Glückskeks Returns – Ride of the Channing Tram

Glückskeks Returns – Ride of the Channing Tram

chann4Manchmal träumt man und denkt man ist wach und manchmal ist man wach und man denkt man träumt. Manchmal jedoch ist man sich nicht so ganz sicher in welchem Zustand man sich gerade befindet.

Warum auch immer ich mich auf einer Pferde Ranch befinde, kann ich nicht sagen, aber hier bin ich nun. Eine alte Schulfreundin ist auch dabei und es ist eine wie auch immer geartete Veranstaltung im Gange, bei der wir und viele andere mithelfen. Es ist grad so, als gehörten wir dazu. Selbstgemachtes vom Kuchen bis zum eingelegten Kürbis weit und breit. Und wir mittendrin. Und alles aus Kürbis. Komisch ich kann mich gar nicht erinnern, dass eine von uns einmal ein Pferdenarr gewesen war, aber nun sitzen wir am Rande einer Koppel und ein paar waschechte Cowboy reiten ein paar störrige Hengste zu.

Ein riesiger Kürbis bekommt einen Preis und der Kürbisbauer des Selbigen auch.

Ich weiß zwar immer noch nicht was ich hier soll, aber alle loben mich für meinen Kürbiskuchen. Wenn die wüssten, dass ich ihnen da Zucchini untergejubelt habe, aber ich lasse sie in ihrem Glauben, dass alles auf der Welt aus Kürbis besteht und lache in mich hinein.

Ich traue mich nicht recht an mir runter zu schauen, weil mir schwant arges. Weil das, was ich im Augenwinkel über mein Dekollete hinweg sehe, ist gruselig bis untragbar. Ich vermute eine Art Festumhang aus dem Hause Weasley, wenn ich mir die Rüschen so betrachte. Das wäre ja halb so wild, wenn da die schlimmen Karomuster nicht wären.

Um zu verhindern, dass es mir mein Erbrochenes in meine Mundhöhle spült, schaue ich in die untergehende Sonne und sehe in der Ferne tatsächlich einen rollenden Busch, der erst an einem phantasmagorischen Penis-Kaktus vorbei rollt und dann an einem Kojoten, der der Sonne sein letztes Lied vorheult, um dann weiter den Mond anzuheulen.

Ich mache mir überhaupt keine Gedanken darüber was ich in Amerika überhaupt zu suchen habe, wie konnten die mich nur ins Land lassen und wie es sein kann, dass von meinem Mann weit und breit nichts zu sehen ist. Und warum mich hier jeder versteht, obwohl ich kein Strich englisch kann. Aber warum fragen, es ist doch noch Kürbis da.

Ich werde natürlich auch nicht stutzig als mein Unterbewusstsein chann1einen channigartigen Cowboy versucht zu erkennen. Aber irgendwas scheint mein Nerdbewusstsein gelähmt zu haben, dass ich nicht gleich kreischend auf das Channing Tatum Double losgerannt bin, ich ertappe mich nur, wie ich ihn ebenfalls aus dem Augenwinkel beäuge, wie er so im Sattel sitzt.

chann2Eigentlich hätte ich hart stutzig werden müssen, als ich diesen jungen Cowboy eindeutig als Channing Tatum identifiziert hatte, weil er tanzt. Nein nicht so, wie ihr wieder denkt, hier wird Line Dance praktiziert. Um Himmels Willen, ich glaub der will uns zum Tanzen auffordern. Er schaut stierl zu uns rüber. Mich kriegen keine 10 Pferde und auch keine 10 Pferdejungen auf die Tanzfläche, selbst wenn sie alle wie Channing Tatum aussehen sollten. Ich beschäftige mich mit Tische abräumen.

Oh mein Gott, jetzt kommt er rüber zu uns und frägt uns, ob er uns helfen kann. Meine alte Schulfreundin spannt ihn gleich gehörig ein und er sagt immer nur: ‘Yes Ma’am!’ und tippt mit der Hand an seinen Hut und macht was ihm angeschafft worden ist.

Dann blickt er immer verstohlen zu uns rüber, als wären wir ein besonders guter Kürbispudding. Meine Fresse, es kann nicht Channing sein, der ist doch nicht schüchtern, oder?

Es muss doch ein Traum sein, hier stimmt doch irgendwas ganz und gar nicht. Channing ist da, von seiner Frau ist weit und breit nichts zu sehen, von meinem Mann auch nicht. Er tanzt und hat noch alle seine Klamotten an und er ist ein Cowboy und hat noch nicht den Kopf weggeschossen bekommen. Da stimmt doch was nicht.

Also gehen wir mal davon aus, es ist tatsächlich ein Traum und gehen wir mal davon aus der abartige Glückskeks steckt wieder dahinter.

Ich dachte ja ich hätte es hinter mir, weil sich der Glückskeks solange nicht mehr gemeldet hat. Wahrscheinlich war er eifersüchtig. Insgeheim war ich ja schon ein bisschen froh, die Glückskeksträumerei ist mir halt schon ganz schön abgegangen.

Naja, die Feier ist jetzt wohl auch zu Ende und der Channing hilft uns noch das Auto zu beladen. Er ist sehr zuvorkommend und öffnet uns immer die Türen und alles andere macht er immer sehr schwungvoll, so als wäre unser Cowboy ein waschechter Pirat.

Am Ende sitzen wir im Pickup von meiner alten Schulfreundin und ich würde ganz gerne im Erdboden versinken. Also er steht offensichtlich auf sie. Sie hält aber so garnichts von diesem schicken Cowboy. Ich hatte sie eigentlich auch nicht so zickig in Erinnerung, wie sie ihm jetzt die kalte Schulter zeigt. Der arme Channing. Ich sitze im wahrsten Sinne des Wortes zwischen zwei Stühlen, also zwischen der neuen Eisprinzessin und dem Channing auf der durchgehenden Sitzbank des uralten Pickups und nachdem sie nicht die allergrößte Person ist, hat sie die Sitzbank ganz nach vorne geschoben, damit sie an die Pedale kommt. Und so hat der Channing die Knie ungefähr zwischen den Ohren und ich sitze wie ein Würfel aus Knien und Brüsten zwischen drin.

Mir macht es irgendwie gar nichts aus, dass er sie so anschmachtet, eigentlich ist es ja ganz lustig, wenn ich mich nicht so fremdschämen würde. Meine Fresse wer würde schon Channing Tatum von der Bettkante schubsen? Meine alte Schulfreundin!

Ich hab mit dem armen Channing langsam echt Mitleid. Ja, da kommen auch schon die Muttergefühle (Ich werd alt!), weil er gar so wie ein geprügelter Köter aus der Wäsche schaut. Apropo Wäsche. Anfangs hatte er ja Jeans und Hemd an und seinen Cowboyhut natürlich. Später muss mein Unterbewusstsein dann noch Cowboystiefel und Chaps dazugedichtet haben, aber so genau kann ich das jetzt auch nicht mehr sagen, was er denn nun wirklich anhatte.

Es kommt wie es kommen muss. Und ich sitze am Ende mit dem Channing in der Trambahn, weil er meine alte Schulfreundin halt so gar nicht erweichen konnte.

Wie wir jetzt so schnell mit dem alten Pickup von Wyoming in die bayrische Landeshauptstadt gekommen sind, kann ich auch nicht so genau sagen und warum ich mit ihm jetzt gerade in einer Trambahn sitze, keinen blassen Schimmer. Die Tram fährt bekanntlicherweise nicht nach Wolfratshausen.

So sitzen wir da, wie bestellt und nicht abgeholt in der Tram und er wippt zu einer Musik, die offensichtlich nur er hört und tut das was er am Besten kann. Ja, das was ihr denkt.

Und mir ist es mords peinlich.

Jetzt stellt sich die Frage, wie komme ich mit der Tram nach chann3Wolfratshausen und was sagt mein Mann dazu, wenn ich den Channing mitbringe, der mittlerweile sich seiner Klamotten entledigt hatte und an der Stange in der Tram seine geilsten Moves zum Besten gibt. Eine alte Oma wird gerade ohnmächtig weil er sie grad pornomäßig auf Gesichtshöhe angetanzt hat, als ich schweißgebadet auf dem Sofa wach werde.

Meine Fresse, Glückskeks du hast doch echt nen Clown gefrühstückt. Ich schleiche ins Bett und da liegt mein Mann und schnarcht, wie ein Holzfäller aus Kanada. Ob ich ihm vom Channing erzählen soll? Hm. Vielleicht werde ich ihm einfach einen Cowboyhut kaufen, vielleicht sagt er dann auch: ‘Yes Ma’am!’ zu mir und tippt sich dabei an den wunderschönen Hut.

Werbeanzeigen

Glückskeks Calling Episode 4

Glückskeks Calling Episode 4

vokuIch wache auf weil ich laufe. Ich laufe sonst nie! Seltsam, meine Brüste gehen mir dabei gar nicht im Weg um. Was sie sonst immer tun, wenn ich mal laufen sollte.

Ich laufe an einer ellenlangen Straße entlang, neben mir sind Häuserfronten von spiegelverglasten Bürogebäuden und ich kann mich, wer hätte es anders gedacht, im Glas der Scheiben Spieglein, Spieglein…Da waren sie wieder meine zwei Probleme. Der Märchenvirus und der Glückskeksfluch!

Ich hätte es mir ja gleich denken können, dass da was nicht stimmt. Meine Brüste gehen mir die letzten 24 Jahre im Weg um, und nach einem 12jährigen Mädchen mit blonden Zöpfen sehe ich ja nicht gegrade aus. Ich laufe übrigens immer noch. Ich habe einen ziemlich hässlichen und viel zu engen roten Lycraanzug an und komme mir ein Bisschen so vor wie ein Bobfahrer im Sommer.

Plötzlich sehe ich, wie jemand hinter dem Bürogebäude auftaucht und ziemlich schnell hinter dem nächsten Bürogebäude wieder verschwindet. Das Ganze ging so schnell, dass ich einerseits gar nicht festgestellt habe, dass ich selbst noch schneller gelaufen bin, um ihm hinterher zu kommen. Und andererseits muss mein Verstand irgendwie auf der Stecke geblieben sein. Alter war der Kerl schnell. Es muss Captain America sein. Und was war ich? Eine weibliche (und kleinere und dickere) Version von Flash? Wohl eher die uneheliche Zwillingsschwester vom Hackl Schorsch.

Keuchend erreichte ich die nächste Lücke in der Häuserfront. Da zischte er wieder an mir vorbei. Er muss ein Hybrid zwischen Flash und Captain America sein. Man, ist der schnell. Ich versuche ihn, so schnell es mir möglich war, zu verfolgen, aber ich scheine ihn zu verlieren. Er ist einfach zu schnell.

Als ich am Ende meiner Kräfte um die nächste Straßenecke bog, war der Kerl wohl an seinem Ziel angekommen. Er stand vor einer Bushaltestelle und ich konnte gerade noch die Rücklichter des Busses am Ende der Straße erkennen.

Der Kerl war ähnlich fertig wie ich, nur dass ich gar nicht mit dem Bus fahren wollte, weil ich ja nur auf der Jagd nach einer personifizierten Comicfigur war. Und er sieht auch nicht annähernd so aus wie Captain America und/oder Flash. Nein, ratet mal. Nein, es ist nicht Edward aka Ignaz und auch nicht Zweischwerthans aka Tyron Nightfire. Igor ist es auch nicht und nachdem ich auch ausnahmsweise grad nicht im Knast bin, ist es zu meinem Leidwesen auch nicht Malakili, der corellianische Rancorwächter aus Jabbas Palast. Es ist Vokuhila Tschortsch!!!

Super, hab ich keine Fußnote gemacht Frl. Reophanu? Jetzt hetzt sie mir doch tatsächlich den Vokuhila Tschortsch 1) (Beachte die Schreibweise!) auf den Hals. Nicht dass ich mit dem Glückskeksfluch schon genug um die Ohren hätte. Und gejagd hat er mich auch nicht, ich hab ihn gejagd. What the fuck. Was haben wir bei: ‚Von einem Ork durch den Wald gejagd werden!‘ nicht verstanden?

Ich kann so nicht arbeiten, ich bin in meinem Wohnwagen.

Von wegen, dass man seine Träume nicht beeinflussen kann… Ich stehe auf einem öden Feld, ein rollender Busch holpert an mir vorbei. ‚Runter von meinem Rasen!‘ höre ich eine krächzende Reibeisenstimme rasseln, begleitet von dem Durchladen einer Schrotflinte.

Ich drehe mich langsam um. High Noon. Die Hand an meinem Gürtel, ich bin gespannt wie die Feder meiner Smith & Wesson.

Vor mir steht ein ehemals pinker, verkohlter Wohnwagen und ich stehe auf einem verdreckten Kunstrasenteppich. Rund um alles ist nur Ödnis, Staub und Sonne. Vor dem Wohnwagen steht eine Alubadewanne voll Kronkorken und in der Badewanne sitzend, grinst mir eine sonnenbebrillte ältere Dame mit einem verkohlten Strohut auf den Kopf, an. Im Mundwinkel hat sie einen Zigarrenstummel.

Ich höre nochmal ein ‚Runter von meinem Rasen!‘ und den Knall, der in der Regel auf das Betätigen des Abzuges folgt…

Mit Schmerzen in der Brust wache ich auf… ach keine blutige Wunde… Kein Blutspritzmassaker in meinem Bett, ich dreh mich um, zieh die Decke über den Kopf und schlafe weiter.

1)Vokuhila Tschortsch: Kurze Begrifferklärung fehlt Frl. Reophanu!

Es regnet Blätter…und hagelt Fischstäbchen!

Es regnet Blätter…und hagelt Fischstäbchen!

Nach der Arbeit hetze ich zum Einkaufen. Es pisst, als gäb es kein Morgen. Nach dem es aber kurz vor Ladenschluss ist, steige widerwillig aus dem Auto und renne in den Laden. Der übliche Einkauf geht ganz schnell. Salat, 3 Packungen Fischstäbchen, eine Flasche Ketchup und einen Camembert. Da soll nochmal einer sagen, ich würde mich einseitig ernähren. Als ich nach dem Zahlen zum Ausgang gehe, kehren sie mich förmlich aus dem Laden und schließen hinter mir die Tür. Ich kann das Rollgitter hören, wie es hinter mir langsam die Eingangsfront von Außen verschließt. Der Regen hat aufgehört, dafür weht der Wind wieder ganz schön heftig. Blätter wehen auf Kopfhöhe an mir vorbei und es fröstelt mich. Ich zieh die Kapuze über meinen Kopf und werde vom Wind schier zum Auto getrieben. Kurz bevor ich an meinem Auto ankomme, bin ich trotz des nachgelassenen Regens völlig nass, weil die herabfallenden Blätter ungefähr den selben Effekt haben, wie Regen.

Ein rollender Busch purzelt vor mir über den Asphalt. Ich schüttele den Kopf und denke mir: ‚Nicht schon wieder!‘

Ich blicke mich hastig um und erwarte das Schlimmste. Mit einem Mords Adrenalinschub stürze ich zum Auto und lasse meinen Blick gehetzt über den Parkplatz schweifen.

Da ist ja gar nichts, verdammt! Am Himmel schiebt der Sturm die Wolken auf die Seite und ich kann den Mond sehen. Ein Vollmond. Hm. Ich erwarte jeden Moment das Wolfsgeheul. Nichts. Etwas enttäuscht, krame ich nach meinem Schlüssel und öffne den Wagen aus der Entfernung. Ich kann das Klacken der Zentralverriegelung hören.

Plötzlich höre ich ein triefendes Grunzen hinter mir. Fast Panisch drehe ich mich um. Da schlürft etwas auf mich zu, das ein Mensch zu sein scheint. Es schleift ein Bein nach und hat eine Schulter gesenkt. Ich kann den Sabber sehen, wie er aus der offenen Kinnlade läuft. Blitzschnell mache ich einen Schritt auf das Dings zu und hole mit einer Einkaufstasche aus. Es erdreistet sich doch tatsächlich die Arme gegen mich zu erheben und ich schlage zurück. Unter Röcheln geht das Dings nach dem ersten Schlag zu Boden. Ich betrachte es näher und es ist ein er und er ist wohl schon ein Wenig länger tot. Geil, ein Zombie!

Nachdem ich in meinem Auto leider keinen Spiderman habe und leider auf keine Axt, Schrotflinte oder Motorsäge, beschließe ich nach Hause zu brettern und mich für die Zombieapokalypse aufzumunitionieren.

Neben meinem Auto springt mich ein weiterer Zombie an und bringt mich zu Fall. Er hat zum Glück nur in meine Einkaufstasche gebissen und reißt nun ein Stück heraus und fängt an zu Röcheln. Der Zombie hustet, wälzt sich von mir runter und spuckt mir ein angebissenes Fischstäbchen ins Gesicht. Ich packe die Tasche und haue solange auf den Zombie ein, bis die Einkaufstasche auf seinem Kopf explodiert und die Packung Fischstäbchen mit ihr. Die gefrorenen Fischstäbchen fliegen mir um die Ohren, ich stürze schockiert nach hinten und kann gerade noch sehen, wie ein weiterer Zombie von einem meiner Fischstäbchen ins Auge getroffen. Es bleibt vibrierend in der Augenhöhle stecken, der Zombie fällt auf die Knie und als er nach vorne fällt, rammt er sich das Fischstäbchen ganz in den Kopf, wo es wahrscheinlich langsam auftauen wird. Gehirnfrost a la Captain Iglo würd ich mal sagen.

Ich sammle den Ketchup, den Camembert, die übrigen Fischstäbchen und meinen Salat auf, die restlichen Einkäufe haben es komischer Weise heil überstanden und haue ab. Mit 140 fahre ich nach Hause und suche panisch nach meinem Schlüssel für meinen Waffenschrank, rufe gleichzeitig meine Mutter und meine beste Freundin an. Dann verrammel ich die Tür, baue eine Schleuder aus einem Klappstuhl und meinen Strapsen.

Im Morgengrauen können mich die Nachbarn auf dem Dach sitzen sehen. Mit zwei Baustrahlern, einer Schleuder, einem Sektkühler mit einer Packung gefrorener Fischstäbchen darin und meinem Karabiner auf dem Schoß, zwei Revolver im Holster und einem Whiskey in der Hand. Im Hintergrund läuft Fido.

Zufrieden nippe ich von meinem Glas und feile meine Munition an und warte darauf, dass sie die Straße hochkommen und meine spießigen Nachbarn zuerst fressen wollen.

Munich 20:15

Munich 20:15

Die Dämmerung kroch ganz langsam über die Stadt, so langsam eben, wie die letzten Sonnenstrahlen ihr warmes, rotes Leuchten über sie getaucht hatte und sich nun langsam wieder zurückzogen, wie ein Hund mit eingezogenen Schwanz, besiegt nach einem Kampf.

Ich wache auf, von meinem eigenen Sabber, der mir vom Kinn in mein Dekolleté tropft. Schlaftrunken wische ich mit meinem Ärmel meine Wange trocken und stecke meine beärmelte Hand zwischen meine Brüste.

Ich checke es halt jetzt erst, dass ich im Auto sitze, komisch ich muss wohl auf dem Lenkrad eingeschlafen sein. An der Ampel, alles klar. Der Motor meines Wagens läuft noch und der Exorzist in meinem CD-Player auch, also kann es ja nicht lange her sein, als ich eingeschlafen bin. Ich zieh die Hand aus meinem Ausschnitt. Eine Menge Spucke für einen Sekundenschlaf. Ich blicke auf die Ampel. Die ist aus. Nicht blinkend aus, sondern ganz aus. Ich blicke gedankenverloren auf die Kreuzung. Da war ja niemand. Keiner. Kein Auto. Kein Fußgänger. Kein Radfahrer. Auch keine Tram. Hatten wir wieder Fußball-WM und war Deutschland wieder im Endspiel und ich habe es mal wieder nicht mitbekommen?

Vorsichtig krieche ich mit meinem Auto ganz langsam über die Kreuzung, die Nadel vom Tacho bewegt sich quasi nicht. Die Digitalanzeige meines Autos zeigt mir 20:15 Uhr und die Außentemperatur von 20 °C an. Wir müssen Sommer haben… afo… away from office… Amt macht einfach brainfucked. Schließlich bin ich drüber über die Kreuzung und fahre auf die Donnersberger Brücke. Und eigentlich sollte ich mich nicht mehr darüber wundern, dass meine Arbeit mir scheinbar den Resetknopf meines Gehirns durchgedrückt hat. Kein Wunder, dass mir der Sabber aus dem Mund läuft. Aber, ich checks echt nicht. Kein Auto. Kein Fußgänger. Kein Radfahrer. Auch keine Busse. Die Anzeigen an den Haltestellen sind aus und ich rausche wieder von der Brücke und blicke über die Stadt. Sie erstrahlt in der Restsonne und ansonsten strahlt halt mal gar nichts. Stromausfall. Ein richtig großer Stromausfall vielleicht. So ein Stromausfall, der beim RTL einen Sendeplatz bekommen hätte. Hm. Wie geil.

Kein Auto behindert meinen Heimweg. Auch mal schön. Auf der Landshuter Allee bemerke ich, wie der Grünstreifen ziemlich hoch gewuchert, langsam die Fahrbahn begrünt. Komisch die Stadtwerke schlafen wohl auch in letzter Zeit oder es ist ein echt langer Stromausfall und ich hab halt die letzten Wochen und Monate mal gar nichts mitgekriegt. Hm. Ich fahre eh in der Mitte der beiden Spuren und scheiße auf die Schlingpflanzen, die in meiner Fantasie mein Auto fressen wollen.

Ich blicke wieder in die Ferne und sinniere darüber nach, wo die bei uns im Amt das Stromaggregat versteckt haben und wer da literweise Diesel einfüllt. Der alte Wachmann mit dem Elektroschocker schlürft gerade humpelnd in meine Gedanken, mit einer Dieselkanne in der anderen Hand und tränkt das hungrige Aggregat. Schlürf. Das Einzige was in der großen Stadt noch leuchtet, ist das rote Matschauge in meinem Rücken und die Kegel meiner Scheinwerfer.

Über dem Olympiagelände kreisen die Krähen im Wind. Eigentlich nichts Ungewöhnliches, machen sie eigentlich immer, wenn der Wind über den Olympiapark pfeift. Ist ein sehr ergreifendes Bild. Und die Einzigen, die heute Nacht Spaß haben, sind wohl die Krähen im Wind. Mir war vorhin gar nicht aufgefallen, dass Wind ging. Die Bäume biegen sich im Wind. Krasser Wind eben. Langsam wird die Sicht immer schlechter, weil die Sonne nun vollends untergegangen ist. Jetzt wäre eigentlich der Moment, an dem die Straßenbeleuchtung angehen müsste und das beklemmende Gefühl vertreiben sollte, dass sich jetzt langsam aber sicher in meinem Magen ausbreitet. Pfeifendeckel. Die Nacht fällt. Himmel, heut kommt das Dunkel aber schnell, wir sind doch nicht in Afrika. Keine Lichter gehen an, die große Stadt bleibt im Dunkeln.

Ein gelber Mond geht über den Bäumen des Olympiageländes auf und die schwarzen Krähen geben den merkwürdigen Vorahnungen, die sich nun langsam in meinem Kopf zusammenbrauen, den nötigen Antrieb. Paranoia lässt grüßen. Der gelbe Mond strahlt sein surreales Licht, wie ein Flakscheinwerfer, übers Olympiagelände. Aber wenigstens hat der Mond ein Einsehen und leuchtet heute Nacht.

Der Wind ist noch heftiger geworden und Blätter und kleine Äste wehen über die Straße. Der Wind treibt auch große, schwere Wolken über den Himmel, die nun zu weilen den Mond verdecken. Mist. Das war es dann mit dem Flakscheinwerfer. Als allerdings ein rollender, runder Busch vor meinem Auto über die Straße huscht, bremste ich scharf und blicke ihm ungläubig nach. Da ist doch was faul. Es ist keine Sau auf der Straße, aber rollende Büsche springen über die Fahrbahn. Verdammt. Ich lasse die Scheiben ein Wenig hinunter und der Wind bringt frische klare Luft herein, erschreckend frische Luft. Komisch. Ich stehe mitten in der großen Stadt unweit von der am schlimmsten, feinstaubbelasteten Stelle der Stadt und es riecht nach einer blühenden Alm im Nachtwind. Ich blicke wieder auf die Digitalanzeige meines Autos und es ist 20:15 Uhr und es hat nur noch 15°C. Ich schüttle meinen Kopf und blicke wieder auf die Anzeige: 20:15 Uhr und nur noch 13°C. Der Fehler in der Matrix wird von den Hintergrundgeräuschen des Exorzisten nur noch verstärkt. Ich schalte schnell meinen CD-Player aus, bevor noch Blut und Schlonze aus den Lautsprechern fließt. In der Matrix ist alles möglich. Verzweifelt warte ich auf eine doppelte schwarze Katze, die vom Wind über die Straße getrieben wird. Nein, keine Katze. Aber ein zweiter rollender Busch. Hm. Da sind sie wieder meine zwei Probleme.

Nachdem nach wie vor niemand hier ist, auch keiner kommt, wende ich mitten auf dem Verbindungsstück zum Frankfurter Ring und fahre äußerst verkehrswidrig in Richtung Mittlerer Ring zurück, um zu sehen, ob sich da was rührt. Sich wie der letzte Mensch auf Erden fühlen, hab ich mir nie so nervenzerreißend vorgestellt.

Regen setzt ein. Unglaublicher Regen. Ich schließe schnell die Fenster, werde aber trotzdem ziemlich nass. Der Regen riecht gut und fühlt sich sauber an. Aber draußen geht der Punk ab. Ich fahre langsam weiter. Große Äste stürzen auf die Fahrbahn und mein Scheibenwischer macht nicht mehr so wirklich mit. Ich komme noch bis zu einer der Brücken zwischen Olympiahalle und BMW. Ich habe bereits das Gefühl, dass mein Auto im Rollen schon Aquaplaning kriegt. Ich kann nicht genau sagen, unter welcher der Brücken ich nun stehe, weil einfach alles dunkel ist, hier. So dunkel, wie im Arsch eines Homophobikers.

Da die höchste Stufe meines Scheibenwischer nicht mehr nachkommt und ich die Lichter meiner Scheinwerfer nicht mehr erkennen kann, obwohl ich scheinbar unter einer Brücke stehe, schalte ich meinen Scheibenwischer aus. Ich blicke paranoid auf die Digitalanzeige meines Autos und es ist ja kaum zu erraten: 20:15 Uhr und 6°C. Die Tankanzeige, sie leuchtet schon. Meine Güte, warum tanke ich eigentlich nie voll. Ich mache vorsichtshalber den Motor aus, schalte aber die Warnblickanlage und den Radio an. Immer noch der Exorzist. Zitternd schalte ich von CD auf Radio. Rauschen. Ich drücke nervös auf den Sendersuchlauf. Ich warte eine halbe Ewigkeit. Nichts. Nur Rauschen. Ich drücke auf AM und wieder auf den Sendersuchlauf. Rauschen. Ein Blitz erhellt den Himmel. Ich kann für den Bruchteil einer Sekunde die BMW-Welt sehen. Beziehungsweise, das was davon übrig ist. Bevor ich begreife, was ich da scheinbar durch die nasse Scheibe zu erkennen glaube, lässt der folgende Donner die Scheiben meines Autos erzittern. Augenblicklich hatte ich ein Pfeifen im Ohr. Der Radio rauscht immer noch und ich starre wie gebannt auf meine Windschutzscheibe. Ich kann meinen Atem sehen. Alles Klar. Kann ich aus der Horrorstory noch aussteigen? Geistesgegenwärtig lasse ich den Motor an und mach den Scheibenwischer wieder an.

Auf der Digitalanzeige steht, wie wahr es auch anders zu erwarten: 20:15 Uhr und -4°C. Jetzt kriege ich Panik. Der nächste Blitz macht die Nacht zum Tage und ich kann erkennen, dass die BMW-Welt tatsächlich eingestürzt ist. Weil…. Donner. Ich schrecke zusammen und fasse mir ganz unwillkürlich ans Herz. Das Pochen übertönt nun das Pfeifen in meinem Ohr und ich blicke aus dem Seitenfenster, da wo eigentlich der Olympiaturm hätte sein müssen. Der nächste Blitz bestätigt meine Vermutung. Der Turm ist über den Ring gestürzt und hat die BMW-Welt zermalmt. Den nächsten Donner höre ich schon gar nicht mehr. Mein Verstand hat sich wohl bereits auf die Socken gemacht, so dass das nächste Bild vom Blitz erhellt mich den Verstand nicht mehr verlieren lassen hätte können. Große Tentakeln glitten über den umgestürzten Turm und waberten auf mein Auto zu. Dahinter kam ein riesiges dunkles Auge zum Vorschein und die monströse Hand eines klavierspielenden, grünen Riesen und dann war wieder alles dunkel. Das Rauschen des Radios drang wieder an mein Ohr. Und dann kommt tatsächlich etwas aus dem Radio…

Düüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüh. Ich schrecke hoch. Weil hinter mir jemand hupt, ich bin an der Ampel eingeschlafen. An der Donnersberger Brücke. Die Ampel schaltet auf rot. Ich wische mir den Sabber vom Kinn. Im Radio läuft: Last Christmas. Es ist 18:47 Uhr, es hat -4°C.

Eine hell erleuchtete Trambahn fährt an mir vorbei. Das öffentliche Reality-Live in dieser Tram kommt mir surreal vor. Menschen in dicken, bunten Jacken und bunten Einkaufstüten, die nur nach Hause wollen, um die Tür vor dem Horror des Alltags hinter sich zuzuschlagen. Es wird Grün. Ich gebe Gas und fahre auf die Donnersberger Brücke, die Stadt blinkt und leuchtet wie nie.

P.S. Ich hatte wohl vergessen, mein 15. Türchen vom Adventskalender zu öffnen.

%d Bloggern gefällt das: