Am Ende ist ein Anfang

Jakobsweg Zeitreise – Am Ende ist ein Anfang

Freitag, der 04.04.08:

Wir sind in der Früh, dann wieder zeitig los und haben alles sauber hinterlassen. Sogar den Müll haben wir mitgenommen. Langsam muss ich auch echt zugeben, dass man früh morgens einfach am besten vorankommt. Aber man hat halt nicht immer Bauarbeiter, die einen aus dem Schlummer reißen. Und einen Wecker werde ich bei der nächsten Etappe nicht mitnehmen. Meine Abneigung gegen Uhren möchte ich somit zum Ausdruck bringen. Ich werde in der Regel wach sobald es hell wird. Wir werden es in Zukunft sehen.


Huckenham hinter uns lassend, geht es weiter nach St. Veit. Wir blicken doch zurück und versuchen noch ein paar Fotos zu machen. Aber bei dem Nebel ist es echt schwierig die schöne Skyline von Huckenham einzufangen.

In St. Veit angekommen, finde ich es fast schade, dass wir nicht hier übernachtet haben. Die Höfe sind hier noch älter und die Kapelle ist noch viel, viel noch älter. Das Bild aus dem Reiseführer wird nachfotografiert. Ich beschließe, wenn ich einmal heiraten sollte, werde ich dies wohl hier tun. Diese Kapelle ist so schön und keiner ist hier, um diese alten Gemäuer zu ehren. Aber dass hab ich ja schon angemerkt, oder? In jeder Kirche, die wir betreten haben, war keiner außer uns und einer Alarmanlage. Auf dem vergangenen Weg haben wir so viele heilige Stätten gesehen, wie ich im ganzen Leben noch nicht gesehen habe, aber sie stehen alle leer. Ich finde es echt schade, da stehen uralte Kirchen und keiner kümmert sich darum, ein Alarmanlage und gut ist. Eine spirituelle Stätte kann ihren Zauber nur erhalten, wenn Menschen hingehen und den Zauber sehen und spüren. Und ihn dann nach Hause tragen. Ich finde es echt schade. Mir geht’s dabei garantiert nicht um die katholische Kirche. Mir geht es um die Gemäuer, die von den Menschen, im Schweiße ihres Angesichts und mit wunden Fingern, auf uralten gebaut wurden. Wie zum Beispiel, die Kapelle zu Rotthof, die auf eine römische Kultstätte gebaut wurde. Und wenn es nur ein Naturaltar mitten im Wald ist, es ist eine spirituelle Stätte und die Menschen zieht es immer wieder dort hin. Damals und heute?

Meine spirituellen Stätten sind der keltische Opferstein in der Amperschlucht in der Nähe von Grafrath. In Germansbergl ins Tal blickend beim Sonnenaufgang. Beim Herrrn Numberger aufm Hof bei seinen Schafen. Die Kapelle zu Rotthof und hier, in St. Veit.

Ich finds richtig schade, dass wir weiter gehen müssen und die kleinen windschiefen Häuser in St. Veit verlassen müssen. Es geht weiter nach Luderbach. Es ist auch ein malerisches Fleckchen Erde und nach Luderbach verlangt die Natur ihr Recht. Und jetzt merke ich wieder, wie mein Knie mir schmerzt. Und wie beschwerlich es ist, mit einem Bein sich hinzusetzen und sein Geschäft zu verrichten. Die restliche Etappe ist wieder der Horror und so beschließen wir auf einer Bank in der Nähe eines Biotopes, dass wir uns in Bad Birnbach noch einen Stempel holen und dann nach Hause fahren. Schweren Herzens legen wir die letzten Paar Kilometer zurück. Aber es geht wirklich nicht mehr, mein Knie brauch ich noch ein Leben lang und der Jakobsweg läuft mir nicht davon.


In Bad Birnbach, stellen wir erschreckenderweise fest, dass die Leute hier ganz schön kleingeistig sind. Wir werden angehupt und von Blicken verfolgt. Ich spüre Finger, die auf uns zeigen und ich fühle mich schmutziger als ich wahrscheinlich bin und es beginnt mir peinlich zu sein, hier so rumzulaufen. Aber dass ist doch wieder die Gesellschaft, die uns dies aufdrückt und der Volksmund, der uns ins Ohr flüstert, dass wir nicht der Norm entsprechen. Wie ich genau das hasse, aber ich bin so fertig, dass ich mich füge und weiter trotte. Wir verursachen beinahe noch den ein oder anderen Auffahrunfall, weil die Leute in den Autos plötzlich stehenbleiben, um uns nachzustarren oder gar dabei von der Fahrbahn abkommen. Des ist doch wirklich ganz schön peinlich, aber für die, nicht für uns.

Bei der Kurverwaltung angekommen, kriegen wir unseren letzten Stempel. Die nette Dame erklärt uns, wie wir zum Bahnhof kommen und dass gleich ein Zug gehen würde.

Ab zum Bus und an der Bushaltestelle werden wir gleich wieder angepöbelt. Ich will hier weg, in den Wald und ich will meine Ruhe. Bad Birnbach ist übrigens ein Kurort, anscheinend für allerlei Bekloppte und für Alkoholkranke, bloß weg hier.

Wie kommt man aber mit 2 Pilgerinnen, 2 Pilgerstäben und 2 Pilgerkraxen in einen Bus. Um Himmels Willen. Des ist gar nicht so einfach, wie man so denken könnte. Der Bus kommt, die Türen gehen auf, ich schmeiße die beiden Stecken rein und dann die Kraxen, dann krabble ich auf allen Vieren hinterher, die Hanna holt die Fahrkarten. Die Leute kucken uns ganz schön komisch an. Der Bus hält an jedem Kuhfladen, wir kommen aber doch noch rechtzeitig am Bahnhof an, bevor der Zug kommt. So ein Stress. Wir haben gerade noch Zeit eine Zugkarte zu kaufen und einen Plan zu machen, wie wir in den Zug kommen. Der Zug kommt nicht, es werden Fotos gemacht. Der Zug kommt mit ein wenig Verspätung. Selbes Spiel, erstmal rein mit dem Zeug und wir hinterher. Wir bekommen einen schönen Sitzplatz für unsere Kraxen und uns. Die deutsche Bahn hat keine Gepäckfächer für Kraxen, also besetzen wir 4 Plätze und machen erstmal Brotzeit. Wir werden durchaus ganz schön blöd angesehen und ich belausche die anderen Fahrgäste. Was für Probleme die haben. Gott, sind die Peinlich!

Beim Blick nach draußen ins schöne Bayernland zieht die Landschaft so an uns vorbei und unser Blick fällt bei jeder Ortschaft sofort auf den Kirchturm. So bewusst war mir des noch nie, aber sieht man immer hin, wenn man in einen Ort kommt, nicht nur als Pilger.

Früher oder später bringt der Weg dich zum Weinen.

Jakobsweg Zeitreise – Früher oder später bringt der Weg dich zum Weinen.

Wir kamen wieder aus der Wallfahrtskirche um unseren Weg fortzusetzen. Es regnete immer noch, aber es hilft alles nichts, wir müssen weiter. Der Blick runter nach Bayerbach ist gigantisch. Aber der Weg selbst war schrecklich. Durchnässt ist auch gar kein Ausdruck mehr für den Zustand unserer Sachen. Für den Zustand meines Knies finde ich auch keine Worte mehr. Wir kommen irgendwann in den Ort und suchen dann die Kirche, in der wiedermal keiner ist. Wir fragen uns durch zum Pfarramt. Ich kann echt nicht mehr. Wir irren durch Bayerbach und finden dieses blöde Pfarramt nicht. Die Fragen, die wir stellen, bringen uns auch nicht weiter, irgendwie will uns keiner helfen. Am Kindergarten werden wir wieder zurückgeschickt, wir sind anscheinend am Pfarramt vorbeigelaufen. Ist auch kein Wunder, es ist ein Wohnhaus. Wir klingeln, es macht keiner auf. Ich kann nicht mehr. Wir diskutieren, was wir jetzt machen. Hanna will weiter gehen, ich will nicht mehr. Ich breche zusammen, weil ich wirklich nicht mehr weiter kann. Hanna ist mit der Situation heillos überfordert, entschließt sich aber doch nochmal fragen zu gehen. Wir erfahren, dass der Pfarrer seinen Mittagsschlaf hält und wenn er dies tut, macht er grundsätzlich nicht auf, das wüsste hier jeder. Wir beschließen zu warten, bis sich der Pfarrer rührt. Also warten wir, und warten, und warten… irgendwann regt sich was im Inneren des Pfarrhauses.

Der Pfarrer steht vor der Glastür und macht uns endlich auf, nach über einer Stunde. Wir sagen wieder unser Sätzchen auf und ich überlege mir ehrlich ob ich Sternsinger werden soll. Er ist heillos mit uns überfordert. Er bittet uns erstmal rein, sagt uns aber gleich, dass er für uns eigentlich nichts tun kann. Bayerbach hat keine Unterbringungsmöglichkeit für uns und vorallem nicht der Pfarrer. Was sollen da die Leute sagen, wenn er zwei junge Pilgerinnen aufnimmt. Er hat aber so ein schlechtes Gewissen, weil er uns nicht helfen kann und drückt jeder von uns 20 Euro in die Hand, schickt uns aber dennoch weiter.

Das Wetter ist mittlerweile wesentlich besser, der April tut gerade so, als hätte es heute nie geregnet. Hanna läuft voraus und ich humple hinterher. Am Beginn unserer Pilgerschaft war ich immer vorne und musste immer auf die Hanna warten, jetzt ist es umgekehr, was für mein Gemüt nicht unbedingt so prickelnd ist. Als Kind habe ich wandern mit meinen Eltern immer gehasst, weil mein Vater immer voran gelaufen ist und meine Mutter und meine Schwester haben immer versucht den Anschluss nicht zu verpassen. Und ich war immer die Letzte und hatte immer die Angst sie würden mich in der Wildnis zurücklassen. Genau so fühle ich mich jetzt, dabei sind wir mitten in Bayerbach.

Am Bahnhof von Bayerbach haben wir uns vorsichtshalber mal erkundigt, wie des mit den Zügen so ist. Ja, es ist ein Bahnhof und es kommt ganze 3mal am Tag ein Zug. Wir entschließen uns weiterzulaufen, bevor wir jetzt abbrechen und uns 3 Stunden am Bahnhof den Arsch abfrieren, weil ein Bahnhofsmission gibt es in Bayerbach nicht, dass wurde an Privat verkauft. Also weiter geht es.

In Huckenham entscheiden wir uns nochmal nach einer Unterkunft zu fragen. Wir hoffen inständig auf die Nächstenliebe der Bewohner von Huckenham. An der ersten Tür, an der wir klingeln, kommt nach einer Weile, ein Freizeichen und dann geht der Anrufbeantworter an die Tür. Ganz schön strange. Wir sprechen nichts drauf, außer mein verwundertes: ‚Häh!‘

Dann kommt eine Frau aus einem anderen Haus, die kann uns auch nicht helfen, lässt uns aber in die kleine Kapelle zu Huckenham. Die auch echt malerisch ist, sie ist aber immer versperrt, wegen den Diebstählen in der Gegend. Eigentlich echt der Hammer, wer klaut was aus einer Kirche?

Da kann ich mich an ein Ereignis in meiner Kindheit erinnern, da ist in der Klosterkirche Fürstenfeld, dem kleinen Jesuskind die Königsinsignien geklaut worden. Dann wurde die Klosterkirche solange für die Öffentlichkeit gesperrt, bis sie sie ordentlich vergittert hatten. Seit der Zeit, konnte ich das Jesuskind nur noch durch Kitterstäbe sehen. Erst wird des eh schon nackerte Jesuskind beklaut und dann wird’s auch noch dafür eingesperrt. So komisch ist die Welt.

Ich schweife schon wieder ab, ich weiss. Die Frau, die uns nicht helfen konnte, rannte gleich mal zum Nachbarn, um den zu fragen, ob er uns helfen kann. Vergeblich. Da war jetzt nur noch ein Hof in Huckenham, unsere letzte Hoffnung. Da war ein Herr, der gerade Holz schnitt, der war total von uns begeistert, er hatte uns schon gesehen und hat gleich erkannt, dass wir Pilger sind. Weil er hat gewusst, dass der Jakobsweg an Huckenham vorbeiführt, weil er an dem Jakobswegschild jeden Tag unzählige Male mit dem Traktor vorbeifährt. Er schleift uns auf den Hof, seine Frau ist recht mürrisch. Sie will uns nicht übernachten lassen, er aber schon. Sie hat Angst, dass wir die Ferienwohnung dreckig machen könnten, des ist irgendwie verständlich, so wie wir aussehen. Der Mann überredet sie, weil er es so toll findet, weil zwei so junge Frauen pilgern. Wir versprechen keinen Dreck zu machen und auf dem Boden zu schlafen. Sie gibt irgendwann nach. Wir müssen die Schuhe vor der Tür ausziehen und sie warnt uns nochmal inständig davor Dreck zu machen.

Wow, eine richtige Suite. Wir rühren nichts an, anfangs nichtmal den Fernseher. Ich konnte nach langem Verhandeln mit Hanna wenigstens die Nachrichten rausschlagen. Wir drehten alle Heizungen auf und trockneten erstmal alle unsere Sachen. Ich sitze nun auf dem Sofa, von dem ich mich nun nicht mehr runter bewege. Ich schone mein Knie. Wir essen unsere Vorräte auf, irgendwie haben wir schon gewusst, dass wir morgen heimfahren werden. (Mir ist eingefallen, dass wir den Anderl telefonisch vorgewarnt hatten, für den Fall, dass wir morgen abbrechen!) Obwohl wir nicht darüber geredet hatten, die nächste Bahnstation ist in Bad Birnbach und bis dahin sollten wir doch noch kommen, oder?

Es ist übrigens schon den ganzen Tag und die letzten zwei Blogs lang, der 03.04.08 und morgen ist ein neuer Tag.

Jakobsweg Zeitreise – Welche Religion?

Jakobsweg Zeitreise – Welche Religion?

Der Pfarrer von Karpfham war ein ganz netter, wir waren ja auch platschnass, er wollte uns auf jedenfall helfen und nachdem wir nicht wirklich in einer Pension schlafen wollten, weil das einfach viel zu unauthentisch gewesen wäre, überlies er uns den Pfarrsaal. Er meinte nur, dass wir damit rechnen müssten, dass der Kirchenchor heute noch Proben würde, aber ansonsten könnten wir dort bleiben.
Der Pfarrsaal war riesig und wir konnten erstmal unsere Planen und unsere Röcke trocknen und schauen, ob noch irgendwo in der Kraxe was nass geworden war.
Plötzlich stand die Kommunionsgruppe da und kuckten komisch. Wir erklärten uns, und nachdem wir sowieso noch was einkaufen gehen wollten, gingen wir zum hiesigen Edeka. Ich wollte eine neue Flasche kaufen, damit wir einen Ersatz für den kaputten Trinkschlauch haben würden.
Vor lauter 5-Minuten-Terrine, Sonderangebote und Schokolade, hätte ich beinahe mein ganzes Geld ausgegeben, was ich noch hatte. Wir gingen aus dem Laden und ich wollte gegenüber in die Bank und noch ein bisschen Bares holen. Als wir über die Straße gehen wollten, hielt ein Wagen (Ohne zu Blinken!) mitten auf der Straße und einige Jugendliche fragten uns: ‚Welche Religion?!‘
Und was soll man auf so eine Unverschämtheit eigentlich antworten? Hanna sagte ‚Keine!‘ Ich dachte ‚Arschloch!‘ und für den Fall, dass nochmal jemand so eine Frage stellt, täusche ich einen Herzinfakt oder eine göttlich Eingebung vor oder ich sag einfach: ‚Sie verstoßen gegen die Verkehrsregeln, wenn Sie einfach so auf der Straße nach einer Kurve stehenbleiben, ohne zu blinken! Sie Arschloch!‘ Des war jetzt wieder, die Jugend heutzutage!
Ich holte dann Geld bei der Bank und dann viel mir ein, dass ich gar nichts zu trinken gekauft hatte. Also lief ich nochmal über die Straße und holte mir ein rotes Hohes C und dann gingen wir mit unseren Einkäufen in die Kirche und machten ein paar Fotos. Die Kirche war mit einer Alarmanlage gesichert, ist ja auch kein Wunder, bei der Jugend heutzutage.
In Zukunft bin ich jetzt einfach wieder katholisch, wenn jemand fragt, und wer Pilger verarscht kommt in die Hölle! Es stinkt mich immer noch an, dass man sich nur so aufführen kann. Unglaublich!
Zurück im Pfarrsaal war die Kommunionsstunde in den letzten Zügen, die Kinder bastelten übrigens Jakobsmuscheln.
Sobald alle verschwunden waren, breiteten wir uns aus und machten uns was zum Essen und Tee. Wie schön! Ich machte es mir gemütlich und fing wieder an zu schreiben.
Irgendwann kam dann doch der Chor, sie probten dann in der Kirche, aber einige Damen ratschten erst noch mit uns, es war sehr interessant. Wir gingen dann bald schlafen, vom Bettenbau gibt es eh ein Foto und ich schlief wieder hervorragend.
Am nächsten Morgen liefen wir wieder früh los, auf nach Schwaim. Da kam uns wieder mein Morgenschiss in die Quere, aber da war zum Glück ein Gasthof, der schon offen hatte. Das Wetter ist nicht gerade berauschend, aber zumindest regnet es nicht. Von Schwaim ging es nach Asbach und einen unbarmherzigen Berg zum Kloster Asbach hinauf. Mittlerweile regnet es wieder. Mein Knie bringt mich schier um, aber irgendwie haben wir es nach oben geschafft. Wieder ist alles total ausgestorben. Im Gasthof ist tote Hose, aber wir können die Kraxen stehen lassen und rasten, pinkeln und dann das Kloster erkunden. Das Kloster war gigantisch, zwar hinter Gittern, aber gigantisch. Hier auf dem Berg sind gerade mal zwei Friedhofsgärtner/Bauarbeiter und zwei Küchenangestellte im Gasthof, ansonsten ist hier ja mal gar nichts los. Wie vorher schon in so vielen Kirchen nichts los war. Schade irgendwie.

Die nächste Etappe ist der blanke Horror, kaum sind wir aus der Klosteranlage raus, fängt es wieder tierisch zu schiffen an. Wir stellten uns unter ein Garagendach, aber irgendwann sind wir dann doch im Regen weitergelaufen. Verfolgt von Schafkäse-Schildern jagen wir weiter, mein Knie ist schon fast taub, könnte aber auch an der Kälte liegen. Schneller als der Trott es eigentlich erlaubt versuchen wir Strecke zu machen. Mein Knie behindert mich so sehr, dass ich mittlerweile nicht mehr auftreten kann und habe eine Art Veitstanzsprung mit Pilgerstab entwickelt, um überhaupt noch weiterzukönnen. Wie komisch ich aussehen muss, versuche ich mir besser nicht auszumalen.

Irgendwo bei Neugertsham machten wir dann an einem neugebauten Haus Brotzeit. Nachdem wir nicht im Dreck essen wollten, beschlossen wir auf der Terrasse des neugebauten Hauses zu speisen. Zur Terrasse führten einige Stufen. Ich musste auf allen Vieren die Stufen hinaufkraxeln. Aber als wir da auf der Bank saßen, kam die Sonne raus. Der Herr hat doch ein Einsehen mit uns.

Kaum hatten wir die Kraxen wieder auf dem Buckel, fing es wieder zu schiffen an. Es geht weiter, nass, aber es geht weiter, humpelnd, aber es geht weiter. An einer Kreuzung wussten wir nicht wirklich mehr weiter, die Karte machte uns auch nicht schlauer. Eine Frau kam aus einem Haus und wies uns die Richtung, wieder einen fiesen Berg hinauf. So viel Sünden können wir wirklich nicht haben, dass uns der Herrgott, oder wer auch immer, so strafen tut. Das haben wir jetzt mit der Vielgötterei. Um den Moment noch dramatischer zu machen, fängt es wieder stärker zu regnen an. Der Berg ist die Hölle, mein Knie, ja mein Knie, ich bin für eine Amputation, nur dass ich nicht weiterlaufen muss. Der Berg kennt keine Gnade, doch irgendwann sehen wir oben am Berg eine Kirche, die immer größer wird, um so näher wir kommen. Es ist ja ganz klar, dass dies einfach so ist, aber beim Pilgern ist es ein Hoffnungsträger, der immer größer wird, bis man es dann bis vor die Kirchenpforte geschafft hat. Wir stellten uns in der kleinen Wallfahrtskirche Langwinkl unter. Nachdem wir von ein paar Hofhunden verbellt wurden, beschlossen wir in die Kirche zu gehen, um etwas zu rasten. Da sind dann auch ein paar Fotos entstanden, die wirklich widerspiegeln, wie fertig wir an diesem Punkt unserer Wanderschaft waren. Wir beschlossen uns in Bayerbach eine Unterkunft zu suchen, weil ich nachwievor Knieschmerzen hatte und wir beide schon völlig durchnässt waren.

Wolken, Bruch und Hagel

Jakobsweg Zeitreise – Wolken, Bruch und Hagel

Es ist jetzt Mittwoch, der 02.04.08 und es regnet. Wir sind unterwegs nach Lindau (im Rottal) und ich bemerke nicht nur, dass ich von oben ganz schön nass werde, sondern dass mein linker Fuß auch langsam von unten ganz schön nass wird. Dieser blöden Holzschuh. Ach und der Wasserschlauch tropft… was aber bei dem Wetter reichlich wurscht ist.
Nach Lindau untersuchte ich meinen Schuh genauer. Es zog sich ein dicker Spalt von der Ferse bis zum Ballen. Ich band die Schuhe mit Lederbändern zusammen und wir liefen weiter. Wir wurden immer ruhiger, vor Anstrengung und weil wir nicht wussten, wie lange wir mit meinen Schuhen noch kommen würden.

Der Morgenschiss kommt ganz gewiss, auch wenn es spät am Abend ist. Nach einer kleinen Zwangspause in einem Bushäuschens bzw. hinter einem Bushäuschen gingen wir dann weiter…
Es hatte auch zum Regnen soweit aufgehört, dass wir zumindest von oben nicht mehr nass wurden. Irgendwo zwischen Mitterham und Oberschwärzenbach sprang eine Frau aus ihrem Haus und fragte uns, ob sie uns was Gutes tun kann. Ich wollte sie nicht fragen, welche Schuhgröße sie hatte. Sie war ganz erstaunt, dass der Jakobsweg bei ihrem Haus vorbeiführt. Wenige Minuten später, irgendwo nach Oberschwärzenbach, war ein altes alleinstehendes Haus am Wegesrand. Vorne war ein alter Stall zu einem Wohnhaus umbebaut worden, aber auch schon wieder halb verfallen, vorallem der Balkon. Hinten im Garten war ein total zerfallenes Wohnhaus. Wir gingen an dem Grundstück vorbei und als ich zurückblickte, erkannte ich einen roten Fleck neben dem Haus. Es sah so aus, als würde da jemand kauern. Ich ging dann doch ein paar Schritte zurück und rief nach Hanna. In dem Moment rappelte sich eine alte Frau auf. Ich rief, ob wir ihr helfen können. Ich weis nicht ob sie mich wirklich verstand, aber sie winkte ab. Eine komische Begegnung, wir gingen weiter…
Wir kamen endlich in Tettenweis an, es regnete wieder so halb und wir holten uns einen Stempel im Rathaus und ich humpelte in einen Edeka, um zu fragen, ob sie Schuhe hätten,
sie hatten keine, aber die schickten mich in einen richtigen Schuhladen, ich konnte es kaum glauben. Wir stellten die Kraxen beim Wirthauseingangshütterl unter und Hanna blieb dort und ich ging allein auf Schuhmission.
Neben der Klostermauer fand ich tatsächlich einen kleinen uralten Schuhladen und ich ging hinein. Ein alter Mann musterte mich und ich erzählte ihm von meinem Schuhbruch und von der Pilgerschaft. Und er hatte tatsächlich ein paar Schuhe für mich, für 19 Euro. Es sind zwar echt hässliche dreckigweiße Omaschuhe, aber sie passten und sie waren aus Leder…
Beschwingt und froh lief ich zu Hanna zurück. Ich wollte die kaputten Holzschuhe auf keinen Fall wegschmeißen, sie hatten mich ja doch die ganze letzte Saison und bis hierher begleitet, aber ich wollte sie auch nicht mitschleppen, also machte ich mich auf die Suche nach einer Post, wenn ich in diesem Dorf einen Schuhladen finde, dann finde ich auch die Post. Und tatsächlich fragte ich eine Dame in einem Postauto, die aus dem Rathaus kam, nach einer Postfiliale und im hiesigen Café wäre eine Postagentur.
Dort angekommen, konnte ich tatsächlich meine Holzschuhe nachhause schicken, schweren Herzens und ein wenig unauthentischer ging es weiter.
Die Holzschuhe waren übrigens nicht nur durchgebrochen, sondern auf dem Weg von Rotthof hierher hatte ich mir ein Zweieurostück großes Loch hineingelaufen.
Wir laufen also weiter und als wir wieder am Schuhladen waren, wurde das Wetter wieder schlechter als zuvor und wir beschlossen ins Kloster zu gehen um den nächsten Schauer abzuwarten.
Das Benediktinerinnen Kloster St. Gertrud nahm uns auf und einige Nonnen waren ganz neugierig auf uns. Wir unterhielten uns lange und sie erzählten uns, dass vor einen halben Jahr, auch eine Pilgerin hier durchgekommen war, und sie hätte ihnen eine Karte geschickt, aus Santiago. Eine reife Leistung.
Laut Map24 sind es vom Passau, Domplatz bis Santiago 2512,62 km mit dem Auto und in 26,48 Stunden wär man da, ohne Pausen natürlich. Gehen wir mal davon aus, dass es
mehr als 3000 km sind, wenn man zu Fuß geht. Dann wäre die Dame einen Schnitt von 16,67 km am Tag gelaufen, das ist also eine reife Leistung.
Um uns jetzt noch ganz zu ernüchtern, unser Schnitt nach 5 Tagen war 11,48 km am Tag, des macht dann bis Santiago 261,32 Tage, des sollten wir doch dann tatsächlich bis zum Rentenalter schaffen, wenn wir im Jahr zwecks gemeinsamer Urlaubsplanung im Schnitt 10 Tage laufen können, dann sollte wir in 26,10 Jahren angekommen sein, wenn nichts dazwischen kommt. (Mittlerweile habe ich mich entschlossen, nächstes Jahr alleine weiter zu Pilgern. Ob ich dann allein schneller vorankomme, weis ich nicht. Fürs Jahr 2009 sind
erstmal 3 Wochen geplant)

Huch, wir saßen ja immer noch im Kloster….Eine Nonne fragte uns, ob wir dann auch beten würden. Betretendes Schweigen: ‚Ähm, bis jetzt noch nicht, aber vielleicht kommts noch!‘ Du sollst nicht Lügen, aber so wirklich gebetet haben wir ja auch nicht, und des mit dem Zwölfender wollte ich der Nonne dann doch nicht erzählen. Dann ist mir noch aufgefallen, dass es in diesem Frauen tatsächlich eine Männertoilette gab. Ich stelle keine blöden Fragen mehr.
Wir entschlossen uns dann trotz dem komischen Aprilwetters weiterzulaufen. Nach Tettenweis ging es ganz gut, ich hatte ja auch neue Schuhe, die Sonne spitzte raus und die Gegend durch die wir jetzt kamen, war irgendwie sehr nobelig, des Grünwald von Tettenweis quasi. Wir sahen sogar so was wie eine Römervilla und wir dichteten wieder ein Gedicht an den Zwölfender und an Montezuma usw. Danke, dass wir noch keine Scheißerei bekommen haben….
Wenig später wurde der Trinkschlauch im hohen Bogen beerdigt, er hatte zwar irgendwie länger durchgehalten, als meine Holzschuhe, aber irgendwie ist er mir nicht so ans Herz gewachse
n.
Bei Großhaarbach gingen wir eine kleine Abkürzung, aber nur um über eine alte Brücke zu gehen, die neben der Straße auf einer Wiese war, wir gingen schnurstracks auf eine Kapelle zu, die sich dann doch als Feuerwehrhaus entpuppte.
Das Postauto von Tettenweis verfolgte uns schon seit einer Weile, und machte dies auch weiter. Zur Post fällt mir auch noch was ein, ich habe schon seit langen nicht mehr so viele gelbe Telefonzellen gesehen, wie in den letzten 4 Tagen. Ich sollte mich doch öfters im Outback herumtreiben….
Wir gingen noch eine Weile und bei der nächsten Bank unter zwei Birken machten wir Pause und Mahlzeit. Nach dem Essen zog wieder ein Wetter auf und wir bauten uns einen Unterstand aus unseren zwei Zeltplanen und wollten darunter das Wetter abwarten. Eine Plane kam über die beiden Kraxen die vor der Bank standen und die andere Plane hatten wir über unsere Köpfe gezogen und unsere Wanderstäbe hielten die Dachspitze fest. Muss ein lustiges Bild gewesen sein, für diejenigen, die mit dem Auto vorbeigefahren sind. Es fing an zu regnen und dann zu hageln und wir hatten es zumindest trocken und halbwegs warm.
Mehre Autos hielten um zu fragen, was das denn soll. Eines davon, war wohl, das Auto von Niederländern? Sie führen an uns vorbei und hielten dann doch. Sie boten uns an, wenn sie wieder zurückkommen würden, dass sie uns dann eine Schelte anbieten würden. Jetzt ist natürlich die Frage was eine Schelte auf holländisch heißt, weil in Bayern ist des übrigens eine Watschn. Hhm…Okay…nach ausführlicherem Googeln, wollten
sie uns dann doch eher schimpfen oder watschen.
Wir hatten ja gedacht, dass sie uns vielleicht auf eine Suppe einladen wollten und Schelte auf holländisch vielleicht doch Brotzeit heißt. Gut dass es dann irgendwann zum Regnen aufgehört hat.
Der Weg nach  war wahnsinnig schön, obwohl wir nur auf der Straße gingen, ging es eigentlich nur Bergauf und das war Wetter äußerst bescheiden, aber die Landschaft war einfach der Hammer. Viele kleine alte Höfe säumten links und rechts die Straße, die in langgezogenen Serpentinen den Berg hinauf zog.
Mittlerweile mutieren wir wirklich zu Bergziegen, wir haben richtig Spaß dabei, den Berg hinaufzugehen. Und wir waren auch längst nicht mehr so außer Atem, wie zu Beginn unserer Reise. Schade ist nur, dass ich aufgrund des schlechten Wetters fast keine Fotos geschossen habe. Aber die Eindrücke werde ich so schnell nicht vergessen.
Ich überlege mir, ob ich im Sommer mal nochmal hierher fahre, einfach der Aussicht wegen und wegen den Fotos, die ich jetzt nicht geschossen habe.
Es ging jetzt wieder Bergab und die Häuser wurden immer neuer, aber sie waren immer noch schön. Wir gingen nun immer schneller, da schon wieder ein Regenschauer uns hinterher jagte. Wir haben es gerade noch in eine Bushaltestelle geschafft, als wieder ein Platzregen über uns herein brach. Nach dem Regen gingen wir weiter und in Karpfham angekommen, wussten wir auch warum es Karpfham heißt. Im Wappen war ein toter Karpfen, der von einem Pfeil erschossen wurde. Wie nett!
Wir gingen weiter und wieder war alles total ausgestorben. Wir stellten uns noch ein Paar mal unter, wenn der Regen wieder stärker wurde. Aber wir mussten weiter, nach einer Unterkunft fragen, aber es war keine Menschenseele auf der Straße zu sehen. Wir liefen wiedermal zur Kirche und diesmal hatten wir Glück, neben der Kirche war ein Kath. Pfarramt und es war auch offen. Mal schauen, ob unser Glück uns doch weiter hold ist.

Eine authentische Erkenntnis

Jakobsweg Zeitreise – Eine authentische Erkenntnis

Ich schrieb ja vorhin, wir wollten uns noch ein bisschen frischmachen (sofern des überhaupt möglich war!) und in einen meiner ersten Blogs zum Jakobsweg hatte ich schon erwähnt, dass ich kein Deo mitnehmen wollte, da es ja so furchtbar unauthentisch war.
Ich fand, bei den ganzen unauthentischen Sachen, die ich eh schon dabei hatte, könnte ich mein Deo wirklich daheim lassen: Handy, Ladegerät, Digicam, Ersatzakku, Ersatzkarte, Ladegerät, EC-Karte, Ausweis, Pilgerpass, Reiseführer, Diverse Tabletten und Cremes für meine Allergie, Kopfschmerzetabletten, die Pille, meine Allergiepässe, Krankenkassenkarte, Geld, mehrere Labellostifte (die ich auch aufgebraucht hatte!), Kaugummis, Riccola, Schokolade, Unterwäsche, Zahnbürste, Zahnpasta, zwei Kugelschreiber, Erstehilfeset mit Nagelschere, die ich übrigens gebraucht habe, da ich mir im Neuburger Wald meine Fingernägel komplett gestutzt hatte und die Nagelfeile, die ich übrigens nicht gebraucht habe, mangels Fingernägel, aber eigentlich ein wichtiges Instrument ist, falls man was aufbrechen muss und um festgezogene Knoten zu lösen, werde ich sie auch beim nächsten Mal wieder einpacken.
Ja, des Deo liegt in der Handtasche bei den Ohrstäbchen und ich habe es bis zu dem Moment nicht vermisst, als ich mich frischmachen wollte, um in die Küche runter zu gehen, damit ich endlich meinen schwarzen Tee kriegen würde.

Am Tag zuvor hatte ich die Hanna noch belächelt, als sie sich mit Innbrackwasser versuchte zu waschen, als sie feststellte, dass sie zu riechen anfangen würde. Und ich bei mir noch nichts roch, es war alles so wie immer, weil ich stinke ja nicht, habe ich immer behauptet, da ich ja keinen unangenehmen Körpergeruch an mir habe. Deswegen war die Entscheidung auch so leicht gewesen, mein Deo in der Handtasche zurückzulassen.
Und jetzt steh ich da, in einen Bauernhaus in Rotthof und es ist mir furchtbar peinlich, weil ich gotterbärmlich rieche und nachdem ich des bei mir ja nicht gewohnt bin, ist es mir gleich nochmal peinlicher, was müssen jetzt die netten Leute denken, die uns grad so nett in ihrem Haus aufgenommen hatten. Und ich stinke wie eine Assel. Was hätte ich jetzt für ein Sprühdeo getan, war mir des peinlich…da hilft auch keine Müffelsäckchen mehr, wenn es riecht oder kriecht, Müffelsäckchen, gegen die unangenehmen Dinge des Lebens, eure Quacksalberin.
Und aufgefallen ist es mir erst, als ich alles ausgezogen hatte, was ich unter meiner Bluse trug, weil mir so warm war. Ich hatte jetzt seit Sonntag mein Unterkleid an und drüber meine Omasthermowollunterwäschelangesunterhemd, einen Nierenwärmer und darüber noch meine Bluse und dann das Mieder. Zum Glück stank die Bluse und des Mieder alleine nicht so, wie der Rest. Ich versuchte das Geruchsgrauen zum Lüften aufzuhängen und dann gingen wir doch runter. Und der Tee und die netten Gespräche lenkten mich ein bisschen ab, von meinem Gestank und ich glaube dass es vielleicht gar nicht so schlimm war, es hat zumindest keiner „Böööööh!“ geschrieen, als ich die Küche betrat.
Später dann in der Dusche versuchte ich einige Klamotten zumindest ein bisschen mitzuduschen und meine Rosmarinseife tat ihre Pflicht. Ich kam mir wieder sauber vor und ich konnte die erste Nacht gut Schlafen, ohne Träume und Fantasien und ohne dass mir jemand den Arsch unterm Fell wegschiebt. Es war einfach himmlisch.
Das Aufstehen viel mir wie immer sehr schwer, aber so ist im richtigen Leben ja auch, ich schaffe es keinen Tag vor 9.00 Uhr ins Büro und oft wird es nach 10.00 Uhr. Deswegen finde ich es immer noch so erstaunlich, dass ich es tatsächlich geschafft habe, jeden Tag so früh aufzustehen und hab dann zwar oft gedritschelt, aber doch sind wir von Tag zu Tag immer zeitiger losgekommen. Am frühen Morgen läuft sichs einfach besser und weiter.
Dieser Morgen war für uns auch ganz besonders, die Mutter war schon wach und machte uns das Teewasser warm. Unser Müsli und unsere Milch wurde verputzt und ich war so froh über meinen . Und das Gewicht was wir durch des Essen einsparten, packte ich dann mit meinem Thermobecher mit Tee wieder drauf.
Das Wetter war reichlich beschissen und der Wetterbericht besagte, nichts Gutes. Wir mussten aber trotzdem los, und die ganze Familie verabschiedete sich herzlich von uns, Fotos wurden gemacht und dann zogen wir schweren Herzens von dannen.

Überfall der etwas anderen Art

Jakobsweg Zeitreise – Überfall der etwas anderen Art

Hab gerade feststellen müssen, dass ich immer noch vom Dienstag, dem 01.04.08 erzähle und dass ich schon beim 11. Blog bin und ich aber noch so viel Schreiben muss und dann hab ich wahrscheinlich noch die Hälfte vergessen. Es ist einfach erschreckend. Ganz nebenbei, hab ich meine Schreibmappe rausgezogen, wo ich noch eine DinA 4 Seite vollgeschrieben (vorne und hinten!) mit Titelzeilenstichwörtern gefunden habe, die ich alle noch schreiben muss, damit ich alles geschrieben hab, was ich über mein verkorkstes Geschlechtsleben wirklich noch schreiben wollte. Sollte mir vielleicht doch mal nen Computer zulegen (Habe ich zumindest mittlerweile getan…mein Laptop „Dachsschlächter“ steht mir treu zur Seite!)…Dann wollte ich ja mindestens noch 3 Bücher (mittlerweile sind es schon 6 Buchideen) schreiben. Ich muss kündigen, damit ich mehr Zeit habe…. egal. (Ich nütze gerade meinen 2 wöchigen Weihnachtsurlaub 08/09 um meine Jakobsgeschichte fertig zu schreiben, bevor ich im Frühling wieder zum Pilgern gehe.–> Komisch ist, dass ich jedes Jahr zu Weihnachten katholisch werde und meine Pilgergeschichten überarbeite. Hm!)
Als Erstes sollte ich mal aufhören ständig abzuschweifen, dann werd ich vielleicht dieses Jahr noch mit meinem Reisebericht fertig. (Ich hoffe es inständig!)
Sollte ich wirklich, weil wir wollen ja sobald es die Zeit erlaubt, weiterlaufen und wir haben tatsächlich schon mehrere Menschen soweit inspiriert, dass sie mitlaufen wollen…wir werden es sehen…(Habe es dieses Jahr leider nicht mehr geschafft! Ich leide richtig darunter nicht zu Pilgern. Ich sauge gerade alle in mich hinein, was irgendwelche Pilger geschrieben haben. Besonders das (Hör)Buch von Hape Kerkeling hat mich so bewegt, dass ich jetzt meinen nicht so ganz fertigen Reisebericht rausgekramt habe und weiterschreibe. –> Nach dem Hörbuch von Shirley McLane packt es mich wieder…)
Zurück zum Reisebericht, wir liefen von der Siebenschläferkirche nach Rotthof rein und des Wetter war mittlerweile mal ziemlich beschissen….es sah ziemlich nach einer verregneten Nacht aus. Wir entschlossen uns, nach einer Unterkunft zufragen, wenn uns jemand über den Weg läuft. Der Ort war wie ausgestorben, es war wohl nicht nur in der Wirtschaft Ruhetag, sondern im ganzen Ort, so schien es.
Als wir an einem Hof vorbeikamen, hörten wir jemanden arbeiten, ich beschloss einfach auf den Hof zu laufen und einfach zu fragen…
Wir überraschten einen jungen Mann bei der Arbeit und ich kam mir ein bisschen so vor wie ein Sternsinger. Er schaute sehr verdutzt, als wir nach einer Unterkunft fragten, ich weis nicht, ob des an unserem Outfit lag oder an der Frage oder an beiden.
Er konnte dies nicht entscheiden und wollte nach seiner Mutter sehen und lief zum Haus. Wir trotteten hinterher. Seine Mutter kam durch die Kellertür nach draußen und schaute uns verdutzt an und lachte. Ich sagte wieder mein Sätzchen auf. Sie war ganz hin und her gerissen zwischen Belustigung und Erstaunen und zwischen christlicher Nächstenliebe und Angst vor Fremden, die auch noch so komisch aussehen wie wir. Die christliche Nächstenliebe siegte nach kurzer Zeit und wir wurde herzlich aufgenommen. Ehrlich gesagt, wenn ich an ihrer Stelle gewesen wäre, hätte ich auch erstmal gelacht, wenn ich uns da stehen gesehen hätte. Ganz alltäglich sind wir ja wirklich nicht und ganz normal schauen wir ja gleich gar nicht aus. Wir wurden im Gästezimmer einquartiert. Mit einem richtigen Bett und es gab sogar ein Badezimmer mit Dusche, dass die Tochter gerne mit uns teilte. (Danke nochmal, es war echt nötig!)
Wir zeigten unsere Pilgerpässe, die mittlerweile unsere Personalausweise völlig ersetzten. Wir wollten uns ein bisschen frischmachen (sofern des überhaupt möglich war!) und dann sollten wir in die Küche kommen, nachdem ich mitleidig nach heißen Wasser gebettelt hatte, damit ich mir endlich einen schwarzen Tee machen konnte.
Es war einfach unglaublich, die anfängliche Scheu hatte sich auf beiden Seiten gleich gelegt. Wir redeten über Gott und die Welt. Wir erfuhren viel über die Ortschaft und ihre historische Vergangenheit. (‚Und Bine hatte endlich Ihren schwarzen Tee mit viel weißen Zucker!‘ würde der Sprecher jetzt sagen…) Nachdem wir auch über Gott redeten, kamen wir auf meine Zeit in der katholischen Jugend und darauf, dass die Kinder der Familie alle in der katholischen Pfandfinderschaft sind und wir redeten über Zeltlager und Überfälle mit und ohne Fahnenklau. Bei mir war es zwar schon eine Weile her, aber ich erinnerte mich gerne daran (als wäre es erst gestern gewesen.) Zum Schluss kamen wir überein, dass wir im Winter wiederkommen würden und den Kindern bei der Pfadfinderschaft, einiges übers Mittelalter erzählen würden.
Also liebe Moni, danke nochmal und sag deiner Familie ganz liebe Grüße und ein dickes Dankeschön von uns, ihr bleibt uns unvergessen und vorallem jetzt auch verewiglicht für immer im Netz…und keine Angst, ich schreibe wie ein Weltmeister, aber es wird und wird nicht fertig….(Liebe Moni, bis jetzt haben ich nicht fertig schreiben können, aber ich bin wieder dran. Und mein Angebot steht noch, bei den Pfadfindern vorbeizuschauen. Vielleicht nächstes Jahr!)
Nachdem uns zum hundertsten Mal, so scheint es, etwas zum Essen angeboten wurde und wir dankend ablehnen mussten. Wir hatte so viele Lebensmittel gekauft, dass wir unserer Sachen essen mussten, schon allein um Gewicht zu reduzieren. (Dass ich das mal ernsthaft sagen würde, ist mir bis heute unverständlich!) Wir gingen dann irgendwann wieder aufs Zimmer, wir mussten so viel Tagebuch schreiben, etwas essen und vorallem duschen und Wäsche waschen.
Ich finde es schön, dass uns so viel Vertrauen entgegen gebracht worden ist und soviel Herzlichkeit, dass ich gleich soviel schreiben musste, weil ich so gerührt war. Ähnlich wie in Vornbach, schaffe ich es nicht meine Gefühle über diese Begegnung in Worte zu fassen. Danke nochmal.

So viel Sünden könnts ihr garnet ham…

Jakobsweg Zeitreise – So viel Sünden könnts ihr garnet ham…

Wir gingen also, den steinigen Weg rauf, am ersten Marterl, stand eine leere Bierflasche. Und ich dachte mir wieder, diese Jugend heutzutage. Die machen jetzt schon Marterlsaufen, oder was? Du gehst mit nem vollen Träger Bier auf den Kreuzweg, bei jedem Marterl, eine Flasche auf Ex…ich glaubs net. Wir fanden zum Glück nicht noch mehr leere Bierflaschen, ist es dann doch nicht so schlecht bestellt mit der Jugend heutzutage.
Langsam ist es echt so weit, dass ich mich frage, warum wir des eigentlich machen, aber als wir dann oben am Berg bei der kleinen Kapelle ankamen, wurden wir für die Schinderei belohnt. Die Siebenschläferkirche zu Rotthof war wohl auf eine Gedenkstätte der Römer gebaut worden. Es waren einige Grabsteine von Römern gefunden worden, die wir jetzt bewundern konnten. Jetzt haben wir den ersten echten Beweis, warum der Römerradweg auch so heißt. Wir schrieben ins Gästebuch der Kirche und gingen wieder.
Mir ist aufgefallen, dass wir jetzt ja schon viel Kirchen gesehen haben und jedes mal wenn wir zur Kirche gehen, gehen wir erstmal einmal um die Kirche, bis wir die Türe finden, die dann vielleicht auch wirklich offen ist. Aber jedes mal gehen wir erstmal um die Kirche rum und jedes mal gehen wir verkehrt herum um noch mehr gehen zu müssen, anscheinend. Es könnte auch daran liegen, dass die Hanna immer links rum geht und ich immer automatisch rechts rum gehe. Woran des bloß liegt, ich bin übrigens Linkshänder….
‚So viel Sünden könnts ihr garnet ham, dass ihr euch so schinden müssts!‘ sagte ein Mann, der mit seinem Hund Gassi ging. Der Satz brachte mich wieder zum Grübeln….
Eigentlich haben wir die Pilgerschaft nicht aus religiösen Gründen angefangen, aber irgendwie, so im Nachhinein betrachtet, ist es schon irgendwie eine Bußwallfahrt gewesen und wird es noch sein. Zumindest für mich!
So viel Sünden könnst ihr gar net ham, dass ihr euch so schinden müssts, vielleicht nicht! Vielleicht gerade deswegen. Die Überlegung ich müsste meine ganzen Sünden seit meiner letzten Beichte, bei meiner Firmung, jetzt auf einmal beichten: Der arme Pfarrer, nach der Beichte muss der Pfarrer dann wahrscheinlich erstmal ins Kloster und wird nie wieder jemanden die Beichte abnehmen.
Und vorallen, so mit der Sache: Unbefleckt in die Ehe! Durch eine Beichte werd ich doch jetzt auch nicht mehr Jungfrau. Und soweit ich weis, gibt es bei Gott auch keine Verjährung.
Aber des mit den Ablaufen von den Sünden ist eigentlich eine gute Idee, für mich hat es ja schon irgendwie eine reinigende Wirkung und erschreckend ist es, dass so was gerade ich sagen muss. Weil ohne mein verkorkstes Geschlechtsleben hätte ich wahrscheinlich nie zum Schreiben angefangen.
Und ganz nebenbei ohne das Mittelalter und meinem Schwager, den , Albrecht ‚der Bär‘, wäre ich auch nie dazu gekommen, den Jakobsweg zu gehen. Und weil es wirklich ziemlich authentisch zu sein scheint und ich auch endlich mal was zum Schreiben hab, was nicht ausschließlich was mit meinem Geschlechtsleben zu tun hat, werde ich woll weitermachen und wenn wir in Santiago angekommen sind, können eigentlich auch jedem meine Sünden egal sein, vorallen mir und ich glaube, dass ich dann vielleicht auch nichts mehr beichten muss.
Nachdem die Hanna ihre Sünden bestimmt schon bei Vornbach abgelaufen hatte, weil sie wesentlich weniger gesündigt haben kann, sie ist ja immerhin 10 Jahre jünger als ich. Trägt sie jetzt irgendwie meine Sünden mit ab, wir werden aber trotzdem bis Santiago laufen, auch wenn wir irgendwann keine Sünden mehr hätten.
Nein, so richtig bereuen kann ich eigentlich nichts, weil ich bis jetzt zumindest nicht der Meinung war, dass ich gesündigt habe. Und ihr hättet definitiv nicht so viel zu lesen, wenn mir beim Sündigen nicht immer so viele komische Sachen passieren würden.
Eigentlich denke ich mir immer, nein, des kannst du nicht schreiben, das ist zu persönlich und ich könnte ja jemanden auf den Schlipps treten, aber wenn ich es nicht erzähle, dann glaubt mir des ja keiner.
Und es ist gut so, auch wenn sich jemand auf den Schlipps getreten fühlt. Ich hab ja meistens den Unsinn nicht gemacht (*) muss aber damit Leben und da ist es eigentlich mein gutes Recht, alles auf meine Weise zu verarbeiten. Sorry, aber des hätten sich vielleicht manche vorher überlegen sollen….

(*) Mitgemacht hab ich aber doch, vielleicht muss ich doch ein bisschen was bereuen, garantiert nicht alles, weil dann würde ich mich ja irgendwie selbst belügen. Und Spaß gemacht hat es ja doch irgendwie, verdammt viel Spaß sogar und auch wenn ich dafür in die Hölle kommen sollte, dann pilgere ich trotzdem weiter…

Wer Pilger verarscht kommt in die Hölle

Jakobsweg Zeitreise – Wer Pilger verarscht kommt in die Hölle


In Ruhstorf waren wir im hiesigen Edeka und deckten uns mit Vorräten ein. Beim Einkaufen ist uns schon aufgefallen, dass uns die Leute und vorallem die Jugendlichen ganz schön blöd anschauen. Uns ist auch erst viel später aufgefallen, dass heute ja der 1. April ist, aber deswegen kommt man trotzdem in die Hölle, wenn man Pilger verarscht. Es ist unglaublich, dass die Jugendlichen heutzutage keine Ahnung haben, dass der Jakobsweg durch ihren Ort geht, aber gleich mal lästern und zwar ohne die Hand vor den Mund zu halten. Die dachten wahrscheinlich, wir verstehen kein Deutsch oder Bayrisch…
Und dass grad ich das sagen muss, macht mich besonders traurig. Ich als aus der Generation X, die selber aufm Dorf aufgewachsen ist, aber ich glaube behaupten zu können, dass ich nie einen solchenen Kleingeist an den Tag gelegt habe, wie wir es heute erlebt haben. Generation Hartz IV!
Wir schickten unsere überflüssigen Bücher und Karten, mit der Post nachhause und liefen wieder zum Rathaus, da es auch in diesem Ort keinen Marktplatz gab. Wir machten Mittag und entsorgten unseren Müll. Ich putzte meine Zähne auf dem öffentlichen Klo und eine Rolle Klopapier aus der Männertoilette wanderte in eine unserer Kraxen. Ich muss bei Gelegenheit mal ein Päckchen mit einer Rolle nach Ruhstorf schicken um die gestohlene Klopapierrolle wieder zu ersetzen.
Wir liefen also weiter und wir kamen wieder am Edeka vorbei, als wir einige Jugendliche sahen, die mit dem Finger auf uns zeigten und sich lautstark über uns lustig machten. Zu allem Überfluss kamen sie über die Straße und machten Handyfotos von uns. Sie warfen uns unfreundliche Fragen hinterher, machten weiter Fotos. Dann entschloss ich doch stehen zu bleiben und einen Schritt zurück zu gehen. ‚Wer Pilger verarscht, kommt in die Hölle!‘
Das interessierte sie nicht weiter und sie lachten…
‚Ach, im Religionsunterricht und im Geschichtsunterricht haben wir also auch nicht aufgepasst!‘ und ich drehte mich wieder um und ging meinen Weg weiter…
Ich kann mich gar nicht genug über die Jugend heutzutage aufzuregen. Man sollte das Kindergeld in Büchern auszahlen oder die Prügelstrafe wieder einführen. Und dass ich das sagen muss, macht mich noch wütender. Ich hab nie viel gelernt und auch nie viel gelesen. Was man auch ein bisschen an meinen vielen Schreibfehlern merkt. (Ja, Uli und meine Grammatik!) Ich mag gerne auch dumm sein, weil ich in Mathe beim Sinus/Kosinus geistig abgeschalten habe. Und ich hab mir sagen lassen, dass wenn man das nicht kapiert, dass das Gehirn dann mit weniger Kapazität arbeitet, wie bei denen die auch das mit der Quantenphysik kapiert haben. Gut, ich behaupte jetzt einfach mal, dass mein EQ größer ist als mein IQ, aber mein Emotionales Einfühlungsvermögen schaltet sich leider bei dummen Menschen ab, zumindest bei denen, die mir geistig nicht folgen können, was ja eigentlich kein Problem sein sollte, oder?
Nachdem ich ja mittlerweile weiß, dass ich nicht nur die Quantenphysik nie verstehen werde, sondern dass man mein Deutschproblem heute Wort-Bild-Schwäche nennt, versuche ich wenigstens was daran zu ändern. Ich hab immer viel zugehört und Fragen gestellt, weil ich immer neugierig auf vieles war, was ich nicht wusste oder nicht verstand (Außer Mathe!) und was ich vielleicht nie verstehen werde (Mathe zum Beispiel!), aber ich versuche es wenigstens. Und ich höre viele, viele Hörbücher, weil ich in der Langsamkeit, wie ich Bücher lese, meinen Wissensdurst gar nicht befriedigen kann.
Und es hilft nicht Galileo zukucken (oder irgendwelche Dokumentationen auf Phönix!!), es ist zwar löblich, aber Wissen für geistig Arme, in mundgerechten Stückchen für die Werbepausen verpackt und meist gibt es halt nur 1000 Fragen und beantwortet wird dann am Ende doch nichts so wirklich….da sollte man vielleicht dann doch lieber Willi wills wissen kucken….
Wir liefen also weiter, die Dorfjugend hinter uns lassend, der Ruhstorfer Kirchenweg war mit Jakobswegschildern gepflastert und obwohl es bergauf ging, liefen wir beschwingt weiter. Da hielt ein Wagen einer Gärtnerei neben uns, und der Fahrer sprang gleich aus dem Wagen um uns zu befragen, er wollte gleich mitgehen (bis Santiago!). Schon komisch, aber wir lehnten auch diesmal dankend ab und gingen weiter.
Außerhalb von Ruhstorf ging die Straße links einen Berg runter und ein Feldweg rechts einen fiesen Berg hoch. Und der Weg ging natürlich den steinigen Weg hinauf zu einer kleinen Kappelle. Ich musste tatsächlich an eine Zeile aus einem Kirchenlied denken, als ich den Berg und den Weg sah

Deine Spuren im Sand

Jakobsweg Zeitreise – Deine Spuren im Sand

Ich bin dann aus Erschöpfung eingeschlafen und träumte süß vor mich hin, diesmal nicht von Vergewaltigern, aber von Josefine Mutzenbacher, was für meine beengten Verhältnisse gerade ausreichte…(Breitunddreckiggrins!)….als wir unsanft von einer Horde grölender Bauarbeiter und einem Riesenbagger aufgeweckt wurden. Wir müssen ganz schön blöd aus der Wäsche geschaut haben, aber die Bauarbeiter erst, als wir in unserer Mittelalterwäsche aus der Dackelgarage gekrochen kamen. Erschreckenderweise blieb ich völlig ruhig und erklärte dem Vorarbeiter, was wir hier machen und warum wir so komisch ausschauen. Es muss eine echte Attraktion für die Bauarbeiter gewesen sein, wann überrascht Mann schon mal zwei Frauen in einer Dackelgarage in einem Deckenschlafsack, mit zwei Kraxen vor dem Zelt in den Innauen. Von oben, von der Sanddüne aus, muss das Bild auch eher nach einem olivgrünen Penis mit Vorhautverengung und zwei brauen Eiern ausgesehen haben.
Es ist jetzt übrigens der 01.04.08 ca. 7.00 Uhr und wir packen ganz schnell unsere 7 Sachen und verpissen uns im wahrsten Sinne des Wortes ins Dschungelcamp….Das war die Rache des kleinen Mannes an das System, wenn auch des Dschungelcamp so unauthentisch ist!
Ich hab mich dazu entschieden meine Holzschuhe wieder anzuziehen und die Römersandalen ganz unten in die Kraxe zu packen. Die nächste Etappe war ziemlich ätzend, wie gut dass das Wetter nicht so schön war, sonst hätte es uns nochmal so aufgebrannt, wie gestern.
Ich dachte wieder über die Römer nach, wir liefen ja schließlich schon eine Zeit lang auf dem Römerradweg. Die Sandalen haben sich echt als untragbar erwiesen und ich kann mir irgendwie nicht vorstellen, wie die Römer des alles so geschafft haben, wie sie es eben geschafft haben.
Seit gestern Abend habe ich die Vermutung, dass unser Trinkschlauch ein Loch hat. In der Früh schien er zwar außen trocken, aber vor lauter Bagger und Bauarbeiter, hab ich auch nicht wirklich geschaut.
Wir kamen bei Mittich auf eine große Kreuzung und haben gelbe Straßenschilder entdeckt: Passau 22 km / München 157km
Es war echt zum Heulen, ich musste wieder an den Biber denken.
In Mittich selber kamen wir an einer toten Ratte vorbei, direkt über den Friedhof zur Kirche, wir füllten unsere Wasserflaschen am Friedhofsgießwasserhahn auf. In der Kirche war, wie war es auch anders zu erwarten, niemand. Wir liefen weiter auf dem Radweg an der Bundesstraße entlang und machten bei einem riesigen Gewerbeparkbauschild Rast und frühstückten erstmal, es war gerade mal 09.30 Uhr. Der Wasserschlauch hatte tatsächlich ein Loch und ich entdeckte mehrere Risse am Fußballen meines linken Holzschuhs. Ich versuchte wieder mit Wachs die Schuhe notdürftig zu kleben. Das kann ja heiter werden.
Ich bin ja gespannt, welches Drum als erstes das Zeitliche segnet. Ich hoffe nicht die Schuhe, weil Römer und so….

Wir hatten ja zwei Rubriken, was mache ich wenn der Anderl uns abholt, mit meinem Auto und was esse ich am Samstag Abend in der Schandgeige.
Wenn ich in meinem Auto sitze und meine Handtasche hoffentlich noch im Auto liegt. Werde ich mir genüsslich die Ohren putzen und die wahrscheinlich ziemlich ekeligen Stäbchen aus dem Fenster schmeißen, mein Deo benützen und meine Haare kämmen, mir meinen Iro zum französischen Zopf flechten und meine Docs anziehen. Nächster halt ist der MC und der
Anderl muss uns zwei Chicken Wraps holen, damit wir nicht zu sehr sündigen. Zuhause dann wird erstmal die Kraxe gewogen, dann ich mit Klamotten, dann Baden mit Fichtennadelbad, nochmal wiegen ohne Klamotten und ohne Dreck, dann müssen wir verdammt viel Wäsche waschen, dann Sofa, Fernseher an und schlafen. Samstag Abend Schandgeige und ich will glaub ich Wildschwein und diese Schokoladenecken, für die ich übrigens genauso morden würde, wie für einen lauwarmen schwarzen Tee mit viel weißen Zucker…
Ich schweife ab, wir liefen also Richtung Ruhstorf a.d. Rott, der Weg wurde immer ätzender, meine Waden brannten und Hannas Füße taten weh und wir hatten schon seit einer Ewigkeit kein Jakobswegschild mehr gesehen. Auch die Hochlandrinder, die wir unterwegs trafen, machten uns den Weg nicht angenehmer. Wir latschten eine Zeit lang an der Rott entlang und kamen dann endlich an ein Jakobswegschild. Der Weg wurde zwar nicht besser, noch schöner, aber die Schilder überhäuften sich schier.

In Ruhstorf angekommen, ging es ewig durch ein Wohngebiet, bis wir endlich zum Rathaus kamen. Wir holten uns einen Stempel und gingen erstmal Einkaufen…

Der Untergang des römischen Reiches

Jakobsweg Zeitreise – Der Untergang des römischen Reiches

Der Weg war weit und es gab fast keinen Schatten, die Sonne brannte auf uns nieder…Wir liefen den langen steinigen Weg nach Neuhaus und jetzt wurde es richtig anstrengend. Die Hitze machte uns ganz schön zu schaffen, Hannas Füße und meine Waden hielten uns oft auf und wir dachten, wir kämen nie in Neuhaus an. Wir kamen an einem Ziegengatter vorbei und die Ziegen liefen uns entgegen und uns dann hinterher, als wir am Gatter vorbeiliefen. Vor uns kam ein Wasserschloss in Sicht und wir waren endlich in Neuhaus angekommen. Jetzt mussten wir einen richtig ätzenden Berg hinauf um zur Kirche zu kommen und wehe dem, der uns keinen Stempel gibt. Oben am Berg war keine Kirche, aber dafür ein Rathaus. Den jungen Standesbeamten störten wir in der Mittagspause, aber gab uns lächelnd einen Stempel, der erste Richtige übrigens. Der junge Mann mit dem Emo-Ohrring wünschte uns alles Gute und wir latschten den Berg wieder runter. Und jetzt bereute ich endgültig die Römersandalen angezogen zu haben. Runter ist nämlich viel schlimmer als rauf.
Ich machte mir ernsthaft Gedanken, wie die Römer mit diesem Schuhwerk über die Alpen kamen und dann noch ganz Europa unterjochen konnten, mit diesen Schuhen, selbst wenn sie nadelgebundene Socken gehabt hätten, hätten sie sich spätestens in Neuhaus die Waden rausgeschnitten. Bestimmt hatten die römischen Soldaten alle Plattfüße. Und ich denke nicht, dass die so schwere Kraxen hatten wie wir. Die hatten bestimmt Esel oder Sklaven, die ihr Zeug schleppten, weil so aufgepackt wie wir, wären die nie bis nach England gekommen.

Wir machten am Inn, in der Nähe vom Wasserschloss, Mittagspause. Ich war so im Arsch, dass ich nach dem Essen gleich eingeschlafen bin.
Da war so ein älterer Mann, der am Inn seine Gartenlaube hatte und er hatte uns schon beim Essen gestört und als ich dann später zu dem Schloss rüber ging, weil ich dort eine Nonne beobachtet hatte, hupte er mich an, als er mit seinem Moped an mir vorbeifuhr. Im Schloss war kein Kloster, sondern eine Maria-Ward-Realschule. Die Nonnen waren sehr nett und ließen mich meinen Wasserschlauch auffüllen, aber eine Unterkunft konnten sie uns leider nicht geben. Aber der alte Mann, bot uns gleich an, wir könnten ja in seinem Garten zelten. Wir lehnten dankend und verschwanden schneller als wir angekrochen kamen.
Ein Stück weiter war der Zulauf von der Rott in den Inn und in den Auen dieses Deltas (grins) beschlossen wir in einer Sandsenke unser Zelt aufzustellen. Liebes Dschungelcamp, wir haben extra im Dreck geschlafen, weil wir nicht im Dschungelcamp schlafen wollten, weil es uns zu unauthentisch war. Außerdem hätte es was gekostet, es war zwar keiner da, aber erwischt werden wollten wir auch nicht.
Also versuchten wir mitten am Strand von der Rott eine Dackelgarage aufzubauen, was uns nicht wirklich gelang. Könnte auch daran liegen, dass wir von den nur 4 Heringen, bereits einen in Passau in meinem Auto verloren hatten und selbst, wenn wir den 4. noch gehabt hätten, dann wäre es auf dem Sandplatz nicht besser gegangen.
Zum Glück bin ich bei der Bundeswehr, wegen meiner Konservierungsmittelallergie nicht genommen worden, die hätten mich spätestens nach dem ersten Dackelgaragenaufbau unehrenhaft entlassen….
Auch wenn ihr es nicht wissen wollt, ich muss es schreiben. Ich hatte meinen ersten Freiluftschiss meines Lebens zwischen zwei Sanddünen am Zulauf von der Rott zum Inn. Ich mache seit 9 Jahren Liverollenspiel und bin seit 3 Jahren jedes verdammte Wochenende in der Saison auf einem Mittelaltermarkt, aber ich habe echt noch nie im Freien geschissen. Ja, gut ich bin ein Heimscheißer, jetzt ist es raus.
Natürlich habe ich meine Hände gewaschen, bevor ich ein wunderbares MORETVM zubereitete, das MORETVM ist auch die einzige Erklärung, warum die Römer es bis England schaffen hätten können. Es war auch ohne der Zutat X aus dem Vereinsheim und ohne Öl ein Hochgenuß. Da ist so viel Knoblauch drin, dass sie auf ihren Sandalen bis England geflogen sein müssen. (Habe im Übrigen vergessen zu erzählen, dass wir im Vereinsheim bei der Volksküche eines der perfektesten MORETVMe im Dies- und Jenseits gefertigt hatten, mit dem wir dann beinahe den Moses umgebracht hätten. Als Knoblauchallergiker wäre er im Römischen Reich nicht besonders weit gekommen.)
Bis wir beide endlich in der Dackelgarage zum Schlafen eingeparkt hatten, ist auch einmal das Zelt über uns zusammengebrochen, aber ansonsten hielt es stand.
Nachdem wir so fertig waren, von der anstrengenden Etappe, waren wir echt froh, endlich im Deckenschlafsack zu liegen und sich einfach mal nicht bewegen zu müssen.
Die Reifenspuren oben auf der Düne hatte ich bei der Anreise kaum beachtet und hab sie auch ehrlich gesagt völlig vergessen. Ich schlief schnell ein. Ich hatte beim Bettenbau auch extra die Felle weiter auseinander gelegt, damit ich nicht wieder im Dreck liegen muss, weil heute Nacht braucht mein Kreuz eine warme, weiche Unterlage.
Ich schlief tatsächlich gleich ein, bis ich mitten in der Nacht zwischen den zwei Fellen aufwachte. Wie mans macht, macht mans falsch. Ich gab es schließlich irgendwann auf warm und weich zu liegen, weil ich mich im Deckenschlafsack verklemmt hatte.

%d Bloggern gefällt das: