Schnee im Oktober – Teil 1

Schnee im Oktober – Teil 1

4408698Der Sturm trieb schwarze, schwere Wolken über den Nachthimmel. Eine junge Frau fuhr ihren Wagen langsam über die vom Regen nasse Straße. Die Bäume, die vereinzelnd am Straßenrand standen, überließen ihr Blätterkleid dem Wind. Der Regen prasselte unentwegt gegen die Scheiben des Wagens und obwohl der Scheibenwischer alles gab, was er konnte, war die Sicht mehr als schlecht.

Plötzlich stürzte ein riesiger Ast auf die Straße. Die junge Frau machte reflexartig eine Vollbremsung und kam ins Schleudern. Alles Gegenlenken half nichts. Der Wagen schoss über die Böschung, fuhr krachend durch einen Busch.

Die Fahrt wurde dadurch keineswegs verlangsamt. Das Gefährt rutschte über den schlammigen Untergrund direkt auf einen weiteren Baum zu. Der Versuch zu bremsen glitt ins Leere. Hastig versuchte sie runter zu schalten, der Motor heulte auf und sie zog mit beiden Händen die Handbremse. Der Wagen kam wieder ins Schleudern und rutschte nun seitlich auf den Baum zu. Ein niedrig stehender Ast stieß durch das Seitenfenster. Scherben flogen durchs Wageninnere. Sie konnte gerade noch ausweichen, bevor der Ast sie ernsthaft verletzen konnte. Völlig geschockt erstarrte sie und bemerkte gar nicht, dass der Wagen tatsächlich stehen geblieben war. Erst ein gewaltiger Blitz, der quer über den Himmel zuckte riss sie aus ihrer Starre, um im selben Moment wieder gedankenverloren aus dem Fenster zu starren, bis der Donner sie wieder aufschrecken lies. Sie muss wohl eine ganze Weile reglos im Wagen gesessen haben. Völlig verwirrt ihrem eigenen Herzschlag lauschend. Sie musste ihr Handy suchen. Es war in ihrer Handtasche. Doch sie starrte nur aus dem Fenster. Schneite es etwa? Im Oktober?

Der Regen war in Schnee übergegangen. Und durch das zerbrochene Fenster drang schlagartig die Kälte zu ihr herein. Es schneite genauso heftig, wie es vorher geregnet hatte. Und durch den plötzlichen Kälteeinbruch blieb der Schnee auf dem nassen Untergrund sofort liegen.

Beim Versuch nach ihrer Handtasche zu greifen, hätte sie sich beinahe selbst mit dem Ast aufgespießt. Hastig öffnete sie die Tür und wollte aus dem Wagen springen, doch der Gurt hielt ihr plötzliches Manöver mit einem Ruck auf. Resigniert setzte sie sich wieder gerade auf den Sitz, öffnete mit zitternden Fingern den Gurt und stieg dann langsam aus.

Endlich wieder festen Boden unter den Füßen und sie bemerkte erst jetzt wie zittrig sie auf den Beinen war. Sie musste sich am Türrahmen festhalten, blickte nach drinnen und machte einen weiteren Vorstoß nach ihrer Handtasche. Als sie sie endlich in Händen hielt, war sie leer. Der gesamte Inhalt war im Fußraum der Beifahrerseite verstreut. Sie kroch am Ast vorbei halb unter den Sitz und angelte alles Mögliche zu Tage, nur nicht ihr Handy. Verdammt. Sie musste Hilfe holen.

Als sie mit dem Hintern voran wieder aus dem Wagen kroch, stieß sie gegen Etwas oder Jemanden. Auf jeden Fall war es nicht ihre Fahrertür. Vor Schreck bleib ihr ein Schrei im Halse stecken und sie rutschte mehr als dass sie fiel aus dem Wagen in den Matsch.

Ihre Sinne waren wohl eine Weile auf Wanderschaft gegangen, weil sie erst wieder zu sich kam, als sie jemand auf die Wange tätschelte.

‚Verzeihung die Dame, ich wollt eana bestimmt net erschrecken!‘ Die tiefe, aber freundliche Stimme, die an ihr Ohr drang, gehörte wohl zu den warmen Händen, die sie gerade wieder zur Besinnung gebracht hatten. Unsicher öffnete sie die Augen und blickte von unten auf eine riesige Hand, die ihr hingehalten würde.

‚Ich heiße nicht Erna!‘ stammelte sie verwirrt. Erst jetzt wurde ihr klar, dass sie im Matsch saß und dass sich um sie herum der Schnee bereits aufhäufte. Der Schnee kam quer daher und es schien grad so, als hätte sie ihr Auto in einer riesigen Schneewehe geparkt. Sie fror wie ein junger Hund und vor ihr stand ein Mann in schwarzen Klamotten. Einen schwarzen Hut hatte er sich in sein Gesicht gezogen und auf der Krempe hatte sich schon eine beachtliche Schneeschicht gebildet. Genau so fangen Horrorfilme an…

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Ich suche einen Mann… Teil 36 – Mein Festival Hopper

Ich suche einen Mann… Teil 36 – Mein Festival Hopper

burnIch suche einen Mann, der mit mir meine größten Träume erfüllt. Ich wollte schon immer mal am Faschingdienstag in New Orleans den Mardi Gras erleben, zu Pfingsten zum Off Road und Matsch Festival nach Ungarn und im Sommer von Wacken nach Kazantip zum Burning Man. Und im Winter mit einem Eisbrecher nach Grönland, nur um die Nordlichter zu sehen.

Vielleicht sollte ich doch mal anfangen Lotto zu spielen.

Anmerkung: Dies ist der 36. Teil einer völlig ernst gemeinten Bekanntschaftsanzeige von mir, Callabutterfly, und eine Ode an meinen Traummann, den ich mir grad versuche zu basteln.

Zuschriften bitte via Facebook/Callabutterfly per PM

Das Klagelied des Fuchses – Über den seltsamen Tod des jungen Faran

Das Klagelied des Fuchses – Über den seltsamen Tod des jungen Faran

arcticfoxBrian, Sarolfs Sohn. Ich bin Reiter im Dienste meines Guiskard Ragin Grünfang. Und ich berichte von den Vorfällen die sich kurz vor Beltane zugetragen haben. Die Delegation der ehrenwerten Clanführer der Widukin machten sich auf, um auf dem schnellsten Weg nach Raurikor zu gelangen. Ich war als einer von Fünfen ausgewählt worden Ragin Grünfang nach Raurikor zum Rat der Clans zu begleiten. Die Begleiter von Aska Grimmzahn und von Wulfhard Nebelwolf ritten voran.
Noch auf dem Gebiet der Widukin stolperte vor uns etwas oder jemand auf den kleinen gewundenen Pfad und brach auf die Knie. Die Pferde scheuten und wir konnten die Pferde gerade noch beruhigen. Ein ersticktes Keuchen, dass sich wie ‚Hilfe, Bitte!‘ anhörte, drang an unsere Ohren. Der Jemand kroch rücklings auf die Gesandtschaft zu und schien uns nicht zu bemerken. Die Pferde waren immer noch unruhig und einige unserer Begleiter, ließen sich geschmeidig von ihren Gäulen gleiten und schlichen auf den Fremden zu. Der Fremde fuchtelte mit einem Messer in der einen Hand und hält eine kleines Beil in der anderen Hand gegen etwas, was in der Dunkelheit nicht auszumachen war.
Einer der Männer pfiff den Ruf des Waldkauzes und der Fremde blickte auf und lies sofort die Waffen sinken.
‚Mae govannen!‘ Der Gruß der Wildelben floss wie glitzernde Seide aus seinen Mund und man konnte ihm ansehen, wie sanftmütig dieser Junge zu sein schien. Es war tatsächlich nur ein Junge. Kaum 14 Winter auf dem Buckel. Doch stand Angst und blankes Entsetzen in seinem Gesicht und seine langen Haare waren weiß und leuchteten in der Nacht wie der Vollmond.
Doch dann wurde sein Körper nach hinten gerissen und eine Schar zu groß geratene Jagdspinnen übermannten seinen Körper und krabbelten blitzschnell über ihn hinweg und griffen die Männer an, die dem Jungen am Nächsten waren. Die Spinnen waren annähernd so groß wie Füchse und das war ganz und gar nicht normal, obwohl uns die Spinnenart an sich nicht fremd war, war ihre Größe nicht nur äußerst befremdlich, sondern auch Angst einflößend.
Plötzlich ging alles recht schnell. Alle sprangen von den Pferden und einer der unseren packte alle Pferde gleichzeitig am Zügel und brachte sie außer Reichweite. Man konnte seine besänftigten Worte in der Ferne hören. Meine Nackenhaare stellten sich auf, dass tat es jedes Mal, wenn jemand hinter meinem Rücken ein Stück Magie wirkte, auch wenn es diesmal nur das Schutzgebet unseres Pferdejungen war. Wulfhard Nebelwolf bemerkte, bevor er sich ins Kampfgeschehen einmischte, dass sein Gaul noch nie gescheut hätte.
Ich kämpfte mich durch die Reihen und zog den Körper des Jungen aus dem Kampfgeschehen. Ich erkannte ihn gleich und schleppte ihn weiter vor die Füße von Ragin Grünfang und rief: ‚Es ist Einer von den Unseren, Herr!‘
Hastig versuchte ich den Jungen aufzurichten und flößte ihm einen meiner Tränke ein.
‚Junge, nenn mir deinen Namen und erzähl was dir widerfahren ist?‘ rief Ragin Grünfang.
Der Junge stammelte so leise, dass sich Ragin Grünfang auf die Knie warf, um verstehen zu können, was der Junge zu sagen hatte. ‚Faran…mein Name… Sohn von Thôn… Hoher Herr… Ich zog aus… um mein Krafttier…‘ Der Junge brach ab, schluckte schwer, das Atmen fiel ihm nicht leicht. Beherzt riss ich seinen Lederwams auf, auf dem noch vereinzelt Spinnweben klebten und flößte dem Jungen weiter von dem Trank ein. Der Junge fing wieder zu stammeln und krächzen an: ‚Finden und mich fand… Das Grauen…Ich stürzte… tief… ins Dunkle… eine Höhle… und… Spinnen überall Spinnen… sie zerrten an mir…bissen mich und schleppten mich… tiefer ins Dunkle… Es war so kalt. Doch ich konnte fliehen!‘ Seine Stimme brach wieder, Tränen quollen ihm aus den Augen. Er schien große Schmerzen zu haben, obwohl er keine großen Wunden zu haben schien. ‚Herr, sagt meiner Mutter bitte… ich hab ihn gefunden… Stammbaum…!‘ Er brach ab und hielt Ragin die Hand hin und ich konnte verschwommen Schriftzeichen der Elben erkennen, die der Junge sich in die Hand geritzt hatte. ‚Nicht vergessen…!‘ waren seine letzten Worte. Danach starrten seine leeren Augen nur noch an seinem Guiskard vorbei in die Dunkelheit. Von weit entfernt konnte man einen Fuchs hören und keiner von den Männern und Frauen, hatte einen Fuchs je zuvor so jammervoll jaulen hören, wie in dem Moment, als dem Junge Faran mit einem tiefen Seufzer seine Hand auf seine Brust sank und einen blutigen Fleck auf seiner Tunika hinterließ.
Ragin Grünfang schluckte schwer und schloss dem Jungen die Augen, dann stand er in einer langsamen Bewegung auf und blickte in die Runde. ‚Kannte jemand den Jungen?‘
‚Herr, ich kenne seinen Vater, Thôn und dessen Frau Alveradis!‘ rief ich, als ich auch aufgestanden war.
‚Du bringst den Jungen heim zu den Seinen. Sprich ihnen meine Trauer aus. Einer der Nebelwölfe und Einer von Grimmzahn sollten ebenfalls reiten, schnell reiten. Bringt die Kunde zu jeder Sippe. Es soll Ausschau gehalten werden nach Spinnen, großen Spinnen. Es ist Gift im Spiel, die Heiler sollen Vorsorge treffen.‘
Wulfhard Nebelwolf kam aus einem Gebüsch gestolpert und hielt eine tote Spinne in einer Hand hoch. ‚Und die nehmen wir mit zum Rat!‘

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Ich zog einen Zettel aus meiner Tasche und machte einen Abdruck von den Schriftzeichen, die sich der Junge in die Hand geritzt hatte, um sie nicht zu vergessen. Es war ein A, dass für seine Mutter Alveradis stand und ein Th, dass für seinen Vater Thôn stand und darunter das F, dass für den Jungen Faran stand. Und mit seinem Tod war der Stammbaum seiner Ahnen versiegt. Soweit er wusste, was Faran das einzige Kind gewesen, dass der Liebe seiner ElbischFEltern entsprungen war.

Die Männer zogen bald weiter und eilten gen Raurikor, während die Boten Richtung Grimmzahn und Nebelwölfe aufbrachen, lud ich den Körper des Jungen auf mein Pferd und ritt so schnell ich konnte zu der Heimstatt seiner Eltern.

Ich hoffe bald die Zeit zu finden mehr zu Schreiben. Der Krieg zieht auf und ich befürchte, dass mir nicht mehr viel Zeit bleiben wird, um all die merkwürdigen Dinge niederzuschreiben, die ich in den letzten Tagen heraus fand.

Brian, Sarolfs Sohn
Reiter im Dienste des ehrenwerten Guiskard Ragin Grünfang

Diese Geschichte basiert auf dem Hintergrund der Rauriker und den Ereignissen vor Beltane. (http://www.rauriker.de) Ähnlichkeiten von Personen im realen Leben sind völlig ausgeschlossen und somit reiner Unfug. Wir bitten um Verständnis.

Blut ist dicker als Wasser – Die Geschichte eines Holzfällers – Teil 9

Blut ist dicker als Wasser – Die Geschichte eines Holzfällers – Teil 9

schweiniBranu humpelte Schweini hinterher, Richtung Waldrand. Er war auf der Suche nach Bruna, die war schon seit Stunden fort und langsam machte er sich wirklich Sorgen um sie. Auf seiner Wange leuchtete immer noch ihr Handabdruck und in seinem Kopf sang der Met manch rauschendes Lied.

Er hatte nicht nur die eine Flasche Met zusammen mit dem Meister Ulgur vernichtet und deswegen spürte er jetzt auch keinen Schmerz. Der Heiler hatte ihm eigentlich verboten, den Hof zu verlassen und er würde es morgen bitter bereuen, dass er so weit gelaufen war. Aber wenn die Götter ihm nun endlich eine richtige Familie geschenkt haben, dann musste er sich auch darum kümmern. Und sein Vater, also der Meister Ulgur, war zu betrunken um sie zu suchen.

Er hatte ihn vorhin ins Bett bringen müssen, weil er so besoffen gewesen war, dass er nicht mehr laufen konnte und das am helllichten Tag. Aber es war ja auch durchaus ein Grund zu feiern. Mann wurde ja nicht jeden Tag, zum zweiten Mal Vater und Mann bekam auch nicht jeden Tag seinen richtigen Vater zu Gesicht. Das Schwein verschwand im Dickicht und das riss ihn aus seinen betrunkenen Gedanken.

Als er zum Bachlauf kam, sah er schon den Rauch aufsteigen. Und wenig später stieg ihm der Geruch verbrannten Haares in die Nase. Bruna lag im Bach, blickte ohne auch nur einmal zu blinzelnd nach oben und das Wasser dampfte um sie herum. Der Wasserdampf ergoss sich schon über das ganze Tal.

Er versuchte möglichst unbeschadet die Böschung runter zu rutschen. Sein Bein tobte jetzt auch noch oder schon, aber er würde nicht ohne Bruna wieder zurück gehen, nach Hause. Er humpelte weiter auf den Bach zu und kniete sich umständlich ans Ufer in den Schlamm und flüstere: ‚Bruna, für ein Bad ist es entschieden zu kalt!‘ Dann griff er nach ihrer Hand und kam fast aus dem Gleichgewicht. Das Bachwasser schien tatsächlich erwärmt zu sein. ‚Komm da raus. Ich würd mich gerne bei dir entschuldigen.‘

Mit einer ruckartigen Bewegung wand sie ihren Kopf in seine Richtung und Tränen liefen unentwegt aus ihren Augen und verdampften in nächsten Moment auf ihrer Haut. Ihre Hand schien in Flammen aufzugehen und er ließ sie schlagartig wieder los.

‚Komm bitte da raus, du musst mir helfen. Ohne dich komme ich die Böschung nie wieder rauf.‘

Ihre Hand brannte tatsächlich, obwohl sie halb im Wasser lag. Er musste den Kopf schütteln, das musste am Met liegen. Die Hand brannte immer noch. Er kniff die Augen zu und sie brannte immer noch, als er seine Augen wieder geöffnet hatte.

‚Ich glaub, du brennst Bruna?!‘ stotterte er.

Plötzlich schloss sie die Hand und das Feuer erlosch. Er konnte sie atmen hören und er dachte er hätte so was wie ein Seufzer gehört. Sie blinzelte und hielt einen schrecklich langen Moment ihre Augen geschlossen und als sie endlich ihre Augen wieder öffnete, stand das Blau ihrer Augen voll Tränen. Ihr Kinn zitterte und ihre Maske zerbrach, so wie die Tränen über ihr Gesicht flossen.

Beherzt griff er wieder nach ihrer Hand und zog sie zu sich heran.

‚Du heulst doch nicht wegen mir?‘ fragte er unverblümt.

Ein feuriger Schlag in seine Nieren, war ihm Antwort genug. Ihm blieb für einen Moment die Luft weg, hielt sie aber eine Weile im Arm und während ihm beruhigende Laute über die Lippen huschten. Endlich regte sie sich und blickte ihn mit verheulten Augen an.

‚Verzeihst du mir den kleinen Ausrutscher? Ich war irgendwie verwirrt!‘ fragte Branu.

‚Wenn hier Einer verwirrt ist, dann bin ich das wohl und was fällt dir überhaupt ein, deine Zunge in meinen Hals stecken zu wollen. Ich glaub es hackt.‘ plapperte sie los, bis der Rauch wieder von ihr aufstieg. Dann fing sie wieder an zu weinen und krächzte. ‚Der Einzige, der mich je berührt hat, war das wandelnde Feuer…! Und das ist schon schlimm genug und der Nächste ist dann mein Bruder…‘ Den Rest des Satzes konnte er nicht mehr verstehen, aber er glaubte, dass sie ihn zwischen den ganzen Schluchzern ganz schön beleidigt hatte. Sie heulte, wie sie es als 12 jähriges Mädchen nicht getan hätte und dann fing sie sich wieder. ‚Wenn du das irgendjemanden erzählt, schleife ich dich an deinen … Ohren… in den Wald und leg dich wieder unter den Baum!‘

Sie zog den Rotz hoch und lächelte ihn an. Mit einer zarten, ja einer erschreckend zarten Bewegung berührte sie seine Wange, an der Stelle wo ihr Handabdruck immer noch feuerrot leuchtete und tierisch brannte.

‚Das gibt, ich brenn dir Eine, eine ganz neue Bedeutung!‘ meinte sie. Beide mussten Lachen.

‚Der Phönix aus der Asche, Schwesterlein! Der Phönix aus der Asche.‘ meinte er und versuchte zu grinsen, doch sein Gesicht tat ihm fast mehr weh als sein Bein.

ENDE

Diese Geschichte basiert auf dem Hintergrund der Rauriker und den Ereignissen nach dem Imbolcfest (http://www.rauriker.de) Ähnlichkeiten von Personen im realen Leben sind völlig ausgeschlossen und somit reiner Unfug. Wir bitten um Verständnis.

Erwischt – Die Geschichte eines Holzfällers – Teil 8

Erwischt – Die Geschichte eines Holzfällers – Teil 8

schweiniNach einer Woche war der Holzfäller mehr oder weniger wieder auf den Beinen. Er versuchte sich zumindest nützlich zu machen. Nachdem Meister Ulgur die Heiler bezahlt hatte, würde er seine Schuld in den nächsten Monaten abarbeiten müssen. Das Gehen fiel ihm noch schwer und irgendwie hatte er immer das Gefühl er würde dem Metzger und seiner Tochter nur im Weg umgehen. Er musste wirklich noch viel über das Metzgerhandwerk lernen.

Im Großen und Ganzen ging es ihm einen Tag gut und am nächsten Tag wieder schlecht. An schlechten Tagen hatte er wieder Fieber und Bruna wachte an seinem Bett und es schien ihm so, als würde sie seine Hitze anziehen und in sich aufsaugen. Und am nächsten Tag ging es ihm wieder gut.

Heute war so ein Tag, es ging ihm mehr als gut und er wurde leicht übermütig. Er hatte sich in der Küche nützlich gemacht, der Meister hat seine Blutwürste gemacht und der Holzfäller hatte ihm dabei über die Schulter gesehen und versucht zu helfen.

Nun waren sie fertig und der Holzfäller trat in die Metzgerstube und erblickte Bruna, die gerade den Boden wischte. Sie kniete neben einem grintigen Eimer auf den blutigen Dielen und er konnte den Blick nicht von ihr wenden. Einen Moment musste er auf ihren Hinter gestarrt haben, bis es ihm Gewahr wurde. Hastig begann er zu faseln. ‚Bruna? Ich wollt mich noch bei dir bedanken.‘

‚Für was denn? Bedank dich lieber bei Schweini!‘ meinte sie mehr zum Putzeimer, als zu ihm.

‚Ich hab die Nächte sehr genossen, in denen du an meiner Seite wachtest!‘

‚Zeit wann redest du so geschwollen daher?‘ fragte Bruna, die den blutigen Lumpen ins Putzwasser warf und den Holzfäller entsetzt anstarrte.

‚Ich wollte…!‘ stotterte der Holzfäller und ging einen Schritt auf sie zu. Bruna nahm den blutigen Lappen, wand ihn aus und stand dann aber auf, weil Branu ihr irgendwie zu Nahe gekommen war.

‚Sag mal hast du wieder Fieber, soll ich dir nen Tee und kalte Wickel machen.‘ meinte sie fast beiläufig.

‚Ja, es muss das Fieber sein, es verbrennt mich.‘ meinte er ziemlich ernst und griff nach ihrer Schultern. ‚Es ist Etwas in mir entbrannt und ich vermag es nicht zu löschen!‘ säuselte er ihr ins Gesicht und kam ihr immer näher.

‚Und da kommst du zu mir?‘ fragte sie ihn ungläubig und versuchte sich aus seinem Griff zu winden. Er kam ihr noch näher und machte Anstalten sie küssen zu wollen. Als sich ihre Lippen sich flüchtig berührten, scheuerte sie ihm Eine und zwar so heftig, dass er nach hinten taumelte. Beinahe wäre er über den Putzeimer gestolpert. Er hielt sich die Wange, die nicht nur wie Feuer brannte, sondern auch so aussah. Aber der Schmerz war es wohl nicht, was ihn so erschreckte. Es war irgendwas anderes. Bruna blickte ihn wutschnaubend an, eine Ader pulsierte auf ihrer Stirn und ihre Finger fingen an zu rauchen.

‚Es tut mir leid, ich konnte nicht anders, ich musste es dir sagen!‘ meinte er und humpelte wieder auf sie zu.

‚Was sagen? Dass du den Verstand verloren hast!‘ rief sie aufgebracht und ging rückwärts durch die Stube, bis ihr Rücken an der Wand anstieß. Er versperrte ihr den Weg, packte sie unsanft und zog sie in eine Umarmung.

‚Nein Bruna, ich habe mein Herz verloren!‘ meinte er und versuchte sie erneut zu küssen, dabei glitten seine groben Finger an ihrem Rücken entlang und vergruben sich in den Stoff ihrer Tunika, die ihren mächtigen Hintern verdeckte. Er presste sie gegen die Wand und küsste sie hart und unnachgiebig, bis ein Räuspern ihn unterbrach.

‚Nimm deine Drecksbatschen von deiner Schwester.‘ stolperte dem Metzger Ulgur aus dem Mund.

Bruna und Branu stoben auseinander und sie blickten erst den Metzgermeister und dann sich gegenseitig verwirrt an.

‚Was zu Beltane passiert, weiß nur der Zwölfender!‘ meinte Ulgur und machte Anstalten nach draußen gehen zu wollen.

‚Ich glaub es hackt. Ich komme seit dem ich laufen kann in dein Haus, Bruna und ich haben unsere halbe Kindheit miteinander verbracht und dann so was und du siehst mir nicht mal ins Gesicht…‚ rief Branu völlig außer sich, bis seine Stimme brach.

Ulgur drehte sich noch mal um, legte den Finger an den Mund und sprach leise aber eindringlich genug: ‚Scht. Deine schwindlige Verwandtschaft darf davon nie etwas erfahren und jetzt beruhige dich, ich geh eine gute Flasche Met holen und dann werde ich dir ins Gesicht sehen, mein Sohn.‘

Bruna konnte nicht fassen, was sie da hörte. Ihr ganzer Körper bebte vor Wut, ihre Finger fingen wieder an zu qualmen und zu rauchen und sie stürzte hastig nach draußen. Ihr Vater kam ihr entgegen, als sie über den Hof lief. Wutentbrannt knallte sie ihm Eine. Und die hatte er sich wohl verdient. Bruna strafte ihn mit einem wütenden Blick und verließ den Hof Richtung Wald.

Als Meister Ulgur mit der Flasche Met in Händen in sein Haus zurück ging, stand Branu immer noch an der selben Stelle mitten in der Metzgerstube und rieb sich die Wange.

‚Die haben wir wohl beide verdient!‘ meinte Ulgur und rieb sich ebenfalls die Wange. ‚Deine Schwester hat nen ziemlichen Schwinger drauf!‘

Branu musste grinsen und blickte Ulgur in die Augen. Ulgur erwiderte den Blick. Sie umarmten sich kurz. Ulgur klopfte Branu auf die Schulter und flüsterte ihm ins Ohr: ‚Ich hätte es dir schon viel früher sagen müssen, mein Sohn!‘

Diese Geschichte basiert auf dem Hintergrund der Rauriker und den Ereignissen nach dem Imbolcfest (http://www.rauriker.de) Ähnlichkeiten von Personen im realen Leben sind völlig ausgeschlossen und somit reiner Unfug. Wir bitten um Verständnis.

Sprechstunde – Die Geschichte eines Holzfällers – Teil 7

Sprechstunde – Die Geschichte eines Holzfällers – Teil 7

schweiniIn der Wohnstube roch es nach deftigen Eintopf, gebratenen Zwiebeln und Speck. Bruna kochte gerade das Abendessen.

‚Aber das sieht doch schon ganz gut aus!‘ meinte der Heiler zum Holzfäller und erneuerte den Verband.

‚Kann ich aufstehen?‘ fragte Branu ungestüm und war im Begriff aus dem Bett springen zu wollen. Der Heiler hielt ihn zurück und meinte: ‚Na, na, na, morgen, vielleicht!‘

‚Kann ich wenigstens zum Abort gehen?‘

‚Morgen dann, aber überanstrenge dein Bein nicht, sonst waren unsere ganzen Bemühungen für die Katz. Der Eimer wird es heute Nacht für deine kleinen Geschäfte noch tun.‘

‚Muss ich die ganze Zeit im Bett liegen?‘

‚Nein, wenn du eh schon raus humpelst, kannst du morgen ein Bisschen in der Sonne sitzen, aber leg dein Bein hoch!‘

Bruna schaute durch einen Spalt im Vorhang.

‚Ah Bruna, komm nur rein!‘ meinte der Heiler. ‚Sehr gute Arbeit! Ich werd bei Zeiten auf dein inneres Feuer zurückkommen, du kannst viel Leid lindern.‘

‚Ich habe aber keine Ahnung was ich gemacht habe!‘

‚Dein Handabdruck ist auf seiner Wunde eingebrannt.‘

Ein erschrockenes ‚Oh!‘ kam aus ihrem Mund gestolpert, doch der freundliche Gesichtsausdruck des Heilers besänftigte ihren Schrecken und sie fuhr fort. ‚Ich hab einen Moment nicht aufgepasst und dann fing der Verband schon flammen.‘

‚Sehr gut, weiter so!‘ meinte der Heiler und war in der Versuchung ihr auf die Schulter zu klopfen.

‚Irgendwann brennt sie noch das ganze Haus nieder, wenn sie nicht aufpasst!‘ hörten sie Meister Ulgur rufen, der gerade am Vorhang vorbeigelaufen war.

Der Heiler sprang auf und meinte noch: ‚Also immer schön das Bein hochlegen und nicht überanstrengen. Ich schau morgen Abend wieder vorbei.‘

Er war schon hinter dem Vorhang verschwunden, bevor sie ihn rufen hörten: ‚Meister Ulgur!‘

Schweini lief durch den Vorhang und verhedderte sich im ausgerissenen Saum des Vorhangs. Bruna lief zum Schwein und befreite es. ‚Wär ja mal a G’schicht, wenn du durch die Öffnung laufen würdest.‘

Schweini grunzte erbost, so schien es zumindest dem Holzfäller.

‚Ist ja schon gut, ich wollt den Saum schon lang mal um nähen.‘ meinte sie und wand sich wieder zum Holzfäller, der sie belustigt angrinste.

Plötzlich kroch ihr der Geruch von Verbrannten in die Nase. Sie lies das Schwein aufs Bett fallen und blickte auf ihre Hände. Nun roch auch der Holzfäller etwas Verbranntes. Sie drehte sich um und versuchte auf ihren Hintern zu blicken und dann fiel es ihr ein. ‚Bei allen Göttern, mein Kuchen!‘

Und schon stolperte sie durch den Vorhang und er konnte nur noch ein Zischen hören. Bruna hatte wohl wieder den Herd mit bloßen Händen geöffnet.

‚Ach du gute Güte, da wären mir doch beinahe meine Küchlein verbrannt!‘

Der Holzfäller hielt sich die Hand vor den Mund, um ein lautes Loslachen zu verhindern, was ihm nur bedingt gelang.

‚Hör bloß auf zu Lachen!‘ meinte Bruna mürrisch.

‚Ich lach ja gar…!‘ und schon war es um ihn geschehen. Ohrenbetäubendes Gelächter drang durch den Vorhang. Er hielt erst inne, als Bruna ihr wütendes Gesicht im Spalt des Vorhanges auftauchte.

‚Da will wohl einer keinen Kuchen!‘

‚Doch Bruna, sehr gerne.‘

‚Dann hör auf zu Lachen!‘

‚Es tut mir leid, ich höre von dir nur so selten so Sachen wie: Vorhang versäumen und ach du gute Güte, da wären mir doch beinahe meine Küchlein verbrannt!‘ meinte der Holzfäller mit verstellter Stimme.

‚Versucht sie wieder das Haus anzuzünden?‘ meinte Metzger Ulgur, der gerade wieder in die Wohnstube getreten war.

‚Nein, sie hat versucht einen Kuchen zu backen!‘ rief der Holzfäller.

Der Metzger blickte auf den leicht verkohlten Kuchen auf der Anrichte. ‚Ah, die alten Äpfel mussten eh weg. Aber was hast du mit dem Zwiebelkuchen von vorhin gemacht?‘

Diese Geschichte basiert auf dem Hintergrund der Rauriker und den Ereignissen nach dem Imbolcfest (http://www.rauriker.de) Ähnlichkeiten von Personen im realen Leben sind völlig ausgeschlossen und somit reiner Unfug. Wir bitten um Verständnis.

Das Klagelied des Fuchses – Unter den Ästen des Zwillingsbaumes

Das Klagelied des Fuchses – Über den seltsamen Tod des jungen Faran

Eine Sammlung einiger Briefe und Schriften, zusammengetragen von Brian, Sarolfs Sohn, Reiter im Dienste des ehrenwerten Guiskard Ragin Grünfang

vogelbeereAbschrift aus dem Tagebuch des jungen Faran:

Unter den Ästen des Zwillingsbaumes

‚Eigentlich ist Fern viel zu jung!‘ sagte meine Mutter. Aber mein Vater Thôn vom Clan der Grünfänge meinte darauf: ‚Alveradis, meine Schöne, als ich so jung war wie er, war ich einen ganzen Winter lang im Wald unterwegs und im Frühling hatte mich nicht nur mein Krafttier gefunden, sondern auch der Bär.‘

Mutter lächelte milde und strich über das von Narben gezeichnete Gesicht meines Vaters. ‚Und wenn du den Bären damals nicht im Kampf getötet hättest, wärst du bei den Ahnen zwar schön anzuschauen, aber dann hätten wir uns auch nie kennengelernt.‘

Mein Vater verzog sein Gesicht zu einem Grinsen und jeder der ihn nicht kannte, hätte jetzt schon die Flucht ergriffen, weil für einen Außenstehenden sah seine Fratze wirklich furchterregend aus.

Mutter machte was sie immer tat, sie zog ihm die Narben glatt und küsste ihn sanft. Für einen Moment hatte man das Gefühl, dass er eigentlich ein schöner Mann hätte sein müssen, wenn die Narben nicht wären.

‚Alveradis, du bist meine Sonne im dichtesten Nebel, lass deinen Sohn ziehen und zum Beltanefest wird er als Mann wieder kommen.‘ rief mein Vater, wartete ein Nicken ihrerseits ab und klopfte mir auf die Schulter: ‚Hast du dein Messer, deinen Bogen und dein Beil?‘

‚Ja Vater!‘ rief ich pflichtbewusst.

‚Hast du genug Pfeile?‘

‚Und wenn sie mir ausgehen, mache ich mir Neue!‘

‚Deinen Feuerstein hast du auch?‘

Mein Nicken ging unter, weil meine Mutter mir einen Beutel in die Hand drückte und ich konnte das gute Essen durch das speckige Leder riechen.

‚Belenus möge dir immer den richtigen Weg leuchten!‘ flüsterte sie und wischte sich eine Träne aus dem Gesicht. Sie schluckte schwer, drückte mich nochmal und wand sich dann hastig ab. Warum macht sie es mir immer so schwer?

‚Faran, es wird Zeit!‘ hatte mein Vater noch gesagt und dann lies er mich ziehen.

So war ich nach dem Imbolcfest losgezogen und ich würde erst wieder zurück kehren, wenn der Gehörnte zum Fest sein Horn erschallen lässt. Dann sollte ich bestenfalls ein Mann geworden sein, mein Krafttier gefunden haben und um der Ehre meiner Familie gerecht zu werden, ein mächtiges Waldtier im Kampf erlegt haben. Und wie ich das alles bewerkstelligen soll, hat mir niemand erzählt.

Im Moment fühlte ich mich eher dem winterschläfrigen Eichhörnchen zugehörig. Wie gerne würde ich am warmen Feuer liegen und mir die Felle über den Kopf ziehen. Statt dessen stapfte ich noch vor Morgengrauen durch den tiefen Schnee und grübelte vor mich hin. Ich musste schon längst im Gebiet der Nebelwölfe sein, aber sicher war ich mir nicht. Ich konnte nur meinen gefrorenen Atem vor Augen sehen. Meine Zehen waren genauso taub, wie meine Finger und selbst wenn ein Tier meinen Weg kreuzen würde, dann könnte ich es nicht mal erschießen, weil ich meinen Bogen nicht mehr spannen konnte, so kalt war es.

Und plötzlich wurde mein Weg von der Sonne erleuchtet. Die Sonne war auf gegangen und mit ihr keimte die Hoffnung wieder in mir auf.

Ich war schon Tage lang unterwegs und jeden Morgen schnitt ich eine Kerbe in ein Stück Holz, ich wollte auf keinen Fall zu spät zum Fest kommen. Obwohl es in den letzten Tagen stark getaut hatte, war es morgens noch ziemlich kalt und der matschige Schnee bildete Nachts seltsame Eisformen. Ich zählte 24 Kerben und musste unweigerlich an meine Mutter und ihre Worte denken. ‚Belenus möge dir immer den richtigen Weg leuchten!‘ Ich blickte zur Sonne, wie sie durch die Bäume strahlte. Meine Mutter nannte mich immer Fern, was bei den Wildelben Bucheckerl bedeutet, obwohl mein Name eigentlich Faran ist. Aber Faran nennt sie mich nur, wenn sie ihn ausschimpfen will. Faran bedeutet bei den Wildelben Vogelbeerbaum. Und genau deswegen wurde ich von den anderen Kindern immer veralbert. Aber Vater sagte immer, dass die Bäume in unserer Familie immer eine große Rolle gespielt hatten und dass er mit seinem Namen immer gut durchs Leben gekommen wäre. Thôn heißt ja auch Kiefer und genau so zäh und knorrig scheint er mir auch manchmal.

So in Gedanken versunken bemerkte ich gar nicht, dass ich mitten im Wald auf eine riesige Lichtung gekommen war und auf deren Mitte stand ein stattlicher Baum der zwei Stämme hatte. Als ich näher schritt, sah ich dass noch ein paar hellrote Früchte an den Zweigen hingen. Es war ein Vogelbeerbaum. Und es war der Größte den ich je gesehen habe. Seine zwei mächtigen Stämme stiegen hoch auf in den Himmel. Und wenn er erst Blätter trug, würde er die Lichtung wahrscheinlich völlig ausfüllen. Die Bäume, die um die Lichtung standen, ragten wie riesige Säulen auf und umschlossen das Bild. Ich kam mir vor, als würde ich in einem gigantische Bauwerk stehen, größer noch als die große Ratshalle in Raurikor.

Plötzlich hörte ich ein entsetzliches Geräusch, dass mich von meinen Gedanken aufscheuchte und  mich schutzsuchend unter den kahlen Äste des Zwillingsbaumes trieb. Es war ein furchterregendes, kräftiges Schlürfen, dass in einem Pfeifen endete und dann hörte er einen dumpfen Schlag und ein Scharren, dass sich von mir entfernte. Im Augenwinkel hatte ich einen Schatten gesehen, der sich über den Boden geduckt, seltsam schnell fortbewegte und verschwand. Ängstlich blickte ich in die Richtung, wo mein Verstand den Schatten erahnte. Doch der Wald war ruhig. Mein Herz pochte aber so laut, dass ich damit jedes Tier im Umkreis hätte verscheuchen müssen.

Nach einem langen Moment fasste ich mir ein Herz und lief geduckt in die Richtung, wo ich dachte den Schatten gesehen zu haben. Weit vor mir lag etwas auf dem Boden. Ich schlich weiter und erblickte einen toten Fuchs. Als ich näher trat zerbrach mir schier mein Herz in meiner Brust.

Ich hielt meine zitternde Hand vor meinen Mund, um einen spitzen Schrei zu unterdrücken. Ich brauchte einen Moment, je ich mich wieder beruhigt hatte. Ich hatte nie ein größeres Entsetzen im Antlitz eines toten Tieres erblickt, wie bei diesem hier. Der Körper schien völlig blutleer zu sein.

Mit bebenden Fingern zog ich mein Messer und versuchte den Leichnam hochzuheben. Das struppige Fell legte sich geschmeidig um mein Messer und da begriff ich, dass der Schatten echt gewesen sein musste. Das tote Tier war noch nicht gefroren, hatte aber auch keine Wunden und es schien auch keine Knochen mehr im Körper zu haben. Hastig sprang ich auf und balancierte die Haut des armen Tieres auf seiner Klinge, während ich rückwärts durch den Wald stolperte. Mein Atem ging schwer und ich keuchte bei jedem Schritt. Erst als ich wieder auf die Lichtung stolperte, fing ich mich wieder.

Der Vogelbeerbaum blickte auf mich herab und spendete mir Trost. Wie ein stummer Zeuge stand der Zwillingsbaum über den Dingen. Beflügelt vom Anblick des Baumes beschloss ich die Überreste des Tieres zu verbrennen. Ich fand einen trockenen Ast, der noch halb am Baume hing und machte ein kleines Feuer und schürte es hastig hoch. Summend stimmte ich ein altes Lied an und legte den toten Körper in die Flammen. Dann ritze ich mir in die Hand und spritze mein Blut in die Flammen, schlussendlich warf ich ein paar getrocknete Kräuter in die Flammen und wartete bis die Flammen wieder erloschen.

Ich hatte Tränen in den Augen als ich aufblickte. Der Zwillingsbaum stand hoch über mir und schaute auf mich herab. Am Fuße des Baumes war etwas eingeritzt worden. Schriftzeichen, die von den Wildelben waren.  elbischAelbischThElbischF

Ich war mir nicht sicher, aber ich glaubte ein A und ein Th zu sehen und drunter ein F. Kopfschüttelnd kam mir das Wort Stammbaum in den Sinn.

Schweren Herzens verließ ich die Lichtung, weil ich nicht an diesem Ort bleiben wollte, solange  ich nicht wusste, was für ein Wesen dieser Schatten gewesen sein mochte. Auch wenn dieser Baum wohl mehr zu bedeuten hatte, als nur der Hüter einer Lichtung, musste ich fort von diesem Ort. Ich beschloss den restlichen Tag zu nutzen und in einem großen Bogen wieder zurück zu meinem letzten Lagerplatz zu gehen und hoffte, dass mir ein Abendessen noch vor den eigenen Bogen laufen würde.

Als ich in der Abenddämmerung dann endlich an meinem alten Lagerplatz ankam, hatte ich zwei magere Eichhörnchen erwischt. Besser als nichts war es allemal.

Ich grübelte immer noch und konnte mir keinen Reim darauf machen, was mit dem armen Fuchs geschehen sein mochte. Nach dem Essen legte ich mich ans Feuer und fiel in einen unruhigen Schlaf.

Ich erwachte erst wieder, als die ersten Sonnenstrahlen mich wach küssten. Ich wischte mir eine Haarsträhne aus dem Gesicht und blinzelte in die Sonne. Nur ein paar Schritte von mir entfernt lief ein weißer Fuchs vorbei. Der weiße Fuchs hielt vor einem umgestürzten Baum inne und blickte mich kurz an. Die Haarsträhne fiel mir wieder ins Gesicht und dann begriff ich erst, dass meine Haare weiß geworden waren. Im nächsten Augenblick war der weiße Fuchs verschwunden.

arcticfoxWeit, weit entfernt vom Zwillingsbaum

Ich stolperte gehetzt durch den Wald. Es wird nie wieder so sein, wie bevor ich ausgezogen war, ein Mann zu werden. Tagelang musste ich durch den Wald geirrt sein, kein Ziel vor Augen, aber den Schatten im Rücken. Der grauenvolle Schatten, der mich verfolgte seit dem ich meinen Geburtsbaum entdeckt hatte.

Der Zwillingsbaum schenkte mir nun schon lange keinen Trost mehr. Doch immer wenn ich am Ende meiner Kräfte war, schien die Sonne auf mich herab. Immer wenn ich inne hielt, war der weiße Fuchs wieder an meiner Seite und schenkte mir Trost, manchmal lief er vor mir und gab mir eine Richtung. Manchmal konnte ich seinen Ruf von weit entfernt hören, aber ich wusste doch, ich war nicht allein.

Am Ende meiner Kräfte kroch ich weiter und weiter. Ich wollte nur fort von dem Schatten, der mich zu übermannen versuchte. Auch wenn ich ihn nicht ausmachen konnte, wusste ich doch, dass er mir im Nacken saß.

In meiner Verwirrung hatte ich mir die Schriftzeichen in meine Handfläche geritzt, die meine Eltern einst in den Stamm geschnitten hatten, so war ich mir sicher, dass ich sie nicht vergessen würde. Nicht viele unter den Widukin können noch die alte Sprache der Wildelben verstehen und sie zu schreiben gar noch weniger. Der Gedanke an seinen Stammbaum und an seine Eltern hielten mich am Leben und auf den Beinen.

Immer wieder wickelte ich den Verband ab, den ich hastig um meine Hand gewickelt hatte und blickte auf die Zeichen in meiner Hand. Ich hatte in der Hast zu tief geschnitten und mit den tauben, kalten Fingern hatte ich das Messer kaum halten können. Für den Fall, dass ich nicht wieder nach Hause finden würde, so würde jeder es sehen können, dass ich meinen Weg gefunden hatte, bevor ich sterbe und in die nächste Ebene übergehe.

Ich muss auch auf allen Vieren über den Boden gekrochen sein, der Schatten, der mich verfolgte hatte nun Gestalt angenommen und die Angst trieb mich weiter, obwohl ich am Ende meiner Kräfte war. Ganz weit entfernt konnte ich den Fuchs jaulen hören. Plötzlich gab der Boden unter mir nach und ich stürzte in ein dunkles Loch. Und da saß ich nun. Im Dunklen muss ich auch stundenlang herum geirrt sein, bevor ich mich entsinnte, ein paar Kerzen dabei gehabt zu haben. Ich erkundete die Höhle und fand aber keinen Ausweg.

Ich beschloss aufzuschreiben, was ich erlebt hatte und so schreibe ich diese letzten Zeilen. Meine letzte Kerze ist fast runter gebrannt und ich kann keinen Ausweg aus diesem Loch hier finden. Ich weiß genau ich bin nicht allein, irgendwas ist in dieser Höhle, ich kann es scharren hören und wie es langsam näher kommt.

Ich bete inständig an all die Götter da oben, dass mich das Licht des Belenus heimführen möge, aber die Kerze ist am Erlöschen und bald ist es dunkel. Ich kann nur noch den Schmerz spüren in meiner Hand und dass ist es, was mich am Leben hält. Mein Stammbaum wird mich heimführen, ich bin mir ganz sicher. Das Licht flackert nur noch... Auta ilome Aure entuluva,  Auta ilome Aure entuluva, Auta ilome Aure entuluva…

So enden die Worte des jungen Faran mit einem Schutzgebet der Waldelben. Die letzten Absätze waren teilweise unleserlich, teilweise mit den Schriftzeichen der Waldelben geschrieben, teilweise auch in deren Zunge geschrieben, ich hoffe dass ich die Worte des jungen Faran so wieder gegeben habe, wie er sie erzählen wollte. Erst dann beginne ich meine Geschichte zu erzählen, so wie ich sie bis zum heutigen Tage erlebt hatte.

Abschrift verfasst von Brian, Sarolfs Sohn, Reiter im Dienste des ehrenwerten Guiskard Ragin Grünfang.

Diese Geschichte basiert auf dem Hintergrund der Rauriker und den Ereignissen nach dem Imbolcfest (http://www.rauriker.de) Ähnlichkeiten von Personen im realen Leben sind völlig ausgeschlossen und somit reiner Unfug. Wir bitten um Verständnis.

Aufgeschreckt – Die Geschichte eines Holzfällers – Teil 6

Aufgeschreckt – Die Geschichte eines Holzfällers – Teil 6

schweiniEin dumpfer Schmerz zerrte an seinen Träumen und riss ihn unsanft aus dem Schlaf. Er war benommen und sein Kopf rauschte. Sein Bein fühlte sich taub an, schmerzte aber unvorstellbar und er konnte sich nicht bewegen, auch die Arme nicht. Vorsichtig öffnete er ein Auge und sofort rannen ihm Schweißperlen hinein. Hastig kniff er das Auge wieder zu und versuchte sich doch zu bewegen. Er bekam kaum Luft. Es schien so als würde etwas auf seiner Brust sitzen. Röchelnd versuchte er zu sprechen, doch seine Stimme brach und er hustete. Bruna wurde wach und schreckte von seiner Brust hoch. Sie war wohl am Bett sitzend eingeschlafen. Als sie wieder aufrecht da saß, begriff sie erst, das der Holzfäller wach war und panisch versuchte sich aus seiner Verschnürung zu winden. Beruhigende Laute kamen ihr über die Lippen während ihre Hände nach den Seinen suchte, um die Fesseln zu lösen. ‚Sch sch sch! Ich musste dich am Bett festbinden, du bist im Fieber handgreiflich geworden.‘

‚Bruna?‘ hustete der Holzfäller hervor. ‚Hab ich…!‘ Und seine Stimme brach wieder.

Sie legte einen Finger auf seinen Mund und wischte ihm mit einem feuchten Lumpen übers Gesicht. Vorsichtig öffnete er die Augen und blickte in ihre lächelnde Gesicht. ‚Nein, du hast dir keine Schande gemacht und dein Bein ist auch noch dran.‘ Sie musste ein Gähnen unterdrücken und nestelte weiter an seinen Fesseln. Endlich waren seine Hände frei. Und in einer ungeschickten Bewegung ergriff er sie an ihren Schultern, dass ihr vor Schreck der Lumpen aus der Hand fiel. ‚Hab ich dir Schande gemacht?‘ keuchte er ihr ins Gesicht.

Sie schüttelte verschmitzt den Kopf und als ihr Gewahr wurde, dass ihr das Blut in den Kopf stieg, riss sie sich los. Hastig griff sie nach der Wasserkanne und fing auch genauso hastig an zu reden: ‚Du musst viel trinken…!‘ Mit zitternden Fingern goss sie Wasser in einen Becher und setzte ihn an seine Lippen. Er nahm einen Schluck und griff dann nach ihrer Hand.

‚Halt, bevor du mir weiter was einflößt, müsste ich langsam mal was loswerden.‘ sagte er grade heraus.

‚Ja, natürlich! Lass mich erst die Fesseln lösen.‘ Was sie auch machte, dann drückte sie ihm eine Tunika in die Hand und half ihm hoch. ‚Langsam solltest du dir wirklich was anziehen.‘

Dann schob sie ihm einen Eimer vor die Füße und meinte: ‚Ich hoffe, dass schaffst du alleine!‘

Und ehe er sich versah, eilte sie von ihm fort und zog den Vorhang hinter sich zu. Er hörte wie sie sich am Ofen zu schaffen machte, als er sein Bein aus dem Bett hob. Jetzt spürte er es und es schmerzte. Er biss sich auf die Lippe, um ein Stöhnen zu unterdrücken. Nichts desto trotz zog er sich erst seine Tunika an und stutzte nicht schlecht, als er begriff, dass es tatsächlich eines seiner leichten Hemden war.

‚Das ist ja meine Tunika?‚ fragte Branu, über den Vorhang hinweg, während er schwerfällig seine Tunika anzog.

‚Ja, ich war heute untertags bei deiner Hütte und hab dir ein paar Sachen eingepackt und deinen Ochsen geholt. Du hast gestern Nacht im Fieberwahn ziemlich viel wirres Zeug geredet.‘ meinte sie und fuhr umgehend weiter fort, als sie das Plätschern hörte. ‚Aber nachdem du immer nach deinem Ochsen geplärrt hattest, beschloss ich ihn einfach herzuholen. Hab auch die paar Stämme mitgebracht. Nur die Kiefer hab ich liegen lassen.‘

‚Ich werd jeden einzelnen Spreißel von dem krummen Bastard einschüren.‘ fluchte er.

Fortsetzung folgt vielleicht…

Diese Geschichte basiert auf dem Hintergrund der Rauriker und den Ereignissen nach dem Imbolcfest (http://www.rauriker.de) Ähnlichkeiten von Personen im realen Leben sind völlig ausgeschlossen und somit reiner Unfug. Wir bitten um Verständnis.

Wundbrand – Die Geschichte eines Holzfällers – Teil 5

Wundbrand – Die Geschichte eines Holzfällers – Teil 5

schweini‚Er wird Fieber kriegen!‘ hatte der Heiler immer wieder gesagt. Und da lassen sie Bruna mit dem armen Holzfäller allein, wo sie doch gar nichts Kühlendes mehr an sich hatte. Sie betete inbrünstig an die Götter und zwar alle die ihr einfielen, dass sie bis zum Morgengrauen nicht Feuer fing.

Der Holzfäller lag in ihrem Bett und das Fieber beutelte seinen Körper. Der Heiler hatte ihr Kräuterschnaps da gelassen, der gegen Krämpfe helfen sollten, die er auch noch bekommen würde.

‚Du wirst ihn am Bett festbinden müssen! Nicht dass die Wunden wieder aufgehen!‘ Hatte er noch gesagt, bevor er wieder verschwinden wollte. Im Lauf drehte er sich nochmal um und rief über seine Schulter hinweg: ‚Ach, wenn die Wunde durchnässt, versuch vorsichtig den Verband zu wechseln.‘ Er wand sich wieder in ihre Richtung und drückte ihr gleich seinen ganzen Korb in die Hand und verschwand. Des Holzfällers Glück war, dass sie den Heilern in den letzten Tagen gut über die Schulter geschaute hatte, also wusste sie so ungefähr, was zu tun war. Sein Körper fing tatsächlich an zu Krampfen und sie flößte ihm den Schnaps ein. Als er sich wieder ein Wenig beruhigt hatte, stand sie auf und suchte einen Strick. Sie band seinen gewaltigen Körper ordentlich an ihrem Bett fest und blickte dann zufrieden auf ihr Werk. Er faselte wirres Zeug, dass sie kaum verstehen konnte. Sie legte ihm vorsichtig ein feuchtes Tuch auf seine Stirn und als sie sich wieder abwenden wollte, packte er sie an ihrer Tunika und zog sie zu sich aufs Bett. Vielleicht hätte sie ihm auch noch die Hände fesseln sollen. Schweini lief quietschend übers Bett, bevor Bruna das Gleichgewicht verlor und aufs Bett krachte.

Er riss die Augen auf und fing an völlig klar mir ihr zu reden: ‚Holz macht vier mal warm! Einmal beim Umschneiden und einmal beim aus dem Wald holen. Dann beim Hacken und natürlich beim Einschüren!‘

Genauso plötzlich wie er sie ergriffen hatte, löste er seine Umklammerung und sie fiel vor Schreck fast vom Bett. Als sie sich wieder gefangen hatte, band sie auch seine Hände fest. Als sie ihn zudecken wollte, bemerkte sie, dass seine Beinwunde tatsächlich stark nässte und beschloss den Verband zu wechseln.

Sie pfriemelte den Verband ab und noch bevor sie die letzten Lagen des Verbandes abgewickelt hatte, drang schon der Eiter durch die verkrusteten Leinenwickel. Der Gestank des verdorbenen Fleisches, den sie nur zu gut kannte, brachte sie zum Würgen.

Sie band sich ein schnapsgetränktes Tuch um Nase und Mund und wusch sorgfältig seine Wunden aus. Er musste wirklich unglaubliche Schmerzen haben. Tränen standen ihr in den Augen und sie schluckte schwer, als sie den frischen Verband an legte. Sie hatte wohl eine Weile nicht aufgepasst, denn ihre Hände fingen Feuer und brannten sich durch den Verband und als sie sein brandiges Fleisch zischen hörte, zuckte sie zurück.

Nach hinten stolpernd, hechtete sie zum Wassereimer und versenkte ihre Hände darin. Sie versuchte sich zu beruhigen, atmete tief durch und blickte zu dem Bein hinüber. Der Verband schmurgelte noch vor sich hin. Mit einem nassen Lumpen um die Hände schlich sie wieder zum Bett und versorgte erneut die Wunde. Die brandigen Stellen waren nun kross gebacken. Zumindest würde es nun nicht mehr eitern. Sie schmierte mit einem frischen Tuch eine Wundsalbe über die ausgebrannten Stellen und machte erneut einen Verband.

Diese Nacht sollte tatsächlich die Schlimmste werden, denn nach dem versehentlichen Ausbrennen, stieg das Fieber nochmal an und er fieberte wieder lautstark vor sich hin.

Er rief nach seinem Zweiender. Doch sie brauchte bis zum Morgengrauen, bis sie verstand, was er da vor sich hin faselte. Er befürchtete, dass sein Ochse, auch Zweiender genannt, verhungern oder erfrieren könnte. Außerdem schreckte er mehrmals hoch und war sich ziemlich sicher das Feuer in seiner Hütte angelassen zu haben. Er arbeitete gegen die Fesseln und kämpfe gegen seine Bewegungsunfähigkeit an. Sie war heilfroh, dass sie ihn ordentlich fixiert hatte, aber dafür schien sein Verstand mit ihm durchzugehen.

Fortsetzung folgt vielleicht…

Diese Geschichte basiert auf dem Hintergrund der Rauriker und den Ereignissen nach dem Imbolcfest (http://www.rauriker.de) Ähnlichkeiten von Personen im realen Leben sind völlig ausgeschlossen und somit reiner Unfug. Wir bitten um Verständnis.

Schüttelfrost – Die Geschichte eines Holzfällers – Teil 4

Schüttelfrost – Die Geschichte eines Holzfällers – Teil 4

schweiniBruna kam an ihr Bett getreten und blickte auf den bewusstlosen Körper des Holzfällers. Er hatte Schweini im Arm und sabberte auf ihr Kopfkissen. Mit einer erhobenen Augenbraue zog sie ein Tuch von ihrem Gürtel und wischte ihm über den Mund und stopfte das Tuch dann unter sein Gesicht. Sein Körper wurde immer noch von heftigen Schüttelfrost gebeutelt. Kopfschüttelnd ging sie zum Ofen, öffnete ihn mit der bloßen Hand und schürte nach.
Hinter sich hörte sie ein Stöhnen. Sie goss einen Tee auf und ging dann mit Kanne und Becher bewaffnet zum Bett zurück.
Er regte sich und öffnete eines seiner Augen. Beruhigende Geräusche stolperten aus ihrem Mund, während sie sich an die Bettkante setzte. Er stöhnte laut und drückte das Schwein liebevoll an sich.
Er küsste es und flüstere dann heiser: ‚Braves Schwein, das hast du gut gemacht!‘
Bruna verdrehte die Augen und zischte ihm zu: ‚Ich möchte eure Zweisamkeit nur ungern stören, aber ihr Beide liegt in meinem Bett und ich verbitte mir jedliche Art von Schweinereien.‘
Er blickte fragend über das Schwein hinweg und krächzte heiser: ‚Oh, ich kann doch…nicht!‘
‚Nein kannst du nicht. Aber Vater dachte, es wäre besser dich zu uns zu bringen, als zu deiner Verwandtschaft!‘ meinte sie, goss Tee in den Becher und machte Anstalten ihm den Tee einflößen. ‚Du musst viel trinken!‘
Zwischen den Schlucken, fragte er beschämt: ‚Hab ich mir Schande gemacht?‘
‚Da musst du die Heiler fragen, die haben dich ausgezogen!‘ meinte Bruna und grinste ihn saublöd an. Der Holzfäller verschluckte sich fast, hustete erstickt unter Schmerzen und stammelte: ‚Ich… ich… bin?!‘
‚Ja, und mein Vater wird dich töten, wenn du was versuchst?‘ meinte Bruna ernst.
Branu musste lächeln, was ihm erschreckend gut gelang, in Anbetracht dessen, was er die letzten paar Tage durchgemacht hatte. Sie flößte ihm den restlichen Tee ein und stand dann auf.
Als sie mit einer Schüssel voll Suppe wieder zum Bett kam, waren seine Augen wieder geschlossen.
Sie setzte sich wieder an die Bettkante und wartete einen Moment. Er schreckte hoch und blickte sie entsetzt an. Wieder kamen ihr beruhigende Laute über die Lippen.
‚Ich hab noch Suppe für dich, dann lass ich dich in Ruh!‘ flüsterte sie und hielt ihm den Löffel hin. Er lies sich füttern und blickte sie unverwandt an.
‚Die Heiler kommen nachher wieder und schauen nach deinem Bein!‘
In dem Moment, als sie sein Bein erwähnte, schien es ihm wieder in den Sinn gekommen zu sein, warum er in ihrem Bett lag und blickte nun noch verstörter.
‚Es ist noch dran!‘ meinte sie kurz und löffelte ihm weiter die Suppe in den Mund. ‚Und du wirst ne Zeit lang nicht in den Wald gehen können!‘
Er rappelte sich auf und zog an der Decke.
‚Hehe, was hast du vor?‘ rief Bruna erschrocken und sprang von der Bettkante auf.
‚Ich will mich selbst überzeugen, dass es noch dran ist…!‘ krächzte er und riss weiter an der Decke. ‚Weil… weil… ich kann es nicht spüren!‘
Das Schwein wurde wach und quietschte aufgeregt. Sie hatte die Schüssel beiseite gestellt, hob die Decke behutsam an und meinte dann: ‚Es ist ein Wunder, dass du deine Finger noch spürst, geschweige denn deine Zehen!‘
Entsetzt blickte er auf sein Bein, dass mit blutigen Leinenbinden verbunden und dann geschient worden war. ‚Jeder Andere hätte sich da draußen auch noch was ab gefroren.‘
Er griff mit zitternden Fingern an sein Knie und hob es an. ‚Es ist tot…!‘ Er schluckte schwer und lies sein Bein wieder sinken.
‚Die Heiler haben dir jeden Menge Zeuch gegen die Schmerzen eingeflößt. Sei froh um jeden Moment, wo du nicht vor Schmerzen schreist.‘ meinte sie und deckte sein Bein wieder vorsichtig zu.
Sie musste sich ein Gähnen verkneifen und fuhr fort. ‚Du solltest versuchen noch ein Bisschen zu schlafen. Ich hab dir einen Eimer hingestellt, wenn du pinkeln musst und Schweini, wenn du in mein Bett machst, mache ich einen Rollbraten aus dir!‘

Sie zog ihm die Decke zurecht und meinte noch: ‚Wenn was ist, musst du schreien, ich schlaf unterm Dach.‘
‚Bruna!‘ rief er ihr hinterher. ‚Danke!‘
Doch sie war schon hinter dem Vorhang verschwunden.

Fortsetzung folgt vielleicht…

Diese Geschichte basiert auf dem Hintergrund der Rauriker und den Ereignissen nach dem Imbolcfest (http://www.rauriker.de) Ähnlichkeiten von Personen im realen Leben sind völlig ausgeschlossen und somit reiner Unfug. Wir bitten um Verständnis.

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