Gratisurlaub im Ferienresort Ahrenschwamm

Gratisurlaub im Ferienresort Ahrenschwamm

bruce-willis-as-korben-dallas-in-the-fifthFür Ende April ist das Wetter herrlich als Sie zum Briefkasten lief und ihr Staunen war noch viel großer wie die Freude über das schöne Wetter, als Sie einen Brief aus ihrem Briefkasten fischte. ‘Herzlichen Glückwunsch! Gemini Kroketten präsentiert, der Wellness-Abenteuer-Urlaub 2015! Sie haben einen 5 Tages-Wellness-Abenteuer-Urlaub im Ferienresort Ahrenschwamm gewonnen.’

Sie konnte sich zwar nicht erinnern, bei einem Preisausschreiben mitgewirkt zu haben und es ging bereits morgen los. Ihr Arbeitgeber genehmigte seltsamerweise den telefonischen Urlaubsantrag umgehend. Normalerweise wäre Sie an diesem Punkt schon reichlich misstrauisch geworden, aber einem geschenkten Gaul schaute man bekanntlicherweise nicht ins Maul.

Sie packte ihre 7 Sachen und fuhr mit ihrem Wagen in die weite Welt hinein. Die zirka vierstündige Anreise ging schneller vorbei als Sie gedacht hatte, doch zum Ende hin schien ihr Navi seinen Dienst nun völlig eingestellt zu haben. Geschenktes Zubehör fürs Motorgaul sollte man vielleicht doch ins Maul schauen. Sie musste sich auf die Beschilderung verlassen und wunderte sich reichlich über die ansässigen Firmen. Die Firma Gemini Kroketten schien hier der einzige Arbeitgeber zu sein. An diesem Punkt hätte Sie wirklich erkennen müssen, dass irgendwas nicht stimmte, vorallem weil Sie ihren Multipass nicht eingesteckt hatte!

Am Ende der Straße ging es in eine tiefe, tiefe Schlucht und eine ziemlich runtergekommenes Schild wies in Richtung Ferienresort Ahrenschwamm sponsort by Gemini Kroketten. Rechts ging es in ein fast zur Perfektion neigendes Sumpf-Boot-Camp, das sah noch weniger einladend aus, als die Schlucht zum Ferienresort. Links ging es ins Feuchtbiotop – Nirvana- und irgendwo hinter dem Feuchtbiotop sah Sie tatsächlich den Widderhirten von Erebor, wie er mit einem enormen Bären tanzte.

Und als Sie sehnsüchtig in den Rückspiegel blickte, sah Sie ein beleuchtetes Schild Richtung Segema Beach sponsort by Big Kahuna Burger. Eine glockenhelle Stimme in ihrem Kopf flötete ihr von innen ins Ohr: ‘Big Kahuna Burger, so eine Chance bekommst du nie wieder! Big Kahuna Burger!’

Aber der Urlaub ist doch gratis! Das da irgendwas nicht stimmen könnte, kam ihr wirklich nichtmal in den Sinn und selbst als ein buckliger, zu Glatze neigender blonder Mann singend über die Straße lief und die glatte Steinwand der Schlucht hinauflief.

Sie folgte weiter der Beschilderung und kam schließlich an einem runtergekommen, windschiefen Häuschen an und wurde von den Hotelmanagern in Empfang genommen, die sich dann später als Köche und Hausmeister entpuppten. Sämtliche Animateure waren damit beschäftigt ihre nassen Schuhe vor dem Ofen umzudrehen.

2410840627_31955fb478Deshalb musste Sie das Gepäck völlig alleine in das völlig unterkühlte Zimmer bringen. Als Sie bei der Gelegenheit am Küchenfenster vorbeilief, stand plötzlich eine Katze vor ihr, die verdächtig so aussah wie Adolf Hitler. Schreiend sprang Sie zur Seite und stolperte fast über eine Jutetüte mit erstmal nicht zu erkennenden Inhalt.

Völlig außer sich lief Sie zu ihrem Auto und schrie: ‘Der Kitler, er ist wieder da!’

Warum hatte Sie nur so viel Zeug mitgenommen? Als Sie daraufhin wieder am Küchenfenster vorbei lief, war der Kitler auf die gleiche mysteriöse Weise verschwunden, wie er vorhin aufgetaucht war und der Inhalt des biologisch abbaubaren Jutesackerls war über den ganzen Weg verstreut und bei dem verstreuten Gut handelte es sich um eine Großfamilienpackung Kondome verschiedenster Marken und Größen und einen nicht weiter genannten Pornofilm.

Bis Sie nun endlich den Wageninhalt auf ihr Zimmer gebracht hatte, fiel ihr auf, dass jedes Mal wenn Sie am Küchenfenster vorbeilief, ein paar der Kondome fehlten, bis am Ende nur noch die PornoDVD im Dreck lag. Ungesehen steckte Sie die DVD ein und ging in den Aufenthaltsraum und harrte der Dinge, die da noch kommen würden.

Kommen Sie nach Ahrenschwamm haben Die gesagt, ein 5-Tages-Wellness-Abenteuer-Urlaub für Lau haben Die gesagt. Das es von den 5 Tagen Urlaub gefühlte 7 Tage Regenwetter haben würde, hätte ja auch nie einer gedacht.

Sie hatte wirklich alles eingepackt, vorallem reichlich Sinnfreies, nur nicht die Gamaschen, die hätte Sie auch wirklich gut gebrauchen können, aber die Gamaschen lagen immer noch zu Hause auf der Anrichte und hatten bis zum heutigen Tage keinen einzigen Tropfen abbekommen.

Und die einzige Wellnessmaßnahme in diesem Gratisurlaub war aufgrund der fehlenden Gamaschen Angezogenkneipen. Das muss der allerneuste Schrei sein. Eines musste man ihren Schuhen allerdings zu Gute halten, die haben sich wirklich wacker geschlagen, bei der Regen-Matsch-Plörre da draußen im Ahrenschwamm an der Ahnenklamm, oder so.

Im nahegelegenen BootCamp kämpfte die Perfektion im strömenden Regen mit den anderen Insassen, die nach ein paar Tagen, alle so aussahen, als wären sie aus dem Sumpf gekrochen, gegen den Rest der Welt. Nur der leichte Chlorgeruch ließ hoffen,dass da irgendwo vielleicht doch ein beheiztes Schwimmbad mit einem gutaussehenden Bademeister sein könnte.

Immer der Nase nach hatte ihre Großmutter schon immer gesagt, aber den Bademeister musste Sie wohl knapp verpasst haben.

Ein eher ruppiges Roarrrrrr riss Sie aus ihren feuchten Träumen und als Sie sich wieder versah stand Sie unter der Dusche mit einem nicht ganz so haarigen Wookiee.

So wie bei jedem Urlaub, endet er dann, wenn es am Schönsten ist und am Ende kann man sich an die Namen der Urlaubsbekanntschaften nicht mehr erinnern.

Die vierstündige Heimreise endete nach 8 Stunden, als Sie spät Nachts endlich zu Hause ankam und sich so vorkam, als hätte Sie jeden Stau zwischen dort und hier mitgenommen und als wäre in der letzten Nacht nicht nur ein Wookiee mit ihr duschen gewesen.

Zuhause packte Sie ihre sieben Sachen wieder aus und plötzlich hatte Sie die PornoDVD in Händen. Sie hatte ganz vergessen, dass Sie die DVD eingepackt hatte, nachdem warum wollte Sie gar nicht mehr fragen.

Sie las erst die Rückseite: ‘Strohrum auf dem PickupTruck! Jenny Bolero spricht nicht nur ihre Dialoge selbst, nein sie zeigt uns auch, wo das Stroh rum liegt. Ob Mösenmaske, Fickfuß oder Penishöschen – für die reibungslose Handhabung wird gesorgt’

Als Sie die DVD Hülle umdrehte, verdrängte Sie das Titelbild bereits bevor Sie es erblickte. Die DVD verschwand in ihrem Schrank, in dem Sie die Verblüten der Pornoindustrie aufbewahrte.

So long und bis zum nächsten Gratisurlaub, das Ferienresort Ahrenschwamm

P.S. Ähnlichkeiten mit bekannten Personen und/ oder Begebenheiten sind völlig unbeabsichtigt und daher völlig unmöglich. Sämtliche Handlungstränge sind frei erfunden, es wurde ziemlich Vieles hinweggelassen und Einiges hinzugefügt. Nix für unguat!

P.P.S. Ob ein Urlaub auf Segema Beach besser gewesen wäre, aber das Träumen von einem Big Kahuna Burger sei erlaubt, bekommen wird Sie ihn nie…May the 4th be with me!

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Flug 2112: Gewinn ins Paradies

Flug 2112: Gewinn ins Paradies

Ich konnte mich gar nicht daran erinnern, in letzter Zeit bei einem Preisausschreiben mitgemacht zu haben. Aber ich bin unterwegs zum Flughafen. In meinem Koffer habe ich Sonnencreme und den perfekten Badeanzug, für den nicht ganz so perfekten Körper.

Beim Check-In zum Flug 2112 fallen mir die gelben Kreise an der Wand kaum auf. Ich muss auch kaum anstehen. Mein Gewinnschein macht mir den Weg frei.

Ich bin ja auch noch nie erste Klasse geflogen. Macht keinen großen Unterschied zu sonst. Die Portionen sind mikroskopisch klein, aber dafür hat man mehr Platz zum Sitzen. Die weiblichen Saftschupsen sind noch eingebildeter und die männlichen Saftschupsen spielen Schwule im Weltall.

So lange wird der Flug ins Paradies schon nicht dauern!? Man kann kaum glauben, dass ein Abstecher zum Mond, weniger Zeit in Anspruch nehmen würde, als ins Paradis zu kommen…

Endlich am paradiesischen Flughafen angekommen, komme ich mir nicht nur vor wie Korben Dallas, ich suche auch völlig paranoid nach den gelben Kreisen, die hier komischer Weise nicht sind. Ich kann mich wage an die gelben Kreise am Flughafen München erinnern. Bruce Willis Tagträume hatte ich doch schon lange nicht mehr…

Ich werde von folkloristischen Einheimischen zum Hotel gefahren und genauso wie die Zeit im Flieger nicht vergangen zu sein schien, ist sie hier wohl gänzlich stehen geblieben. Palmen über Palmen und kleine bunte Hütten mit Strohdächern.

Eine Mischung aus Jet-Leg und außerkörperlicher Nahetoderfahrung lässt mich das Erreichen des Hotelkomplexes nur körperlich wahrnehmen. Ich werde auf mein Zimmer gebracht. Dort muss ich gefühlte zwei Tage meines Urlaubs verschlafen haben. Weil genauso ausgekotzt fühle ich mich in dem Moment als ich wach wurde. Ich kann den Fruchtteller neben meinem Bett riechen, noch bevor ich versuche die Augen aufzuschlagen. Verdammt nochmal, ich hätte es nicht tun sollen, die grelle Fratze brennt mir schier die Augen aus. Der stechende Schmerz der sich zwischen meinen Ohren ausbreitet, kann nur mit dem Kopf unter dem Kissen gelindert werden. Es klopft an der Tür.

‚Roomservice, Miss Dallas!‘ Ohne auf eine verbale Regung meinerseits zu warten, wird die Türe aufgerissen und Miss Roomservice watschelt ins Zimmer. Ich komme mir schier vergewaltigt vor, so wie morgens um 6.30 Uhr im Krankenhaus, wenn die Putzleute durchs Zimmer wienern und versuchen den Krankenhausbakterien Herr zu werden. Dann wird einem das Frühstück vor die Nase geschoben, dabei könnte man noch 4 Stunden einen komatösen Schlaf haben, wenn man nicht schamlos geweckt worden wäre.

So schnell wie Miss Roomservice gekommen war, war sie auch wieder verschwunden. Der Duft einer Tasse schwarzen Tees kriecht mir in die Nase. Ich mache nur ein Auge auf und bete inbrünstig. ‚Bitte kein Earl Grey, Bitte kein Earl Grey!‘

Auch wenn der gehörnte Hirschgott hier nicht wirklich heimisch ist, hat er doch meine Gebete erhört und mir einen richtigen schwarzen Tee geschickt, ohne Aroma oder ohne sonstigen Räucherrückständen.

Ich schließe mein Auge wieder und denke inbrünstig: ‚Ich will einen Dackel, ich will einen Dackel, ich will einen Dackel‘

Nachdem ich meine Wünsche für heute wohl schon verbraucht habe, stehe ich auf, kippe den gesamten Zucker in den Tee und tappe ins Bad. Duschen. Anziehen. Tee trinken und aus dem Zimmer. Keine gelben Kreise ersichtlich. Gut, erst mal zur Rezeption. Ich wurde tatsächlich als Miss Korben Dallas eingecheckt und nachdem ich meinen Multipass nicht finden kann, bleibe ich halt Miss Korben Dallas und schau mal, ob ich Mister Korben Dallas irgendwo an der Bar finden kann. Hm.

Ich laufe geschlagene 2 Stunden durch die Anlage, ich habe alle Bars gefunden, aber Mister Korben Dallas war leider nicht aufzutreiben. Als ich an der VIP Lounge vorbei latsche, wird mir die Tür geöffnet und ich wandle nun tatsächlich im Paradies. Auf frischen, feuchten Moos geht es zum Strand hinunter. Überall kleine Sitzgelegenheiten unter großen Schirmen oder zwischen Hecken aus Pflanzen, die ich nur völlig verkümmert und viel kleiner aus dem Büro kenne.

Ich werde zu meinem Liegestuhl gebracht und wenig später bekomme ich einen Schirmchendrink gereicht. Wo die hier Holundersirup her haben, weiß ich nicht, aber mein Cocktail ist herrlich erfrischend. Ich lege mich wieder hin und nicke ein, bis mich Stimmengewirr aus meinen verwirrten Träumen riss.

Hinter der nächsten Hecke sind auch ein paar Gäste. Sie reden Englisch und die Stimmen kommen mir merkwürdiger Weise sehr bekannt vor. Ich schleiche näher an die Hecke und kann nur durch das Dickicht linsen, weil ich ein paar Zweige zur Seite halte. Ich sehe das Seitenprofil eines Mannes mit Sonnenbrille und Tolle und blicke einer gutaussehender blonden Frau mit Sonnenbrille entgegen, die Marilyn Monroe verteufelt ähnlich sieht. Sie schlürfen auch an Schirmchendrinks und sonnen sich. Der Mann mit der Tolle summt grummelnd eine Melodie: ‚Love me, Tender!‘

Ich presse meine Hand vor den Mund und versuche mich schnell zu beruhigen. ‚Ich kann tote Menschen sehen!‘ kam es mir doch über die Lippen und natürlich kann ich auch meinen Atem sehen. Auf allen Vieren krieche ich die Hecke entlang, bis ich am Ende meiner Hecke im Sand ins Straucheln komme. Als ich wieder aufblicke, sehe ich in meinen Augenwinkeln einen weißen Mann mit schwarzen Haar und weißen Handschuhen, der im Sand sitzt und eine Sandburg baut. Michael Jackson hat sichtlich Freude dabei seine Nimmerland Ranch in Sand nachzubauen, als ein kleiner Mann in Safarihosen über die Sandburg trampelt. Michael Jackson stürzt sich schreiend auf… Adolf Hitler und wird samt Schnauzer und Seitenscheitel unter den Überresten von Nimmerland begraben. Das Erschreckende daran ist nicht, dass Hitler und Jackson noch leben, oder dass ich vielleicht mitten in der Jahreshauptversammlung des Weltverbands Doppelgänger mysteriös verstorbener Berühmtheiten e.V. gelandet bin. Nein. Die beiden Haben einen Mords Spaß dabei. Sie Lachen. Adolf hat Sand in den Mund gekriegt und pustet lachend.

Ich höre wie vor mir etwas in den Sand fällt. Aufgeregtes Bellen und ich fresse ebenfalls Sand als ein Schäferhund vor mir einen Gegenstand aus dem Sand schnappt und wieder davon rennt. Ich konnte die Hundemarke gerade noch lesen, bevor mir der Sand die Sinne verschleiert hatte: ‚Blondie 5.0!‘

‚Brrings Stöckchen!‘ Ich kotze Sand auf den Boden, schüttle meinen Kopf und blicke in Richtung des Mannes, der diesen Satz befehligt hatte. Dr. Mengele nimmt Blondie den Stock ab und wirft und der blöde Stock kommt wieder in meine Richtung. Ich weiche zurück, bevor mich noch der Stock erschlägt. Der vor mir gelandete Stock entpuppt sich auch eh als menschlicher Oberschenkelknochen. Neben Dr. Mengele kann ich zwei Frauen in Richtung Meer laufen sehen. Eine davon ist Eva Braun. ‚Magda warte, ich komme mit!‘ Ich wäre nie auf die Idee gekommen, mir je träumen zu lassen, zu behaupten das Goebbels in Badehosen echt bescheuert aus sieht. Aber als er mit den Worten: ‚Uropa, schau mal!‘ einen Wasserball ins die Fresse bekam und ins Wasser stürzte, konnte ich mein Lachen nicht mehr unterdrücken.

Osama Bin Laden rennt an mir vorbei mit deinem Federballschläger in der Hand. Und Che läuft ihm hinterher. Ich schüttle den Kopf. Weil Che würde doch nicht mit Osama Bin Laden Federball spielen. Nein. Tut er auch nicht, sie Spielen ein Doppel mit Saddam Hussein und Leni Riefenstahl. Ich glaub mir wird jetzt endgültig schlecht. Und J.F.K und Jürgen Möllemann spielen Schach, oder wie? Nein, J.F.K spielt mit Uwe Barschel und Möllemann liest die Bild. Ich bekomme Kopfschmerzen.

Kurt Cobain steht hinter der Bar und mixt antialkoholische Drinks für Lady Di. Ich werde nicht nur wahnsinnig, ich bin es schon. Himmel, was für Drogen waren in meinem Drink, vielleicht kann mir Curt Kobain da Auskunft geben. Ich hole meinen Drink und gehe an die Bar. Lady Di lächelt mich an, als sie an mir vorbei geht. Sie hat auch so ein All – Inklusive Bändel am Handgelenk, wie ich.

Kurt Kobain wird von Heath Ledger abgelöst. Auch gut. Mister Korben Dallas werde ich hier wohl nicht finden. Bruce Willis wird bestimmt noch 100 Jahre alt.

Mir klopft jemand auf die Schulter. Ich drehe mich um, und werde von Falco zur Seite geschoben. Er führt Jopie Heesters an seinen Platz neben Heinz Rühmann und Heath Ledger serviert ihnen frischgepressten Melonensaft. Die beiden alten Säcke machen Witze über Adolf Hitler.

‚Wie er sich von dem ’schwarzen‘ Mann wieder unterbuttern lässt. Hehehe!‘

‚Ja, er hat doch schon immer seine Gewinnchancen maßlos unterschätzt!‘

Sie kommen mir so vor wie die beiden alten Säcke Waldorf und Statler aus der Muppet Show. Bevor jetzt noch Rasputin und Attila eine Latte Macchiato bestellen, ist es besser, wenn ich einfach tot umfalle. Einen Herzinfarkt vortäuschend, denke ich darüber nach, ob ich vielleicht doch diesen Gewinn ‚Erholungsurlaub im Paradies‘ mit der Kreuzfahrt auf dem Eisbrecher nach Grönland und ein paar wunderschöne Moonboots eintauschen hätte sollen. In Grönland bekommt man bestimmt nicht einfach so harte Wahnvorstellungen von toten Menschen.

‚Nein, Rasputin ist nicht Tod, junge Dame! Auf den Warten wir schon eine sehr lange Zeit.‘ sagt Judas zu mir. Ja, Judas. Ich muss schon tot sein und zur Hölle gefahren sein. ‚Ja, du bist in der Hölle, aber nicht tot! Ungläubige! Das Fegefeuer für die Christen ist im Keller, die wollen das so!‘ Judas lacht ziemlich dreckig und machte eine entschuldigende Geste für den kleinen Witz, den er sich ja anscheinend nicht verkneifen konnte.

‚Und was macht Saddam Hussein und Osama Bin Laden dann hier. Die müssten doch mit ihren 72 Jungfrauen im Himmel sein.‘

‚Die beiden machen hier Urlaub, so wie du!‘

‚Und was ist mit dir, Judas.‘

‚Hafturlaub. Super Ferienjob hier! Noch ein neues Handtuch, Miss Korben Dallas.‘ meinte Judas und drückt mir ein gerolltes Handtuch in die Hand. Ich rolle es auf und mein Multipass fällt aus der Rolle. Miss Korben Dallas – Multipass. Ich schreie drei mal Grönland…

Kalter Wind prescht mir ins Gesicht. Bei meinem nächsten Atemzug kleben meine Nasenlöcher zu. Ein komisches Gefühl, wenn die Nasenlöcher zusammen gefrieren. Ich stehe am Bug des Eisbrechers Rasputin und frage mich gerade in welchen Berufen man Geschäftsreisen nach Grönland unternehmen kann. Ich breite meine Arme aus und schreie laut: ‚Elvis lebt und ist der König der Welt. Willkommen im Wahnsinn, schöne Weihnachten, an guten Rutsch, alles Gute zum Geburtstag und frohe Ostern.‘

Es ist nicht tot, was ewig liegt, bis dass die Zeit den Tod besiegt…

Voll auf die zwölf

Voll auf die zwölf

bruce-willis-as-korben-dallas-in-the-fifthIch komme in die Arbeit und nach dem ich meine Stempelkarte immer noch nicht gefunden habe, freue ich mich schon riesig darauf mich gleich wieder mit unserem Empfangsroboter aus alten Stasibeständen auseinander setzten zu müssen. Es ist alles dunkel, es muss ganz schön früh sein. Ich höre meinen Chef schon sagen: ‚Frau Rösner, sind Sie aus dem Bett gefallen?‘ Gedankenversunken komme ich ins Foyer. Ich bemerke nicht die orangeroten Warnleuchten, wie im guten alten Aliens-Film. Ich schrecke erst aus meinen Gedanken, als ich das unmißverständliche Warngeräusch einer schließenden Außenlucke in einem Raumfrachter höre: ‚Öööööööööööhnnnnnnnt! Ööööööööhnnnnnnnnnt!‘

Ich warte auf die automatische Selbstzerstörungssequenz. Hm. Nichts. Als ich zur Stempeluhr gehen will, renne ich gegen irgendwas und pralle mit meinem Gesicht von etwas ab. Ich falle aber nicht um, weil ich mit dem Rücken von etwas aufgefangen werde. Ich freue mich schon auf die Aliens.

‚Die Hände an die Wand!‘

Okay, es ist Starship Troopers, hurra, ich bin kurz davor mir mein Shirt vom Körper zu reißen und den Bugs meine Tätowierung zu zeigen.

‚Legen Sie die Hände in die gelben Kreise!‘

Ja, strike und ich habe zwar meinen Multipass nicht dabei, aber das wird Bruce Willis schon nicht stören, heute muss mein Glückstag sein, dabei bin ich doch noch gar nicht an meinem Adventskalender. Hm.

‚Legen Sie sofort die Hände in die gelben Kreise!‘

Das Licht ist zwar an, aber ich erkenne immer noch nicht so recht, wer oder was hier die Sonne verdunkelt. Ich kucke nach oben und reibe mir den Kopf. Ich bin umkreist von mehreren archaischen Hünen in kackisenfblähfarbenen Uniformen und ihre kantigen Gesichter schauen mich ernst an. Ihre Köpfe sind gekrönt von rot besternten Pelzmützen und auf meiner Augenhöhe sind ca. 12 durchtrainierte Brustmuskeln, die mich irgendwie auch finster anstarren. Gegen eine von diesen steinharten Mannermöpsen bin ich wohl vorhin gelaufen. Dann erkenne ich erst. Hilfe, die Russen sind da. Die Stasi ist wohl von den Russen übernommen worden. So ein Mist, ich wusste nicht, dass die europaweiten Ausschreibungen in deutschen Ämtern auch nach Mütterchen Russland gehen. Was machen die nur für einen Aufstand, ich will nur einstempeln und dann meinen Dienst tun. Der Staatsdienst wird auch immer gefährlicher.

‚Legen Sie sofort die Hände in die gelben Kreise, oder sonst!‘

Als mir eine Kalaschnikow an den Kopf gehalten wird, sehe ich an der Stelle, an der eigentlich die Stempeluhr sein sollte, zwei gelbe Kreise. Ich werde unsanft an die Wand geschoben.

‚Beine auseinander!‘ (RRR)

Nachdem ich immer noch total perplex bin, reagiere ich nicht gleich und einer der riesigen Russen drückt mir mit seinem Knie die Beine auseinander. Irgendwie finde ich es ziemlich scharf, wenn die Wachposten mich jetzt jeden Tag an die Wand stellen, um mich erst mal ordentlich zu durchsuchen, dann hätte ich da bestimmt meine Freude dran. Warum ist eigentlich nie jemand da, der mir auf die Finger haut, wenn ich schmutzige Gedanken habe. Ich werde ziemlich grob durchsucht und dabei hält mir einer weiterhin seine Kalaschnikow gegen die Schläfe.

So eine Scheiße, er hat die Sicherung noch drin, böser Fehler. Nichts ist gefährlicher als eine gesicherte Kalaschnikow, das kann echt ins Auge gehen und bei meinem Glück wahrscheinlich in Meines. Ich finde es trotzdem ziemlich geil.

Können Sie sich ausweisen?!‘ fragt mich der wachhabende Offizier.

‚Ja und nein!‘ stottere ich.

‚Wollen Sie mich verarschen!?‘ Ich finde es total scharf, wenn dieser Offizier seine Fragen in der Befehlsform stellt. Mir stellen sich die Nackenhaare auf.

‚Ich kann mich als deutscher Staatsbürger ausweisen, aber nicht als Staatsdiener, weil ich meinen Multipass …äh… meine Stempelkarte verlegt habe!‘ stammle ich so vor mich hin. Dann habe ich eine geniale Idee. ‚Vielleicht sollten Sie mich nochmal auf Herz und Nieren durchsuchen, weil ich so ein unartiges Mädchen bin, vielleicht habe ich ja meine Stempelkarte in meiner Unterw…!‘

‚Himmel, Frau Rösner. Sie sollen doch nicht mit dem Wachpersonal spielen. Lassen Sie die Herren ihre Arbeit machen und machen Sie ihre Arbeit!‘ mein Chef steht in der Tür und blickt mich finster an. Er hat aber auch immer ein beschissenes Timing und er gönnt mir aber auch wirklich keinen Spaß. Hm. Widerwillig folge ich meinem Chef zum Aufzug. Im Aufzug betretenes Schweigen, bis mein Chef das Wort ergreift. ‚Frau Rösner, meinetwegen können Sie außerhalb ihrer Dienstzeit mit dem Wachpersonal spielen!‘ Dann grinst er mich ziemlich komisch an. Die Türen des Aufzugs gleiten auf und ich wache auf. Was für eine Scheiße habe ich denn da wieder geträumt. Himmel, es ist Samstag. Bine, du musst am Samstag noch nicht arbeiten. Ich drehe mich nochmal um und hoffe, dass ich nochmal von den Russen durchsucht werde und wir dann beim Paragraph 78 spielen nicht gestört werden.

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