Wolken, Bruch und Hagel

Jakobsweg Zeitreise – Wolken, Bruch und Hagel

Es ist jetzt Mittwoch, der 02.04.08 und es regnet. Wir sind unterwegs nach Lindau (im Rottal) und ich bemerke nicht nur, dass ich von oben ganz schön nass werde, sondern dass mein linker Fuß auch langsam von unten ganz schön nass wird. Dieser blöden Holzschuh. Ach und der Wasserschlauch tropft… was aber bei dem Wetter reichlich wurscht ist.
Nach Lindau untersuchte ich meinen Schuh genauer. Es zog sich ein dicker Spalt von der Ferse bis zum Ballen. Ich band die Schuhe mit Lederbändern zusammen und wir liefen weiter. Wir wurden immer ruhiger, vor Anstrengung und weil wir nicht wussten, wie lange wir mit meinen Schuhen noch kommen würden.

Der Morgenschiss kommt ganz gewiss, auch wenn es spät am Abend ist. Nach einer kleinen Zwangspause in einem Bushäuschens bzw. hinter einem Bushäuschen gingen wir dann weiter…
Es hatte auch zum Regnen soweit aufgehört, dass wir zumindest von oben nicht mehr nass wurden. Irgendwo zwischen Mitterham und Oberschwärzenbach sprang eine Frau aus ihrem Haus und fragte uns, ob sie uns was Gutes tun kann. Ich wollte sie nicht fragen, welche Schuhgröße sie hatte. Sie war ganz erstaunt, dass der Jakobsweg bei ihrem Haus vorbeiführt. Wenige Minuten später, irgendwo nach Oberschwärzenbach, war ein altes alleinstehendes Haus am Wegesrand. Vorne war ein alter Stall zu einem Wohnhaus umbebaut worden, aber auch schon wieder halb verfallen, vorallem der Balkon. Hinten im Garten war ein total zerfallenes Wohnhaus. Wir gingen an dem Grundstück vorbei und als ich zurückblickte, erkannte ich einen roten Fleck neben dem Haus. Es sah so aus, als würde da jemand kauern. Ich ging dann doch ein paar Schritte zurück und rief nach Hanna. In dem Moment rappelte sich eine alte Frau auf. Ich rief, ob wir ihr helfen können. Ich weis nicht ob sie mich wirklich verstand, aber sie winkte ab. Eine komische Begegnung, wir gingen weiter…
Wir kamen endlich in Tettenweis an, es regnete wieder so halb und wir holten uns einen Stempel im Rathaus und ich humpelte in einen Edeka, um zu fragen, ob sie Schuhe hätten,
sie hatten keine, aber die schickten mich in einen richtigen Schuhladen, ich konnte es kaum glauben. Wir stellten die Kraxen beim Wirthauseingangshütterl unter und Hanna blieb dort und ich ging allein auf Schuhmission.
Neben der Klostermauer fand ich tatsächlich einen kleinen uralten Schuhladen und ich ging hinein. Ein alter Mann musterte mich und ich erzählte ihm von meinem Schuhbruch und von der Pilgerschaft. Und er hatte tatsächlich ein paar Schuhe für mich, für 19 Euro. Es sind zwar echt hässliche dreckigweiße Omaschuhe, aber sie passten und sie waren aus Leder…
Beschwingt und froh lief ich zu Hanna zurück. Ich wollte die kaputten Holzschuhe auf keinen Fall wegschmeißen, sie hatten mich ja doch die ganze letzte Saison und bis hierher begleitet, aber ich wollte sie auch nicht mitschleppen, also machte ich mich auf die Suche nach einer Post, wenn ich in diesem Dorf einen Schuhladen finde, dann finde ich auch die Post. Und tatsächlich fragte ich eine Dame in einem Postauto, die aus dem Rathaus kam, nach einer Postfiliale und im hiesigen Café wäre eine Postagentur.
Dort angekommen, konnte ich tatsächlich meine Holzschuhe nachhause schicken, schweren Herzens und ein wenig unauthentischer ging es weiter.
Die Holzschuhe waren übrigens nicht nur durchgebrochen, sondern auf dem Weg von Rotthof hierher hatte ich mir ein Zweieurostück großes Loch hineingelaufen.
Wir laufen also weiter und als wir wieder am Schuhladen waren, wurde das Wetter wieder schlechter als zuvor und wir beschlossen ins Kloster zu gehen um den nächsten Schauer abzuwarten.
Das Benediktinerinnen Kloster St. Gertrud nahm uns auf und einige Nonnen waren ganz neugierig auf uns. Wir unterhielten uns lange und sie erzählten uns, dass vor einen halben Jahr, auch eine Pilgerin hier durchgekommen war, und sie hätte ihnen eine Karte geschickt, aus Santiago. Eine reife Leistung.
Laut Map24 sind es vom Passau, Domplatz bis Santiago 2512,62 km mit dem Auto und in 26,48 Stunden wär man da, ohne Pausen natürlich. Gehen wir mal davon aus, dass es
mehr als 3000 km sind, wenn man zu Fuß geht. Dann wäre die Dame einen Schnitt von 16,67 km am Tag gelaufen, das ist also eine reife Leistung.
Um uns jetzt noch ganz zu ernüchtern, unser Schnitt nach 5 Tagen war 11,48 km am Tag, des macht dann bis Santiago 261,32 Tage, des sollten wir doch dann tatsächlich bis zum Rentenalter schaffen, wenn wir im Jahr zwecks gemeinsamer Urlaubsplanung im Schnitt 10 Tage laufen können, dann sollte wir in 26,10 Jahren angekommen sein, wenn nichts dazwischen kommt. (Mittlerweile habe ich mich entschlossen, nächstes Jahr alleine weiter zu Pilgern. Ob ich dann allein schneller vorankomme, weis ich nicht. Fürs Jahr 2009 sind
erstmal 3 Wochen geplant)

Huch, wir saßen ja immer noch im Kloster….Eine Nonne fragte uns, ob wir dann auch beten würden. Betretendes Schweigen: ‚Ähm, bis jetzt noch nicht, aber vielleicht kommts noch!‘ Du sollst nicht Lügen, aber so wirklich gebetet haben wir ja auch nicht, und des mit dem Zwölfender wollte ich der Nonne dann doch nicht erzählen. Dann ist mir noch aufgefallen, dass es in diesem Frauen tatsächlich eine Männertoilette gab. Ich stelle keine blöden Fragen mehr.
Wir entschlossen uns dann trotz dem komischen Aprilwetters weiterzulaufen. Nach Tettenweis ging es ganz gut, ich hatte ja auch neue Schuhe, die Sonne spitzte raus und die Gegend durch die wir jetzt kamen, war irgendwie sehr nobelig, des Grünwald von Tettenweis quasi. Wir sahen sogar so was wie eine Römervilla und wir dichteten wieder ein Gedicht an den Zwölfender und an Montezuma usw. Danke, dass wir noch keine Scheißerei bekommen haben….
Wenig später wurde der Trinkschlauch im hohen Bogen beerdigt, er hatte zwar irgendwie länger durchgehalten, als meine Holzschuhe, aber irgendwie ist er mir nicht so ans Herz gewachse
n.
Bei Großhaarbach gingen wir eine kleine Abkürzung, aber nur um über eine alte Brücke zu gehen, die neben der Straße auf einer Wiese war, wir gingen schnurstracks auf eine Kapelle zu, die sich dann doch als Feuerwehrhaus entpuppte.
Das Postauto von Tettenweis verfolgte uns schon seit einer Weile, und machte dies auch weiter. Zur Post fällt mir auch noch was ein, ich habe schon seit langen nicht mehr so viele gelbe Telefonzellen gesehen, wie in den letzten 4 Tagen. Ich sollte mich doch öfters im Outback herumtreiben….
Wir gingen noch eine Weile und bei der nächsten Bank unter zwei Birken machten wir Pause und Mahlzeit. Nach dem Essen zog wieder ein Wetter auf und wir bauten uns einen Unterstand aus unseren zwei Zeltplanen und wollten darunter das Wetter abwarten. Eine Plane kam über die beiden Kraxen die vor der Bank standen und die andere Plane hatten wir über unsere Köpfe gezogen und unsere Wanderstäbe hielten die Dachspitze fest. Muss ein lustiges Bild gewesen sein, für diejenigen, die mit dem Auto vorbeigefahren sind. Es fing an zu regnen und dann zu hageln und wir hatten es zumindest trocken und halbwegs warm.
Mehre Autos hielten um zu fragen, was das denn soll. Eines davon, war wohl, das Auto von Niederländern? Sie führen an uns vorbei und hielten dann doch. Sie boten uns an, wenn sie wieder zurückkommen würden, dass sie uns dann eine Schelte anbieten würden. Jetzt ist natürlich die Frage was eine Schelte auf holländisch heißt, weil in Bayern ist des übrigens eine Watschn. Hhm…Okay…nach ausführlicherem Googeln, wollten
sie uns dann doch eher schimpfen oder watschen.
Wir hatten ja gedacht, dass sie uns vielleicht auf eine Suppe einladen wollten und Schelte auf holländisch vielleicht doch Brotzeit heißt. Gut dass es dann irgendwann zum Regnen aufgehört hat.
Der Weg nach  war wahnsinnig schön, obwohl wir nur auf der Straße gingen, ging es eigentlich nur Bergauf und das war Wetter äußerst bescheiden, aber die Landschaft war einfach der Hammer. Viele kleine alte Höfe säumten links und rechts die Straße, die in langgezogenen Serpentinen den Berg hinauf zog.
Mittlerweile mutieren wir wirklich zu Bergziegen, wir haben richtig Spaß dabei, den Berg hinaufzugehen. Und wir waren auch längst nicht mehr so außer Atem, wie zu Beginn unserer Reise. Schade ist nur, dass ich aufgrund des schlechten Wetters fast keine Fotos geschossen habe. Aber die Eindrücke werde ich so schnell nicht vergessen.
Ich überlege mir, ob ich im Sommer mal nochmal hierher fahre, einfach der Aussicht wegen und wegen den Fotos, die ich jetzt nicht geschossen habe.
Es ging jetzt wieder Bergab und die Häuser wurden immer neuer, aber sie waren immer noch schön. Wir gingen nun immer schneller, da schon wieder ein Regenschauer uns hinterher jagte. Wir haben es gerade noch in eine Bushaltestelle geschafft, als wieder ein Platzregen über uns herein brach. Nach dem Regen gingen wir weiter und in Karpfham angekommen, wussten wir auch warum es Karpfham heißt. Im Wappen war ein toter Karpfen, der von einem Pfeil erschossen wurde. Wie nett!
Wir gingen weiter und wieder war alles total ausgestorben. Wir stellten uns noch ein Paar mal unter, wenn der Regen wieder stärker wurde. Aber wir mussten weiter, nach einer Unterkunft fragen, aber es war keine Menschenseele auf der Straße zu sehen. Wir liefen wiedermal zur Kirche und diesmal hatten wir Glück, neben der Kirche war ein Kath. Pfarramt und es war auch offen. Mal schauen, ob unser Glück uns doch weiter hold ist.

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Eine authentische Erkenntnis

Jakobsweg Zeitreise – Eine authentische Erkenntnis

Ich schrieb ja vorhin, wir wollten uns noch ein bisschen frischmachen (sofern des überhaupt möglich war!) und in einen meiner ersten Blogs zum Jakobsweg hatte ich schon erwähnt, dass ich kein Deo mitnehmen wollte, da es ja so furchtbar unauthentisch war.
Ich fand, bei den ganzen unauthentischen Sachen, die ich eh schon dabei hatte, könnte ich mein Deo wirklich daheim lassen: Handy, Ladegerät, Digicam, Ersatzakku, Ersatzkarte, Ladegerät, EC-Karte, Ausweis, Pilgerpass, Reiseführer, Diverse Tabletten und Cremes für meine Allergie, Kopfschmerzetabletten, die Pille, meine Allergiepässe, Krankenkassenkarte, Geld, mehrere Labellostifte (die ich auch aufgebraucht hatte!), Kaugummis, Riccola, Schokolade, Unterwäsche, Zahnbürste, Zahnpasta, zwei Kugelschreiber, Erstehilfeset mit Nagelschere, die ich übrigens gebraucht habe, da ich mir im Neuburger Wald meine Fingernägel komplett gestutzt hatte und die Nagelfeile, die ich übrigens nicht gebraucht habe, mangels Fingernägel, aber eigentlich ein wichtiges Instrument ist, falls man was aufbrechen muss und um festgezogene Knoten zu lösen, werde ich sie auch beim nächsten Mal wieder einpacken.
Ja, des Deo liegt in der Handtasche bei den Ohrstäbchen und ich habe es bis zu dem Moment nicht vermisst, als ich mich frischmachen wollte, um in die Küche runter zu gehen, damit ich endlich meinen schwarzen Tee kriegen würde.

Am Tag zuvor hatte ich die Hanna noch belächelt, als sie sich mit Innbrackwasser versuchte zu waschen, als sie feststellte, dass sie zu riechen anfangen würde. Und ich bei mir noch nichts roch, es war alles so wie immer, weil ich stinke ja nicht, habe ich immer behauptet, da ich ja keinen unangenehmen Körpergeruch an mir habe. Deswegen war die Entscheidung auch so leicht gewesen, mein Deo in der Handtasche zurückzulassen.
Und jetzt steh ich da, in einen Bauernhaus in Rotthof und es ist mir furchtbar peinlich, weil ich gotterbärmlich rieche und nachdem ich des bei mir ja nicht gewohnt bin, ist es mir gleich nochmal peinlicher, was müssen jetzt die netten Leute denken, die uns grad so nett in ihrem Haus aufgenommen hatten. Und ich stinke wie eine Assel. Was hätte ich jetzt für ein Sprühdeo getan, war mir des peinlich…da hilft auch keine Müffelsäckchen mehr, wenn es riecht oder kriecht, Müffelsäckchen, gegen die unangenehmen Dinge des Lebens, eure Quacksalberin.
Und aufgefallen ist es mir erst, als ich alles ausgezogen hatte, was ich unter meiner Bluse trug, weil mir so warm war. Ich hatte jetzt seit Sonntag mein Unterkleid an und drüber meine Omasthermowollunterwäschelangesunterhemd, einen Nierenwärmer und darüber noch meine Bluse und dann das Mieder. Zum Glück stank die Bluse und des Mieder alleine nicht so, wie der Rest. Ich versuchte das Geruchsgrauen zum Lüften aufzuhängen und dann gingen wir doch runter. Und der Tee und die netten Gespräche lenkten mich ein bisschen ab, von meinem Gestank und ich glaube dass es vielleicht gar nicht so schlimm war, es hat zumindest keiner „Böööööh!“ geschrieen, als ich die Küche betrat.
Später dann in der Dusche versuchte ich einige Klamotten zumindest ein bisschen mitzuduschen und meine Rosmarinseife tat ihre Pflicht. Ich kam mir wieder sauber vor und ich konnte die erste Nacht gut Schlafen, ohne Träume und Fantasien und ohne dass mir jemand den Arsch unterm Fell wegschiebt. Es war einfach himmlisch.
Das Aufstehen viel mir wie immer sehr schwer, aber so ist im richtigen Leben ja auch, ich schaffe es keinen Tag vor 9.00 Uhr ins Büro und oft wird es nach 10.00 Uhr. Deswegen finde ich es immer noch so erstaunlich, dass ich es tatsächlich geschafft habe, jeden Tag so früh aufzustehen und hab dann zwar oft gedritschelt, aber doch sind wir von Tag zu Tag immer zeitiger losgekommen. Am frühen Morgen läuft sichs einfach besser und weiter.
Dieser Morgen war für uns auch ganz besonders, die Mutter war schon wach und machte uns das Teewasser warm. Unser Müsli und unsere Milch wurde verputzt und ich war so froh über meinen . Und das Gewicht was wir durch des Essen einsparten, packte ich dann mit meinem Thermobecher mit Tee wieder drauf.
Das Wetter war reichlich beschissen und der Wetterbericht besagte, nichts Gutes. Wir mussten aber trotzdem los, und die ganze Familie verabschiedete sich herzlich von uns, Fotos wurden gemacht und dann zogen wir schweren Herzens von dannen.

Überfall der etwas anderen Art

Jakobsweg Zeitreise – Überfall der etwas anderen Art

Hab gerade feststellen müssen, dass ich immer noch vom Dienstag, dem 01.04.08 erzähle und dass ich schon beim 11. Blog bin und ich aber noch so viel Schreiben muss und dann hab ich wahrscheinlich noch die Hälfte vergessen. Es ist einfach erschreckend. Ganz nebenbei, hab ich meine Schreibmappe rausgezogen, wo ich noch eine DinA 4 Seite vollgeschrieben (vorne und hinten!) mit Titelzeilenstichwörtern gefunden habe, die ich alle noch schreiben muss, damit ich alles geschrieben hab, was ich über mein verkorkstes Geschlechtsleben wirklich noch schreiben wollte. Sollte mir vielleicht doch mal nen Computer zulegen (Habe ich zumindest mittlerweile getan…mein Laptop „Dachsschlächter“ steht mir treu zur Seite!)…Dann wollte ich ja mindestens noch 3 Bücher (mittlerweile sind es schon 6 Buchideen) schreiben. Ich muss kündigen, damit ich mehr Zeit habe…. egal. (Ich nütze gerade meinen 2 wöchigen Weihnachtsurlaub 08/09 um meine Jakobsgeschichte fertig zu schreiben, bevor ich im Frühling wieder zum Pilgern gehe.–> Komisch ist, dass ich jedes Jahr zu Weihnachten katholisch werde und meine Pilgergeschichten überarbeite. Hm!)
Als Erstes sollte ich mal aufhören ständig abzuschweifen, dann werd ich vielleicht dieses Jahr noch mit meinem Reisebericht fertig. (Ich hoffe es inständig!)
Sollte ich wirklich, weil wir wollen ja sobald es die Zeit erlaubt, weiterlaufen und wir haben tatsächlich schon mehrere Menschen soweit inspiriert, dass sie mitlaufen wollen…wir werden es sehen…(Habe es dieses Jahr leider nicht mehr geschafft! Ich leide richtig darunter nicht zu Pilgern. Ich sauge gerade alle in mich hinein, was irgendwelche Pilger geschrieben haben. Besonders das (Hör)Buch von Hape Kerkeling hat mich so bewegt, dass ich jetzt meinen nicht so ganz fertigen Reisebericht rausgekramt habe und weiterschreibe. –> Nach dem Hörbuch von Shirley McLane packt es mich wieder…)
Zurück zum Reisebericht, wir liefen von der Siebenschläferkirche nach Rotthof rein und des Wetter war mittlerweile mal ziemlich beschissen….es sah ziemlich nach einer verregneten Nacht aus. Wir entschlossen uns, nach einer Unterkunft zufragen, wenn uns jemand über den Weg läuft. Der Ort war wie ausgestorben, es war wohl nicht nur in der Wirtschaft Ruhetag, sondern im ganzen Ort, so schien es.
Als wir an einem Hof vorbeikamen, hörten wir jemanden arbeiten, ich beschloss einfach auf den Hof zu laufen und einfach zu fragen…
Wir überraschten einen jungen Mann bei der Arbeit und ich kam mir ein bisschen so vor wie ein Sternsinger. Er schaute sehr verdutzt, als wir nach einer Unterkunft fragten, ich weis nicht, ob des an unserem Outfit lag oder an der Frage oder an beiden.
Er konnte dies nicht entscheiden und wollte nach seiner Mutter sehen und lief zum Haus. Wir trotteten hinterher. Seine Mutter kam durch die Kellertür nach draußen und schaute uns verdutzt an und lachte. Ich sagte wieder mein Sätzchen auf. Sie war ganz hin und her gerissen zwischen Belustigung und Erstaunen und zwischen christlicher Nächstenliebe und Angst vor Fremden, die auch noch so komisch aussehen wie wir. Die christliche Nächstenliebe siegte nach kurzer Zeit und wir wurde herzlich aufgenommen. Ehrlich gesagt, wenn ich an ihrer Stelle gewesen wäre, hätte ich auch erstmal gelacht, wenn ich uns da stehen gesehen hätte. Ganz alltäglich sind wir ja wirklich nicht und ganz normal schauen wir ja gleich gar nicht aus. Wir wurden im Gästezimmer einquartiert. Mit einem richtigen Bett und es gab sogar ein Badezimmer mit Dusche, dass die Tochter gerne mit uns teilte. (Danke nochmal, es war echt nötig!)
Wir zeigten unsere Pilgerpässe, die mittlerweile unsere Personalausweise völlig ersetzten. Wir wollten uns ein bisschen frischmachen (sofern des überhaupt möglich war!) und dann sollten wir in die Küche kommen, nachdem ich mitleidig nach heißen Wasser gebettelt hatte, damit ich mir endlich einen schwarzen Tee machen konnte.
Es war einfach unglaublich, die anfängliche Scheu hatte sich auf beiden Seiten gleich gelegt. Wir redeten über Gott und die Welt. Wir erfuhren viel über die Ortschaft und ihre historische Vergangenheit. (‚Und Bine hatte endlich Ihren schwarzen Tee mit viel weißen Zucker!‘ würde der Sprecher jetzt sagen…) Nachdem wir auch über Gott redeten, kamen wir auf meine Zeit in der katholischen Jugend und darauf, dass die Kinder der Familie alle in der katholischen Pfandfinderschaft sind und wir redeten über Zeltlager und Überfälle mit und ohne Fahnenklau. Bei mir war es zwar schon eine Weile her, aber ich erinnerte mich gerne daran (als wäre es erst gestern gewesen.) Zum Schluss kamen wir überein, dass wir im Winter wiederkommen würden und den Kindern bei der Pfadfinderschaft, einiges übers Mittelalter erzählen würden.
Also liebe Moni, danke nochmal und sag deiner Familie ganz liebe Grüße und ein dickes Dankeschön von uns, ihr bleibt uns unvergessen und vorallem jetzt auch verewiglicht für immer im Netz…und keine Angst, ich schreibe wie ein Weltmeister, aber es wird und wird nicht fertig….(Liebe Moni, bis jetzt haben ich nicht fertig schreiben können, aber ich bin wieder dran. Und mein Angebot steht noch, bei den Pfadfindern vorbeizuschauen. Vielleicht nächstes Jahr!)
Nachdem uns zum hundertsten Mal, so scheint es, etwas zum Essen angeboten wurde und wir dankend ablehnen mussten. Wir hatte so viele Lebensmittel gekauft, dass wir unserer Sachen essen mussten, schon allein um Gewicht zu reduzieren. (Dass ich das mal ernsthaft sagen würde, ist mir bis heute unverständlich!) Wir gingen dann irgendwann wieder aufs Zimmer, wir mussten so viel Tagebuch schreiben, etwas essen und vorallem duschen und Wäsche waschen.
Ich finde es schön, dass uns so viel Vertrauen entgegen gebracht worden ist und soviel Herzlichkeit, dass ich gleich soviel schreiben musste, weil ich so gerührt war. Ähnlich wie in Vornbach, schaffe ich es nicht meine Gefühle über diese Begegnung in Worte zu fassen. Danke nochmal.

So viel Sünden könnts ihr garnet ham…

Jakobsweg Zeitreise – So viel Sünden könnts ihr garnet ham…

Wir gingen also, den steinigen Weg rauf, am ersten Marterl, stand eine leere Bierflasche. Und ich dachte mir wieder, diese Jugend heutzutage. Die machen jetzt schon Marterlsaufen, oder was? Du gehst mit nem vollen Träger Bier auf den Kreuzweg, bei jedem Marterl, eine Flasche auf Ex…ich glaubs net. Wir fanden zum Glück nicht noch mehr leere Bierflaschen, ist es dann doch nicht so schlecht bestellt mit der Jugend heutzutage.
Langsam ist es echt so weit, dass ich mich frage, warum wir des eigentlich machen, aber als wir dann oben am Berg bei der kleinen Kapelle ankamen, wurden wir für die Schinderei belohnt. Die Siebenschläferkirche zu Rotthof war wohl auf eine Gedenkstätte der Römer gebaut worden. Es waren einige Grabsteine von Römern gefunden worden, die wir jetzt bewundern konnten. Jetzt haben wir den ersten echten Beweis, warum der Römerradweg auch so heißt. Wir schrieben ins Gästebuch der Kirche und gingen wieder.
Mir ist aufgefallen, dass wir jetzt ja schon viel Kirchen gesehen haben und jedes mal wenn wir zur Kirche gehen, gehen wir erstmal einmal um die Kirche, bis wir die Türe finden, die dann vielleicht auch wirklich offen ist. Aber jedes mal gehen wir erstmal um die Kirche rum und jedes mal gehen wir verkehrt herum um noch mehr gehen zu müssen, anscheinend. Es könnte auch daran liegen, dass die Hanna immer links rum geht und ich immer automatisch rechts rum gehe. Woran des bloß liegt, ich bin übrigens Linkshänder….
‚So viel Sünden könnts ihr garnet ham, dass ihr euch so schinden müssts!‘ sagte ein Mann, der mit seinem Hund Gassi ging. Der Satz brachte mich wieder zum Grübeln….
Eigentlich haben wir die Pilgerschaft nicht aus religiösen Gründen angefangen, aber irgendwie, so im Nachhinein betrachtet, ist es schon irgendwie eine Bußwallfahrt gewesen und wird es noch sein. Zumindest für mich!
So viel Sünden könnst ihr gar net ham, dass ihr euch so schinden müssts, vielleicht nicht! Vielleicht gerade deswegen. Die Überlegung ich müsste meine ganzen Sünden seit meiner letzten Beichte, bei meiner Firmung, jetzt auf einmal beichten: Der arme Pfarrer, nach der Beichte muss der Pfarrer dann wahrscheinlich erstmal ins Kloster und wird nie wieder jemanden die Beichte abnehmen.
Und vorallen, so mit der Sache: Unbefleckt in die Ehe! Durch eine Beichte werd ich doch jetzt auch nicht mehr Jungfrau. Und soweit ich weis, gibt es bei Gott auch keine Verjährung.
Aber des mit den Ablaufen von den Sünden ist eigentlich eine gute Idee, für mich hat es ja schon irgendwie eine reinigende Wirkung und erschreckend ist es, dass so was gerade ich sagen muss. Weil ohne mein verkorkstes Geschlechtsleben hätte ich wahrscheinlich nie zum Schreiben angefangen.
Und ganz nebenbei ohne das Mittelalter und meinem Schwager, den , Albrecht ‚der Bär‘, wäre ich auch nie dazu gekommen, den Jakobsweg zu gehen. Und weil es wirklich ziemlich authentisch zu sein scheint und ich auch endlich mal was zum Schreiben hab, was nicht ausschließlich was mit meinem Geschlechtsleben zu tun hat, werde ich woll weitermachen und wenn wir in Santiago angekommen sind, können eigentlich auch jedem meine Sünden egal sein, vorallen mir und ich glaube, dass ich dann vielleicht auch nichts mehr beichten muss.
Nachdem die Hanna ihre Sünden bestimmt schon bei Vornbach abgelaufen hatte, weil sie wesentlich weniger gesündigt haben kann, sie ist ja immerhin 10 Jahre jünger als ich. Trägt sie jetzt irgendwie meine Sünden mit ab, wir werden aber trotzdem bis Santiago laufen, auch wenn wir irgendwann keine Sünden mehr hätten.
Nein, so richtig bereuen kann ich eigentlich nichts, weil ich bis jetzt zumindest nicht der Meinung war, dass ich gesündigt habe. Und ihr hättet definitiv nicht so viel zu lesen, wenn mir beim Sündigen nicht immer so viele komische Sachen passieren würden.
Eigentlich denke ich mir immer, nein, des kannst du nicht schreiben, das ist zu persönlich und ich könnte ja jemanden auf den Schlipps treten, aber wenn ich es nicht erzähle, dann glaubt mir des ja keiner.
Und es ist gut so, auch wenn sich jemand auf den Schlipps getreten fühlt. Ich hab ja meistens den Unsinn nicht gemacht (*) muss aber damit Leben und da ist es eigentlich mein gutes Recht, alles auf meine Weise zu verarbeiten. Sorry, aber des hätten sich vielleicht manche vorher überlegen sollen….

(*) Mitgemacht hab ich aber doch, vielleicht muss ich doch ein bisschen was bereuen, garantiert nicht alles, weil dann würde ich mich ja irgendwie selbst belügen. Und Spaß gemacht hat es ja doch irgendwie, verdammt viel Spaß sogar und auch wenn ich dafür in die Hölle kommen sollte, dann pilgere ich trotzdem weiter…

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