Der Untergang des römischen Reiches

Jakobsweg Zeitreise – Der Untergang des römischen Reiches

Der Weg war weit und es gab fast keinen Schatten, die Sonne brannte auf uns nieder…Wir liefen den langen steinigen Weg nach Neuhaus und jetzt wurde es richtig anstrengend. Die Hitze machte uns ganz schön zu schaffen, Hannas Füße und meine Waden hielten uns oft auf und wir dachten, wir kämen nie in Neuhaus an. Wir kamen an einem Ziegengatter vorbei und die Ziegen liefen uns entgegen und uns dann hinterher, als wir am Gatter vorbeiliefen. Vor uns kam ein Wasserschloss in Sicht und wir waren endlich in Neuhaus angekommen. Jetzt mussten wir einen richtig ätzenden Berg hinauf um zur Kirche zu kommen und wehe dem, der uns keinen Stempel gibt. Oben am Berg war keine Kirche, aber dafür ein Rathaus. Den jungen Standesbeamten störten wir in der Mittagspause, aber gab uns lächelnd einen Stempel, der erste Richtige übrigens. Der junge Mann mit dem Emo-Ohrring wünschte uns alles Gute und wir latschten den Berg wieder runter. Und jetzt bereute ich endgültig die Römersandalen angezogen zu haben. Runter ist nämlich viel schlimmer als rauf.
Ich machte mir ernsthaft Gedanken, wie die Römer mit diesem Schuhwerk über die Alpen kamen und dann noch ganz Europa unterjochen konnten, mit diesen Schuhen, selbst wenn sie nadelgebundene Socken gehabt hätten, hätten sie sich spätestens in Neuhaus die Waden rausgeschnitten. Bestimmt hatten die römischen Soldaten alle Plattfüße. Und ich denke nicht, dass die so schwere Kraxen hatten wie wir. Die hatten bestimmt Esel oder Sklaven, die ihr Zeug schleppten, weil so aufgepackt wie wir, wären die nie bis nach England gekommen.

Wir machten am Inn, in der Nähe vom Wasserschloss, Mittagspause. Ich war so im Arsch, dass ich nach dem Essen gleich eingeschlafen bin.
Da war so ein älterer Mann, der am Inn seine Gartenlaube hatte und er hatte uns schon beim Essen gestört und als ich dann später zu dem Schloss rüber ging, weil ich dort eine Nonne beobachtet hatte, hupte er mich an, als er mit seinem Moped an mir vorbeifuhr. Im Schloss war kein Kloster, sondern eine Maria-Ward-Realschule. Die Nonnen waren sehr nett und ließen mich meinen Wasserschlauch auffüllen, aber eine Unterkunft konnten sie uns leider nicht geben. Aber der alte Mann, bot uns gleich an, wir könnten ja in seinem Garten zelten. Wir lehnten dankend und verschwanden schneller als wir angekrochen kamen.
Ein Stück weiter war der Zulauf von der Rott in den Inn und in den Auen dieses Deltas (grins) beschlossen wir in einer Sandsenke unser Zelt aufzustellen. Liebes Dschungelcamp, wir haben extra im Dreck geschlafen, weil wir nicht im Dschungelcamp schlafen wollten, weil es uns zu unauthentisch war. Außerdem hätte es was gekostet, es war zwar keiner da, aber erwischt werden wollten wir auch nicht.
Also versuchten wir mitten am Strand von der Rott eine Dackelgarage aufzubauen, was uns nicht wirklich gelang. Könnte auch daran liegen, dass wir von den nur 4 Heringen, bereits einen in Passau in meinem Auto verloren hatten und selbst, wenn wir den 4. noch gehabt hätten, dann wäre es auf dem Sandplatz nicht besser gegangen.
Zum Glück bin ich bei der Bundeswehr, wegen meiner Konservierungsmittelallergie nicht genommen worden, die hätten mich spätestens nach dem ersten Dackelgaragenaufbau unehrenhaft entlassen….
Auch wenn ihr es nicht wissen wollt, ich muss es schreiben. Ich hatte meinen ersten Freiluftschiss meines Lebens zwischen zwei Sanddünen am Zulauf von der Rott zum Inn. Ich mache seit 9 Jahren Liverollenspiel und bin seit 3 Jahren jedes verdammte Wochenende in der Saison auf einem Mittelaltermarkt, aber ich habe echt noch nie im Freien geschissen. Ja, gut ich bin ein Heimscheißer, jetzt ist es raus.
Natürlich habe ich meine Hände gewaschen, bevor ich ein wunderbares MORETVM zubereitete, das MORETVM ist auch die einzige Erklärung, warum die Römer es bis England schaffen hätten können. Es war auch ohne der Zutat X aus dem Vereinsheim und ohne Öl ein Hochgenuß. Da ist so viel Knoblauch drin, dass sie auf ihren Sandalen bis England geflogen sein müssen. (Habe im Übrigen vergessen zu erzählen, dass wir im Vereinsheim bei der Volksküche eines der perfektesten MORETVMe im Dies- und Jenseits gefertigt hatten, mit dem wir dann beinahe den Moses umgebracht hätten. Als Knoblauchallergiker wäre er im Römischen Reich nicht besonders weit gekommen.)
Bis wir beide endlich in der Dackelgarage zum Schlafen eingeparkt hatten, ist auch einmal das Zelt über uns zusammengebrochen, aber ansonsten hielt es stand.
Nachdem wir so fertig waren, von der anstrengenden Etappe, waren wir echt froh, endlich im Deckenschlafsack zu liegen und sich einfach mal nicht bewegen zu müssen.
Die Reifenspuren oben auf der Düne hatte ich bei der Anreise kaum beachtet und hab sie auch ehrlich gesagt völlig vergessen. Ich schlief schnell ein. Ich hatte beim Bettenbau auch extra die Felle weiter auseinander gelegt, damit ich nicht wieder im Dreck liegen muss, weil heute Nacht braucht mein Kreuz eine warme, weiche Unterlage.
Ich schlief tatsächlich gleich ein, bis ich mitten in der Nacht zwischen den zwei Fellen aufwachte. Wie mans macht, macht mans falsch. Ich gab es schließlich irgendwann auf warm und weich zu liegen, weil ich mich im Deckenschlafsack verklemmt hatte.

Vorsicht Pilger – Heck schwenkt aus!

Jakobsweg Zeitreise – Vorsicht Pilger – Heck schwenkt aus!

Wir laufen immer noch im Neuburger Wald und außer uns und dem Frühling, dem Inn und dem Biber ist keine Menschenseele unterwegs. Und langsam kommen wir uns wirklich so vor, als wären wir Wanderhuren und wir wären im Mittelalter, gut dann wären wir wahrscheinlich nicht weit gekommen, weil damals im Neuburger Wald, gab es bestimmt auch eine Räuberbande und wir wären bestimmt gestern Nacht von einer Horde Räuber überfallen worden und ganz schlimm vergenusswurzelt worden.
Die Kraxen werden immer schwerer und die Überlegung sich einen Esel zu mieten, der dann unsere Kraxen schleppt, kommt uns minütlich in den Sinn. Auch die Wanderhure hatte ja ein paar Ziegen, die sie vor einen Wagen gespannt hatte und die schleppten dann des ganz Zeug. Bloß wo kriegen wir jetzt mit im Wald eine Herde Ziegen her oder gar einen Esel oder ein Maultier?

Mit einem selbstgedichteten Lied über Händchen halten, Rotwein, Sackfett und Wund und Heilsalbe auf den Lippen kamen wir aus dem Neuburger Wald, wo uns mehrere Verkehrsschilder auf Gefahren aufmerksam machten. Das erste war Vorsicht Bodenwellen, nicht näher fotografiert gingen wir weiter und wenig später kam ein Schild: ‚Vorsicht beschrankter Bahnübergang!‘ Ich habe natürlich ein Foto gemacht, als Beweis. Links Inn. Mitte Weg. Rechts Waldhang. Kein Zug, kein Gleis, aber nach dem Schild, 4 Stämpen quer über den Weg. Hmm?Jetzt kamen wir an schmucken kleinen Häuschen vorbei und an w

ahnsinnig schönen Gärten, mit dem toten Osterhasen, aber an sich war alles wunderschöne Blumenwiese. Himmel, da ist er wieder der Horror.
Wir liefen weiter, die Sonne scheint, die Vögel zwitschern….es ging erstaunlich gut voran und der Inn plätschert leise vor sich hin. Wir kommen an einem Schild Neuburg am Inn vorbei, und wir beschließen keinen Umweg zu machen. Die Gegend ähnelt jetzt immer mehr dem Donaudurchbruch bei Kelheim. Wir machen viel Fotos und bewundern die Gegend. Nach einer Brücke über den Inn, die wir links liegen lassen, bauen sich links und rechts, jeweils eine Burg auf, eine schöner als die Andere. Jetzt geht es weiter, der Weg wird immer schmaler und es geht jetzt immer Berg auf und Berg ab. Wir füllten nochmal unsere Trinkflaschen auf und latschten weiter, als wir plötzlich von einem Radler überholt wurden. Vor Schreck schwenkte ich in die falsche Richtung und hätte ihn beinahe mit der Kraxe vom Rad gefegt. Die Überlegung Schilder auf die Kraxe zu hängen: ‚Vorsicht Pilger – Heck schwenkt aus!‘ oder ‚Vorsicht Pilger – Bitte Rangierabstand einhalten!‘
Später als wir dann einen echt fiesen Berg hochliefen, kam der Radler uns entgegen um eine Kurve geschossen, der hat mich so erschreckt, ich hatte beinahe einen Asthmaanfall bekommen und wäre beinahe mitten am Berg zusammengebrochen. So ein Arsch! Vorsicht Pilger – Bitte Langsam fahren! Freiwillig Langsam fahren den Pilgern zu liebe!
Den Berg haben wir dann doch geschafft bzw. er hat eigentlich uns geschafft. Bei einer nötigen Rast oben am Berg kam uns eine Dame mit einem süßen Hund entgegen. Sie stellte uns viele Fragen und ging eine Weile mit uns mit, bis wir aus dem Wald kamen. Vor uns Vornbach. Sie erklärte uns, wie wir zum Kloster kommen und dass

wahrscheinlich keiner da wäre und bei wem wir für den Pilgerstempel klingeln können. Sie erzählte uns von der halben Kirche auf dem Friedhof und lief dann querfeldein zu ihrem Haus, ihr Hund war ganz hin und hergerissen, aber er trottete ihr dann doch hinterher.
Wir liefen dann doch weiter Richtung Kloster und brachen aus Versehen ins katholische Pfarramt ein, die Tür stand offen, es war aber keiner da. Wir riskierten einen Blick in einen alten Klostergang, wo überall alte Dinge herumstanden und dann zogen wir es aber doch vor, zu verschwinden.

Es ging am Kloster vorbei und am Ende der Straße kam plötzlich ein neuer Kleinwagen um die Ecke gerauscht, hielt an und die nette Dame von vorhin stieg aus und filmte uns. Nach einem weiteren kurzen Gespräch, bot sie uns Tee und Kuchen an und lud uns in ihr Haus ein. Sie nahm meine Kraxe mit dem Auto mit und ich war herzlich froh, dass ich den Berg bis zu ihrem Haus nicht mit Kraxe hoch musste. Das Haus war der Wahnsinn und die Gastfreundlichkeit von ihr und ihrem Mann bleibt uns unvergessen. Wir redeten über Gott und die Welt und wurden regelrecht interviewt. Die beiden waren so nett und die Gespräche waren so schön, dass wir uns kaum von ihnen lösen konnten. Unter anderen Umständen, wäre die Dame wahrscheinlich nicht so herzig auf uns zu gegangen und wir hätte sie wahrscheinlich nicht verschrecken wollen. Deswegen wird mir diese

Erlebnis immer in Erinnerung bleiben, auch wenn wir uns vielleicht nie wieder treffen mögen.
Während Hanna auf der Toilette war, bot ich unsere mittelalterlichen Kochkünste an und sie bot uns an, dass wir gerne nochmal wieder kommen dürfen und dann kochen wir was schönes in dem wunderschönen baubiologischen Haus mit der römischen Fußbodenheizung. (Und außerdem könnten wir des Nächtens nochmal das Kloster erkunden!)
Schließlich half es alles nichts, wir sind dann weiter nach Neuhaus, um dort unseren blöden Pilgerstempel zu holen.

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