Der frühe Vogel kann mich mal…

Der frühe Vogel kann mich mal…

amselSeit Wochen sitzt ein kleiner Piepmatz vor meinem Fenster und plärrt als gäb es keinen Morgen, was mich ja eigentlich nicht stören würde, wenn er es nicht immer um 5 Uhr morgens täte.

Bei geschlossenen Fenster kann ich halt gar nicht schlafen und bei offenen Fenster ab 5 Uhr in der Früh irgendwie auch nicht mehr so wirklich.

Nachmittags haben sich jetzt zwei Krähen in der Arbeit eingenistet, die nun die beiden Innenhöfe meines Arbeitsgebäudes terrorisieren. Jetzt könnten böse Zunge behaupten die Frau Rösner hätte einen oder gleich mehrere Vögel, ja einen körpereigenen der mich Nachts nicht schlafen lässt, weil mir so viel Unsinn im Kopf herum geht und einen Externen draußen auf dem Dach, der mich morgens nicht ausschlafen lässt. Und nachmittags die beiden Terroristen, die mich von der Arbeit abhalten, weil sie sich einen Spaß machen von einem Innenhof zum Anderen zu ziehen und sich die nicht vorhandene Seele aus dem Leib zu plärren.

Ich bin also seit Wochen reichlich unausgeschlafen, völlig überarbeitet, kann mich kaum konzentrieren und bin äußerst schlecht gelaunt und leicht kinskiesk in Bezug auf alle nervigen Geräusche. weil wenn man mit 1 bis 2 Tinnitus (Mehrzahl von Tinnitus ist Tinnitus – bei mir wird die Mehrzahl von Tinnitus als Modern Talking zusammengefasst, nachdem meine Tinnitus Dieter Bohlen und Thomas Anders heißen!) wird man leicht aggressiv auf Töne, die die körpereigenen Töne übertönen. Dabei wünsche ich mir nur Ruhe, damit ich mal einen klaren Gedanken fassen kann. Nachdem das mit dem Schnee schon nicht geklappt hat, brauche ich einfach nur Ruhe, um wenigstens ein Bisschen schreiben zu können, oder lernen. Aber nein, erst gibt es keinen Winter und dann kommt der Frühling gleich in lautstarker geballter Ladung und voller Dröhnung voll auf die Ohren.

Ich habe also einen perfiden Plan gemacht, den Störenfried kurz und schmerzlos in die ewigen Jagdgründe zu befördern, ohne jedoch zu viel Aufsehen zu erregen. Was sollen denn die Nachbarn von mir halten, wenn ich wie wild auf dem Dach herum ballere. Und wenn ich es mit der Nerfgun mache, könnte der Vogel ja vielleicht keinen Schaden nehmen. Hm. Also, wollte ich es lieber so machen, wie es die Menschheit schon immer gemacht hat. Auf Vogeljagd mit der Steinschleuder und Netz und ohne doppelten Boden. Ja, liebe Vogelschützer, im Fall von innerer und äußerer Unruhe und akuter Schlaflosigkeit bin ich nicht gut zu vögeln! Ich lande noch in der Irrenanstalt wegen dem schreienden Drecksvieh da draußen.Vor allem wenn ich wie ein Neandertaler mit einer Steinschleuder bewaffnet halbnackt auf dem Dach rumspringe und versuche einen kleinen Singvogel mit Kieselsteinen abzuschießen. Natürlich habe ich meinen Plan nicht in die Tat umgesetzt. Aber die Zwille hab ich schon gefunden…

Prompt hat der Vogel sich auf wundersame Weise heute morgen nicht zu Wort gemeldet und ich hab gleich rabemal gehörig verschlafen, weil mich der Kreischvogel heute morgen nicht geweckt hat. Danke mal dafür.

Dann hab ich mir gedacht, gehst mal in die Arbeit und die beiden tumben Gesellen waren heute auch relativ leise, bis ich heute Nachmittag das Fenster geöffnet habe.

Das war er wiedder der verfickte Kreischvogel-Drecksbastard sitzt jetzt in der Arbeit vor dem Fenster und schreit sich die Seele aus der Kehle. Grr.

Kann ja jetzt schlecht in der Arbeit mit der Steinschleuder auf den Drecksvogel schießen, außerdem liegt die Zwille auch zuhause vor dem Fenster, dass er sie gut sehen kann.

Ich werde ihn zu einem bayrischen Brathuhn verarbeiten, wenn ich ihn erwische oder noch richtig wahnsinnig wenn ich ihn nicht erwische…

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Die 16 schaurigen Versionen von Last Christmas

Die 16 schaurigen Versionen von Last Christmas

Ich fahre ins Amt. Mal wieder. Werde ich wohl noch die nächsten 34 Jahren lang machen. Im Radio läuft eine echt beschissene Version von Last Christmas. Am Ende des Grauens bekomme ich die Bestätigung, es war eine Version von Laith Al-Deen. Und des auf nüchternen Magen. Manchen Leuten sollte man eigentlich Sendeverbot erteilen, auf Lebenszeit. Noch nicht genug Schrecken am Morgen, im Radio wird nun abgestimmt, ob die Zuhörer lieber die Last Christmas Version von Semino Rossi, Al Bano und Romina Power oder Roberto Blanco hören wollen. Ich vermisse den Eimer in meinem Beifahrerfußraum. Memo an mich selbst, wieder einen Eimer klauen. Zum Glück habe ich die Einfahrt der Tiefgarage erreicht, bevor die Abstimmung vorüber ist. Kaum passiere ich die Tiefgarageneinfahrt und der Empfang bricht ab. Hurra. Mir haben die jeweiligen Jingles schon gereicht. Kaum geparkt, habe ich den vergangenen Alptraum fast wieder vergessen. Ich laufe die Treppen hoch zur Stempeluhr.
Aus dem Gehege der Empfangsroboter dudelt Florian Silbereisen’s Last Christmas. Meine Stempelkarte funktioniert nicht auf Anhieb, ich haue sie mehrmals panisch gegen die Stempeluhr und ich muss mir dabei den Mist noch einen Moment anhören, bevor endlich das nervige Fiep ertönt und ich in den Aufzügen flüchten kann. Schwer atmend drücke ich am Aufzugknopf, es dauert gefühlte 16 Stunden, bis der Aufzug kommt. Ein Betriebsfremder läuft an mir vorbei, sein Handy dudelt: Crazy Frog’s Last Christmas. Ich kotze fast auf die geschlossene Fahrstuhltür, die sich nun endlich öffnet. Ich trete ein.

Und seit wann verdammt noch mal haben wir denn Fahrstuhlmusik? Schwerlich zu erraten, eine grauenerregende Synthesizer Instrumental Version von Last Christmas. Mal wieder werde ich von unfähigen Doppeldrücker unnötiger Weise in diesem Grauen noch länger festgehalten, länger als man es hätte ertragen können. Den Brechreiz unterdrückend flüchte ich im 3. Stock aus dem Aufzug und laufe das letzte Stockwerk zu Fuß hinauf. Und ich laufe nie die Treppen. Aber heute bin ich wohl wieder mal der Stereo-Prügelknabe.

Los, quält mich weiter, bis es mir aus den Ohren blutet. Wenn ich dann erst aufgrund einer weiteren Last Christmas Version einen unheilbaren und blitzartig gewachsenen Trommelfellkrebs bekomme und die nächsten 1000 Jahre langsam und qualvoll ohral verblute, werde ich dann irgendwann aufgrund meines Sündenkontos unwiderruflich in die Hölle kommen. Und dann kann ich mich endlich erholen. Weil schlimmer kann es ja wohl nicht mehr kommen! Die Hölle wird wie ein Traumurlaub werden. Im Schmelztiegel mit lauter versauten Sündern, wie geil. Und ein Vorgeschmack auf den Schmelztiegel könnte man sich jeden Morgen in unserem Treppenhaus holen, wenn man öfter Treppen laufen würde. Auch im Winter kann man in unserem Treppenhaus Kakteen und Geier züchten.
Nach Luft schnappend stürze ich durch die Glastür und die nächste Glastür… aus dem ersten Büro kommt eine Version von Last Christmas, die ich viel zu spät erkannt habe, sie war von den Preluders.

Himmel, hat der Tag noch ein Ende und Weihnachten ist noch weit. Bitte, was habe ich eigentlich in meinen früheren Leben nur verbrochen, dass mich das Universum so strafen tut. Aus dem zweiten Büro kommt eine asiatische Version von, ratet mal, Last Christmas. Ich habs ja fast nicht erkannt, aber spätestens beim Refrain. Ich flüchte in mein Zimmer, aber ein weiterer Klingelton fegt mir quasi die Bürotür von hinten ins Kreuz. Die Chipmunks geben sich’s mal wieder echt dreckig. Ein gequietschtes Last Christmas lässt mir beinahe mein Essen von Gestern wieder durch den Kopf gehen. Blitzartig beruhigt sich mein Magen, als ich an den Sündenschmelztiegel denke.
Ich sitze noch nicht ganz auf meinem Stuhl und mein PC ist noch nicht mal hochgefahren. Das Guten Morgen-Ritual hat also noch nicht mal begonnen. Geschweige denn, dass ich meinen Adventskalender auch nur berührt hätte. Da ruft mein Chef an, ich soll zu ihm ins Büro kommen. Noch durch die geschlossene Bürotür meines Chefs höre ich die 16 Tenöre Last Christmas lauthals grölen. Ich falle mit der Tür ins Haus in Ohnmacht. Ich sehe eine geschüttelte und gerührte Version vom Original Last Christmas vor meinem inneren Auge. Bevor auch nur irgendjemand Erste Hilfe leisten hätte können, reiße ich die Augen wieder auf und sehe gestreifte, karierte und gefleckte George Michaels um meinen Kopf herum schwirren, die ganz gräulich Last Christmas summen und eine andere Schwuchtel, mit einem gar seltsamen Umschnall-Keyboard…. Hilfe.

Nein, dass ist nicht Wham, es ist Modern Talking. Mein Dieter Bohlen hat meinen Verstand übernommen. Eine andere Hölle. Verdammt, wo ist mein Schmelztiegel. Ich rapple mich auf und torkle in mein Büro zurück. Dort bewege ich mich den ganzen Tag nicht mehr raus, bis ich um 18.30 zum Drucker gehe. Aus meinem Nachbarbüro kann ich den Radio hören. ‚N Sync mit Last Christmas. Währenddessen ein Putzmann die Türen wischt. Er ist ein Neuer, so ein Rastaman und ratet mal, es gibt auch eine Reggae Version von Last Christmas. Im Druckerraum packe ich nur meinen Zettelkram und renne wieder ins Büro. Ich werfe die Papiere auf meine Tastatur und bevor ich meine Tasche packen kann, höre ich einen ziemlich geilen E-Gitarrenriff aus meinem Adventskalender. Ich gucke wie ein Schwaiberl, wenn’s blitzt und mache dann völlig hypnotisiert das 16. Türchen meines gewerkschaftlich gelieferten Adventskalender auf. Im Deckel steht in winzig, kleinen Lettern geschrieben: A Tribute to AC/DC…und die Version von Riff/Raff von Last Christmas bringt mich nicht nur um den Verstand, sondern fast zum Weinen, weil die Version mal richtig geil ist.

http://www.youtube.com/watch?v=8czIhxCRO_Y

 

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