Garden of Madness – MORETVM und die Weinraute des Todes

Garden of Madness  – MORETVM und die Weinraute des Todes

Das Erste was ich angebaut habe waren meine Hochbeete mit Kräutern. Mittlerweile haben die Kräuter den halben Garten übernommen. Und das ist gut so.

Nachdem die Kräuter mittlerweile zu unserem Essen dazugehören, wie das Essen selbst, habe ich während der frühjährlichen Bärlauchschwämme vorgeschlagen, wir könnten mal ein MORETVM machen. Mein Mann schaut mich entgeistert an. Er kannte MORETVM also nicht. Dafür gibt es aber auch das Internet. Ja, die Römer waren es, die hams erfunden. Und ich kann mir nichts Leckeres vorstellen, egal ob warm oder kalt. Lecker.

Moretum nach Wikipedia hört sich erstmal ein wenig langweilig an und wenn man Eppich nicht kennt oder Sellerieblätter oder Liebstöckel in Verbindung mit weißem Käse irgendwie komisch findet, kann sich da auch gerne mit Petersilie aushelfen.

Bei der Weinraute muss man dazu sagen, dass es für schwangere Frauen nichts ist, weil sie eine abtreibende Wirkung haben kann. In manchen Ländern wir die Weinraute nur getrocknet verwendet. Meine Mutter gab mir auf den Weg, dass die Weinraute frisch giftig wäre und man sie nur getrocknet essen dürfe, dies konnte ich bisher nicht belegen. Böse Zungen behaupten, dass man davon Magenschmerzen bekommt, meine böse Zunge behauptet, es könnte auch an der halben Knolle Knoblauch gelegen haben. Auf jeden Fall ist die Weinraute für ungeübte Kräuterliebhaber anfangs vielleicht mit Vorsicht zu genießen.

An den Lattich muss ich mich selbst noch heranwagen, ich bin dann mal auf der Wiese beim Grasen…

Streng nach der Übersetzung eines römischen Textes zur Folge:

‘Simulus, ein freigelassener Eigner oder Pächter von griechischer Herkunft, rüstet sich an einem Herbstmorgen zum Pflügen. Er macht Feuer, mahlt Getreide, ruft die afrikanische Magd, Wasser zu wärmen, knätet und formt den Teig; und nachdem er die Stülpe auf dem Heerde darüber gedeckt, holt er aus dem Garten Knoblauch, Eppich, Raute und Koriander: welches er im Mörser mit Salz, Käse, Oel und Essig zerreibt, und als Würze des Brotkuchens zu Felde nimt.’

Für Moretum in Anlehnung an das antike Originalrezepten benötigt man, nach dem Motto: Alles kann, nichts muss!

  • Weißen Käse (Schafs- und/oder Ziegenkäse nach Feta-Art und/oder Ricotta)
  • Einen guten Schuß Olivenöl
  • Sehr viel Knoblauch
  • Eppich
  • Essig
  • frische Kräuter (nach Saison und Geschmack): Weinraute, Eppich, Koriander, Bohnenkraut, Minze, Salbei, Petersilie, Schnittlauch, Lattich, Thymian, Oregano, Majoran, Kapuzinerkresse oder Bärlauch oder sogar Wasabiblätter
  • eine Prise Salz
  • Optional : Walnüsse, Sesamkörner, Haselnüsse, Mandelkerne und/ oder Pinienkerne

Alles in den Mörser, Mixer oder in den Turbochef, bis die Masse streichfähig ist.

Dazu frisches Brot, vor allem Gewürzbrot ist dazu sehr lecker. Also Mahlzeit und bis zur nächsten Folge, wenn es wieder heißt: Garden of Madness

Jakobsweg Zeitreise – Ich packe meine Kraxe….

Jakobsweg Zeitreise – Ich packe meine Kraxe….
Und ich nehme mit fürs Pilgern 2009
Es hat sich nicht bewehrt kein Deo mitzunehmen, also nehm ich ein Deo mit und zwar ein Sprühdeo, weil man des auch auf Klamotten sprühen kann.

Dann nehm ich wieder eine Seife mit und Rei in der Tube, sicher ist sicher.

Diesmal müssen die Wattestäbchen mit, ich kann keine drei Wochen ohne.

Ich werd mir so eine Alutrinkflasche kaufen, obwohl ich auch einen neuen Trinkschlauch habe, meinen Thermobecher werd ich nicht mehr mitnehmen. Da ist mir in der Arbeit der Deckel verschwunden, des war kurz nach dem Käseschinkenbrot. Es war ein Zeichen.

Dann werde ich wieder mal im Winter versuchen eine Aluisomatte zum Zusammenfalten zu kaufen, ich werd wohl doch mal zum Lauche & Maas gehen müssen. Weil wenn es jetzt doch noch schneit, brauch ich im Wintern noch Gamaschen, dann kann ich auch gleich fürs Pilgern einkaufen gehen.

Ich werde diesmal mein zweites Schaffell mitnehmen, ein Großes und ein Kleines, nur für den Fall, dass ich wieder im Dreck schlafen muss. Dann muss ich meine Heringe diesmal zusammenbinden, damit nicht wieder die Hälfte wegkommt. Die beiden Zeltplanen und die Plane zum Unterlegen.

Hektor ist ganz wichtig, das ist das Pilgermaskottchen. (Hektor wurde mittlerweile auf einem Markt im Osten gestohlen!) Diesmal nehm ich das Sackfett nicht mit, aber meine Nagelfeile, auch wenn ich Beides nicht gebraucht habe. Hhm. Vielleicht sollte ich doch das Sackfett mitnehmen.

Ein neues Paar Holzschuhe und meine neuen alten Wanderschuhe. Danke Sina! Dafür lasse ich die Römersandalen zuhause.

Das erste Hilfeset, mit Nagelschere und Blasenpflaster. Ich hatte, solange ich meine Holzschuhe noch hatte, keine Blasen und keine Knieprobleme, aber man kann ja nie wissen.

Meine Kniebandagen, haben mir das letzte Mal wahrscheinlich das Leben gerettet.

Ich nehme nichts zum Nähen mit, man kommt eh nicht dazu. Ein kleines Nähzeug tut es völlig.

Ich werde eine Taschenlampe mitnehmen für den Notfall, und zwar eine zum Kurbeln und eine rote IKEA-Lampe für den Fall, dass ich wieder etwas zum Aufwärmen dabei habe. Und Kerzen! Feuerzeug …ähh… Streichhölzer natürlich.

Zum Lesen, werde ich die Jakobsbibel mitnehmen und ein Reclamheftchen von Shakespeare ‚Romeo und Julia‘ und ‚Viel Lärm um nichts‘ und ich werde es auswendig lernen. Einen Reiseführer, keine Karten. Zum Schreiben, ein neues leeres Tagebuch und zwei Kugelschreiber und einen Bleistift.

Ich brauche ein gescheites Messer. Beim Geschirr werde ich wohl auch aufs Gewicht achten müssen, ein leichtes Brettchen und einen Napf, mehr nicht. Einen Löffel und eine Gabel.

Dann zum Anziehen, eine Tunika mehr und ein Unterkleid mehr. Ansonsten habe ich nicht zu viel und kaum zu wenig dabei gehabt. Der Unterrock, dass ist so eine Frage, ich werde darüber nachdenken müssen. Meinen Sonnenhut und zwei Häubchen und meine neue Fellmütze.

Glücksbringer und Pilgerstab. Nachdem mein alter Pilgerstab von einem dummen NSC auf Mythodea zum Parieren benützt worden ist, und er dabei in der Mitte zerbrach, habe ich von einem Bekannten einen Neuen bekommen. Der ist es jetzt wohl.

Glücksbringer, der Stein, den ich vor Tettweis für den Anderl aufgehoben habe und der ihn dann in meinem Auto liegen lassen hat. Seitdem ist mein Auto nicht mehr noch kaputter gegangen. Meinen Bergkristall, vom letzten mal. Ein 10 Cent Stück mit der Irischen Harfe, dass ich auch des letzte mal zufällig mitgeschleppt habe. Den ein oder anderen Stein, der mir noch über den Weg läuft.

Und mein Löffel und das was vom letzten Löffel noch übrig geblieben ist und was sonst noch so an meinem Gürtel hängt. Das ein oder andere Müffelsäckchen und ein Pilgerglocke. Meine Pilgertasche und meinen Gürtelkorb.

Die übliche Rolle Klopapier.

Wieder keinen Umhang, aber meine Wollschultertuch und ein Stück Lodenstoff für über die Kraxe. Das hatte sich letzte mal bei Hanna bewährt.

Einen Wolltuch als Rückenpolster für die Kraxe und meine Wollbeinwickel zum Kraxe an mich hin binden. Ein Stück Seil. Dann muss ich den Barney nochmal anhauen, ich brauch wieder jede Menge Lederbänder.

Meinen Deckenschlafsack und meine völlig unauthentische Kunstfelldecke. Die ist warm und ich hasse es zu frieren.

Weniger zum Essen und dafür mehr Geld zum Einkehren. Etwas warmes und heißer Tee ist echt unersetzlich. Eine Zwiebel und eine Knolle Knoblauch für ein MORETVM und als Hilfe gegen Vampire und Vergewaltiger. Sollte ich vielleicht doch Kondome mitnehmen. Mein Chef könnte dann zumindest ruhiger schlafen.

So, irgendwie ist des schon wieder soviel, dass man gar nicht glauben kann, dass ich des alles schleppen könnte, geschweige denn, dass es in die Kraxe passt. Hm. Da wird wohl echt wieder viel raus fliegen, das Sackfett zum Beispiel.

Der lachsfressenden Wolperdinger ruft

Der lachsfressenden Wolperdinger ruft

Drei mehr oder weniger Stadtkinder ziehen aus, um den Weihnachtsfeiertagen zu entgehen. Die Berghütte liegt weit ab vom Schuss auf einem Berg (Hügel) und ist bei den Witterungsverhältnissen, die wir dieses Weihnachten hatten, nur mit dem Traktor oder äußerst beschwerlich zu Fuß zu erreichen. In der ersten Nacht, leider ohne meine Anwesenheit, gab es einen Stromausfall, da die Solarzelle auf dem Dach der Hütte so verschneit war, dass es unter Tags quasi nicht zu einer Stromerzeugung gekommen war. Es gibt zwar auch eine Gaslampe, aber die haben sie sich nicht getraut anzumachen. Und nach der zweiten Dachlawine waren sie so verschreckt, dass sie früh ins Bett gegangen sind und konnten dann somit auch die halbe Nacht nicht schlafen, da sie lauter schlimme Geräusche gehört haben. Das Knacken des Ofen und das Plätschern der Kuhtränke hören sich in der nächtlichen Stille an, als wären gleich alle irren Axtmörder der Welt mit samt ihrer blutigen Opfer, die just in diesem Moment als Zombies wieder auferstanden sind, zu dieser einen Hütte unterwegs, um die beiden Stadtkinder erst zu zerhacken und dann halb aufzufressen, aber nur um die Überreste dann den vielen bayrischen wilden Waldbewohnern vorzuwerfen. Diese waldigen Wildtiere sind es, die auch untertags ihnen nach dem Leben trachten, deswegen waren sie auch bei Tag auf der Hut. Bewaffnet mit der Axt und dem Sax, vom einzigen ‚Mann‘ auf dieser Hütte, gehen sie in der Nacht auch nur zu zweit zum Pinkeln. Eine nicht ganz so stille Nacht, wie damals beim Heiland, aber sie haben es definitiv überlebt und rufen mich am nächsten Tag ungefähr 20 mal an, weil sie tausend Sachen vergessen haben, wie zum Beispiel die Zahnbürste.

Ich komme am ersten Weihnachtstag am Vorort des Geschehens an und auf der Suche nach dem Bauernhof, wird mein Weg von einem riesigen Eisbrocken versperrt. Es scheint mir so, als würden die Bewohner des Bauernhofes keinen Besuch erwarten wollen. Hm. Ich rufe an bei den Bauersleuten an und frage, ob ich den Eisbrocken aus dem Weg schieben darf. Etwas unverstanden räume ich den Brocken weg und teste die Geländefähigkeit meines Nemos auf Herz und Nieren. Ich trete durch die Haustür und schreite mit diesem einen Schritt quasi 100 Jahre in die Vergangenheit. Vier stramme Burschen sitzen an einem Tisch und frönen dem Gerstensaft und das Spiel des geköpften Schafes. Der erste Satz den ich glaube zu verstehen ist: ‚Auweh, Voda. De derfst du aufi foarn!‘ Der Jungbauer versucht sein errötetes Gesicht zu verbergen, indem er den Kopf auf den Tisch schlägt, immer und immer wieder. Man könnte sagen, dass mein Auftritt eine einschlagende Wirkung hatte. Die drei anderen Burschen scheinen zwar von mir fasziniert zu sein, trauen sich aber nur über ihren Kartenrand hinaus auf mich herab zu blicken, obwohl sie sitzen und ich stehe. Hm. Ein schwarzer Hund kommt mir entgehen gelaufen. Er scheint ernsthaft der Einzige zu sein, der sich ernsthaft freut mich zu sehen. Er schmeißt sich gleich auf den Rücken und lässt sich von mir kraulen. Sein gotterbärmlicher Gestank treibt mir die Tränen in die Augen. Es wäre mir wesentlich lieber gewesen, wenn einer der Burschen mich auf den Rücken geschmissen hätte, um mich durchzukraulen. Hm. Meine äußerst schmutzigen Gedanken werden vom Bauern unterbrochen, der mir einen Schnaps anbietet. Ich antworte: ‚Na, na, dann werd i ja glei bsoffn!‘ Himmel, bayrisch verlernt man ja wirklich nie. Ich muss ihm aber versprechen, dass wir oben einen Schnaps trinken. Wie gut, dass mir meine Mutter einen Schlehenschnaps mitgegeben hat.

Ein noch kleinerer Bub fährt mit mir zum Parkplatz, der einzigen Wirtschaft der Gegend. Meine sieben Sachen werden auf den Traktor gepackt und ich muss auf dem Trittbrett mitfahren. Ich schwitze Blut und Wasser, dass nicht mein IKEA Sack, mit meinem Laptop drin, vom Traktor fällt. Dieses äußerst abenteuerliche Anreise, darf ich in der Arbeit niemanden erzählen, weil mit Arbeitssicherheit, hat dieses Fortbewegungsmöglichkeit nicht besonders viel zu tun gehabt. Hm. Gut, dem Bauern wird schon nichts passieren, aber der Bua und ich hinten auf dem Trittbrett, das wahrscheinlich eine Anhängerkupplung ist, haben noch eine IKEA Sack und meine Kraxe zwischen den Beinen auf der Trittfläche stehen. Nachdem es gerade jetzt taut, wird auch alles inklusive mir während der recht abenteuerliche Fahrt nass gespritzt. Der Bub hat mir einen historischen Landwirtschaftsvortag gehalten, bis ich ihm erzählt habe, dass ich Mittelalterdarsteller nur im Nebenberuf bin und eigentlich in einem Amt arbeite. Jetzt schildert er mir alle Arbeitsunfälle der Gegend, die in den letzten Jahren passiert sind. Oben angekommen, werd ich Stadtkind bis vor die Tür der Hütte gefahren und die beiden Bewohner freuen sich wie die Schnitzel, auch wenn es gerade nicht schneit. So, ausladen und dann gibt’s an Schnaps. Der Bauer ist einigermaßen vom Schlehenschnaps meiner Mutter begeistert und läd mich seinerseits auf eine Schnapsprobe im nächsten Jahr zu erm aufm Hof ein. Gut, ich oder der Schnaps meiner Mutter, oder beides, müssen doch tatsächlich einen ziemlichen Eindruck hinterlassen haben. (Der Schnaps meiner Mutter, ist auch ernsthaft ein schöner Titel für ein Buch!)

Der Bauer erklärt uns Stadtkinder die Gaslampe und fahrt dann mit dem Buben wieder ins Tal. Jetzt sind wir mutterseelen allein in der Wildnis. Die Erholung kann beginnen. Ich höre das Geräusch einer SMS. Hm. Wir haben doch Netz. Ja, Isoldes Handy schon. Meines nicht. Ich beschließe es auszuschalten. Meine Immer-wieder-Ex-Mitbewohnerin erwischt mich dabei, wie ich die ganze Hütte nach einer Steckdose absuche. Sie meint, dass da keine wären, sie hätte gestern schon alles durchsucht. Wir ratschen bis es richtig dunkel ist, dann machen wir das Gaslicht an. Ich bin jetzt die Gasbeauftragte hier auf der Hütte. Die Beiden erzählen mir von der letzten Nacht und sie geben zu, dass sie doch Stadtkinder sind. Da muss ich jetzt aber mal sagen, ich bin wesentlich näher an der Großen Stadt aufgewachsen, als die anderen Beiden, stelle mich aber in der Wildnis nicht ganz so blöd an. Gut, ich habe eine Axt mit auf die Hütte genommen, aber nur aus Prinzip, weil Hauptsache man hat ne Axt dabei. Wenn ich ehrlich bin, warte ich ja nur auf den irren Axtmörder um ihm einen Heiratsantrag zu machen. Wir kochen Rouladen. Ich bin jetzt auch Schnipselbeauftragte. Ich mache ein fast perfektes MORETVM, aber für die Jahreszeit war das MORETVM schon ganz in Ordnung. Aber finde du mal mitten im Winter mal frische Kräuter, die nicht aussehen wie obszöne Pilzgewächse. Ganz nebenbei spielen wir eine Runde Monopoly und nach dem Essen ‚Pflicht an der Wahrheit‘. Ein Mischung aus Wahrheit oder Pflicht und Flaschendrehen, nur ohne Flasche und ohne Drehen, dafür aber mit Würfel. Ich bitte nächtliche Anrufe zu entschuldigen, das war alles Bestandteil vom Spiel.

Irgendwann gingen wir dann schlafen und unsere Nachtruhe würde dann nur noch von Isoldes nächtliche Aktivitäten gestört.

Am nächsten Morgen waren wir dann erschreckend früh wach, wir machten Frühstück und stellten fest, dass unser Lachsfrühstück wohl des Nächtens von jemanden anderen gefressen wurde. Unser nächtlicher Besucher hatte sich durch unsere Vorräte gefressen und hatte auch nicht vor Plastikfolie zurückgeschreckt. Wir rätselten den ganzen Tag, wer oder was sich über unsere Vorräte hergemacht hatten. Isolde hörte überall Geräusche. Er behauptet steif und fest, es wären Ratten. Ich behaupte es war der gemeine Wolperdinger und meine Immer-wieder-Ex-Mitbewohnerin behauptet, dass der Hans in der Nacht hier rauf gekommen ist, um sich für den nächtlichen Anruf zu rächen und unsere Vorräte zu vernichten. Der vollgefressene Hans liegt jetzt irgendwo im Wald und rülpst Plastikfolie. Und deswegen die komischen Geräusche.

Nichts desto Trotz machen wir einen authentischen Wanderausflug. Wir machen voll authentische Überfallfotos. Gut, der Wikinger hätte nie einer Marketenderin aus dem 15. Jahrhundert überfallen können, aber wir wollen ja mal nicht so sein. Wir erschreckten auf dem Weg zurück zur Hütte noch ein paar Wanderer und dann rutschten wir mit IKEA-Säcken den Berg hinunter. Das sieht in mittelalterlichen Klamotten echt total bescheuert aus, macht aber einen riesen Spaß. Man muss nur schauen, dass man den Rock nicht unter den Sack bekommt, sonst haut es einen gewaltig aufs Maul. Und IKEA-Sackrutschen ist der erste Sport neben Sumo und Wettessen, wo Übergewicht ernsthaft von Vorteil zu sein scheint. Wir hatten einen Heidenspaß und kamen völlig durchgefroren in die Hütte zurück. Und jetzt begangen wir den schlimmsten Fehler, den wir je begehen konnten und ich tadle nochmal alle, die uns nicht vorgewarnt hatten. Wir bekamen das Munschkin-Fieber und spielten, selbst den unheimlichen Geräuschen und den noch unheimlicheren Stromausfall trotzend, die ganze Nacht. Es ist echt immer eine ganz komische Situation, wenn plötzlich das Licht ausgeht und alles Stock dunkel ist. Mit Gaslicht spielten wir die halbe Nacht. Am nächsten Morgen, aßen wir die Reste, putzen die Hütte und spülten das Geschirr. Mir dem Traktor ging es wieder runter ins Tal. Es waren nur ein paar Tage auf der Hütte, aber ich bin wirklich total entspannt, auch wenn ich kein Wort geschrieben habe, habe ich doch viele Eindrücke mitgenommen. Werd wohl die nächsten Tage ganz viele Berg, Wald und Schnee-Geschichten schreiben.

Seit dem ich wieder zurück bin von der Hütte, lassen mich die Berge nicht wieder los, ich hab Föhn und sehe von meinem Büro auf die Berge, die immer noch nach mir rufen. Habe mir überlegt, wie es ist allein auf der Hütte zu sein. Es ist unglaublich idyllisch dort und die Ruhe lässt einen tatsächlich entspannen, nur sobald man wieder in der Stadt ist, artet wieder alles in Stress aus. Laufe immer noch mit meinen Wanderstiefel rum, weil meine Stadtschuhe immer noch unter der Heizung stehen, sie haben den Hüttenaufenthalt nicht so sportlich überstanden, wie ich. Hm.

Die Weihnachtsfeiertage haben wir so entspannt wie möglich hinter uns gebracht und nun hat uns der Alltagsstress wieder. Freu mich schon aufs nächste Mal.

Der Untergang des römischen Reiches

Jakobsweg Zeitreise – Der Untergang des römischen Reiches

Der Weg war weit und es gab fast keinen Schatten, die Sonne brannte auf uns nieder…Wir liefen den langen steinigen Weg nach Neuhaus und jetzt wurde es richtig anstrengend. Die Hitze machte uns ganz schön zu schaffen, Hannas Füße und meine Waden hielten uns oft auf und wir dachten, wir kämen nie in Neuhaus an. Wir kamen an einem Ziegengatter vorbei und die Ziegen liefen uns entgegen und uns dann hinterher, als wir am Gatter vorbeiliefen. Vor uns kam ein Wasserschloss in Sicht und wir waren endlich in Neuhaus angekommen. Jetzt mussten wir einen richtig ätzenden Berg hinauf um zur Kirche zu kommen und wehe dem, der uns keinen Stempel gibt. Oben am Berg war keine Kirche, aber dafür ein Rathaus. Den jungen Standesbeamten störten wir in der Mittagspause, aber gab uns lächelnd einen Stempel, der erste Richtige übrigens. Der junge Mann mit dem Emo-Ohrring wünschte uns alles Gute und wir latschten den Berg wieder runter. Und jetzt bereute ich endgültig die Römersandalen angezogen zu haben. Runter ist nämlich viel schlimmer als rauf.
Ich machte mir ernsthaft Gedanken, wie die Römer mit diesem Schuhwerk über die Alpen kamen und dann noch ganz Europa unterjochen konnten, mit diesen Schuhen, selbst wenn sie nadelgebundene Socken gehabt hätten, hätten sie sich spätestens in Neuhaus die Waden rausgeschnitten. Bestimmt hatten die römischen Soldaten alle Plattfüße. Und ich denke nicht, dass die so schwere Kraxen hatten wie wir. Die hatten bestimmt Esel oder Sklaven, die ihr Zeug schleppten, weil so aufgepackt wie wir, wären die nie bis nach England gekommen.

Wir machten am Inn, in der Nähe vom Wasserschloss, Mittagspause. Ich war so im Arsch, dass ich nach dem Essen gleich eingeschlafen bin.
Da war so ein älterer Mann, der am Inn seine Gartenlaube hatte und er hatte uns schon beim Essen gestört und als ich dann später zu dem Schloss rüber ging, weil ich dort eine Nonne beobachtet hatte, hupte er mich an, als er mit seinem Moped an mir vorbeifuhr. Im Schloss war kein Kloster, sondern eine Maria-Ward-Realschule. Die Nonnen waren sehr nett und ließen mich meinen Wasserschlauch auffüllen, aber eine Unterkunft konnten sie uns leider nicht geben. Aber der alte Mann, bot uns gleich an, wir könnten ja in seinem Garten zelten. Wir lehnten dankend und verschwanden schneller als wir angekrochen kamen.
Ein Stück weiter war der Zulauf von der Rott in den Inn und in den Auen dieses Deltas (grins) beschlossen wir in einer Sandsenke unser Zelt aufzustellen. Liebes Dschungelcamp, wir haben extra im Dreck geschlafen, weil wir nicht im Dschungelcamp schlafen wollten, weil es uns zu unauthentisch war. Außerdem hätte es was gekostet, es war zwar keiner da, aber erwischt werden wollten wir auch nicht.
Also versuchten wir mitten am Strand von der Rott eine Dackelgarage aufzubauen, was uns nicht wirklich gelang. Könnte auch daran liegen, dass wir von den nur 4 Heringen, bereits einen in Passau in meinem Auto verloren hatten und selbst, wenn wir den 4. noch gehabt hätten, dann wäre es auf dem Sandplatz nicht besser gegangen.
Zum Glück bin ich bei der Bundeswehr, wegen meiner Konservierungsmittelallergie nicht genommen worden, die hätten mich spätestens nach dem ersten Dackelgaragenaufbau unehrenhaft entlassen….
Auch wenn ihr es nicht wissen wollt, ich muss es schreiben. Ich hatte meinen ersten Freiluftschiss meines Lebens zwischen zwei Sanddünen am Zulauf von der Rott zum Inn. Ich mache seit 9 Jahren Liverollenspiel und bin seit 3 Jahren jedes verdammte Wochenende in der Saison auf einem Mittelaltermarkt, aber ich habe echt noch nie im Freien geschissen. Ja, gut ich bin ein Heimscheißer, jetzt ist es raus.
Natürlich habe ich meine Hände gewaschen, bevor ich ein wunderbares MORETVM zubereitete, das MORETVM ist auch die einzige Erklärung, warum die Römer es bis England schaffen hätten können. Es war auch ohne der Zutat X aus dem Vereinsheim und ohne Öl ein Hochgenuß. Da ist so viel Knoblauch drin, dass sie auf ihren Sandalen bis England geflogen sein müssen. (Habe im Übrigen vergessen zu erzählen, dass wir im Vereinsheim bei der Volksküche eines der perfektesten MORETVMe im Dies- und Jenseits gefertigt hatten, mit dem wir dann beinahe den Moses umgebracht hätten. Als Knoblauchallergiker wäre er im Römischen Reich nicht besonders weit gekommen.)
Bis wir beide endlich in der Dackelgarage zum Schlafen eingeparkt hatten, ist auch einmal das Zelt über uns zusammengebrochen, aber ansonsten hielt es stand.
Nachdem wir so fertig waren, von der anstrengenden Etappe, waren wir echt froh, endlich im Deckenschlafsack zu liegen und sich einfach mal nicht bewegen zu müssen.
Die Reifenspuren oben auf der Düne hatte ich bei der Anreise kaum beachtet und hab sie auch ehrlich gesagt völlig vergessen. Ich schlief schnell ein. Ich hatte beim Bettenbau auch extra die Felle weiter auseinander gelegt, damit ich nicht wieder im Dreck liegen muss, weil heute Nacht braucht mein Kreuz eine warme, weiche Unterlage.
Ich schlief tatsächlich gleich ein, bis ich mitten in der Nacht zwischen den zwei Fellen aufwachte. Wie mans macht, macht mans falsch. Ich gab es schließlich irgendwann auf warm und weich zu liegen, weil ich mich im Deckenschlafsack verklemmt hatte.

Das mysteriöse Verschwinden…

Das mysteriöse Verschwinden sämtlicher Kugelschreiber…
oder warum manche Menschen Fläschchen mit Kindersicherung nicht aufkriegen.
Es gibt Menschen, die haben Glück im Spiel und Pech in der Liebe. Okay, ich oute mich jetzt mal. Ihr wisst es ja, ich habe verdammt viel Glück im Spiel (außer Lotto, natürlich!) und scheiße nochmal, Pech in der Liebe. Ich geht sogar soweit, dass meine (anscheinend negative) Ausstrahlung Lavendel und Mimosen negativ beeinflusst. Die gehen bei mir immer ein, sowas aber auch. Nur Kakteen und Pflanzen, die Botaniker als Unkraut bezichtigen würden, wachsen bei mir wie verrückt und kriegen Ableger ohne Ende. Mein Hang zu hässlichen Auto erkläre ich damit, dass ich schöne Dinge wahrscheinlich eh nur kaputt machen würde. Ich traue mich schon gar nicht mal an ein Haustier zu denken. Weil sogar die Kleidermotten verrecken in meinem begehbaren 2-Zimmer-Kleiderschrank, weil sie die Vorstellung im Paradis zu sein nicht überleben. Hm. Dabei will ich unbedingt einen Dackel, weil ich Dackel echt toll finde. Auch wenn kein Mensch Dackel toll findet, gut Anhänger des Volksmundes vielleicht. Ich finde Dackel toll, weil sie die einzig wahren deutschen Dachsschlächter sind. (Himmel, ich bin ein Dackelnazi!) Und nachdem ich immer noch keinen Dackel habe, habe ich meinen Laptop ‚Dachsschlächter‘ getauft und mein Dachsschlächter wird dieses Monat 1 Jahr und ich habe ihm einen Aufkleber geschenkt, mit der Aufschrift: ‚Holy Shit!‘ (Schleichwerbung für meinen Tätowierer) Ich schweife irgendwie schon wieder ab…
Ich wollte noch vom Ziegen züchten und vom Kräuter garteln erzählen, auch so ein Traum von mir. Aber irgendwann steige ich aus und kauf mir eine Berghütte (weil zu einem Bauernhof, wird mein nicht vorhandenes Vermögen nicht ausreichen!) und werde mir einen phantasmagorischen Kräutergarten anlegen und Ziegen züchten. Dann werde ich Ziegenkäse herstellen und alle Menschen solange mit meinem MORETVM quälen, bis sie keinen Bresso mehr kaufen. Dafür werde ich die Menschheit zu einen geschmacklichen Orgasmus nach dem anderen verführen, den eigentlich schon die Römer erfunden haben und dann im Endeffekt von den Franzosen geklaut worden ist und jetzt in einer abgespackten Version als Bresso verkauft wird. Und von Bresso kriegt man definitiv keinen Geschmacksorgasmus, nichtmal nach einer Fastenkur.
Wenn der Mensch keine Träume hätte, würde er sich gar nicht bewegen. Also werde ich weiter ackern für meine Ziegenzucht. Bis es soweit ist, würde ich mich abundzu mal darüber freuen, wenn sich die allgemeingültigen Sprichwörter mal bei mir umkehren würden, dann kriege ich vielleicht auch mal kleine Fläschchen mit Kindersicherung auf, oder habe dann jemanden, den ich wegen sowas anrufen kann, damit mich mein Traumprinz rettet und mir meine Rosmarinöl aufmacht, weil ich zu blöd dazu bin. Und falls das Universum mir weiterhin ans Bein pissen will, wäre es schön, wenn ich wenigsten abundzu einen Kugelschreiber finden würde, wenn ich eine zündende Idee habe. Soviel Förmchen und kein Sand…
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