Kam ein Nerd in eine Bar….

Kam ein Nerd in eine Bar…. 

peanutsKam ein Nerd in eine Bar, er trug ein Nerdshirt mit der Police Box aus Dr. Who, setzte sich an den Tresen und bestellte ein Bier.

Hinterm Tresen stand heute eine Frau, sie trug ein viel zu enges Blue Sun Shirt und grinste ihn lächelnd an und stellte ihm ein Augustiner hin.

An der Bar saß ein junges Pärchen und die junge Frau meinte schnippisch: ‘Kriegt man hier auch ein Bier…?’

Die Barkeeperin meinte nur gelangweilt: ‘Augustiner, Tegernseer, Franziskaner, Schneider Weisse, Aventinus, KDL, Astra, Despo, Radler, Becks, Becks Lemon oder Blue?’

Die junge Frau meinte kleinlaut und zickig zu gleich: ‘2 Becks Lemon, Bittäh!’

Die Barkeeperin stellte die beiden Biere hin, nachdem sie diese geöffnet hatte und nuschelte: ‘5,80!’

‘Schatz, kannst du zahlen, ich hab kein Geld dabei!’ trällerte die junge Frau.

Der Typ kramte mürrisch in seinen Hosentaschen herum und legte 6 Euro in Münzen hin und murmelte: ‘Stimmt so!’

Die beiden dackelten in den hinteren Teil der Bar und der Tresen war wieder leer, nur noch der Nerd und die Barkeeperin standen sich vom Tresen getrennt gegenüber.

‘’N Schnaps!’ murmelte der Nerd und trank von seinem Bier. ‘Den Billigen!’

Die Barkeeperin zog eine Flasche mit grüner Flüssigkeit aus dem Regal und drehte sich mit einer erhobenen Augenbraue zum Nerd. ‘Trink nie allein!’ meinte sie kühl und stellte zwei Schnapsgläser auf den Tresen. ‘In deiner Welt ist alles in Ordnung?’ fragte sie, goss die beiden Gläser voll. ‘Prost, Kleiner!’

Er stürzte den Schnaps runter und stellte das leere Stamperl wieder hin. Sie hatte noch gar nicht getrunken. Während er sie erwartungsvoll anblickte, ließ sie sich verdammt viel Zeit, um dann ganz genüsslich die kühle Flüssigkeit die Kehle runterlaufen zu lassen. Dann verzog sie das Gesicht und würgte fast.

Über sein Gesicht zuckte ein kleines Lächeln, er hielt ihr aber dennoch das leere Schnapsglas hin.

‘Boa, wie kannst du die Ekelplörre nur saufen?!’ meinte sie und goss ihm noch ein Stamperl ein.

‘Das Pfefferminzzeuch ist billig und macht schnell blöd.’ meinte er und schüttete sich den Schnaps in den Mund, gurgelte und schluckte. ‘Ist super gegen Zahnschmerzen und macht nen frischen Atem!’

‘Nun zu dir, du hast das selbe Shirt an wie gestern!’ meinte die Barkeeperin und pochte dabei mit den Fingernägeln auf dem Tresen.

‘Ja Mama! Gib mir noch nen Schnaps!’

Sie nahm ihm das leere Glas weg und stellte ihm wenig später ein Größeres hin, dass sie wieder füllte, während sie auf ihn einredete: ‘Ich nehme an, du brauchst erst einen gewissen Pegel, bevor du mir erzählst was du gestern noch mit der Ische getrieben hast, du böser Junge, du.’

‘Ach, die Ische von gestern Nacht! Das kann ich dir auch jetzt erzählen!’ meinte er ziemlich laut, kippte das Stamperl auf Ex, um dann keuchend fortzufahren. ‘Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das Letzte mal nüchtern Sex hatte!’

‘Könnte evtl. daran liegen, dass du dich immer zuschüttest wie ein Seemann auf Landgang und dich dann von minderjährigen Ischen abschleppen lässt.’

‘Ja und so geil sind die meistens gar nicht…!’ säuselte er.

‘Könnte an der verschobenen Wahrnehmung deiner betrunkenen Seele liegen!’

‘Ich kann ja nicht immer das ganze Wochenende nur Pornos schauen und…’ flüsterte er mehr zu sich, als zu ihr.

‘Du kriegt noch einen lahmen Arm, wenn du dir den ganzen Tag einen wedelst.’ lachte sie.

‘Ja, aber nüchtern nimmt mich doch keine mit!’ heulte er los.

‘Ich würd dir auch einen Blasen, wenn du stocknüchtern wärst!’ grinste sie und goss ihm noch Einen ein.

‘Aber du könntest meine Mutter sein!’ rief er entsetzt und grinste dann ziemlich dreckig, kippte das Stamperl runter und winkte dann mit seinem Stamperl, noch bevor er runtergeschluckt hatte.

‘Aber nur in einer echt zerrütteten Familie!’ lachte sie und goss das Stamperl wieder voll. Sie hob den Finger, drehte sich um und wirtschaftete hinter der Theke herum.

Sie kam mit einem Schälchen mit Erdnüssen zurück und stellte es vor den Nerd. Er friemelte an dem Schälchen herum und meinte: ‘Weißt du, dass ich immer erst die halben Erdnüsse esse und wenn keine mehr übrig sind, dann zerteile ich die Ganzen bevor ich sie esse!’

‘Und da wunderst du dich noch, warum du immer nur Sex hast, wenn du besoffen bist? Trink noch einen, schöner Mann!’ meinte die Barkeeperin und goss ihm noch Einen ein.

Er kippte erneut einen Doppelten runter und winselte dann wieder: ‘Als ich heute aufwachte, war ich allein und nackt!’

‘Und lass mich raten, die Ische hat dir eine deiner Actionfiguren auf den Schwanz geklebt?’

‘Woher weißt du das?’ rief er bierernst. Musste dann aber gleich schallend lachen, dann brach er ab und meinte er wieder weinerlich und ernst zu gleich: ‘Dabei hab ich mir doch so Mühe gegeben…’

‘Okay, ich komm nicht ganz mit! Du bist dir sicher, dass du nicht der uneheliche Sohn von Klaus Kinski bist!’

Er kramte sein Handy raus und meinte: ‘Schau mal, was sie heute morgen getwittert hat: U3Min.Sex! Da steht es!’

‘Du hast kein Netz hier unten, Schätzchen!’

‘Ich hab die ganze Zeit nur daran gedacht…!’

‘Ich glaub ich mach dir nen Kaffee!’

‘Bleib oben, Tiger! Bleib oben!’

Sie fing an zu singen: ‘Dinge, die ich gar nicht wissen will…!’

‘Egal. Dann hab ich den ganzen Tag Pornos geschaut…!’

‘Tut mir ja auch leid, dass wir erst um Acht aufmachen!’

‘Dann hab ich mir eine Pizza bestellt!’ heulte er wieder.

‘Sag mal flennst du jetzt?’ fragte sie irritiert.

Plötzlich packte er sie am Shirt, zog sie über den Tresen zu sich heran und flüsterte wieder. ‘Die  Pizza kam zu früh… ähm… Also vor mir!’

‘Oh mein Gott, du bist nicht mit dem Ständer an die Tür gegangen?’

‘Ja…nein. Ich hab ihn im Hosenbund eingeklemmt!’

‘Dir ist klar, dass ich mir das bildlich vorstellen muss!’

‘Und weißt du, er ist halt einfach zu mächtig, als dass er von einem Hosenbund zurückgehalten werden könnte.’

‘Warte trink lieber noch einen, bevor es zu peinlich wird!’ rief sie belustigt und stellte ihm gleich die Flasche hin. Dann hustete sie in ihr Fäustchen etwas was sich so anhörte wie: ‘Too much information!’

‘Und als ich die Tür auf gemacht hatte, steht eine blonde Pizzabotin vor mir. Mein Schwanz muss sich in der Hose irgendwie selbst befreit haben und stand quasi zwischen mir und ihr. Sie blickte auf meinen Schwanz und dann wieder in mein Gesicht!’

‘Ringeringedingdong! Und was hat sie dann gesagt?’

‘24,50!’

‘Nicht dein Ernst! Was hast du gemacht?’’

‘Ich hab ihr 30 Euro gegeben und gesagt: Stimmt so!’


(Ähnlichkeiten mit Personen aus dem realen Leben sind in einer fiktiven Geschichte gar unmöglich und somit reiner Zufall.)


P.S. Bleib oben, Tiger! Bleib oben!

Sommer, Sonne, Sonnenschein im Park

Sommer, Sonne, Sonnenschein im Park

IMG_20140605_151353021Geräusche drangen an ihr Ohr. Waren das Vögel? Nein, die Zirkaden zirpen ihr Lied. Sie sind nicht mehr in Kansas!!

In ihrem Kopf wummerte es. Die Zirkaden schienen in ihrem Kopf zu sein. Ja und eine Party scheinen sie da auch zu feiern. Sie wollte sich bewegen, es ging aber nicht. Leichte Panik kam über sie. Sie hatte keine Kontrolle über ihren Körper. Es war so, als wäre sie in der Tiefschlafphase von einem bösen Traum geweckt worden. Sie lag völlig gelähmt da und wusste nicht wo sie war. Sie konnte einen frischen Luftzug auf ihrer Haut spüren und sie konnte spüren, dass sie nur noch einen Schuh trug. Von dem fehlenden Schuh mal abgesehen, schien sie zumindest noch irgendwie bekleidet zu ein. Sie hatte nur den Eindruck, als wäre ihre Strumpfhose irgendwie kaputt gegangen… Verdammt, die war echt teuer!

Entweder war die Party letzte Nacht echt hart gewesen oder sie hatte einfach vergessen den zweiten Schuh auszuziehen. Oder beides! In ihrem Bett lag sie dennoch nicht und sie ärgerte sich immer noch über die kaputte Strumpfhose.

Aber wo sollte sonst der frische Luftzug um sie herum herkommen und die Zirkaden? Wenn nicht, weil sie draußen war? Und Warum? Wo war sie nur? Und was hat sie da nur geritten, bei der Kälte draußen zu pennen?

Zwei Krähen plärrten und sie konnte Flügelschlagen hören. Sie musste wirklich irgendwo draußen liegen. Das könnte auch den harten Untergrund erklären. Erst jetzt spürte sie die Steine in ihrem Gesicht, sie lag so halb auf der Seite und offensichtlich mit der Fresse im Dreck.

Als sie eines ihrer Augen öffnen wollte, schaffte sie es nicht, irgendwie war ihr Auge verklebt. Reflexartig versuchte sie ihre Hand zu bewegen. Sie wollte sich übers Gesicht wischen, doch sie konnte ihren Arm nicht bewegen. Sie konnte beide Arme nicht bewegen!! War sie gefesselt? Ja, verdammt!

Die Fesseln schnitten in ihre Handgelenke. Sie wollte schreien, vor Schmerz und um Hilfe! Doch ihr Mund war auch verklebt, so dass sie nur ein Wimmern von sich geben konnte. Bei jeder Bewegung ihrer Handgelenke schnitten die Fesseln noch mehr ins Fleisch. Sie hatte das Gefühl, als würden die Fesseln auf dem blanken Knochen scheuern. Sie konnte sich nur unter Schmerzen bewegen und sehen konnte sie auch nichts. Und schreien auch nicht!

Das war der Moment wo man in der Regel in Panik verfällt. Doch sie versuchte so ruhig wie möglich zu atmen. Sie bekam noch dazu kaum Luft, ihre Nase war irgendwie zu und ihr Mund, war das ein Knebel?

Wenn das ein schlechter Scherz sein soll, dann wäre jetzt der Punkt, wo alle lachen, bis auf eine. Aber es lachte keiner. Oder doch?

Sie hörte Stimmen und Geräusche, die schnell näher zu kommen schienen.

‘…wenn man sich dann immer rumärgern muss…!’

‚…hätt ich auch keinen Bock mehr…!‘

Die Geräusche entfernten sich wieder, wie die beiden Personen, die eben noch gesprochen hatten. Dann kam wieder ein Geräusch. Ein Fahrrad auf einem Kiesuntergrund. Sie musste unweit von einem Weg im Dreck liegen. Warum bemerkte sie keiner? Hilfe!

Sie versuchte noch einmal die Augen zu öffnen. Mit einem Ruck und unter Schmerzen sprang ihr Auge endlich auf und die grelle Fratze am Himmel stach ihr förmlich ins Auge, deshalb schloss sie das Auge wieder, auch auf die Gefahr hin, dass sie es nie wieder aufbekommen würde. Wahrscheinlich hatte sie sich eh ein paar Wimpern ausgerissen. Was war das für ein klebriger Scheißdreck in ihrem Gesicht?

Sie versuchte sich auf die Seite zu wälzen und blinzelte.

Wieder Stimmen. Diesmal kamen sie langsam auf sie zu.

‘Wenn ich abends alleine bin, muss ich immer an dich denken…!’

IMG_20140603_175445817Wie gut, dass sie die Antwort nicht mehr mitbekommen hatte. Ihr schwappte Erbrochenes in ihre Mundhöhle. Dort war allerdings ziemlich wenig Platz und der Knebel versperrte den Weg nach draußen, also schluckte sie schwer…War wohl nicht ihr Tag heute?! Und warum konnte sie sich an die Party nicht erinnern?! Sie versuchte sich erneut herumzudrehen, und unter unglaublichen Schmerzen gelang es ihr. Doch ihre Drehung wurde je von etwas Harten in ihrem Rücken aufgehalten. Mit ihren gefesselten Händen konnte sie den Stamm eines knorrigen Baumes ertasten. Sie öffnete wieder ihr Auge, dass andere wollte einfach nicht aufgehen. Sie blickte den Stamm einer buckligen Trauerbuche hinauf. Das passt ja. Irgend so ein armer Irrer hatte ein Herz auf den Stamm der Trauerbuche gemalt. C + R? Hat wohl nicht geklappt, was?

Dann blickte sie an ihrem Körper herab. Sie trug ihr Lieblingskleid, die Strumpfhose war tatsächlich kaputt und von dem zweiten Schuh fehlte tatsächlich jede Spur. Sie war mit Klebeband gefesselt worden, dass konnte sie zumindest an ihren Füßen sehen. Aufstehen wird ziemlich schwer werden. Aber sie musste es versuchen. Sie mühte sich einen Moment ab und blieb dann erschöpft an Ort und Stelle liegen. Luft bekam sie nun fast gar nicht mehr. Sie spürte warme Flüssigkeit, wie sie über ihr Gesicht kroch. War das Blut? War sie verletzt? Dem Ersticken nahe drehte sie sich wieder mit dem Kopf nach unten. Und dann sah sie das Blut. Es musst aus ihrer Nase kommen!

Die Angst gleich ersticken zu müssen, übermannte sie und sie wusste sich nicht mehr anders zu helfen, also versuchte sie mit ihren gefesselten Beinen gegen den Stamm zu schlagen. Sie musste Lärm erzeugen. Irgendwie.

Durch die Schläge gegen den Stamm wurde das Tape durchgewetzt und ihre Beine kamen frei. Endlich! Sie versuchte erst gar nicht aufzustehen, weil sie versuchte sich einfach umzudrehen und zumindest auf die Knie zu kommen. Und wenn sie aus der Scheiße kriechen musste!

Gedacht, getan! Bloß robbte sie mehr, als dass sie auf Knien über den Waldboden kroch. Durch die Anstrengung bekam sie zumindest wieder besser Luft und sie versuchte den Geräuschen entgegen zukriechen.

Irgendeiner dieser Jogger oder Biker muss sie doch sehen oder hören. Das Leben rannte in bunten Radlerhosen an ihr vorbei auf der Jagd nach verbrannten Kalorien. Und sie verhungerte an der ausgesteckten Hand mit der Fresse im Dreck. Sie wollte schreien, sie schaffte es aber nicht. Ihre Arme bekam sie auch nicht frei. Ihre Knie waren schon wund, aber sie musste weiter. Dornen rissen an ihren Klamotten. Die Schmerzen spürte sie schon lange nicht mehr, sie wollte nur weg hier. Nach da vorne in die Sonne, da wo die Leute sind, die arglos ihrem Sport nachgingen. Sie konnte vor sich schon den Weg sehen. Doch zwischen ihr und der Freiheit war noch eine Dornenhecke. Da musste sie jetzt durch.

Beherzt warf sie sich seitlich in die Hecke und versuchte sich mit den Beinen durch das Gestrüpp zu drücken. Die Dornen rissen an ihren Haaren und stachen in ihre Kopfhaut. Sie konnte kurz den weißen Kiesweg sehen, als sie plötzlich an beiden Beinen gepackt wurde und mit einem Ruck nach hinten gezogen worden. Sie kam gar nicht auf die Idee sich zu wehren, sie war von der plötzlichen Bewegung so schockiert, dass sie wieder wie gelähmt schien. War sie doch beinahe am Ziel angekommen. Die weißen Kiesel hatte sie doch schon im Blickfeld gehabt. Und da vorne müssen doch Leute sein.

Sie konnte ein fröhliches Pfeifen hören, während ihr Körper über den unebenen Waldboden gezogen wurde.

Irgendwann wurde von ihr abgelassen und sie versuchte im selben Moment zu flüchten, als ihre Beine freigegeben wurden. Besonders weit kam sie diesmal nicht, weil sie erneut gepackt wurde. Eine schleppenden, krächzende, männliche Stimme drang an ihr Ohr.

‘Mein Täubchen, du willst mich verlassen, ohne Aufwiedersehen zu sagen. Das macht mich wirklich sehr, sehr traurig.’

Während der Mann sprach, packt er ihren Kopf und zog ihn nach Hinten, so dass sie gezwungen war, ihm ins Gesicht zu sehen.

Dann fiel es ihr wie Schuppen aus den Haaren. Gestern Nacht war sie allein in der Stadt unterwegs und jemand hatte ihr einen Drink ausgegeben. Dieser Jemand! Dieser Grobian! Er packte sie an den Haaren und schlug sie hart ins Gesicht.

‘Ich hab gedacht, dass du mich liebst und dass du für immer bei mir bleibst!’ zischte er ihr zu, machte dann ein abfälliges Geräusch, riss ihr Kleid mit einem Ruck auf, bevor er fortfuhr: ‘Aber wenn du mein Vertrauen so mit Füßen trittst…!’

Er begann sie grob zu befummeln und schlug sie immer wieder ins Gesicht.

Mehr bekam sie gar nicht mehr mit, eine erlösende Ohnmacht ersparte ihr zumindest kurzzeitig die Schmerzen. Aber genau die Schmerzen waren es, die sie wieder zurück brachten.

Ihre Beine waren wieder gefesselt und sie hatte unglaubliche Schmerzen am Kopf. Ihr war kalt. Ziemlich kalt. Bevor ihr klar wurde, dass sie kaum mehr was anhaben musste, versuchte sie erneut die Augen zu öffnen. Es gelang ihr kaum, ihr Gesicht war wohl von den Schlägen ziemlich angeschwollen. Und genauso fühlte es sich auch an. Sie lag in einer klebrigen Pfütze und es roch nach Blut. Ihr Blut!

Von weit entfernt konnte sie wieder Geräusche hören. Sie röchelte vor sich hin, trotz des Knebels konnte sie Blut schmecken. Die Geräusche wurden lauter.

‘Was ist denn mit dir los? Du willst doch jetzt nicht schon wieder fahren?’ hörte sie eine hysterische Frauenstimme in der Ferne. Die Schritte kamen näher. ‘Wir sind andernhalb Stunden hier hergefahren und jetzt willst du sofort wieder heim? Was ist denn mit dir los, Herbert? So kenn ich dich ja gar nicht!’

‘Schau mal da liegt ein Schuh!’ meinte Herbert.

‘Diese Jugend heutzutage, keine Werte mehr. Lassen einfach ihre Schuhe hier liegen!’

‘Es ist nur ein Schuh, Edeltraut!’

‘Ein Schuh, ein Schuh! Trotzdem verantwortungslos! Wenn hier jemand stolpert. An dem spitzen Ding könnte man sich ja die Augen ausstechen.’

‘Sag mal ist das Blut, da am Schuh!’

‘Schau, hab ichs dir nicht gesagt, wie gefährlich so ein Schuhwerk sein kann!’

‘Da wird doch nichts passiert sein?’

‘Spinn dich aus Herbert, lass uns wieder heimfahren!’

Die Schritte entfernten sich wieder von ihr und sie blieb völlig fassungslos im Dreck und ihrem eigenen Blut liegend zurück. Diese ignorante Menschheit heutzutage. Ihr war so kalt und versuchte sich nochmal umzudrehen, damit sie die Sonne sehen konnte, wie sie durch die Trauerbuche schien. Die letzten Sonnenstrahlen des Tages streichelten über ihr zerschundenes Gesicht und ein Tropfen Blut fiel vom Baum herab und landete direkt in ihrem Auge.

C steht für Charlotte. Die nächsten Radfahrer und Jogger hörte Charlotte schon gar nicht mehr…

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Und R ist der Grobian. Am nächsten Tag würde man es in der Zeitung lesen können…

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