Mein erster Schultag

Mein erster Schultag

heimOh Mann, ich hätte mir echt nie träumen lassen, dass ich mit 36 nochmal die Schulbank drücken würde. Aber so ist es nun. Gut, sagen wir es mal so, ich werde hinter dem Pult stehen. Komisch ist es schon, ich bin meinen Lehrern bis zum Abi ziemlich auf den Sack gegangen. Mann, musste ich viel Strafarbeiten machen. Manchmal kam ich mir echt so vor, wie Bart Simpson. Nur der kleine blonde Junge ist mit 36 nicht im Mindesten erwachsen geworden und ich komme im Moment noch nicht so ganz damit klar, dass ich jetzt Lehrer sein soll.

Als ich in Ulm im Krankenhaus lag, hat mir der Berufsberater gesagt, selbst wenn ich nicht wieder laufen könne, dann könnte ich mit meinen Qualifikationen immer noch Lehrer werden. Damals wusste ich nicht so genau, ob er mich beleidigen oder aufmuntern wollte. Ich habe meine Zeit im Krankenhaus genutzt und habe ein Aufbaustudium fürs Lehramt gemacht. Ich bin jetzt Lehrer für Geschichte und Sozialkunde und wenn ich endlich wieder sporttauglich bin, dann werde ich vielleicht auch Sportlehrer sein.

Ja, der Sport. Ich war ein erfolgreicher Sportler. Hab ein paar Goldmedaillen gewonnen. Habe bei der Bundeswehr studiert und war im Sportförderprogramm. Dann gab es einen kleinen Skandal. Der Goldjunge ist eine Schwuchtel. Es gab ein paar blöde Fotos von früher. So Nacktfotos. Ich war jung und brauchte das Geld. Ich wurde aus der Olympiamannschaft ausgeschlossen. Der Skandal kam eigentlich zur rechten Zeit, weil nach 30 hat man im Profisport eh fast nichts mehr verloren. Entweder Doping, Werbestar oder Trainer. Und für einen schwulen Trainer hatten sie keine Verwendung.

Mein Freund hat sich von mir getrennt, weil er mit meinem Outing nicht klar kam. Verstehen muss des keiner, am Allerwenigsten ich. Eigentlich wäre das der Punkt gewesen, wo jeder normale Typ zum Saufen angefangen hätte, aber nein der Goldjunge hat sich für einen Auslandseinsatz gemeldet. Ich war in Afghanistan und bin von ein paar einheimischen Müttern angeschossen worden. Dabei wollte ich ihnen nur Lebensmittel bringen. Zum Dank haben sie mir noch eine deutsche Handgranate hinterher geworfen. Hm. Ein paar von diesen Splittern der deutschen Wertarbeit stecken immer noch in meinem Hintern. Ein Schuss ging um Haaresbreite an meiner Libido vorbei, ein Zweiter zerfetzte meinen linken Oberschenkel. Deswegen humple ich auch noch ein Wenig. Ein dritter und vierter Schuss zerfetzte nur die Milz und ging zum Glück an allem anderen Lebenswichtigen vorbei. Als ich aufgrund der Detonation der Handgranate mit meiner Fresse im Natostacheldraht von den lieben Kollegen des Nachbarstützpunkt landete, waren die Amis es, die mir das Leben und den Großteil meines Gesichtes gerettet hatten. Deswegen bin ich heute besonders hübsch anzuschauen.

Ich bin nach der Reha umgezogen in die Nähe von meiner neuen Arbeitsstelle. Mein Bein tut mir weh, jeden Tag. Vor allem wenn ich laufe. Warum habe ich Depp den Gehstock daheim gelassen? Nur keine Schwäche zeigen, dass haben sie uns schon in der Grundausbildung beigebracht. Jetzt stehe ich vor dem Tor, des ‚Herschiba Kimmelmann – Internat für schwer erziehbare Mädchen und Jungen‘.

Hm. Jungen. Mit Jungs hatte ich es auch selten. Egal. Auf dem Schild des Internats hat einer mit roter Farbe aus dem K ein P gemacht und einen phantasmagorischen Überpenis auf das Schild gemalt. Ich ziehe das Handy und mache ein Foto.

Ein griesgrämiger Mann kam mir entgegen, mit einem Eimer mit Chemikalien und einem Schwamm. Er schimpfte über die Jugend Heutzutage. Ich legte meine Keykarte auf den Sensor beim Einfahtstor und das Tor öffnete sich.

Der Griesgram blickte im Vorbeigehen auf und grüßte mich: ‚Ah, der Neue!‘

‚Ja, der Neue! Einen wunderschönen guten Morgen!‘ sagte ich freundlich.

Er ging an mir vorbei, griff an seine Mütze und sagte dann: ‚Sie sind ein Wenig dürr für den Knochenjob! Nicht dass sie uns am ersten Tag noch zusammenklappen!‘

‚Nein, keine Sorge, so schnell kriegt man mich nicht klein.‘

Was für ein Penner, den hätte ich mal erleben wollen, wenn um einen die Granaten einschlagen. Ich humpelte die Einfahrt entlang und trat durch die nächste Tür. Das Piepsen des Türöffners geht mir jetzt schon auf den Sack.

Ich bin grade einen Schritt in der Schule und da rannte ein Mädchen an mir vorbei. Sie heult und sieht ziemlich verängstigt aus. Wie ich heulende Frauen hasse. Ein Kerl kam um die Ecke gebogen, ein richtiger Schlägertyp.

Als er an mir vorbei rasen wollte, hielt ich ihn auf. ‚Was geht hier vor?‘ rief ich in meinem üblichen Ausbilderbefehlston. Der Typ zuckte zusammen und blickte mich entgeistert an. Ich war doch einen ganzen Tacken größer wie er.

‚Hey, ich will mit meiner Freundin reden!‘ stammelte er.

‚Ich geb dir mal n Tipp. Wenn deine Freundin flennt, aus welchem Grund auch immer, und vor dir weg rennt. Dann ist das vielleicht der Grund, dass du ihr nicht nachlaufen solltest.‘

‚Ja, aber!‘ versuchte sich der Typ zu rechtfertigen. Danke lieber Gott für dieses: ‚Ja, Aber!‘

‚Nichts aber! Name und Klasse!‘

‚Heino Müller, Klasse 10 b!‘ kam es wie aus der Pistole geschossen.

‚Heino Müller, Klasse 10 b, sehr schön!‘ sagte ich und notiere mir den Namen auf einem Notizblock, den ich aus meinem Hemdsärmel gezaubert hatte. Irgendwie gefällt es mir hier.

Ich lies den verdutzten Jungen stehen und ging weiter und hoffte inständig, dass da hinten das Lehrerzimmer war. Um die Ecke kniete eine Frau bei dem Mädchen, das sich allen Anschein nach schon wieder beruhigt hatte.

‚Ist dieser Heino Müller, Klasse 10b, dein Freund?‘ fragte ich.

‚Nein!‘

‚Ja, aber er denkt das!‘ meinte die Frau, die bereits aufgestanden war und mir die Hand hinstreckte. ‚Ich bin Abby Miller, Deutsch, Englisch, Kunst und Erziehungskunde bei den Mädchen!‘

‚Oh, guten Tag, Herbert Kowalski, Lehrer Geschichte, Sozialkunde!‘

‚Ähm und Sport und Erziehungskunden bei den Jungen!‘

‚Bitte was?‘ Ich muss leicht hysterisch geklungen haben, als ich das fragte.

‚Der Unterrichtsplan wurde nochmal geändert. Der Sportlehrer der Jungen hat sich vor 3 Wochen erhängt, dann gab es einen kleinen Skandal und die Chefin ist suspendiert. Das Jungen und Mädcheninternat wurden zusammen gelegt. Willkommen im Chaos.‘

‚Gut, nun zu dir Mädchen.‘ Die Kleine stand auf, wischte sich die Tränen vom Gesicht und zog den Rotz hoch. ‚Also, wenn du nicht jeden Tag hier heulend durch die Gänge laufen willst, dann solltest du ein Exempel statuieren und zwar vor allen Leuten. Aber keine Gewalt, irgendwas Irrationales.‘

‚Frl. Miller, was ist denn mit Müller los, der ging grad freiwillig in seine Klasse und es ist grade Mal…‘ Der weißhaarige Mann, der zu ihnen gesprochen hatte, blickte auf die Uhr. ‚Es ist grade Mal 7.30 Uhr!‘

‚Ähm, Guten Morgen Herr Direktor, da müssen Sie den Kollegen Kowalski fragen!‘

‚Guten Morgen, Herr Direktor! Ich habe seinen Namen auf meinen Block geschrieben und ich gab ihm Beziehungstipps, Herr Direktor!‘ machte ich stolz Meldung.

‚Gut Herr Kowalski. Kommen Sie gleich mit in mein Büro!‘

Ich folgte ihm und das Mädchen lächelte schon wieder. Diese Frau Miller grinste uns hinterher.

‚Mein Name steht da auf dem Schild. Aber ich habe es nicht so mit den Förmlichkeiten. Ich habe diesen Schießjob übernommen, weil sie keinen Besseren gefunden haben. Unser Ziel ist es hier, alle irgendwie zu einen Abschluss zu verhelfen und dass sie einen Job kriegen. Wir haben zu wenig Lehrer, keine Mittel und die neue Schulreform und der Skandal haben uns die wenig durchdachte Zusammenlegung beschert.‘

‚Herr Direktor Walddorfer!‘ Las ich auf dem Schild. ‚Ich bin ein Wenig überfahren. Ich weiß nicht, ob Sie meine Akte gelesen haben, aber ich kann mit den Jungen keine Erziehungskunde und im Moment keinen Sport machen.‘ Ich tippte gegen mein kaputtes Bein.

‚Ich habe mir ihre Akte letzte Nacht sogar mit ins Bett genommen, wirklich sehr spannend. Sie sind ein Held. Genauso jemanden brauchen wir hier!‘

‚Ich habe aufgrund meiner sexuellen Ausrichtung darum gebeten, keine Jungen unterrichten zu müssen und deswegen hab ich mich auch für das Mädcheninternat beworben.‘

‚Machen Sie sich keine Sorge. Es wird sich keiner Beschweren. Ich bin ein Freund von unkonventionellen Mitteln und wir versuchen die Kinder auf das Leben da draußen vorzubereiten. Die meisten Eltern können sich nicht beschweren, weil sie selbst im Knast sitzen, tot oder ständig auf Geschäftsreise sind. Den Eltern sollte klar sein, dass es für ihre Kinder keine Alternativen mehr gibt. Entweder sie packen das hier, oder sie haben ein Leben zwischen Harz IV und Knast vor sich.‘

‚Aber ich kann im Moment noch keinen praktischen Sportunterricht machen.‘

‚Ja, deswegen haben wir unseren Werklehrer gebeten für die praktischen Übungen einzuspringen. Er hat im Sommer schon das Ferienprogramm mit den Schülern gestaltet. Er war in der DDR mal Meister im Zehnkampf.‘

‚Warum macht er dann nicht den Sport?‘

‚Weil er eigentlich der Hausmeister ist!‘

‚Ich dachte er wäre der Werklehrer?‘

‚Ja, Werken, Aufsicht und Berufsvorbereitung darf er machen, aber er ist halt kein Pädagoge.‘

‚Das bin ich auch nicht!‘

‚Ja, aber Sie haben doch bei der Bundeswehr Bildungswissenschaften, Geschichte und Sport studiert und waren jahrelang Ausbilder. Mit dem Aufbaustudium sind Sie Lehrer. Sie haben nicht mal Probezeit. Der Staat mag Sie und ich will ihnen eine Chance geben.‘

‚So lange Sie ihren Kopf hinhalten!‘

‚Holen Sie sich ihre Unterlagen im Lehrerzimmer ab und dann treffen wir uns alle in der Aula. Ich habe eine Ansprache zu halten. Dann gehen Sie in ihre Klasse.‘

Ich ging kopfschüttelnd aus der Tür. Das Mädchen stand vor mir.

‚Wollt mich noch für Ihre Hilfe bedanken!‘ Dann rannte sie weg.

Noch mehr kopfschüttelnd ging ich ins Lehrerzimmer.

Als ich das Lehrerzimmer betrat, wurde ich von Standing Ovations begrüßt.

‚Willkommen im Bootcamp!‘ meinte ein älterer Herr und klopfte mir auf die Schulter.

Das Frl. Miller grinste mich an. An den Wänden waren Bilder und Lebensläufe der Schüler aufgehängt.

‚Danke die Herrschaften.‘ Hände schüttelnd wurde ich zu meinem Platz geschoben. Ich blickte auf den Stapel Papiere auf meinem Platz.

Erste Stunde Gemeinschaftlich in der Aula. Zweite Stunde Erziehungskunde 10b. Super. Dritte Stunde Sozialkunde 10 a + b. Dann Doppelstunde Geschichte 7 a + b. Sozialkunde 8 a +  b. Nachmittags. Sport Zweimal Doppelstunden 10a und 9a Klassen. Ich überflog den Stundenplan und sah, dass ich am Mittwoch und am Freitag früher Schluss hatte. Zücke mein Handy und wählte die Nummer meiner Krankengymnastik. Es ging nur der AB ran und ich sprach nach dem Pfeifton. ‚Guten Tag, hier spricht Herbert Kowalski. Hallo Emma, ich kann den Termin morgen und am Donnerstag nicht wahrnehmen. Meine freien Nachmittage sind Mittwoch und Freitag. Notfalls halt nach 18 Uhr. Schicken Sie mir die neuen Termine per Mail. Danke.‘ Ich legte auf und alle starrten mich an. ‚Krankengymnastik.‘ meinte ich entschuldigend.

Alle lächelten mich an. Ich wühlte die Unterlagen durch und suchte nach dem Lehrplan für Erziehungskunde. Klasse 5-9. Für die 10 gab es keinen. Ich bekam eine Liste unter die Nase gehalten. Freiwilliger Wochenenddienst. 1Mal Pro Monat.

‚Keine Sorge, ich bin am Wochenende immer da, wenn was ist.‘ meinte Frl. Miller.

Ich trug mich am Ende des Monats ein und blickte sie fragend an.

‚Ich wohne hier. Ich bin die Vertrauenslehrerin der Mädchen. Haben Sie sich überlegt hier eine Dienstwohnung zu nehmen. Im Moment ist der Hausmeister der Vertrauensmann von den Jungen.‘

‚Ich kann hier keine Dienstwohnung nehmen, ich bin grad erst hier her gezogen und wohne drei Straßen weiter und haben Sie überhaupt keine Freizeit?‘

‚Ich war früher selbst auf der Schule, habe mein Abi nachgemacht und hab studiert und bin jetzt wieder hier, weil ich den Kindern helfen will.‘

‚Warum gibt es keinen Lehrplan für Erziehungskunde der 10. Jahrgangsstufen?‘

‚Weil es keinen gibt. Sie müssen improvisieren.‘

‚Hier ist noch der Essensplan. Sie können an allen Mahlzeiten teilnehmen, wenn Sie davor oder danach Unterricht haben.‘ meinte der ältere Herr von vorhin.

‚Das ist super, wo krieg ich hier nen Kaffee her?‘ stammelte ich.

Sie deutete ans Ende des Zimmers, da stand eine Kaffeemaschine. Der ältere Herr war bereits dort und goss eine Tasse ein und fragte: ‚Mögen Sie ihn schwarz?‘

‚Wenig Milch und viel Zucker, bitte.‘

‚Ach Sie haben in der Mittagspause einen Termin bei mir und morgen bei der Schulpsychologin!‘ meinte eine herrische Frauenstimme. ‚Ich bin die Schulärztin Fr. Dr. Erna Grau!‘ Sie stand in der Tür und blickte mich ernst an.

‚Alle neuen Lehrer müssen durch gecheckt werden!‘ meinte Frl. Miller und ihre süße säuselnde Stimme ging mir auch schon auf den Sack.

Der Kaffee wurde ihm hingestellt. ‚Ich bin Guido Hansmann, ich mach die Naturwissenschaften!‘

‚Danke für den Kaffee!‘ meinte ich und schüttelte seine Hand.

Die Frau Dr. stand immer noch da. ‚Ja, sorry Frau Dr. Grau, sorry ich bin ein Bisschen überfordert. Hätte ich meine Röngtenbilder mitbringen sollen?‘

‚Nein keine Sorge, die habe ich schon. Kriegen Sie noch Anwendungen?‘

Ich musste kurz überlegen, was sie meinte. ‚Ähm. Anwendungen. Ja, wenn ich meine Termine verschieben kann, dann ja.‘

Sie musterte mich von oben bis unten. ‚Sie haben eine Saniausbildung bei der Bundeswehr gemacht!‘

‚Ja, Helfer im San-Dienst!‘

‚Wir haben nämlich keine Krankenschwester mehr…und ich habe nebenan noch die Sozialsprechstunde zu machen, bin also nicht immer da!‘

Sie warf mir einen Schlüsselbund hin und meinte: ‚Der Schlüssel vom Ersthilfe-Raum! Kommen Sie dann nach dem Essen rüber zur Sozialsprechstunde!‘ Dann verschwand sie.

Ich rührte meinen Kaffee um, nahm einen kräftigen Schluck und lies mich erschöpft in den Stuhl sinken. ‚Kann ich aus der Horrorstory noch aussteigen?‘ flüsterte ich in mich hinein.

WüstenRoadMovie

WüstenRoadMovie

Irgendwo im Nirgendwo, Tunesien

08.05.2013

nauders

Farid und Enzo saßen in einem Zelt an einem Tisch und spielten ein Spiel, so schien es zumindest. Auf dem Tisch lagen Karten, Geldscheine, Waffen, Gläser mit einer goldener Flüssigkeit, eine Flasche Dattelwein und Skorpione in umgedrehten Gläsern. Enzo war kaum wieder zu erkennen. Die Zeit in der Wüste hatte nicht nur sein Gesicht gezeichnet. Er sah schon fast wie ein Einheimischer aus, bis auf die Haare.

‚Enzo, mein Freund, du siehst langsam so aus wie Lawrence von Arabien!‘ meinte Farid. ‚Bis auf deine Augen!‘

‚Ich bin längst nicht so nett wie Lawrence von Arabien!‘ meinte Enzo, strich sich übers ausgebleichte Haar und zog einen Dolch. Er nahm einen Becher hoch und spießte den Skorpion auf, der rasch über den Tisch lief.

Von draußen kamen Geräusche durch die Zeltwand.

‚Vaffanculo, Stupido…!‘ rief eine bekannte Stimme.

Sie konnten die Geräusche einer Schlägerei hören und schon kam Giovanni durch den Zelteingang gestolpert. Zwei bewaffnete Männer von Farid stürzten ihm hinterher. Farid hatte eine Waffe gezogen und zielte auf den Jungen. Enzo hielt ihm blitzschnell das Messer mit dem Skorpion ins Gesicht und nahm ihm mit der anderen Hand die Waffe ab und bedrohte damit die Wachen.

‚Sie haben einen Taliban aus dir gemacht, Onkel!‘ meinte Giovanni und rappelte sich auf.

‚Dummes Kind, mich so zu erschrecken! Ich bin ein alter Mann, ich hab noch drei Monate zu leben!‘ rief Farid und griff sich ans Herz.

‚Sagt, der Mann, der 3 Jahre jünger ist als ich, schon seit einem halben Jahr!‘ meinte Enzo und gab den Wachen mit einer Handbewegung zu verstehen, dass sie sich verpissen konnten. Vorsichtig entließ er den Skorpion in ein leeres Glas und drehte es blitzschnell um.

‚Ach schickt deine Großmutter die Bomben nicht mehr mit der Post?‘ meinte Farid und trank den Dattelwein gleich aus der Flasche.

‚Es ist die Zeit gekommen, dass ich dir ein Angebot unterbreite, dass du nicht ablehnen kannst.‘ meinte Giovanni und grinste dann dreckig.

‚Mit Einem, der beim Manne liegt, mache ich keine Geschäfte!‘ spie Farid ihm förmlich vor die Füße. 

‚Sagt mir ein Mann, der heimlich Frauenschuhe trägt!‘ konterte Giovanni und wedelte dabei mit einem Foto, auf dem Farid eindeutig in Frauenkleidung zu sehen war. ‚Ich habe deinen Frauen schöne Abzüge geschickt, Farid! Wenn ich du wäre, würde ich schnell heim fahren zu deinen lieben Frauen. In diesem Land kann man ja nie wiesen, wann die Post ankommt!‘

‚Du bist ein grausamer Bengel!‘ zischte Farid und blickte sich hastig im Zelt um. ‚Maschallah!‘

Enzo grinste bis über beide Ohren, doch Giovanni blickte sehr skeptisch drein. ‚Wir sollten uns lieber beeilen, ich hab nen Jeep geklaut und die Barkasse wird im Hafen nicht ewig warten!‘

Farid lief wie ein aufgeschrecktes Huhn durchs Zelt, packte seinen Seesack und wollte das Zelt verlassen.

‚Halt, Farid mein Freund!‘ flüsterte Enzo.

Farid hielt inne und blickte ihn schnippisch an: ‚Was ist nun noch?‘

‚Die Schuhe!‘

‚Nein, Sahib. Tut mir das nicht an. Das ist alles was ich noch habe!‘

‚Deswegen schickt dir die Nonna die hier!‘ meinte Giovanni und hob ein paar ausgelatschte, aber wunderschöne schwarze Damenschuhe.

‚Die passen viel besser zu deinem Kopftuch, Farid.‘ rief Enzo.

‚Darf ich dran riechen?‘ wimmerte Farid sehnsüchtig.

‚Gib uns die anderen Schuhe und dann kannst du machen was du willst damit.meinte Giovanni ziemlich angewidert.

Wenig später saßen Enzo und Giovanni im Jeep und Enzo hetzte den Wagen Richtung Küste und Giovanni hatte Blumes Schuhe auf seinem Schoss liegen und beäugte sie scheel.

‚Was is’n das für eine Barkasse?‘ fragte Enzo. 

‚Ach, der Schwager vom Pepe hat da so ein paar kleine Fischerboote.‘ rief Giovanni fast beiläufig.

‚Du bist schon ein Hund!‘ 

‚Die Nonna sagt immer, doppelt genäht hält besser. Der Schwager vom Pepe hat auch unsere Cruise Missile an Bord.‘

‚Was zur Hölle ist das für ein Boot, wenn da die Abschussvorrichtung von einer Cruise Missile drauf passt.‘

‚Es ist ja nur eine Kleine… eine kleine Yacht!‘

‚Sag mal, was meinte Farid mit: Einer, der beim Manne liegt?‘

‚Genau dass, was die Wörter bedeuten!‘ meinte Giovanni und spreizte den kleinen Finger von seiner Hand ab.

‚Aha, und was sagt da die Nonna dazu?‘ fragte Enzo und zog eine Augenbraue hoch. 

‚Sie ignoriert es gekonnt!‘

‚Ist Blume noch in der Casa di Nonna?‘

Giovanni blickte auf sein Handy und zählte dann etwas mit den Fingern ab. ‚Vielleicht sollten wir gleich nach Trapani…!‘

‚Was wollen wir in Trapani?‘

‚Es ist wahrscheinlich der falsche Zeitpunkt es dir zu sagen, aber es ist auch der Grund, warum ich so überstürzt gekommen bin.‘

Enzo machte eine Vollbremsung und blickte seinen Neffen entgeistert an.

‚Bis wir wieder auf Sizilien sind, wird Blume schon im Krankenhaus sein.‘

Enzo packte Giovanni am Kragen und rüttelte ihn, brachte aber keinen Ton heraus.

‚Mann, Onkel! Du hast sie angebumst und die Nonna hat ihre Tasche fürs Krankenhaus schon gepackt.‘

Enzo ließ ihn los, so dass Giovanni in den Sitz zurück fiel und zählte ebenfalls an den Finger etwas ab.

Giovanni war ausgestiegen, zog einen Flachmann aus der Hosentasche und kam an die Beifahrertür. ‚Da trink und rutsch rüber, ich fahr besser weiter!‘

Enzo sagte kein Wort, bis der den Flachmann vollends geleert hatte. Vor ihnen tauchte bereits die Küste auf, als er endlich wieder einen Ton heraus brachte. ‚Aber ihr geht’s sonst schon gut, oder?‘

‚Naja, wie man’s nimmt. Ihre Stimmung ist halt ganz schön scheiße und sie isst nicht genug, sagt die Nonna.‘

‚Und das Baby?‘

Er zog einen schwarzen Zettel aus der Hemdtasche und gab ihn Enzo. ‚Ganz der Papa würd ich mal sagen. Sie will ihn Bambi nennen.‘

Enzo sah auf den Zettel und erblickte ein Ultraschallbild und mit viel Fantasie erkannte man ein menschliches Wesen auf dem Bild.

‚Ich glaub ich muss kotzen!‘ stotterte Enzo.

‚Das Kind muss von dir sein, dass muss ich mir schon seit guten neun Monaten von Blume anhören!‘

Weiter geht es im Alpenroadmovie – Sicilian Standoff – Manchmal kommt es anders und vor allem als man denkt!

 

AlpenRoadMovie21 – Unsere Sache

AlpenRoadMovie21 – Unsere Sache

Marsala, Sizilien.
24.12.2012, 18.00 Uhr

naudersBlume stand auf der Terrasse und blickte aufs Meer. Das machte sie, seit dem sie im Sommer angekommen war. Man konnte die Uhr nach ihr stellen. Jeden Abend stand sie da. Sie schaute nicht wirklich der Sonne beim Untergehen zu, nein sie blickte übers Meer in Richtung Bizerte.

Langsam konnte man ihren Bauch sehen. Sie war schwanger. Die Nonna hatte dies relativ gut aufgenommen, dass heißt sie schimpft noch mehr über den räudigen Ziegenbock Farid und schickt immer wieder Briefbomben an verschiedene Adresse in München, in der Nähe von Nauderns oder nach Bizerte. Die Cruise Missile hatte sie abgeben müssen, da war der Polizeichef sehr deutlich gewesen.

Die Polizei war schon lange nicht mehr da gewesen. Sie haben die Anklage gegen Enzo mittlerweile fallengelassen, seit dem Brand neulich. Seltsame Sachen passieren zuweilen. Dinge verschwinden, tauchen woanders wieder auf. Sachen explodieren. Autos zum Beispiel. Der Nonna konnte man nie etwas nachweisen. Natürlich nicht. Würde sich auch nie einer erlauben. Giovanni ist letzte Woche fortgeschickt worden und er ist noch nicht wieder da. Die Nonna war außer sich.

Es klingelte an der Tür. Wenig später kam jemand auf die Terrasse geschritten.

‚Schöne Weihnachten wünsch ich dir, mein Kind!‘ meinte eine ältere Dame, die nun über die Terrasse schwebte.

Blume drehte sich um und blickte ihre Mutter entsetzt an.

‚Wir haben dein Auto mitgebracht und ein Paar von deinen Sachen, ich habe es nicht übers Herz gebracht alles zu verkaufen.‘

Giovanni stand in der Terrassentür und grinste. Die Nonna konnte man von drinnen lautstark telefonieren hören. Als sie auflegte, konnte man das im ganzen Haus hören. ‚Mein Gott spuckt auf den Seinen! Dieser räudige Hund einer läufigen Ziege. Ich sprenge ihm sein verdammtes Camp in die Luft!‘

‚Die Nonna redet nur deutsch, wenn sie sichergehen möchte, dass ich auch jedes Wort verstehe.‘ meinte Blume und ging nach drinnen.

Heute war ein guter Tag. An guten Tagen machte Die Nonna ihr Hoffnung, Enzo würde schon bald kommen. An schlechten Tagen schaffte es nicht mal Giovanni sie aufzumuntern.

‚Krieg ich eigentlich mal erklärt was eigentlich los ist?‘ fragte ihre Mutter, während sie ihrer Tochter hinterher lief.

Giovanni setzte an zu reden: ‚Frau Müller…!‘ und wurde aber gleich wieder von Frau Müller unterbrochen: ‚Und erzähl mir nicht wieder, es wäre ‚eure Sache‘, mit dem Cosa Nostra-Mist brauchst du mir nicht mehr kommen.‘

‚Ja, aber wenn er es Ihnen erzählt, dann muss ich ihn erschießen!‘ meinte die Nonna und winkte sie ins Esszimmer. Ziemlich mürrisch gingen ihr alle hinterher. 

‚Los jetzt essen wir erst Mal was, dann lässt es sich besser erzählen.‘ meinte die Nonna und blickte Giovanni an, rümpfte die Nase und meinte: ‚Und du, wasch dich erst mal!‘

Im Esszimmer angekommen, saßen schon 5 Kinder am Tisch und Giovannis Mutter tischte auf. ‚Wie will er denn je eine Frau finden, wenn er immer herum läuft wie ein Landstreicher!‘

‚Nonna, ich bin schwul!‘ meinte Giovanni, als er das Esszimmer betrat.

Blume erhob das Glas und meinte: ‚Ich wünsch euch auch allen ein schönes Weihnachtsfest!‘ Die Ironie in ihrer Stimme fegte über alle hinweg.

‚Das sagt er nur immer, um mich zu ärgern.‘ meinte die Nonna und hob ihr Glas.

‚Kind, ist das Wein, den darfst du nicht trinken, wenn du schwanger bist!‘ meinte Frau Müller.

‚Mutter! Den Wein kriegen hier sogar die Kinder und ehrlich mal, möchte ich nicht wissen, was du alles genommen hast, als du mich in Goa empfangen hast.‘

‚Außerdem erlaube ich ihr nur einen Schluck!‘ meinte die Nonna streng.

‚Und warum bist du überhaupt schwanger?‘ fragte Frau Müller ziemlich schnippisch. 

‚Mutter bitte!‘ zischte ihr Blume zu und trank. 

‚Mein Sohn Enzo hat diese wunderschöne Blume bestäubt!‘ grinste die Nonna und schenkte sich nochmal nach.

‚Und wo ist dieser Enzo?‘

‚In Bizerte!‘ rief Giovanni.

‚In Ägypten! Und was macht er da? Skifahren?‘ kreischte Frau Müller dem Wahnsinn anheim zu fallend. 

‚Auf seine Auslieferung warten!‘ meinte Blume ernst.

‚Bitte was?‘ rief Frau Müller erstickt und goß sich das volle Glas Rotwein hinter die Binde. 

‚Das Essen wird kalt!‘ schluchzte die Mutter von Giovanni leise. Sie war fast den Tränen nahe.

‚Ja esst erst mal!‘ meinte die Nonna ernst.

Fortsetzung folgt in Manchmal kommt es anders… Der Killer wird zum Koch!

 

AlpenRoadMovie20

AlpenRoadMovie20

Sonntag, 19.08.12, 14.10 Uhr

Auf dem Weg von Trapani nach Marsala, Sizilien

naudersIm Wagen war eine bedrückende Stimmung, seitdem Die Nonna zugestiegen war.

Sie war doch einfach am Wegesrand gestanden, mit einem aufgespannten schwarzen Regenschirm in der Hand. Und dabei war es heute ein wunderschöner Sommertag und keine einzige Wolke war am Himmel zu sehen. Außerdem hatte sie eine enorme Sonnenbrille auf, die sie sich erst im Auto etwas über die Nase nach vorne schob, um Giovanni und Blume gründlich zu mustern.

‚Junge, wie siehst du überhaupt aus?‘ fragte Die Nonna.

‚Nonna, ich bin angeschossen worden und zwar von der eigenen Familie!‘ jammerte Giovanni.

‚Hätte dich jemand versucht zu erschießen, der tatsächlich zu der Familie gehören würde, dann wärst du jetzt tot, junger Mann!‘ meinte Die Nonna unwirsch.

‚Ellen gehört ja wohl mehr zur Familie, als so manch Anderer!‘ flüsterte Giovanni schnippisch.

‚Das hab ich gehört, junger Mann. Gib mir die Luger wieder!‘ flüsterte Die Nonna ihrem Enkel ins Ohr, aber genauso laut, wie Giovanni noch einem Moment zuvor. Doch da Blume direkt daneben saß, konnte sie jedes Wort hören. 

‚Oh, die ist in meiner Handtasche im Kofferraum.‘ flüsterte Blume schüchtern.

‚Und wie schießt sie sich, Signorina Fiore?‘

‚Für mein erstes Mal, ziemlich gut!‘

‚Sie hat den Killer erschossen und Ellen knapp verfehlt.‘ plapperte Giovanni.

Es war kaum zu glauben, aber Die Nonna lächelte zum ersten Mal an diesem Tag. 

Es geht weiter in Manchmal kommt es anders…Killer 17! Es lohnt sich!

AlpenRoadMovie19

AlpenRoadMovie19

Sonntag, 19.08.12 08.55 Uhr

Auf der Fähre vor Cagliari, Sardinien nach Trapani, Sizilien

naudersBlume saß mit Giovanni auf der umgeklappten Rückbank und sie verarztete ihn hastig. Er biss die Zähne zusammen.

‚Okay, das dürfte erstmal halten. Ich geb dir ein sauberes Shirt und Enzo hat seine Kappe da gelassen. Ich zieh mir was anderes an und wir lassen alles im Kofferraum verschwinden.‘ plapperte sie hastig.

‚Ich fasse es nicht, dass meine Großcousine versucht hat mich abzuknallen!‘meinte Giovanni.

Blume kramte in ihrer Tasche herum und zog ein pinkes Shirt hervor.‚Oh, das sieht ein bisschen schwul aus…!‘ meinte sie und warf ihm das Shirt hin.‚Die Frau auf dem Boot hab ich nur fast erwischt, aber dafür den Typen dafür zweimal.‘

‚Hey, Blume. Du bist ganz schön cool!‘ rief Giovanni.

‚Ach, wirklich. Dann schein ich eine gute Schauspielerin zu sein. Ich hätte mir vorhin beinahe in die Hose gemacht.‘ grinste sie ihn an und half ihm ins Shirt.

Dann putzte sie ihm das Blut aus dem Gesicht, setzte ihm die Kappe auf den Kopf und begann wieder zu plappern: ‚Schaffst du es allein auf den Vordersitz. Du musst viel trinken. Ich such dir noch was gegen die Schmerzen. Zum Glück ist deine Großcousine eine lausige Schützin!‘

‚Ja, ich schaffe das schon. Danke!‘ meinte Giovanni und kroch langsam aus dem Wagen und setzte sich stöhnend auf den Beifahrersitz.

‚Der Münchner wird nicht gerade beigeistert sein über die Entwicklung.‘ kicherte Giovanni.

Blume drückte ihm ein paar Tabletten in die Hand und meinte: ‚Zwei jetzt gleich mit viel Wasser!‘

Hastig kramte sie nach ihrer Tasche, zog sich rasch um und schob alle Sachen in den Kofferraum. Dann stieg sie aus und klappte die Rücksitzbank wieder zurück und schloss den doppelten Boden. Als sie sich auf den Fahrersitz setzte, war Giovanni bereits eingenickt. Sie nahm ihm die Wasserflasche aus der Hand und legte eine Jacke über seinen Oberkörper.

Zitternd klammerte sie sich ans Lenkrad und starrte gefühlte Stunden auf die Klappe der Fähre. Sie wollte einfach nur hier raus, sie wusste zwar nicht wohin, aber hier bleiben wollte sie auch nicht. Giovanni schlief neben ihr am Beifahrersitz. Irgendwann legte sie für einen Moment ihren Kopf aufs Lenkrad und im nächsten Augenblick war sie bereits eingeschlafen.

Das Nebelhorn der Fähre erschallte und schreckte sie beide aus dem komatösen Schlaf. Giovanni blickte sie ziemlich verstört an und dann konnte sie sehen, wie ihn der Schmerz langsam übermannte. Er krümmte sich und sie versuchte ihn zu beruhigen. Ein Rucken ging durch das ganze Schiff und wenig später ging endlich die Klappe der Fähre auf. Und nach einer Weile fuhren sie aus dem Bauch der Fähre und versuchten sich so schnell wie möglich vom Hafen wegzukommen, als sie am Straßenrand eine ältere schwarz gekleidete Dame entdeckten, die am helllichten Tag und bei Sonnenschein einen geöffneten Regenschirm in der Hand trug.

Aus Giovannis Mund kamen nur zwei Worte: ‚Die Nonna!‘ 

Es geht weiter in Manchmal kommt es anders…Killer 16! Es lohnt sich!

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