Das Tagebuch einer Metzgerstochter Teil 6

Das Tagebuch einer Metzgerstochter Teil 6 – Grimgard hin und wieder zurück

brunaNachdem ich die letzten Tage und Wochen damit verbracht habe, das Heimchen am Herd für meine zwei Herren zu spielen, kam kurz vor Beltane ein gelungene Abwechslung ins Haus geflattert. Eine graue Taube, mit einem Zettel und einem kleinen Goldstück am Bein. Die Taube war so zerzaust und verhungert, dass sie in meiner Hand verreckte, war ausnahmsweise mal nicht meine Schuld. Ein Wunder, dass des ausgemergelte Ding es überhaupt bis zu uns geschafft hatte.

Eine Bestellung eines Bolkheimer Händlers aus Grimgard, er wollte 30 von der groben fetten Räucherwürsten. Mein Vater schickte mich also mit den Würsten los und ich machte einen heißen Ritt gen Grimgard.

Als ich dort ankam, stand ich vor der leeren Ladentheke des Bolkheimer Allerlei und sah nur Spinnweben und einen verwitterten Zettel: ‚Bin gleich wieder da!‘

Ich stellte meinen Gaul unter und nachdem alle anderen Läden auch geschlossen waren, ging ich in die Taverne ‚Zum roten Keiler‘, in der Hoffnung sie hätten einen Fransen gebratenen Fleisches für mich.

Dort trat ähm traf ich auf Fafnir und Darion. Wie gut, dass ich eine Flasche von Vaters besten Met dabei hatte, die hatte ich Fafnir doch versprochen, weil ich doch seinen Bart angezündet hatte.

Ich setzte mich hinzu und wir kamen ins Gespräch mit zwei Grimgarder Damen, die am anderen Ende unserem Tisch saßen. Rinelda, eine Schankmaid vom roten Keiler, die ihren freien Tag feierte und eine werte Asbirg.

Wir erfuhren, dass an dem Abend der Handelsrat zu Grimgard tagte und deswegen waren auch alle Geschäfte geschlossen, außer der Laden des Bolkheimers, der Laden war schön länger nicht mehr geöffnet worden.

Ich genoss meinen Fransen gebratenen Fleisch und versuchte meine Würste unter der Hand zu verkaufen. Zum Nachtisch gab es einen Kuchen mit einem flüssigen Kern aus geschmolzenen, braunen Süsszeug aus Neuandorien. Bei den Göttern, die Neuandorier wissen aber, was eine Sünde wert ist.

Hrothar und Grimmar stolperten bei der Tür herein. Grimmar bestellte sich ein Schmalzbrot, was in Grimgard quasi die Leibspeise ist und er war gleichsam so fasziniert von seinem Schmalzbrot, wie ich von meinem Fransen Fleisch und von dem sündigen Kuchen. Ich glaube, er wird uns eine Ode an das Schmalzbrot dichten.

Die Grimgarder Damen erklärten uns warum das Schmalz in Grimgard so wichtig war. Weil sie im Sommer zu Ehren der Rosmerta ein Schmalzfest abhielten. Und ich traute meinen Ohren kaum, sie schmieren dort die Statue der Rosmerta mit Schmalz ein, wahlweise auch die Geldbeutel. Und vor ein paar Jahren haben sie sogar eine Jungfrau mit Schmalz eingeschmiert.

Nachdem der Halbzwerg ja eigentlich in Grimgard war, um Zwerge zu suchen, erzählte ich eine Geschichte von meiner Großmutter, die sie mir immer erzählte, wenn sie sich an ihre Jugendtage erinnerte. Was in den letzten Jahren vor ihrem Tod immer öfter der Fall war und deshalb ist mir die Geschichte auch so in Erinnerung geblieben. Auch wenn sie mir keiner der Anwesenden glaubte, glaube ich fest daran. Meine Oma war einst auf Wanderschaft und ist auf der Suche nach ihrem Krafttier ziemlich vom Weg abgekommen. Sie ist schnurstraks bis nach Halvor gelaufen und weil es anscheinend noch nicht genug war, ist sie auch noch um den Drachenkamm herumgelaufen. Irgendwo auf den Weg ist ihr der Proviant zu schwer geworden und sie Trank alle Flaschen Met auf einmal aus, damit sie nicht mehr so schwer zu schleppen hatte. Darauf konnte sie wohl nicht mehr gut gerade aus laufen und sie kroch auf allen Vieren weiter.

Und als unter einem querstehenden Ast eines Baumes hindurch kroch, erblickte sie auf der Rückseite des Drachenkamms ein phantasmagorisches Übertor, das von gigantischen Säulen eingefasst war. Eine steinerner Steig führte dort hin und im Berg konnte man es hämmern und rumoren hören. Sie war so überwältigt von dem Anblick, das sie an Ort und Stelle einschlief.

Am nächsten Morgen stand sie auf und blickte auf den Drachenkamm und das Tor, die Säulen und der Steig war verschwunden. Auch wenn sie das Tor nie wieder erblicken durfte, glaubte sie daran. Bis zu ihrem letzten Atemzug erzählte sie mir von dem großen Tor hinter dem Drachenkamm und sie lies sich von nichts und niemanden davon abbringen. Und ich auch nicht.

Asbirg taute langsam auf und erzählte mir, dass sie bei einem Bäcker im Ort arbeitete. Und im Laufe des Abends stellte sich heraus, dass der hiesiger Bäcker niemand anderes war, als mein Onkel Notker und dass mein Vetter Trudbert nicht gerade ein ehrenwerter Mensch geworden war. Sie erzählten mir, dass während alle Bürger Grimgards, auch die Frauen, vor den Toren der Stadt gegen die Untoten kämpften, versteckte sich Trudbert unter den Mehlsäcken in der Vorratskammer der Bäckerei, wo Asbirg ihn dann fand. Naja, früher hat er sich immer im Schweinetrog vor mir und dem Branu versteckt. Er war schon immer ein kränkliches, weinerliches Kind und sein Kraftier muss der Grottenolm sein. Ich überlege mir ihm morgen einen Besuch abzustatten und ihm einen gehörigen Schrecken einzujagen. Schade dass ich Schweini nicht mitgenommen habe, aber das dumme Schwein wollte unbedingt beim Holzfäller bleiben.

Wir redeten allerlei Blödsinn daher und vor allem der Schiffbau hat es uns besonders angetan. Nachdem Hrothar fast schon davon besessen war ein Schiff zu bauen, um damit den Lorsak runter zu fahren, standen wir ihm mit Rat bei Seite.

Die Grimmgarder Damen brachten ihn auf die Idee, dass er das Boot außen doch mit Schmalz einschmieren sollte, dann würde es bestimmt nicht wieder sinken.

Und ich bot an, den Schmalz mit meinen eigenen nackten Händen einzubrennen, nicht dass jeder Reisende mit seinem Brot in der Hand, Hand an den Bootsrumpf legt, um an das gute Schmalz zu gelangen. Und wenn man ein frisch geschmalztes Boot über den Sand ans Ufer zog, dann würde es Riebenschmalz ergeben. Hrothar, du bist schon ein Hund und ich glaube ganz fest daran, dass unser Schmalzschiff fährt. So wie man mit den Kekse von meiner Oma eine Familie einen ganzen Winter ernähren kann, Hauptsache man hat genug Milch um die Kekse ordentlich aufzuschwemmen.

Wir witzelten umher, wie man denn am Besten das Schmalz aufs Boot bekäme und wenn dass Schiff dann fertig ist, würde Grinelda eine Taverne darauf errichten.

Der feucht fröhliche Abend ging zu Ende und ich torkelte Richtung Stallungen und schlief einen unruhigen Schlaf und träumte von barbusigen Damen, die das Schmalz mit ihren bloßen Körpern am Bootsrumpf auftrugen. Ich träumte von einem Boot aus den Keksen meiner Oma und Dampfmaschinen und von einem Schiff dass Lady Captain hieß. Ein Matrose schuppte nackt das Deck und eine Frau schrie: ‚Erlebnisurlaub auf der Lady Captain!‘

Verwirrt von meinen Träumen erwachte ich. Nach einer Katzenwäsche im Pferdetrog ging ich wieder in die Taverne und brachte Rinelda die Würste, die ich noch zu verkaufen hatte. 28 an der Zahl wechselten seinen Besitzer. Eine hatte ich gestern noch an Hrothar als Wegzehrung verkauft und eine wollte ich meiner schwindligen Verwandschaft bringen. Weil ich so ein netter Mensch bin. Das Gesicht von Trudbert werd ich nie vergessen. Allein das war die Reise nach Grimgard wert. Ich spuckte noch vor den Stand des Bolkheimers bevor ich mich auf machte.

Jeden Tag eine Gute tat, sagen die Grimgarder Damen immer und diese Gute Tag lies ich hinter mir und zog wieder zurück nach Grimgard. Nur lies ich mir bei der Heimreise wesentlich mehr Zeit.

Diese Geschichte basiert auf dem Hintergrund der Rauriker und den Ereignissen nach dem Imbolcfest (http://www.rauriker.de) Ähnlichkeiten von Personen im realen Leben sind völlig ausgeschlossen und somit reiner Unfug. Wir bitten um Verständnis.

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Published in: on 26. März 2013 at 22:32  Comments (1)  
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Das Tagebuch einer Metzgerstochter Teil 5

Fortsetzung:

brunaBeim Heimweg Richtung Hoimarshold überlegte ich mir was ich mit meiner feurigen Gabe alles anstellen könnte. Dabei fiel mir auf, dass ich meinen eigentlichen Beruf nicht mehr ausüben würde können, wenn alles unter meinen Händen verbrennt, was ich berühre. Das macht sich nicht gut, wenn das Vieh noch nicht tot, ausgenommen und abgehangen ist, bevor es aufs Feuer kommt. Aber das Abbrühen von Schweinen wird uns in Zukunft einfacher fallen.

Habe mir auch überlegt, eine Taverne zu eröffnen und kurz und heiß Gebratenes anzubieten. Als wir wieder in Hoimerhold waren, ging ich erst mal zu meinem Vater und begrüßte Schweini. Ich schrieb ja schon, dass es allen gut ginge. Kleine Anmerkung, auch wenn dieses blöde Schwein gerade mit dem Holzfäller durchgebrannt ist. Aber dazu später mehr.

Nach dem Essen bei der guten Paigi mussten wir auch schon wieder los, an den kältesten Ort. Ich zog mich aus reiner Gewohnheit ziemlich warm an. Beim Weg an den kältesten Ort begleitete uns der Holzfäller Branu, mit dem ich übrigens noch ein ernstes Wörtchen zu reden habe…

Ich hatte eine seltsame Vision, als ich an einem umgestürzten Baum vorbei lief, ich stolperte und fiel hin. Ich dachte die Wurzeln hätten sich bewegt und ich sah mehrere fleischige Zungen, die heraus wuchsen…ein Geruch von Erdbeeren kroch mir in die Nase… Ich schüttelte meinen Kopf und mir wurde gewahr, dass ich vor einer riesigen Wurzel lag, die von den Priestern als Opferstätte benutzt wurde.

Ich glaubte mein Verstand würde wieder mit mir durchgehen. Wir gingen weiter und die Eiswendols waren wieder da. Ich machte mir wieder einen Spaß daraus, mich auf sie zu werfen. Ich wurde schwer verletzt, aber nachdem ich Eine der Letzten war, die noch stand, zwang ich mich dazu weiterzukämpfen. Die Wunden brannten und irgendwann ging ich in die Knie.

Die Nordfrau, die mich heilte war reichlich verwirrt, als sie sah, dass meine Wunden bereits ausgebrannt waren. Sie erzählte mir auch Einiges, was mich sehr nachdenklich stimmte. Sie meinte, wenn ich einem Manne zu Nahe käme, dass er durch meine Hitze unfruchtbar werden könne. Ich glaubte ihr erst nicht, aber beschäftigen tut es mich doch.

Wieder zurück in Hoimarshold versuchten wir einen Eisblock zu schmelzen. Dabei hab ich Feuer gemacht. Ich hab Feuer gemacht! Gut, ein Schluck vom dem unaussprechlichen Rachenputzer, der Schnaps der meinen Großvater ins Grab brachte, hat sein Nötigstes dazu beigetragen. Dabei habe ich dem Zwerg seinen Bart versenkt. Was mir einerseits furchtbar peinlich ist, aber andererseits kann ich das Feuer irgendwie noch nicht richtig beherrschen. Aber wer kann das schon. Aller Anfang ist schwer. Zumindest hab ich das Feuer schon mal zum Lodern gebracht.

Ich hoffe nur inständig, dass der Bart wieder nachwächst und dass die werte Rigani ihren Zwerg immer noch will. Ich werde einen unaussprechlichen Met ansetzen und ihm bei Gelegenheit eine Kostprobe davon geben.

In der Nacht sollten die Imbolcfestlichkeiten ihren Höhepunkt erreichen, aber davon bekam ich schon nichts mehr mit. Mein dunkler Begleiter hatte mich wieder übermannt und ich war nicht mehr ich selbst. Die Kälte war wieder da, doch in meinem Herzen glühte eine ungeheure Macht.

Reglos kniete ich im Schnee und lauschte. Nichts regte sich in mir. Die Kälte ging mir durch Mark und Bein. Mein Atem zeichnete merkwürdige Bilder in die Nacht. Die Dunkelheit begann mich zu umfangen und der Frost hielt immer noch alles fest im Griff. Irgendwas tief in mir flüsterte mir zu, dass sich die Strapazen dieses Tages gelohnt haben mussten, aber doch zitterte ich am ganzen Körper.

Ich konnte eine Stimme hören, ein Gebet wurde in den Nachthimmel geschickt. Ich hatte das Gefühl nicht allein zu sein. Mein dunkler Begleiter hielt mich an der Hand und entzündete das Feuer in mir. Es loderte in mir hoch. Doch ich stand still da und lies es brennen. Um mich herum schien alles in Bewegung zu sein. Schwindelerregend drehte sich alles um mich herum. Nur ich nicht. Ich stand starr und still da und verharrte wie gelähmt, unfähig mich zu bewegen, bereit vom Feuer verzehrt zu werden.

koerperfeu3Ein Feuerkreis loderte um mich herum und mit dem Feuer stieg die Hitze um mich auf. Das Feuer tanzte um mich herum. Die Stimme drang zurück in mein Ohr. Stimmengewirr. Jemand sprach eindringlich zu den Göttern. Ein Summen. Die gesprochenen Worte wurden vom kalten Wind über den Schnee getragen. Gewaltige Trommelschläge ließen mein Herz erbeben. Die Worte verloren sich in der Nacht, nur die Melodie drang tief in mein Herz. In diesem Moment wurde mir bewusst, dass ich mich um mich selbst bewegte und alles andere um mich herum still stand. feurseilDas Feuer tanzte um mich herum, weil ich damit spielte. Nein. Das Feuer spielte mit mir und es nahm mich in Besitz und machte mich ihm Untertan. Ich kämpfte mich frei. Es würde bei einem Versuch bleiben. Die Flammen umfingen mich und holten mich zurück in den Brennpunkt. Ich bäumte mich noch einmal auf, ein letztes Ankämpfen gegen die Hitze und das Feuer. Die Flammen explodierten auf meinem Körper und dann stand ich still. Die Flammen gingen zurück, so wie sie gekommen waren. Alles war dunkel. Ich stand schweißgebadet in mitten einer Menschenmenge, die sich langsam auflöste. Der Schweiß gefror auf meiner Haut und meine Nackenhaare stellten sich ein letztes Mal auf, bevor sie erstarrten. Die Nacht umfing mich nun voll und ganz. Ich konnte die Worte nicht mehr hören, aber in meinem Herzen hallten sie für immer nach.

Das Feuer beherrscht mich noch immer, auch wenn es längst erloschen scheint.

Ich komme nicht davon los, bin aber doch frei. Frei, wie der Wind.

Doch werde ich mich wieder in die Fänge des Feuers begeben, wenn die Dämmerung über den Tag hereinbricht. Nachts ruft das Feuer wieder nach mir. Es verlangt nach seinem Tribut und ich gebe mich untertänigst dem Verlangen hin. Und ich entzünde wieder die Flammen, um allen zu zeigen, wie es in mir brennt.

Diese Geschichte basiert auf dem Hintergrund der Rauriker und den Ereignissen zum Imbolcfest (http://www.rauriker.de) Ähnlichkeiten von Personen im realen Leben sind völlig ausgeschlossen und somit reiner Unfug. Wir bitten um Verständnis.

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