Bein durch? Die Geschichte eines Holzfällers Teil 3

Bein durch? Die Geschichte eines Holzfällers Teil 3

hirschEtwas schritt auf die Lichtung. Er hielt inne und blickte nach hinten. In den letzten Sonnenstrahlen die auf die Lichtung schienen, trat ein Hirsch auf die Lichtung. Ein weißer Hirsch. Das Sonnenlicht schimmerte auf seinem Fell und es begann wieder zu schneien. Dicke Schneeflocken fielen Branu ins Gesicht, so dass er für einen Moment die Augen schließen musste. Der Zwölfender schritt erhaben auf ihn zu und nun war ihm klar, dass der Zwölfender ihn mitnehmen wollte. Der gehörnte Hirschgott war in der Gestalt des weißen Hirschen zu ihm gekommen, um ihn zu seinen Ahnen zu geleiten. Das war sein Ende, obwohl eine große Ehre mit dem Hüter des Waldes zu gehen, aber nein, er wollte noch nicht gehen. Wenn er jetzt aufgab, dann müsste er das alles hier zurücklassen. Den Wald und seine Hütte. Es war zwar nicht viel, aber das Bisschen hielt ihn noch am Leben. Er konnte noch nicht gehen. Jetzt noch nicht und wenn er auf seinem Stumpf zurück ins Dorf kriechen musste, er wollte noch nicht sterben.

In seinem Wahn könnte er das Wiehern der Pferde und die Rufe nicht mehr hören. Der weiße Hirsch trabte an ihm vorbei und Branu holte noch einmal aus und als er auf sein Bein schlagen wollte, hielt jemand seine Axt fest.

‚Wenn du das machst, werden wir nicht mehr um die Wette laufen können, wie wir es als Kinder immer getan haben.‘ raunte ihn eine Stimme von oben aus an. Er öffnete die Augen und blickte in das ernste Gesicht der Metzgerstochter. Sie zog eine Augenbraue hoch und grinste ihn grimmig an. Und irgendwas Nasses drang an sein Ohr. Doch Branu klammerte sich immer noch an seine Axt und blickte starr an ihr vorbei.

‚Lass die Axt los, bevor du dir noch ins Bein schlägst!‘ rief eine weitere Stimme. Branu zwinkerte, er schien seinen Augen nicht zu trauen, es war tatsächlich der Metzger Ulgur, der da mit ihm sprach. Er saß auf einem mächtigen Ross, dass aufgeregt zu schnauben begann. Kraftlos lies Branu die Axt los und Bruna legte sie beiseite. Dann kniete sich sich neben ihn und zog einen Handschuh aus.

‚Sperr deinen Schnabel auf, ich hab was für dich!‘ meinte sie zu ihm und entkorkte ein Fläschchen, dass sie aus ihrer Tasche gezaubert hatte. Er tat was ihm geheißen und sie goss ihm den Inhalt in den Mund. Er schmeckte grausam, aber er wagte es nicht zu würgen.

Ulgur war bereits von seinem Pferd abgestiegen und machte sich an dem Baumwipfel zu schaffen, während Bruna dem Holzfäller warme Brühe in den Mund laufen lies. Dann zog sie den zweiten Handschuh aus und griff nach seinen Fingern. Als ihre Finger die Seinen berührten, dachte er, sie würden in Flammen aufgehen. Er versuchte zu schreien, doch die Laute kamen nur als Krächzen aus seiner Kehle. Dann zog sie ihm ihre Handschuhe über seine Hände. So vorsichtig wie es ihr möglich war, berührte sie seine Nase und seine Ohren und dann erst widmete sie sich seinem Bein, oder was davon noch übrig war. Vorsichtig versuchte sie den Stofffetzen vom Bein zu ziehen. Er klebte fest. Sie zog einen Wasserschlauch von ihrem Gürtel, öffnete den Verschluss und wartete auf ein Zeichen ihres Vaters.

‚Das könnte jetzt ein bisschen Ziepen!‘ sagte sie fast beiläufig und goss den Inhalt des Wasserschlauches über sein Bein, Dampf stieg auf und der Geruch von Schnaps drang in seine Nase. Er drehte seinen Kopf auf die Seite und rang nach Luft. Schweini quietschte vor Freude und leckte ihm übers Gesicht. Das Ferkel saß schon die ganze Zeit neben seinem Kopf und hatte an seinem Ohr geleckt. Branu sah im Augenwinkel, wie der Metzgermeister seinen Gaul antrieb. Bruna goss den restlichen Inhalt des Wasserschlauches über sein Bein. Der Schmerz war unbeschreiblich und er klammerte sich kraftlos an das Schwein und wimmerte nur noch. Mit einem schlürfenden Geräusch wurde der Lumpen von der Wunde gezogen und der Baumwipfel wurde mit einem Ruck hochgezogen. Der darauffolgende Schmerz lies ihm endgültig die Sinne schwinden. Von ganz weit entfernt konnte er die Stimme der Metzgerstochter in sein Ohr säuseln hören. ‚Du wirst einen neuen Schuh brauchen!‘

Mal ganz davon abgesehen, dass die Metzgerstochter des Säuselns gar nicht fähig war, hätte er die lauten Rufe ihrerseits wohl nicht mehr gehört. Bruna packte ihn und schleifte seinen reglosen Körper ein paar Schritte von dem Baum weg. Während der Metzger den Baumwipfel wieder runter ließ, versorgte sie das Bein des Holzfällers so gut es in der Eile ging. Es war bereits Dunkel geworden, als sie ihn in größter Eile auf einer Trage nach Hoimarshold zurück brachten, wo dann einige Heiler und Feldscher sich um ihn kümmerten. Eine ganze Nacht und einen ganzen Tag waren sie bei ihm geblieben und Bruna konnte nur die Gesänge und Gebete der Heilkundigen hören, die aus ihrer Kammer drangen. Ihr Vater war wie immer mies gelaunt und er hatte ihr verboten ihre eigene Kemenate zu betreten, solange der Holzfäller in ihrem Bette lag.

Sie hatte sich auf dem Speicher ein grobes Stück Leinen in zwischen die Giebel gehängt und schlief dort, wo die geräucherten Schinken und Würsten zum Trocknen gelagert wurden. Da war es einerseits viel kühler und anderseits viel sicherer für Haus und Hof. Nur für den Fall, dass sie im Schlaf wieder Feuer fing, würde erst ihre Hängematte durchbrennen und beim Sturz auf die harten Balken des Dachbodens würde sie wahrscheinlich aufwachen.

Am frühen Abend stand Bruna draußen im Hof und brühte frisch geschlachtete Schweine mit den bloßen Händen ab, als sich jemand hinter ihr räusperte. Sie drehte sich um und einer der Heiler stand in der Tür.

‚Er ist erst mal übern Berg. Er wird Fieber kriegen. Jemand muss in der Nacht bei ihm sitzen und die kalten Wickel wechseln.‘

Ihr Vater plärrte aus der Metzgerstube: ‚Und der Jemand wirst du sein, liebe Tochter!‘

Dann kam eine Heilerin und schob sich an dem Heiler vorbei durch die Tür. ‚Gut gut, da hab ich noch ein paar Kräuter gegen Wundbrand. Da machst du einen Tee und flößt ihm den ein. Wir kommen morgen in der Früh und wechseln den Verband. Wenn er wach wird, kannst du ihm Suppe geben.‘

Dann verschwanden die beiden Heiler und ließen die verdutzte Metzgerstochter vor der offenen Tür zurück.

Fortsetzung folgt vielleicht…

Diese Geschichte basiert auf dem Hintergrund der Rauriker und den Ereignissen nach dem Imbolcfest (http://www.rauriker.de) Ähnlichkeiten von Personen im realen Leben sind völlig ausgeschlossen und somit reiner Unfug. Wir bitten um Verständnis.

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Baum durch? Die Geschichte eines Holzfällers Teil 2

Baum durch? Die Geschichte eines Holzfällers Teil 2

DACHSNebel kam auf und mit dem Nebel zog die Feuchtigkeit auch die Kälte an. Trotz des Tauwetters war es immer noch Winter und er musste zusehen, dass er heute Nacht nicht erfrieren würde. Er schlug weitere Äste vom Baum ab und legte sie unter sich. Sein Atem stieg auf und gefror in der Luft.

Er würde erfrieren wenn er sich nicht bewegte. Langsam begann er mit dem Messer auf den Stamm einzuschlagen, doch jeder Hieb auf den Stamm, trieb auch den Schmerz durch sein Bein. Er hieb solange auf den Stamm ein, wie er konnte. Seine Schreie hallten noch durch den Wald, als er schon längst ohnmächtig zusammengebrochen war.

Mitten in der Nacht wurde er wach. Vor Schmerz. Seine Sinne waren nicht ganz bei ihm, es war dunkel und ihm war eiskalt. Seine Augen suchten nach dem Stamm und dank dem Mondschein zeichneten sich langsam Umrisse seiner Umgebung ab. Zitternd versuchte er sich zu regen und dann hörte er ein schmatzendes Geräusch. Er fuhr hoch und überraschte einen Dachs, wie er sich an seinem Bein labte. Der Dachs hatte bemerkt, dass er sich regte und fauchte ihn mit gefletschten Zähnen an. Blut und Geifer rann ihm aus der grässlichen Fratze. Panisch tastete er nach seinem Messer und als der Dachs zum Angriff überging, hatte Branu ihm auch schon sein Messer durch seinen Schädel getrieben. Sein Herz sprang ihm schier aus der Brust und er sank mit dem toten Tier in den Händen wieder auf die Äste zurück, die unter seinem Gewicht laut knirschten. Der Mond spiegelte sich in den starren Augen des Tieres und Blut rann aus dem geöffneten Maul auf den Holzfäller hernieder. Es blieb ihm nichts anderes übrig, als das Blut des toten Dachs zu trinken. Das nennt man wohl ausgleichende Gerechtigkeit. Der Körper des Dachs war noch warm, doch Branu begann wieder zu frieren. Er versuchte irgendwie sein Bein wieder abzudecken, dann schlitzte er den Dachs auf und deckte sich mit ihm zu. Das Innere des Dachs stank erbärmlich, aber es half alles nichts, lieber erstunken als erfroren.

Er wurde wach, als die ersten Sonnenstrahlen den Reif auf seinem Gesicht fort schmolz. Im Halbschlaf dachte er Schweini wäre wieder da. Aber als er die Augen aufschlug, war er allein. Er lebte noch, aber der Baum lag immer noch auf seinem Bein. Auf ihm lag ein toter Dachs. Er hatte also nicht geträumt. Mit holprigen Bewegungen versuchte er den toten Dachs von ihm runter zu schieben, doch er war auf ihm festgefroren. Mit einem reißenden Geräusch trennte sich der aufgeschlitzte Körper von seinem Bauch und er warf ihn zur Seite.

Zum Aufwärmen versuchte er wieder seine Axt zu erreichen. Diesmal band er zwei Äste aneinander. Er kam ganz schön ins Schwitzen, aber nach gefühlten Stunden hatte er endlich seine Axt in Händen. Der erste Schlag auf den Baum lies ihn laut aufschreien. Und jeder Weitere schlug eine Schmerzwelle nach der Anderen durch sein Bein. Er biss aber die Zähne zusammen und drosch weiter auf den verdammten Baum ein. Seine Großmutter hatte immer zu ihm gesagt: ‚So lange du Schmerzen hast, lebst du noch!‘

Die Sonne schickte sich schon an, wieder hinter der Baumreihe zu verschwinden zu wollen und Branu war am Ende seiner Kräfte. Seine Hände waren bereits blutig, aber er musste weiter machen. Er befürchtete wenn er nur einen Moment inne hielt, würde dies sein Ende bedeuten. Unaufhörlich versuchte er weiter seine Axt durch den Stamm zu treiben. Schweiß rann ihm vom Gesicht und sein Atem war nur noch ein Keuchen. Schwindel überkam ihn und er hielt doch inne, um etwas Schnee zu essen. Der tote Dachs grinste ihn saublöd an. Er schnitt sich ein Stück von dem Fleisch ab und kaute dann auf dem gefrorenen Fleisch herum.

Mit einem grimmigen Gesichtsausdruck erhob er wieder die Axt und schlug weiter auf den Stamm ein. Er schwor sich, dass er jedes einzelne Fitzelchen von diesem Baum verbrennen würde, wenn er diesen Baum überleben sollte. Seine Schläge hämmerten unaufhörlich auf den Stamm ein, doch seine Schreie wurden immer schwächer, bis nur noch ein heiseres Krächzen aus seiner Kehle kam.

Völlig außer Puste stürzte er erschöpft in den Schnee und ging nochmal seine Möglichkeiten durch. Wenn er den Stamm nicht bezwingen konnte, dann würde er sich sein Bein abhacken müssen. Und dann würde er sich aus dem krümmen Hund ein schönes Holzbein schnitzen, aber bevor es noch soweit kam, schlug er weiter auf den Stamm ein, bis er endlich durch war. Der Baumwipfel war frei und drehte sich nach hinten. Er schrie wieder, als der Wipfel über sein Schienbein rollte und er konnte den Knochen unter dem Holz mehrmals knacken hören. Die Schmerzen waren unvorstellbar, doch ihm fehlte die Kraft und die Stimme, um seinen Schmerzen Luft zu machen. So kam nur noch ein Wimmern aus seiner Kehle. Er schöpft lies er die Axt sinken und blickte grimmig auf seinen Widersacher.

‚Entweder du oder mein Bein!‘ flüsterte er heiser, rutschte ein Wenig auf die Seite und hob die Axt. Er wählte den Baum und schlug ein ganzen Stück oberhalb weiter auf den Stamm ein. Das machte er so lange, bis seine Kräfte ihn endgültig verlassen wollten. Seine Arme zitterten und neben seinem Bein, konnte er auch seine Finger nicht mehr spüren. Er war mehr als verzweifelt. Dann wird es doch sein Bein sein. Es musste sein Bein sein. Noch konnte er zu seiner Hütte kriechen. Er zog den Gürtel noch enger um seinen Oberschenkel und machte sich bereit, sich von seinem Bein zu trennen. Er hob wieder die Axt und zauderte. Plötzlich hörte er Geräusche hinter sich.

Fortsetzung folgt in: Bein durch? Die Geschichte eines Holzfällers Teil 3

Diese Geschichte basiert auf dem Hintergrund der Rauriker und den Ereignissen nach dem Imbolcfest (http://www.rauriker.de) Ähnlichkeiten von Personen im realen Leben sind völlig ausgeschlossen und somit reiner Unfug. Wir bitten um Verständnis.

Vorsicht Baum fällt…Die Geschichte eines Holzfällers Teil 1

Vorsicht Baum fällt…

Die Geschichte eines Holzfällers Teil 1

schweiniDen Mond im Rücken ging der Holzfäller Branu der Morgenröte entgegen. Seine Axt auf der Schulter und ein trauriges Lied auf den Lippen. Die Ereignisse der letzten Tage stimmten ihn nachdenklich, aber er hatte seine Arbeit vor dem Fest quasi im Wald liegen lassen.

Er hatte schon die Baumgrenze überquert und lief einen kleinen Weg entlang, der mitten durch den Wald führte. Der Schnee war vom Tauwetter matschig und überall fielen dicke Tropfen von den Bäumen. Er rutschte einen Abhang hinunter und lief eine ganze Weile den Bach entlang, bis ihm gewahr wurde, dass ihn jemand verfolgte. Er drehte sich um und sah, wie ein kleines Etwas durch den matschigen Schnee auf ihn zu lief. Es war Schweini.

Erst als das völlig verdreckte Ferkel ihm gegen die Beine sprang, begriff er, dass das Schwein den ganzen Weg vom Dorf bis hier her gelaufen sein musste und obwohl es noch so klein war, hatte es tapfer durchgehalten.

‚Na, Schweini!‘ meinte er und hob es hoch. Schneematsch tropfte vom Körper des Ferkels und es zitterte, wohl mehr vor Aufregung, als vor Kälte. ‚Ist was passiert mit deinem Frauchen, oder hast du jetzt einen Narren an mir gefressen?‘

Das Schwein leckte über seine Hand und das war ihm Antwort genug. Er schüttelte es ein Wenig, damit der größte Dreck vom Schwein herunter fiel und klemmte es sich dann unter den Arm und lief beschwingt weiter.

Es war ein ganz schönes Stück bis zu seiner Hütte, aber mit dem Schwein war der Weg nicht ganz so eintönig. Sie kreuzten den Bach und liefen tiefer in den Wald hinein, bis sie zur Mittagsstunde an der Holzfällerhütte ankamen. Sein Zugochse stand im Gatter und glotzte ihn blöde an.

Er öffnete die Hütte, machte Feuer und gab dem Schwein ein paar Eicheln zum Fressen. Dann machten sie sich auf, zu der Stelle, wo er vor ein paar Tagen noch am Brennholz schlagen war.

Eine Fichte lag quer über einer Lichtung und einige Stämme lagen aufgereiht am Wegesrand. Er war vor dem Fest nicht damit fertig geworden. Beim Ausasteln lief das Schwein um ihn herum und freute sich um die vielen Tannenzapfen, die kreuz und quer auf der Lichtung verstreut waren. Das Schwein war ziemlich schlau, es trug alle Zapfen und kleine Äste auf einem Haufen zusammen.

Morgen würde er die Stämme mit seinem Ochsen ins Dorf bringen. Bis dahin sollte er sich auch überlegen, ob er nun bei der Metzgerei Ulgur aushelfen wollte, oder ob er es lieber bleiben lassen sollte.

Nachdenklich lief er zu einer Kiefer, die ganz schön krumm gewachsen war und quer im Wald stand. Den Baum wollte er schon lange mal fällen, weil der krumme Hund alle anderen Bäume am Wachsen hinderte.

Zum Verbrennen war er zu schade, aber zum Verarbeiten war er zu krumm gewachsen. Irgendwas würde ihm dann schon einfallen, wenn er den erst mal bezwungen und zu seiner Hütte gebracht hatte.

Der zähe Hund verlangte ihm alles ab und kurz bevor der Baum fallen würde, vergewisserte er sich, dass das Schwein in Sicherheit war. War es nicht, deswegen lief er los und wollte es außer Reichweite bringen. Er hatte den Wind noch im Nacken gespürt und da vernahm er das Krachen. Hastig blickte er sich um und sah wie der Baum sich neigte und zu fallen drohte. Er packte das Schwein und lief in die andere Richtung davon. In ausreichender Entfernung, so dachte er, hielt er inne und blickte sich noch mal um. Der Baum hatte sich gedreht und fiel in seine Richtung. Hecktisch stürzte er zur Seite, blieb an einer Wurzel hängen, die im Schnee nicht zu sehen war und fiel in den Matsch. Er konnte gerade noch das Schwein von sich schleudern und dann begruben ihn die verdrehten Äste seines Widersachers. Die Wintervögel flatterten aufgescheucht über die Baumwipfel davon. Ein dumpfer Schlag gefolgt von einem unsäglichen Schmerz, ließen ihm die Sinne schwinden.

Er wurde erst wieder wach, als er das Schwein aufgeregt Grunzen hörte. Es leckte ihm übers Gesicht. Er öffnete die Augen und sah nur die Schweineschnauze und die Zunge, die ihm quer übers Gesicht schlabberte. Benommen griff er nach dem Schwein und drückte es an sich, dann versuchte er aufzustehen und da war wieder dieser Schmerz. Der Versuch sich aufzusetzen wurde von den Ästen verhindert und die Nadeln stachen in sein Gesicht. Und nachdem er sein Bein beim Sturz auch noch verdreht hatte, lies er zuerst das Schwein los und dann versuchte er seinen Körper zu drehen und sich aufzusetzen. Er schrie vor Schmerz, sein Bein war von dem Baumstamm begraben worden. Diese alte, knorrige Kiefer hatte ihre Windungen tief in die Erde gegraben und irgendwo darunter war sein Bein, dass er vom Knie abwärts kaum noch spürte. Und da wo mal sein Bein gewesen war, waren nur noch unvorstellbare Schmerzen. Als ihm seine ausweglose Lage vollends gewahr wurde, rief er nach dem Schwein, dass immer noch folgsam neben ihm ausgeharrt hatte.

‚Schweini, such meine Axt, bring mir meine Axt! Los such die Axt!‘

Das Schwein lief los und er konnte es am Boden schnuppern hören. Er war sich nicht ganz sicher, ob das Schwein wusste, dass es kein Hund war. Durch die Äste hindurch konnte er eine gewaltige Blutlache im Schnee erkennen. Er zog seinen Gürtel aus und band sich unter starken Schmerzen das Bein am Oberschenkel ab. Erschöpft blieb er liegen, bis er wieder das Schwein in seiner Nähe hörte, wie es etwas Schweres über den Boden zog. Er versuchte seinen Kopf nach dem Geräusch zu drehen und sah, wie das Schwein sich unweit von ihm mit der Axt abkämpfte und irgendwann erschöpft in einem Schneehaufen liegen bliebt.

Er versuchte es zu rufen, aber das blöde Schwein reagierte nicht mehr. Er rief aus Leibeskräften, aber das Schwein lag regungslos im kalten Schnee. Die Metzgerstochter würde ihn umbringen, wenn ihr Schwein tot wäre, aber er würde auch sterben, wenn er hier nicht fortkommen würde.

In seiner Not, bewarf er das Schwein mit Tannenzapfen. Keine Reaktion. Und als er nichts mehr zu werfen hatte, warf er mit Schneebällen, bis er wieder vor Erschöpfung inne hielt. Plötzlich sprang das Schwein auf, lief zu dem Holzfäller hinüber und leckte wieder an ihm.

‚Schweini, lauf zu deinem Frauchen und hol Hilfe!‘ keuchte er und das Schwein schaute ihn nur verständnislos an. ‚Lauf nach Hause. Lauf zu Bruna. Los, hol Hilfe!‘ krächzte er und die Verzweiflung in seiner Stimme bewegte das Schwein tatsächlich fortzulaufen und er hoffte inständig, dass es ihn verstanden hätte.

Völlig außer Atem legte er seinen Kopf wieder in den Schneematsch und sah seine Axt in der Sonne blitzen. So weit war sie gar nicht mehr von ihm entfernt. Er kramte nach seinem Seil, dass er für gewöhnlich immer am Gürtel trug. Er musste es in der Hast vom Gürtel gezogen haben, als er sein Bein abgebunden hatte. Das Seil lag unter ihm und er fand auch noch sein Brotzeitmesser. Er packte das Messer und schlug damit ein paar Zweige ab, die ihm im Weg waren. Als kleine Anmerkung, sein Brotzeitmesser war größer noch, als so manches Kurzschwert. Und wenn er seine Axt nicht erreichen konnte, dann würde er sich eben frei schnitzen. Jetzt hieß es er oder der Baum.

Er versuchte die losen Äste unter sich zu schieben, dass er einerseits nicht weiter im Nassen lag und anderseits sich besser abstützen konnte.

Ein Blick auf sein Bein erinnerte ihn an die arme Sau, die er gestern noch auf dem Tisch des Metzgers gesehen hatte. Er riss sich ein Stück seiner Tunika ab und versuchte das Bein so gut es ging abzudecken, damit nicht noch mehr Dreck in die Wunde fiel.

Über sich konnte er drei Raben kreisen sehen. In seiner Lage konnte es nur ein schlechtes Omen sein, auch wenn die alten Weiber immer sagten, dass wenn man einen Raben sieht, es etwas Schlimmes bedeutet und bei zwei Raben würde einem was Gutes widerfahren. Aber von drei Raben haben sie nie gesprochen. Während er über die Raben nachdachte, aß er Schnee und überlegte dann wie er an seine Axt gelangen konnte.

Er band eine Astgabel an das Seil und versuchte sein Glück. Es dämmerte bereits, als er erschöpft zusammenbrach. Und die Axt lag immer noch an Ort und Stelle.

Fortsetzung folgt in: Baum durch? Die Geschichte eines Holzfällers Teil 2

Diese Geschichte basiert auf dem Hintergrund der Rauriker und den Ereignissen nach dem Imbolcfest (http://www.rauriker.de) Ähnlichkeiten von Personen im realen Leben sind völlig ausgeschlossen und somit reiner Unfug. Wir bitten um Verständnis.

Das Tagebuch einer Metzgerstochter Teil 5

Fortsetzung:

brunaBeim Heimweg Richtung Hoimarshold überlegte ich mir was ich mit meiner feurigen Gabe alles anstellen könnte. Dabei fiel mir auf, dass ich meinen eigentlichen Beruf nicht mehr ausüben würde können, wenn alles unter meinen Händen verbrennt, was ich berühre. Das macht sich nicht gut, wenn das Vieh noch nicht tot, ausgenommen und abgehangen ist, bevor es aufs Feuer kommt. Aber das Abbrühen von Schweinen wird uns in Zukunft einfacher fallen.

Habe mir auch überlegt, eine Taverne zu eröffnen und kurz und heiß Gebratenes anzubieten. Als wir wieder in Hoimerhold waren, ging ich erst mal zu meinem Vater und begrüßte Schweini. Ich schrieb ja schon, dass es allen gut ginge. Kleine Anmerkung, auch wenn dieses blöde Schwein gerade mit dem Holzfäller durchgebrannt ist. Aber dazu später mehr.

Nach dem Essen bei der guten Paigi mussten wir auch schon wieder los, an den kältesten Ort. Ich zog mich aus reiner Gewohnheit ziemlich warm an. Beim Weg an den kältesten Ort begleitete uns der Holzfäller Branu, mit dem ich übrigens noch ein ernstes Wörtchen zu reden habe…

Ich hatte eine seltsame Vision, als ich an einem umgestürzten Baum vorbei lief, ich stolperte und fiel hin. Ich dachte die Wurzeln hätten sich bewegt und ich sah mehrere fleischige Zungen, die heraus wuchsen…ein Geruch von Erdbeeren kroch mir in die Nase… Ich schüttelte meinen Kopf und mir wurde gewahr, dass ich vor einer riesigen Wurzel lag, die von den Priestern als Opferstätte benutzt wurde.

Ich glaubte mein Verstand würde wieder mit mir durchgehen. Wir gingen weiter und die Eiswendols waren wieder da. Ich machte mir wieder einen Spaß daraus, mich auf sie zu werfen. Ich wurde schwer verletzt, aber nachdem ich Eine der Letzten war, die noch stand, zwang ich mich dazu weiterzukämpfen. Die Wunden brannten und irgendwann ging ich in die Knie.

Die Nordfrau, die mich heilte war reichlich verwirrt, als sie sah, dass meine Wunden bereits ausgebrannt waren. Sie erzählte mir auch Einiges, was mich sehr nachdenklich stimmte. Sie meinte, wenn ich einem Manne zu Nahe käme, dass er durch meine Hitze unfruchtbar werden könne. Ich glaubte ihr erst nicht, aber beschäftigen tut es mich doch.

Wieder zurück in Hoimarshold versuchten wir einen Eisblock zu schmelzen. Dabei hab ich Feuer gemacht. Ich hab Feuer gemacht! Gut, ein Schluck vom dem unaussprechlichen Rachenputzer, der Schnaps der meinen Großvater ins Grab brachte, hat sein Nötigstes dazu beigetragen. Dabei habe ich dem Zwerg seinen Bart versenkt. Was mir einerseits furchtbar peinlich ist, aber andererseits kann ich das Feuer irgendwie noch nicht richtig beherrschen. Aber wer kann das schon. Aller Anfang ist schwer. Zumindest hab ich das Feuer schon mal zum Lodern gebracht.

Ich hoffe nur inständig, dass der Bart wieder nachwächst und dass die werte Rigani ihren Zwerg immer noch will. Ich werde einen unaussprechlichen Met ansetzen und ihm bei Gelegenheit eine Kostprobe davon geben.

In der Nacht sollten die Imbolcfestlichkeiten ihren Höhepunkt erreichen, aber davon bekam ich schon nichts mehr mit. Mein dunkler Begleiter hatte mich wieder übermannt und ich war nicht mehr ich selbst. Die Kälte war wieder da, doch in meinem Herzen glühte eine ungeheure Macht.

Reglos kniete ich im Schnee und lauschte. Nichts regte sich in mir. Die Kälte ging mir durch Mark und Bein. Mein Atem zeichnete merkwürdige Bilder in die Nacht. Die Dunkelheit begann mich zu umfangen und der Frost hielt immer noch alles fest im Griff. Irgendwas tief in mir flüsterte mir zu, dass sich die Strapazen dieses Tages gelohnt haben mussten, aber doch zitterte ich am ganzen Körper.

Ich konnte eine Stimme hören, ein Gebet wurde in den Nachthimmel geschickt. Ich hatte das Gefühl nicht allein zu sein. Mein dunkler Begleiter hielt mich an der Hand und entzündete das Feuer in mir. Es loderte in mir hoch. Doch ich stand still da und lies es brennen. Um mich herum schien alles in Bewegung zu sein. Schwindelerregend drehte sich alles um mich herum. Nur ich nicht. Ich stand starr und still da und verharrte wie gelähmt, unfähig mich zu bewegen, bereit vom Feuer verzehrt zu werden.

koerperfeu3Ein Feuerkreis loderte um mich herum und mit dem Feuer stieg die Hitze um mich auf. Das Feuer tanzte um mich herum. Die Stimme drang zurück in mein Ohr. Stimmengewirr. Jemand sprach eindringlich zu den Göttern. Ein Summen. Die gesprochenen Worte wurden vom kalten Wind über den Schnee getragen. Gewaltige Trommelschläge ließen mein Herz erbeben. Die Worte verloren sich in der Nacht, nur die Melodie drang tief in mein Herz. In diesem Moment wurde mir bewusst, dass ich mich um mich selbst bewegte und alles andere um mich herum still stand. feurseilDas Feuer tanzte um mich herum, weil ich damit spielte. Nein. Das Feuer spielte mit mir und es nahm mich in Besitz und machte mich ihm Untertan. Ich kämpfte mich frei. Es würde bei einem Versuch bleiben. Die Flammen umfingen mich und holten mich zurück in den Brennpunkt. Ich bäumte mich noch einmal auf, ein letztes Ankämpfen gegen die Hitze und das Feuer. Die Flammen explodierten auf meinem Körper und dann stand ich still. Die Flammen gingen zurück, so wie sie gekommen waren. Alles war dunkel. Ich stand schweißgebadet in mitten einer Menschenmenge, die sich langsam auflöste. Der Schweiß gefror auf meiner Haut und meine Nackenhaare stellten sich ein letztes Mal auf, bevor sie erstarrten. Die Nacht umfing mich nun voll und ganz. Ich konnte die Worte nicht mehr hören, aber in meinem Herzen hallten sie für immer nach.

Das Feuer beherrscht mich noch immer, auch wenn es längst erloschen scheint.

Ich komme nicht davon los, bin aber doch frei. Frei, wie der Wind.

Doch werde ich mich wieder in die Fänge des Feuers begeben, wenn die Dämmerung über den Tag hereinbricht. Nachts ruft das Feuer wieder nach mir. Es verlangt nach seinem Tribut und ich gebe mich untertänigst dem Verlangen hin. Und ich entzünde wieder die Flammen, um allen zu zeigen, wie es in mir brennt.

Diese Geschichte basiert auf dem Hintergrund der Rauriker und den Ereignissen zum Imbolcfest (http://www.rauriker.de) Ähnlichkeiten von Personen im realen Leben sind völlig ausgeschlossen und somit reiner Unfug. Wir bitten um Verständnis.

Das Tagebuch einer Metzgerstochter Teil 4

Liebes Tagebuch,

brunaes tut mir leid, ich muss wohl länger geschlafen haben, deswegen konnte ich leider meine Geschichte nicht vollenden. Warum schmerzt immer mein Schädel, wenn ich erwache? Es könnte daran liegen, dass ich am Imbolcfesttag des Öfteren einen Knüppel über den Schädel gezogen bekommen habe. Nur weil ich eine Blankarderin bin, heißt es noch lange nicht, dass mein Schädel mehr aushält. Ich bin schon entstellt genug, mir langt es, ich werde jede weitere Beule unaussprechlich rächen.

Kaum bin ich ein paar Stunden wach, steigt die Wut wieder in mir auf. Und Glück haben die, die so schlau waren, mich von hinten niederzuschlagen, damit ich sie nicht erkenne.

Zurück zum Imbolcfest:

Mein Kopf tat weh, als ich wieder erwachte und wieder versuchte ich zu fliehen. In meiner Wut über die unfreundliche Behandlung meiner eigenen Sippschaft muss ich ein paar freundliche Watschen verteilt haben. Aber es war aber auch eine Zumutung. Wie lange wohnt meine Familie schon in Hoimarshold? Und als ob nicht genug merkwürdige Vögel hier ein und aus gehen würden. Ich muss mich beruhigen, die Wut kocht wieder in mir hoch.

Ich glaube sogar, dass ich Grimmar einen Schwinger verpasst haben muss, weil anders kann ich es mir nicht erklären, als ich mit meinem eigenen Augen sah, wie er fort geschleudert wurde. Die Widukin halten aber auch nichts aus, aber fliegen können sie verdammt gut.

Dann versuchten sie mich zu fesseln, was auch misslang, hätte mich ja schlecht selber fesseln können. Ich hab ja keine Ahnung vom Kriegshandwerk, aber selbst meine Großmutter hätte mich erstens besser bewacht und zweitens besser gefesselt. Aber nachdem sie schon lange bei den Ahnen ist…

Ein fremder Priester hat mir dann eine Kette anlegte, die wohl mit dem Wasser gesegnet wurde. So genau habe ich das nicht verstanden, aber ich kühlte mich Zusehens ab und mein Verstand schien zumindest zeitweise wieder bei mir zu sein.

Der Erste von meinen Leuten, der mit mir sprach, war Ramgar. Ein ernstes Wörtchen sogar. Aber er faselte auch seltsames Zeug von den Göttern, immer wenn er mich berührte.

Über die restlichen Unfreundlichkeiten meiner eigenen Leute und die der Gäste schweige ich mich an dieser Stelle besser aus, dass werde ich an geeigneter Stelle nochmal persönlich zur Sprache bringen.

Ramgar bat mich mit ihnen in den Wald zu gehen. Ich wollte aber nicht gefesselt mit ihm gehen und nicht ohne meine Axt und vor allem nicht ohne meine Mütze. Außerdem verlangte ich nach einem großen Fransen Rindfleisch, dass man mir in einer Pfanne zubereiten sollte. Ihm war nur die Gesundheit der Ferkel wichtig. So kamen wir überein und sie nahmen mir die Fesseln und gaben mir meine Axt und schlussendlich meine Mütze.

Kungard führte uns in den Wald, ein Wunder dass wir dort ankamen, wo wir hin wollten. Kungard verläuft sich sogar in Hoimarshold. Mein Hunger wurde immer unerträglicher und der Fransen Rindfleisch wurde immer größer, den mir Ramgar im Übrigen bis heute schuldig geblieben ist.

Das Einzige was mir bei dem ganzen Getuschel der Mitreisenden ausgefallen ist, dass ich öfter so Halbsätze hörte, wie: ‚…Von Teutates geküsst!‘ und ‚ …Von den Göttern gesegnet!‘ Wie gesagt, viele merkwürdige Vögel gehen heutzutage ein und aus in Hoimarshold. Aber was und vor allem wen sie damit gemeint haben, sollte mir erst später aufgehen. Und zwar mit einem gewaltigen Lichtlein.

Vorher verlangten sie aber von mir, dass ich meine nackte Hand auf ihre Wunden legen sollte. Warum hat mir auch niemand erklärt. Aber ich tat was man von mir verlangten und Ramgars Schulden bei mir wurden immer größer und größer. Eigentlich kann er mir gleich eine lebendige Kuh geben, ich schneide mir dann die richtigen Teile raus.

Mit meinen Gedanken war ich eher in der Metzgerstube, bei den ganzen Köstlichkeiten, die dort abhängten, als meine Hand zu brennen begann. Huch und wir wurden wieder angegriffen.

Langsam begriff ich, dass ich mit meinem inneren Feuer gegen unsere Angreifer wirklich was bewirken konnte. Ich wusste gar nicht, dass die Wendols schmelzen, wenn sie von einer Metzgerstochter getroffen werden. Hm. Und was ich bis jetzt nicht verstanden habe, warum die Wendols so blass waren. Nicht dass das arbeitsscheue Gesindel dafür bekannt wäre, sich länger als nötig in der prallen Sonne aufzuhalten. Aber sie sahen aus wie gefrorenes Fleisch. Mir wird schon wieder so warm, wenn ich nur daran denke.

Ich muss wieder ziemlich abwesend gewesen sein, weil ich irgendwie nicht verstanden habe, warum wir immer wieder mitten auf einer Lichtung halt machen mussten. Völlig ohne Deckung, aber ich hab von dem Kriegshandwerk eh keine Ahnung, deswegen übte ich mich weiter in, Gegner mit mir selbst zu bewerfen.

Irgendwann kamen wir zu einer roten Rose, die mitten im Schnee zu wachsen schien. Wenn man an ihr vorüber ging, dann erlitt man unsägliche Schmerzen, was ich am eigenen Leib schmerzlich erfahren musste. Ich hätte doch besser aufpassen sollen, was dieser alte, nuschelnde Knilch gefaselt hatte, von dem ich bis jetzt nichts erzählte, weil ich ihn eh nicht verstanden hatte.

Wieder standen wir nutzlos in der Gegend rum. Mir war nicht kalt, aber die Anderen bibberten vor sich hin. Während die Priester und Druiden an der Rose herumwirtschafteten, versuchte ich die Eiswendols dazu zu überreden, mir die Hand zu geben. Aber sie konnten wohl ihren gefrorenen Ohren nicht trauen. Hätte zu gerne gewusst, ob ich Einen mit meinem Händedruck zum Schmelzen gebracht hätte.

Wir konnten weiter gehen und kamen zu einem mächtigen Steinkreis. Ich fand es an diesem Ort unbeschreiblich gut, so gut dass sogar meine Schuhe anfingen zu qualmen.

Dann wurde ich wieder herumkommandiert, diesmal sollte ich Steine anfassen. Die Steine waren aber alle ziemlich kalt und irgendwie gar nicht so gut, wie da wo ich zuvor gestanden hatte.

Ramgar machte ein großes Palaver und ich sollte dabei einen der großen Steine berühren. Dabei wurden wir angegriffen und von einer Eisklinge getroffen sank ich vor dem Stein in den Schnee. Am Ende ging uns allen ein Licht auf und vor allem mir.

Ein Wesen aus Feuer kam in unsere Gefilde und sprach mit Ramgar, ja und am Ende auch mit mir. Ich musste mich vor die allerleuchtende, lebendige Fackel knien, am Anfang war ich sehr skeptisch, aber dann blickte ich das Feuer ehrerbietig an.

Er sprach zu mir, aber ich verstand kein Wort, bis er meine Brust berührte. Das Feuer brannte mir bis ins Herz und ich stolperte zurück. Dann kam der Schmerz.

Als ich meine Augen wieder öffnete, lag ich mit dem Gesicht im Schnee. Das wandelnde Feuer war verschwunden, doch ein Teil von ihm war in meinem Herzen und sein Handabdruck war auf meiner Brust eingebrannt.

Jetzt wird keiner mehr denken, dass ich noch unberührt bin. Er hatte mir zu verstehen gegeben, dass ich dass Feuer in mir nun beherrschen könne. Aber er sagte mir nicht wie?

Diese Geschichte basiert auf dem Hintergrund der Rauriker und den Ereignissen zum Imbolcfest (http://www.rauriker.de) Ähnlichkeiten von Personen im realen Leben sind völlig ausgeschlossen und somit reiner Unfug. Wir bitten um Verständnis.

Das Tagebuch einer Metzgerstochter Teil 3

bruna

Nachtrag

Nun hab ich sie endlich wieder alle beisammen. Mein Tagebuch ist heil zu mir zurückgekehrt, mein Vater lebt, mehr schlecht als recht, aber er lebt und mein Schweini wurde noch nicht geschlachtet. Und wehe dem, der es versuchen will. Der muss erst mal an mir vorbei.

Nun zu mir. Ich kann mich an vieles nicht mehr erinnern, was seit dem Yulfest geschehen ist. Nur die Narben in meinem Gesicht zeugen noch davon, was in der längsten Nacht des Winters geschehen war.

Während um mich herum das Leben zum Stillstand verdammt war, denn der Frost zog immer noch unerbittlich übers Land, loderte immer noch die Flammen des Hasses und der Wut in mir. Wie ein dunkler Begleiter verfolgte er mich auf Schritt und Tritt. Obwohl die Tage wieder länger werden sollten, hatte man das dumpfe Gefühl, dass sich die Sonne nur noch ungern blicken lässt. Der Hochnebel versperrte ihr die Sicht und so scheint es, dass sie uns nun völlig vergessen hat.

Ohne meine Schweine hatte ich jedlichen Bezug zur Wirklichkeit verloren und strich ziellos durch die Wälder meiner Heimat. Hinter mir stieg der Rauch auf und meine Fußabdrücke schmolzen sich in den tiefen Schnee. Immer wieder tauchte ich ab in die Traumwelt meiner Ahnen. Ich wandelte zwischen den Welten. Zwischen Feuer und Eis. Mein düsterer Begleiter immer in meinen Hacken.

Als ich irgendwann wieder halbwegs bei Sinnen war, wurde es mir Gewahr, dass ich nicht nur meinen dunklen Verfolger zu haben schien. Nein, da war noch was anderes im Wald, was sich an meine Fersen geheftet hatte. Mein Atem gefror. Ich hörte ein Knacken hinter mir und da standen sie. Ich kam gar nicht mehr zum Zählen, da griffen sie mich schon an. Ich wehrte mich nach Leibeskräften und versuchte einen Angreifer nach dem Anderen abzuwehren. Bis ich eine meiner Äxte verlor. Ich schrie vor Angst und vor Schmerz, als ihre eisigen Klingen sich durch mein Fleisch bohrten. Ich ging zu Boden und als ich mich noch mal aufbäumen wollte, brach wieder etwas aus mir heraus. Bloß diesmal schien ich in Flammen zu stehen. Aber mein Fleisch verbrannte diesmal nicht. Mein Geist wandelte durch eine Wand aus Eis und Nebel und lies meinen Körper blutend im Schnee zurück. Im Traum stieß ich mit meinem dunklen Begleiter zusammen und er stahl meine Mütze.

Ich erwachte erst wieder, als die Sonne mich wach kitzelte. Ich lag in einer Lache von Blut und Eis. Meine Mütze war verschwunden, aber ich lebte noch. Ich kroch mehr, als dass ich lief, in Richtung meiner Höhle. Dabei musste ich wohl die Orientierung verloren haben. Meine Sinne schwanden immer wieder. Mit zitternden Finger versuchte ich mir meine Beinwunde zu verbinden. Auch meine Hand blutete. Rauch stieg mir wieder in die Nase. Ich kroch über Schnee und Eis, aber doch brannte meine Hand wie ein Leuchtfeuer der Sonne entgegen.

brunaIrgendwann konnte ich Stimmen hören, ganz nah bei mir. Und Kampfeslärm. Plötzlich wurde mein Körper in die Höhe gerissen und ich wurde heftig durch gerüttelt. Ich hatte das Gefühl, als wäre man mir wohlgesonnen, bis ich einen Abhang hinunter gestoßen wurde. Nachdem mein Geist immer wieder zwischen den Träumen und der Wirklichkeit hin und her schwappte, vermag ich nicht zu sagen, wie ich nach Hoimarshold gebracht wurde. Ich erwachte erst wieder, als mir gewahr wurde, dass sich zwei Fremde über mich gebeugt hatten und einer der Beiden hatte meine Hand unter seinen Rock geschoben.

Ich fuhr auf und verpasste ihm einen Schwinger, dass es ihn gleich vom Stuhl fegte.

‚Nicht ohne meine Zustimmung!‘ muss ich geschrien haben. Meine Sinnen schwanden wieder. Ich erwachte wieder und hatte das Gefühl, dass die Stimmung in Hoimarshold sich gegen mich gewandt hatte. Ich passte einen günstigen Augenblick ab, schnappte mir eine Waffe, die unachtsam neben mir abgelegt wurde, und ein kleines Ferkel und lief nach draußen. Dort kam ich aber nie an…

Diese Geschichte basiert auf dem Hintergrund der Rauriker und den Ereignissen zwischen Samhain und Imbolc (http://www.rauriker.de) Ähnlichkeiten von Personen im realen Leben sind völlig ausgeschlossen und somit reiner Unfug. Wir bitten um Verständnis.

Das Tagebuch einer Metzgerstochter Teil 2

brunaAuf einer alten Kuhhaut mit Schweineblut geschrieben, konnte man folgende Worte entziffern:

Seit dem ich mein Tagebuch verlor, brennt es mir in den Fingern, meine Gedanken aufzuschreiben. Aber um so mehr ich wieder bei Sinnen bin und um so mehr Zeichen ich in die alte Kuhhaut ritze, um so mehr verirrt sich mein Geist. Ich verliere mich in den Worten, wie ich mich zuvor in den Träumen verlor. Die letzten zwei Monde haben mich um Jahre altern lassen. Und es scheint mir Jahre her zu sein, dass mein jugendlichen Leichtsinn meinem Vater ein Lächeln aufs Gesicht zauberte. Mit diesen Träumen habe ich das verloren, was mich mit meinem Vater verband und lies mich den Schritt über eine Schwelle gehen, die ich lieber nicht übertreten hätte. Das Feuer in mir begann zu lodern, die Wut brannte ohne Grund, sie zerfraß mich von innen heraus. Es steckt wohl doch mehr von meiner Mutter in mir, wie überhaupt sich irgendeiner gedacht hatte. Ob mein Vater lebt oder tot ist, kann ich nicht sagen. Doch kann ich das Licht in seiner Kammer sehen, wenn ich im Schutze der Dunkelheit am Waldrand stehe, um rüber zu sehen zu den warmen Herdfeuern von Hoimarshold. Ich bete jeden Tag und jede Nacht, dass meine Raserei ihn nicht zu Tode erschreckte und ich hoffe inständig, dass er wohl auf ist.

Nun war ich tatsächlich zwei Monde im Wald. Doch mein Geist reiste durch den Nebel der Vergangenheit. Ich blickte durch die Augen meiner Ahnen und ich sah großen Schrecken und unendliches Leid. Ich sah die großen Kämpfe der Vergangenheit. Ich sah Feuer und Blut und wie die Feinde sich in den Kadavern meiner Ahnen suhlten. Ich sah Nebel, Schnee und Eis. Aber ich sah auch Licht, es loderte so hell, dass man meinen hätt‘ können, dass der ganze Wald brennen würde.

Doch im Rauch und Nebel wartete das Unheil, was mir die Nackenhaare ausstellen lässt. Das was einst die Bache ausgeweidet hatte. Und schon seit je her sein Unwesen in diesen Wälder trieb und bis heute allgegenwärtig ist. Die Ordnung scheint aus ihren Fugen gerissen worden zu sein. Nicht nur die Ordnung in mir, nein das ganze Land scheint in Schnee und Eis festgefroren zu sein. Die Nächte werden immer Kälter und mir ist schon ein Ferkel nachts erfroren. Einfach so. Aber das war eh so mager, es wär eh nicht durch den Winter gekommen, selbst wenn es ein Milder gewesen wäre.

In der Yulnacht habe ich mich entschieden meine Schweine heimlich nach Hoimarshold zu bringen, damit die Ferkel nicht erfrieren und damit meine Leut was zum Fressen ham. Selbst Schweini brachte ich ins Gatter meines Vaters. Ungern lies ich es zurück. Aber in meinem Herzen lodert etwas Grausames, was ich nicht zu beschreiben vermag. Ich träumte wieder von meiner Mutter. Ich sah wie sie im blutigen Schnee lag. Im Traum lief ich zu ihrem reglosen Körper und da riss sie die Augen auf. Sie waren schal und leer und das Blaue ihrer Augen war zu einem Eisbrocken gefroren. Ihre Haut war bleicht und kalt, das Feuer in ihrem Herzen war erloschen. Plötzlich kam ein schreckliches Geräusch aus ihrer Kehle, sie riss die Arme hoch und begann mich zu würgen. Ihre eiskalten Finger umfingen meinem Hals und drückten unerbittlich zu. Ich riss mich los und rannte los. Aus dem Traum gerissen und dem Wahnsinn anheim fallend lief ich weiter noch, als mich meine Füße hätten tragen können. Tränen liefen mir übers Gesicht, die sofort gefroren. Die Trauer trieb mich wieder fort vom Ort der Vergangenheit und hinein in den Wald. Doch ihr Blut und die kalten Augen hatten sich in meinem inneren Auge fest gebrannt. Irgendwann fand ich mich wieder, tief im Wald. Ich schrie und weinte. Meine Sinne schwanden immer wieder und irgendwann durchbrach der Schmerz aus meinem Herzen und der Baum an dem ich erschöpft zusammengebrochen war, ging in Flammen auf. Vor Schreck wich ich zurück, doch das Feuer breitete sich rasend schnell aus, bis der Baum brennend zu Boden stürzte und auf den nebenstehenden Baum fiel, der auch sofort in Flammen aufging.

Ich stand wie gebannt in mitten brennender Bäume und konnte es kaum fassen, dass bei so einer Kälte überhaupt ein Ästlein hätte brennen können.

Ich muss nicht ganz bei mir gewesen sein, denn das Feuer hatte mich umkreist und ich war gefangen. Die Angst packte mich und ich versuchte zu entkommen. Die Hitze schlug mir ins Gesicht und versenkte mein Haar. Ich bekam kaum Luft, ich dachte ich würde ersticken. Ich kroch auf allen Vieren vorwärts. Die brennende Luft schnürte bei jedem Atemzug meinen Brustkorb ein. Ein brennender Ast traf mich am Kopf und warf mich gänzlich zu Boden.

Als ich am nächsten Morgen erwachte, stieg mir der Dampf verbrannten Haares und Fleisches in die Nase, meine Haare waren verbrannt und mein Gesicht schmerzte. Meine Hände rauchten, aber ich lebte. Ich setzte mich auf und blickte mich um. Neun Baumstümpfe kohlten noch, der Schnee war schwarz von der Asche und der Rauch stieg immer noch gen Himmel. Doch da oben, hinter dem Hochnebel war die Sonne und sie blickte stumpf auf mich herab und gab mir Mut.

Diese Geschichte basiert auf dem Hintergrund der Rauriker und den Ereignissen zwischen Samhain und Imbolc (http://www.rauriker.de) Ähnlichkeiten von Personen im realen Leben sind völlig ausgeschlossen und somit reiner Unfug. Wir bitten um Verständnis.

Mit Vorsatz ins neue Jahr!

Mit Vorsatz ins neue Jahr!

 

vorsatzNeulich hab ich von guten Vorsätzen gehört, die sich eine junge Dame vorgenommen hatte, die ich nicht kenne, aber ich war fast zu Tränen gerührt: Sex! Ganz einfach nur Sex, muss auch nicht gut sein. Hauptsache Ficken! Besser auf den Punkt könnte ich es auch nicht bringen. Fraglich ist nur, ob man sich von einer Kondomfirma für so was sponsern lassen kann. Und ich finde es gibt dem Wort vorsätzlich eine ganz neue Bedeutung. Ich muss auch mehr vorsätzlich tun, finde ich. So lange es nicht ungesetzlich oder unmoralisch ist.

Wenn doch jeder diesen Vorsatz hätte, gäbe es keinen Krieg mehr, die Bevölkerung würde sich noch mehr vermehren, es würde aber auch keiner verhungern, weil man kann eine Zeit lang von Luft und Liebe leben. Die Leute wäre wieder fitter statt fetter, weil ist Sex doch der schönste Sport der Welt! Die Renten wären endlich sicher, aber die Wirtschaft würde wahrscheinlich vollkommen zum Erliegen kommen…hm…Ist der Weltfrieden doch so nahe, aber doch unerreichbar. Also wenn ich den Weltfrieden nicht bekomme, dann wünsch ich mir einen Dackel und ein Schwein als Haustier!

Und wenn ich schon mal dabei bin, einen Römer für Montags, einen Feuerwehrmann für Dienstag, einen Holzfäller für Mittwochs, einen Uniformierten für Donnerstag, einen räudigen Seemann für Freitag, am Samstag kommt die Polizei und nimmt mich fest, weil das ja verboten ist, was ich da treibe und am Sonntag kommt dann der Priester und nimmt mir die Beichte ab…ach verdammt, es wahren ja die guten Vorsätze fürs Jahr 2013 und nicht ‚Wünsch dir was!‘

P.S. Die Haustiere werden nicht in irgendeiner Art und Weise an vorsätzlichen Aktivitäten teilnehmen oder beiwohnen!

Das Tagebuch einer Metzgerstochter

Das Tagebuch einer Metzgerstochter

Mein Name ist Bruna. Ich bin die Tochter vom Metzger Ulgur in Hoimarshold.
Er lehrte mir nicht nur das Metzger- und Fleischhauerhandwerk, sondern brachte mir auch das Lesen und Schreiben, Zählen und Rechnen bei. So gut es eben ging, weil ich da nicht so ganz seiner Meinung war. Warum sollte ich auch lesen können, oder gar schreiben, wenn ich doch das ganze Jahr nur die Schweine füttere. Sie zur Schlachtbank führe und wenn mein Vater die Schlachterarbeit macht, schleppe ich das Fleisch zu den Leuten. Die Bestellungen kann ich mir merken und mich übers Ohr hauen, traut sich keiner. Weil jeder im Ort weiß, wie ich mit einer halben Schweinehälfte umzugehen weiß.

Mein Vater trank schon immer sehr viel von dem Met oder auch vom Biere. Nur in letzter Zeit fiel mir auf, dass er ihm der Schnaps noch viel mehr angetan hatte. Deswegen stehe ich nun immer öfter hinter der Schlachtbank und mache eigentlich die ganze Arbeit alleine.
Warum er soviel trinkt? Weiß ich nicht so genau. Könnte vielleicht an der Abwesenheit meiner Mutter liegen. Ja, eine Mutter habe ich natürlich, auch wenn ich sie nicht wirklich kenne. Vater erzählt nicht viel drüber und wenn ihn jemand drauf anspricht, trinkt er noch mehr und ich hab dann noch mehr Arbeit am Hals, wenn er den ganzen Tag seinen Rausch ausschläft. Also halte ich schön die Schnauze und mache mir auch keine Gedanken da drüber. Im Allgemeinen mache ich mir eh recht wenig Gedanken über alles. Warum auch? Mir geht es gut, solange ich was zu tun habe. Und zu tun gibt es in unserer Metzgerei immer was.


Zum Samhainfest in diesem Jahr kam es dazu, dass sich das Swajut des ehrenwerten Raskell in Hoimershold ankündigte, um die Feierlichkeiten zu begehen.
Es wurde eine stattliche Sau bestellt. In der Woche vor dem Samhainfest ging ich jagen und schleifte eine ordentliche Sau nach Hause und sperrte sie ins Gatter hinterm Haus. Sie stand außerordentlich gut im Futter, da werden die ehrenwerten Krieger aber zufrieden sein. Ohnehin ist der Schweinebestand dieses Jahr eh recht mager und ich werde mich nach dem Samhainfest wohl wieder aufmachen müssen, um noch ein paar Einjährige zu fangen, damit sie bei uns überwintern. Ähm, damit wir im Winter nicht alle verhungern müssen.
Nichts desto trotz hab ich hinterm Haus einen Gemüsegarten angelegt. Der Mensch lebt ja nicht vom Fleisch allein. Auch wenn wir bei jedem Vieh, des uns die Bauern bringen, unseren Anteil bekommen, sorge ich gerne für schlechte Zeiten vor. So habe ich im Wald wilde Äpfel gesammelt und allerlei Wurzeln und Pilze. Auf dem Dachboden trocknen nun die Pilze und die Kräuter und im Keller lagern die Wurzeln, das Gemüse und die Früchte. Der Winter kann nun kommen, weil kommen tut der Winter immer. Früher oder später. Auch wenn mir dass mit den Schweinen ernsthaft Sorgen machte. Liebes Tagebuch, du merkst schon, dass ich mir doch mehr Gedanken mache, als ich freiwillig zugeben möcht. Aber verhungern will ja auch keiner.
In der Nacht vor Samhain hab ich die ganze Nacht wachgelegen. Nicht weil ich so aufgeregt war, nein. Da hat sich wohl ein Wolf herum getrieben, den konnte man die halbe Nacht heulen und johlen hören. In der Früh ist mir dann die Sau durchs Gatter hindurch gebrochen und abgehauen. Die blöde Sau!

Jetzt muss ich aber erst die Fleischbestellung für die ehrenwerte Paigi ausliefern, die Trossköchin des Swajut des ehrenwerten Raskell. Es konnte ja keiner verantworten, vor allem nicht ich, dass der ehrenwerte Raskell und seine Mannen nach der harten und beschwerlichen Reise zu uns hier nach Hoimarshold, noch an Ort und Stelle verhungern. Und die Sau würde ich im Anschluss wieder einfangen. Und diesmal schneid ich sie gleich um, dann lauft se mir nimmer fort, die Sau.

Die Jagd nach meiner Sau war recht einfach. Sie hatte sich in einem niedrigen Hain unweit des großen Feuers zum Fressen niedergelassen. Im Herbst kommt die Sau nicht weit, bei den vielen Eichen und Buchen, die in unseren Wäldern stehen. Dann braucht man sie nicht mehr stopfen. Aber bevor sie auf den Grill kommt, werde ich sie ordentlich ausbluten lassen, dann abhängen und sie schon mal mit meiner Tunke einreiben.

Mein Geheimrezept meiner Fleischtunke erzähle ich niemanden. Nicht mal meinem Tagebuch. Außerdem schweife ich ab. Ein ganz ein junger Krieger hatte sich bereit erklärt, mich bei der Jagd zu unterstützen.
Kaum hatten wir die Sau gestellt, jagten wir sie durchs Unterholz. Da kam einer der Krieger des Swajuts angerannt und erschreckte die Sau mit seinem Schwert so, dass der junge Krieger den finalen Schlag tätigen konnte und die Sau endgültig zu Fall brachte, während ich mir ausmalte, wie ich die Sau die nächsten Tage mit meiner Wundertunke bestrich.


Wir präsentierten die Sau dem Swajut. Zwei der Krieger hatten in der Schlacht der vergangenen Nacht ihre Zunge ganz oder teilweise verloren, deswegen kauften sie dem Jungen und mir die Zunge der Sau ab.

An dem Tag haben die Heiler und Schamanen wirklich ein Wunder gewirkt, die beiden konnten fast einwandfrei wieder reden, bis auf ein paar kleine Grunzer zwischendurch. Aber wer kann außer mir schon von sich behaupten, er könne Säuisch reden.

Den restlichen Tag, lies ich die Sau ausbluten und beobachtete die Mannen beim Herbsttunier. Ist ja nicht alle Tage Samhain und der Vater lag ja eh noch in seinem Suff vorm Haus und kümmerte sich um nichts weiter, als um sein Schnarchen. Da konnte ich meinen Feierarbeit auch mit interessanten Dingen gestalten. Habe den Meisterapfelstrudel der ehrenwerten Paigi kosten dürfen und ich muss sagen auch der Fleisch-Bohnen-Topf war ausgezeichnet. Es kommt ja nicht alle Tage vor, dass die Metzgerstochter Tränen in den Augen hat, weil das Essen so unglaublich schmackhaft ist. Man sollte ihr einen Preis verleihen.

Nach den Kriegerprüfungen nahm ich noch an der Ehrung der Toten teil, die mit einem lauten Knall verbrannt wurden. Später wurde der Abend in Bier, Met und Schnaps ertränkt, deswegen kann ich leider nicht mehr so viel davon berichten.
Ich träumte die ganze Nacht davon feindliche Krieger mit Tunke zu
beschießen und mit brennenden Wurfschweinen zu grillen. Zwei Fliegen mit einer Klappe.


So, liebes Tagebuch, bin in der letzten Woche nicht ganz so viel zum Schreiben gekommen. Es ist viel passiert. War jagen… Und hab komische Träume gehabt. Davon will ich eigentlich gar nichts schreiben. Hab zuerst sieben herrenlose Frischlinge gefunden. Ich Glückspilz. Hab sie dann zu der Höhle gebracht, die mir schon oft Unterschlupf vor Wind und Wetter geboten hat. Der Weg zurück nach Hause wäre zu weit gewesen. Ich hab sie erst mal Eicheln fressen lassen und hab ein Gatter gebaut. Dort zwischen den Eichen fühlen die Schweinchen sich wohl und sicher waren sie auch, habe ein paar Feenringe gesehen, die werden sie zumindest vor bösen Geistern schützen.
Bin dann nochmal los in den Wald, ich traute dieser glücklichen Fügung nicht ganz über den Weg. Weit vor der Dämmerung bin ich dann über die Bache gestolpert. Sie lag völlig ausgeweidet auf einer Lichtung. Es sah ein bisschen so aus, als wäre ihr Innersten nach außen gestülpt worden. Bei dem Anblick hab ich mich schon ganz schön erschrocken. Da war irgendwas nicht in Ordnung, es war so als wäre die natürliche Ordnung völlig aus dem Gleichgewicht geraten. Ich dachte an den Wolf, den ich in der Nacht vor Samhain gehört hatte. Aber sowas machte kein Tier. Nichtmal die Orks. Oder sogar die Wendools hätten so eine abartige Tat nicht vollbringen können. Hier mitten im Wald und ohne offensichtliche Spuren zu hinterlassen. Und warum gerade eine Sau abschlachten, weil so richtige gefressen worden ist sie ja auch nicht. Nach dem sich dann auch gleich meine Nackenhaare aufstellten, beschloss ich so schnell wie möglich zur Höhle zurück zukehren.
Bei der Höhle angekommen lagen die sieben Schweinchen am Stamm der großen Eiche und schliefen den Schlaf der Unschuldigen. Ich habe ziemlich viel gegrübelt, dass hielt mich dann auch die halbe Nacht wach. Sicherheitshalber habe ich die schlafenden Schweinchen einzeln in die Höhle getragen, habe die Höhle dann mit dem Gatter verschlossen und habe ein ganz kleines Feuer gemacht. Mit meiner Axt im Arm wachte ich mehr, als dass ich schlief und noch bevor der nächste Tag anbrach, machte ich mich wieder auf, zurück zu der Stelle zu gehen, wo ich die tote Bache gefunden hatte.
Die Sonne ging gerade auf und das schale Licht kämpfte sich durch den Morgennebel. Die Bache lag da noch. Sie stank schon. Keines der Tier, die üblicherweise sich am Aas labten, hatte sich auch nur in die Nähe getraut. Ich beschloss die Sau zu verbrennen und den Platz mit meinem Blut zu reinigen. Ich bin zwar am Arsch kein Schamane, habe aber schon oft zugesehen, bei dem was die immer so trieben. In unserer Hag wurde immer alles mit Feuer und Blut gelöst. Und in der Not ist es besser, ich mache es, bevor dann genau hier an diesem Ort, die bösen Geister sich dann dem Walde bemächtigen. Gedacht, getan.
Was für eine Sauerei, hab zu tief geschnitten, weil meine Hand so gezittert hat. Werd das nachher nähen müssen. Heute ist doch nicht mein Glückstag.


Am Weg zurück zur Höhle, beschloss ich, egal was noch passieren würde, den Marsch nach Hause anzutreten. Ich beschloss einige der kleinen Schweine zu tragen und die Anderen anzubinden und mit mir zu schleifen. Sie waren eh recht beunruhigt und gingen ohne zu bocken mit. Völlig erschöpft kam ich zuhause an, steckte die Schweine in den Pferch und schlief quasi schon im Stehen ein.
Die Nacht über träumte ich einen Traum, der seit dem jedes Mal wieder kehrte, wenn ich die Augen schloss. Eigentlich war der Traum augenscheinlich immer der Selbe, es kam mir aber immer so vor, als wäre jedes Mal eine Kleinigkeit anders. Ich wage es nicht davon zu schreiben, nicht dass es noch wahr wird. Manchmal kann ich fast nachvollziehen, warum mein Vater seinen Kummer im Schnaps ertränkt, wenn er auch solche Träume hat.
Liebes Tagebuch. Ich habe seit der Nacht, als ich aus dem Wald kam, kaum mehr länger als ein paar Stunden jede Nacht geschlafen. Dieser Traum scheint mich auf Schritt und Tritt zu verfolgen. Werde zunehmend aggressiver, was aber niemanden auffällt. Versuche meine Wut am Schlachtvieh auszulassen. Nachdem wir eh viel zu tun haben, nehme ich die Arbeit, wie sie kommt und versuche nicht darüber nachzudenken. Dies fiel mir wahrhaftig nicht leicht.
Das ging solange gut, bis ich an den unmöglichsten Orten einschlief und von diesem Traum wieder aus dem Schlaf gerissen wurde und in Raserei verfiel. Die Leute aus dem Ort bekamen es schon mit und mieden mich und unsere Metzgerei.
Dem Wahnsinn anheim fallend lief ich wieder in den Wald, um mich meinen bösen Geistern zu stellen. Hätte eigentlich eine gute Idee sein können, wenn man auch nur eine kleine Ahnung davon hätte, wie man mit bösen Geistern umzugehen hatte, oder wie man sie gar wieder los wird. Aber wenn man nicht schläft, ist man nie richtig wach. Und dann kommt man eher auf weniger geistreiche Ideen. Ich lief durch den Wald und erklomm einen unserer höchsten Hügel. Dort oben machte ich ein Feuer und betrank mich. Als ich am nächsten Morgen aufwachte, lag ich mit meiner Fresse in der Asche. Halb erstickt schrecke ich hoch und hatte ein klares Bild vor Augen.
Eine Frau, die dem Gesicht zum Verwechseln ähnlich sah, dass ich immer im Wasser erblicke, wenn ich mich wasche, weint eine blutige Träne und verschwindet tanzend in rauschenden Flammenkreisen.
Während ich die paar Zeilen hier schrieb, blickte ich der Sonne entgegen, wie sie über den Hügeln meiner Heimat aufstiegt und mir fröhlich entgegen lächelte. Ob die Frau, die ich in meinem Traum sah, ich war oder vielleicht sogar meine Mutter, vermochte ich nicht zu sagen. Langsam glaubte ich dem Gerede der alten Frauen sogar, das ich ihr wohl wie aus dem Gesicht geschnitten ähnlich war. Ich beschloss nach Hause zu gehen, um meinem Vater von den Träumen zu erzählen und ihn zu bitten, mir von meiner Mutter zu erzählen.

Diese Geschichte basiert auf dem Hintergrund der Rauriker und den Erlebnissen auf Samhain 1. (http://www.rauriker.de) Ähnlichkeiten von Personen im realen Leben sind völlig ausgeschlossen und somit reiner Unfug. Wir bitten um Verständnis.

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