‘Warum denn so ernst, schöner Mann?’ Teil 10

Warum denn so ernst, schöner Mann?’ Teil 10

Im Hier und Jetzt:

keinenummernEinige Stunden später löste Rutger den General ab und schickte ihn heim.

Da saß er nun, hielt ihr die Hand und fing an mit ihr zu reden, obwohl sie immer noch bewusstlos war: ‚Yo, ich muss dir so viel sagen, mein kleiner Schmetterling, ich weiß nicht, ob du mich verstehst, aber ich fang jetzt einfach mal ganz von vorne an. Ich bin interner Ermittler bei der Polizei und war einer Gruppe korrupter Kollegen auf der Spur. Während der Ermittlungen bin ich dann immer tiefer rein gerutscht und war nicht nur gezwungen verdeckt zu ermitteln, sondern auch noch abzutauchen. Der Boss und der General halfen uns dabei, die Kollegen zu überführen, naja und du hast uns natürlich auch geholfen. Während wir die drei Kollegen festnahmen, wurden im ganzen Stadtgebiet andere Kollegen ebenfalls überführt. Dich hab ich kennengelernt, als ich meine Kollegen in die einzelnen Clubs verfolgt habe. Du bist mir echt überall über den Weg gelaufen. Ich bin dann öfter mal privat in der Szene weggegangen, ich war sehr neugierig auf dich und irgendwann hast du mich dann abgeschleppt. Ich weiß noch genau, als wäre es gestern gewesen. Du hattest einen roten Minikilt an und ein Korsett natürlich und du hattest auch deinen roten Iro aufgestellt gehabt. Du hast mich angelächelt und gesagt: <Warum denn so ernst, schöner Mann.< Oh, Mann hab ich mich sofort in dich verschossen und dann hast du mich aufs Klo geschleift und bist mir gleich an die Wäsche gegangen. Wir sind dann zu mir. Am nächsten Morgen, bin ich in meiner Wohnung aufgewacht und du warst weg. Ich hab gedacht, ich habe geträumt, aber du hast mir den ganzen Rücken zerkratzt und mich von oben bis unten zerbissen. Also hab ich dann doch nicht geträumt. An meinem nächsten freien Tag bin ich wieder durch die Clubs getingelt, in der Hoffnung, ich würde dich wieder sehen. In irgendeiner Bar hast du mich dann gefunden. >Schon wieder so ernst, schöner Mann!< hast du zu mir gesagt und dann sind wir wieder bei mir gelandet. Du hattest ein Lackoutfit an: Pink genau, wie dein Iro. Am nächsten Tag warst du wieder weg. Das nächste Mal, hab ich dich bei einer deiner Performanceshow gesehen, da hab ich gesehen, wie du mit den Handschellen umgehen kannst. Aber ich war dienstlich dort und es war auch ganz gut, dass du mich da nicht entdeckt hast. Ich hab einen Flyer vom General in die Hand gedrückt bekommen, wo du auf dem Cover zu sehen warst, ich habe den Flyer immer noch in meinem Geldbeutel. Dann wusste ich, wie ich dich finden konnte, direkt nach einem Einsatz bin ich auf die Party gefahren und da standst du hinter der Theke. Nackt und Golden. Da musste ich dann verschwinden, weil mein Fall mich selbst bis auf die Party verfolgt hatte. Von deinem Boss habe sie an diesem Abend auch Schutzgeld erpresst. Der schwarze Koffer. Ich hab dich dann auf dem Weg nach Hause aufgegabelt und du bist dann endlich mal zum Frühstück geblieben. Ich lernte den General persönlich kennen und wir kamen ins Gespräch. Ich bekam raus, dass er auch schon von meinen Kollegen erpresst wurde. Jetzt wurde es immer schwieriger, dass ich dich treffen konnte, ich riskierte nicht nur einmal meinen Job, nur für die Chance, dich vielleicht treffen zu können, bis ich untertauchen musste. Ich traf mich mit dem General und er versteckte mich in seinem Ferienhaus und dann machten wir mit dem Boss zusammen einen Plan. Ich sprach alles mit den Vorgesetzten meiner Abteilung ab. Ich musste nur noch ein paar Wochen überbrücken, bis wir alle dran kriegen konnten. Dann stieg ich zum Schein in die Firma ein und da warst du wieder. Ich musste dich ignorieren, weil es viel zu gefährlich war, dich einzuweihen. Es tat mir in der Seele weh, dich immer sehen zu müssen und aber nicht mit dir drüber reden zu können. Ich stand auf Grund dieses Falles so unter Druck, ich durfte auf keinem Fall auffliegen. Und am Samstag Abend ist dann alles eskaliert. Die Drogenfahndung hatte sich eingeschleust, weil die dachten, dass hier irgendwelche Drogengeschäfte auf der Party über die Bühne gehen würden. Dann hatten sich die korrupten Kollegen für eine Geldübergabe angekündigt und das Einsatzkommando wartete auch schon auf den Einsatz. Wir filmten die Geldübergabe und durften die drei aber nicht entwischen lassen, weil sonst die Kollegen von der Drogenfahndung womöglich uns festgenommen hätten, wir mussten warten, bis die Drogenfahndung wieder weg war und dann konnten wir die Drei erst hochnehmen. Durch deine Performance konnte eine 1jährige Ermittlung endlich erfolgreich abgeschlossen werden. Naja und ich bin bis auf Weiteres suspendiert, weil mein Chef von deiner Performance erfahren hat und wenn er jetzt noch erfährt, was da zwischen uns gelaufen ist, dann kann ich wahrscheinlich wieder auf Streife gehen. Aber eigentlich ist mir mittlerweile alles egal, nur du bist mir nicht egal. Du und das Baby. Es tut mir leid, wenn es sich vorhin so angehört hat, als würde ich nicht glauben, dass das Baby von mir ist. Ich wünschte wir hätten mehr geredet und ich hätte gerne mehr Zeit für dich gehabt und deine Nummer, dann hätte ich dich anrufen können. Was mach ich hier eigentlich, wahrscheinlich hörst du mich gar nicht und ich mach mich hier zum Affen und wenn du wach wirst, dann schreist du mich wieder an und ich weiß wieder nicht was ich sagen soll!‘ Er hatte gar nicht gemerkt, dass Yo schon eine ganze Weile zuhörte. Er seufzte und küsste ihre Hand: ‚Oh Yo, ich liebe dich!‘ Sie hatte mittlerweile zum Weinen angefangen und musste genau in diesem Moment den Rotz hochziehen.

Er blickte schockiert an: ‚Wie lang…!‘ Er brach den Satz ab und schluckte schwer. ‚Lang genug!‘ und sie lächelte ihn an: ‚Warum denn so ernst, schöner Mann!‘ Dann fing sie zu schluchzen an.

Seine Lippen zitterten und er zerdrückte eine Träne, dann presste er seinen Kopf an ihre Brust und schluchzte fast ein Wenig lauter als sie. Sie lehnte ihren Kopf gegen den Seinen und küsste seine Haarstoppeln. Irgendwann fanden sich ihre Lippen und sie küssten sich, als würde ihrer beider Leben davon abhängen.

Am nächsten Morgen kam der General kurz vor der Visite. Yo, war schon wach, aber Rutger lag wie ein Toter an ihrem Bauch, die Hände unter der Decke vergraben.

‚Willst du mir jetzt auch mal was erklären?‘ fragte er Yo.

‚Wieso? Was meinst du?‘

‚Wie zum Teufel, kann er der Vater von deinem Baby sein? Ihr kennt euch doch erst seit 3 Wochen, oder?‘

Yo, lächelte ihn nur an: ‚Du musst ja nicht alles wissen?‘

Und da war wieder ihr breites dreckiges Grinsen.

 

ENDE

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‘Warum denn so ernst, schöner Mann?’ Teil 9

Warum denn so ernst, schöner Mann?’ Teil 9

Im Hier und Jetzt:

keinenummernAls sie wieder aufwachte, lag sie in einem Krankenbett. Sie hatte eine Nadel im Arm und ein Tropf hing von der Decke herab. Jeff, oder wie er auch immer heißen mag, saß in einem Stuhl und schlief. Er hatte immer noch die selben Klamotten an, wie gestern…vorgestern, keine Ahnung. Der General stand am Fenster und drehte sich zu ihr um, als sie sich rührte.

‚Mäuschen, was machst du denn für Sachen! Ich hab mir schon überlegt deine Mutter anzurufen.‘ meinte der General zu ihr.

Jeff wurde wach und rieb sich den Dreitagebart. Gott, war der fertig.

‚Was geht den mit euch, meine Mutter anrufen, was Besseres fällt euch nicht ein?‘ zischte Yo schon leicht gereizt.

Der General setzte sich ans Bett und nahm ihre Hand. ‚Yo, du darfst dich nicht aufregen!‘ Er unterbrach sich selbst, weil er nicht wusste, was er ihr sagen sollte, aber dann sprudelte es aus ihm heraus: ‚Yo, du bist schwanger und der Arzt hat uns angewiesen, wir dürfen dich nicht aufregen!‘

Yo schnappte nach Luft und meinte trocken: ‚Die Anwesenheit von dem da, regt mich schon auf!‘ und zeigte auf Jeff.

‚Rutger, jetzt sag doch auch mal was, ich habe keine Ahnung von so was!‘ meinte der General zu Jeff. Jeff /Rutger stand auf und kam zum Bett rüber.

‚Rutger?‘ kam aus Yo´s Mund.

‚Yo, du bist in der 8. Woche.‘ sagte Jeff / Rutger zu ihr, seine Hände zitterten. ‚Ich hab nachgerechnet! Es kann sein, dass es von mir ist!?‘

Der General wurde blass und er stöhnte ein Gequältes: ‚Wie bitte?‘

Yo zog die Luft wieder tief in sich hinein und sagte ganz ruhig: ‚Du willst mir doch jetzt nicht erzählen, dass du mir jetzt auch noch ein Kind gemacht hast, du verlogenes Bullenschwein!‘

‚Yo, bitte!‘ seufzte Rutger: ‚Bitte reg dich nicht auf! Ich will dir ja alles erklären, aber bitte reg dich nicht auf!‘

‚Ich soll mich nicht aufregen, sonst noch irgendwelche Wünsche, Herr Wachtmeister! Aber sonst geht’s uns noch gut, oder? Wie stellst du dir bitte vor, dass ich mich nicht aufregen soll.‘

‚Yo, du verlierst das Baby, wenn du dich nicht beruhigst!‘ Er schaute sie eindringlich an: ‚Unser Baby?‘

Sie schnellte hoch und verpasste ihm eine Linke direkt auf die Nase, die unter ihrem Schlag brach. ‚Du kannst mich mal mit <uns>. Du bist doch nicht ganz sauber, mich behandeln wie den letzten Dreck, mich dann für so ne Bullenscheiße missbrauchen und nur weil ich vielleicht zufällig von dir schwanger sein könnte, auf einmal von einem <uns> sprechen!‘ Sie holte zu einem zweiten Schlag aus und riss sich dabei die Nadel aus dem Arm. Rutger hielt sich schockiert die Nase, Blut tropfte ihm aus seinen Händen.

‚Yo, jetzt reiß dich bitte zusammen!‘ sagte der General zu ihr und drückte auf den Knopf für die Schwester. Yo pumpte wie ein Maikäfer. Sie kroch rücklings vom Bett herab und wankte zur Tür: ‚Ihr seid doch beide total bescheuert!‘ dann verdrehte sie die Augen und die Schwester, die gerade in den Raum kam, konnte sie gerade noch auffangen.

Die Krankenschwester warf die beiden Herren aus dem Krankenzimmer und piepte den Arzt an. Draußen wurde Rutger versorgt und dann wurde er zum Duschen nachhause geschickt. Der Arzt setzte Yo auf leichte Beruhigungsmittel. Der General bestand darauf am Krankenbett zu bleiben und ihre Mutter doch lieber nicht anzurufen.

‘Warum denn so ernst, schöner Mann?’ Teil 8

Warum denn so ernst, schöner Mann?’ Teil 8

Im Hier und Jetzt:

keinenummernIm Lager war Yo gestützt und versuchte einerseits den Handschellenschlüssel aus dem Korsett zu kriegen und ihre Arme nach vorne. Wie gut dass sie bei ihrer Performance Show auch immer solche Tricks vorführte. Sonst würde sie sich wahrscheinlich genau jetzt die Schulter auskugeln und dann in der Haltung langsam ersticken. Ihr liefen immer noch Tränen runter und sie zitterte, wie ein junger Hund. Sie hatte den Schlüssel und ihre Hände waren vorne. Haha! Beim Schlüssel in die Hand spucken, fiel ihr der Schlüssel aus der Hand auf den Betonboden. Mist! Ein Klirren übertönte kurz ihr Schluchzen. Jeff kam in diesem Moment in den Lagerraum gestürzt. Sie erschrak richtig, als ihr Jeff plötzlich den Schlüssel vor die Nase hielt. Er kniete vor ihr.

‚Hey Baby!‘ Er zog seine Weste und sein Hemd aus und legte ihr sein Hemd über die Schultern. Dann machte er die Handschellen auf und säuselte ihr ins Ohr, als er sie hochhob: ‚Alles klar? Bist du verletzt?‘

‚Nein und ja, mein Stolz!‘ Sie trat ihm mit dem Knie in den Magen. ‚Du Arschloch!‘ Sie holte tief Luft, um genug davon zu haben für den folgenden Vortrag. Er hatte sich bereits aufgerappelt und sagte zu ihr: ‚Hey Yo, jetzt lass mich doch erklären!‘ Sie holte nochmal tief Luft, die Tränen steigen ihr wieder in die Augen. Er packte sie und umarmte sie ganz fest, ihr blieb die Luft weg und sie flog in Ohnmacht.

Es kamen einige Beamte ins Lager. Jeff zeigte ihnen etwas aus seiner Hosentasche, tuschelte mit ihnen, dann hob er sie ganz auf und trug sie bei der Hintertür raus.

Am nächsten Morgen wachte Sie mit unglaublichen Kopfschmerzen auf. Wo war sie denn, in einem fremden Bett. Sie schaute zitternd unter die Decke.

‚Sorry, ich habe dich ausgezogen? Ähm, sorry, ich könnte dich ja nicht in den Latexklamotten lassen…!‘

Jeff stand da, er rang nach Worten. Sie fasste an ihrem Kopf: ‚Aua!‘

Er setze sich ans Bett und stammelte: ‚Yolanda, hör mir mal zu!‘

Er hatte immer noch die selben Klamotten an, wie gestern und ihr fiel jetzt erst auf, dass er eine kugelsichere Weste trug. Ein Knarrenholster, die Knarre lag auf einem Siteboard neben einem Stuhl, auf dem eine zerknüllte Decke lag. Wie in einem schlechtem Film, er hatte wohl auf dem Stuhl geschlafen. Auf dem Nachttischchen lag ihre Handtasche und der Zettel. Sein Zettel.

‚Du bist auch ein Scheißbulle?‘ Sie holte wieder tief Luft ‚Und nenn mich nicht Yolanda!‘

‚Yooo, bitte lass mich doch erklären!‘

‚Du bist ein Scheißbulle!‘

‚Ja, nein, ich, ähm!‘

‚Ja, was jetzt?‘

‚Ja, ich bin Bulle und ich bin nicht der Bruder vom Boss!‘ Er stotterte weiter ‚Und!‘

‚Und wenn du mir mehr erzählst, musst du mich töten, stimmts Jeff!‘

‚Ich heiße auch nicht Jeff!‘

Ihr blieb der Mund offen stehen und sie fiel wieder in Ohnmacht.

‘Warum denn so ernst, schöner Mann?’ Teil 7

‘Warum denn so ernst, schöner Mann?’ Teil 7

Rückblende Fortsetzung

Am Tag danach vor 8 Wochen:

keinenummernAm nächsten Morgen wachte er auf, Yo lag noch in seinen Armen. Sie sah richtig niedlich aus, wenn sie schlief. Verträumt blickte er sie an, beschloss aber dann aufzustehen, um dann erst mal seine Morgenlatte loszuwerden. Leise schlich er ins Bad.

Yo erwachte, sie streckte sich und dann stellte sie fest, dass er weg war. Verschlafen kroch sie aus dem Bett, tapste auf den Gang. In dem Moment kam Jeff nackt aus dem Bad und lächelte sie an. ‚Einen wunderschönen guten Morgen, Sonnenschein!‘

Auf halber Strecke trafen sie aufeinander. Er nahm sie in den Arm und wollte sie küssen. Sie tauchte unter seinem Arm durch und hielt sich eine Hand vor den Mund.

‚Kann ich deine Zahnbürste benutzen?‘ Und schon war sie im Bad verschwunden.

‚Ich hab dir eine Ersatzzahnbürste hingelegt!‘

Sie schluckte einen Kommentar hinunter und sagte dann nur: ‚Danke!‘

‚Ich bin in der Küche, magst du Tee oder Kaffee!‘

‚Boa, schwarzer Tee wäre echt der Hammer!‘

Wenig später kam Yo in die Küche und beobachtete Jeff dabei, wie er nackt in der Küche stand und in einem Regal etwas suchte. Sie schlich sich von Hinten an und packte ihm mit beiden Händen an den Hintern. Ihm fielen einige Teeschachteln aus den Händen, die sich nun auf der Arbeitsplatte verteilten. Er griff sich an die Brust und schaute sie erschrocken an. ‚Himmel Yo, du bringst mich noch ins Grab.‘

Sie schaute ihn schelmisch an. ‚Ich konnte nicht widerstehen.‘

Er nahm sie lächeln in die Arme. Die Umarmung erwidernd griff sie ihm nochmals an beide Pobacken. ‚Magst du dir einen Tee raussuchen?‘

Im Hier und Jetzt

Der General packte Jeff am Arm: ‚Das Han Solo-Kostüm steht dir aber auch sehr gut!‘ und zog ihn weiter. Er drehte sich um und zwinkerte Yo zu. Dann tuschelten sie etwas. Yo wurde misstrauisch, aber nachdem die Party nun langsam in Fahrt kam, hatte sie keine Zeit mehr, sich Gedanken darüber zu machen.

Mel kam mit einem Tablett hinter der Theke hervor und trug die beiden Drinks den Herren hinterher. Sie schmiss sich an Jeff, wie ein Geier auf verwesendes Fleisch. Jeff sagte etwas zu ihr und sie dackelte beleidigt ab.

‚Der Kerl ist einfach unfickbar!‘ sagte Fred zu Yo. Yo grinste in sich hinein und meinte nur: ‚Er kann mir den Dreck von meinen Stiefeln lecken und des kostet dann auch noch extra!‘ Dann lachte sie, in der Hoffnung keiner würde ihre Unsicherheit erkennen.

Daisy kam hinzu und meinte nur: ‚Was sich liebt, dass neckt sich! Und was sich neckt, dass leckt sich!‘ Grinsend kassierte er eine Ohrfeige. So was gehört ja schließlich auch zur Performance, sie bespaßten sich gegenseitig und damit auch die Gäste. Es war zwar ein Knochenjob, es machte aber auch verdammt viel Spaß.

Nach der Hauptperformance auf dem Tresen kam Jeff wieder: ‚Wir haben Gäste im Hinterzimmer Yo….äh….Blue!‘

‚Keine Namen, keine Nummern, Herr Wirtschaftsingenieur!‘ meinte Yo, die heute für die Gäste Blue genannt wurde.

‚Mach ne gute Flasche Wodka klar, Eis und Bull, du weist ja wie es geht, oder?!‘

Mit dem Blick – Für so eine Scheiße haben wir heute eigentlich keine Zeit – machte sie sich an die Arbeit. Sie musste einen Eiskübel aus dem Lager holen. Als sie an den Garderoben vorbeilief, ging sie rein und checkte ihr Makeup. In ihrer Handtasche kramend blickte sie in den Spiegel und bekam ihr Schminkkästchen zu fassen. Sie machte es auf und ein Zettel flog heraus. Schwer schluckend hob sie ihn auf und faltete ihn auf. Da stand: ‚Irgendwie hab ich das Gefühl, ich hab mich grad verknallt. 0163-1234567 Jeff‘

Tränen standen ihr in den Augen und sie musste ein Schluchzen hinunterschlucken. Sie trug den Zettel seit dem Bond-Abend in ihrer Handtasche herum. Irgendwann hatte sie ihn zu ihrer Schminke getan. Seit dem Jeff damals verschwunden war, hatte sie oft überlegt ihn einfach anzurufen. Sie hatte es aber nie getan, aber sie hatte den Zettel oft in der Hand gehabt. Liebevoll faltete sie den Zettel wieder zusammen und steckte ihn in ihr Korsett. Sie frischte ihre Schminke auf und machte sich mit dem Eiskübel wieder auf zur Theke. Missmutig packte sie sich eine Flasche Wodka und 5 Red Bull in den Kübel, füllte ihn mit Eis und ein Paar Gläser auf ein Tablett. Blue dackelte wenig später mit einen miesen Grinsen auf dem Gesicht zum Hinterzimmer. Vor der Tür setzte sie ihr süßeste Lächeln auf und klopfe an die Tür.

Nach einem: ‚Ja, Bitte!‘ öffnete sie die Tür, mit dem Ellbogen und betrat den Raum.

Dort saß der General, der Boss und Jeff mit drei Typen auf der Ledersitzgruppe. Die drei Typen waren alle drei als Captain Future verkleidet. Und gleich so schlecht, da wäre eine blinde Oma auch misstrauisch geworden.

‚Ah, Blue!‘ sagte Jeff.

Yo servierte und wollte wieder gehen. ‚Blue, kümmere dich bitte um die drei Herren!‘ sagte der General und warf ihr einen Blick zu, der erstens keine Widerrede erlaubte und auch keine weiteren Fragen.

Jeff trat von Hinten an sie ran und hing ihr etwas an den Nietengürtel und schob ihr dann langsam und umständlich einen Handschellenschlüssel ins Korsett. Dabei stießen seine Finger gegen den Zettel und strich ihr sanft mit der Hand über ihre Brustwarze. Absichtlich oder unabsichtlich? Sie blickte in ihr Dekolleté. Auf seiner Hand stand: ‚Lass sie auf keinen Fall aus dem Raum!‘ Als er sich von ihr entfernte, hauchte er ihr heiser ins Ohr: ‚Du….Ich?!‘ Seine Stimme brach.

Der General meinte: ‚Jeff, wir gehen!‘ Der Boss war schon aus der Tür.

‚Fräulein Blue, wie lange arbeiten Sie schon für den General?‘ fragte der erste Captain Future Klon vom Sofa aus.

Der Zweite sah aus dem Spiegelfenster in den Club und der Dritte machte sich Notizen und stand hinter dem Sofa.

‚Ähm! Neun Jahre! Wieso wollen Sie das wissen?‘

‚Ist Ihnen dabei etwas Auffälliges aufgefallen!‘

Was war das denn für eine bescheuerte Frage, dachte sie und fragte dann: ‚Was meinen Sie damit?‘

‚Keine Gegenfragen, Fräulein Blue!‘ meinte der Zweite. Der Dritte machte weiter Notizen.

‚Ach wissen sie, er sammelt leidenschaftlich Briefmarken, dass fand ich schon immer etwas komisch!‘ meinte sie schnippisch.

‚Bleiben Sie bitte ernst, Fräulein Blue!‘ sagte der Zweite wieder und drehte sich zu ihr um und schritt ganz dicht an sie heran, bis er mit seinem Gesicht vor ihrem Gesicht war.

‚Ich bin immer ernst, Captain…..Future!‘ sagte sie ihm trocken ins Gesicht und wieder mit dieser dramatischen Pause. Er zuckte. Bingo dachte sie. Es sind Bullen.

‚Ist Ihnen nun etwas aufgefallen?‘ meinte der Erste wieder.

‚Als ich damals zu ihm gekommen bin, war ich noch fast ein Kind und ich habe mir dabei nichts gedacht, als ich immer bei ihm im Bett schlafen musste. Er hatte immer einen Strampelanzug an und ich musste ihn windeln. Später musste ich mich immer ein Krankenschwesterkostüm anziehen und ihm einmal in der Woche einen Rotweineinlauf machen. Und Irgendwann wollte er….dann wollte er immer, dass ich ihm meine getragenen Schlüpfer bringe, wenn ich mit der Hausarbeit fertig war. Dann wollte er immer, dass ich dabei zusehe, wenn der Hausmeister zum Auspeitschen vorbeikam. Der hatte ihn dann immer mit seinem Riesendödel ausgepeitscht. Ich konnte kaum dabei zusehen!‘ Yo steigerte sich in den Text so hinein, dass ihr mittlerweile die Tränen runter liefen. ‚Ja, und dann hat er mich immer in den Keller gesperrt und hat geschrieen >Die Russen sind da!< und dann ist er nur mit einer Rute und einer russischen Uniformmütze bekleidet in den Keller gekommen und ich musste dann Springerstiefel und einen Stahlhelm anziehen und dann hat mich an die Heizungsrohre gefesselt und mir ganz gewaltig ….den Arsch versohlt. Und dann hat er verlangt, dass ich ihn anpinkle, aber immer nur wenn es Spargel zu essen gab.‘

Der Erste hatte schon die Beine verschränkt und das hoffentlich nicht grundlos. Der Dritte griff sich hinterm Sofa an den Schritt und zog sich ganz unauffällig den Ständer zurecht. Yo weinte mittlerweile jämmerlich und war auf die Knie gefallen und griff dem Zweiten an die Knöchel. In seiner Hose regte sich etwas. Yo hatte schon gewonnen, die Herren würden nun nirgends mehr hingehen.

‚Ja und dann hat er mich in sein Arbeitszimmer mitgenommen und er zeigte mir seine Briefmarkensammlung. Er zog sich dann immer aus und ich musste ihn mit Briefmarken bekleben, überall! Bitte Sie müssen mir helfen!‘

Der Erste und der Dritte hatten mittlerweile bemerkt, dass Yo unter dem Latexminikleidchen nichts drunter trug. Sie hatten schon einen sehr verklärten Blick. Der Zweite sagte: ‚Aber Fräulein Blue, Sie wollen mich wohl verarschen!‘

‚Nein, nein, bitte, glauben Sie mir doch! Und wissen Sie was, mir ist es ganz peinlich, ich kann es Ihnen nicht erzählen, ich bin so gottesfürchtig erzogen worden, bevor meine Eltern dann bei einem Autounfall ums Leben gekommen sind. Wissen Sie!‘ sie schluchzte ganz herzerweichend. Die Herren hingen schier an ihren Lippen. ‚Meine armen Eltern, die würden sich im Grab umdrehen, wenn sie das wüssten, dass ihr kleines Kind so ein böses Mädchen geworden ist. Bei keinem Priester könnte ich je wieder die Beichte ablegen. Wenn Sie das wüssten! Ich kann es Ihnen nicht verraten.‘ Yo schluchzte wieder und hoffte inständig, dass sie jetzt irgendjemand hier rausholen würde. Der Zweite packte sie an den Schultern und schüttelte sie, damit sie aufhört zu Schluchzen, so schluchzte sie noch lauter. Der Rotz lief ihr aus der Nase direkt auf die blankgeputzen Schuhe des zweiten Captain Future.

‚Doch Sie müssen es mir sagen, Fräulein Blue! Sie sind als Staatbürgerin dazu verpflichtet die Wahrheit zu sagen.‘

‚Nein, ich kann es Ihnen nicht sagen, dafür komme ich in die Hölle!‘

Er schüttelte sie immer heftiger und schrie sie förmlich an: ‚Los sagen Sie es mir! Machen Sie den Mund auf!‘

Sie öffnete gehorsam den Mund: ‚Das hat der General auch immer zu mir gesagt, wenn ich ihm einen Blasen musste. Und dann hat er mich, dann hat er mich gezwungen die deutsche Nationalhymne mit seinem Sperma im Mund zu gurgeln. Alle Strophen. Er hat mich dazu gezwungen und er hat mich dabei….. dabei!‘ Sie schluchzte wieder stärker.

‚Jetzt sagen Sie es mir schon!‘ sprach der Zweite ganz hysterisch zu ihr und rutschte zu ihr runter. Währenddessen sie weitersprach machte sie ihm ganz unbemerkt den Hosenstall auf und öffnete den Gürtel an seiner Hose. ‚Er hat mich….. er hat mich…. er hat mich… er mich…dabei…. er hat mich immer….. er hat….er hat mich immer dabei ziemlich erregt!‘ Yo lächelte ihn breit an.

Der Zweite sprang auf, riss sie hoch und scheuerte ihr dabei Eine, dass sie rückwärts umstürzte. Dabei rutschte ihm die Hose herunter und ein Feinrippschlüpfer mit einem tollen Ständer kam zum Vorschein. Vor dem Umstürzen hatte sie sich schon selbst die Handschellen angelegt.

Dieses malerische Bild schien in einer Zeitlupenszene gefangen zu sein, als mehrere maskierte Männer bewaffnet durch die Tür kamen, die sie vorher eingetreten hatten. Sie schrien laut: ‚Hände hoch, Kollegen. Sie sind alle festgenommen, wegen übertriebener Härte bei einer Zeugenbefragung und …‘

Yo kroch auf den Knien aus dem Raum und draußen stand der General und hob sie auf.

‚Gut gemacht, Süße!‘ meinte der General, als er sie in den Arm nehmen wollte.

Sie versuchte ihn abzuschütteln und schrie ihn an: ‚Was sollte denn die Scheiße, ich bin nicht eure Nutte!‘

Sie rannte an ihm vorbei, die Treppen runter, ins Lager.

‚Jeff, viel Spaß dabei, ihr das alles hier zu erklären!‘ meinte der General und grinste dabei Jeff an.

Aber Jeff lief ihr bereits hinterher.

Das Klagelied des Fuchses – Brief eines Freundes

Das Klagelied des Fuchses – Brief eines Freundes

arcticfoxBrian mein Freund, ich hoffe mein Brief erreicht dich schnell, denn ich habe düstere Nachrichten zu überbringen. Mein Dank gilt dir auf Lebenszeit, dass du uns unseren Sohn heim gebracht hast und alles sei vergessen, was früher war.

Ich beginne von dem Moment als du aufgebrochen warst. Wir brachten unseren Sohn ins Haus und wuschen ihn und bahrten ihn dann im Stall auf, damit sich alle, die ihn kannten, von ihm verabschieden konnten. Am Abend gingen wir selbst in den Stall und wollten zu unseren Ahnen beten, damit sie seinen Geist zu sich holten.

Meine Frau zündete einige Kräuter an und reinigte den Ort. Ich kniete bei dem Jungen, hielt seine Hand und strich ihm über sein schlohweißes Haar. Was muss er nur für einen Schrecken erlebt haben, dass seine Haare innerhalb der kurzen Zeit, die er auf Wanderschaft war, weiß geworden waren. Mein Herz vermag es sich gar nicht auszumalen, aber doch will ich es wissen.

Seine Hand war merkwürdig warm, gar nicht so wie sonst bei toten Körpern. Ich beugte mich über ihn und betrachtete ihn. Seine kalten bleichen Augen starrten mich düster an und ich war mir sehr sicher, dass sie geschlossen waren, als wir ihn gewaschen hatten. Der Schauder lief mir nicht nur einmal über den Rücken. Ich untersuchte den Körper meines Sohnes erneut und es lies mir den Atem gefrieren was ich da sah. Die Bisse, die von den Spinnen zu sein schienen, waren nun geschwollen, eitrig und schillerten in merkwürdigen Farben. Und trotz der Kräuter, die immer noch brannten, roch ich den Gestank von Tod und Verwesung. Und schlimmer noch als das.

Draußen konnte man wieder den Fuchs jaulen hören und meine Frau brach weinend zusammen. Ich legte die Hand meines Sohnes auf seine Brust zurück und erschrak, so als hätte mich ein Blitz getroffen. Etwas unter seiner Haut bewegte sich. Die eitrigen Bisse brachen auf und ich konnte etwas unter der schillernden Eitermasse sehen. Würgend schreckte ich zurück und brachte meine Frau aus dem Stall. Ich habe sie zu deiner Mutter geschickt. Sie war uns in den letzten Tagen eine große Hilfe. Und du wirst dir ja denken können, dass wir den Sperber von ihr haben, weil ich sonst nicht gewusst hätte, wie wir dich in der Wildnis erreicht hätten.

Als ich wieder in den Stall gehen wollte, kamen mir Unmengen kleiner Spinnen entgegen, die krabbelten über alles hinweg, was sich ihnen in den Weg stellten. Es kam nichts zu schaden, aber durch diese Flut der Spinnen war ich so abgelenkt, dass ich gar nicht bemerkt hatte, dass der Körper meines Sohnes verschwunden war.

Auf dem Tisch lag nur noch das Leintuch, mit dem wir seinen Körper bedeckt hatten und Überreste von Blut und Eiter. Ich scheuchte die Hunde auf und suchte ihn die ganze Nacht und einen weiteren Tag. Von Faran keine Spur. Und auch dieser Fuchs war verschwunden, der sich immer in der Nähe des Hofes aufgehalten hatte, seit dem Zeitpunkt, als du uns verlassen hast.

Alveradis spricht kein Wort mehr, sie summt nur immer ihr Lied und reagiert auf keinerlei Zuwendung unsererseits.

Ich hoffe inständig, du kannst dir ein Reim aus all dem machen und bitte halte Ausschau nach all den Merkwürdigkeiten, die in diesen Tagen durchs Land ziehen.

Komm gesund zurück. Mein Haus steht dir immer offen.

Dein Freund

Thôn

Ich erhielt den Brief als ich vom Grenzgebiet der Nebelwölfe wieder auf den Weg zurück Richtung  Vargranja war. Die letzten Tage standen mir nicht nur ins Gesicht geschrieben, nein mein Gaul begann zu lahmen und ich zog es vor zu Fuß weiter zu gehen und mein Pferd zu führen. Ich kam an eine Lichtung und da lief mir wieder dieser weiße Fuchs über den Weg und bevor ich mich versah, stand ich unter einem riesigen Vogelbeerbaum und musste unweigerlich an Faran denken und an den Brief, den ich seither in meiner Tasche aufbewahrte.

Mein Blick blieb an dem Stamm schier kleben, als meine Augen die Schriftzeichen erkannte. Bei allen Göttern, der Stammbaum. Ich viel auf die Knie und betete.

Der weiße Fuchs war verschwunden und ich untersuchte alles im Umkreis des Baumes. Ich drehe jeden Stein um, doch fand ich nur ein paar alte Spuren und eine kleine Feuerstelle unter dem Vogelbeerbaum, in deren Asche ich nichts weiter fand, als den schalen Geruch verbrannten Haares.  Ich beschloss meinem Pferd keine Pause zu gönnen und ritt wie der Wind nach Hause. Und bettelte meiner Mutter ein frisches Pferd ab und dann ritt ich zum Haus vom Thôn und Alveradis.

Das Haus lag im Dunkeln, als ich vom Pferd abstieg und fand Thôn in der Küche sitzend. Alveradis schlief bereits. Wir tauschten uns kurz aus und ich versprach ihm, bei nächster Gelegenheit nochmal an den Ort zu reiten, wo unsere Delegation auf Faran traf, bevor er starb.

Ich lies Thôn ein paar meiner Elixiere für Alveradis da und versprach ihm bald Nachricht zu schicken.

Brian, Sarolfs Sohn

Reiter im Dienste des ehrenwerten Guiskard Ragin Grünfang

Diese Geschichte basiert auf dem Hintergrund der Rauriker und den Ereignissen um Beltane (http://www.rauriker.de) Ähnlichkeiten von Personen im realen Leben sind völlig ausgeschlossen und somit reiner Unfug. Wir bitten um Verständnis.

Das Klagelied des Fuchses – Alveradis Klagelied

Das Klagelied des Fuchses – Alveradis Klagelied

arcticfoxIch Brian, Sarolfs Sohn, brachte die dunkle Kunde der Spinnenflut nach Vargranja zum Sitz des Ragin Grünfang und ritt dann gleich weiter zum Haus von Thôn und Alveradis. Ich hatte den Leichnam des Jungen Faran auf ein Geflecht von gebogener Zweigen und Ästen gelegt und schleifte ihn etwas Würdevoller hinter mir her, als ihn nur auf dem Hintern meines Pferdes liegen zu haben. Außerdem wurde mir der Körper des Jungen langsam unheimlich. Ich hatte schon viele tote Körper nach der Schlacht nach Hause gebracht, aber dieser Junge war wirklich ein sehr eigenwilliger toter Junge.

Vielleicht schwindet auch langsam mein Verstand, aber ich schwöre auf meine Mutter und all meine Ahnen und alle Götter, dass mein Guiskard dem Jungen die Augen geschlossen hatte, doch blickte der Junge mich nach der ersten Nacht mit seinen starren bleichen Augen an, worauf ich ihm persönlich die Augen schloss. Das tat ich nun jeden Morgen und langsam bekomme ich es mit der Angst zu tun. Hätte ich nur den Pferdejungen dabei, der hatte mehr Ahnung von solch wunderlichen Dingen. Dann ist mir aufgefallen, dass der Junge nicht in die übliche Starre verfallen ist, die sich sonst über Tote legte. Ich zermartere mein Gehirn, ich musste irgendwas übersehen haben. Irgendwas stimmte da ganz und gar nicht, von den riesigen Spinnen mal ganz abgesehen.

Ich trauerte um den jungen Faran, weil er in meinen Armen gestorben war und weil ich ihm nicht mehr helfen konnte, zweifelte ich an meinem Können. So bin ich nicht nur ein Krieger und Reiter des Guiskard und sondern kenne mich mit den Kräutern gut aus. Ich vermag es, Wunden zu schließen mit meinen Tränken, aber wenn einer keine Wunde hat und trotzdem stirbt, was hätte ich da schon machen können. Meine Tränke haben sonst immer gegen allerlei Gift gewirkt und ich hab ihm die doppelte Menge eingeflößt und es zeigte einfach keine Wirkung.

Und dann war da noch was Anderes. Der Junge hätte mein Junge sein können, wenn der Gehörnte damals mein Flehen erhört hätte. Aber die Götter entschieden es anderes. Und so war es Thôn vergönnt, die schöne Alveradis zu heiraten und nun bringe ich, gerade ich, den toten Jungen heim.

Wie soll ich ihnen unter die Augen treten mit so einer Botschaft, so konnte ich doch vorher kaum unter ihre Augen treten. War ihre Heirat nicht der Grund warum ich damals fort ging.

Wie habe ich es jeden Winter gehasst nach Hause zu kehren und ihr Glück zu sehen und nun komme ich im Frühling und bringe die Leiche des Erstgeborenen heim, zu denen, die ich mein halbes Leben verflucht habe.

Mein Gewissen nagt an mir und nun will ich nicht eher ruhen, bis ich ergründet habe, warum dieser arme Junge sterben musste.

Das Klagelied des weißen Fuchses begleitete meinen Weg und ich stimmte ein, so kommen mir die Worte der Wildelben so leicht über die Lippen, als wäre es meine eigene Muttersprache:Dankar Qualin,Abglam macil,Vanwal nai otha, Im quen isil, Im quen nai, Thalion im quen Anduril…‘

Nicht nur mein Herz weinte, auch dieses Tier litt da draußen vor sich hin. Der Fuchs will uns irgendetwas sagen, nur ist es mir nicht vergönnt, mit dem Krafttier eines Toten zu sprechen. Ich werde bei den Schamanen um Rat bitten, sobald ich wieder in Vargranja bin, aber vorher habe ich noch einen Auftrag, den ich erledigen muss.

In der Ferne konnte ich eine Rauchfahne erkennen, bald würde ich der Liebe meines Lebens unter die Augen treten müssen und nur bei dem Gedanken an sie, stieg mir das Blut in den Kopf. Ich atmete tief ein, versuchte mein Herz zu beruhigen und ritt weiter.

Ich erblickte das Haus von Thôn und kaum war ich vom Pferd abgestiegen, kam er auch schon aus dem Haus gelaufen. Er blickte grimmiger, als ich es in Erinnerung hatte. Die hässliche Fratze erschreckt jeden Angreifer, bevor er den Mut aufbringen konnte, sein Schwert gegen Thôn zu erheben. Mittlerweile empfand ich höchsten Respekt gegenüber diesem Mann, dass war Beiweiten nicht immer so. Thôn knurrte mich an, zog sein Messer aus dem Gürtel und warf es fort. Dieser Mann hasste mich einfach, wahrscheinlich bringt er mich jetzt mit bloßen Händen um.

Wie von einem Blitz getroffen blieb Thôn vor mir stehen, sein vernarbtes Gesicht begann zu zittern, als er erkannte, wer da auf der Trage lag. Ich öffnete die Riemen, die die Trage am Sattel befestigten und lies ganz langsam die Trage auf den Boden sinken. Thôn glitt ganz langsam auf die Knie.

‚Mein Herr schickt mich euch euren Sohn zu bringen. Ich konnte nichts mehr für ihn tun.‘ versuchte ich mich zu erklären. ‚Ich spreche im Namen von Ragin Grünfang. Seine Trauer konnte er kaum in Worte fassen.‘

‚Brian, ich weiß wie schwer es dir fallen muss, mir unter die Augen zu treten…‘ flüsterte Thôn, er musste schwer schlucken und fuhr dann fort. ‚Ich rechne es dir hoch an, dass du in dieser Stunde zu uns gekommen bist.‘ Thôn war aufgestanden und hielt mir die Hand hin. ‚Freund!?‘

Ziemlich verblüfft darüber streckte ich ihm beide Hände hin und Thôn zog mich in eine Umarmung. Ich vermochte keinen Laut von mir zu geben, nicht dass er es sich nicht doch noch anders überlegte. Doch sein Körper bebte in meinen Armen und als seine Frau aus dem Haus kam, trennte er sich von mir. Sie wischte sich die Hände an ihrer Schürze ab, lief auf die Bahre zu und rief erstickt: ‚Faran…!‘ Ihre Stimme brach in dem Moment, als sie auf die Knie sank, um den toten Körper von der Trage zu ziehen und ihn in ihre Arme zu schließen.

Ihr Klagelied zerriss nicht nur das Herz ihres Mannes, sondern auch das Meine. Sie wiegte ihren toten Sohn hin und her und Tränen flossen ununterbrochen über ihr Gesicht. Ihre Lippen vermochten die Worte kaum zu formen und so war ihr Lied von einem Schluchzen und Wimmern begleitet, aber doch verstand jeder die Worte: Yenillor morne a ley, Tulinte I Quettar, Tercano nuruvia, H lasta Qutetes, H firmain o mor, i dhu ely siriair, Mornie utulie à H firmain yenillor morne, Mornie alantie, à i lir en el Luitha uren,i lir en el Luitha uren…!‘

Thôn nahm mich bei Seite und blickte mich fragend an: ‚Er kam auf uns zu, als wir gen Raurikor zogen, er wurde von Spinnen verfolgt. Sie müssen ihn zu oft gebissen haben, meine Tränke konnten ihn nicht mehr retten. Er sprach noch von seinem Stammbaum, den er gefunden hatte.‘

In dem Moment brach der Gesang von Alveradis ab und sie ließ den bleichen Körper ihres Sohnes sinken. Dabei glitt die Hand von seinem Brustkorb und man konnte die Schriftzeichen erkennen, die er sich in die Hand geritzt hatte. Thôn erbleichte, als er die Zeichen erkannte und ich musste ihn stützen. Ich hätte nie gedacht, dass diese drei Zeichen diese knorrige Kiefer von einem Mann zu Fall bringen hätte können, aber in seiner Trauer erkannte ich, dass die zerfurchte, harte Rinde nur die Fassade für einen weichen Kern war und nun begriff ich endlich, warum Alveradis ihm sein Herz geschenkt hatte. Die Sanftmütigkeit die ich in der Stunde seines Todes in dem Jungen gesehen hatte, hatte er gleichsam von seiner Mutter und von seinem Vater geerbt.

‚Er wollte nicht vergessen, um nicht vergessen zu werden.‘ flüsterte ich, aber es kam nicht mehr als ein Krächzen aus meiner Kehle, doch mein Krächzen gab Thôn die Kraft, nicht vollends zusammenzubrechen.

Am Waldrand trat der weiße Fuchs durchs Dickicht und sprang geschmeidig auf einen erhöhten Stein. Und dann sang er wieder sein Lied. Alveradis stimmte mit ein: O mor henion I dhu, ely siriair el sila, Ai Anrion Undumiel, Ti iro el eria, Im quen nai isil, quen bruin anduril, Mornie utulie à H firmain yenillor morne, Mornie alantie à i lir en el Luitha uren, i lir en el Luitha uren!‘

Sie letzten Silben verklangen im Wind und ich sprach zu Thôn und schickte mich an aufbrechen zu wollen: ‚Thôn, mein Herz ist mir schwer, dass ich euch in eurer dunkelsten Stunde verlassen muss, aber ich muss weiter. Gebt acht, die Spinnen sind größer geworden, als sie je waren und gebt auf euch Acht. Mein Herz trauert mich euch!‘

‚Mein Dank gilt dir, Brian, mein Freund. Mein Haus steht dir immer offen!‘sprach Thôn mit erschreckend fester Stimme.

Ich nickte und stieg auf mein Pferd und lies Alveradis Klagelied hinter mir, aber nicht aus meinem Herzen.

Brian, Sarolfs Sohn
Reiter im Dienste des ehrenwerten Guiskard Ragin Grünfang.

Diese Geschichte basiert auf dem Hintergrund der Rauriker und den Ereignissen um Beltane (http://www.rauriker.de) Ähnlichkeiten von Personen im realen Leben sind völlig ausgeschlossen und somit reiner Unfug. Wir bitten um Verständnis.

Das Klagelied des Fuchses – Über den seltsamen Tod des jungen Faran

Das Klagelied des Fuchses – Über den seltsamen Tod des jungen Faran

arcticfoxBrian, Sarolfs Sohn. Ich bin Reiter im Dienste meines Guiskard Ragin Grünfang. Und ich berichte von den Vorfällen die sich kurz vor Beltane zugetragen haben. Die Delegation der ehrenwerten Clanführer der Widukin machten sich auf, um auf dem schnellsten Weg nach Raurikor zu gelangen. Ich war als einer von Fünfen ausgewählt worden Ragin Grünfang nach Raurikor zum Rat der Clans zu begleiten. Die Begleiter von Aska Grimmzahn und von Wulfhard Nebelwolf ritten voran.
Noch auf dem Gebiet der Widukin stolperte vor uns etwas oder jemand auf den kleinen gewundenen Pfad und brach auf die Knie. Die Pferde scheuten und wir konnten die Pferde gerade noch beruhigen. Ein ersticktes Keuchen, dass sich wie ‚Hilfe, Bitte!‘ anhörte, drang an unsere Ohren. Der Jemand kroch rücklings auf die Gesandtschaft zu und schien uns nicht zu bemerken. Die Pferde waren immer noch unruhig und einige unserer Begleiter, ließen sich geschmeidig von ihren Gäulen gleiten und schlichen auf den Fremden zu. Der Fremde fuchtelte mit einem Messer in der einen Hand und hält eine kleines Beil in der anderen Hand gegen etwas, was in der Dunkelheit nicht auszumachen war.
Einer der Männer pfiff den Ruf des Waldkauzes und der Fremde blickte auf und lies sofort die Waffen sinken.
‚Mae govannen!‘ Der Gruß der Wildelben floss wie glitzernde Seide aus seinen Mund und man konnte ihm ansehen, wie sanftmütig dieser Junge zu sein schien. Es war tatsächlich nur ein Junge. Kaum 14 Winter auf dem Buckel. Doch stand Angst und blankes Entsetzen in seinem Gesicht und seine langen Haare waren weiß und leuchteten in der Nacht wie der Vollmond.
Doch dann wurde sein Körper nach hinten gerissen und eine Schar zu groß geratene Jagdspinnen übermannten seinen Körper und krabbelten blitzschnell über ihn hinweg und griffen die Männer an, die dem Jungen am Nächsten waren. Die Spinnen waren annähernd so groß wie Füchse und das war ganz und gar nicht normal, obwohl uns die Spinnenart an sich nicht fremd war, war ihre Größe nicht nur äußerst befremdlich, sondern auch Angst einflößend.
Plötzlich ging alles recht schnell. Alle sprangen von den Pferden und einer der unseren packte alle Pferde gleichzeitig am Zügel und brachte sie außer Reichweite. Man konnte seine besänftigten Worte in der Ferne hören. Meine Nackenhaare stellten sich auf, dass tat es jedes Mal, wenn jemand hinter meinem Rücken ein Stück Magie wirkte, auch wenn es diesmal nur das Schutzgebet unseres Pferdejungen war. Wulfhard Nebelwolf bemerkte, bevor er sich ins Kampfgeschehen einmischte, dass sein Gaul noch nie gescheut hätte.
Ich kämpfte mich durch die Reihen und zog den Körper des Jungen aus dem Kampfgeschehen. Ich erkannte ihn gleich und schleppte ihn weiter vor die Füße von Ragin Grünfang und rief: ‚Es ist Einer von den Unseren, Herr!‘
Hastig versuchte ich den Jungen aufzurichten und flößte ihm einen meiner Tränke ein.
‚Junge, nenn mir deinen Namen und erzähl was dir widerfahren ist?‘ rief Ragin Grünfang.
Der Junge stammelte so leise, dass sich Ragin Grünfang auf die Knie warf, um verstehen zu können, was der Junge zu sagen hatte. ‚Faran…mein Name… Sohn von Thôn… Hoher Herr… Ich zog aus… um mein Krafttier…‘ Der Junge brach ab, schluckte schwer, das Atmen fiel ihm nicht leicht. Beherzt riss ich seinen Lederwams auf, auf dem noch vereinzelt Spinnweben klebten und flößte dem Jungen weiter von dem Trank ein. Der Junge fing wieder zu stammeln und krächzen an: ‚Finden und mich fand… Das Grauen…Ich stürzte… tief… ins Dunkle… eine Höhle… und… Spinnen überall Spinnen… sie zerrten an mir…bissen mich und schleppten mich… tiefer ins Dunkle… Es war so kalt. Doch ich konnte fliehen!‘ Seine Stimme brach wieder, Tränen quollen ihm aus den Augen. Er schien große Schmerzen zu haben, obwohl er keine großen Wunden zu haben schien. ‚Herr, sagt meiner Mutter bitte… ich hab ihn gefunden… Stammbaum…!‘ Er brach ab und hielt Ragin die Hand hin und ich konnte verschwommen Schriftzeichen der Elben erkennen, die der Junge sich in die Hand geritzt hatte. ‚Nicht vergessen…!‘ waren seine letzten Worte. Danach starrten seine leeren Augen nur noch an seinem Guiskard vorbei in die Dunkelheit. Von weit entfernt konnte man einen Fuchs hören und keiner von den Männern und Frauen, hatte einen Fuchs je zuvor so jammervoll jaulen hören, wie in dem Moment, als dem Junge Faran mit einem tiefen Seufzer seine Hand auf seine Brust sank und einen blutigen Fleck auf seiner Tunika hinterließ.
Ragin Grünfang schluckte schwer und schloss dem Jungen die Augen, dann stand er in einer langsamen Bewegung auf und blickte in die Runde. ‚Kannte jemand den Jungen?‘
‚Herr, ich kenne seinen Vater, Thôn und dessen Frau Alveradis!‘ rief ich, als ich auch aufgestanden war.
‚Du bringst den Jungen heim zu den Seinen. Sprich ihnen meine Trauer aus. Einer der Nebelwölfe und Einer von Grimmzahn sollten ebenfalls reiten, schnell reiten. Bringt die Kunde zu jeder Sippe. Es soll Ausschau gehalten werden nach Spinnen, großen Spinnen. Es ist Gift im Spiel, die Heiler sollen Vorsorge treffen.‘
Wulfhard Nebelwolf kam aus einem Gebüsch gestolpert und hielt eine tote Spinne in einer Hand hoch. ‚Und die nehmen wir mit zum Rat!‘

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Ich zog einen Zettel aus meiner Tasche und machte einen Abdruck von den Schriftzeichen, die sich der Junge in die Hand geritzt hatte, um sie nicht zu vergessen. Es war ein A, dass für seine Mutter Alveradis stand und ein Th, dass für seinen Vater Thôn stand und darunter das F, dass für den Jungen Faran stand. Und mit seinem Tod war der Stammbaum seiner Ahnen versiegt. Soweit er wusste, was Faran das einzige Kind gewesen, dass der Liebe seiner ElbischFEltern entsprungen war.

Die Männer zogen bald weiter und eilten gen Raurikor, während die Boten Richtung Grimmzahn und Nebelwölfe aufbrachen, lud ich den Körper des Jungen auf mein Pferd und ritt so schnell ich konnte zu der Heimstatt seiner Eltern.

Ich hoffe bald die Zeit zu finden mehr zu Schreiben. Der Krieg zieht auf und ich befürchte, dass mir nicht mehr viel Zeit bleiben wird, um all die merkwürdigen Dinge niederzuschreiben, die ich in den letzten Tagen heraus fand.

Brian, Sarolfs Sohn
Reiter im Dienste des ehrenwerten Guiskard Ragin Grünfang

Diese Geschichte basiert auf dem Hintergrund der Rauriker und den Ereignissen vor Beltane. (http://www.rauriker.de) Ähnlichkeiten von Personen im realen Leben sind völlig ausgeschlossen und somit reiner Unfug. Wir bitten um Verständnis.

Das Klagelied des Fuchses – Unter den Ästen des Zwillingsbaumes

Das Klagelied des Fuchses – Über den seltsamen Tod des jungen Faran

Eine Sammlung einiger Briefe und Schriften, zusammengetragen von Brian, Sarolfs Sohn, Reiter im Dienste des ehrenwerten Guiskard Ragin Grünfang

vogelbeereAbschrift aus dem Tagebuch des jungen Faran:

Unter den Ästen des Zwillingsbaumes

‚Eigentlich ist Fern viel zu jung!‘ sagte meine Mutter. Aber mein Vater Thôn vom Clan der Grünfänge meinte darauf: ‚Alveradis, meine Schöne, als ich so jung war wie er, war ich einen ganzen Winter lang im Wald unterwegs und im Frühling hatte mich nicht nur mein Krafttier gefunden, sondern auch der Bär.‘

Mutter lächelte milde und strich über das von Narben gezeichnete Gesicht meines Vaters. ‚Und wenn du den Bären damals nicht im Kampf getötet hättest, wärst du bei den Ahnen zwar schön anzuschauen, aber dann hätten wir uns auch nie kennengelernt.‘

Mein Vater verzog sein Gesicht zu einem Grinsen und jeder der ihn nicht kannte, hätte jetzt schon die Flucht ergriffen, weil für einen Außenstehenden sah seine Fratze wirklich furchterregend aus.

Mutter machte was sie immer tat, sie zog ihm die Narben glatt und küsste ihn sanft. Für einen Moment hatte man das Gefühl, dass er eigentlich ein schöner Mann hätte sein müssen, wenn die Narben nicht wären.

‚Alveradis, du bist meine Sonne im dichtesten Nebel, lass deinen Sohn ziehen und zum Beltanefest wird er als Mann wieder kommen.‘ rief mein Vater, wartete ein Nicken ihrerseits ab und klopfte mir auf die Schulter: ‚Hast du dein Messer, deinen Bogen und dein Beil?‘

‚Ja Vater!‘ rief ich pflichtbewusst.

‚Hast du genug Pfeile?‘

‚Und wenn sie mir ausgehen, mache ich mir Neue!‘

‚Deinen Feuerstein hast du auch?‘

Mein Nicken ging unter, weil meine Mutter mir einen Beutel in die Hand drückte und ich konnte das gute Essen durch das speckige Leder riechen.

‚Belenus möge dir immer den richtigen Weg leuchten!‘ flüsterte sie und wischte sich eine Träne aus dem Gesicht. Sie schluckte schwer, drückte mich nochmal und wand sich dann hastig ab. Warum macht sie es mir immer so schwer?

‚Faran, es wird Zeit!‘ hatte mein Vater noch gesagt und dann lies er mich ziehen.

So war ich nach dem Imbolcfest losgezogen und ich würde erst wieder zurück kehren, wenn der Gehörnte zum Fest sein Horn erschallen lässt. Dann sollte ich bestenfalls ein Mann geworden sein, mein Krafttier gefunden haben und um der Ehre meiner Familie gerecht zu werden, ein mächtiges Waldtier im Kampf erlegt haben. Und wie ich das alles bewerkstelligen soll, hat mir niemand erzählt.

Im Moment fühlte ich mich eher dem winterschläfrigen Eichhörnchen zugehörig. Wie gerne würde ich am warmen Feuer liegen und mir die Felle über den Kopf ziehen. Statt dessen stapfte ich noch vor Morgengrauen durch den tiefen Schnee und grübelte vor mich hin. Ich musste schon längst im Gebiet der Nebelwölfe sein, aber sicher war ich mir nicht. Ich konnte nur meinen gefrorenen Atem vor Augen sehen. Meine Zehen waren genauso taub, wie meine Finger und selbst wenn ein Tier meinen Weg kreuzen würde, dann könnte ich es nicht mal erschießen, weil ich meinen Bogen nicht mehr spannen konnte, so kalt war es.

Und plötzlich wurde mein Weg von der Sonne erleuchtet. Die Sonne war auf gegangen und mit ihr keimte die Hoffnung wieder in mir auf.

Ich war schon Tage lang unterwegs und jeden Morgen schnitt ich eine Kerbe in ein Stück Holz, ich wollte auf keinen Fall zu spät zum Fest kommen. Obwohl es in den letzten Tagen stark getaut hatte, war es morgens noch ziemlich kalt und der matschige Schnee bildete Nachts seltsame Eisformen. Ich zählte 24 Kerben und musste unweigerlich an meine Mutter und ihre Worte denken. ‚Belenus möge dir immer den richtigen Weg leuchten!‘ Ich blickte zur Sonne, wie sie durch die Bäume strahlte. Meine Mutter nannte mich immer Fern, was bei den Wildelben Bucheckerl bedeutet, obwohl mein Name eigentlich Faran ist. Aber Faran nennt sie mich nur, wenn sie ihn ausschimpfen will. Faran bedeutet bei den Wildelben Vogelbeerbaum. Und genau deswegen wurde ich von den anderen Kindern immer veralbert. Aber Vater sagte immer, dass die Bäume in unserer Familie immer eine große Rolle gespielt hatten und dass er mit seinem Namen immer gut durchs Leben gekommen wäre. Thôn heißt ja auch Kiefer und genau so zäh und knorrig scheint er mir auch manchmal.

So in Gedanken versunken bemerkte ich gar nicht, dass ich mitten im Wald auf eine riesige Lichtung gekommen war und auf deren Mitte stand ein stattlicher Baum der zwei Stämme hatte. Als ich näher schritt, sah ich dass noch ein paar hellrote Früchte an den Zweigen hingen. Es war ein Vogelbeerbaum. Und es war der Größte den ich je gesehen habe. Seine zwei mächtigen Stämme stiegen hoch auf in den Himmel. Und wenn er erst Blätter trug, würde er die Lichtung wahrscheinlich völlig ausfüllen. Die Bäume, die um die Lichtung standen, ragten wie riesige Säulen auf und umschlossen das Bild. Ich kam mir vor, als würde ich in einem gigantische Bauwerk stehen, größer noch als die große Ratshalle in Raurikor.

Plötzlich hörte ich ein entsetzliches Geräusch, dass mich von meinen Gedanken aufscheuchte und  mich schutzsuchend unter den kahlen Äste des Zwillingsbaumes trieb. Es war ein furchterregendes, kräftiges Schlürfen, dass in einem Pfeifen endete und dann hörte er einen dumpfen Schlag und ein Scharren, dass sich von mir entfernte. Im Augenwinkel hatte ich einen Schatten gesehen, der sich über den Boden geduckt, seltsam schnell fortbewegte und verschwand. Ängstlich blickte ich in die Richtung, wo mein Verstand den Schatten erahnte. Doch der Wald war ruhig. Mein Herz pochte aber so laut, dass ich damit jedes Tier im Umkreis hätte verscheuchen müssen.

Nach einem langen Moment fasste ich mir ein Herz und lief geduckt in die Richtung, wo ich dachte den Schatten gesehen zu haben. Weit vor mir lag etwas auf dem Boden. Ich schlich weiter und erblickte einen toten Fuchs. Als ich näher trat zerbrach mir schier mein Herz in meiner Brust.

Ich hielt meine zitternde Hand vor meinen Mund, um einen spitzen Schrei zu unterdrücken. Ich brauchte einen Moment, je ich mich wieder beruhigt hatte. Ich hatte nie ein größeres Entsetzen im Antlitz eines toten Tieres erblickt, wie bei diesem hier. Der Körper schien völlig blutleer zu sein.

Mit bebenden Fingern zog ich mein Messer und versuchte den Leichnam hochzuheben. Das struppige Fell legte sich geschmeidig um mein Messer und da begriff ich, dass der Schatten echt gewesen sein musste. Das tote Tier war noch nicht gefroren, hatte aber auch keine Wunden und es schien auch keine Knochen mehr im Körper zu haben. Hastig sprang ich auf und balancierte die Haut des armen Tieres auf seiner Klinge, während ich rückwärts durch den Wald stolperte. Mein Atem ging schwer und ich keuchte bei jedem Schritt. Erst als ich wieder auf die Lichtung stolperte, fing ich mich wieder.

Der Vogelbeerbaum blickte auf mich herab und spendete mir Trost. Wie ein stummer Zeuge stand der Zwillingsbaum über den Dingen. Beflügelt vom Anblick des Baumes beschloss ich die Überreste des Tieres zu verbrennen. Ich fand einen trockenen Ast, der noch halb am Baume hing und machte ein kleines Feuer und schürte es hastig hoch. Summend stimmte ich ein altes Lied an und legte den toten Körper in die Flammen. Dann ritze ich mir in die Hand und spritze mein Blut in die Flammen, schlussendlich warf ich ein paar getrocknete Kräuter in die Flammen und wartete bis die Flammen wieder erloschen.

Ich hatte Tränen in den Augen als ich aufblickte. Der Zwillingsbaum stand hoch über mir und schaute auf mich herab. Am Fuße des Baumes war etwas eingeritzt worden. Schriftzeichen, die von den Wildelben waren.  elbischAelbischThElbischF

Ich war mir nicht sicher, aber ich glaubte ein A und ein Th zu sehen und drunter ein F. Kopfschüttelnd kam mir das Wort Stammbaum in den Sinn.

Schweren Herzens verließ ich die Lichtung, weil ich nicht an diesem Ort bleiben wollte, solange  ich nicht wusste, was für ein Wesen dieser Schatten gewesen sein mochte. Auch wenn dieser Baum wohl mehr zu bedeuten hatte, als nur der Hüter einer Lichtung, musste ich fort von diesem Ort. Ich beschloss den restlichen Tag zu nutzen und in einem großen Bogen wieder zurück zu meinem letzten Lagerplatz zu gehen und hoffte, dass mir ein Abendessen noch vor den eigenen Bogen laufen würde.

Als ich in der Abenddämmerung dann endlich an meinem alten Lagerplatz ankam, hatte ich zwei magere Eichhörnchen erwischt. Besser als nichts war es allemal.

Ich grübelte immer noch und konnte mir keinen Reim darauf machen, was mit dem armen Fuchs geschehen sein mochte. Nach dem Essen legte ich mich ans Feuer und fiel in einen unruhigen Schlaf.

Ich erwachte erst wieder, als die ersten Sonnenstrahlen mich wach küssten. Ich wischte mir eine Haarsträhne aus dem Gesicht und blinzelte in die Sonne. Nur ein paar Schritte von mir entfernt lief ein weißer Fuchs vorbei. Der weiße Fuchs hielt vor einem umgestürzten Baum inne und blickte mich kurz an. Die Haarsträhne fiel mir wieder ins Gesicht und dann begriff ich erst, dass meine Haare weiß geworden waren. Im nächsten Augenblick war der weiße Fuchs verschwunden.

arcticfoxWeit, weit entfernt vom Zwillingsbaum

Ich stolperte gehetzt durch den Wald. Es wird nie wieder so sein, wie bevor ich ausgezogen war, ein Mann zu werden. Tagelang musste ich durch den Wald geirrt sein, kein Ziel vor Augen, aber den Schatten im Rücken. Der grauenvolle Schatten, der mich verfolgte seit dem ich meinen Geburtsbaum entdeckt hatte.

Der Zwillingsbaum schenkte mir nun schon lange keinen Trost mehr. Doch immer wenn ich am Ende meiner Kräfte war, schien die Sonne auf mich herab. Immer wenn ich inne hielt, war der weiße Fuchs wieder an meiner Seite und schenkte mir Trost, manchmal lief er vor mir und gab mir eine Richtung. Manchmal konnte ich seinen Ruf von weit entfernt hören, aber ich wusste doch, ich war nicht allein.

Am Ende meiner Kräfte kroch ich weiter und weiter. Ich wollte nur fort von dem Schatten, der mich zu übermannen versuchte. Auch wenn ich ihn nicht ausmachen konnte, wusste ich doch, dass er mir im Nacken saß.

In meiner Verwirrung hatte ich mir die Schriftzeichen in meine Handfläche geritzt, die meine Eltern einst in den Stamm geschnitten hatten, so war ich mir sicher, dass ich sie nicht vergessen würde. Nicht viele unter den Widukin können noch die alte Sprache der Wildelben verstehen und sie zu schreiben gar noch weniger. Der Gedanke an seinen Stammbaum und an seine Eltern hielten mich am Leben und auf den Beinen.

Immer wieder wickelte ich den Verband ab, den ich hastig um meine Hand gewickelt hatte und blickte auf die Zeichen in meiner Hand. Ich hatte in der Hast zu tief geschnitten und mit den tauben, kalten Fingern hatte ich das Messer kaum halten können. Für den Fall, dass ich nicht wieder nach Hause finden würde, so würde jeder es sehen können, dass ich meinen Weg gefunden hatte, bevor ich sterbe und in die nächste Ebene übergehe.

Ich muss auch auf allen Vieren über den Boden gekrochen sein, der Schatten, der mich verfolgte hatte nun Gestalt angenommen und die Angst trieb mich weiter, obwohl ich am Ende meiner Kräfte war. Ganz weit entfernt konnte ich den Fuchs jaulen hören. Plötzlich gab der Boden unter mir nach und ich stürzte in ein dunkles Loch. Und da saß ich nun. Im Dunklen muss ich auch stundenlang herum geirrt sein, bevor ich mich entsinnte, ein paar Kerzen dabei gehabt zu haben. Ich erkundete die Höhle und fand aber keinen Ausweg.

Ich beschloss aufzuschreiben, was ich erlebt hatte und so schreibe ich diese letzten Zeilen. Meine letzte Kerze ist fast runter gebrannt und ich kann keinen Ausweg aus diesem Loch hier finden. Ich weiß genau ich bin nicht allein, irgendwas ist in dieser Höhle, ich kann es scharren hören und wie es langsam näher kommt.

Ich bete inständig an all die Götter da oben, dass mich das Licht des Belenus heimführen möge, aber die Kerze ist am Erlöschen und bald ist es dunkel. Ich kann nur noch den Schmerz spüren in meiner Hand und dass ist es, was mich am Leben hält. Mein Stammbaum wird mich heimführen, ich bin mir ganz sicher. Das Licht flackert nur noch... Auta ilome Aure entuluva,  Auta ilome Aure entuluva, Auta ilome Aure entuluva…

So enden die Worte des jungen Faran mit einem Schutzgebet der Waldelben. Die letzten Absätze waren teilweise unleserlich, teilweise mit den Schriftzeichen der Waldelben geschrieben, teilweise auch in deren Zunge geschrieben, ich hoffe dass ich die Worte des jungen Faran so wieder gegeben habe, wie er sie erzählen wollte. Erst dann beginne ich meine Geschichte zu erzählen, so wie ich sie bis zum heutigen Tage erlebt hatte.

Abschrift verfasst von Brian, Sarolfs Sohn, Reiter im Dienste des ehrenwerten Guiskard Ragin Grünfang.

Diese Geschichte basiert auf dem Hintergrund der Rauriker und den Ereignissen nach dem Imbolcfest (http://www.rauriker.de) Ähnlichkeiten von Personen im realen Leben sind völlig ausgeschlossen und somit reiner Unfug. Wir bitten um Verständnis.

‘Warum denn so ernst, schöner Mann?’ Teil 6

Warum denn so ernst, schöner Mann?’ Teil 6

 

Rückblende Fortsetzung

In der selben Nacht vor 8 Wochen:

keinenummernBingo. Endlich war er draußen. Er ließ den Club hinter sich und rannte über den Parkplatz auf die Straße. Er wählte die Nummer seines Chefs und Einsatzleiters. ‚Ja, wo sind Sie?‘ fragte Jeff.

‚Neben ihrem Wagen!‘ sagte sein Chef entnervt.

‚Ich bin in zwei Minuten da.‘ sagte Jeff, bevor er wieder auflegte. Er rannte zu seinem Wagen. Zwei Minuten später machte er die Schiebetür des zivilen Einsatzwagens auf. Sein Chef und der Staatsanwalt saßen in dem Einsatzwagen und blickte ihn erwartungsvoll an. Sein Kollege, der Fahrer des Wagen, saß vorne am Steuer, blickte aber durch ein Schiebefenster nach hinten ins Wageninnere. Jeff kroch schwer schnaufend aber grinsend in den Wagen. Dann ging er zu einem Laptop, der alles aufzeichnete was bis jetzt gesprochen wurde. Er drückte auf Pause. ‚Sorry, für das, was ich ihnen jetzt zu sagen habe, brauchen wir keine Ohren.‘ Laut schnaufend setzte er sich erst Mal. Sein Chef drückte ihm eine Flasche Cola in die Hand. Er trank und atmete nochmal tief durch.

‚Also, ich habe gerade unsere beiden Verdächtigen bei der Geldübergabe beobachtet und da war noch ein dritter Mann.‘ keuchte er und machte eine dramatische Pause, um noch einmal zu trinken.

‚Jetzt spannen Sie uns nicht auf die Folter.‘ rief der Staatsanwalt.

‚Es ist ein Ermittler aus unserer Abteilung.‘

‚Wer?‘ kam es aus dem Mund von Beiden.

‚Werner Koslowski!‘

‚Nein, Sie verarschen mich jetzt schon wieder!‘ schrie ihn sein Chef fast an.

‚Nein, nein und ich hoffe, dass die Aufnahme mit meinem Handy etwas geworden ist.‘ beteuerte Jeff.

‚Warum haben sie ihre Dienstkamera nicht dabei gehabt?‘ fragte der Staatsanwalt.

‚Ich habe auch ein Privatleben!‘ meinte Jeff und grinste, während er an seinem Handy herum tippte.

Sein Chef leuchtete ihm mit einer Lampe ins Gesicht und an seinem Anzug herab. ‚Das erklärt jetzt zwar, warum Sie nicht ans Handy gegangen sind. Aber es erklärt nicht die goldene Farbe, die Sie überall kleben haben.‘

‚Ist da nicht so ein goldenes Pin-Up Girl auf diesem Flyer zu sehen?‘ plapperte der Staatsanwalt und hob den Flyer von der Party hoch.

‚Wie gesagt, Privatleben!‘ meinte Jeff kurz und blickte die Herren ernst an, dann flog ein kleines Lächeln über sein Gesicht. Endlich spielte sein Handy die Aufnahme ab. Er hielt sein Handy wortlos in die Runde.

‚Der Koslowski, diese Ratte!‘ sagte sein Chef, klopfte Jeff väterlich auf die Schulter und fuhr fort: ‚Ich hab Sie heute nicht nur einmal unterschätzt, sondern zweimal. Ich glaub ich muss mich bei Ihnen entschuldigen.‘ Und hielt ihm grinsend die Hand hin.

‚Jetzt mal die Späße bei Seite, Hannes.‘ sagte der Staatsanwalt zum Einsatzleiter, während Jeff noch seine Hand hin hielt. Dann wandte sich der Staatsanwalt zu Jeff: ‚Herr Lehmann! Dieser Koslowski, hat er Sie schon mal gesehen, seit dem Sie zu uns gewechselt sind?‘

Jeff war ziemlich erschrocken, von seinem richtigen Namen, seit dem er hier war, wurde er nur mit seinem falschen Namen angesprochen, Jeff Schmitt.

‚Ähm, nein. Ich habe ihn auch nur erkannt, weil ich alle Kollegen gesichtet habe, als der Verdacht aufkam, dass wir vielleicht einen Spitzel in der Internen haben könnten.‘

‚Gibt es außer ihnen Beiden noch einen Kollegen, den dieser Koslowski nicht kennen könnte?‘ fragte der Staatsanwalt und drehte sich zum Fahrer.

‚Die Bordsteinschwalbe… ähm…Der Bieringer, er wurde zur selben Zeit versetzt, wie Herr Schmitt!! Und arbeitet seitdem auch verdeckt an dem Fall.‘ meinte der Fahrer.

‚Sehr gut. Sie Beide und dieser Bieringer heften sich ab Montag an die Fersen von diesem Koslowski. Ich werde Ihnen die Personalakte besorgen. Und wir treffen uns alle morgen…äh…heute Abend bei mir zu Hause zum Essen. Ich stelle ihnen mein privates Büro für die Ermittlungen zur Verfügung. Ich hoffe sie haben einen zweiten Anzug, Herr Schmitt!! Unsere Frauen sind auch anwesend, wir können sie morgen…äh…nachher nicht nochmal versetzen.‘ sagte der Staatsanwalt abschließen, er hatte während seinem Vortrag zweimal auf die Uhr gesehen, schaute dann den Einsatzleiter an und klopfte Jeff nun auf die Schulter. ‚Wirklich gute Arbeit, Herr Lehmann ähm Schmitt!‘

‚Ich verständige Bieringer. Und Sie…!‘ Sein Chef machte eine dramatische Pause und tippte ihn mit dem Finger dreimal gegen die Schulter. ‚Sie! Wenn ich Sie wäre, würde ich das Golden Girl nachhause bringen! Und Schlafen Sie sich aus, die nächste Woche wird nicht leicht werden. Ach und ziehen Sie mir den Film bis morgen auf einen Stick.‘

‚Haben Sie einen Stick dabei, dann können Sie den Film gleich abspeichern.‘ meinte der Staatsanwalt.

‚Ja, im Auto ist mein Laptop. Warten Sie einen Moment.‘ Jeff stieg aus dem Wagen und einen Moment später kam er mit seinem Laptop im Arm und seinem Stick im Mund wieder in den Lieferwagen gestiegen.

Nach fünf Minuten stand er alleine auf der Straße, gegen sein Auto gelehnt. Er hatte den Laptop auf das Autodach gestellt und wollte ihn gerade herunterfahren. Näher kommende Schritte rissen ihn aus seiner Konzentration. Er klappte den Laptop zu und legte ihn auf die Rückbank. Jemand kam die Straße entlang gelaufen. Eine Frau. Er beobachtete sie. Den Mantel bis oben hin geschlossen und eine Kapuze ins Gesicht gezogen. Er erkannte die Stiefel. Es war tatsächlich Yo. Als sie ins Licht der nächsten Straßenlaterne trat, schnalzte er zweimal mit der Zunge. Sie hob den Kopf.

‚Warum denn so ernst, schöne Frau!‘ rief er über die Straße.

Yo war stehengeblieben und blickte ihn entgeistert an. Jeff schloss die Autotür und ging über die Straße, Yo kam ihm ein paar Schritte entgegen.

‚Hey, du wolltest doch nicht zu Fuß nach Hause laufen, oder?‘ fragte Jeff.

‚Das war der Plan!‘ sagte sie heiser und schaute ihm dabei aber nicht in die Augen. Er griff ihr ans Kinn und zog ihr Gesicht in seine Blickrichtung. Ihr standen Tränen in den Augen. Sie hatte sich versucht abzuschminken, was ihr nicht wirklich gelungen war. Aber man konnte sehen, dass sie geweint haben muss.

‚Komm steig ein, ich fahr dich wohin du willst.‘ bot er ihr an.

Mit Krokodilstränen in den Augen schaute sie ihn an, ihr Kinn zitterte. Er nahm sie in den Arm und küsste sie sachte auf den Mund. Dabei konnte er ihre Tränen schmecken.

‚Können wir zu dir fahren?‘ fragte sie krächzend.

‚Aber nur, wenn du endlich mal zum Frühstück bleibst.‘ sagte er ernst, dann lächelte er sie liebevoll an. Es begann zu nieseln. ‚Na, komm schon!‘

Sie ließ sich von ihm ins Auto bugsieren. Er fuhr seinen Wagen durch die Nacht, es regnete jetzt ziemlich stark. Die Stadt bestand nur aus Lichtern, die an den nassen Scheiben vorbei flogen. Er hatte seine Hand auf ihrem Schenkel und sie saß zusammengesunken, reglos auf dem Beifahrersitz. Es dauerte fast die ganze Fahrt, bis sie die Stille endlich unterbrach.

‚Ich komm mir vor, wie eine billige Nutte!‘ flüsterte sie mehr zu sich selbst, als zu ihm.

Jeff erschrak. ‚Doch nicht wegen mir? Oder?‘

Sie schaute ihn verwirrt an. ‚Nein, wegen dem Boss und dem Auftritt!‘ Sie machte eine Pause, um den Rotz die Nase hinaufzuziehen. ‚Ich hab meine Gage nicht bekommen. Dann ist der General heimgefahren, ohne mich mit nach Hause zunehmen. Wenn ich hinter der Bar gearbeitet hätte, hätte ich zumindest von den Trinkgeldern mein Taxi zahlen können.

‚Du wohnst beim General?‘ fragte Jeff verdutzt.

‚Nicht direkt!‘

Jeff guckte sie fragend an.

‚Ich hab mein Wohnatelier in seinem Garten!‘ meinte sie kurz.

‚Jetzt machst du mich aber richtig neugierig!‘ sagte er und drückte ihren Oberschenkel.

‚Inwiefern?‘ fragte Yo.

‚In Bezug auf dein Wohnatelier! Was machst du da, außer Wohnen?‘

‚Die Kunst am Wohnen!‘ Yo kicherte über ihren eigenen Witz. ‚Nein. Ich schweiße Metallskulturen, baue skurrile SM-Möbel, mach Bodypainting, schieße Fotos, arbeite an meiner Performancekunst und an den Tanzeinlagen für die Partycrew. Manchmal mach ich auch Fetischklamotten, wenn mir danach ist.‘

‚Schläfst du eigentlich noch?‘ fragte Jeff interessiert.

‚Selten, wieso?‘

‚Wenn du so viel machst, am Wochenende an der Bar arbeitest, deine Shows machst und, und, und, bin ich ziemlich froh, dass du noch Zeit findest mit mir zu vögeln, anstatt zu schlafen.‘

‚Ich arbeite eigentlich hauptberuflich in einer gemeinnützigen Künstlerstiftung, als Mädchen für alles.‘

‚Du machst mich echt fertig, ich dachte immer mein Leben wäre stressig!‘

‚Die Kunst an meiner Arbeit ist es eigentlich, sich nicht stressen zu lassen.‘ Sie machte eine nachdenkliche Pause. ‚Bis heute hatte ich des eigentlich auch ganz gut im Griff.‘

‚Hey Süße, wir sind da!‘ Jeff unterbrach sie und parkte den Wagen.

‚Bleib sitzen, ich hab nen Regenschirm im Kofferraum.‘ Er stieg aus, nahm seinen Laptop vom Rücksitz, rannte hinters Auto, machte den Kofferraum auf, hantierte darin herum und dann kam er an die Beifahrertür und öffnete sie. ‚Milady, darf ich Euch meinen Arm anbieten?‘

‚Warum bist du so nett zu mir?‘

‚Meine Mama hat immer gesagt, ich soll meine Traumfrau immer auf Händen tragen und ihr jeden Wunsch von den Augen ablesen.‘

‚Deine Mama ist eine kluge Frau!‘ schluchzte sie.

Jeff drückte Yo den Regenschirm in die Hand, nahm sie hoch und trug sie zur Haustür. Sie weinte wieder.

Als sie endlich in der Wohnung waren, ließ er ihr eine heiße Badewanne ein. Während sie hilflos im Gang stand und ihn dabei beobachtete. Sie zog die Stiefel aus und tapste ins Bad.

‚Soll ich dir einen Tee machen, oder was zum Essen?‘ fragte Jeff und ging an ihr vorbei zur Badezimmertür.

‚Machst du mir einen Whiskey?‘ fragte sie kleinlaut und zog sich langsam aus.

Als er wieder das Badezimmer betrat, lag sie bereits in der Wanne. Er gab ihr den Whiskey, klappte den Klodeckel runter, setzte sich darauf und trank direkt aus der Flasche. Seine Hände zitterten, als er die Flasche wieder absetzte. Er rieb sich mit den Händen durchs Gesicht und seufzte laut.

‚Hey Jeff, dein Tag war heute genauso Scheiße, wie meiner?‘ flüsterte sie.

‚Naja, ich hab meinem Chef vorhin den Arsch gerettet und damit auch meinen Job, aber ansonsten war mir der Tag heute ein bisschen zu viel.‘ Er machte eine verlegene Pause. ‚Außer du. Du warst heute mein einziger Lichtblick.‘

Sie beugte sich in seine Richtung, packte seine Hand, zog ihn in Richtung Wanne und lächelte ihn an. ‚Möchtest du nicht zu mir in die Wanne kommen?‘

‚Ja, schon. Aber…!‘

‚Was aber? Du wolltest mir doch beim Abschminken helfen!‘

‚Bist du dir sicher, ich möchte dich nicht…‘ Ein nasser Schwamm landete in seinem Gesicht. Er schaute sie ernst an: ‚Okay, du hast es so gewollt!‘ Er stand auf, machte seinen Gürtel und seine Hose auf. Seine Hose rutschte zu Boden. Dann bückte er sich, zog seine Socken aus, als er sich wieder aufrichtete, wog er den Schwamm in der Hand. Er grinste dreckig. Yo quietschte, als der Schwamm in ihrem Gesicht aufschlug. Als er sein Hemd aufknöpfte landete der Schwamm erneut in seinem Gesicht. Er ließ den Schulterholster mit dem Hemd zusammen auf den Boden fallen. Mit einem dreckigen Grinsen im Gesicht schaute Yo dabei zu, wie er sich langsam seiner Unterhose entledigte. Er stieg in die Wanne und setzte sich langsam. Sie kam zu ihm rüber und legte sich in seine Arme. Er angelte nach dem Schwamm und schrubbte ihr vorsichtig über den Rücken. Sie fing leise zu Gurren an. Er küsste sie und wusch ihren ganzen Körper, bis sie wieder sauber war. Sie kraulte ihn und schnurrte vor sich hin. Er wusch ihr sogar die Haare und versuchte sie auszuspülen, ohne dass ihr die Seife in die Augen lief. Als er fertig war, meinte er leise: ‚Komm, ich bring dich ins Bett. Du bist schon ganz verschrumpelt.‘

Sie schaute auf und blickte ihn schläfrig an.

‚Okay!‘ sagte sie in einem niedlichen, zutraulichen Ton.

Er hob sie auf die Beine und duschte sie einmal kurz ab. Mit zwei Handtüchern bewaffnet, stieg er aus der Wanne. Er wickelte sich erst Eines um die Hüften, dann wickelte er sie in das Andere. Sie griff nach einem weiteren Handtuch und wickelte es sich um die nassen Haare. Er trug sie vorsichtig ins Schlafzimmer und legte sie behutsam ins Bett. Sie hielt ihn an der Hand fest, also legte er sich neben sie und zog die Bettdecke über Yo. Sie klammerte sich zitternd an seinen Körper.

‚Versprichst du mir, dass du morgen auch noch in meinen Armen liegst, wenn ich aufwachte.‘ fragte er, dabei strich er mit den Lippen über ihre rasierten Schläfen.

Sie küsste seine Hand und flüsterte. ‚Wenn du möchtest, dass ich zum Frühstück bleibe, dann bleibe ich gerne.‘

‚Das wäre mir ein echtes Anliegen. Ich weiß nicht, was ich machen würde, wenn du morgen wieder weg wärst.‘

‘Warum denn so ernst, schöner Mann?’ Teil 5

‘Warum denn so ernst, schöner Mann?’ Teil 5

Rückblende

keinenummernVor 8 Wochen:  In der nächsten Woche, brachte er erst eine Einsatzbesprechung mit dem Staatsanwalt und seinem Boss hinter sich und dann den Einsatz für diese Nacht. Er verschwand in der Nacht und kam weit nach Mitternacht auf der Party an, voller Erwartungen, aber mit gehetztem Blick. Der General begrüßte ihn mit einem Lächeln. Er hatte ihn wohl erkannt. Der General hatte heute eine russische Latexuniform an. Jeff nickte ihm zu und ging zur Bar. Yo sprang völlig nackt hinter der Bar rum, von oben bis unten golden angemalt. Nur ein Kettengürtel bedeckte sie ein Wenig. Sie blickte auf und lächelte ihn an. ‚Ein Wasser, James? Geschüttelt nicht gerührt?‘ fragte sie ihn. Er nickte. Er sah in seinem Anzug wirklich aus wie James Bond mit Glatze.

Mit einem Lächeln servierte sie ihm ein Wasser in einem Martiniglas. Sie hatte eine Olive auf einen Zahnstocher und bot sie ihm an. Er nahm sie sachte mit dem Mund auf. Der General kam an die Bar und zeigte hektisch auf seine Uhr.

‚Ja,ja! Ich geh ja schon!‘ sagte Yo, packte sich eine riesige Flasche Champanger und verschwand hinter einer Tür. Die Party wurde durch das James Bond Theme unterbrochen, die Bühne erstrahlte in gleißendem Licht. Ein großes goldenes Bett wurde auf die Bühne geschoben. Dann erklang  Shirley Basseys Goldfinger. Yo lag auf dem Bett, bedeckt von einer goldenen Seidendecke. Man konnte ihre Nippel durch den dünnen Stoff aufragen sehen. Die laszive Performance zeigte eigentlich nichts, aber die Bilder die sie den Menschen hier in die Köpfe setzte, konnte man allen an den gierigen Augen ablesen. Zum Schluss öffnete sie die Flasche Champanger zwischen ihren Beinen, den sie vorher anscheinend ordentlich geschüttelt hatte. Der Champanger ergoss sich über ihren aufgebäumten Körper und bespritze auch das Publikum. Das Lied war vorbei und das Bett wurde wieder von der Bühne gerollt. Jeff drückte sich neben der Bühne herum. Plötzlich griff ihn eine goldene Hand und zog ihn hinter den Bühnenvorhang. Yo grinste ihn an. Sie hatte ein Handtuch um ihren Körper geschlungen, die Flasche Champanger stand neben ihr.

‚Hilfst du mir beim Abschminken?‘ fragte sie, dabei drehte sie sich wie ein kleines Mädchen von einem Bein auf das Andere.

Er lächelte sie an: ‚Sehr gerne, Milady!‘ Und bot ihr seinen Arm an. Sie packte mit der anderen Hand die Flasche und führte ihn zu ihrer Garderobe und zog ihn hastig in den engen Raum. Jede Menge Kisten, Getränkekästen, Bierfässer standen herum. Hinten im Raum stand ein Baustrahler und ein Spiegel. Über einem Stuhl lagen einige Klamotten. Es war eine Abstellkammer. Sie sperrte die Tür hinter sich zu, dann ging sie zu ihm und steckte ihm den Schlüssel in die Hemdtasche. Wie auf Knopfdruck küssten sie sich. Sie zog ihm hastig das Jackett aus, darunter fand sie einen leeren Schulterholster. ‚Wo hast du deine Walter PPK versteckt, James?‘ fragte sie. Er machte seinen Gürtel und den Knopf von seiner Hose auf. ‚Ich weiß nicht!‘ Sie nahm die Einladung an, kniete sich vor ihn hin und öffnete den Reißverschluss mit den Zähnen. Seine Hose rutschte ihm bis auf die Knöchel. Sie griff ihm von oben in die Unterhose und suchte, dabei biss sie sich mädchenhaft auf die Zunge. Sein Schwanz wurde unter ihren Berührungen sofort steif.

‚Die Knarre ist aber größer als eine 9mm!‘ erklärte sie und zog ihm die Unterhose runter, sein Penis schnellte in die Höhe.

‚Die Lady kennt sich aber aus!‘ antwortete er überrascht.

‚Ich persönlich hab für die Dirty Harry Party gestimmt!‘ und nahm seinen Schwanz in den Mund.

‚Oh Babe!‘ stöhnte er nur noch.

Sie ließ abrupt seinen Schwanz los, haute ihm auf den Hintern und meinte beleidigt: ‚Don’t call me babe!‘

‚Irgendwie hab ich das Gefühl, ich hab mich grad verknallt.‘ rezitierte er.

‚Stellen Sie sich hinten an!‘ antwortete sie.

‚Barb Wire!‘ sagten Beide gleichzeitig und begannen dann schallend zu lachen.

Sie kniete noch vor ihm und lächelte ihn von unten aus an. Er kniete sich zu ihr herab und zog sie an den Unterarmen etwas hoch, um sie besser küssen zu können:

‚Yo! Du bist einfach nur der absolute Wahnsinn!‘ Dann küsste er sie auf die Stirn. ‚Danke, du aber auch!‘ sagte sie kurz und küsste ihn auf den Mund. Leidenschaftlich erwiderte er ihren Kuss. Sie knöpfte ihm das Hemd auf und verkrallte sich über seiner Hüfte. Der küsste sie und verbiss sich in ihrem Hals. Er konnte die Farbe schmecken. Sie rutschte mit dem Kopf wieder in seinen Schoß, nahm seinen prallen Schwengel in den Mund und saugte daran, seine Eier fest im Griff. Er erzitterte unter ihr. Er strich ihr über den goldenen Rücken und vergrub dann seine starken Hände in ihren Arschbacken. Irgendwann ließ sie seinen Schwanz los und leckte ihm über den Körper, zu seinen Brustwarzen, zu seinem Hals. Sie biss zu. Im gleichen Moment rückte sie näher an ihn heran und setzte sich auf seinen Schoß. Sein Ständer flutschte in sie hinein. Ohne darüber nachzudenken, setzte sie ihre Hüften in Bewegung. Er stöhnte unter ihr auf. Sie zog sich immer fester auf ihn drauf. Ihre Muskeln spielten wieder mit ihm. Er nahm sie hoch, drehte sie um und pinnte sie gegen den Stuhl. Ihre Brüste fest im Griff, schob er ihr seinen Harten von Hinten in ihre Muschi. Sie stöhnte auf, bei jedem Stoß lauter. Er nahm eine Hand und packte sie von vorne an ihrer Möse. Mit zwei Fingern zwickte er ihren Kitzler ein und trieb ihr weiter seinen prallen Schwengel in den Leib. Sie keuchte schwer unter seinen Stößen. Heute konnte er sich nicht zurück halten, er spritze mit einem lauten Schrei ab. Sie verzog keine Miene, als er seinen schlaffer werdenden Schwanz aus ihr herauszog. Sie drehte sich um und küsste ihn. Er flüsterte ihr ins Ohr. ‚Sorry, ich konnte mich nicht zurückhalten, du machst mich total….!‘ Sie unterbrach ihn, in dem sie ihre Hand auf seine Lippen legte: ‚Schschscht!‘ Dann glitt sie an ihm herab und leckte an seinem schlaffen, mit Sperma verschmierten, Penis. Sie genoss seinen Geschmack und brachte ihn innerhalb weniger Minuten wieder in die Höhe. Sie machte ihn wirklich total wahnsinnig. Dann setzte sie sich wieder auf ihn und ließ sich seinen Steifen mit einem leichten Stöhnen hinein gleiten. Mit rhythmischen Bewegungen kamen ihre Körper in Einklang. Um sie herum verschwand wirklich alles. Ihre Orgasmen ließen auch seinen Körper erbeben. Er musste nichts zurückhalten, es schien ihm so, als könne er ewig so weiter machen. Sie schrie wieder Gott an. Er küsste hart ihren Hals. Sie schwitzen Beide und die Farbe rann von ihrem Körper. Dann war es soweit. Mit einem gemeinsamen Schrei kamen sie noch einmal und er spritze nochmal ab. Zuckend und stöhnend lagen sie sich in den Armen. Als sie beide verstummt waren, hörte er sein Handy vibrieren. ‚Shit!‘ flüsterte er und kramte nach seinem Handy. Er klappte es auf und steckte den Ohrstecker seiner Freisprecheinrichtung ins Ohr. So eine Scheiße, es war die Einsatzleitung. Sie hing keuchend an seiner Brust. Er ging ans Telefon. ‚Ja!‘

‚Ich will nicht wissen, warum Sie so lange nicht ans Telefon gegangen sind. Die Verdächtigen sind in diesen neuen Club gefahren. Wir haben ihre Kollegen nicht erreichen können und Sie gehen nicht ans Handy. Wir mussten ihr Telefon anpeilen. Und was muss ich da sehen, Sie sind im selben Club, wie unsere Verdächtigen. Bewegen Sie ihren Arsch, ich bin in 15 Minuten da und erwarte dann einen vollständigen Bericht. Ist das klar.‘

‚Ja!‘ antwortete Jeff trotzig.

‚Bleiben Sie am Apparat, wir lotsen Sie!‘ Er legte einfach auf. ‚Yo, ich muss… ich muss leider weg. Tut mir leid. Ein Notfall im Büro. Mein Chef ist auf 180.‘ sagte er, als er sich langsam erhob und sie dabei auf den Stuhl setzte.

Yo schaute ihn fragend an: ‚Oh, schade.‘ Sie wirkte noch ziemlich benommen. Er zog seine Unterhose hoch und seine Hose wieder an.

‚Sorry, ich kann leider nicht bleiben und dir beim Abschminken helfen, mein Chef erschießt mich, wenn ich meinen Arsch jetzt nicht bewege.‘ bedauerte er und zog rasch sein Hemd an. ‚Darf ich dich wieder sehen? Und Wo?‘

‚Ähm, ja natürlich! Nächste Woche ist Mittelalterparty im Club. Du weiß ja wo das ist!?‘ flüsterte sie heißer.

‚Okay, ich bin da.‘ erwiderte er hastig und schlüpfte in sein Jackett. ‚Ich kann es kaum erwarten!‘ Er küsste sie, nahm den Schlüssel aus der Hemdtasche und ging zur Tür. Sein Handy vibrierte wieder, er ging ran.

‚Das Netz!‘ sagte er entschuldigend und sperrte gleichzeitig die Tür auf. Er schaute aus der Tür, nach links und nach rechts, drehte sich nochmal um und warf ihr eine Kusshand zu. ‚Sagen Sie mal, wollen Sie mich verarschen. Die Verdächtigen sind ganz in ihrer Nähe und kommen auf Sie zu. Können Sie sich verstecken.‘

Er hörte Schritte. Schnell ging er wieder in die Abstellkammer. Yo wischte sich Tränen aus den Augen. Jeff legte wieder auf und versperrte wieder die Tür hinter sich. Mit einem ‚Hey Süße, warum denn so ernst?‘ lief er zu ihr rüber und nahm sie in den Arm. ‚Da kommen Leute, die hören sich ziemlich energisch an!‘ Die Türklinke wurde heftig betätigt.

‚YO?‘ Es war der Clubbetreiber, den alle nur Boss nannten.

‚Was ist denn?‘ antwortete Yo ziemlich zickig.

‚Kann ich reinkommen?‘ fragte der Boss schon ziemlich genervt.

‚Ich hab nichts an!‘ zickte sie weiter.

‚Du hattest vorhin auch nichts an!‘ bemerkte er mit einem gereizten Unterton.

‚Du sexistisches Arschloch! Was willst du eigentlich!‘ schrie sie durch die Tür.

‚Wenn es eure Magnifizenz erlaubt. Hinter der Tür ist ein schwarzer Koffer, den bräuchte meine Wenigkeit.‘ meinte er reichlich sarkastisch.

‚Sags doch gleich!‘ Sie stand auf, hob das Handtuch auf, wickelte es sich um und ging auf die Tür zu.

‚Ich frage mich, wer hier der Boss ist, du oder ich?‘ bemerkte er schnippisch.

‚Ich frage mich, ob ich mich nochmal umsonst für deinen Club nackt in der Öffentlichkeit produzieren soll.‘ konterte sie geschickt, schloss dann die Tür auf und warf ihm den Koffer vor die Füße, den ihr Jeff gerade in die Hand gedrückt hatte. Sie knallte die Tür zu und sperrte wieder ab. Schritte entfernten sich wieder.

‚Puh, das war knapp!‘ flüsterte sie. ‚Danke für die Warnung.‘

‚Passt schon. Was meinst du, was in dem Koffer war?‘ fragte Jeff und nahm sie wieder in den Arm.

‚Das war der Koffer für die Eintrittsgelder! Und deshalb sind hier Gäste eigentlich nicht erlaubt.‘ meinte sie.

‚Du scheinst mir ganz schön zu vertrauen!‘ stellte Jeff interessiert fest.

‚Ich weiß wo du wohnst, du Spaßvogel! Und ich lass mich bestimmt nicht mehr von dir Ficken, wenn du mich bestiehlst. Ich habe meine Gage noch nicht bekommen.‘ sie beendete ihren Satz mit einem Kuss, der dann von einem Vibrieren unterbrochen wurde.

‚Das ist mein Chef, der mir jetzt bestimmt sagt, dass ich arbeitslos bin. Kann ich dich allein lassen.‘

‚Hm, ja.‘ sie machte eine verlegene Pause. ‚Magst du mir deine Nummer aufschreiben, dann kann ich dich zur Abwechslung mal anrufen.‘

Er zog einen Notizblock und einen Bleistift aus seiner Jacketttasche und kritzelte seine Nummer auf das erste Blatt.

‚Krieg ich auch deine Nummer?‘ fragte er, riss das Blatt aus dem Notizblock und gab es ihr.

‚Werden wir sehen!‘ sagte sie und küsste ihn nochmal, das Handy vibrierte immer noch.

‚Ich muss jetzt wirklich.‘ Er sperrte die Tür wieder auf, öffnete vorsichtig die Tür, lugte wieder nach links und nach rechts.

‚Lass dich nicht erwischen.‘ sagte sie, gab ihm einen Klaps auf den Arsch und schloss die Tür wieder hinter ihm.

Er ging ans Telefon: ‚Ja, ich ruf Sie gleich zurück. Ich brauch das Handy um Fotos zu machen!‘

Jeff lief vorsichtig den Gang entlang. Bis er wieder im hinteren Bühnenbereich angekommen war. Er konnte den Clubbesitzer mit seinen zwei Verdächtigen erkennen. Die Übergabe ging gerade von Statten, er hatte die Kamera bereits angeschaltet und filmte die Szene. Er betete inständig ans Universum, dass die Aufnahme was werden würde und dass ihn keiner dabei beobachtete, weil seine Dienstwaffe im Auto lag. Wenn sein Chef ihn jetzt nochmal anrufen würde, würde er zumindest gleich erschossen werden. Dann wäre es eh schon scheißegal, wenn Yo sie entdeckte und rauskriegen würde, dass er ein Bulle sei, dann würden sie eh beide erschossen werden. Es kam plötzlich ein dritter Mann hinter die Bühne. ‚Wir sollten jetzt gehen, die Party neigt sich dem Ende zu.‘ sagte er. Der Clubbesitzer führte die Männer durch den Vorhang auf die Tanzfläche. Der dritte Mann muss der Drahtzieher gewesen sein und er arbeitete als Ermittler in der internen Abteilung. In seiner Abteilung. Werner Koslowski. So ein Wichser. Jetzt wusste er endlich warum die korrupten Schweine ihnen immer einen Schritt voraus waren. Er hastete wieder in den Gang zurück und suchte den Hinterausgang.

Fortsetzung folgt…

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