aber ich muss weiter. Gebt acht, die Spinnen sind größer geworden, als sie je waren und gebt auf euch Acht. Mein Herz trauert mich euch!‘

‚Mein Dank gilt dir, Brian, mein Freund. Mein Haus steht dir immer offen!‘sprach Thôn mit erschreckend fester Stimme.

Ich nickte und stieg auf mein Pferd und lies Alveradis Klagelied hinter mir, aber nicht aus meinem Herzen.

Brian, Sarolfs Sohn
Reiter im Dienste des ehrenwerten Guiskard Ragin Grünfang.

Diese Geschichte basiert auf dem Hintergrund der Rauriker und den Ereignissen um Beltane (http://www.rauriker.de) Ähnlichkeiten von Personen im realen Leben sind völlig ausgeschlossen und somit reiner Unfug. Wir bitten um Verständnis.

Drei und eine Axt – Teil 28

Eine Axtgeschichte – Drei und eine Axt – Teil 28

reiter_neu‚Ich bin als Sippenführer zu nicht zu gebrauchen.‘ meinte Halef, während Lamina ihn wusch.

‚Ach red doch keinen Unsinn!‘ rief Lamina.

‚Wie lange lieg ich schon im Bett und kann nicht helfen? Der Winter wird kommen!‘

‚Mach dir keine Gedanken, Ainur arbeitet für drei.‘

‚Ich müsste für drei arbeiten!‘

Ainur kam herein und rief: ‚Dazu hast du bald Gelegenheit.‘

Er kam ans Bett und blickte Lamina an.

‚Er hat schlechte Laune.‘ meinte sie, deckte ihn liebevoll zu und stand auf.

‚Ich werd deine Laune nicht verbessern können, ich muss gehen. Der Winter naht unablässig.‘ meinte Ainur ernst.

‚Ich weiß, Mutter hat es mir gesagt, oben bei den Ahnen schon!‘ meinte Halef und blickte Lamina hinterher, die gerade aus der Jurte schlich.

‚Mein Sippenführer, ich reite schnell und komme wieder und im Frühjahr bauen wir eine Brücke.‘

‚Bevor du gehst, müsstest du mich noch zum Donnerbalken bringen!‘

‚Sofort?‘

‚Nachher.‘

Einen Tag bleibe ich noch!‘

‚Ich möchte, dass du ein zweites Pferd mitnimmst.‘

‚Mein Dank ist Dein!‘

‚Und ich möchte dass du Róka mitnimmst. Damit du den Weg nach Hause findest.‘

‚Ich bringe dir deinen Hund heil zurück.

‚Und ich werde auf meine Mutter acht geben!‘

Vira stand in der Tür und zog eine Augenbraue hoch. Halef blickte auf.

‚Nimm mein Pferd!‘ meinte sie kurz, drehte sich um und ging. Ainur stürzte ihr hinterher.

Später kam Ainur mit Ziska zu ihm und sie flößten ihm etwas Grausames ein und dann brachte Ainur ihn zum Abort. Es war ihm sehr peinlich, dass er mit quasi runtergelassenen Hosen von seiner Tante auf den Abort gesetzt wurde. Sie drückte ihm einen Becher in die Hand und grinste: ‚Wenn du noch einen Becher trinkst, dann lassen wir dich einen Moment in Ruhe!‘

Er erwachte und sah Lamina an der Bettkante sitzen. Er konnte sich nicht erinnern, wie er hier her gekommen war, das Letzte an was er sich erinnern konnte war, dass Ainur ihn zum Donnerbalken gebracht hatte und an das widerliche Zeug, was er trinken musste. Sein Kopf sauste, aber ansonsten fühlte er sich eigentlich gut. Er regte sich und blickte auf Lamina. Das Licht, das vom Feuer herrührte schimmerte auf ihren Fingern. Sie versuchte ihren Rücken einzuschmieren, was ihr nur bedingt gelang. Er konnte nicht anders, als sie dabei zu beobachten. Sie hatte quasi nichts an, soweit er das erkennen konnte. Er bewegte sich in ihre Richtung und wollte ihr zur Hand gehen, doch sie bemerkte seine Bewegung, drehte sich halb um und blickte über ihre Schulter. Ihr Haare verdeckten ihre Brüste, sie hatte sich ihre Zöpfe über die Schulter gelegt und sie bedeckten gerade so viel, dass es ihn leicht erregte. Schwindel überkam ihn.

‚Lass mich dir helfen!‘ flüsterte er benommen. Sie zog die Beine aufs Bett und rutschte in seine Richtung. Er umarmte sie und nahm ihre Hände vor ihrem Körper in die Seinen, um das Öl von ihren Fingern aufzunehmen. Sie goss ihm etwas von dem Öl in die Hand. Er rieb über ihre Schultern und dann über den Rücken bis zum Ansatz ihres Hinterns. Als er damit fertig war, lehnte sie sich nach hinten und griff nach seiner Hand. Sie rieb ihm seine Handgelenke mit dem Öl ein. Und er die ihren, dabei wickelte er geschickt ihren Verband von der Hand, um sie zu küssen. Ein Schauer lief ihr über den Rücken. Er nahm sie in den Arm und sie legte sich zu ihm. Er versuchte sie zuzudecken. Mit seinen und ihren Armen verdeckte er ihre Brüste.

Es war so ein unschuldiger Augenblick, wie sie bei ihm lag, der ihn doch so erregte, dass ihm fast die Sinne schwanden. Besser wäre es wahrscheinlich, er würde wirklich ohnmächtig, sonst käme er noch auf dumme Gedanken.

Sie blickten beide ins Feuer und er hielt sie einfach weiter fest. Ihr ganzer Körper zitterte. Und er hielt sie so lange, bis sich ihr Körper beruhigte. Irgendwann stand sie doch auf und zog sich eine leichte Tunika an. Dann legte sie genug Holz nach, damit sie wieder unter seine Decke kriechen konnte. Sie küsste ihn, bevor sie sich wieder zu ihm legte.

Published in: on 9. April 2013 at 20:58  Schreibe einen Kommentar  
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Drei und eine Axt – Teil 27

Eine Axtgeschichte – Drei und eine Axt – Teil 27

reiter_neu‚Wir können einfach keine Blutegel mehr finden!‘ meinte Ainur leise. ‚Der Herbst ist bald zu Ende!‘

‚Dann muss es so gehen!‘ krächzte Lamina. Sie versuchte ein Schluchzen zu unterdrücken.

‚Das wird schon alles wieder. Das Bein von dem alten Krüppel da draußen hat viel länger geeitert und viel schlimmer ausgesehen und wir mussten es auch nicht abschneiden.‘ Ainur versuchte sie aufzumuntern, was ihm aber nur bedingt gelang.

Ein Geräusch, dass vom Bett herrührte, lies sie aufblicken. ‚Nyúl… Róka!‘

Die Tür ging sprang auf und beiden Hunde stolperten herein. Sie hatten ihren Herren gehört und konnten es kaum erwarten ans Bett zu gelangen. Halef wand den Kopf und hielt seine Hand aus dem Bett und wieder kamen Geräusche aus seinem Mund. Lamina lief den Hunden hinterher und zischte: ‚Nicht so stürmisch, ihr Beiden! Sitz!‘

Die Hunde folgten aufs Wort und setzten sich brav neben das Bett, aber noch so nah, dass ihr Herr sie streicheln konnte.

‚Ainur. Wenn du Blutegeln finden willst. Geh in Richtung meiner Höhle. Dort ist am Fuße des Berges ein Sumpf und ein paar Tümpel. Róka bringt dich hin.‘ krächzte Halef leise.

Róka sprang auf und wedelte mit dem Schwanz.

‚Was würden wir nur ohne unseren Sippenführer machen.‘ rief Ainur, kniete sich hastig vors Bett und küsste Halef. Dann sprang er auf und lief aus der Jurte. Als er schon draußen war, rief er noch: ‚Róka los, schnell!‘

‚Aber geht nicht in meine Höhle, das ist Meine!‘ meinte Halef, doch sein Hund war schon aus der Jurte gelaufen.

‚Du hast eine Höhle?‘ fragte Lamina erstaunt, während sie ihm half sich etwas aufzurichten.

Halef nickte und versuchte zu lächeln.

Wena kam kopfschüttelnd in die Jurte, sie brachte Suppe und Brot. ‚Was war das jetzt? Erst machen die Köter die Tür auf und dann läuft Ainur, wie eine angestochene Sau, zum Gatter und klaut mein Pferd.‘

‚Er kommt wieder, mit Blutegeln! Hoffe ich!‘ meinte Lamina.

‚Und er hat mich geküsst!‘ stammelte Halef. Nyúl war aufs Bett gekrabbelt und kuschelte sich an den Körper seines Herren.

‚Du warst die letzten zwei Nächte wieder im Fieber und völlig weggetreten. Und dein Bein macht uns große Sorgen.‘ meinte Lamina und setzte sich zu ihm ans Bett und küsste ihn auf die Stirn. ‚Und jetzt musst du erst mal was essen und dann…!‘

‚Und dann schau ich mir dein Bein an!‘ rief Ziska von der Tür her.

Als sie nach dem Essen seinen Verband wechselten, wurde er während der Waschung ohnmächtig und wurde erst wieder wach, weil er ein komisches Gefühl an seinem Bein fühlte. Ziska saß an der Bettkante und wedelte mit rauchenden Käutern über seinem Bein rum.

‚Sch..sch…sch. Du musst dein Bein ruhig halten. Sonst fallen die Maden runter.‘ meinte Ziska leise, legte den rauchenden Zweig in eine kleine Feuerschale und strich ihm mit der anderen Hand über den Kopf. ‚Sie fressen das brandige Fleisch weg.‘

‚Wo ist Lamina?‘ fragte er leise.

‚Sie hat den Hund rausgebracht. Nyúl ist ganz heiß auf dein Bein.‘

‚Der Köter wollt mich doch nicht fressen?‘

‚Nein, aber dieser Mistköter wollte Lamina fressen.‘

‚Bitte was?‘ schrie er heiser.

‚Sie hat nur einen Kratzer abbekommen!‘

‚Nyúl!‘ schrie er, bis sein Schrei von einem trockenen Husten gestoppt wurde. Ziska half ihm eine Wenig hoch und drückte ihm einen Becher Tee in die Hand.

Die Tür ging auf und der Hund tapste herein und er tat so als wäre nichts geschehen.

‚Was fällt dir ein, mein Bein oder meine Frau fressen zu wollen. Böser Hund.‘

Der Hund japste unschuldig.

‚Raus hier. Komm mir nicht mehr unter die Augen.‘

‚Halef, es ist doch nur ein Kratzer!‘ rief Lamina. Sie stand in der Jurtentür und hielt sich eine Hand. Ein blutiger Verband war darum gewickelt.

‚Los raus hier, Nyúl!‘

Der Hund ging rückwärts aus der Jurte und verzog sich geknickt.

Lamina schloss die Tür und ging langsam aufs Bett zu. Ihr liefen Tränen übers Gesicht und sie rang heftig mit ihrer Fassung.

‚Der dumme Köter kommt wieder, keine Sorge.‘ meinte Halef und griff nach ihrer Hand. ‚Hat er dir arg weh getan?‘

‚Es ist nichts, ich hab mich nur erschrocken!‘

Er wickelte den Verband ab und blickte auf die Wunde. ‚Nichts, sieht aber anders aus!‘

Die Tür ging wieder auf und Ainur kam herein gestolpert, gefolgt von Róka.

‚Róka, geh zu Nyúl, er war ein böser Hund.‘ rief Halef und der Hund machte kehrt und lief nach draußen, noch ehe Ainur die Tür schließen konnte.

‚Es hatte jemand Blutegel bestellt?‘ meinte Ainur und übergab Ziska einen verschlossenen Krug.

Published in: on 18. März 2013 at 22:58  Comments (1)  
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Drei und eine Axt – Teil 26

Eine Axtgeschichte – Drei und eine Axt – Teil 26

reiter_neuHalef konnte den pochenden Schmerz in seinem Bein spüren und in seiner Schulter. Sein Atem rasselte. Jeder seiner Atemzüge tat ihm weh. Obwohl er lag, überkam ihm ein Schwindelgefühl. Außerdem dachte er, seine Blase müsse gleich platzen. Aber er konnte sich nicht bewegen, sein Körper fühlte sich schwach und taub an. Ein übler Geruch stieg ihm in die Nase. Selbst das Öffnen der Augen fiel ihm schwer. Ihm war kalt, er fror, aber selbst zum Zittern schien ihm die Kraft zu fehlen. Ein schmerzverzerrter Stöhner kam ihm über die Lippen. Seine Kehle war ausgetrocknet, er musste husten. Der Schmerz lies ihn fast wieder die Sinne schwinden. Er hörte Holz über Holz schleifen, einen dumpfen Schlag, ein Prasseln und die Wärme, die plötzlich aufstieg. Jemand kam an seine Seite und versuchte ihn zu beruhigen. Panisch zog er röchelnd die Luft in seine Lungen. Sein Kopf wurde angehoben und Flüssigkeit wurde ihm in den Mund geträufelt. Das Gefühl jeden Moment ersticken zu müssen war mit einem Schlag vorbei. Worte wurden gesprochen, er verstand nicht welche, aber sie schienen ihm wohlgesonnen. Eine kalte, zitternde Hand berührte die Seine. Er versuchte sich zu bewegen, konnte es aber nicht. Endlich öffnete er die Augen. Erschrocken blickte er in das Gesicht seines Weibchens. Lamina sah abgekämpft aus, tiefe Augenringe unter ihren verheulten Augen waren zu sehen. Die Sorgenfalten auf ihrer Stirn entspannten sich leicht, als sie ihm über die Stirn strich. Seine Hand war an seiner Brust festgebunden. Ruckartig versuchte er seinen anderen Arm zu bewegen. Nach einem Ruck schoss ein stechender Schmerz durch sein Handgelenk. Die andere Hand war am Bettpfosten angebunden.

‚Sch… Sch…Sch… Wir mussten dich anbinden. Du hast im Fieber um dich geschlagen.‘

Sie strich über seinen Arm und löste seine Hand vom Bettpfosten. Sein Arm war taub, er konnte ihn kaum bewegen, versuchte es aber und blickte sie dabei panisch an.

‚Warte, ganz ruhig!‘ flüsterte sie ihm ins Ohr und griff nach seiner Hand.

Sie bewegte seine Finger und massierte sie. Später half sie ihm dabei den Arm zu bewegen und er legte in einer schwerfälligen Bewegung seine Hand neben seinem Körper ab.

‚Wie lang war ich…!‘ röchelte er, bis seine Stimme brach. Er musste Schlucken, doch sein Mund war wieder trocken. Sie flößte ihm nochmal etwas Flüssigkeit in den Mund und erklärte unverblümt. ‚Du hast zwölf Tage lang deine Augen nicht mehr aufgemacht.‘

Es dauert eine ganze Weile, bis er darauf etwas sagte: ‚Hab ich mir Schande gemacht?‘

‚Angst gemacht hast du mir!‘ meinte sie ernst und stand dann kopfschüttelnd auf.

Er versuchte sich aufzurappeln, weil ihm wieder eingefallen war, dass er pinkeln musste. Doch seine Beine waren auch am Bettrahmen fixiert und stöhnte vor Schmerzen, als er sich bewegte. Lamina drehte sich erschrocken um und blickte ihn ernst an. ‚Wo willst du denn hin?‘

Er blickte nur zu dem Eimer vor seinem Bett. Mit einer eleganten Bewegung war sie wieder an seiner Seite und band auch die Füße los und half ihm auf.

Als sein Körper aufrecht war, kam der Schwindel wieder und er musste sich an ihr festklammern. Sie löste liebevoll die anderen Hand aus dem Verband und flüsterte ihm ins Ohr. ‚Du willst wahrscheinlich nicht, dass ich dir helfe, also wirst du den Eimer mit deiner verletzen Hand halten müssen.‘

Er nickte verlegen, als sie ihm die Decke vom Schoß zog und ihm den Eimer in die Hand drückte. ‚Ich muss eh frisches Wasser holen, wir müssen deine Verbände wechseln und dich waschen!‘ meinte sie, zog einige Decken aus dem Bett und schnappte sie einen anderen Eimer, der neben der Feuerstelle stand und ging aus der Jurte.

Er war mehr als erleichtert, als zumindest den Druck auf der Blase loswerden konnte, bloß verkrampfte sich seine Hand so, dass er den Eimer nach Verrichtung seines Geschäftes nicht mehr loslassen konnte. Er versuchte mit der anderen Hand die verkrampften Finger zu öffnen, schaffte es aber nicht. Währenddessen sein Urin im Eimer umher schwappte und er mit sich selbst rang, lief Lamina zum Fluss hinunter.

Sein Körper glitt krampfend auf die Seite, den Griff des Eimers weiter fest umschlossen und kam mit der unverletzten Schulter am Bettpfosten zum Stillstand.

Als Lamina die Jurte wieder betrat, lag er immer noch zuckend da. Sie eilte an seine Seite, berührte seine Hand und er lies den Eimer los. Hastig stellte sie ihn außer Reichweite und wickelte Halef eine der übrigen Decken.

Sein Körper sah abgemagert aus, doch seine Muskeln waren steinhart und zogen sich immer mehr zusammen. Aber selbst für drastische Bewegungen schien ihm die Kraft zu fehlen, so zog sie ihn in die Mitte des Bettes, stand rasch auf und warf einige Kräuter ins Feuer. Dann nahm sie etwas aus einer kleinen Schachtel, streute es auf einen Splint und hielt diesen ins Feuer.

Mit dem rauchenden Splint ging sie zu Halef hinüber und hielt selbst die Luft an. Während sie sich zu ihm aufs Bett setzte, wickelte sie sich ein Tuch um den Mund, das sie um ihren Hals getragen hatte. Der Rauch der vom Splint ausging kroch ihm in die Nase und augenblicklich entspannten sich seine Muskeln. Sie flüsterte gedämpft durch das Tuch in sein Ohr: ‚Es tut mir leid, aber es geht nicht anders!‘ Seine Augen flackerten kurz auf, bevor er wieder ohnmächtig wurde. Sie warf den Splint ins Feuer und packte alle Felle und zog sie aus dem Bett, drehte ihn auf die Seite und deckte ihn zu. Rasch ging sie mit den Fellen und dem Eimer nach draußen und kam wenig später wieder herein. Langsam zog sie das Tuch von der Nase und lies die Tür offen stehen, damit frische Luft hereinkam. Neben dem Rauch, roch es immer noch Urin, Eiter und Schweiß.

Zuerst legte sie nochmal Holz nach, setzte Wasser auf und dann öffnete sie seine Verbände. Der Arm sah gut aus und eiterte kaum noch. Doch konnte sie den Eiter riechen. Sie machte einen neuen Kräuterumschlag, der hoffentlich den restlichen Eiter aus der Wunde zog. Die Bauchwunde, war wie durch ein Wunder sehr gut verheilt und sie konnten bestimmt bald die Fäden ziehen, bevor die auch noch eine Entzündung hervorriefen. Ziska hatte ihr Bedenken geäußert, dass sich die Wunden durch die Seidenfäden vielleicht nochmal entzünden könnten. Von Glück im Unglück konnte man nicht gerade sprechen, weil das verletzte Bein immer noch aufs Doppelte angeschwollen war. Sie hatten die Fäden wieder entfernen müssen und hatten vor ein paar Tagen eine der beiden Pfeilwunden sogar ausbrennen müssen. Aber alle ihre Bemühungen waren bisher vergebens gewesen. Selbst mit Maden und Blutegeln hatten sie die Entzündung bisher nicht eindämmen können. Nur hatte Ainur und die Kinder seit Tagen schon keine Blutegeln mehr gefunden.

Als sie den Verband vom Bein löste, quoll der Eiter schon durch die letzten Lagen des Verbandes. Sie musste würgen, als sie die Wunde freilegte. Während die ausgebrannte Wunde mittlerweile nicht mehr ganz so schlimm aussah, war die Andere einfach nur grotesk.

Tränen standen ihr in den Augen, als sie sich wieder das Tuch über die Nase schob. Es schien so, als hätte sie die letzten Tage, dies schon öfter getan. Sie wusch die Wunde aus und versorgte das Bein so gut sie konnte. Sie wusch ihn, bevor sie das Beine erneut verband. Sie betete inständig an alle Ahnen und Götter, die ihr einfielen, dass die Kräuterumschläge endlich wirkten. Weil Ziska hatte vor ein paar Tagen gedroht, dass Bein abnehmen zu müssen, wenn sie nicht bald was tun würde. Kejnen und Ainur hatten sich mit ihr darum gestritten. Und sie selbst, machte einfach alles, was sie ihr aufgetragen hatten, um sein Bein zu retten.

Sie rieb seinen Körper mit einem Öl ein und der angenehme Geruch, entspannte ihr Gesicht etwas. Das hatte noch nicht mal der Rauch des Mohnsaftes geschafft. Wena stand plötzlich in der offenen Tür und versuchte zu lächeln. Sie hatte eine Kanne mit Tee in der Hand.

Lamina blickte auf und lächelte einfach nur, während ihr die Tränen in den Augen standen.

‚Er war kurz wach!‘ sagte sie mehr zu ihm, als zu ihr. ‚Aber nur sehr kurz.‘

Wena rümpfte die Nase, kam näher und fragte: ‚Hat er wieder gekrampft?‘

‚Ja, nachdem er sich in den Eimer erleichtert hatte!‘

‚Das ist doch eigentlich ein Fortschritt?‘

‚Ich hab die Verbände gewechselt und das Bein sieht einfach abartig aus.‘

‚Ich schick die Kinder nochmal nach Blutegeln.‘ meinte Wena kurz, als sie endlich den Tee abstellte. ‚Ich bring dir ein paar andere Felle, die da draußen würd ich über Nacht auslüften lassen.‘

‚Ja, danke. Ist das zweite Leinentuch schon trocken?‘

‚Ja, und die Decken müssten auch schon trocken sein. Ich hatte sie bei uns in der Jurte.‘

Das Gespräch der Beiden wurde von Stöhnen seinerseits unterbrochen. Wena rannte zur Tür und rief: ‚Ich bring dir Suppe. Die Mädchen haben sie vorhin schon aufgesetzt.‘

Lamina goss einen Becher Tee ein und kniete sich ans Bett. Mit einem Holzlöffel rührte in dem Becher und flüsterte Halef beruhigende Laute ins Ohr.

‚Lamina…!‘ kam es aus seinem Mund, bevor seine Stimme brach und er schwer schlucken musste.

Sie half ihm ein Wenig hoch, setzte sich auf die Bettkante und flößte ihm langsam den Tee ein. Er öffnete die Augen, die sich sofort mit Tränen füllten. Als der Becher leer war, setzte sie den Becher ab und wischte ihm die Tränen vom Gesicht.

Published in: on 6. Februar 2013 at 22:02  Comments (1)  
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Drei und eine Axt – Teil 25

Eine Axtgeschichte – Drei und eine Axt – Teil 25

reiter_neuAls Lamina und Vira mit den Kindern aus dem Wald kamen, saßen der Khan und Elger mit blutverschmierten Klappenmänteln am Tisch. Die Pferde in der Koppel waren reichlich unruhig. Kejnen kam gerade aus der Jurte, seine Hose war voll Blut. Wena schrubbte den Tisch, der auch voller Blut war. Und Ulor saß in Kejnens Stuhl und hatte Nyúl im Arm.

‚Was ist los, was ist passiert?‘ rief Vira und Lamina wie aus einem Mund.

Wena blickte zur neuen, alten Jurte hinüber. Lamina lies den Korb fallen und lief los. Vira folgte ihr.

In der Jurte lag Halef im Bett. Es waren viele Lichter entzündet worden. Ainur verband ihm gerade sein Bein. Ein Pfeilschaft ragte aus der Schulter des Jungen. Und ein fester Verband bedeckte seinen Bauch bis zur Brust.

‚Gut, dass ihr da seid.‘ meinte Ainur. ‚Ich könnte Hilfe gebrauchen!‘

Nachdem den Frauen fast klar war, was passiert sein musste, fragten sie nicht und nickten Ainur folgsam zu. ‚Lamina, versuch ihm ganz vorsichtig den Tee in den Mund zu träufeln, er braucht viel Flüssigkeit. Und Vira halt mal das hier fest…‘ Er wies auf eine Stelle am Bein, wo man einen Blutfleck erkennen konnte und hielt ihr ein Stück gerolltes Leder hin. ‚Drück das mal da drauf.‘ Er stellte Halefs Bein auf, machte einen festen Verband und zog übers Leder den Verband fester.

‚Dank dem Krüppel da draußen bin ich ein ganz guter Feldscher geworden!‘ meinte Ainur, als er mit dem Verband fertig war und deckte Halef behutsam zu. Vira stand auf und ging Richtung Tür. ‚Ich muss mit dem Khan reden.‘ Lamina kniete vor dem Bett und löffelte ihm liebevoll Tee in den Mund und wischte seinen Mundwinkel mit einem Tuch sauber, wenn etwas daneben ging.

‚Lamina, kannst mir mal helfen. Ich würde ihn gerne seitlich ein bisschen hoch lagern. Kannst du auf Bett krabbeln und such mal was Weiches, was wir ihm unter den Körper schieben können.‘

Sie nickte, zog die Schuhe aus und kletterte aufs Bett. Sie zog eines der Felle zurecht und blickte Ainur an. Er hob Halef behutsam an.

‚Siehst du den Verband am Rücken? Blutet da was durch?‘ fragte Ainur.

‚Äh, nein!‘ meinte sie, während sie vorsichtig das Fell unter seinen Körper stopfte. Ainur lies ihn los und als Halefs Gewicht wieder auf seine Wunde drückte, entkam ihm ein leises Stöhnen.

‚Kann ich dich kurz allein lassen. Ich will sicher gehen, dass die Suppe fertig ist, wenn er aufwacht!‘

Lamina kletterte wieder vom Bett, warf Holz in die Glut und kniete sich wieder vors Bett.

Merle kam herein, brachte Tee und eine Schüssel Wasser und flüsterte: ‚Die Suppe ist gleich fertig. Wie geht es ihm?‘

Lamina drehte sich um und blickte sie verstört an: ‚Ich weiß es nicht.‘ Und schon kamen ihr die Tränen. ‚Ich weiß gar nicht was überhaupt passiert ist.‘

‚Kel!‘ meinte Merle kurz und kniete sich zu ihr auf den Boden. Sie nahm Laminas Hände und wusch sie und fuhr dann eindringlich auf Lamina einflüsternd fort. ‚Die weiße Hexe hat alles gegeben, was sie konnte und er atmet noch, mehr musst du nicht wissen.‘

Halef war erwacht, regte sich und stammelte verwirrt: ‚Nyúl?‘

‚Deinem Hund geht es gut, er hechelt und hat ne feuchte Nase!‘ meinte Merle kopfschüttelnd und goss frischen Tee in einen Becher.

Lamina schob ihm ein Kissen unter dem Kopf zurecht und er röchelte nur: ‚Róka!‘

‚Der ist der glücklichste Hund auf der Welt, er hat ein Pferd gerissen und Kel ein ganzes Stück aus dem Hals gebissen.‘

‚Braver Hund!‘ meinte er und öffnete die Augen. Lamina blickte ihn verschreckt an. Dann stotterte sie um ein Schluchzen herum. ‚Ich weiß, ich muss ihn belohnen, wenn er kommt!‘

Er lächelte flüchtig und schloss seine Augen wieder. ‚Gut, dass Kel so ein schlechter Schütze ist!‘ keuchte er und hustete unter Schmerzen.

Merle stand kopfschüttelnd auf und meinte: ‚Ich geh mal die Suppe holen!‘

Lamina schluckte ein weiteres Schluchzen hinunter und meinte mit erschreckend fester Stimme. ‚Du musst viel trinken.‘ Und hielt ihn den Löffel hin. Er öffnete leicht den Mund und sie flößte ihm nach und nach den ganzen Inhalt des Bechers ein.

Ainur kam mit der Suppe und setzte sich ans Bett, während Lamina immer noch vor dem Bett kniete. Sie nahm ihm die Suppe ab und rührte darin herum. Dampf stieg auf.

‚Ich hab gehört du bist wach, mein Sippenführer!‘ meinte Ainur. Halef drehte den Kopf langsam in Ainurs Richtung, blinzelte und starrte erschrocken auf den Bolzen in seiner Schulter.

‚Darüber wollte ich mit dir reden!‘

Vira und der Khan kamen in die Jurte und blieben am Feuer stehen.

Ainur wartete ab, bis Halef eine Reaktion zeigte. Lamina berührte seine Wange, er drehte den Kopf in ihre Richtung und er bekam einen Löffel mit Suppe eingeflößt. Dann blickte Halef wieder Ainur an und versuchte ein Lächeln, was in ein merkwürdiges Zucken seines Gesichtes überging.

‚Ein Pfeil steckt noch in deiner Schulter. Genauer gesagt in dem dünnen Knochen hier oben!‘ erklärte Ainur und tippte sich selbst an die Stelle an seiner Schulter. ‚Wenn wir ihn ziehen, dann zerbrechen wir vielleicht den Knochen, deswegen wollten wir warten, bis Ziska wieder auf den Beinen ist.‘

Halef blickte ihn fragend an und Ainur fuhr fort. ‚Sie hat dich geheilt, sogar mit Singsang und so und sie schläft jetzt! Sie hat Wena Kräuter für dich gegeben. Für auf die Wunden und für den Tee. Und mir hat sie vorhin gesagt, wie das mit dem eingedickten Mohnsaft funktioniert.‘

Halef schüttelte den Kopf, schloss die Augen und öffnete die Lippen einen kleinen Spalt: ‚Das ist keine gute Idee! Ich trauere noch und…‘ Er hustete wieder und stöhnte laut vor Schmerzen.

Lamina berührte Ainur am Knie und flüsterte ihm zu: ‚Der Mohnsaft regt ihn mehr an…ähm auf, als dass es ihn beruhigt. Das ist jetzt eher eine ungute Idee ihm was davon zu geben.‘

Ainur verstand nicht und blickte Lamina irritiert an. Lamina wurde schlagartig rot im Gesicht und lächelte ihn verlegen an.

‚Ich verstehe nicht!‘ meinte er und blickte sie weiter unverwandt an.

‚Es macht ihn…!‘ stotterte sie, machte eine eindeutige Handbewegung und schüttelte den Kopf.

Der Khan machte einen Schritt aufs Bett zu und musste sich wahrlich ein Lachen verkneifen. ‚Ainur, gib es ihm erst, wenn er alt und tattrig ist und wenn morgens sein…!‘

Vira hielt dem Khan den Mund zu und rief. ‚Gib mir den Mohnsaft, ich verstecke ihn wieder!‘

Ainur drehte sich um und blickte alle verständnislos an. ‚Ich verstehe euch nicht, wenn man mir Mohnsaft gibt, dann fühle ich mich wie ein 12jähriges Mädchen auf einer wunderschönen Blumenwiese, was ist daran so falsch!‘

‚Wenn meine Frauen mir Mohnsaft geben, wache ich am nächsten Morgen nackt vor meinem Bett auf und mir tut nicht nur der Kopf weh, sondern auch…!‘ meinte der Khan und wurde wieder von Vira unterbrochen, in dem sie ihn anrempelte.

‚Meine Knie, Vira! Meine Knie!‘ lachte der Khan.

‚Jetzt hört auf Witze zu machen, es ist doch gegen Schmerzen, dachte ich! Kejnen ist ganz wild darauf.‘

‚Ach, ist er das? Ich dachte wir trauern noch!‘ meinte Vira und musste nun auch lachen.

‚Ainur bitte, gib mir nichts davon!‘ wimmerte Halef und trotz seiner Schmerzen musste er schmunzeln. Ainur blickte ihn noch verwirrter an und Lamina holte tief Luft.

‚Es macht ihn…!‘ fing sie an und Vira hielt ihr den Mund zu. ‚Und woher weißt du das überhaupt!‘

Lamina schüttelte ihren Kopf und Vira lies sie los. ‚Ziska hat ihm vorgestern davon gegeben und es war ihm mehr als peinlich und mir übrigens auch.‘

Der Khan hatte Ainur währenddessen ins Ohr geflüstert und Ainur begriff endlich, machte die Handbewegung nach, die Lamina vorhin gemacht hatte und lachte. ‚Ach so, dann verfehlt es bei mir die Wirkung völlig!‘

Halef verdrehte die Augen und flüsterte so, dass es nur Lamina verstand, die sich dann räusperte und meinte: ‚Der Sippenführer wäre sehr ungehalten darüber, wenn morgen in allen Jurten darüber gesprochen würde, wie vielfältig die Verwendungsmöglichkeiten von Mohnsaft sein können!‘

‚Ja, Spaß bei Seite. Solange der Bolzen in deiner Schulter sich nicht entzündet und du noch einen Tag mit den Schmerzen Leben kannst, würden wir ihn erst morgen herausziehen.‘

‚Und ich frag die weiße Hexe, ob es was Anderes gegen die Schmerzen gibt.‘ meinte Vira und ging kopfschüttelnd aus der Jurte.

‚Würdet ihr mich mit ihm alleine lassen?‘ meinte der Khan. Lamina stand auf und drückte dem Khan die Suppe in die Hand. Ainur begleitete sie nach draußen.

Ohne Umschweife kam der Khan zur Sache. ‚Nachdem dein Hund und du es überlebt habt, werde ich Kel verbannen. Ich werde noch morgen aufbrechen und ihn weit fort bringen. Sehr weit fort bringen. Wenn ich zurückkomme, erwarte ich dass du wieder auf den Beinen bist.‘

Halef nickte und der Khan fütterte ihn erschreckend liebevoll mit der Suppe. Als der Napf leer war, stand der Khan auf und meinte: ‚Jetzt werde ich mir den Zorn meiner Frau abholen gehen!‘

Halef glitt in einen tiefen Schlaf über, er bemerkte nicht, dass Lamina und seine Mutter ihm weiter Tee einflößten und erwachte erst wieder als Lamina erschöpft über ihm zusammen brach. Ihr Gewicht drückte auf seine Bauchwunde. Nach Luft ringend versuchte er sie zur Seite zu schieben oder sie zu wecken. Er war so kraftlos, dass er sie nur ein Bisschen rütteln konnte. Die Schmerzen ließen ihm die Tränen in die Augen steigen. Er hatte das Gefühl, er müsste sich jeden Moment einpinkeln. Er stöhnte und wimmerte, doch Lamina lag wie eine Tote auf ihm. Zu allem Überfluss blieb er bei dem Gerangel an dem Pfeilschaft hängen. Er hörte trotz seines Schmerzensschrei ein grässliches Knacken in seiner Schulter.

Plötzlich kam Kejnen herein. Er hatte eine Kanne in der Hand und hinter ihm kam Ainur mit dem Hund auf dem Arm. Róka kam hinter ihnen in die Jurte gelaufen. Halef röchelte nur noch erstickt. Kejnen stolperte hastig zum Bett, stellte die Kanne auf eine Truhe und zog Lamina hoch. Halef stöhnte erleichtert auf. Ainur hatte den Hund auf ein Fell neben dem Feuer abgelegt und kam zum Bett und half Kejnen dabei Lamina in eine Decke zu wickeln und sie am Fußende abzulegen.

‚Die weiße Hexe ist erwacht und schickt uns mit Tee gegen Wundbrand und Schmerzen ohne Nebenwirkungen!‘

Halef schüttelte nur angestrengt den Kopf und keuchte. ‚Bevor ihr mir neuen Tee einflößt, müsste ich erst mal…!‘ Er spürte, wie ihm das Blut aus der Schulterwunde ran.

Kejnen blickte Ainur an und dieser verließ die Jurte, um wenig später mit einem Eimer und Verbandszeug wieder zu kommen, während Kejnen die Pfeilwunde untersuchte.

‚Ich glaub der Pfeil oder der Knochen ist durch!‘

‚Oder Beides!‘ keuchte Halef.

Ainur stellte den Eimer vors Bett und setzte sich an die Bettkante. Der tippte ganz vorsichtig den Pfeil an und drückte ein Tuch auf die Wunde. Dann tastete er so vorsichtig wie möglich den Knochen ab. ‚Der Knochen ist ganz und der Pfeil ist wieder frei. Dann wollen wir dich aber erst Mal pinkeln lassen…!‘

Ainur stand auf und Kejnen zog die Decke von Halefs Körper und meinte: ‚Wir werden dir die Peinlichkeit ersparen, im Liegen vor deiner Mutter oder deiner Frau pinkeln zu müssen.‘ Ainur half ihm auf und Kejnen hielt ihn fest. ‚Keine Sorge dein Weibchen schläft tief und fest.‘ meinte Ainur und hob seine Beine aus dem Bett und übernahm dann wieder Halef festzuhalten. Kejnen nahm den Eimer hoch und grinste. ‚Ihn festhalten und zielen musst du aber selbst, Junge!‘

Während Halef in den Eimer pinkelte, zitterte sein ganzer Körper so, dass Ainur ihn nach dem letzten Tropfen sofort wieder ins Bett sinken lies und ihn wusch. Er zog mit einem Ruck den Pfeil aus der Schulter und versorgte die Wunde. Halef war ziemlich weggetreten und wimmerte nicht einmal mehr. Kejnen humpelte mit dem Eimer nach draußen.

Ainur nähte die Wunde zu, verband erneut die Schulter und löffelte ihn dann den Tee in den Mund. Halef lies es benommen zu. Kejnen kam wieder rein und brachte nochmal Suppe und Tee. Sie flößten ihm in einer langen Prozedur alles ein, was sie hatten, bis Halef nicht mehr konnte.

‚Möchtest du dein Weibchen oder deinen Hund an deiner Seite haben, heut Nacht?‘ fragte Ainur leise. Wie auf Kommando wurde Lamina am Fußende wach und schreckte verwirrt hoch. Dabei fiel sie fast aus dem Bett.

‚He, Mädchen! Alles in Ordnung, dein Sippenführer verlangt nach dir.‘

Sie krabbelte vom Bett und stand verwirrt auf. Dann stürzte sie wieder zum Bett. Ainur half Lamina, aus ihrem Klappenmantel und neben Halef platz zu nehmen. Als sie lag, deckte er beide sorgsam zu. Dann wand er sich zu den Hunden und stellte ihnen einen Napf mit Wasser hin. Summend legte er Holz nach und verließ er die Jurte, um gleich wieder herein zu kommen, um den Eimer ans Bett zu stellen. ‚Der Eimer für Notfälle!‘

Published in: on 19. Dezember 2012 at 21:13  Schreibe einen Kommentar  
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Drei und eine Axt – Teil 24

Eine Axtgeschichte – Drei und eine Axt – Teil 24

Amreiter_neu nächsten Tag kam Merle angeritten. Einerseits um ihre Kinder zu holen und andererseits um Lamina etwas zu bringen. Auf einem alten Stück Leder hatte sie den Plan von einem Webrahmen auf gezeichnet und dann drückte sie ihr noch ein paar knöcherne Webschiffchen in die Hand. 

‚Wenn meine Schwiegermutter Fragen stellt…! Sie machte eine kurze Pause, schüttelte dann den Kopf und fuhr fort: ‚Ach, sie weiß eigentlich wie ungeschickt ich mich beim Weben anstelle.‘ Merle wand sich beschämt ab und wurde schlagartig rot im Gesicht. 

Wena kam hinzu und fragte: ‚Wollten wir nicht Flachs sammeln gehen? Die Männer arbeiten hinter der Jurte, also können die Kinder und ich…!‘

‚Und ich wollt schon fragen, was wir mit dem Flachs machen, der am Fluss entlang wächst.‘ unterbrach sie Lamina freudig erregt.

‚Bis jetzt haben wir Seile draus gemacht, aber wenn wir nun wirklich einen Webrahmen bauen, dann könntest du…‘ meinte Wena und strich Lamina sanft über die Schulter.

‚Langsam Größenwahnsinnig werden!‘ meinte Vira, die hinter ihnen aufgetaucht waren. ‚Was wollt ihr denn noch alles machen?‘

‚Wolle färben!‘ meinte Lamina.

‚Ich hab an der Böschung oben am Rand der Ebene ganz viel Goldrute gesehen. Ich brauch da nur die Blüten, den Rest könnt ihr haben. Wann wollen wir los?‘ meinte Ziska und griff nach ihrem Korb.

‚Ich muss erst noch die anderen holen? Wir sehen uns am Fluss!‘ rief Merle und lief zu ihrem Pferd.

Lamina lief zu den Männern hinter die Jurte. Halef saß mit Kejnen auf einem Baumstumpf und sie schnitzten allerlei Dinge, die Wena ihnen aufgetragen hatte. Während Ainur, Otar und Alur an den Balken und Brettern der Betten arbeiteten.

‚Wir gehen Flachs sammeln am Fluss!‘ meinte sie kurz und küsste Halef. Er lächelte sie an und nickte kurz.

‚Was macht ihr mit dem Flachs?‘ fragte Ainur, ohne aufzublicken.

‚Nach der Röste, Brechen, Schwingen und Hecheln! Wieso?‘ meinte Wena, die sich gerade einen großen Korb auf den Rücken band.

‚Ich hab gehofft, wir könnten ein paar Seile machen, weil seit gestern ist mein Bestand aufgebraucht.‘

‚Ja, Seile können wir auch machen, aber wir haben einen geheimen Plan für einen Webrahmen.‘ meinte Lamina und zog das Stück Leder unter ihrem Klappenmantel hervor und gab ihn Ainur. Er blickte drauf und blickte sie dann ernst an: ‚Gut, ich baue euch den Rahmen und ihr macht mir ein paar Seile. Aber eure Gewichte müsst ihr euch selber suchen.‘

‚Oder wir machen sie aus Ton!‘ rief Wena.

‚Ich merk schon, das ist ein abgekartetes Spiel!‘ meinte Ainur und lachte laut.

Die Frauen waren den halben Nachmittag unterwegs und brachte nicht nur Unmengen Flachs mit, sondern auch allerlei Kräuter, Kleinholz, Nüsse, Pilze und Beeren, Goldrute und Birkenblätter zum Färben und einige Gewichte für den Webrahmen. Die Männer hingegen saßen am Tisch und schnitten Gemüse klein und Halef und Kejnen hatten Schürzen an und kochten. Alur hatte die Tiere versorgt und kam gerade wieder. Sie stellten die Flachsbündel vor der Jurte zum Trocknen auf.

Auch in der Nacht schrie Kel so laut, dass man den Eindruck hatte, man könnte seine Schreie über die ganze Ebene schallen hören.

Am darauffolgenden Morgen stand Halef früh auf, verabschiedete sich von Lamina und ging zum Jagen. Er wollte das Schaf fangen, dessen Unterschenkelkochen, die Grundlage seiner Ehe sein sollte. Keiner hatte von ihm erwartet, dass er den alten Rieten des Reitervolkes gemäß handelt, weil er doch nicht von ihrem Blute war, doch waren es genau diese Rieten, die ihn zum Sippenführer gemacht hatten. Er wollte die Ahnen ehren und wollte ihnen gerecht werden, genauso wie er es den Lebenden schuldete. Auch er hatte diesen Knochen bekommen, als Zeichen, dass sie ihn wie einen leiblichen Sohn behandeln würden. Nun war es an ihm, die Rieten fortzuführen, damit nichts in Vergessenheit geriet und Wena würde ihn schon daran erinnern, wenn er doch etwas vergessen würde. Sie war sehr zufrieden mit allem, von den Streitigkeiten mit Kel und dem nahenden Winter mal ganz abgesehen.

Er lief an einer Stelle unterhalb der Jurten über den Fluss und ging an einer anderen Seite des Tales auf die Ebene. Er wollte möglichst weit weg vom Lager des Khan unbemerkt bleiben. Weil auf Ärger hatte er so früh am Morgen wirklich keine Lust. Sein Kopf tat ihm immer noch weh und der Schorf in seinem Gesicht juckte, als hätte er auf einem Ameisenhaufen geschlafen.

Die Sonne kroch gerade über die Hügel und die Sonnenstrahlen erhellten die Ebene im goldenen Licht. Genau für diesen Augenblick hatte sein Vater das Reiterleben aufgegeben. Gehörte ihnen doch nicht nur der kleine Flecken Erde am Fluss, ihnen gehörte doch die ganze Steppe soweit das Auge reichte. Niemand lebte in dieser Einöde, außer den Nachbarn flussaufwärts oder flussabwärts. War es doch schon immer das Winterlager des Khan gewesen und der Khan war wahrlich froh über die Vereinbarung, die er mit dem Vater seines Vater, als auch mit seinem Vater, getroffen hatte und die er nun als neuer Sippenführer weiterführen würde. Die Nachbarn allerdings lebten eher für sich und man sah sich höchstens zwei Mal im Jahr. Nicht mal auf der Zusammenkunft hatten sie sich gesehen, obwohl der Khan eigens Reiter vorbeigeschickt hatte. Die Nachbarn flussaufwärts, auf der anderen Seite des Waldes, hatten eine Schmiede an der alten Handelsstraße gebaut und bekamen so genug Möglichkeiten Handel zu treiben. Doch waren sie zu wenige, um auf die Zusammenkunft zu reiten. Und die Nachbarn flussabwärts handelten mit dem Khan und Anderen, für die der alte Weg durch die Berge zu klein geworden war. Warum sie nicht bei der Zusammenkunft waren, weiß nur der Khan.

In seinen Gedanken versunken überraschte er eine Gruppe Wildschafe und konnte tatsächlich eines der Tiere einfangen. Seine Hunde tollten weit entfernt umher.

Plötzlich sirrte ein Pfeil an ihm vorbei und blieb zitternd im Schaf stecken. Er konnte den nächsten Pfeil noch hören, bevor er selbst getroffen wurde. Von der Wucht fiel er auf die Knie. Fassungslos blickte er nach unten und konnte eine Jagdspitze sehen, die aus deinem Bauch ragte. Die Hände gegen die Wunde pressend, versuchte er sich umzublicken und konnte noch seine Hunde sehen, wie sie auf den Schützen zu liefen. Nyúl wurde getroffen, er konnte seinen Hund laut aufjaulen hören. Halef wuchtete sich hoch und lief ihnen hinterher. Der Schütze war niemand anderes als Kel, der auf seinem Pferd saß und immer noch mit dem Bogen auf ihn zielte. Halef rannte so schnell er konnte und versuchte Haken zu schlagen, er wich dem Pfeilhagel aus, der auf ihn hernieder prasselte. Kel war ein lausiger Schütze auf bewegliche Ziele. Doch Halef verließ seine Kraft und er kassierte vier weitere Treffer bis er bei dem reglosen Körper seinen Hundes ankam und neben seinem Hund zusammenbrach. Róka rannte weiter auf Kel zu und sprang das Pferd an, auf dem Kel saß. Róka riss dem Pferd die Kehle auf, Blut schoss heraus und Kel stützte mit samt seinem Bogen vom Gaul. Er schoss sich selbst dabei in den Fuß. Als er am Boden auftraf, war Róka schon auf ihm und verbiss sich in seiner Kehle. Der Khan und seine Söhne kamen angeritten. Halef hatte sich wieder aufgerichtet, pfiff erstickt, Blut quoll ihm aus dem Mund. Er versuchte erneut zu pfeifen, Róka lies von Kel ab und rannte wieder zu seinem Herrn. Halef hatte seinen Hund gepackt und versuchte aufzustehen. Anstatt in Richtung der Jurten zu laufen, lief er zu dem Körper des toten Schafes zurück. Der Khan und Elger ritten ihm nach und holten ihn ein.

‚Junge, wo rennst du hin?‘ rief der Khan und sprang noch im Lauf vom Pferd.

‚Er hat den Grundstein meiner zukünftigen Ehe erschossen.‘ stammelte Halef.

Elger ritt an ihnen vorbei, er blickte seinen Vater an und ritt weiter.

‚Elger wird es holen und dir bringen!‘

Halef blieb stehen, vergewisserte sich, dass Elger auch wirklich das Schaf mitnahm.

‚Junge, bitte lass mich dir helfen.‘

‚Wenn mein Hund stirb, töte ich deinen Sohn.‘ röchelte Halef, drehte sich um und humpelte in Richtung der Jurten.

‚Das ist sogar dein verdammtes Recht. Aber wenn du vorher verreckst, dann bringt mich deine Mutter um und deine Tante verflucht mir mein Jenseits.‘

Halef hustete und spie dabei Blut auf den Boden.

‚Junge, gib mir wenigstens den Hund!‘ rief der Khan und pfiff nach seinem Pferd. Elger stoppte neben ihnen und sprang vom Pferd.

‚Halef, ich trag dich, wenn es sein muss, aber du verreckst mir nicht in der Steppe.‘ rief Elger aufgebracht.

Halef lief einfach weiter, hob seine Tunika und zeigte die Pfeilspitze, die ihm aus dem Bauch ragte. ‚Ich werde sterben, wenn ihr mich aufs Pferd setzt oder wenn ihr mich tragen wollt.‘

Elger, hielt ihn an der Schulter fest, zog sein Messer und sprach: ‚Vertrauts du mir?‘

‚Bleibt mir was anderes übrig?‘ röchelte Halef.

‚Gib meinem Vater den Hund!‘

Halef tat es. Ein weiterer Sohn kam angeritten und übernahm den Hund. Der Khan blickte ihn ernst an und sprach: ‚Ulor, bringe den Hund zu Wena und sag Ziska Bescheid, sie soll uns entgegen reiten. Sorge dafür, dass dieser Hund nicht stirbt!‘

‚Halef, ich schlage den Pfeil ganz nah an deinem Rücken durch, dann legen wir dich mit dem Rücken aufs Pferd und bringen dich heim.‘

Halef ging in die Knie, weil er sonst einfach umgefallen wäre. Elger schlug den Pfeil mit einem Schlag sauber durch und kürzte auch die Pfeile, die Vorne aus seinem Körper ragten. Der Khan stieg auf und Elger hob Halef auf das Pferd seines Vaters. Sie versuchten so schnell und so behutsam wie möglich loszureiten.

Als sie am Fluss ankamen, stand Ziska schon am Ufer und wartete. Ainur stand an ihrer Seite.

Kejnen brachte heißes Wasser.

‚Wo ist das Mädchen? Und Vira?‘ rief der Khan, der sein Pferd behutsam durch den Fluss trieb. Elger war schon drüben und sprang vom Pferd, zog dabei das Schaf vom Pferd und legte es auf den Boden.

‚Mit den Kindern im Wald unterwegs.‘ rief Ziska. Blut und Wasser tropfte vom Pferd des Khan, als er am Ufer halt machte. Elger und Ainur hoben Halef vom Pferd und legten ihn auf eine Decke, die sie eigens ausgebreitet hatten. Ainur rieb mit dem Finger über den Schaft eines der Pfeile und roch daran. ‚Er hat die Pfeil in Dung gesteckt, bevor er geschossen hat.‘

Ziska stand auf und schrie laut zu den Jurten hoch. ‚Wena, ich brauch den klaren Schnaps, schnell!‘

Der Khan war abgestiegen und lief zu den Jurten, während ihm Wena entgegen eilte. Sie drückte ihm zwei Flaschen in die Hand. Er blickte sie eindringlich an und meinte ruhig. ‚Die Pfeile waren voll Dung…Um deines Bruders Willen rette diesen Hund. Ich werde ihn verbannen, wenn alle es überleben.‘ Dann drehte sich der Khan um und lief wieder zu Halef. Ainur hatte dem Jungen bereits die Kleider vom Leib geschnitten und ein getränktes Tuch gegen die Eintrittswunde am Rücken gepresst. Kejnen hielt ihn fest und drückte ihm ein Stück Leder in den Mund und säuselte ihm unentwegt ins Ohr. Halef war nicht nur durch den Knebel gehindert zu sprechen, er war ohnehin schon fast ohnmächtig. ‚Beiß da drauf Junge! Versuche dich auf deine Zehenspitzen und deine Fingerspitzen zu konzentrieren. Spürst du sie? Ja. Kannst du sie bewegen? Gut. Das könnte jetzt gleich weh tun, aber so lange du Schmerzen hast, weiß du, dass du noch lebst.

Elger, Ainur und Ziska wuschen die Wunden erst mit dem Wasser und dann mit dem Schnaps aus. Und drückten getränkte Tücher auf die Wunden.

‚Zum Glück hat Kel nur noch zwei Jagdspitzen und eine davon steckt im Schaf.‘ meinte Elger.

‚Der Pfeil in der Schulter steckt im Knochen fest, der im Arm ist durchs Fleisch gegangen, den kann man ganz leicht durchziehen. Der Schaft ist sauber.‘ meinte Ainur.

‚Gut, Ainur mach das, wasche die Wunde gründlich und nähe ihm die Wunden zu. Kleine Stiche. Wir ziehen die Spitze aus dem Bauch, waschen die Wunde und ich heile ihn. Kejnen versuch ihm so viel Wasser wie möglich in den Mund zu träufeln, wenn die Pfeile draußen sind.‘

Sie nahmen den Knebel aus dem Mund und Khan drückte ihm seinen eigenen Trinkschlauch in den Mund. ‚Da kann er auch drauf beißen.‘

‚Die Pfeile im Bein stecken im Fleisch, wir können sie nur raus ziehen.‘ meinte Elger.

‚Gut eines nach dem anderen. Hilf mir mit der Spitze.‘ rief Ziska. Der Khan tauschte mit Elger den Platz und der Khan drückte die Beinwunden ab. Ainur hatte den ersten Pfeil durchgestoßen und Halef schrie und verbiss sich im Trinkschlauch. Kejnen säuselte ihm immer noch ins Ohr und achtete darauf, dass er sich nicht verschluckte. Elger zog die Jagdspitze aus dem Bauch und Halef wurde ohnmächtig. Ainur fing zu nähen an und Kejnen drehte den Kopf des Jungen auf die Seite und zog den Trinkschlauch aus dem Mund. Er fuhr ihm mit dem Finger in den Mund und hielt seine Zunge fest, dann träufelte er in aller Seelenruhe Tropfen für Tropfen der Flüssigkeit in seinen Mund und achtete darauf, dass er nicht zu viel Flüssigkeit im Mund hatte und dass er nicht daran erstickte.

‚Wenn ich ohnmächtig werden sollte, lasst mich erst mal liegen und macht weiter.‘ meinte Ziska und kippte sich selbst Schnaps über die Finger und rieb dann die Hände aneinander und griff in die Wunde. Sie lies den Schnaps in die Wunde laufen und schob den Körper auf die Seite und griff nach der Eintrittswunde. Dann rieb sie die Hände wieder aneinander und wiederholte die Prozedur, bis sie tatsächlich zusammenbrach. Ainur bemerkte, dass keine Blut mehr aus Bauchwunde rann und nähte sie zu. Dann drehten sie ihn auf den Rücken und nähten auch diese Wunde zu. Als sie sich ans Bein machten, wurde Ziska wieder wach. Sie rieb wieder die Hände aneinander und legte Hand auf die Bauchwunde und begann einen Singsang. Die Männer hatten die erste Beinwunde bereits gewaschen und verschlossen und wollte sich an den zweiten Pfeil machen. Ziska legte die Hand auf seinen Schenkel und sang weiter. Sie zogen den Pfeil, Blut schoss hervor und Halef wurde kurz wach und wimmerte. Kejnen zog seinen Kopf hoch und lehnte ihn gegen seinen Oberschenkel und träufelte ihm unentwegt weiter Flüssigkeit in den Mund. ‚Junge gleich hast du es geschafft.‘ Er hielt ihn fest und strich ihm über den Hals. Ziska fing irgendwann an zu zappeln und stürzte nach hinten um. Der Khan brachte sie nach oben in die Jurte. Er schaute nach dem Hund. Der Hund war auf dem Tisch fest gebunden und Wena legte den gerade einen Verband an. Sein Sohn Ulor war noch da und hielt dem Hund einen nassen Lappen hin. Der Hund leckte daran.

‚Kannst du dich um die weiße Hexe kümmern. Ich bleib hier.‘ meinte der Khan und ging um den Tisch herum und sich erschöpft auf die Bank zu setzen. Kejnen humpelte mit Ziskas Korb im Arm an ihnen vorbei und ging in die Jurte. Wena folgte ihm.

Published in: on 5. Dezember 2012 at 23:52  Schreibe einen Kommentar  
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