1799 – Baumwolle für Tobago – Teil 8

1799 – Baumwolle für Tobago – Teil 8

Der Kapitän konnte heute nicht schlafen, seine Kajüte war so leer, seit die Damen ausgezogen waren. Also stand er wieder auf, kleidete sich an und schlenderte übers Deck. Der Matrose, der am Steuer Dienst tat, gähnte mehr, als dass er steuerte, also schickte er ihn ins Bett und übernahm die Schicht bis Sonnenaufgang. Das war die ruhigste Zeit und er war mit seiner Blue Moon und der See alleine, bis die Sonne ihre Segel küsste.

Verträumte blickte er den Sternen entgegen und grübelte über alles was da noch vor ihnen lag. Rosig sah es nicht aus, aber wann war es je rosig gewesen.

Er hatte seine Hände am Steuer und glitt liebevoll über die hölzernen Sprossen.

‘Muss Liebe schön sein, Kapitän.’ hörte er eine tiefe Stimme hinter sich. Es war Svent auch wenn er noch hinter ihm stand, war seine Stimme unverkennbar.

‘Ja, die einzige Frau in meinem Herzen und sie hat mich nie enttäuscht.’ flüsterte der Kapitän und rieb wieder liebevoll über das Holz. ‘Svent, könnt Ihr nicht schläfen?’

‘Ich bin zu groß für die Hängematte.’ meinte Svent achselzuckend.

‘Ach und die Damen haben jetzt Ihre bequeme Koje?’

Svent nickte und stammelte: ‘In die Koje hab ich auch nicht so richtig Platz gefunden.’

‘Also mein Bett ist bis Sonnenaufgang frei. Ich segel die alte Braut noch eine Weile in den Sonnenaufgang.’

‘Danke für das Angebot, aber das kann ich nicht annehmen.’

‘Was da wohl meine Männer sagen, wenn Ihr am Morgen in meinen alten Hosen schlaftrunken aus meiner Kajüte wankt und Euch dann auf Deck ein schattiges Plätzchen sucht.’

Er grummelte nur verlegen und wand dann den Blick ab.

Also redete der Kapitän einfach weiter: ‘Nachdem ich dann bestenfalls immer noch hier steh, wahrscheinlich eher nichts.’

Svent nickte resigniert und schlich wieder unter Deck.

Erst weit nach Sonnenaufgang kam endlich die Ablösung und als das Schiff langsam wach wurde, schlich sich der Kapitän in seine Kajüte. Johann kam ihm entgegen und grunzte ihn an. Sie verstanden sich dennoch. Johann würde ihn den Vormittag über schlafen lassen und dann würde ihm jemand den Kaffee auf die Kajüte bringen, so wie jeden Morgen.

Mit den Gedanken noch bei seinen Morgenkaffee, öffnete er die Tür zu seiner Kajüte und er wunderte sich nicht schlecht darüber, dass es Svent sich vor seinem Bett gemütlich gemacht hatte. Er lag flach ausgestreckt auf einem Bündel aus seinen neuen Klamotten. Sein massiger Körper war nur stellenweise von einer viel zu kleinen Decke bedeckt. Kopfschüttelnd stieg er über ihn und warf sich mit samt seiner kompletten Montur ins Bett.

Er konnte ein leichtes Zähneklappern hören, also stand er nochmal auf und holte eine Decke aus seiner Truhe. Fast schon liebevoll deckte er den sanften Riesen sorgsam zu und zog sich doch seine Schuhe und sein Jackett aus. Als er seine Perücke vom Kopf zog und sie einigermaßen sorgsam auf den Perückenständer legte, wurde ihm gewahr, dass er von Svent beobachtet wurde.

‘Ich bin froh diesen Flohfummel nicht mehr tragen zu müssen.’ flüsterte er und drehte sich auf die Seite. Der Kapitän stieg über ihn hinweg und antwortete erst, als er sich aufs Bett setzte.

‘Reine Gewohnheitssache und meine Haarpracht ist längst nicht mehr so üppig wie früher.’ meinte er etwas wehmütig und strich sich über sein spärliches Haupthaar. ‘Morgen wird Euch das Kreuz ganz schön weh tun.’

Ein Gähnen war keine zufriedenstellende Antwort, also fuhr er fort. ‘Das Bett des Kapitän ist groß genug…’ meinte er und klopfte grinsend auf die Matratze.

‘Nein Kapitän, so sehr ich auch will!’

‘Keine Sorge, ich bin zu nichts mehr im Stande.’

‘Darum geht’s nicht!’

Diesmal gähnte der Kapitän und meinte dann: ‘Ist vielleicht auch besser so!’

Svent war für einen Moment eingenickt und nach einem Schnarchen kam noch ein: ‘Ich hab schon genug schwarze Schatten auf meiner Seele.’

Betretenes Schweigen hing in der Kajüte, bis der Kapitän die Stille unterbrach: ‘Aber wenn du auf meinem Schiff arbeiten willst, solltest du auch fit sein!’

Nach Beendigung seines Satzes legte sich Kapitän hin und drehte sich um.

Er hörte nur ein Grunzen vom Boden, ein Rascheln und dann bewegte sich die Matratze unter dem Gewicht von Svent. ‘Ich lieg backboard!’ konnte er die tiefe Stimme von Svent noch hören und dann schwappte der animalische Duft des ehemaligen Quartiermeisters an seine Nase.

Dem Kapitän stolperte ein kleiner Stöhner aus der Kehle und Svent musste grinsen. Es dauerte einen Moment bis sein Gast nun endlich richtig lag. Unwillkürlich kamen sie sich dabei näher, es war doch enger als gedacht im Bett des Kapitäns.

Der Kopf des Quartiermeisters kam dem Nacken des Kapitäns so nahe, dass er die Bartstoppeln auf seiner Haut spüren konnte.

‘Lass nicht zu, dass ich dir weh tu!’ flüsterte der Kapitän.

‘Ich werde mich wehren!’ grinste Svent, zwang seinen Arm unter das Kissen des Kapitän und nahm ihn fest in den Arm, als wäre er eine Puppe. Im nächsten Moment war er eingeschlafen.

Das leichte Schnarchen dieses sanften Riesen wiegte den Kapitän zusammen mit dem sanften Schaukeln seines Schiffes in den Schlaf.

 

Fortsetzung folgt… Kaffee bei acht Glasen…

1799 – Baumwolle für Tobago – Teil 7

1799 – Baumwolle für Tobago – Teil 7

‘Kapitän? Wo ist mein Stiefvater?’ frug Mariebelle. Sie stand immer noch vor dem Tisch und war wohl etwas ungehalten über die Sitten an Bord der Blue Moon.

‘In Einzelhaft!’ meinte der Kapitän mürrisch und stocherte in seinem Essen herum, während er scheel auf sein leeres Glas blickte.

‘Und seine Männer?’ wollte Svent wissen. Er schaufelte sich seinen Napf voll und freute sich schon sichtlich auf etwas Warmes im Bauch.

‘Im Loch!’ meinte der Kapitän mürrisch. ‘Nun setzt Euch schon hin. Lasst uns essen. Es war ein harter Tag.’

‘Und der Tag ist erst zu Ende, wenn wir alle ordentlich untergebracht haben.’ grummelte Johann und schaufelte bereits die zweite Portion in sich hinein.

‘Kriegen denn auch alle genug zu essen?’

‘Unser Obi hat die Küche übernommen!’ mampfte Svent und grinste Obi an, der gerade wieder zur Tür herein kam.

‘Werte Missi, Euch geht es doch gut, oder? Mama würde mich sonst im Schlaf heimsuchen und mich arg ausschimpfen, wenn ich mich nicht um alle gut kümmern würde.’ rief Obi, stellte den Kessel ab und schaufelte weiter Teller und Näpfe voll.

Mariebelle wurde sichtlich kleiner und blickte Obi an wie ein kleines Kätzchen: ‘Ach Obi, es ist so viel passiert.’ Sie musste schwer schlucken und begann leise an zu schluchzen ‘Geht es allen gut?’

‘Ich füttere alle gut, weil wir sitzen alle in einem Boot.’ rief Obi und versuchte Maribelle an der Schulter zu tätscheln.

‘Ja und wir machen einen Stopp auf Madeira, um Wasser und Futter zu fassen, damit wir auch alle heil nach Tobago kriegen.’ rief der Kapitän und versuchte Obi mit Blicken dazu zu bewegen, seinen Becher nochmal zu füllen.

‘Ihr wisst doch, dass meine Mutter euch nicht so behandeln würde und wie mein Stiefvater es getan hat!’ rief Mariebelle nun aufgebracht und fing dann noch mehr an zu heulen.

Obi kniete sich neben sie und nahm sie in den Arm. ‘Missi, ich kann Mam’sel schon hören, sie schimpf über das kleine verzogene Kätzchen!’ Er war in der Hocke genauso groß, wie die junge Lady im Sitzen. Erst jetzt erkannte der Kapitän, wie klein und verletzlich das kleine Kätzchen eigentlich war. Alles andere war nur eine schöne Fassade.

‘Katze an Bord, Glück geht fort.’ rief Johann. Er war mit dem dritten Napf fertig und machte Anstalten wieder an die Arbeit gehen zu wollen.

‘Ist Madeira so eine gute Idee?’ frug Svent.

‘Madeira soll um diese Jahreszeit echt wunderschön sein.’ grinste der Kapitän.

Svent zog nur eine Augenbraue hoch.

‘Ach, wegen der britischen Besatzung. Ich hab ein paar gute Freunde auf Madeira und die pissen den Engländern gerne ins Bier und verkaufen mir ihren besten Whiskey.’ grinste der Kapitän wieder.

‘Ihr macht Geschäfte mit Schotten?’ rief Maribelle empört.

‘Immer noch besser als mit den Engländern Geschäfte zu machen. Ihr tut ja grade so, als würde ich mit jedem ins Bett steigen.’

‘Das habe ich aber nicht gesagt.’ meinte sie beschämt.

Svent grinste wieder dreckig.

 

Fortsetzung folgt….Alle Segel am Wind….

1799 – Baumwolle für Tobago – Teil 6

1799 – Baumwolle für Tobago – Teil 6

In der Messe entzündete ein Schwarzer die Kerzen, dann deckte er fast schon liebevoll den Tisch und der Smut brachte das Essen.

‘Danke nochmal, dass ich in der Küche helfen darf.’ stammelte der Schwarze mehr zu dem Geschirr, als zum Smut.

‘Ist schon gut, ich hab mit der Gesundheit von allen genug zu tun, dass ich sogar noch zwei beschäftigen kann, um alle satt zu kriegen.’ jammerte der Smut.

Der Kapitän stand in der Tür und meinte: ‘Johann schreib das auf, dann haben wir nochmal zwei beschäftigt. Wenn Magnus bei dir in der Kabine schlafen würde, könnte er quasi eine Praxis aufmachen.’

Johann tauchte hinter dem Kapitän auf und hielt eine Schiefertafel und ein Stück Ölkreide in seinen Händen und machte sich fleißig Notizen.

Der Schwarze ging dienstbeflissen und verschwand in Richtung Kombüse.

‘Ja, das ist gut und die beiden Damen können ja auch dabei helfen, vor allem bei den Frauen und Kindern. Magnus ist immer so ruppig.’ witzelte der Kapitän.

Der Smut stand wieder in der Tür und grinste verärgert: ‘Der Bub kann mir ja bei den Nähten helfen, wenns wieder einen von der Rah wichst. Meine Hände werden bestimmt nicht ruhiger, bei dem ganzen Stress.’

Der Schwarze kam wieder und brachte noch mehr essen und meinte eher beiläufig: ‘Meine Brüder können auch helfen?’

‘Ja, das ist noch besser, dann könnt ihr im Lager vor der Kombüse schlafen, weil der Smut zieht dann in die Kabine um, wie es seinem Rang eigentlich zusteht.’ meinte der Kapitän und blickte den Smut dabei unvermindert an.
Der Smut machte ein grimmiges Gesicht und wandte sich wieder zu dem Schwarzen: ‘Obi, sag mir nochmal ihre Namen, ich hab noch nicht alle durch.’

‘Meine Brüder waren vor mir dran, Umo und Ani!’

‘Ja, sie sind gesund, wenn auch unterernährt, da ist die Küche der beste Platz.’ faselte der Smut.

‘Hab ich euch schon mal gesagt, dass ich euch alle liebe…!’ rief der Kapitän rührselig und erhob sein Weinglas. ‘…für eure Arbeit.’ Dann kippte er sich das volle Glas in den Rachen. ‘Ohne euch würde ich das alles nicht durchstehen.’

‘Meine Mama hat immer gesagt, erst Essen dann trinken.’ meinte Obi. ‘Denn das ist sonst nicht gut für das Gemüt.’ Dann grinste er über beide Ohren, zeigte allen seine strahlend weißen Zähne und goß das leere Weinglas wieder voll. ‘Wir sind alle sehr dankbar für eure Freundlichkeit uns allen Arbeit geben zu wollen. Uns ist allen bewusst, dass Ihr Euren Hals und Euer Schiff für uns alle aufs Spiel setzt.’

‘Naja, wenn ich jetzt ein Pirat bin, dann darf ich jetzt auch vor dem Essen saufen!’ rief der Kapitän und hob sein Glas erneut.

‘Kapitän, ich mach mir Sorgen.’ meinte Johann ernsthaft besorgt.

‘Johann, ist schon gut. Es war ein schwerer Tag für einen Säufer.’ säuselte der Kapitän in sein Weinglas.

Obi machte den Teller des Kapitäns mit der doppelten Portion voll und meinte, mehr zu sich selbst als zum Kapitän: ‘Meine Mama wird sich sonst im Grab umdrehen.’

‘Obi, verrate mir den Namen deiner Mutter. Sie war wohl eine sehr kluge Frau und ich freu mich noch mehr von ihren Weisheiten zu hören.’ meinte der Kapitän und begann brav zu essen, bevor ihn noch der Zorn der alten Dame traf.

‘Mam’sel, Kapitän. Alle nannten sie Mam’sel.’ meinte Svent. ‘Wir haben Sie hinter den Ställen begraben und ich vermisse ihren Eintopf und ihr Lachen.’

‘Oh, Maître Enrikson. Wohlauf?’ fragte Obi und machte eine ehrerbietige Verbeugung. ‘Mein Eintopf ist auch nicht schlecht, aber nicht so gut wie der von Mam’sel.’

‘Obi, nenn mich bitte Svent, der Maître Enrikson ist nun Geschichte.’ rief Svent und hielt ihm die Hand hin. ‘Können wir dem Schneiderlehrling einen Napf voll Suppe auf die Kajüte bringen?’

‘Mast und Schotbruch. Ich hab den Buben vergessen.’ fluchte der Smut und eilte aus der Messe. Dann kam er einen Moment später kopfschüttelnd wieder zurück und Obi hielt ihm lächelnd einen gefüllten Napf hin, mit Brot und Löffel gespickt.

Von draußen konnte man eine zierliche Stimme hören. ‘Ach, Herr Doktor. Sehen Sie nach meinem Brüder. Kann ich mitkommen?’

‘Ich bin kein Doktor. Ich bin der Smut, aber begleitet mich ruhig, bevor ich noch den Weg dorthin vergesse.’ rief der Smut und nachdem seine Hände bereits zu zittern begannen, nahm die gute Betty ihm den vollen Napf ab und folgte ihm auf dem Fuße.

‘Ihr lasst wirklich alle vom Smut behandeln.’ rief Mariebelle aufgebracht.

‘Er ist Hufschmied!’ mampfte Johann.

‘Ihr lasst wirklich alle von einem Hufschmied behandeln.’ rief Mariebelle wieder. Sie musste sich mit dem Knie auf die Sitzbank stützen, bevor sie tief Luft holen konnte. Doch bevor sie erneut etwas sagen konnte, unterbrach sie der Kapitän etwas unwirsch: ‘Er macht Witze. Er ist ein Tierarzt. Zumindest hat er eine Art medizinische Ausbildung gehabt, bevor er sich die Medikamente lieber selbst verschrieben hat, aber für uns hier an Bord haben seine Dienste immer gereicht.’

Johann schlang seinen letzten Bissen runter und meinte dann wieder, während er sich den Mund am Ärmel abwischte: ‘Er macht seine Sache wirklich gut, nur das mit den Nähten…!’ Johann fummelte an seiner Hose herum und fuhr fort: ‘Also die Unfälle an Bord sind drastisch zurückgegangen, seit ich das hier habe…’ Er riss sich ungefragt sein Hemd hoch und entblößte seinen Bauch. Darauf dominierte eine echt hässliche Narbe, worauf sich das Fräulein van der Houthen die Hand vor den Mund presste.
Der Kapitän begann zu fuchteln und bellte ihn im Befehlston an: ‘Johann, pack dein Einhorn wieder ein, du erschreckst damit unsere Lady!’
Obi goß ihr einen Schluck Wein ein und animierte sie zum Trinken. Svent prustete als er das vermeintliche Einhorn sah, verschluckte sich und bekam dann erst nach einem Moment ein Wort zustande, dass wie ‘Einhorn?’ klang, dann räusperte er sich nochmal und fuhr fort: ‘Herr Johann, habt Ihr schon mal ein Einhorn gesehen, weil das hier sieht bestenfalls aus wie ein einohriges Kaninchen!’ Danach mussten Johann und Svent so herzlich lachen, dass sogar der Kapitän und schlussendlich das junge Fräulein van der Houthen zu lächeln begann.

Fortsetzung folgt hart Backbord…

1799 – Baumwolle für Tobago – Teil 5

1799 – Baumwolle für Tobago – Teil 5

3202320569_7b3d426624_bZiemlich erleichtert kam der Kapitän aus seiner Kajüte und ging kopfschüttelnd hinüber zur ehemaligen Kabine des Lieutenant. Diesmal klopfte er und nach einem ziemlich tiefen: ‘Herein!’ öffnete er die Tür.

Drinnen stand ein großer, nackter Kerl mit einem grauen Pferdeschwanz am Waschtisch und versuchte sich die Farbe vom Körper zu reiben.

Der Kapitän räusperte sich, kam aber nicht umhin den nackten Riesen weiterhin anzustarren und hatte dabei einen phantasmagorischen Ausblick auf einen Pferdeschwanz und dabei war diesmal nicht seine ergraute Frisur gemeint.

Nach einem erneuten Räuspern, rief der Kapitän: ‘Ich such den Quartiermeister vom werten Lieutenant van der Houten.’

‘Den hamse wohl gefunden!’ meinte der nackte Riese.

‘Hat Johann nichts zum Anziehen gebracht?’ frug der Kapitän.

Der Quartiermeister schlang sich ein Handtuch um die Hüften. ‘In die Hosen vom Lieutenant passe ich nicht rein!’

Ein ‘Oh’ stolperte aus dem Mund des Kapitäns. Er musste unverwandt auf das Handtuch starren, es war nur mit Müh und Not lang genug, um… meine Fresse war der riesig. Bevor dem Kapitän ein Spuckefaden aus dem Mund laufen konnte, räusperte er sich und fuhr fort: ‘Vielleicht kann die werte Schneiderin ja eine meiner Hosen auslassen? Aber Verzeihung, ich hab mich nicht vorgestellt. Ich bin der Kapitän. Kapitän Eik Skylarson. Willkommen auf der Blue Moon!’

‘Wie geht es meiner Schwester?’ hörte er von einer der Kojen. Der Kapitän versuchte an dem Riesen vorbei zublicken und sah einen recht zierlichen, blonden Jungen unter einer Decke liegen, der ziemlich verdroschen aussah.

‘Augenscheinlich besser als Euch!’ versuchte er den Jungen zu beruhigen.

‘Der Schneiderlehrling ist ganz schön zäh, auch wenn er nicht so aussieht.’ rief der Riese. ‘Ich bin Maître Svent Enrikson. Aber nachdem ich wohl desertiert bin, bin ich einfach nur Svent.’ Und hielt dem Kapitän seine riesige Pranke hin und fuhr fort: ‘Wie kann ich Euch helfen?’

Der Kapitän rief erschrocken: ‘Wie helfen?’

‘Ich will für meine Überfahrt bezahlen, aber ohne Hosen, keine Taschen, also auch kein Geld. Also muss ich sie abarbeiten.’

‘Ja, der Johann kann bestimmt Hilfe gebrauchen. Aber ich bräuchte erstmal Hilfe mit den beiden Damen.’ rief der Kapitän und ließ sich erschöpft auf einen Hocker fallen. ‘Die beiden Damen bringen mich noch um meinen Verstand, wenn sie noch länger in meiner Kajüte sich selbst überlassen sind.‘

Der Riese lehnte sich gegen den Waschtisch und meinte großherzig: ‘Ich kann gerne an Deck schlafen, dann können die Damen meine Koje haben.’

‘Also wenn hier jemand auf Deck schläft, ist es der Kapitän. Alles ist besser, als nochmal ohne Anklopfen in meine eigene Kajüte zu platzen.’ schnaubte der Kapitän.

Der Junge stemmte sich hoch und rief erschöpft: ‘Ich red mit den Beiden, es darf ohnehin niemand mitbekommen, was die beiden miteinander treiben.’

‘Den Jungen kann man mit den Beiden aber auch nicht alleine lassen!’ stellte Svent völlig ernst fest und blickte auf den Jungen herunter. Dann aber zerbrach seine ernste Miene in ein dreckiges Grinsen. ‘Nicht dass sie dein jugendliches Gemüt noch völlig versauen.’

‘Schlaf du doch bei den Beiden!’ rief Jaren schnippisch.

‘Ich denke mein unschuldiges Gemüt kann dem Treiben nicht beiwohnen.’ grinste Svent.

‘Sagt der, der nur ein Handtuch anhat.’ maulte Jaren nach.

‘Am Besten würfeln wir, wer wo schläft, aber bei mir würde der Junge auch nur unnötig versaut werden. Also steht es mir eigentlich überhaupt nicht zu, mich über das Treiben der beiden Damen zu echauffieren.’ erklärte der Kapitän und wunderte sich mal wieder über sich selbst, denn nicht mal Johann wusste davon. Er stand auf und fuhr fort: ‘Aber auf einem Schiff voller ausgehungerter Männer, ist es besser, die Mannschaft nicht auf dumme Gedanken zu bringen.’

Svent musste leicht grinsen und sagte: ‘Also wenn ich eine Hose habe, helfe ich wo ich kann.’

‘Unser Smut ist sowas wie ein Arzt, er soll sich den Jungen nochmal ansehen. Ich geh mich mal um eine passende Hose kümmern. Wir sehen uns zum Abendessen in der Messe und dann reden wir…ich hab da noch einige Fragen.’ erklärte der Kapitän und ging wieder zur Tür.

‘Ein Hemd wäre auch nicht schlecht, nicht dass ich Euch noch auf falsche Gedanken bringe.’ grinste Svent und rieb sich den Bart. Danach waren seine Finger wieder schwarz.

Aber das bekam der Kapitän schon nicht mehr mit, weil er bereits kopfschüttelnd aus der Tür gestürzt war. Kaum war er aus der Kabine gestürzt, riss er nun endgültig die Perücke vom Kopf und raufte sich die Haare.

Wo war Johann? Er musste jemanden anschreien!
Fortsetzung folgt ohne Mast und Schotbruch…

1799 – Baumwolle für Tobago – Teil 4

1799 – Baumwolle für Tobago – Teil 4

3202320569_7b3d426624_bDer Kapitän schlenderte über Deck, rieb sich seine Schlaghand und belauschte seine Männer beim Tuscheln. Von Meuterei hörte er. Er drehte sich um, zog eine Augenbraue hoch und begann Selbstgespräche zu führen: ‘Also ich bin der Kapitän und da kann ich ja schlecht gegen mich selbst meutern. Nur weil ein Teil der Obrigkeit die eigenen Gesetze mit Füßen tritt, muss der Kapitän ja nicht blind mitmachen. Ich wollte schon immer mal Sklaven befreien. Madeira wir kommen.’

Dann hörte er nur noch ‘Piraterie’. Damit könnte er leben.

Er grübelte so vor sich hin und fand sich vor seiner Kajüte wieder. Er trat gedankenverloren ein und als er beide Damen bei einer inniger Liebkosung ertappte, klopfte er doch an die bereits offene Tür, um sie umgehend zu schließen. Seine Männer würde durchdrehen, wenn sie das sehen würden, was ihn eher kalt ließ.

Selbst das Öffnen der Tür, noch das Klopfen, weder das Schließen der Tür oder seine Schritte hatten die Damen bei dem gestört, was sie da taten. Er war wie zu einer Salzsäule erstarrt. Doch als er zu viel nackte Haut sah, löste sich seine Starre und er räusperte sich. Die Damen stoben regelrecht auseinander und während Maribelle eher gelassen ihre Kleidung zurecht rückte, zog sich die andere einfach nur die Decke über den Kopf.

Er räusperte sich nochmal und meinte eher zu seinen Schuhen: ‘Ich wollte nicht stören, aber wir haben alle abgewaschen und noch 2 falsche Neger gefunden.’

Die Andere zog die Decke wieder vom Kopf und stotterte: ‘Jaren, wie geht es meinem Bruder?’

‘Unser Smut kümmert sich um alle. Keine Sorge. Sorgen mache ich mich eher um die Kinder und die Schwangere, die wir aus den Kisten gezogen haben.’

‘Mein Stiefvater ist so ein habgieriger Bastard.’ rief Mariebelle und die Andere fing an zu weinen und verkroch sich wieder unter der Decke.

‘Also, noch ist das meine Kajüte, also bitte beschränkt eure Privatsachen auf die Abendstunden. Ich bin es nicht gewohnt, dass ich an meiner eigenen Tür klopfen muss.’

‘Verzeihung Kapitän, aber Betty ist meine …’ sie schluckte. ‘Wir haben nicht mehr viel Zeit. Auf Tobago wartet mein Verlobter.’

‘Jetzt verstehe ich gar nichts mehr.’ stammelte der Kapitän und ließ sich auf seinen Stuhl fallen.

‘Also Jean Fils san’Enclore ist mein Verlobter und wartet auf Tobago auf mich und Betty ist meine Schneiderin und…’ Ihre Stimme brach und sie fing ebenfalls an zu schluchzen, auch wenn es vielleicht nur gespielt war, verfehlte das Schluchzen seine Wirkung nicht.

Er legte sich die Finger auf den Mund. ‘Sch… sch… sch… sch! Das könnte ich vorhin ja sehen. Und wer sind die beiden Herren, die wir gerade befreit haben?’

‘Ach, einer ist Jaren, Bettys Bruder und der Andere ist… war der Quartiermeister von meinem Stiefvater.’ schluchzte Mariebelle.

‘Darf ich fragen was mit Eurer Mutter ist?’

‘Die ist auf Tobago und dekoriert unser neues Haus.’

‘Werte Mariebelle, Euch ist hoffentlich klar, dass wenn Ihr werter Vater je auf Tobago ankommt, wir alle wegen Piraterie gehängt werden.’

‘Stiefvater!’ stolperte aus ihrem Mund und dann meinte sie schnippisch: ‘Dann werft ihn doch über Bord. Meiner Mutter und mir macht das bestimmt nichts aus und meine Mutter würde es Euch vergolden, wenn Ihr es mit Euren eigenen Händen tun würdet.’

‘Selbst für den Mord an einem Offizier dieser Pseudoregierung werde ich wohl nicht nur gehängt, sondern geköpft.’

‘Dann mache ich es selbst. Wo ist er?’ rief Mariebelle und versuchte von der Koje aufzuspringen. Dann hielt sie sich die Hand an den Kopf und musste sich wieder setzen.

‘Darüber reden wir noch! Ich sehe jetzt nach Jaren und ich möchte mit dem Quartiermeister sprechen.’ meinte der Kapitän, blickte sie scheel an und stand von seinem Stuhl auf. ‘Außerdem hab ihr nicht besonders viel an, also bleibt ihr besser hier. Johann sucht schon fieberhaft nach Euren Kisten.’

Er tippe an seiner Perücke, als hätte er seinen Hut an. Dann nickte er den beiden Damen zu und machte auf der Stelle kehrt, um zur Tür zu gehen.

Wo war eigentlich sein Hut und er musst Johann danach fragen und warum hatte Johann für die beiden Damen nur so knappe Hemdchen gefunden und wo hatte er diese Hemdchen nur her? Langsam war aus seinem Affenstall ein wahres Irrenhaus geworden. Er überlegte sich, seine Perücke vom Kopf zu reißen, um sich seine letzten Haare zu raufen.

 

Fortsetzung folgt mit drei Handbreit Wasser unterm Kiel…

1799 – Baumwolle für Tobago – Teil 3

1799 – Baumwolle für Tobago – Teil 3

3202320569_7b3d426624_bDer Kapitän stand auf Deck und blickte fast schon sehnsüchtig auf den Horizont.

‘Kapitän, wir haben noch zwei falsche Neger gefunden, in der Baumwolle!’ rief Johann ganz aufgeregt und warf dann noch ein: ‘Sachen gibts!’ hinterher.

 

Sehr gut, da wird unsre Lady Mariebelle aber froh sein.’ meinte der Kapitän noch zur See gewandt und fuhr dann im Befehlston fort: ‘Lass die Passagierkabinen ausräumen. Schau was wir von den Sachen den armen Schweinen zum Anziehen geben können und gib den zwei falschen Negern was Ordentliches zum Anziehen und die Kajüte vom Lieutenant. Und die Anderen könnt ihr wieder beziehen, oder? Verteile die armen Schweine so, dass jeder einen sauberen und trockenen Schlafplatz hat. Ich will wissen, ob es allen gut geht. Der Smut soll sich alle anschauen, wenn sie sich gewaschen haben. Und er soll sich einen für die Küchenarbeit raussuchen.’

Johann fiel seinem Kapitän ins Wort: ‘Aber wir können doch nicht…’

‘Magnus liegt mir seit der letzten Überfahrt in den Ohren, dass er Hilfe in der Kombüse braucht.’ rief der Kapitän mit einem Tonfall, als würde er sich eigentlich nicht erklären müssen, weil er schließlich der Kapitän ist, aber es trotzdem tat.

‘Ja, aber…’ rief Johann wieder empört.

‘Auch wenn ihr mich immer als Sklaventreiber beschimpft, bin ich euch jemals den Lohn schuldig geblieben?’ lamentierte der Kapitän.

‘Ach ich soll sie alle auf die Lohnlisten schreiben? Auch die Frauen und Kinder?’ meinte Johann pflichtbewusst und begann in seiner Tasche nach einer Liste zu kramen.

Ich bin doch kein Unmensch, Johann!’ rief der Kapitän und erst dann schien er das eben gesprochene wirklich zu verstehen und schrie regelrecht: ‘Was für Kinder?’

‘Da sind auch Frauen und Kinder dabei?’ erklärte Johann nun leicht ärgerlich, weil der Kapitän ihm aber auch nie zuhörte, fuhr aber doch mit ruhiger Stimme fort. ‘Ich hab mindestens eine Schwangere gesehen!’

Der Kapitän kam ins Straucheln. Er ging kopfschüttelnd unter Deck und Johann lief ihm hinterher.

‘Ich möchte, dass die Frauen und die Kinder den vorderen Laderaum bekommen. Schaff die Kisten vom Lieutenant nach hinten. Die Schwangere wird ein richtiges Bett brauchen. Notfalls müssen wir doch eine Kabine mit Ihnen besetzen.’ meinte der Kapitän und ging schnurstracks zum hinteren Laderaum.

‘Ach und schau bei allen Sachen, die du in die Hände bekommst und vor allem in die Kisten vom Leutnant, was wir auf Madeira zu Geld machen können und ich bin gespannt, ob es tatsächlich eine Aussteuer von der jungen Lady gibt.’ flüsterte der Kapitän ziemlich geheimnistuerisch, dann brach seine Stimme und er flüsterte mehr zu sich selbst als zu Johann: ‘Ehrlich, ich hab keine Ahnung, wie ich das alles bezahlen soll. Meine alte Lady und ich waren schon völlig abgebrannt, als wir diesen vermeintlichen Auftrag von den Franzaken angenommen haben.’

Links und rechts vom hinteren Laderaum waren ein paar Verschläge, die eigentlich für Schmuggelware gedacht waren, aber im Moment war einer der Verschläge von dem Herrn Lieutenant belegt. Die Männer des Lieutenant waren vorne im Loch untergebracht worden.

‘Johann, hast du nicht genug zu tun?’ fragte der Kapitän, bevor er den Verschlag öffnete.

Eine kleine Lampe hing über der Tür und flackerte schummrig. Der Lieutenant war an die Bordwand gekettet worden. Er hob den Kopf und ein Knebel ließ ihn eher unfreiwillig grinsen.

‘Lieutenant, was für ein abartiger Bastard seid Ihr eigentlich. Kinder und Schwangere in die Kisten zu strecken. Die wären bis Tobago alle verreckt.’ spie der Kapitän ihm entgegen.

Der Lieutenant versuchte sofern es die Fesseln zuließen mit den Achseln zu zucken. Dafür verpasst der Kapitän ihm einen harten Schlag ins Gesicht.

‘Das ist für die Schwangere und jetzt geh ich die Kinder zählen und dann komm ich wieder.’

Der Lieutenant tat so, als hätte ihn der Schlag nur gestreift. Aber Blut begann aus seiner Nase zu laufen. Der Kapitän schlug ihm nochmal, diesmal aufs Auge.

‘Ach und dass ist für das junge Ding, dass ihr mit Schuhcreme angemalt habt….’

Dann ging der Kapitän wieder und ließ den Lieutenant blutend zurück. Die Tür knallte und die Lampe erlosch.

 

Fortsetzung folgt auf hoher See…

Drei und eine Axt – Teil 45

Eine Axtgeschichte – Drei und eine Axt – Teil 45

reiter_neuNoch vor dem Morgengrauen wurde Halef vor Kälte wach. Er bereute es nun kein Feuer gemacht zu haben, aber ihm war es lieber halb erfroren nicht gefunden zu werden, als am warmen Feuer überfallen und umgebracht zu werden. Der Hund schlief und er ärgerte sich darüber, dass sie so nachlässig gewesen waren, der Köter und er. Aber das Lächeln auf dem Gesicht seiner schlafenden Lamina versöhnte seinen Groll für einen Moment. Er hatte nicht zu hoffen gewagt, dass es so bald dazu gekommen wäre. Allein der Gedanke daran, erregte ihn erneut. Die Kälte des Morgen war gleich wieder vergessen, aber ein schlechtes Gewissen hatte er trotzdem, er hoffte dass er gestern Nacht nicht zu weit gegangen war.

Sie erwachte, weil sie sich beobachtet vorkam. Lächelnd blickte sie ihn an und ihr Gesicht strahlte, also schien sie überglücklich zu sein. Schlaftrunken klammerte sie sich an seinen Oberkörper und lies ihren Körper auf seinen Schoss sinken. Mit zitternden Fingern strich er ihr die Haare aus dem Gesicht und flüsterte: ‚Guten Morgen, schöne Frau, alles in Ordnung!‘

‚Mir ist kalt!‘ gähnte sie ihn an.

Das hatte er nicht gemeint, aber er nahm sie in den Arm und rieb über ihren Rücken. Er beschloss nicht weiter zu fragen und meinte dann nur: ‚Mir auch!‘

Sie ritten bald los und kamen noch bevor die Sonne über den großen Berg linste an ihrem Ziel an. Doch sie fanden nur Rauch und Asche an dem Ort, wo einst die alte Schmiede stand. Das einzige feste Haus in der ganzen Gegend war nun dem Erdboden gleich gemacht worden. Die Banditen waren sehr gründlich gewesen. Die Tiere waren auf der Ebene versprengt. Die Schweine, Hühner und Ziegen jagten sich verwirrt umher und 3 Kühe standen vor dem verbrannten Stall und plärrten, weil sie keiner gemolken hatte. Einige Pferde grasten im hohen Gras neben dem Fluss.

Der Hund fing übermütig an die Tiere zusammen zu treiben. Weit und breit war niemand zu sehen. Nur die verstreuten Kleintiere stoben durchs Unterholz. Lamina fing die Hühner ein und fand einige Eier im Gestrüpp. Halef fand ein paar kaputte Fässer, die sie zum Transport der Kleintiere nutzen konnten. Lamina molk die Tiere und summte dabei, um ihre Angst etwas zu vertreiben, während Halef die verbrannten Leichen begrub. Sie war heilfroh, wenn sie hier so schnell wie möglich wieder verschwinden würden. Es war ganz schön unheimlich hier. Die Tiere waren ziemlich unruhig, war ja auch kein Wunder.

Sie schreckte hoch, als sie etwas hörte, dann sprang sie jemand von oben aus an und warf sie zu Boden. Ihr entwich ein kurzer Schrei, der unlängst von einem Hieb unterbrochen wurde. Ihr schwanden fast die Sinne. Der Angreifer redete mit ihr: ‚Süßes Täubchen, hab ich dich erschreckt. Ja, dass tut mir leid. Hättest mal lieber auf dem Felsen nachschauen sollen, als so wunderschön zu summen.‘

Seine Stimme war für einen Mann ziemlich hell, er redete schleppend und kicherte nach jedem Satz. Er schien verrückt zu sein und er stank aus dem Mund. Sie musste den Brechreiz unterdrücken, als er ihr über die Wange leckte. Aus Leibeskräften versuchte sie sich zu wehren, doch ihre Mühe war vergebens, er war ihr körperlich völlig überlegen. Er packte sie grob am Hals und hielt sie auf den Boden gedrückt, durch das Gewicht seines Körpers bewegungslos auf den Boden gepinnt. ‚Ich hab euch gehört, von meinem Versteck aus. Da oben!‘ Er wies auf den Felsen über ihnen. ‚Dieses Summen, Täubchen! Süßes Täubchen! Seid ihr beide Schuld, dass meine Männer nicht zurückkommen? Habt ihr das Mädchen gefunden? Süßes Kind!‘

‚Du Bastard.‘ spie sie ihm förmlich ins Gesicht.

Er schlug ihr wieder ins Gesicht, so dass ihre Lippe aufplatzte. Mit einem widerlichen Stöhnen leckte er das Blut von ihren Lippen, bis sie würgen musste.

‚Wenn ich das süße Kind nicht wieder haben kann, dann werd ich wohl dich nehmen müssen. Auch wenn du mich nicht zu mögen scheinst, dass werd ich dir schon noch beibringen.‘ Er riss ihr die Tunika auf und biss ihr in die Brust. Dann blickte er auf, sie spuckte ihm ins Auge, dafür schlug er ihr erneut hart ins Gesicht. Ihr schwanden wieder die Sinne. Der Angreifer nestelte an seiner Hose herum und lies sie einen Moment los, diese Gelegenheit nutzte sie und versuchte unter ihm heraus zu kriechen. Dabei trat sie ihn ins Gemächt. Das heizte ihn erschreckender Weise noch mehr an, er hechtete ihr hinterher, packte sie und zog sie zu sich her. Er riss ihr die Tunika vollends vom Leib, warf sie zu Boden und stütze seinen Unterarm auf ihrer Brust ab, während er ihre Hose aufriss und wieder an seiner herum nestelte. Ihr blieb die Luft weg, sie konnte kaum noch schreien, aber dass musste sie auch nicht mehr, sie sah einen Schatten hinter dem Banditen und eine Klinge blitzte im Sonnenlicht auf. Als der Bandit die Klinge an seiner Kehle spürte, war es bereits zu spät sich zur Wehr zu setzen. Halef hatte dem Angreifer in der Hast, ihn von Lamina fortzuziehen, die Kehle durchstochen. Sie blickte beide völlig entsetzt an. Er zog das Messer aus dem offenen Hals des Angreifers und blickte ihn hasserfüllt an.

Der Ausdruck in seinem Gesicht machte ihr noch mehr Angst, als dass das gescheiterte Vorhaben des Banditen es je hätte tun können. Wie von einem Blitz getroffen lies er erst den leblosen Körper des Mannes los und dann das blutverschmierte Messer fallen, dass zitternd im Boden stecken blieb. In dem Moment blickte sie auf ihren Körper herab und sah das Blut, dass ihr auf den nackten Oberkörper gespritzt war. Sie raffte die zerrissene Tunika vor ihrer Brust zusammen und versuchte sich das Blut vom Körper zu reiben, dabei verschmierteverschmierte sie das Blut nur noch mehr. Er wollte ihr zur Hilfe eilen, erblickte dann aber seine blutverschmierten Hände.

Nach einem langen Zögern, stürzte er zu ihr und versuchte sie in den Arm zu nehmen.

Sie schluchzte: ‚Er hat mich von da oben beobachtet!‘

Er nahm sie mit versteinerter Miene lieblos in den Arm.

‚Du machst mir Angst, Halef.‘

Wortlos hob er sie hoch und brachte sie zum Fluss. Er pfiff nach dem Hund.

‚Wasch dich bitte, schnell, ich schaffe die Leiche fort. Wir müssen schnellstens fort von hier!‘

Fortsetzung folgt…. 

Drei und eine Axt – Teil 44

Eine Axtgeschichte – Drei und eine Axt – Teil 44

reiter_neu

Zur selben Zeit in der Jurte der weißen Hexe:

Alur konnte die Hitze des Feuers auf seinem Gesicht spüren, noch bevor er das Knistern hörte. In seinem Kopf rauschte es und er hatte das Gefühl es würde sich alles um ihn herum drehen. Er öffnete nur ein Auge und musste mehrmals den Kopf schütteln, um ein klares Bild vor Augen zu haben.

Fassungslos ertappte er seine Tanten wie sie ums Feuer herumsprangen. Erst nach mehrmaligem Blinzeln erkannte er, dass Vira nur das Feuer hochschürte und Ziska eigentlich Tee eingegossen hatte. Was war denn nur mit ihm los und warum lag er in der falschen Jurte?

Tante Ziska kam auf ihn zu und lächelte ihn an. Er bewegte sich und dann wurde ihm erst gewahr, dass er nicht alleine im Bett lag. Das Mädchen wimmerte im Schlaf und klammerte sich an seine Brust, wie eine Ertrinkende an den rettenden Baumstumpf.

‘Pünktlich zur Nachtwache!’ flüsterte Ziska.

‘Was? Warum hab ich geschlafen?’ stotterte Alur und zog die Decke über den Rücken des Mädchens.

‘Eigentlich wollte ich nur das Mädchen beruhigen.’ meinte sie kleinlaut. ‘Aber sie hat dann die letzten Stunden so friedlich geschlafen.’

‘Hat sie schon ihren Namen gesagt?’

Ziska schüttelte nur den Kopf und meinte dann: ‘Komm schon, steh auf und hilf mir sie zu euch rüber zu tragen. Die Jurte des Sippenführers ist nicht beheizt, sie schläft heut Nacht bei euch!’

Er versuchte sich aufzusetzen, ohne das Mädchen zu wecken. Sie hatte immer noch seine Tunika in Händen.

Als er mit dem Mädchen auf dem Arm barfuß aus der Jurte trat, wurde ihm erst gewahr, dass er keine Schuhe trug. Seine Mutter nickte ihm zu und stellte einen Napf mit Suppe auf den Tisch, sein Vater und Ainur saßen am Tisch und Elger strich mit dem Hund über den Hof. Die weiße Hexe kam hinter ihm her und bog dann aber zum Tisch ab, also ging er alleine in die Jurte seiner Eltern. Seine beiden kleinen Schwestern lagen in seinem Bett und Lona und Fina lagen in ihremihrem eigenen Bett und schliefen schon. Er legte das Mädchen in sein Bett und deckte alle drei Mädchen sorgsam zu. Er zog seine Schuhe an und ging wieder nach draußen.

Während der Nachtwache war er einerseits erschreckend wach, aber andererseits fror er und nichts konnte ihn so recht erwärmen. Also war er heilfroh, als sein Vater ihn im Morgengrauen ablöste und er endlich in sein Bett kriechen konnte.

Als er dann endlich vor seinem Bett stand, lag nur noch das kleine Mädchen in seinem Bett und starrte an die Jurtendecke. Er nahm einen Becher mit Tee, der neben seinem Bett abgestellt worden war und setzte sich auf die Bettkannte.

‘Du musst viel trinken!’ flüsterte er ihr zu und versuchte ihr ein wenig aufzuhelfen. Sie lies sich den Inhalt des Bechers verabreichen und blickte ihm dann für einen kurzen Moment in die Augen. Beide konnten dem jeweiligen Blick des Anderen nicht standhalten, also blickten sie für einen viel zu langen Moment aneinander vorbei, bis Alur das Schweigen mit einem Räuspern unterbrach.

Leise flüsterte er ihr zu und stellte den leeren Becher wieder ab. ‘Magst du mir deinen Namen verraten?’

Sie blieb ihm die Antwort schuldig, deshalb überging er ihr Schweigen und zog seine Schuhe aus. Während er seinen Klappenmantel auszog beobachtete sie ihn neugierig, wand sich dann aber ab und drehte sich um. Er legte sich neben sie hin und versuchte sich irgendwie zuzudecken, ohne ihr dabei ihre Decken wegzuziehen.

Es dauerte eine halbe Ewigkeit bis er endlich richtig lag, vollständig zugedeckt war und irgendwie nicht mehr fror. Endlich schloss er die Augen und atmete erleichtert aus.

Irgendwann drehte sie sich wieder um, kroch mit ihren Decken unter seine Decken und lies sich seufzend auf seiner Schulter nieder und murmelte: ‘Liirii!’

Vorsichtig nahm er sie in den Arm, küsste die Überreste ihres Haaransatzes und wiederholte ihren Namen: ‘Liri?’

Fortsetzung, wiederholt und bereits bekannt, da dieser Artikel als Lückenfüller eingefügt wurde, der Teil 44 ist jetzt Teil 45… 

Drei und eine Axt – Teil 43

Eine Axtgeschichte – Drei und eine Axt – Teil 43

reiter_neuWeit nach Mitternacht machten Halef und Lamina endlich Halt, um sich ein paar Stunden auszuruhen. Sie würden morgen noch ein paar Stunden reiten müssen ehe sie ankommen würden. Lamina war völlig erschöpft.

Der Mond erhellte den Wald, als wäre es Tag und er beschloss kein Feuer zu machen. Er hielt Wache obwohl er auch schlafen müsste. Auch wenn der Hund wachsam neben ihm saß und scheinbar niemand in der Nähe war, außer ein paar Viechern, die durchs Unterholz schlichen, wollte er nicht riskieren unaufmerksam zu sein. Es konnte immer noch sein, dass einer der Banditen im Wald unterwegs war.

Lamina lag neben ihm und schlief. Er streichelte über ihr Haar und deckte sie sorgsam zu.

Irgendwann kroch sie zu ihm, weil sie fror. Sie kuschelten sich aneinander und küssten sich. Plötzlich rückte er von ihr ab, weil er ziemlich erregt war.

Sie lag zwischen seinen Beinen und blickte ihn an. Mit einem milden Lächeln gab sie ihm zu verstehen, dass sie bemerkt hatte, dass sein Schwanz langsam steif geworden war. Seinen Gesichtausdruck konnte sie nur erahnen, da der Mond in seinem Rücken stand.

‚Anscheinend wollen mich alle Männer nur zu Boden ringen und ihre Männlichkeit in mich hineinzwängen, nur du nicht.‘

Er blickte sie entrüstet an und stotterte, er suchte verzweifelt nach den passenden Worten.

‚Nur du nicht!‘ wiederholte sie und strich ihm übers Gesicht.

‚Aber, aber ich hoffe doch das Kejnen, Ainur, Elger und Otar das auch nicht vorhaben, hatten, werden….‘

‚Nein, natürlich nicht!‘

‚Ich muss dich nicht zu Boden ringen, du liegst meistens auf mir drauf und… und außerdem habe ich kein Verlangen danach, wenn du mir wieder ins Gesicht trittst.‘

Sie haute ihn gespielt und zischte ihm zu: ‚Mach keine Witze!‘

‚Warum sollte ich dich zu etwas drängen, wenn du doch jede Nacht in meinem Bett liegst. Wenn dir danach ist, dann wirst du mich schon zu Boden ringen.‘

Sie blickte ihn erbost an, lächelte aber dann und er redete weiter: ‚Nein, schau mal, solange ich dich küssen und dich berühren darf und dich trösten, solange drängt es mich zu nichts, was nicht noch Zeit hätte.‘

Sie blickte ihn nachdenklich an.

‚Nicht dass ich mir da nicht schon oft Gedanken darüber gemacht hätte.‘ ergänzte er noch.

Sie schmunzelte und ihr stiegen die Tränen in die Augen. Er zog sie weiter zu sich hoch und drückte sie fest an sich.

‚Erschreckenderweise ertappe ich mich sehr oft bei dem Gedanken daran, weiter zu gehen als dich auf den Mund zu küssen.‘ säuselte er ihr ins Ohr, wurde schlagartig rot im Gesicht, was sie in der Dunkelheit nicht sah, aber sie spürte die Hitze, die in ihm aufstieg.

Lamina strich ihm über die Wange, dann flackerte ein Hauch von rot über ihr Antlitz, bevor sie zu reden begann. ‚Ich ertappe mich auch zu Weilen bei dem Gedanken…!’ Sie unterbrach sich selbst, in dem sie ihn küsste.

Er erwiderte den Kuss nur einen Moment und stammelte dann: ‚Ich…Ich…möchte dich an Stellen küssen, an denen ich dich noch nie geküsst habe.‘ Ihre Hände glitten unter seine Tunika, sie stemmte sich von seinen Hüften auf, um wieder seinen Mund zu erreichen. Sie küsste ihn kurz und tauchte dann unter seine Tunika. Sie leckte ihn über seine Brust und küsste schließlich seine Brustwarzen, die sich sofort aufrichteten.

Langsam fuhr sie mit ihrer Hand in seine Bruche. Er zuckte zurück, lies es aber doch zu, weil es sich richtig gut anfühlte. Er zog seine Tunika aus und beugte sich zu ihr herab, um sie zu küssen. Ihre Finger umschlossen seinen Schwanz und er befürchtete den Verstand zu verlieren. Kurzzeitig kam sein Verstand zurück, er entzog sich ihrem Griff und stammelte: ‚Bitte, ich möchte dir auf keinen Fall zu Nahe treten und ich weiß nicht ob ich es nicht doch tue, wenn du weiter machst.‘

‚Halt deinen Mund und küss mich!‘ rief sie einfach nur.

Er küsste sie und sie machte da weiter wo er sie vorhin gestoppt hatte. Es dauerte auch nicht lange, bis sein Schwanz zum Bersten gespannt war. Und dann wurde es immer besser, er atmete schwer und begann zu stöhnen, es war unbeschreiblich, und besser, bis dieses unbeschreibliche Gefühl in seiner Körpermitte explodierte und er sich zuckend in ihre Hand ergoss. Er weinte fast, als er wieder zu Atem kam. Sie küsste ihn weiter und er wollte sie wirklich an Stellen küssen, der er sie vorher noch nie geküsste hatte. Und zwar jetzt. Er griff unter ihre Tunika und zog sie hoch. Er hielt sich nicht damit auf, ihre Brüste anzufassen, er begann ihre Brüste zu küssen, er blickte aber nochmal auf: ‚Du trittst mir eh ins Gesicht, wenn ich dir zu weit gehe.‘

Sie lächelte und schob seine Kopf wieder zu ihren Brüsten. Er küsste ihre Brustwarzen und sog daran. Dann zog er die Tunika über ihren Kopf, sie erschauderte. Er packte sie und schob sie zu ihrer Bettstatt zurück. Hastig kroch er mit ihr zusammen unter die Decken und küsste sie dabei und nahm ihre Brüste fest in seine Hände. Er küsste ihren Bauch und zog mit den Zähnen die Schleife ihrer Bruche auf und küsste dann ihren Flaum. Und ihre Schamlippen. Er blickte noch einmal auf, er konnte im Halbdunkeln ihr Gesicht kaum mehr erkennen, deswegen griff er mit einer Hand wieder nach oben und erfasste ihre Wange. Sie legte den Kopf auf die Seite, um seine Hand zu küssen. Und er küsste nochmal ihre Schamlippen, glitt mit der Zungenspitze zwischen ihre Schamlippen und sog vorsichtig daran. Sie begann schwer zu atmen und ihr entglitt ein fast unmerkliches Stöhnen. Er wusste eigentlich nicht was er da tat, aber es schien ihr zu gefallen, also er machte weiter. Ihr Stöhnen erregte ihn erneut, er achtete aber nicht auf seinen immer steifer werdenden Schwanz und machte weiter. Sie biss ihm plötzlich in die Hand und vor Schreck biss er auch zu, sie stöhnte lustvoll auf. Er fuhr mit der Zunge in sie hinein und nahm dann seinen Finger zur Hilfe. Sie wand sich unter seinen Küssen und Berührungen, bis sie ihnen zuckend und stöhnend erlag. Er beobachtete sie einen Moment, bis sie die Augen wieder öffnete und ihn mit Tränen in den Augen anlächelte. Sie zog ihn wieder hoch, um ihn auf den Mund zu küssen. Ihm wurde im ersten Moment nicht gewahr, dass bei der letzten Bewegung seine Bruche von seinen Hüften gerutscht war und er nun nackt auf ihr lag. Es wurde ihm erst bewusst, als sie ihm mit einer Hand wieder an den Schwanz griff und ihn wieder massierte, wie sie es eben schon getan hatte.

‚Oh, bitte hör auf, ich weiß nicht, ich weiß nicht, ob ich an mich halten kann.‘ Er versuchte von ihr runter zu rollen, aber nachdem sie seinen Schwanz immer noch fest mit ihren Fingern umschloss, blieb er reglos auf ihr liegen.

‚Vielleicht musst du ja nicht an dich halten.‘ flüsterte sie und küsste ihn, schob ihm dabei ihre Zunge in den Mund und führte gleichzeitig seinen Schwanz zwischen ihre Beine. Dann löste sie sich kurz von seinem Mund um ihn ins Ohr zu flüstern: ‚Bitte, bevor ich es mir anders überlege.‘

Sein Herz sprang fast aus seiner Brust und sein Schwanz wurde noch härter.

‚Ja, wirklich, bist du sicher?‘ keuchte er ihr zu. Er spürte ihr Nicken, als er zu einem weiteren Kuss ansetzte. Sie öffnete ihre Schenkel und seine Schwanzspitze glitt fast von alleine in sie hinein. Die warme Feuchtigkeit umschloss seine Schwanzspitze und seine Zweifel verflogen, als wären sie nie da gewesen. Langsam glitt er weiter in sie hinein. Sie stöhnte laut auf und er kam ins Stocken und flüsterte ihr ins Ohr: ‚Sag mir wenn ich dir weh tue, ja?‘

Sie griff ihm an den Hintern und hielt sein darauffolgendes Zurückweichen auf, um ihm dann zu zuzischen: ‚Ich bin mir ganz sicher!‘

Er küsste sie und schob seinen Schwanz so vorsichtig wie möglich in sie hinein. Sie atmete tief ein und er verlor fast den Verstand, als seine Hoden gegen sie stießen. Er musste inne halten, weil er verhindern wollte, dass es gleich wieder ein Ende finden würde. Sie bewegte sich langsam unter ihm und er stöhnte auf, er musste sich auf die Lippen beißen, um sich nicht gleich in sie zu ergießen. Dann suchte sie seinen Mund und er begann sich langsam in ihr zu bewegen. Sie klammerte sich an seinen Hals und atmete ihn ins Ohr, bevor sie ihn wieder küsste. Ihre Bewegungen wurden erst immer gleichmäßiger und dann immer schneller. Sie verbiss sich in seinem Hals, als sie sich unter ihm zuckend ergab. Er konnte ihre Erregung spüren und nun konnte er sich nicht mehr zurück halten. Stöhnend ergoss er sich in ihr und brach über ihren Brüsten schwer atmend zusammen. Ihr Körper kam nur langsam zur Ruhe.

Ihre Hände suchten die Seinen und sie klammerte sich fest an seine Hände. Irgendwann wälzte er sich von ihr hinunter und nahm sie in den Arm. Sie kuschelte sich an seine Brust.

Er bemerkte, dass sie weinte und säuselte ihr ins Ohr: ‚Du wolltest mir doch ins Gesicht treten, wenn ich zu weit gehe.‘

Sie lächelte und gab ihm einen gespielten Kinnhacken. ‚Ich bin nie glücklicher gewesen, du Blödian.‘

Der Stein, der ihm nun vom Herzen fiel, hätte eigentlich die Erde erbeben lassen müssen.

‚Ich hätte mir nie zu träumen gewagt, dass es so gut ist, dass es mir Freudestränen…!‘ flüsterte sie, bis sie schwer schluckte.

Ein Kuss seinerseits hinderte die Vollendung ihres Satzes.

Fortsetzung folgt… 

Drei und eine Axt – Teil 42

Eine Axtgeschichte – Drei und eine Axt – Teil 42

reiter_neuNach Stunden kam Lamina vor die Tür der Jurte getreten und platzte in ein Gespräch, das Vira, Ainur, Wena, Otar, Elger und Halef miteinander führten. Alur saß interessiert am Tisch und blickte abwechselt zu seinen Eltern und zu Halef und Vira hinüber.

‘Bist du dir sicher, dass es die Tochter vom alten Schmied ist?’ fragte Halef seine Mutter.

‘Es ist ewig her, als wir der alten Handelsstraße gefolgt sind, aber alle seine Kinder sind so blond wie er.’

‘Ihr pflegt eure Nachbarschaft ja nicht gerade!’ meinte Ainur fast schon ein wenig schnippisch.

‘Der Schmied war vor dem Krieg schon ein seltsamer Mann!’ meinte Otar.

‘Ja, die Leute sagen, es sei ein Fluch der Götter!’ rief Wena und blickte ehrfürchtig nach oben.

‘Was für Leute überhaupt? Wir sind hier völlig alleine! Langsam spinnen doch echt alle, meine Haare sind rot, ist das auch der Fluch der Götter.’ rief Halef streng und zog an seinen eigenen Haaren.

‘Und er züchtet nur noch Schweine, seit dem er seinen Hammer nicht mehr halten kann.’ mischte sich Wena wieder ein.

‘Wahrscheinlich sind dort alle tot. Ihr seid so unglaubliche Tratschweiber. Aber was ist wenn da noch jemand lebt? Ich werde sofort aufbrechen!’ herrschte Halef seine Tante an und machte Anstalten aufstehen zu wollen.

‘Halef du kannst nicht alleine gehen!’ meinte Vira in ihrem üblichen Ton.

‘Ich bin die einzige Wahl und Elger sollte bei seiner Frau bleiben!’ rief Halef in einem sehr herrischen Ton.

Lamina trat hinter ihn und meinte: ‘Ich komme mit, nur für den Fall, dass einer der Bastarde noch lebt, der sich an dem Kind vergangen hat, dann will ich es sein, die ihm die Haut abzieht!’

Halef drehte sich zu ihr um und fragte: ‘Wie gehts ihr, hat sie was gesagt?’

Alle blickten auf Lamina, die ziemlich wütend in die Runde blickte, sie trug eine Borte in der Hand an der eine kleine Glocke hing. ‘Alur, sie lässt deine Tunika nicht los, ich würde sie aber gerne waschen!’ meinte Lamina zu dem Jungen, setzte sich dann aber völlig erschöpft neben Halef. Sie legte die Borte mit der Glocke auf den Tisch und fuhr fort. ‘Sie trug das bei sich und sie sagt nur immer: Schweini!!’

Plötzlich sprang Wena auf, lief in ihre Jurte, kam wenig später Arme wedelnd wieder und plapperte vor sich hin: ‘Diese Glocken hat der Schmied immer gemacht und hat sie den Kindern geschenkt, an einer Borte, die seine Frau gemacht hat.’ Dabei hielt sie eine längere Borte hoch, an deren Ende eine Glocke baumelte.

‘Dann ist das eine beschlossene Sache, wir reiten heute noch los.’ rief Halef. ‘Alur du bekommst das Fernglas und passt auf die Ebene auf und Elger, du kümmerst dich darum, dass niemand deinen Bruder umbringt, ehe ich wieder da bin.’

‘Was willst du mit ihm machen?’ fragte Elger.

‘Ich will ihn möglichst lebend zum Khan schaffen und ihm seiner Verantwortung überlassen! Es klebt schon genug Blut an unseren Händen.’

‘Der kleine Köter macht sich aber so gut zu unseren Füßen!’ meinte Wena und warf Kel einen Kanten Brot hin.

‘Wena spiel nicht mit dem Wahnsinnigen, irgendwann rächt sich das!’ meinte Otar.

‘So hab ich ihn aber immer im Blick!’

‘Ich lass euch Nyùl da!’ meinte Halef noch bevor er aufstand, um seine Sachen zu packen.

Lamina und Halef ritten am späten Nachmittag los. Im Wald unweit der alten Handelsstraße trafen sie auf die beiden Hunde. Er schickte Nyùl zurück zu den Jurten und Ròka voraus.

Als Nyùl bei den Jurten ankam, waren Wena und Otar damit beschäftigt Pferdefleisch zu räuchern. Merle saß mit dem Neugeborenen am Tisch und versuchte sich nützlich zu machen. Die Kinder waren mit Vira bei den Tieren. Ainur hackte Holz und Elger hatte Alur gerade am Fernglas abgelöst, der sogleich in der Jurte verschwand, um nach seinen Schwestern zu sehen.

Etwas später schlich Alur sich zu dem Mädchen in die Jurte seiner Tanten. Er hatte etwas unter seiner Tunika versteckt.

Ziska blickte auf und fragte: ‘Ist Fina schon aufgewacht?’

‘Nein, noch nicht! Lona weicht ihr nicht von der Seite!’ antwortete Alur. ‘Wie gehts Kejnen und dem Mädchen?’

‘Kejnen war auch noch nicht wach, aber das Mädchen!’ meinte Ziska und blickte zu dem Mädchen hinüber. Sie lag mit offenen Augen im Bett und starrte ans Jurtendach ohne zu blinzeln, in ihren Händen hielt sie immer noch seine Tunika. Alur ging zum Bett hinüber und kniete sich auf den Boden.

‘Ich bin Alur, der Sippenführer und ich, wir haben dich gefunden… ähm… nachdem dich die Hunde gefunden haben.’

Sie drehte ihren Kopf, blickte jedoch an Alur vorbei und flüsterte: ‘Wau…!’

‘Der eine Hund heißt Nyùl!’

Das Wort ‘Hase!’ stolperte aus ihrem Mund.

‘Ja, Hase. Er ist draußen!’

‘Hase?’ flüsterte sie wieder.

‘Magst du mir die Tunika geben.’ meinte er und er griff nach der Tunika. Das Mädchen fing augenblicklich zu winseln an und Alur erntete den bösen Blick der weißen Hexe.

‘Ich mach dir nen Vorschlag. Wir tauschen. Ich hab nur 2 Tunikas die mir passen, aber ich hab noch eine, die mir nicht mehr passt. Du kannst sie haben, für immer!’ meinte er und zog ein Stück Stoff unter seiner Tunika hervor. Er hielt es ihr hin und zog gleichzeitig an der Anderen. Einen Moment blickten sie sich an und ihre Augen füllten sich mit Tränen. Wie vom Blitz getroffen lies sie die Tunika los und Alur stürzte mit samt der Tunika nach hinten. Als er sich wieder aufrappelte, hatte sie sich bereits umgedreht. Ihr Körper bebte und er konnte ein ersticktes Schluchzen hören. Langsam lies er sich auf das Bett sinken und flüsterte ihr zu: ‘Magst du mir noch deinen Namen verraten?’

Vorsichtig tätschelte er ihren Rücken und nach einem ziemlich langen Moment bewegte sie sich endlich. Weinend klammerte sie sich an Alur und brach dann vollends zusammen. Seine Tante zündete irgendwas an, was sie dem Mädchen unter die Nase hielt. Und im nächsten Moment trat sein Verstand durch eine Tür und war im Reich der Träume verschwunden.

Fortsetzung folgt… 

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