Regen im August – Teil 5

Regen im August – Teil 5

nebelSeverin trug Mathilda zurück zum Sofa, legte sie in die stabile Seitenlage und deckte sie zu. Dann setzte er sich an die Sofakannte und beäugte ihre Atmung. Der Sabber lief ihr aus dem Mund. Er beschloss ein Handtuch zu holen und stand langsam auf.

Als er wieder kam, wurde sie gerade wieder wach. Er reichte ihr das Handtuch. Sie wischte sich den Sabber vom Gesicht und blickte ihn hilflos an.

‘Alles gut?’ fragte er vorsichtig, während er sich vors Sofa kniete.

Sie schluckte schwer, räusperte sich und begann dann: ‘Hab ich mir Schande gemacht?’

‘Öhm nein, eigentlich nicht, war nur ein Bisschen unheimlich und ich hatte leichte Kastrationsängste.’ versuchte er sie zu beschwichtigen.

‘Wie bitte!?’ rief sie entrüstet.

‘Nachdem du mit dem Hand in meiner Hose eingeschlafen bist, hatte ich ein bisschen Angst…’

‘Ach sind wie jetzt schon beim DU?’

‘Ja, ich find schon. Ich hab deine Klamotten an und deine Hand hat die Nacht mit meinem Schw…!’ erklärte er, bis er von Mathilda unterbrochen wurde.

‘Okay, okay. Das Du ist wohl mehr als angemessen. Obwohl die Nachtschicht-Mathilda eher meine böse Schwester ist. Ich bin eigentlich nicht so…!’

‘…Einnehmend!’

‘Sexuell!’ meinte Mathilda, um anschließend ihr Gesicht abzuwenden, damit er nicht sah wie ihr die Schamesröte ins Gesicht schoss.

‘Ich hatte eher Angst, dass dein Mann heim kommt.’

‘Ich bin gar nicht verheiratet!’

‘Du hast im Schlaf von einem Hans geredet! Ich dachte, er könne jeden Moment heimkommen…’

‘Nein, der war schon länger nicht mehr da…!’

‘Dann hab ich mir wohl umsonst Sorgen gemacht!’

‘Ja, ich gewöhn mich auch langsam dran!’

‘Woran?’

‘An euch Wandergesellen!’

‘Ist dieser Hans auch ein…!’

‘Fremdfreireisender Hans Kupfer!’ rief sie und zog einen imaginären Hut.

‘Zimmermann und Spengler!’ antwortete Severin.

‘Kennst du ihn etwa?!’ fragte sie erstaunt.

Doch er zuckte nur mit den Schultern: ‘Man kennt sich halt!’

‘Dann sag ihm, wenn du ihn siehst, dass er mir was gestohlen hat, was ich gerne wieder hätte!’ meinte sie ernst, blickte ihn ein paar Sekunden an, um sich dann von ihm abzuwenden und sich auf dem Sofa umzudrehen. Er blickte einen langen Moment auf ihren Rücken, bis er ihr über die Schulter etwas zuzuflüstern versuchte: ‘Lass dich nie mit einem Wandergesellen ein, der bricht dir nur das Herz.’

‘Sagt der Wandergeselle!’ flüsterte sie in eines der Sofakissen.

‘Mit einem Herz aus Stahl!’ meinte Severin.

‘Auch Stahl kann schmelzen!’

‘Ja, bei 1536 Grad!’

Ihr Magen knurrte so laut, dass sie beide lachen mussten.

‘Frühstück?’ fragte sie.

‘Ja, bleib sitzen. Ich mach schon.’ rief Severin und stand auf.

‘Sicher?’ fragte sie, während sie sich wieder umdrehte. Doch Severin war schon fast in der Küche verschwunden: ‘Ich hab gestern schon den Hausmann in mir entdeckt! Tee oder Kaffee?’

‘Tee, Schwarz, Zucker, sonst nichts weiter!’

‘Und Essen?’

‘Überrasch mich mit dem, was noch im Kühlschrank ist!’

Wenig später saßen sie bei Rührei und Müsli beisammen und redeten über Gott und die Welt, bis sich beide eher gegenseitig etwas vorgähnten. Wenig später lagen sie in einer Umarmung verschlungen auf dem Sofa. Er küsste ihr Haar und fragte: ‘Gibts noch irgendwas was ich für dich tun kann?’

‘Jetzt gerade eigentlich nicht!’

‘Und später!’

‘Mein Auto ist gestern nicht angesprungen!’

‘Das kann ich mir tatsächlich ansehen, wenn meine Hose trocken ist!’

‘Besser ist das!’

Er grübelte eine Weile und meinte dann: ‘Wenn dein Auto gestern angesprungen wäre, dann hätten wir uns wahrscheinlich gar nicht getroffen?’

‘Dann hätte ich meinen Regenschirm auch nicht in der Bahn vergessen, wäre auch nicht plitschnass und zu spät zu meinem Termin gekommen und hätte vielleicht auch den Job bekommen…’

‘Komisch, dass du mit der durchnässten Bluse den Job nicht bekommen hast!’

‘Die waren eh ganz schön konservativ. Frag mich immer noch für was die eine Wohlfühlmanagerin brauchen…’

‘Für was braucht man überhaupt eine Wohlfühlmanagerin?’

‘Das fragt mein Vater auch immer!’

’Und damit kann man Geld verdienen?’

Sie zog nur eine Augenbraue hoch und sagte nichts.

‘Lass mich raten, das sagt dein Vater auch immer!’

‘Ja und er kann es nicht fassen, dass ich damit über die Runden komme!’ meinte sie abschließend. Betretenes Schweigen füllte den begrenzten Raum zwischen ihren Körpern, bis sie ihn einfach küsste. Er war so perplex, dass er den Kuss erst nach einem ziemlich langen Moment erwiderte.

Als er sich nach diesem ersten Kuss von ihren Lippen für einen Moment trennte, flüsterte er: ‘Ich werde ihm einen blöden Scheiß ausrichten, wenn ich ihn seh!’

Sie blickte ihn nur fragend an.

‘Jede Frau verdient einen Mann, der sie vergessen lässt, dass ihr Herz je gebrochen war.’
Fortsetzung folgt in Sonne im Dezember

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Regen im August – Teil 4

Regen im August – Teil 4

4408698Mitten in der Nacht wurde er wach, er hatte wohl ein Geräusch gehört und als er die Augen öffnete, bemerkte er Licht in der Küche.

Er stand auf, um nach dem Rechten zu sehen und erblickte Mathilda am Küchenfenster, mit einem Glas Milch in der Hand. Sie trug eine Wollmütze und Wollsocken und ansonsten nicht mehr als ein durchsichtiges Etwas, was mit viel Fantasie mal ein Nachthemd hätte werden sollen. Mit hochgezogener Augenbraue räusperte er sich leise und flüstere: ‘Vorsicht, nicht erschrecken, Fräulein Mathilda!’

Sie reagierte nicht auf seinen Satz, ob sie im Stehen schlief? Er räusperte sich nochmal etwas lauter. Daraufhin drehte sie sich um, stellte ihr halb volles Glas scheps an der Herdkante ab und ging mit leerem Blick an ihm vorbei. Blitzschnell griff er nach dem Glas, bevor es noch zu Boden fallen konnte. Er trank es in einem Zug aus, stellte das Glas sicher in der Spüle ab, wischte sich die Milchschnute mit dem Arm ab und folgte ihr. Sie lief zum Sofa hinüber und legte sich hin. Langsam ging er zum Sofa hinüber. Sie murmelte unverständliches im Schlaf.

Kopfschütteln deckte er sie zu, dabei packte sie seine Hand und versuchte ihn aufs Sofa zu ziehen. Dann sprach sie ziemlich deutlich: ‘Snoopy hat ganz und gar nichts dagegen!’

Er lies sich von ihr aufs Sofa ziehen und fand sich wenig später neben ihr wieder. Sie packte seinen Arm, umklammerte ihn und wisperte: ‘Hans, deck mich zu wenn du fertig bist!’

‘Wer ist Hans?’ stolperte aus seinem Mund, doch sie reagierte nicht. Sie beruhigte sich langsam wieder und atmete ruhig, kuschelte weiter mit seinem Arm und schien wieder friedlich zu schlafen.

Doch er lag da, hellwach, sein Herz pochte wie verrückt, während sie sich im Schlaf an seinem Körper rieb. Er wollte ihre Notlage auf keinen Fall ausnutzen, doch sie schien im Schlaf nichts von dem zu merken, was sie tat.

Als ihre Hand in seine Hose wanderte, blieb ihm fast das Herz stehen. Sie klammerte sich an seinen Schwanz, wie eine Ertrinkende. Eine Mischung aus Panik und Erregung überkam ihn, Hitze stieg in ihm auf, sein Gesicht brannte lichterloh. Wenn nun dieser Hans nachhause kommen würde und sie beide zusammen erwischen würde. Der Schweiß tropfte von seiner Stirn und sein Geruch schien sie noch mehr anzuspornen. Was sollte er tun, einen Schlafwandler sollte man doch nicht wecken, oder? Aber wenn sie so weiter machte, musste er sie irgendwie wieder zur Besinnung kriegen. Nicht, dass es ihm keinen Spaß machte, aber irgendwie war es ganz schön unheimlich.

Irgendwann beruhigten sich beide wieder, sie schlief mit seinem steifen Schwanz in der Hand ein und er schlief irgendwann vor Erschöpfung ein.

Am nächsten Morgen wurde er wach. Sie lag auf ihm, immer noch mit der Hand in seiner Hose. Ihm wurde erst gewahr, dass der Radio lief, als das Lied ‘Walzing Mathilda!’ ertönte. Er wagte es nicht sich zu bewegen, doch sie erwachte irgendwann. Als ihr gewahr wurde, wo sie war und wo vorallem ihre Hand war, schrie sie auf, zog die Hand aus seiner Hose und knallte ihm eine.

‘Sie Untier!’ schrie sie und stürmte vom Sofa.

‘Entschuldigen Sie, werte Mathilda, ich hab Sie nicht angerührt, auch wenn es mir schwer fiel! Sie haben ein recht einnehmendes Wesen, wenn Sie Schlafwandeln!’

Es dauerte eine Weile, bis sie begriff, was er da sagte, da stand sie schon fast in der Küche, als sie das leere Milchglas im Spülbecken sah.

‘Ich mag eigentlich gar keine Milch, nur wenn ich Schlafwandle!’ flüsterte sie mehr zu sich, als zu ihm. Er war aufgestanden und zu ihr hinüber geeilt, und kam gerade noch rechtzeitig um sie aufzufangen, weil sie just in dem Moment ohnmächtig zusammensackte, als er hinter ihr aufgetaucht war.

Regen im August – Teil 3

Regen im August – Teil 3

nebelNach einer gefühlten halben Stunde Fußmarsch im Platzregen, kamen sie endlich völlig durchnässt an Mathilda’s Wohnung an. Severin zog seine Schuhe vor der Tür aus und trat nach ihr in die Wohnung und das Erste was er tat, er lehnte seinen Stenz in eine Ecke neben der Haustür, genauso wie es Hans Kupfer immer getan hatte.

Mit einem unguten Gefühl in der Magengrübe bugsierte sie ihn ins Badezimmer und meinte noch: ‘Handtücher sind im Regal. Schmeißen Sie einfach alles in den Wäschekorb, ich muss eh noch Waschen!’

Sie überließ ihm das Badezimmer und ging in ihr Schlafzimmer, um sich trockene Klamotten anzuziehen und ging dann in die Küche, um irgendwas zu Essen zu zaubern.

Nach einer Weile hörte sie die Badezimmertür und Severin tauchte in der Küchentür auf. Sie stand am Herd, von Kopf bis Fuß in Wolle gekleidet, mit einer Schürze um die Hüften und rührte in einem Topf, aus dem es nach einer deftigen Suppe roch. Er hatte ihren Hello-Kitty-Bademantel an, der ihm obenrum viel zu klein war und lehnte sich lässig an den Türrahmen.

Sie lächelte verschmitzt, als sie ihn in ihrem Bademantel erblickte, drückte ihm aber erstmal eine Tasse heißen Tee in die Hand, bevor sie etwas sagte: ‘Ich hab bestimmt noch was zum Anziehen für Sie!’

‘Steht mir der Bademantel nicht?’ fragte er, drehte sich ein Wenig und musste dann selbst lachen.

‘Nein, mein Hello-Kitty-Bademantel sieht bei Ihnen irgendwie echt…!’ grinste sie und räusperte sich, bevor sie fortfuhr. ‘Sorry, echt schwul aus…!’

‘Tut mir leid, aber alle meine Sachen sind mehr als durch…!’ meinte er entschuldigend.

‘Rühren Sie mal weiter, ich such was zum Anziehen.’ meinte sie und drückte ihm den Kochlöffel in die Hand, bevor sie aus der Küche verschwand.

Nach einer Weile kam sie wieder und meinte seufzend: ‘Das machts wahrscheinlich nicht besser!’ und drückte ihm eine pinke Jogginghose und ein T-Shirt in die Hand, auf dem ein niedlicher Pinguin aufgedruckt war.

Grinsend nahm er die Sachen entgegen und überlies ihr wieder den Herd. Wenig später kam er wieder und meinte: ‘Ich kann einfach alles tragen, oder?’

Sie musste sich wirklich das Lachen verkneifen. Die Jogginhose war viel zu eng und das T-Shirt ging ihm genau bis zum Bauchnabel.

‘Es ist besser, wenn Sie damit nicht vor die Tür gehen, ich bin mir nicht sicher, ob ich noch ins Gerede komme, wenn meine Nachbarn Sie so sehen.’

‘Sagen Sie einfach ich bin ihr schwuler Bruder!’

‘Ich glaub, dass machts nicht besser, wir sind hier auf dem Land.’

‘Hm, dann muss ich wohl nackt vor die Tür und meine Schuhe holen.’ meinte er und machte Anstalten sein T-Shirt ausziehen zu wollen.

‘Ich schlag Ihnen einen Deal vor, ich hol die Schuhe und sie Decken den Tisch.’ sagte sie strenger als sie es gemeint hatte und drückte ihm das Geschirr in die Hand.

Er ging ins Wohnzimmer und fragte: ‘Welcher Tisch?’

‘Den Couchtisch!’ rief sie vom Gang her, bevor sie mit seinen Schuhen und einer Zeitung bewaffnet wieder ins Wohnzimmer kam.

Er kam ihr entgegen und nahm ihr die Schuhe ab, worauf sie wieder in der Küche verschwand. Wenig später kam sie mit der Suppe und einem Körbchen Brot wieder herein und er nahm ihr blitzschnell das Brot ab und machte ihr den Weg frei zum Couchtisch. Beim Essen redeten sie kaum. Er war sich nicht sicher, aber sie schien ihm irgendwie traurig und er fühlte sich, als würde er sie irgendwie stören. Anderseits, saß er hier erstmal fest, bis seine Jacke trocken war und das konnte dauern.

Irgendwann brach er das Schweigen: ‘Ich müsst meine Jacke noch ausräumen, bevor noch alle meine Sache durchweichen!’

‘Ich hab sie im Schlafzimmer aufgehängt.’ meinte sie kurz und stand mit ihm auf, um ihm ein Körbchen für seine Sachen zu geben.

Er schien nur einen Moment nicht im Zimmer gewesen zu sein, doch als er wieder kam, war sie auf dem Sofa eingeschlafen. Liebevoll deckte er sie zu und betrachtete sie eine Weile. Selbst im Schlaf schien sie traurig zu sein. Er wollte sie auf keinen Fall wecken, also räumte er so leise wie möglich das Geschirr ab, räumte die Küche auf und spülte das schmutzige Geschirr. Als er wieder kam, schlief sie immer noch tief und fest, also ging er ins Bad. Er hing die Klamotten auf, die nicht gewaschen werden mussten. Dann sammelte ihre nassen Sachen zusammen und hängte auch diese auf. Heldenhaft versuchte er sich an der Waschmaschine, mit Erfolg. An ihm war scheinbar wirklich ein Hausmann verloren gegangen, dachte er sich, als er stolz auf die laufende Waschmaschine blickte.

Irgendwie gab es jetzt nichts mehr zu tun für ihn, also ging er wieder ins Wohnzimmer. Er schnappte sich ein Buch aus ihrem Regal, setzte sich in ihren Lesesessel und schmöckerte in den gesammelten Werken von Shakespeare, bis er ebenfalls einschlief.

Als die Waschmaschine in den Schleudergang wechselte wurden beide schlagartig wach. Sie blickten sich erschrocken an, doch als die Waschmaschine mit dem Abpumpen begann flog ein kleines Lächeln über ihr Gesicht.

‘Ich wollt Sie vorhin nicht wecken!’ meinte er gähnend.

Sie stand taumelnd auf, blickte auf die Uhr, es war schon spät und ging ins Schlafzimmer, um wenig später mit Bettzeugs bewaffnet wieder zurück zu kommen.

‘Brauchen Sie noch irgendwas?’ fragte sie und gähnte ebenfalls.

‘Nein, das schaffe ich schon.’ meinte er und nahm das Bettzeug entgegen. Sie nickte kurz und stolperte weiter ins Bad. Als sie wieder kam, hatte er das T-Shirt ausgezogen und war im Begriff das Bettlacken übers Sofa zu legen. Sie lies ihren Blick über seinen Körper wandern, wie er mit seiner körperlichen Gewalt mit dem Bettlaken rang.

Sie biss sich auf die Zunge, um sich einen blöden Kommentar zu verkneifen und blickte ihm noch eine Weile an, bevor sie meinte: ‘Eine angenehme Nachtruhe wünsch ich dann!’

‘Soll ich die Wäsche noch aufhängen?’ fragte er.

‘Ähm, ja. Der Wäscheständer ist im Schlafzimmer.’  flüsterte sie und trottete schlaftrunken ins Schlafzimmer.

Er folgte ihr und schob den Wäscheständer ins Wohnzimmer, lies die Tür zum Schlafzimmer einen Spalt offen und ging dann ins Bad, um die Wäsche zu holen.

Das bisschen Haushalt, ist doch kein Problem, dachte er sich, als er sich völlig fertig auf dem Sofa nieder lies.

Regen im August – Teil 2

Regen im August – Teil 2

4408698Im Augenwinkel bemerkte sie etwas oder jemanden der sich in der Bushaltestelle bewegte. Der jenige Welche drückte sie gegen die Rückwand des Bushäuschens, um dem Regen auszuweichen und drehte sie dann wieder in das karge, flackernde Licht der Bushaltestellenbeleuchtung.

Ihr blieb fast das Herz stehen, als sie ihn erkannte und doch blieb sie stehen, weil an dem Bild irgendwas nicht stimmte. Sie traute sich nicht recht näher zu gehen und aber sie wollte es wissen, ob er es wirklich war, oder ob ihre Sehnsucht ihr nur einen Streich gespielt hatte.

Ihr zögern brachte den Jemand dazu sich in ihre Richtung zu bewegen und erst als er vor ihr stand und mit ihr zu reden schien, bemerkte sie, dass sie sich die nasse Zeitung mit der Hand ans Herz gedrückt hatte und wie zu einer Salzsäule erstarrt völlig bewegungsunfähig im Regen stand.

‘Geht es Ihnen gut, kann ich Ihnen helfen? Hab ich Sie etwa erschreckt, dass wollt ich nicht!’ redete der Jemand auf sie ein und nachdem es eindeutig nicht Hans Kupfer war, starrte sie ihn fassungslos an. Die Tränen, die ihr aus den Augen schossen, vermischten sich augenblicklich mit den Regentropfen, die ohnehin schon über ihr Gesicht liefen, so dass ihr Gegenüber es erstmal nicht bemerkte, dass sie weinte.

Aufgrund der Tatsache, dass sie beide im strömenden Regen standen, schob er sie einfach in das Bushäuschen und nahm ihr vorsichtig die durchweichte Zeitung ab, die sie immer noch in der Hand hielt.

‘Die wollen Sie doch bestimmt nicht mehr lesen, oder?’ meinte der junge Mann, der auf den ersten Blick als Wandergeselle zu erkennen war, wenn auch auf den zweiten Blick nicht als Zimmermann.

‘Severin von Holzen mein Name, Metall ist mein Gewerk und gerade heute frage ich mich, warum ich nicht besser zu Hause geblieben bin, aber dann hätte ich Sie nicht retten dürfen.‘ meinte der junge Mann in einem melodischen Singsang.

Sie machte eine kurze Bewegung und griff ihm an den Saum der Jacke, legte den Saum für einen Moment um und blickte wie versteinert auf den blauen Stoff. Sie schluckte schwer an dem Klos in ihrem Hals, bevor ihre Stimme wieder zu sprechen vermag.

‘Metall, deshalb ist sie blau, eure Kluft!?’ flüsterte sie mehr in sich hinein, als zu ihm. Doch er verstand sie, lächelte sie an und blickte trotz seinem ansteckenden Lächeln etwas streng auf ihre Hand. Sie lies blitzschnell vom Jackensaum ab und stolperte einen Schritt zurück.

‘Tut mir leid, ich wollte Ihnen nicht zu Nahe treten.’ stammelte sie und kam ins Straucheln.

Er setzte ihr nach und hielt sie fest, bevor sie über seinen Stenz stürzen konnte, den er gegen die Sitzbank gelehnt hatte.

‘Doch muss ich Ihnen zu Nahe treten, werte…!’ meinte er kurz und stellt sie wieder auf ihre Beine.

‘Mathilda!’ flüsterte sie verschmitzt.

‘Ja, Mathilda, wie kann es anders sein. Sie schickt mich fort, über Stock und über Stein in die weite Welt hinein und wie kann es anders sein, war sie doch immer hier… Barfuß auf dem nassen Asphalt, die fleischgewordene Mathilda.’ rief er gegen den Regen an, der immer stärker zu werden schien und machte dann eine lange Verbeugung, bei der er seinen Hut zog.

Sie stand nur zitternd vor ihm und wunderte sich schon nicht mehr. War sie die Reaktion auf ihren Namen doch schon gewohnt.

Er blickte sie noch eine Weile an, zog dann einfach seine Jacke aus und legte sie über ihre Schultern.

‘Ihre Bluse ist leicht durchsichtig vom Regen… Ziehen Sie meine Jacke an, bevor Sie mir noch eine Knallen…!’ meinte er und blickte unweigerlich auf ihre vom Regen durchsichtige Bluse.

Sie blickte nach unten und quietschte kurz auf, bevor sie in die Jacke schlüpfte.

Das Gewicht der nassen Jacke zog sie schier zu Boden und trotz der Anstrengung aufrecht stehenzubleiben, keuchte sie ein: ‘Danke!’ hervor.

Nach kurzem betretenen Schweigen, meinte sie: ‘Heute kommt fei kein Bus mehr.’

‘Oh, dass ist blöd!’

‘Wo müssen Sie denn hin?’

‘Eigentlich wieder auf die Straße, aber einen nassen Hund nimmer keiner mit!’

‘Ich wohn hier im Ort.’ meinte sie und machte eine einladende Handbewegung.

‘Wie kann ich da nein sagen, werte Mathilda.’ meinte er und hielt ihr den Arm hin.

Regen im August – Teil 1

Regen im August – Teil 1

nebelGerade heute, wo ihr Wagen morgens nicht ansprang und sie einen wichtigen Termin in der Stadt hatte, regnete es unaufhörlich, obwohl es eigentlich Sommer sein sollte. Sie hatte ihren Wagen schweren Herzens zurückgelassen, um mit den Öffentlichen in die Stadt zu fahren. Das ihr treuer Gefährte sie gerade heute im Stich gelassen hatte, nagte schwer an ihrem Gemüt, war ihr Auto doch ihr bester Freund, der sie für gewöhnlich überall pünktlich auf die Minute hinbrachte. In der Eile pünktlich zu dem Termin zu kommen, hatte sie auch noch ihren Regenschirm in der Bahn vergessen. Dieser ach so wichtige Termin fiel dann auch noch ins Wasser. Dafür hatte sie sich extra rausgeputzt, um dann mit einen feuchten Händedruck abgespeist zu werden. Das war wohl nicht ihr Tag heute. Nicht ihr Tag, nicht ihre Woche, nicht ihr Monat, nicht ihr Jahr und anscheinend auch nicht ihr Leben. Mit dem Ofenrohr ins Gebirge zu schauen ist nicht gerade eine Arbeit für eine Frau um ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Und genauso genervt und begossen wie ein Pudel trat sie ihre Heimreise an.

Das sie dann auch noch ihre Bahn verpasst hatte und sie daraufhin zu hause auch noch den letzten Bus verpassen würde, passte ja mal wieder wie die Faust aufs Auge.

Ihr Fußmarsch auf ihren Stöckelschuhen wurde von den Gewitterwolken schier verfolgt und ihre Laune war eh schon mehr als unterirdisch, als ob ihre Laune überhaupt in letzter Zeit irgendwie gut gewesen wäre. Sie schob es auf den Schnee im Oktober und nun stand sie im Regen, im Regen im August.

Mit den Gedanken an ihren Lebensretter, lief sie nahezu Barfuß nachhause. Sie hatte ihre Schuhe in der Hand und ihre Nylonstrümpfe hingen schon in Fetzen. Ihre Füße spürte sie schon gar nicht mehr vor Kälte und die Zeitung die sie sich über den Kopf hielt, war mehr oder weniger schon Pappmaché. Und trotz der äußeren Umstände bekam sie ihn einfach nicht aus dem Kopf. Diesen Hans Kupfer. Er hatte sie immer mal wieder besucht, seit Oktober. Nun war er schon länger nicht mehr da gewesen. Und wie Frauen halt so sind, machte sie sich unglaubliche Sorgen. Trotz dessen dass er immer sagte, wenn sie nichts von ihm höre, ging es ihm gut und sie brauchte sich keine Sorgen machen.

So blickte sie immer wenn sie in die Stadt fuhr sehnsüchtig zu der Autobahnausfahrt hinüber, wo sie ihn das letzte Mal ausgesetzt hatte, wie einen räudigen Köter.

Nur dass er ganz und gar nicht räudig war. Sie hatte nie einen angenehmeren Menschen kennenlernen dürfen. Aber so angenehm er auch war, genauso rastlos war er auch. Kaum hatte er sich niedergelassen, musste er auch schon wieder los.

Und wie der Regen durch ihre Finger lief, ran auch er immer wieder davon, um dann plötzlich wieder vor ihrer Tür zu stehen. Oder unverhofft an der Bushaltestelle. Genau die Bushaltestelle, auf die sie gerade zulief.

Sie fragte sich inständig, warum sie sich überhaupt die Mühe machten, ein Bushäuschen aufstellten, wenn doch eh nie ein Bus kam. Hier würde man bis zum Sankt Nimmerleins Tag stehen und das Einzige was definitiv nicht kommen würde, wäre ein Bus.

Fortsetzung folgt…

Steht ne Frau an der Bushaltestelle

Steht ne Frau an der Bushaltestelle

busErst springt das blöde Auto nicht an, dann hat das Fahrrad einen Platten. Als sie sich zu Fuß aufmachte, fing es auch noch an zu regnen. Auf die Schnelle konnte sie ihren Regenschirm nicht finden und beim schnell schnell zur Bushaltestelle laufen ist ihr auch noch der Stöckel abgebrochen. Und das alles an ihrem ersten Arbeitstag.

Nun stand sie in einem runtergekommenen Bushäuschen, in dem noch nicht mal ein Fahrplan hing und es regnete in strömen. Das Bushäuschen war auch noch undicht und so stand sie da wie ein begossener Pudel. Zum Glück lag eine alte Zeitung auf der Bank, die sie sich nun notdürftig über den Kopf hielt und von einem Bein auf andere hüpfte, nicht weil sie nervös war. Sie versuchte nur den Tropfen auszuweichen, die durch das undichte Dach auf sie herab prasselten.

Ein älterer Mann ging in aller Seelenruhe ohne zu schauen über die Straße auf die Bushaltestelle zu. Er trug einen gestreiften Schlafanzug, Badeschlappen und einen offenen roten Bademantel. Und es schien ihn nicht weiter zu stören, dass es regnete. Seine nackten Füße quietschten bei jedem Schritt in den Badeschlappen und ihr stellte es bei dem Geräusch die Nackenhaare auf.

Der Mann blickte sie für einen Moment freundlich an und meinte: ‚Schönes Wetter heute!‘

Die Frau schüttelte verständnislos den Kopf und tat so, als ob sie die durchweichte Zeitung lesen würde.

Eine gefühlte halbe Stunde standen sie beide in dem Bushäuschen und es geschah nichts, außer das der Regen nun quer daher kam und sie sich weiter unter das löchrige Dach des Bushäuschens zurück zog. Der alte Mann stand im Regen und lächelte.

Nach einem Moment kam eine weißgekleidete Frau mit einem pinken Regenschirm über die Straße gelaufen und meinte: ‚Herr Schicklgruber! Ich grüße Sie, schön dass Sie schon da sind! Jetzt aber schnell, das Essen ist gleich fertig!‘

Erst als die Beiden schon fast um die nächste Straßenecke verschwunden waren, kam es ihr, dass es eine Krankenschwester gewesen sein musste.

Wenig später kam ein Lieferwagen mit der Aufschrift ‚Sanatorium Herschiba Kimmelmann‘ um die Ecke gebogen und der Wagen hielt an der Haltestelle. Der Fahrer kurbelte die Scheibe runter und meinte: ‚Hey Lady, hier kommt kein Bus! Das ist eine Fakehaltestelle!‘

‚Bitte was!?‘ schrie die Frau gegen den Regen an.

‚Hüpfen Sie schon rein, Sie werden ja ganz nass!‘

Sie humpelte los, lief um den Wagen herum und stieg ein. Im Wagen blickte sie ein breit grinsender Mann an, der offensichtlich schwarze Hautfarbe hatte.

‚Sie sind aber ganz schön mutig, einfach bei einem schwarzen Mann ins Auto zu steigen.‘ lachte er ihr herzlich entgegen. Er hatte so eine angenehme und witzige Art und versprühte so viel Lebensfreude, dass sie nie auf die Idee gekommen wäre, an etwas Schlimmes zu denken.

‚Ich weiß wo Sie arbeiten, steht auf dem Auto!‘

‚Und wenn ich den Wagen geklaut hätte!‘

‚Dann wäre das wohl wirklich nicht mein Tag heute!‘ meinte sie, zog ihren kaputten Schuh aus und betrachtete ihn scheel.

‚Scherz bei Seite, ich bin Hans Mutembe! Ich bin der Hausmeister von der Anstalt da hinten. Und die Haltestelle ist da nur, damit die Verrückten nicht so weit weglaufen.‘

‚Hab ich doch richtig verstanden. Fakehaltestelle!‘

‚Ja, die Leute wollen immer nach Hause, hauen ab und wenn sie dann an der Haltestelle stehen, vergessen sie was sie eigentlich wollten und dann holen wir sie wieder zurück und sie denken sie wären zuhause. Das ist sogar eine anerkannte Methode in der Demenzforschung.‘

‚Gut, dass ich das jetzt weiß, sonst würde ich morgen noch da stehen!‘

‚Wo wollen Sie denn hin. Ich muss zum Rechts der Isar, einen Abholen. Ist billiger, wenn ich das mache, als wenn die nen Krankentransport schicken müssen.‘

‚Sie können mich da irgendwo rausschmeißen, ist eh voll super, dass Sie mich mitnehmen.‘

‚Ne, kein Problem, ich kann Sie doch nicht im Regen stehen lassen.‘

‚Ich bin Ihnen auch echt ungemein dankbar, wenn Sie jetzt noch einen Kleber hätten, dann sind Sie mein Held.‘

‚Im Handschuhfach ist eine Rolle Tape!‘

Sie machte das Handschuhfach auf und darin war nicht nur eine Rolle Tape, sondern auch eine Flasche WD 40! Sie zog die Flasche aus dem Handschuhfach, roch daran und dann machte sie das, was Frauen im Allgemeinen tun, wenn sie ein neues Parfüm testen. Und ganz beiläufig purzelten ein paar Worte aus dem Mund: ‚Wollen Sie mich heiraten?‘

Er blickte sie kurz an, grinste und meinte dann ziemlich trocken. ‚Ich kann Sie gar nicht heiraten!‘

‚Wieso? Sie sind schon verheiratet!‘ fragte sie verdutzt, legte das WD 40 weg und griff sich die Rolle Tape.

‚Nein, ich weiß doch gar nicht wie Sie heißen!‘

‚Oh, ich heiße Regen…!‘ meinte sie und zog ein Stück Tape von der Rolle ab, was ihren Satz mit dem typischen Geräusch unterbrach und sie fortfuhr. ‚Mali Regen!‘

‚Sie wissen, dass Mali auf Bambara Nilpferd bedeutet!‘

‚Ja, das weiß ich schon und Reichtum auf Suaheli, meine Eltern haben sich bei Ärzte ohne Grenzen kennengelernt, deshalb der Name!‘

‚Oh, was für ein Zufall, meine auch!‘

Ich suche einen Mann…Teil 52 – Mein Raining Man

Ich suche einen Mann…Teil 52 – Mein Raining Man

stormIch suche einen Mann, der mit mir bei Gewitter Buchen sucht, sich mit mir in den Dreck setzt und dem Gewitter lauscht. Ich suche einen Mann, der an einem lauen Sommertag den Regen riechen kann. Ich suche einen Mann, der mit mir auf meinem Auto und/oder auf meinem Hausdach sitzt, wenn es ragnarökt! Ich suche einen Mann, der mit mir Mr. & Mrs. Wet-T-Shirt spielt, wenn wir im Regen barfuß durch die Nacht tanzen. Ich suche vor allem einen Mann, der mir beim nächsten Hochwasser tatkräftig zur Seite steht.

P.S.: Ich bin Die mit dem pinken Regenschirm! Und warum? Weil ichs kann!

Anmerkung: Dies ist der 52. Teil und eine dringende Jobanzeige von mir, Callabutterfly.

Zuschriften bitte via Facebook/Callabutterfly per PM

Im Aufzug

Im Aufzug

Draußen trieb der Sturm große, schwere Tropfen an die Fensterscheiben. Eine gigantische, schwarze Wolke hing über der Stadt. Blitze zuckten alle paar Sekunden daraus hervor und das Donnern schien gar nicht mehr verstummen zu wollen. Eigentlich will man bei dem Wetter gar nicht nach draußen gehen, aber man möchte ja auch nicht das ganze Wochenende im Büro verbringen.

Drinnen wühlte eine junge Frau in ihrer Handtasche, sie hatte es scheinbar eilig. Mit einer fahrigen Handbewegung zog sie ihr Handy hervor, tippte die Tastensperre ein, schaute kurz darauf und steckte es wieder in die Tasche, um es wenig später wieder herauszuholen, um nochmal darauf zu sehen. Dann fiel es ihr fast aus der Hand, als sie es wieder in die Taschen legen wollte. Aber nachdem sie eh im Begriff war sich hinzuknien, landete das Handy in der Tasche und die Tasche auf dem Boden. Nur von der Frau war nichts mehr zu sehen, sie war unter den Schreibtisch gekrochen, um ihre Schuhe zu suchen. Als sie wieder darunter hervor kroch, hatte sie dass Gefühl, dass jemand an ihrem Büro vorbeigelaufen war.

Gedankenverloren stieß sie sich den Kopf an der Tischplatte an. ‚Was für ein verfickter Scheißtag!‘ konnte man sie nun fluchen hören. Nein, eigentlich konnte sie ja eben keiner hören, weil sie war immer die Letzte im Büro.

Auf einem Bein hüpfend zog sie ihre Schuhe an und packte dann ihre Handtasche, ihre Jacke, einen pinken Regenschirm, ihre Stempelkarte und einen Rucksack. Sie hatte es nicht nur eilig, sie hatte anscheinend auch noch was vor heute. Es war ja auch Freitag. Das sollte man doch was vor haben? Auf wackeligen Beinen stöckelte sie über den langen Gang. Normalerweise nimmt sie den kurzen Weg in die Tiefgarage, aber heute hatte sie keinen Parkplatz mehr bekommen, deswegen musste sie heute erst mal durchs halbe Haus laufen, um zum anderen Aufzug zu gelangen.

Durch die Fenster in den leeren Büros, an denen sie vorbei lief, konnte sie die Blitze zucken sehen. Vom nächsten Donner erschrak sie trotzdem, eigentlich hätte sie es ahnen müssen, dass nach dem Blitz ein Donner kommt, aber sie lies trotzdem vor Schreck fast den Regenschirm fallen.

Endlich bei den Aufzügen angekommen, drückte sie an die Mauer gelehnt irgendwie den Knopf, ohne etwas fallen zu lassen. Während des Wartens blickte sie auf dem Boden, der Boden war nass und der Reißverschluss an beiden Schuhen war offen, kein Wunder dass sie so wackelig auf den Beinen war. Sie zog den Rucksack richtig an und machte mit der freien Hand den Reißverschluss zu. Dann der andere Schuh, dann ordnete sie ihre Klamotten und stellte sich vor die Tür des einen Aufzuges. Es dauerte ewig bis dieses nervige Geräusch endlich erklang und die Aufzugtüren des anderen Aufzuges auf glitten. Sie lief zum hell erleuchteten Aufzug und rutschte fast auf dem nassen Fliesenboden aus. Im Aufzug drückte sie auf 0 und es passierte nichts. Mit einer komischen Verrenkung rieb sie ihre Hüfte an einem kleinen Kasten. Es piepste und sie drückte nochmal auf Null. Sie hörte wie sich die Türen schlossen. Aber sie sah nicht, wie plötzlich eine Hand die beiden Türen aufhielt. Durch das Geräusch des Sicherheitsmechanismus der Aufzugtüren, schreckte sie auf und drehte sich blitzschnell um. Die Türen glitten wieder auf und ein Mann trat in den Aufzug. Es war einer der unzähligen Arbeitern, die für die Renovierungsarbeiten im Gebäude tätig waren. Erschrocken war sie trotzdem. Mit der Handtasche und dem Regenschirm vor die Brust gepresst, rutschte sie nach hinten und machte dem Mann platz.

Er grinste nur breit und meinte: ‚Hab ich Sie erschreckt?‘

Sie lächelte gezwungen und nickte verhalten mit dem Kopf.

Er drückte auf -1 und die Aufzugtüren schlossen sich erneut. Sie lehnte sich erschöpft nach hinten an die Wand des Aufzugs und seufzte leise. Er musterte sie und suchte anscheinend nach den passenden Worten. Als sie etwas Nasses auf ihrem Kopf spürte, drehte sie sich erschrocken um und befühlte mit zitternden Fingern die Wand und blickte dann nach oben. Es kam Wasser vom Rand der Deckenverkleidung herein und floss die hintere Wand hinunter. Sie nahm den Rucksack ab und befühlte auch diesen. Er tropfte und sie lies ihn zu Boden gleiten.

Er hatte ihren Blick verfolgt, nachdem sie ihm den Rücken zugedreht hatte und konnte durch die vom Wasser durchsichtige Bluse ihren BH-Träger sehen. Dann bückte sie sich und er musste sich zwingen nicht auf ihren Hintern zu starren, also blickte er auf die Deckenverkleidung und sah dann aber das Selbe wie sie noch einen Moment zuvor. Wasser im Aufzug. Kopfschüttelnd kam er einen Schritt näher, berührte sie mit seinem muskulösen Oberkörper und befühlte die Seitenwand und murmelte: ‚Was für ein verfickter Scheiß!‘

In dem Moment, als sie beide sich bewusst wurden, dass ihre Körper für einen Moment aneinanderklebten, ging das Licht im Aufzug aus und das Geräusch was mit der Dunkelheit einher ging, war ja im Krieg der Sterne ganz spannend, wenn die Energiezufuhr für den Traktorstrahl von Obi Van Kenobi nach und nach abgeschaltet wird. Aber wenn man in einem Aufzug steht, will man dieses Geräusch garantiert nicht hören. Zumindest stoppte der Aufzug nicht so abrupt, wie man sich es vielleicht gedacht hätte. Aber er stoppte merklich. Sie lies den Regenschirm und ihre Handtasche fallen und krallte sich am Handlauf des Aufzugs ein. Langsam zog sie die Luft durch die Zähne ein und ging in die Knie.

‚Keine Panik Lady, die Bremsen funktionieren auch ohne Strom!‘ Er tastete nach ihr und griff nach ihrem Handgelenk. Sie schreckte zurück, lies aber doch seine Berührung zu. Er kam ihr näher und sie konnte seinen betörenden Körpergeruch wahrnehmen und plötzlich wurde es wieder hell. Er hatte eine kleine Taschenlampe in der Hand und leuchtete im Aufzug umher. Mit einem endgültigen Rumsen blieb der Aufzug stehen und sie landete auf ihrem Hintern und er fiel elegant auf die Knie. Wasser spitze auf. Sie spürte wie ihr Hintern nass wurde und versuchte sich gleich wieder aufzurappeln. Ihm war die Taschenlampe aus der Hand gerutscht und rollte über den Boden. Er kroch über den Boden und schnappte sich das Licht, steckte es in seinen Gürtel und wollte ihr dann eigentlich zur Hand gehen. Sie stand aber schon wieder, mit der Tasche und dem Regenschirm wieder an den Körper gepresst. Das Licht in seinem Gürtel schwankte bei jedem seiner Bewegungen und beleuchtete gegen die Seitenwand. Er kam ihr näher und griff wieder nach ihrer Hand.

‚Wollen wir mal sehen, ob der Notruf funktioniert?‘ Sie nickte, blickte ihn aber immer noch recht verschreckt an und er zog sie einfach mit zu dem Bedienfeld. Er drückte den Notruf. Stille. Er drückte noch mal. Stille. So etwas wie ‚Mist, verdammter!‘ kam aus seinem Mund. Er hämmerte auf den Knopf, aber irgendwie war ihm schon klar, dass der Notruf nicht funktionierte. Plötzlich ertönte ein Freizeichen. Es wählte automatisch und dann kam ein Dü-dü-dü. Er drückte wieder. Der Dü-dü-dü Belegtton verstummte und nach einem Moment kam wieder der Belegtton. Sie blickte ihn an und meinte nur: ‚Was für ne verfickte Scheiße?‘

‚Da hat wohl jemand die Telefonrechnung nicht bezahlt?‘

Beide zogen instinktiv ihr Handy aus der Tasche und blickten auf das Display. ‚Kein Netz!‘ murmelten beide. Er steckte das Handy wieder weg und versuchte mit den Händen die Aufzugtüren zu öffnen. Sein Shirt war vorhin nass geworden und so zeichneten sich seine Muskeln noch deutlicher ab. Sie ertappte sich erst dabei, dass sie ihn beobachtete, als sie wie hypnotisiert den Kopf schief legte und ihr nach einiger Zeit der Sabber aus dem Mund lief.

‚Was für ein verfickter Scheiß!‘ schrie er laut auf und er drosch wütend gegen die Aufzugtüren. Sie schreckte von ihren schmutzigen Gedanken auf und blickte ihn verstohlen an.

Er dachte er hätte sie wieder erschreckt, drehte sich langsam zu ihr um und kam ihr näher: ‚Sorry, ich glaub wir sitzen hier fest, bis uns der Wachmann findet!‘

‚Dann können wir uns ja hier häuslich einrichten bis Montag morgen!‘

‚So, schlimm wird es schon nicht kommen, mein Chef kriegt’s kotzen, wenn ich den Firmenwagen heute nicht mehr zurück bringe.‘ meinte er cool und klimperte mit einem Schlüssel in der Hosentasche. Automatisch blickte sie auf seine Hose und wurde schlagartig rot im Gesicht, als sie die Beule in seine Hose entdeckte.

‚Ich muss Ihnen was beichten.‘ stammelte er.

Sie dachte nur: Sei bitte nicht schwul! Sei bitte nicht schwul! Und blickte ihn wissbegierig an. ‚Ich hab Sie vorhin beobachtete, als Sie unter ihrem Schreibtisch etwas gesucht haben!‘ Nun wurde auch sein Gesicht wesentlich roter, als vorhin.

‚Hab ich’s mir doch gedacht, Sie Schlingel!‘ schimpfte sie ihn spielerisch.

Der Aufzug rutschte noch ein Wenig tiefer, sie fing an zu quietschen und er stürzte zu ihr hinüber, um sie festzuhalten. ‚Jetzt sollten die Bremsen aber festgefahren sein!‘

Ihr Gesicht streifte seine Bartstoppel, als er sie zu sich hinüber zog. Ihre Knie wurden weich, als sie wieder seinen Geruch wahrnahm. Der Aufzug sackte noch weiter ab und er konnte sie nun nicht mehr halten. Sie rutschte an ihm vorbei und als der Aufzug ruckartig zum Stehen kam, konnte er sie sich auch nicht mehr auf den Beinen halten und stürzte er auf sie drauf. Sie stöhnte laut auf, als er sie mit seinem Gewicht auf den Boden pinnte.

Der Aufzug sackte noch weiter ab, sie atmete schwer, er hob seinen Körper ein Wenig an und flüsterte: ‚Kommen Sie an meine Taschenlampe!‘

Sie griff an seinen Gürtel, fand zuerst alles andere, nur nicht die Taschenlampe.

‚Nein! Die andere Taschenlampe!‘ flüsterte er.

Entschuldigend grinste sie ihn an, fand dann doch die Lampe und zog sie hervor. Kurzerhand steckte sie die Taschenlampe zwischen ihre Brüste. Er lies sich langsam wieder auf sie herab. Der Aufzug bewegte sich wieder weiter nach unten. Er zog es vor sich nicht weiter zu bewegen.

‚Nicht mehr bewegen!‘ zischte er.

‚Hatte ich nicht vor!‘ keuchte sie.

‚Ich hoffe ich bin nicht zu schwer für Sie!‘

‚Sie sollten sich langsam mal vorstellen, bevor ich Sie frage, ob Sie da unten noch eine Taschenlampe für mich versteckt haben!‘

Er wurde nur wieder rot im Gesicht und stammelte: ‚Hans!‘

‚Tine, freut mich!‘ keuchte sie.

‚Tine, können Sie unter mir hervorkriechen? Ich will Sie wirklich nicht zerquetschen!‘

‚Ich versuche es.‘ Sie rutschte ein Wenig auf die Seite und er lies sich ganz langsam auf den Boden sinken. Schwer atmend kam er neben ihr zum Liegen. Der Aufzug rutschte ein weiteres Stück nach unten und machte ein knirschendes Geräusch. Sie klammerten sich aneinander und blieben noch eine ganze Weile reglos liegen, bis sich der Aufzug wirklich nicht mehr bewegte. Er blickte sie ernst an und sie erkannte den Anflug von Angst in seinen Augen. ‚Sie werden doch jetzt keinen Schiss kriegen, Hans!‘

‚Ehrlich, langsam bin ich mir nicht mehr sicher, ob die Aufzüge hier dem Sicherheitsstandard entsprechen!‘

Sie grinste ihn an und küsste ihn auf die Nase. ‚Runter kommen Sie immer, hat meine Oma immer gesagt.‘

Er versuchte zu Lächeln, es gelang ihm aber nicht recht, stattdessen schluckte er schwer. Sie küsste ihn auf den Mund. Etwas unbeholfen erwiderte er ihren Kuss und unternahm behutsam mit seiner Zunge einen Ausflug zu ihrer Zunge. Sie stöhnte leise und erwiderte den Küss etwas Energischer. Seine Lippen wanderten von ihrem Mund, über ihren Hals und wollte zu ihren Brüsten, als plötzlich die Aufzugtüren aufgestemmt wurden. Sie beide sprengten auseinander und blickten auf den immer größer werdenden Spalt und einen umherwandernden Lichtkegel.

‚Hallo, hier ist der Wachmann vom Empfang!‘ kam es von ziemlich weit oben.

‚Verficktes Timing!‘ kam aus ihrem Mund. Es war aber so leise, dass es nur Hans gehört hatte. Das Gesicht des Wachmannes tauchte am oberen Ende des Aufzuges auf und dann kniete er sich hin und hielt ihnen die Hand hin.

‚Wir hatten einen Stromausfall!‘ meinte der Wachmann. ‚Los kommen Sie, der Aufzug ist schon ganz unten, weiter runter geht es nicht!‘

Hans half ihr beim Aufstehen. Sie sammelte ihre Sachen zusammen und gab sie dem Wachmann. Plötzlich wurde sie hochgehoben und der Wachmann half ihr durch die Öffnung. Nachdem sie in Sicherheit war, hangelte er sich nach oben.

‚Macht es Ihnen was aus, ihre Autos aus der Garage zu fahren, ich muss langsam die Alarmanlage scharf machen.‘

Hans nahm ihre Sachen vom Boden auf und schob Tine zu der Tür, die zur Tiergarage führte. ‚Kommen Sie, Tine! Ich bring Sie heim!‘ meinte er ernst, zwinkerte ihr aber dann mit einem Lächeln auf den Lippen zu. Als die Tür hinter ihnen ins Schloss fiel, packte er sie am Hintern und drückte sie gegen die Wand. Aus seiner Kehle drang ein zufriedenes Geräusch, als er sein Kinn an ihrem Hals rieb. Sie stöhnte leise und knabberte an seinem Ohrläppchen.

Ich hab gehört, dass Beziehungen, die auf extremen Erfahrungen beruhen, nicht von Dauer sind!‘ flüsterte er ihr ins Ohr.
‚Dann muss unsere Grundlage Sex sein!‘ flüsterte sie und küsste ihn hart und unnachgiebig.

Wolken am Himmel

Wolken am Himmel

 

Ein Sturm zieht auf, alles ist ruhig, kein Ton, kein Wind, aber am Himmel bauen sich schwere, schwarze Wolken auf, so aufgewühlt und doch so still. Am Boden, leise Panik bricht aus, alle stürmen lautlos auseinander. Die surreale Szenerie lässt alle Beteiligten sich wie in Zeitlupe bewegen, bloß sie eilen doch über den Platz, um sich in Sicherheit zu bringen. Die Wolken sind so bedrohlich, die Angst steht allen in den Gesichtern. Nur ein kleines Mädchen in einem weißen Kleid steht mitten auf dem Platz. Sie scheint, wie gebannt in die Luft zu starren, aber da ist doch nichts… Doch da fliegt ein kleiner roter Schmetterling am Himmel. Man kann ihn kaum erkennen, er scheint auf den Sturm zu zufliegen. Was für ein sinnloses Unterfangen. Aber er flattert und flattert bis man ihn gar nicht mehr sehen kann. Das kleine Mädchen steht immer noch wie gebannt da und starrt weiterhin in den Himmel, als würde sie den kleinen roten Schmetterling immer noch sehen können. Plötzlich kommt Wind auf, das Laub der Bäume schrie auf, als wären die Bäume vom Wind so überrascht worden, wie es das kleine Mädchen eigentlich hätte sein müssen… aber sie stand immer noch in den Himmel starrend da. Große schwere Tropfen platschen auf den Boden. Es liegt ein staubiger Geruch in der Luft, drückend und schwer. Ein Donner, so laut, dass einige Scheiben klirren. Und gleichzeitig ein Blitz, der in einen Baum schlägt, der wiederum sofort in Flammen auf geht, obwohl der Regen mittlerweile so stark ist, dass ein loderndes Feuer völlig unmöglich gewesen wäre. Der Baum fällt brennend in ein Haus, dass auch sofort Feuer fängt. Man kann die Schreie der Menschen in diesem Haus kaum hören, da der Sturm so laut tobt. Weitere Blitze schlagen ein, die Donner sind so laut, dass ein Jüngling einen Herzinfarkt hätte kriegen müssen. Aber das kleine Mädchen steht immer noch mitten auf dem Platz, sie ist mittlerweile völlig durchnässt. Ihr Kleid ist am Rocksaum vom aufspritzenden Dreck völlig verdreckt.

Auf einen Schlag ist der Sturm vorbei, der Regen lässt schlagartig nach. Die Luft ist frisch und rein, nur ein leichter Brandgeruch liegt in der Luft, der immer stärker wird. Die Sonne kommt hervor und fern am Himmel sieht man einen Regenbogen. Das Mädchen sieht auf den Boden. Da liegt der kleine rote Schmetterling angespült vor ihren Füßen. Ungeachtet ihrer nassen Kleider beugt sie sich zu ihm hernieder, nimmt ihn in die Hand und richtet sicher wieder auf. Noch ein kurzer Blick in den Himmel und dann geht das kleine Mädchen nach Hause, den kleinen roten Schmetterling immer noch in der Hand…

Ruf der Hörner

Ruf der Hörner

Ein laues Lüftchen wabert um meine Ohren. Der erste heiße Tag dieses Sommers, so scheint mir. Mich fröstelt es trotzdem. Meine Gedanken sind noch beim Regen der letzten Tage. Mein Gemüt kann sich noch nicht richtig an die Sonne gewöhnen. Mein Herz erwartet den Regen zurück. Ich wundere mich nicht, dass niemand auf der Straße zu sein scheint und laufe zu meinem Wagen und steige ein. Mit einem merkwürdigen Gefühl im Magen fahre ich nach Hause. Die Straßen sind leer, wie ausgestorben. Keine Menschenseele ist unterwegs. Hm. Ist vielleicht doch schon ganz schön spät geworden. Ich halte an einer roten Ampel. Eine Trambahn fährt vorbei. Es sitzt keiner in dieser Tram. Kein einziger Gast. Keiner bis auf den Fahrer. Ich schüttle den Kopf, es wird grün und ich fahre weiter. Ich will nach hause in mein Bett und mir die Decke über den Kopf ziehen. Der Wind wird stärker und es wehen Blätter über die Straße. Hm. Von weiten kann ich das Geräusch von Rufhörnern hören. Ich denke mir nichts dabei. Es wird diesig und die Sicht wird immer schlechter. Hm. Eben war das Wetter doch noch auf Sommer eingestellt. Als dichter Nebel aufzieht und ich über die Landstraße brettere, wird es mir richtig mulmig. Die Rufe der Hörner begleiten mich. Sag mal, bin ich im falschen Film. Mittlerweile sehe ich fast nichts mehr von der Straße. Nur der Mittelstreifen weist mir den Weg nach Hause. Und die singenden Seitenstreifen ermahnen mich langsamer zu fahren und darauf zu achten, nicht vom Weg abzukommen. Weit entfernt kann ich nur ein paar weiße Lichter erkennen. Ich fahre weiter und plötzlich kommen rote Lichter auf mich zu. Eine Ampel. Ich bleibe mitten in der Prärie an einer roten Ampel stehen und warte. Ich warte ziemlich lange. Mit meinem Knie löse ich meine Zentralverriegelung aus. Ich fühle mich keineswegs sicherer. Die Lichter in der Ferne bewegen sich auf mich zu. Es sieht so aus, wie ein Fackelzug. Hm. Und die Hörner. Ich bin wirklich im falschen Film…Hm…

Ich kneife mir ins Ohr, weil ich steif und fest der Meinung bin, dass ich bereits zu hause sein muss und beim 13. Krieger gucken eingeschlafen bin und mal wieder den Film weiter träume. So wie es mir sehr häufig passiert, bei Filmen, die ich schon so oft gesehen habe, dass ich sie fast auswendig träumen könnte. Ohrkneifen hilft nicht wirklich. Ich beiße mir deshalb in die Hand, zwischen Daumen und Zeigefinger. So fest, dass ich die Abdrücke meiner Zähne erkennen kann, als ich nach dem Beißen auf meinen Handrücken starre. Hm. Ich wache eben nicht davon auf, weil ich bereits wach bin und die Lichter kommen immer näher und die Hörner werden immer lauter…

Gleich kommen die Wendolhorden auf mich zu und ich bin hier in meinem Auto, völlig alleine. Und, ich habe nicht mal eine Axt dabei. So ein Mist. Ich greife nach unten in den Fußraum und fingere nach dem ‚Ungehobelten‘. Ich ziehe einen kleinen Holzknüppel hervor und erwarte das Schlimmste. Ziemlich blutig, male ich mir das Szenario aus, wie eine Horde blutrünstiger Kultistenzombies die Autoscheiben meines Nemo einschlagen, um mich aus dem Auto zu zerren und mich… zensiert…und wie ich mich dann irgendwie losreißen kann und mit Zuhilfenahme einer Wodkaflasche, dem ‚Ungehobelten‘ und verdammt viel Lampenöl sie alle abfackle und später ihre brennenden Überreste auspinkle…

Ich höre jetzt wieder die Hörner. Hinter mir. Häh. Die wollen mich gar nicht…. ich schrecke hoch. Die Ampel wechselt gerade wieder von grün auf orange. Ein blaues Cabriolet überholt mich hupend. Im Auto sitzen….Fußballfans bewaffnet mit Vuvuzelas.

Da war er wieder mein Tinitus namens Dieter Bohlen und mein Gedächtnis, dass anscheinend gerade ein Päuschen eingelegt hatte.

Wir haben gerade Fußball-WM, Frau Rösner. Das Tröten sind Vuvuzelas. Die Tram war leer, weil sich alle Menschen außer dir selber, das Deutschlandspiel angeschaut haben, liebe Bine. Hm, schade eigentlich, oder nicht?

Und ich bin wohl kurz vor Ludwigsfeld an der Ampel mitten in der Prärie eingeschlafen, weil es wirklich schon spät geworden ist. Jetzt ist es wieder rot und ich warte, für meinen Geschmack ein Wenig zu lang. Vor mir sind die Lichter eines enormen Parkhauses. Hm.

Das war letzten Mittwoch….

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