1799 – Baumwolle für Tobago – Teil 9

1799 – Baumwolle für Tobago – Teil 9

Am Morgen wurde der Kapitän wach, er hatte im Traum den Ton der Glasenglocke gehört und schlug die Augen auf. Die Glocke schlug vier Doppelschläge. Er roch Kaffee.

Er blinzelte und konnte Svent erkennen, wie er frisches Wasser in seine Waschschüssel goss.

‘Guten Morgen Kapitän, kann ich mir Eurer Rasiermesser ausleihen?’ raunzte Svent.

‘Wenn ich dir beim Rasieren zusehen darf!’ flüsterte der Kapitän mehr zu sich selbst als zu Svent.

‘Wenn wir beim du sind, darf ich dich Eik nennen?’ stotterte Svent, es hörte sich seltsam an, jemanden zu duzen.

‘Wenn wir alleine sind, Svent!’ meinte der Kapitän und wurde vom Duft des Kaffee abgelenkt.

Der Kapitän war aufgestanden und schlenderte zum Waschtisch hinüber. Er trug nur sein Hemd, das ihm bis zu den Kniekehlen reichte. Svent beäugte ihn scheel. Der Kapitän musste pissen, doch seine Morgenlatte war da anderer Meinung. Er schnappte sich den Kaffee und setzte sich auf seinen Stuhl, der vor dem Kartentisch stand. Das Chaos seines Tisches außer acht lassend nippte er an seinem Kaffee. Es klopfte es kurz an der Tür und Johann kam mit einem Tablett herein.

‘Hier der Tee für den Maître!’ grummelte er.

‘Ach Herr Johann, das ist doch nicht nötig. Ich kann auch mit allen anderen in der Messe frühstücken.’

‘Meinetwegen könnt Ihr das auch, aber Obi ist noch strenger als der böse Blick der Mam’sel!’ flüsterte Johann verschwörerisch, ließ das Tablett auf den Kartentisch krachen, machte hastig einige Kreuzzeichen, so wie jemand denkt, wie Kreuzzeichen funktionieren, der ein absoluter Heide war.

Und schon klopfte es erneut an der Tür und Obi kam herein. Erschreckend munter trällerte er einen morgendlichen Gruß in die Runde. Er hatte ebenfalls ein Tablett in Händen. Es roch köstlich nach Brot und Kuchen.

Sein Blick fiel zuerst auf das Tablett auf dem Kartentisch. Er zog eine Augenbraue hoch und strafte Johann mit einem bitterbösen Blick. ‘Ach, Ihr habt den Tee überschwappen lassen. Aber Ihr wisst ja nicht was meine Mama über Verschwendung sagt?!’

Svent war mit seiner Rasur halbwegs fertig und wischte sich den restlichen Schaum vom Gesicht. ‘Und wisst Ihr was ich zu Mam’sel immer gesagt habe?’

Johann war kreidebleich geworden und starrte Svent kopfschüttelnd an.

Svent nahm die Tasse in eine Hand und den Unterteller in die Andere. ‘Solange der Unterteller nicht schmutzig ist, ist es keine Verschwendung.’ Und schlürfte den übergeschwabbten Tee aus dem Unterteller und stellte dann die Tasse wieder sorgsam darauf.

Johann gewann wieder an Farbe und Obi grinste breit.

‘Ich geh mich dann mal ein paar Stündchen auf Ohr hauen!’ murmelte Johann. ‘Jensen tut Dienst an der alten Lady.’

‘Danke Johann, ich seh gleich nach dem Rechten. Wie geht es unseren Gästen?’

Obi antwortete für Johann, der schon aus der Tür gestürzt war. ‘Es geht allen sehr gut. Die Damen nähen schon fleißig an Deck.’

‘Na, hoffentlich halten sie die Männer nicht vom Arbeiten ab.’ befürchtete der Kapitän.

Obi schüttelte den Kopf und ging rückwärts aus der Kajüte des Kapitäns. Die Türe war noch nicht ganz zu, da sprang der Kapitän auf und lief zum Fenster. Mit einer Hand öffnete er das Fenster und mit der anderen Hand packte er seinen Schwanz. Als die ersten Tropfen aus dem Fenster rieselten, stöhnte er erleichtert auf.

Svent beobachtete ihn im Augenwinkel, während er seine Rasur im Spiegel begutachtete. Einen Moment später stand der Kapitän neben ihm und griff in die Waschschüssel.

‘Ich dachte schon, die gehen gar nicht mehr. Ist Obi immer so streng?’

‘Ach, er vermisst die Strenge seiner Mam’sel, glaub ich.’ meinte Svent, nahm das Rasiermesser und korrigierte seine Arbeit an einigen Stellen.

Der Kapitän wusch seine Hände in der Waschschüssel und trocknete sie anschließend an seinem Hemd. Dann blickte er Svent lüstern an, bis er endlich das Rasiermesser hinlegte und seinen Blick erwiderte.

Ein Grinsen schoss über des Kapitäns Gesicht, bevor er Svent am Nacken packte und ihn zu sich hinunter zog. Svent spannte seinen Nacken an und stoppte die Bewegung abrupt. Einen verstörend langen Moment blickten sich beide in die Augen und keiner wollte zuerst nachgeben. Svent machte einen Schritt nach vorne, packte den Arm des Kapitäns und einen Augenblick später, hatte er ihn mit dem Gesicht voran gegen einen der Holzbalken gepresst, die die Decke der Kajüte abstützten. Svent genoss den flüchtigen Moment der Oberhand und hauchte dem Kapitän ins Ohr. ‘Sagte ich nicht, ich würde mich wehren.’

Der Kapitän schlüpfte aus dem Griff und fletschte die Zähne, wie ein angriffslustiges Raubtier, dass jemand in die Ecke gedrängte hatte. Svent ließ nicht locker und packte nun den Kapitän am Kragen und drückte ihn wieder gegen den Balken. Gespannt wie eine Feder, drückte er seinen Körper gegen den des Kapitäns und spürte wie der Kapitän spürbar gefallen an dem Gerangel fand. Svent schob seine Hüfte gegen den steifer werdenden Schwanz des Kapitäns. Und der Kapitän spürte seinerseits die Härte, die dem Svent nun ebenfalls vorstand. Der Kapitän gab sich einen Ruck und schnappte zu wie ein Raubfisch. Er küsste ihn, hart und unnachgiebig.

Plötzlich bäumte sich die Blue Moon unter ihnen auf, als wäre sie eifersüchtig und das bockende Schiff riss beide fast von den Beinen.

Der Kapitän grunzte missgelaunt und ließ augenblicklich von Svent ab. ‘Jensen, ich werde dich kielholen!’ Der Kapitän sprang förmlich in seine Hose und bevor er sie ganz zugeknöpft hatte, war er schon aus der Tür gestürmt.

 

Fortsetzung folgt… Kielholen am Morgen vertreibt Kummer und Sorgen!

 

 

1799 – Baumwolle für Tobago – Teil 8

1799 – Baumwolle für Tobago – Teil 8

Der Kapitän konnte heute nicht schlafen, seine Kajüte war so leer, seit die Damen ausgezogen waren. Also stand er wieder auf, kleidete sich an und schlenderte übers Deck. Der Matrose, der am Steuer Dienst tat, gähnte mehr, als dass er steuerte, also schickte er ihn ins Bett und übernahm die Schicht bis Sonnenaufgang. Das war die ruhigste Zeit und er war mit seiner Blue Moon und der See alleine, bis die Sonne ihre Segel küsste.

Verträumt blickte er den Sternen entgegen und grübelte über alles was da noch vor ihnen lag. Rosig sah es nicht aus, aber wann war es je rosig gewesen.

Er hatte seine Hände am Steuer und glitt liebevoll über die hölzernen Sprossen.

‘Muss Liebe schön sein, Kapitän.’ hörte er eine tiefe Stimme hinter sich. Es war Svent, auch wenn er noch hinter ihm stand, war seine Stimme unverkennbar.

‘Ja, die einzige Frau in meinem Herzen und sie hat mich nie enttäuscht.’ flüsterte der Kapitän und rieb wieder liebevoll über das Holz. ‘Svent, könnt Ihr nicht schläfen?’

‘Ich bin zu groß für die Hängematte.’ meinte Svent achselzuckend.

‘Ach und die Damen haben jetzt Ihre bequeme Koje?’

Svent nickte und stammelte: ‘In die Koje hab ich auch nicht so richtig Platz gefunden.’

‘Also mein Bett ist bis Sonnenaufgang frei. Ich segel die alte Braut noch eine Weile in den Sonnenaufgang.’

‘Danke für das Angebot, aber das kann ich nicht annehmen.’

‘Was da wohl meine Männer sagen würde, wenn Ihr am Morgen in meinen alten Hosen schlaftrunken aus meiner Kajüte wankt und Euch dann auf Deck ein schattiges Plätzchen sucht.’ witzelte der Kapitän.

Svent grummelte nur verlegen und wand dann den Blick ab.

Also redete der Kapitän einfach weiter: ‘Nachdem ich dann bestenfalls immer noch hier steh, wahrscheinlich eher nichts.’

Svent nickte resigniert und schlich wieder unter Deck.

Erst weit nach Sonnenaufgang kam endlich die Ablösung und als das Schiff langsam wach wurde, schlich sich der Kapitän in seine Kajüte. Johann kam ihm entgegen und grunzte ihn an. Sie verstanden sich dennoch. Johann würde ihn den Vormittag über schlafen lassen und dann würde ihm jemand den Kaffee auf die Kajüte bringen, so wie jeden Morgen.

Mit den Gedanken noch bei seinen Morgenkaffee, öffnete er die Tür zu seiner Kajüte und er wunderte sich nicht schlecht darüber, dass es Svent sich vor seinem Bett gemütlich gemacht hatte. Er lag flach ausgestreckt auf einem Bündel aus seinen neuen Klamotten. Sein massiger Körper war nur stellenweise von einer viel zu kleinen Decke bedeckt. Kopfschüttelnd stieg er über ihn und warf sich mit samt seiner kompletten Montur ins Bett.

Er konnte ein leichtes Zähneklappern hören, also stand er nochmal auf und holte eine Decke aus seiner Truhe. Fast schon liebevoll deckte er den sanften Riesen sorgsam zu und zog sich doch seine Schuhe und sein Jackett aus. Als er seine Perücke vom Kopf zog und sie einigermaßen sorgsam auf den Perückenständer legte, wurde ihm gewahr, dass er von Svent beobachtet wurde.

‘Ich bin froh diesen Flohfummel nicht mehr tragen zu müssen.’ flüsterte er und drehte sich auf die Seite. Der Kapitän stieg über ihn hinweg und antwortete erst, als er sich aufs Bett setzte.

‘Reine Gewohnheitssache und meine Haarpracht ist längst nicht mehr so üppig wie früher.’ meinte er etwas wehmütig und strich sich über sein spärliches Haupthaar. ‘Morgen wird Euch das Kreuz ganz schön weh tun.’

Ein Gähnen war keine zufriedenstellende Antwort, also fuhr er fort. ‘Das Bett des Kapitän ist groß genug…’ meinte er und klopfte grinsend auf die Matratze.

‘Nein Kapitän, so sehr ich auch will!’

‘Keine Sorge, ich bin zu nichts mehr im Stande.’

‘Darum geht’s nicht!’

Diesmal gähnte der Kapitän und meinte dann: ‘Ist vielleicht auch besser so!’

Svent war für einen Moment eingenickt und nach einem Schnarchen kam noch ein: ‘Ich hab schon genug schwarze Schatten auf meiner Seele.’

Betretenes Schweigen hing in der Kajüte, bis der Kapitän die Stille unterbrach: ‘Aber wenn du auf meinem Schiff arbeiten willst, solltest du auch ausgeschlafen sein!’

Nach Beendigung seines Satzes legte sich Kapitän hin und drehte sich um.

Er hörte nur ein Grunzen vom Boden, ein Rascheln und dann bewegte sich die Matratze unter dem Gewicht von Svent. ‘Ich lieg backboard!’ konnte er die tiefe Stimme von Svent noch hören und dann schwappte der animalische Duft des ehemaligen Quartiermeisters an seine Nase.

Dem Kapitän stolperte ein kleiner Stöhner aus der Kehle und Svent musste grinsen. Es dauerte einen Moment bis sein Gast nun endlich richtig lag. Unwillkürlich kamen sie sich dabei näher, es war doch enger als gedacht im Bett des Kapitäns.

Der Kopf des Quartiermeisters kam dem Nacken des Kapitäns so nahe, dass er die Bartstoppeln auf seiner Haut spüren konnte.

‘Lass nicht zu, dass ich dir weh tu!’ flüsterte der Kapitän.

‘Ich werde mich wehren!’ grinste Svent, zwang seinen Arm unter das Kissen des Kapitän und nahm ihn fest in den Arm, als wäre der Kapitän nur eine Puppe. Im nächsten Moment war er eingeschlafen.

Das leichte Schnarchen dieses sanften Riesen wiegte den Kapitän zusammen mit dem sanften Schaukeln seines Schiffes in den Schlaf.

 

Fortsetzung folgt… Kaffee bei acht Glasen…

1799 – Baumwolle für Tobago – Teil 7

1799 – Baumwolle für Tobago – Teil 7

‘Kapitän? Wo ist mein Stiefvater?’ frug Mariebelle. Sie stand immer noch vor dem Tisch und war wohl etwas ungehalten über die Sitten an Bord der Blue Moon.

‘In Einzelhaft!’ meinte der Kapitän mürrisch und stocherte in seinem Essen herum, während er scheel auf sein leeres Glas blickte.

‘Und seine Männer?’ wollte Svent wissen. Er schaufelte sich seinen Napf voll und freute sich schon sichtlich auf etwas Warmes im Bauch.

‘Im Loch!’ meinte der Kapitän mürrisch. ‘Nun setzt Euch schon hin. Lasst uns essen. Es war ein harter Tag.’

‘Und der Tag ist erst zu Ende, wenn wir alle ordentlich untergebracht haben.’ grummelte Johann und schaufelte bereits die zweite Portion in sich hinein.

‘Kriegen denn auch alle genug zu essen?’

‘Unser Obi hat die Küche übernommen!’ mampfte Svent und grinste Obi an, der gerade wieder zur Tür herein kam.

‘Werte Missi, Euch geht es doch gut, oder? Mama würde mich sonst im Schlaf heimsuchen und mich arg ausschimpfen, wenn ich mich nicht um alle gut kümmern würde.’ rief Obi, stellte den Kessel ab und schaufelte weiter Teller und Näpfe voll.

Mariebelle wurde sichtlich kleiner und blickte Obi an wie ein kleines Kätzchen: ‘Ach Obi, es ist so viel passiert.’ Sie musste schwer schlucken und begann leise an zu schluchzen ‘Geht es allen gut?’

‘Ich füttere alle gut, weil wir sitzen alle in einem Boot.’ rief Obi und versuchte Maribelle an der Schulter zu tätscheln.

‘Ja und wir machen einen Stopp auf Madeira, um Wasser und Futter zu fassen, damit wir auch alle heil nach Tobago kriegen.’ rief der Kapitän und versuchte Obi mit Blicken dazu zu bewegen, seinen Becher nochmal zu füllen.

‘Ihr wisst doch, dass meine Mutter euch nicht so behandeln würde und wie mein Stiefvater es getan hat!’ rief Mariebelle nun aufgebracht und fing dann noch mehr an zu heulen.

Obi kniete sich neben sie und nahm sie in den Arm. ‘Missi, ich kann Mam’sel schon hören, sie schimpf über das kleine verzogene Kätzchen!’ Er war in der Hocke genauso groß, wie die junge Lady im Sitzen. Erst jetzt erkannte der Kapitän, wie klein und verletzlich das kleine Kätzchen eigentlich war. Alles andere war nur eine schöne Fassade.

‘Katze an Bord, Glück geht fort.’ rief Johann. Er war mit dem dritten Napf fertig und machte Anstalten wieder an die Arbeit gehen zu wollen.

‘Ist Madeira so eine gute Idee?’ frug Svent.

‘Madeira soll um diese Jahreszeit echt wunderschön sein.’ grinste der Kapitän.

Svent zog nur eine Augenbraue hoch.

‘Ach, wegen der britischen Besatzung. Ich hab ein paar gute Freunde auf Madeira und die pissen den Engländern gerne ins Bier und verkaufen mir ihren besten Whiskey.’ grinste der Kapitän wieder.

‘Ihr macht Geschäfte mit Schotten?’ rief Maribelle empört.

‘Immer noch besser als mit den Engländern Geschäfte zu machen. Ihr tut ja grade so, als würde ich mit jedem ins Bett steigen.’

‘Das habe ich aber nicht gesagt.’ meinte sie beschämt.

Svent grinste wieder dreckig.

 

Fortsetzung folgt….Alle Segel am Wind….

1799 – Baumwolle für Tobago – Teil 6

1799 – Baumwolle für Tobago – Teil 6

In der Messe entzündete ein Schwarzer die Kerzen, dann deckte er fast schon liebevoll den Tisch und der Smut brachte das Essen.

‘Danke nochmal, dass ich in der Küche helfen darf.’ stammelte der Schwarze mehr zu dem Geschirr, als zum Smut.

‘Ist schon gut, ich hab mit der Gesundheit von allen genug zu tun, dass ich sogar noch zwei beschäftigen kann, um alle satt zu kriegen.’ jammerte der Smut.

Der Kapitän stand in der Tür und meinte: ‘Johann schreib das auf, dann haben wir nochmal zwei beschäftigt. Wenn Magnus bei dir in der Kabine schlafen würde, könnte er quasi eine Praxis aufmachen.’

Johann tauchte hinter dem Kapitän auf und hielt eine Schiefertafel und ein Stück Ölkreide in seinen Händen und machte sich fleißig Notizen.

Der Schwarze ging dienstbeflissen und verschwand in Richtung Kombüse.

‘Ja, das ist gut und die beiden Damen können ja auch dabei helfen, vor allem bei den Frauen und Kindern. Magnus ist immer so ruppig.’ witzelte der Kapitän.

Der Smut stand wieder in der Tür und grinste verärgert: ‘Der Bub kann mir ja bei den Nähten helfen, wenns wieder einen von der Rah wichst. Meine Hände werden bestimmt nicht ruhiger, bei dem ganzen Stress.’

Der Schwarze kam wieder und brachte noch mehr essen und meinte eher beiläufig: ‘Meine Brüder können auch helfen?’

‘Ja, das ist noch besser, dann könnt ihr im Lager vor der Kombüse schlafen, weil der Smut zieht dann in die Kabine um, wie es seinem Rang eigentlich zusteht.’ meinte der Kapitän und blickte den Smut dabei unvermindert an.
Der Smut machte ein grimmiges Gesicht und wandte sich wieder zu dem Schwarzen: ‘Obi, sag mir nochmal ihre Namen, ich hab noch nicht alle durch.’

‘Meine Brüder waren vor mir dran, Umo und Ani!’

‘Ja, sie sind gesund, wenn auch unterernährt, da ist die Küche der beste Platz.’ faselte der Smut.

‘Hab ich euch schon mal gesagt, dass ich euch alle liebe…!’ rief der Kapitän rührselig und erhob sein Weinglas. ‘…für eure Arbeit.’ Dann kippte er sich das volle Glas in den Rachen. ‘Ohne euch würde ich das alles nicht durchstehen.’

‘Meine Mama hat immer gesagt, erst Essen dann trinken.’ meinte Obi. ‘Denn das ist sonst nicht gut für das Gemüt.’ Dann grinste er über beide Ohren, zeigte allen seine strahlend weißen Zähne und goß das leere Weinglas wieder voll. ‘Wir sind alle sehr dankbar für Eure Freundlichkeit uns allen Arbeit geben zu wollen. Uns ist allen bewusst, dass Ihr Euren Hals und Euer Schiff für uns alle aufs Spiel setzt.’

‘Naja, wenn ich jetzt ein Pirat bin, dann darf ich jetzt auch vor dem Essen saufen!’ rief der Kapitän und hob sein Glas erneut.

‘Kapitän, ich mach mir Sorgen.’ meinte Johann ernsthaft besorgt.

‘Johann, ist schon gut. Es war ein schwerer Tag für einen Säufer.’ säuselte der Kapitän in sein Weinglas.

Obi machte den Teller des Kapitäns mit der doppelten Portion voll und meinte, mehr zu sich selbst als zum Kapitän: ‘Meine Mama wird sich sonst im Grab umdrehen.’

‘Obi, verrate mir den Namen deiner Mutter. Sie war wohl eine sehr kluge Frau und ich freu mich noch mehr von ihren Weisheiten zu hören.’ meinte der Kapitän und begann brav zu essen, bevor ihn noch der Zorn der alten Dame traf.

‘Mam’sel, Kapitän. Alle nannten sie Mam’sel.’ meinte Svent. ‘Wir haben Sie hinter den Ställen begraben und ich vermisse ihren Eintopf und ihr Lachen.’

‘Oh, Maître Enrikson. Wohlauf?’ fragte Obi und machte eine ehrerbietige Verbeugung. ‘Mein Eintopf ist auch nicht schlecht, aber nicht so gut wie der von Mam’sel.’

‘Obi, nenn mich bitte Svent, der Maître Enrikson ist nun Geschichte.’ rief Svent und hielt ihm die Hand hin. ‘Können wir dem Schneiderlehrling einen Napf voll Suppe auf die Kajüte bringen?’

‘Mast und Schotbruch. Ich hab den Buben vergessen.’ fluchte der Smut und eilte aus der Messe. Dann kam er einen Moment später kopfschüttelnd wieder zurück und Obi hielt ihm lächelnd einen gefüllten Napf hin, mit Brot und Löffel gespickt.

Von draußen konnte man eine zierliche Stimme hören. ‘Ach, Herr Doktor. Sehen Sie nach meinem Brüder. Kann ich mitkommen?’

‘Ich bin kein Doktor. Ich bin der Smut, aber begleitet mich ruhig, bevor ich noch den Weg dorthin vergesse.’ rief der Smut und nachdem seine Hände bereits zu zittern begannen, nahm die gute Betty ihm den vollen Napf ab und folgte ihm auf dem Fuße.

‘Ihr lasst wirklich alle vom Smut behandeln.’ rief Mariebelle aufgebracht.

‘Er ist Hufschmied!’ mampfte Johann.

‘Ihr lasst wirklich alle von einem Hufschmied behandeln.’ rief Mariebelle wieder. Sie musste sich mit dem Knie auf die Sitzbank stützen, bevor sie tief Luft holen konnte. Doch bevor sie erneut etwas sagen konnte, unterbrach sie der Kapitän etwas unwirsch: ‘Er macht Witze. Er ist ein Tierarzt. Zumindest hat er eine Art medizinische Ausbildung gehabt, bevor er sich die Medikamente lieber selbst verschrieben hat, aber für uns hier an Bord haben seine Dienste immer gereicht.’

Johann schlang seinen letzten Bissen runter und meinte dann wieder, während er sich den Mund am Ärmel abwischte: ‘Er macht seine Sache wirklich gut, nur das mit den Nähten…!’ Johann fummelte an seiner Hose herum und fuhr fort: ‘Also die Unfälle an Bord sind drastisch zurückgegangen, seit ich das hier habe…’ Er riss sich ungefragt sein Hemd hoch und entblößte seinen Bauch. Darauf dominierte eine echt hässliche Narbe, worauf sich das Fräulein van der Houthen die Hand vor den Mund presste.
Der Kapitän begann zu fuchteln und bellte ihn im Befehlston an: ‘Johann, pack dein Einhorn wieder ein, du erschreckst damit unsere Lady!’
Obi goß ihr einen Schluck Wein ein und animierte sie zum Trinken. Svent prustete als er das vermeintliche Einhorn sah, verschluckte sich und bekam dann erst nach einem Moment ein Wort zustande, dass wie ‘Einhorn?’ klang, dann räusperte er sich nochmal und fuhr fort: ‘Herr Johann, habt Ihr schon mal ein Einhorn gesehen, weil das hier sieht bestenfalls aus wie ein einohriges Kaninchen!’ Danach mussten Johann und Svent so herzlich lachen, dass sogar der Kapitän und schlussendlich das junge Fräulein van der Houthen zu lächeln begann.

Fortsetzung folgt hart Backbord…

1799 – Baumwolle für Tobago – Teil 5

1799 – Baumwolle für Tobago – Teil 5

3202320569_7b3d426624_bZiemlich erleichtert kam der Kapitän aus seiner Kajüte und ging kopfschüttelnd hinüber zur ehemaligen Kabine des Lieutenant. Diesmal klopfte er und nach einem ziemlich tiefen: ‘Herein!’ öffnete er die Tür.

Drinnen stand ein großer, nackter Kerl mit einem grauen Pferdeschwanz am Waschtisch und versuchte sich die Farbe vom Körper zu reiben.

Der Kapitän räusperte sich, kam aber nicht umhin den nackten Riesen weiterhin anzustarren und hatte dabei einen phantasmagorischen Ausblick auf einen Pferdeschwanz und dabei war diesmal nicht seine ergraute Frisur gemeint.

Nach einem erneuten Räuspern, rief der Kapitän: ‘Ich such den Quartiermeister vom werten Lieutenant van der Houten.’

‘Den hamse wohl gefunden!’ meinte der nackte Riese.

‘Hat Johann nichts zum Anziehen gebracht?’ frug der Kapitän.

Der Quartiermeister schlang sich ein Handtuch um die Hüften. ‘In die Hosen vom Lieutenant passe ich nicht rein!’

Ein ‘Oh’ stolperte aus dem Mund des Kapitäns. Er musste unverwandt auf das Handtuch starren, es war nur mit Müh und Not lang genug, um… meine Fresse war der riesig. Bevor dem Kapitän ein Spuckefaden aus dem Mund laufen konnte, räusperte er sich und fuhr fort: ‘Vielleicht kann die werte Schneiderin ja eine meiner Hosen auslassen? Aber Verzeihung, ich hab mich nicht vorgestellt. Ich bin der Kapitän. Kapitän Eik Skylarson. Willkommen auf der Blue Moon!’

‘Wie geht es meiner Schwester?’ hörte er von einer der Kojen. Der Kapitän versuchte an dem Riesen vorbei zublicken und sah einen recht zierlichen, blonden Jungen unter einer Decke liegen, der ziemlich verdroschen aussah.

‘Augenscheinlich besser als Euch!’ versuchte er den Jungen zu beruhigen.

‘Der Schneiderlehrling ist ganz schön zäh, auch wenn er nicht so aussieht.’ rief der Riese. ‘Ich bin Maître Svent Enrikson. Aber nachdem ich wohl desertiert bin, bin ich einfach nur Svent.’ Und hielt dem Kapitän seine riesige Pranke hin und fuhr fort: ‘Wie kann ich Euch helfen?’

Der Kapitän rief erschrocken: ‘Wie helfen?’

‘Ich will für meine Überfahrt bezahlen, aber ohne Hosen, keine Taschen, also auch kein Geld. Also muss ich sie abarbeiten.’

‘Ja, der Johann kann bestimmt Hilfe gebrauchen. Aber ich bräuchte erstmal Hilfe mit den beiden Damen.’ rief der Kapitän und ließ sich erschöpft auf einen Hocker fallen. ‘Die beiden Damen bringen mich noch um meinen Verstand, wenn sie noch länger in meiner Kajüte sich selbst überlassen sind.‘

Der Riese lehnte sich gegen den Waschtisch und meinte großherzig: ‘Ich kann gerne an Deck schlafen, dann können die Damen meine Koje haben.’

‘Also wenn hier jemand auf Deck schläft, ist es der Kapitän. Alles ist besser, als nochmal ohne Anklopfen in meine eigene Kajüte zu platzen.’ schnaubte der Kapitän.

Der Junge stemmte sich hoch und rief erschöpft: ‘Ich red mit den Beiden, es darf ohnehin niemand mitbekommen, was die beiden miteinander treiben.’

‘Den Jungen kann man mit den Beiden aber auch nicht alleine lassen!’ stellte Svent völlig ernst fest und blickte auf den Jungen herunter. Dann aber zerbrach seine ernste Miene in ein dreckiges Grinsen. ‘Nicht dass sie dein jugendliches Gemüt noch völlig versauen.’

‘Schlaf du doch bei den Beiden!’ rief Jaren schnippisch.

‘Ich denke mein unschuldiges Gemüt kann dem Treiben nicht beiwohnen.’ grinste Svent.

‘Sagt der, der nur ein Handtuch anhat.’ maulte Jaren nach.

‘Am Besten würfeln wir, wer wo schläft, aber bei mir würde der Junge auch nur unnötig versaut werden. Also steht es mir eigentlich überhaupt nicht zu, mich über das Treiben der beiden Damen zu echauffieren.’ erklärte der Kapitän und wunderte sich mal wieder über sich selbst, denn nicht mal Johann wusste davon. Er stand auf und fuhr fort: ‘Aber auf einem Schiff voller ausgehungerter Männer, ist es besser, die Mannschaft nicht auf dumme Gedanken zu bringen.’

Svent musste leicht grinsen und sagte: ‘Also wenn ich eine Hose habe, helfe ich wo ich kann.’

‘Unser Smut ist sowas wie ein Arzt, er soll sich den Jungen nochmal ansehen. Ich geh mich mal um eine passende Hose kümmern. Wir sehen uns zum Abendessen in der Messe und dann reden wir…ich hab da noch einige Fragen.’ erklärte der Kapitän und ging wieder zur Tür.

‘Ein Hemd wäre auch nicht schlecht, nicht dass ich Euch noch auf falsche Gedanken bringe.’ grinste Svent und rieb sich den Bart. Danach waren seine Finger wieder schwarz.

Aber das bekam der Kapitän schon nicht mehr mit, weil er bereits kopfschüttelnd aus der Tür gestürzt war. Kaum war er aus der Kabine gestürzt, riss er nun endgültig die Perücke vom Kopf und raufte sich die Haare.

Wo war Johann? Er musste jemanden anschreien!
Fortsetzung folgt ohne Mast und Schotbruch…

1799 – Baumwolle für Tobago – Teil 4

1799 – Baumwolle für Tobago – Teil 4

3202320569_7b3d426624_bDer Kapitän schlenderte über Deck, rieb sich seine Schlaghand und belauschte seine Männer beim Tuscheln. Von Meuterei hörte er. Er drehte sich um, zog eine Augenbraue hoch und begann Selbstgespräche zu führen: ‘Also ich bin der Kapitän und da kann ich ja schlecht gegen mich selbst meutern. Nur weil ein Teil der Obrigkeit die eigenen Gesetze mit Füßen tritt, muss der Kapitän ja nicht blind mitmachen. Ich wollte schon immer mal Sklaven befreien. Madeira wir kommen.’

Dann hörte er nur noch ‘Piraterie’. Damit könnte er leben.

Er grübelte so vor sich hin und fand sich vor seiner Kajüte wieder. Er trat gedankenverloren ein und als er beide Damen bei einer inniger Liebkosung ertappte, klopfte er doch an die bereits offene Tür, um sie umgehend zu schließen. Seine Männer würde durchdrehen, wenn sie das sehen würden, was ihn eher kalt ließ.

Selbst das Öffnen der Tür, noch das Klopfen, weder das Schließen der Tür oder seine Schritte hatten die Damen bei dem gestört, was sie da taten. Er war wie zu einer Salzsäule erstarrt. Doch als er zu viel nackte Haut sah, löste sich seine Starre und er räusperte sich. Die Damen stoben regelrecht auseinander und während Maribelle eher gelassen ihre Kleidung zurecht rückte, zog sich die andere einfach nur die Decke über den Kopf.

Er räusperte sich nochmal und meinte eher zu seinen Schuhen: ‘Ich wollte nicht stören, aber wir haben alle abgewaschen und noch 2 falsche Neger gefunden.’

Die Andere zog die Decke wieder vom Kopf und stotterte: ‘Jaren, wie geht es meinem Bruder?’

‘Unser Smut kümmert sich um alle. Keine Sorge. Sorgen mache ich mich eher um die Kinder und die Schwangere, die wir aus den Kisten gezogen haben.’

‘Mein Stiefvater ist so ein habgieriger Bastard.’ rief Mariebelle und die Andere fing an zu weinen und verkroch sich wieder unter der Decke.

‘Also, noch ist das meine Kajüte, also bitte beschränkt eure Privatsachen auf die Abendstunden. Ich bin es nicht gewohnt, dass ich an meiner eigenen Tür klopfen muss.’

‘Verzeihung Kapitän, aber Betty ist meine …’ sie schluckte. ‘Wir haben nicht mehr viel Zeit. Auf Tobago wartet mein Verlobter.’

‘Jetzt verstehe ich gar nichts mehr.’ stammelte der Kapitän und ließ sich auf seinen Stuhl fallen.

‘Also Jean Fils san’Enclore ist mein Verlobter und wartet auf Tobago auf mich und Betty ist meine Schneiderin und…’ Ihre Stimme brach und sie fing ebenfalls an zu schluchzen, auch wenn es vielleicht nur gespielt war, verfehlte das Schluchzen seine Wirkung nicht.

Er legte sich die Finger auf den Mund. ‘Sch… sch… sch… sch! Das könnte ich vorhin ja sehen. Und wer sind die beiden Herren, die wir gerade befreit haben?’

‘Ach, einer ist Jaren, Bettys Bruder und der Andere ist… war der Quartiermeister von meinem Stiefvater.’ schluchzte Mariebelle.

‘Darf ich fragen was mit Eurer Mutter ist?’

‘Die ist auf Tobago und dekoriert unser neues Haus.’

‘Werte Mariebelle, Euch ist hoffentlich klar, dass wenn Ihr werter Vater je auf Tobago ankommt, wir alle wegen Piraterie gehängt werden.’

‘Stiefvater!’ stolperte aus ihrem Mund und dann meinte sie schnippisch: ‘Dann werft ihn doch über Bord. Meiner Mutter und mir macht das bestimmt nichts aus und meine Mutter würde es Euch vergolden, wenn Ihr es mit Euren eigenen Händen tun würdet.’

‘Selbst für den Mord an einem Offizier dieser Pseudoregierung werde ich wohl nicht nur gehängt, sondern geköpft.’

‘Dann mache ich es selbst. Wo ist er?’ rief Mariebelle und versuchte von der Koje aufzuspringen. Dann hielt sie sich die Hand an den Kopf und musste sich wieder setzen.

‘Darüber reden wir noch! Ich sehe jetzt nach Jaren und ich möchte mit dem Quartiermeister sprechen.’ meinte der Kapitän, blickte sie scheel an und stand von seinem Stuhl auf. ‘Außerdem hab ihr nicht besonders viel an, also bleibt ihr besser hier. Johann sucht schon fieberhaft nach Euren Kisten.’

Er tippe an seiner Perücke, als hätte er seinen Hut an. Dann nickte er den beiden Damen zu und machte auf der Stelle kehrt, um zur Tür zu gehen.

Wo war eigentlich sein Hut und er musst Johann danach fragen und warum hatte Johann für die beiden Damen nur so knappe Hemdchen gefunden und wo hatte er diese Hemdchen nur her? Langsam war aus seinem Affenstall ein wahres Irrenhaus geworden. Er überlegte sich, seine Perücke vom Kopf zu reißen, um sich seine letzten Haare zu raufen.

 

Fortsetzung folgt mit drei Handbreit Wasser unterm Kiel…

1799 – Baumwolle für Tobago – Teil 3

1799 – Baumwolle für Tobago – Teil 3

3202320569_7b3d426624_bDer Kapitän stand auf Deck und blickte fast schon sehnsüchtig auf den Horizont.

‘Kapitän, wir haben noch zwei falsche Neger gefunden, in der Baumwolle!’ rief Johann ganz aufgeregt und warf dann noch ein: ‘Sachen gibts!’ hinterher.

 

Sehr gut, da wird unsre Lady Mariebelle aber froh sein.’ meinte der Kapitän noch zur See gewandt und fuhr dann im Befehlston fort: ‘Lass die Passagierkabinen ausräumen. Schau was wir von den Sachen den armen Schweinen zum Anziehen geben können und gib den zwei falschen Negern was Ordentliches zum Anziehen und die Kajüte vom Lieutenant. Und die Anderen könnt ihr wieder beziehen, oder? Verteile die armen Schweine so, dass jeder einen sauberen und trockenen Schlafplatz hat. Ich will wissen, ob es allen gut geht. Der Smut soll sich alle anschauen, wenn sie sich gewaschen haben. Und er soll sich einen für die Küchenarbeit raussuchen.’

Johann fiel seinem Kapitän ins Wort: ‘Aber wir können doch nicht…’

‘Magnus liegt mir seit der letzten Überfahrt in den Ohren, dass er Hilfe in der Kombüse braucht.’ rief der Kapitän mit einem Tonfall, als würde er sich eigentlich nicht erklären müssen, weil er schließlich der Kapitän ist, aber es trotzdem tat.

‘Ja, aber…’ rief Johann wieder empört.

‘Auch wenn ihr mich immer als Sklaventreiber beschimpft, bin ich euch jemals den Lohn schuldig geblieben?’ lamentierte der Kapitän.

‘Ach ich soll sie alle auf die Lohnlisten schreiben? Auch die Frauen und Kinder?’ meinte Johann pflichtbewusst und begann in seiner Tasche nach einer Liste zu kramen.

Ich bin doch kein Unmensch, Johann!’ rief der Kapitän und erst dann schien er das eben gesprochene wirklich zu verstehen und schrie regelrecht: ‘Was für Kinder?’

‘Da sind auch Frauen und Kinder dabei?’ erklärte Johann nun leicht ärgerlich, weil der Kapitän ihm aber auch nie zuhörte, fuhr aber doch mit ruhiger Stimme fort. ‘Ich hab mindestens eine Schwangere gesehen!’

Der Kapitän kam ins Straucheln. Er ging kopfschüttelnd unter Deck und Johann lief ihm hinterher.

‘Ich möchte, dass die Frauen und die Kinder den vorderen Laderaum bekommen. Schaff die Kisten vom Lieutenant nach hinten. Die Schwangere wird ein richtiges Bett brauchen. Notfalls müssen wir doch eine Kabine mit Ihnen besetzen.’ meinte der Kapitän und ging schnurstracks zum hinteren Laderaum.

‘Ach und schau bei allen Sachen, die du in die Hände bekommst und vor allem in die Kisten vom Leutnant, was wir auf Madeira zu Geld machen können und ich bin gespannt, ob es tatsächlich eine Aussteuer von der jungen Lady gibt.’ flüsterte der Kapitän ziemlich geheimnistuerisch, dann brach seine Stimme und er flüsterte mehr zu sich selbst als zu Johann: ‘Ehrlich, ich hab keine Ahnung, wie ich das alles bezahlen soll. Meine alte Lady und ich waren schon völlig abgebrannt, als wir diesen vermeintlichen Auftrag von den Franzaken angenommen haben.’

Links und rechts vom hinteren Laderaum waren ein paar Verschläge, die eigentlich für Schmuggelware gedacht waren, aber im Moment war einer der Verschläge von dem Herrn Lieutenant belegt. Die Männer des Lieutenant waren vorne im Loch untergebracht worden.

‘Johann, hast du nicht genug zu tun?’ fragte der Kapitän, bevor er den Verschlag öffnete.

Eine kleine Lampe hing über der Tür und flackerte schummrig. Der Lieutenant war an die Bordwand gekettet worden. Er hob den Kopf und ein Knebel ließ ihn eher unfreiwillig grinsen.

‘Lieutenant, was für ein abartiger Bastard seid Ihr eigentlich. Kinder und Schwangere in die Kisten zu strecken. Die wären bis Tobago alle verreckt.’ spie der Kapitän ihm entgegen.

Der Lieutenant versuchte sofern es die Fesseln zuließen mit den Achseln zu zucken. Dafür verpasst der Kapitän ihm einen harten Schlag ins Gesicht.

‘Das ist für die Schwangere und jetzt geh ich die Kinder zählen und dann komm ich wieder.’

Der Lieutenant tat so, als hätte ihn der Schlag nur gestreift. Aber Blut begann aus seiner Nase zu laufen. Der Kapitän schlug ihm nochmal, diesmal aufs Auge.

‘Ach und dass ist für das junge Ding, dass ihr mit Schuhcreme angemalt habt….’

Dann ging der Kapitän wieder und ließ den Lieutenant blutend zurück. Die Tür knallte und die Lampe erlosch.

 

Fortsetzung folgt auf hoher See…

1799 – Baumwolle für Tobago – Teil 2

1799 – Baumwolle für Tobago – Teil 2

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Mit den Frachtlisten unterm Arm schlenderte der Kapitän zur Messe hinüber, wo der Lieutenant schon sehnsüchtig zu warten schien. Johann schlich ihm hinterher, blieb aber vor der Messe stehen.

‘Das Laden hat etwas länger gedauert, aber der Wind steht gut.’ meinte er kurz und machte Anstalten wieder gehen zu wollen.

‘Ihr habt ja das Gemüt eines Fleischerhundes. Wenn ich mich nicht recht irre, gab man Ihnen genaue Order, wann die Blue Moon auf Tobago anzukommen hat.’

‘Die See ist eine launische Hure, nur wenn man sich ihr ganz hingibt, kommt man auch zur rechten Zeit, werter Lieutenant.’

‘Euer Wort in Gottes Ohr!’

‘Hoffnungslos sind die Gottgläubigen auf hoher See!’ rezitierte er anscheinend aus seiner persönlichen Bibel und ging wieder aus der Messe, mit den Frachtlisten wedelnd.

‘Was habt Ihr nun vor, Kapitän!’ fragte der Lieutenant.

‘Ach, ich werd jetzt die Frachtlisten überprüfen, nicht dass bei der ganzen Hektik noch etwas durcheinander geraten ist.’ trällerte der Kapitän und verließ die Messe.

Dem Lieutenant entgleisten regelrecht seine Gesichtszüge, als der Kapitän die Frachtlisten erwähnte und folgte ihm neugierig.  

‘So Johann, wo ist der Küper?’ frug der Kapitän ganz beiläufig und am Ende des Ganges machte ein verschroben wirkender Kerl Meldung.

‘Israel Jonason, meldet sich zur Stelle, Kapitän’

‘Israel Jonason, nun schauen wir mal, ob du dem Analphabetismus wirklich abgeschworen hast, mein Freund. Auf in den Laderaum.’ trällerte der Kapitän hoch erfreut und schlenderte weiter.

Der Kapitän zog seine Kontrolle des Laderaumes so unnötig wie möglich in die Länge und der Lieutenant schwänzelte die ganze Zeit in der Nähe herum und belauschte und beobachtete den Kapitän, den Küper Jonason und Johann dabei, wie sie jede einzelne Kiste beäugten.

Nach gefühlten Stunden kamen sie ganz hinten im Laderaum an und der Kapitän fragte: ‘Sag mal, Israel. Ich kann dein Gekritzel gar nicht entziffern. Was soll das heißen?’

‘B….baum….w…w….wolle?’ stammelte der Küper.

‘Nein, das kann ja nicht stimmen.’ rief der Kapitän empört. ‘Nur ein Narr bringt Baumwolle nach Tobago!’

‘Da steht aber Baumwolle, aber ich hab das nicht geschrieben, Kapitän!’ sagte der Küper zu seiner Verteidigung.

‘Wie kann das dann sein, dass in deiner Frachtliste gar plötzlich Baumwolle steht?’ erwiderte der Kapitän leicht amüsiert.

‘Der Morgenschiss kommt ganz gewiss, auch wenn es spät am Abend ist, würde ich mal sagen!’ rief der Küper und zog dabei die Schultern hoch.

‘Isreal, in Zukunft nehme ich es eher in Kauf noch später anzukommen, als dass deine Frachtlisten für Jedermann zugänglich sind, wenn du beim Scheißen bist, Israel!’ befahl der Kapitän und am Ende hatte er seinen Küper gepackt und schrie ihn regelrecht an.

‘Jawohl, Kapitän!’ rief der Küper Israel Jonason pflichtbewusst.

‘Johann, Israel! Ihr wisst was das jetzt heißt, wir müssen jede einzelne Kiste ganz hinten aus dem Laderaum holen, aufmachen und neu beschriften, nicht dass wir am Ende noch Ärger mit der Regierung bekommen, wenn hier was nicht stimmt.’ flüsterte der Kapitän so laut, dass es vor allem der Lieutenant hören hätte müssen.

Kaum war Johann dabei die erste Kiste aufhebeln zu wollen, schlenderte der Lieutenant ihnen entgegen und mit seiner näselnden Blasiertheit fragte er den Kapitän: ‘Was tut er denn da?!’

‘Wir sehen nach, was in der Kiste LV – 426 ist!’

‘Und warum macht er das?’

‘Weil irgendein hirnloser Trottel die Kiste LV – 426 mit Baumwolle klassifiziert hat und nicht mal ein Depp bringt Baumwolle nach Tobago.’ rief der Kapitän und lachte wie ein Verrückter. Johann und Israel lachten auch, weil ihr Kapitän lachte und der Lieutenant und seine beiden Begleiter, die ganz plötzlich neben ihnen aufgetaucht waren, blickten drein, als wären sie auf einer Beerdigung.

Der Lieutenant schluckte schwer und drängte sich zwischen die Männer: ‘Ich glaube das wird nicht nötig sein. In den Kisten befindet sich die Aussteuer für meine Stieftochter, alles aus feinster Baumwolle aus Tobago!’

‘Dann stimmt aber der Lagerort nicht, wenn es sich um Privatsachen handelt. Wenn der Laderaum hinten vollläuft, dann wird die ehrenwerte Tochter des Leutnants die nächste Zeit wohl nicht verehelicht werden. Die Stockflecken kriegt man nie wieder aus dem schönen Geschmeide.’ rief der Kapitän, wunderte sich selbst einen Moment über seinen letzten Satz und schob dann gleich eine Frage hinterher. ‘Wo ist denn eure Tochter eigentlich?’

‘Meine Stieftochter ist vor der Abfahrt schwer erkrankt!’

Aus der Kiste konnte man ein Gewimmer hören.

‘Kapitän, die Kiste macht Geräusche!’ meinte Johann leicht verstört.

Der Kapitän legte den Finger auf den Mund und brachte den Lieutenant für einen kleinen Moment zum Verstummen.

‘Hilfe!’ konnte man genau hören und es kam aus der Kiste.

‘Herr Lieutenant, Ihr werdet doch nicht eure Tochter in die Kiste gesperrt haben, weil sie nicht artig war?!’ fragte der Kapitän und gab Johann einen Wink. Dann Pfiff der Kapitän und während Johann die Kiste aufbrach, wurden die beiden Männer des Leutnants bereits überwältigt.

‘Stieftochter!’ rief der Lieutenant empört.

‘Werter Lieutenant van der Houthen, wenn sich in dieser Kiste das befindet, was ich denke, kann ich schon mal versprechen, dass wir nicht pünktlich auf Tobago ankommen werden.’

Johann hob ein Bündel Fetzen aus der Kiste und stellte es sachte vor seinem Kapitän.

Unter dem Dreck und den Lumpen versteckte sich ein junges Mädchen. Auf den ersten Blick schien sie schwarz zu sein, aber wenn man ein Wenig genauer hinblickte, durchschaute man die Maskeade gleich.

‘Schuhcreme, Leutnant!’ rief der Kapitän. ‘Nur ein Narr schmuggelt gefälschte Neger nach Tobago, Lieutenant!’

Dann wischte der Kapitän mit einem der Lumpen über das Gesicht des Mädchens. Sie quietschte und versuchte sich zu wehren, denn unter der Schuhcreme war nicht nur ein blondes Mädchen versteckt, nein es war ein blondes Mädchen mit einem riesigen Veilchen übers halbe Gesicht.

‘Die beiden schrumpeligen Eier des Lieutenants könnt ihr ins Loch stecken, aber der Lieutenant bleibt hier bei mir, bindet ihm die Hände!’ rief der Kapitän wieder und fuhr dann fort. ‘Johann, mach auch die anderen Kisten auf. Jonason bring die junge Dame in meine Kajüte und mach das was die junge Lady van der Houthen sagt und kümmere dich persönlich darum, dass es beiden an nichts fehlt.’ Der Lieutenant versuchte sich aus seinen Fesseln zu befreien. ‘Ja, Eure liebreizende Tochter hatte mich bereits über den Inhalt der Kisten in Kenntnis gesetzt.’

‘Stieftochter!’ schrie der Lieutenant.

‘Smutje soll sich schon mal Gedanken machen, wie er 2 Duzend zusätzlich durchbringt. Wir machen einen Zwischenhalt auf Madeira, Wasser und Proviant auffrischen.’

 

Fortsetzung folgt…

1799 – Baumwolle für Tobago – Teil 1

1799 – Baumwolle für Tobago – Teil 1

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Auf dem Frachtensegler ‘Blue Moon’ war der Kapitän unter Deck in seiner Kajüte und brütete über seinen Seekarten. Sie waren gerade erst aus dem Hafen raus und waren jetzt schon unter Zeitdruck, weil das Löschen wieder ewig gedauert hatte und die neue Ladung viel zu spät freigegeben wurde. Sie hatten einen Auftrag der Regierung angenommen und sollten Waffen und Munition, sowie Lebensmittel und andere Handelsgüter zu den holländischen Kolonien bringen und ein paar Passagiere waren auch an Bord. So ein lukratives Geschäft sollte man sich nicht entgehen lassen, aber wehe dem, der die Ladung nicht zur rechten Zeit an den Zielort bringt und ganz zu schweigen, wenn die Herrschaften nicht rechtzeitig ankommen würden.

Es rumpelte vor seiner Tür und dann klopfte jemand.

‚Kapitän, der Lieutenant will Euch sprechen und wir haben das hier im Laderaum gefunden.‘ meinte sein grobschlächtiger Steuermannsmaat und schubste ein Bündel Fetzen mit einem Sack über dem Kopf in die Kajüte.

‚Ein blinder Passagier, Kapitän!‘ meinte der Maat und zog den Sack vom Kopf des blinden Passagiers.

Der Kapitän erkannte ein mädchenhaftes Gesicht unter all dem Dreck. Der Maat wollte die Person hochreißen, doch der Kapitän winkte ab und schickte den Maat mit folgenden Worten aus der Kajüte: ‚Ist schon gut Johann, der Lieutenant soll sich noch einen Moment gedulden.‘

Der Maat ließ die Tür knallen und der blinde Passagier rappelte sich nervös auf und blickte sich ängstlich in der Kajüte um. Der Kapitän hatte dem Geschehen den Rücken zugedreht und goss sich einen Becher Rum ein. ‚Wie ist dein Name, Mädchen?‘

‚Hans!‘ räusperte sich der blinde Passagier.

Er drehte sich um, zog eine Augenbraue hoch und kam wieder zu dem Häuflein Elend getreten, das eben noch in einem Sack gesteckt hatte.

‚Ihr mögt meine Männer getäuscht haben, aber ich sehe unter dem Schmutz und den hastig geschnittenen kurzen Haaren, ein junges Mädchen.‘

Er nahm sein Schnupftuch aus der Hosentasche, befeuchtete es mit Rum und wischte über das verängstige Gesicht des blinden Passagiers.

‘Und ein Hübsches noch dazu!’ meinte er grinsend. Er musste sie mit der anderen Hand unwirsch festhalten, weil sie versuchte dem getränkten Tuch zu entkommen.

Schließlich ließ er von ihr ab, setzte sich wieder hin und blickte gelangweilt auf seine Seekarten. Sie war von dem verdunsteten Rum ganz benebelt und versuchte sich erneut aufzurappeln. Als sie erneut vor ihm stand, wankte sie leicht.

‘Versuchen wir es erneut, wie ist dein Name, Mädchen?’

‘Mein Name ist Mariebelle, Mariebelle van der Houthen!’ meinte sie mit fester Stimme und blickte ihn dennoch ängstlich an.

Sein ‘Bitte was!’ wurde von lautem Geschrei vor seiner Tür übertönt.

‘Was soll das heißen, ich solle mich gedulden?’ rief jemand vor der Tür.

‘Anweisung vom Kapitän!’ konnte man Johann rufen hören.

‘Ich bin immerhin Lieutenant!‘

‘Ja, aber nicht auf diesem Schiff. Mit Verlaub, Ihr seid Passagier auf diesem Schiff!’

Mariebelle war währenddessen an den Kartentisch herangetreten und flehte den Kapitän an: ‘Bitte, er darf mich nicht entdecken, ich bitte Euch, um meiner Liebe Willen, ich bitte Euch!’

Ihre Tränen tropften auf seine Karten. Er zog sein Jackett aus und knöpfte sich fast schon genüsslich die Hemdsärmel auf und meinte ruhig aber bestimmt: ‘Geh hinter die Tür und stell dich auf den Stuhl und duck dich, so dass man dich von vor der Tür aus nicht sehen kann!’

Er riss sich das Hemd runter und knöpfte seine Hose auf, die sogleich zu Boden rutschte, nahm ein Handtuch und steckte dann den Kopf in seine Waschschüssel und ging keinen Moment zu spät zur Tür.

Der Lieutenant hatte bereits die Tür aufgerissen, als sich der Kapitän gerade das Handtuch um die Hüften schlang. Mariebelle konnte noch einen Blick erhaschen, der ihr sogleich die Schamesröte ins Gesicht trieb.

Ein scharfer Blick brachte Johann zum Verstummen und darauf folgte, wieder eine Augenbraue die hochgezogen wurde, bevor der Kapitän die Stimme erhob. ‘Was soll der Tumult?’

‘Ich wollte mich erkundigen, was da so lange gedauert hat?’

‘Und das kann nicht warten, bis ich wenigstens meine Hosen anhabe, werter Lieutenant van der Houthen?’

‘Ja nein. Ähm, natürlich.’ stammelte der Leutnant.

‘Ich komm in die Messe, sobald ich fertig bin.’ meinte der Kapitän und knallte dem Lieutenant die Tür vor der Nase zu.

Er drehte sich zu Mariebelle um und legte den Finger auf dem Mund. Sie lies sich einfach nur auf die Sitzfläche des Stuhles sinken und versuchte so leise wie möglich auszuatmen.

Mit einer lässigen Handbewegung zog er das Handtuch von den Hüften und trocknete seine Haare. Sie kam nicht umhin, auf seinen Hintern starren zu müssen.

Erst als er endlich wieder seine Hose an hatte, meinte er fast schon resigniert: ‘Ich gehe recht in der Annahme, dass Ihr die Tochter vom Lieutenant seid?’

‘Ja, lasst mich erklären!’ wimmerte Mariebelle.

‘Egal was Ihr mir jetzt auftischt, wir sind auf dem direkten Weg nach Tobago und ich werde bestimmt nicht umdrehen, wegen irgendwelcher Kinkerlitzchen.’

‘Kinkerlitzchen?’ schnaubte Mariebelle. ‘Kinkerlitzchen! Ihr habt keine Ahnung was oder besser wen Ihr geladen habt, oder?’

‘Waffen und Munition für Tobago und den werten Lieutenant und sein Gefolge, wieso?’ meinte der Kapitän und bemerkte dann noch. ‘Du hast ein ziemlich loses Mundwerk, Mädchen!’

‘Neben Waffen und Munition, Lebensmitteln und Baumwolle für Tobago!’ rief sie und hämmerte mit ihren spindeldünnen Fingern auf den Frachtlisten herum, die auch auf seinem Tisch lagen.

‘Was für ein Narr muss man sein, wenn man Baumwolle nach Tobago bringen will?’ fragte der Kapitän und blätterte neugierig in den Frachtlisten herum.   

‘Mit Verlaub, das müsst Ihr mir erklären, was die ‘Baumwolle’ auf der Blue Moon zu suchen hat!’ meinte Mariebelle und bei dem Wort ‘Baumwolle’ machte sie zwei Anführungszeichen in der Luft.

‘Ihr wollt mich doch auf den Arm nehmen?’ fragte er eher beiläufig und starrte wie gebannt auf die krakelige Schrift seines Küpers. ‘Baumwolle!’

‘Das wird mir im Leben nicht einfallen, ich könnte mir einen Bruch heben, werter Kapitän!’

‘Hab ich dir schon gesagt, dass du ein ziemlich freches Mundwerk hast.’ meinte der Kapitän reichlich verwirrt, er ließ sich auf seinen Stuhl fallen und griff mit zitternden Fingern nach dem Becher mit Rum, den er vorhin auf seinem Tisch hatte stehen lassen.

‘Meint Ihr nicht, dass diese krakenarmigen Franzaken sich genug Schiffe von uns gekrallt haben, um Waffen und Munition in die Kolonie zu bringen? Und warum sollten sie trotz seiner Herkunft den durchaus angesehenen Lieutenant als Passagier auf einem heruntergekommenen Frachtensegler auf eine ungewisse Reise bis in die Karibik schicken?’

‘Pah, heruntergekommen?’ schnaubte der Kapitän.

‘Ich wollte Euch und Euer Schiff bestimmt nicht schlecht machen, aber es hat bestimmt schon mal bessere Zeiten gesehen.’

‘Mein altes Mädchen und ich haben viel mitgemacht, seit die Franzaken Saint Domingue verloren haben.’

‘Gott preise diesen denkwürdigen Tag!’

Er zog wieder nur eine Augenbraue hoch und meinte dann: ‘Fräulein, Ihr schweift ab! Was ist jetzt mit der ‘Baumwolle’?’

‘In Eurem Laderaum kauern 2 Duzend verängstigte Sklaven.’

‘Und warum wisst Ihr davon?’

‘Mein Stiefvater hat uns erwischt, wie wir sie befreien wollten und 3 von unserer Gruppe sind jetzt auch bei der ‘Baumwolle’!’

‘Und jetzt?’

‘Ihr seid der Kapitän!’

‘Ja, ich bin der Kapitän!’ meinte der Kapitän und räusperte sich. ‘Also, dann werd ich mir mal anhören, was der werte Lieutenant zu meckern hat.’

‘Und dann?’

‘Werd ich mir mal die ‘Baumwolle’ ansehen!’ flüsterte er ihr geheimnistuerisch zu. ‘Und Ihr bleibt hier und rührt Euch nicht vom Fleck.’

‘Werden Eure Männer nicht reden? Die haben mich ja schließlich gefunden!’

‘Keine Sorge, ich red mit Johann!’ rief der Kapitän, zog seine Jackett an und griff nach seiner Perücke, die neben der Waschschüssel auf einem Perückenständer bereits stand. ‘Euer Kapitän kümmert sich um alles.’

Fortsetzung folgt vielleicht…

Manchmal kommt es anders…Hund und Herrin

Manchmal kommt es anders und vor allem als man denkt! 

Vorgeschichte

Hund und Herrin

Paralysiert nickte er nur und folgte ihr, als sie rückwärts zum Bett ging. Völlig absichtlich stolperte sie aufs Bett und er fiel neben sie. Irgendwas stimmt doch da nicht, dass geht viel zu einfach. Sie küsste ihn. Er lies sich bereitwillig von ihr küssen. Da muss irgendwo ein Haken sein. Bloß wo? Sie blickte ihn fragend an und küsste ihn nochmal. Wie ein Welpe blickte er sie an. Sie schüttelte den Kopf und küsste ihn nochmal, diesmal fordernder. Er erwiderte den Kuss nicht ganz so ungestüm, aber sie kamen der Sache schon näher. Neugierig blickte sie über seine Schulter und da war wieder eine weitere Tür. War das auch das Betriebsgeheimnis, oder nur ein begehbarer Kleiderschrank? Sie rückte ein Stück von ihm ab, blickte sich um und setzte sich dann auf, als sie noch eine dritte Tür entdeckte.

‚Okay, lass mich raten, da ist dein begehbarer Kleiderschrank und das ist wieder das Betriebsgeheimnis?‘ Sie wies erst nach rechts und dann nach links.

Verlegen nickte er.

‚Will ich wissen was da drin ist?‘

Er zuckte mit den Schultern.

‚Mich kann man mit fast nichts schocken, ich lebe mit einem perversen Homosexuellen und einer veganen Emanze zusammen.‘

Wortlos zog er den Schlüssel von seinem Hals und gab ihn ihr fast schon unterwürfig.

Sie nahm den Schlüssel an sich, stand auf und ging zu der Tür zu ihrer linken. Der Schlüssel passte, also schloss auf und drückte die Klinke. Das Licht ging automatisch an und vor ihr kam eine Folterkammer zum Vorschein. Die Wände waren mit schwarzem Leder verkleidet. Es hingen schwere eiserne Ringe an der Wand. In der Mitte stand ein weiteres Bett, mit einem sehr interessanten schmiedeeisernen Kopfende. Es war ein riesiges Spinnennetz, dass bis an die Decke reichte. Auf einer Anrichte lag allerlei Sexspielzeug in verschiedenen Größen und Formen. Einige Peitschen, Paddel, Seile und Halsbänder hingen an der Wand.

‚Ist das alles für dich oder für mich?‘ fragte sie heiser und drehte sich zur Tür.

Er kam langsam auf sie zu und lies sich vor sie auf die Knie sinken.

‚Hm!‘ flüsterte sie und blickte ihn ernst an. ‚Wenn ich das gewusst hätte, dann hätte ich meine Lackstiefel angezogen.‘ Dann lächelte sie ihn herzlich an.

Sie ging langsam um ihn herum, schloss hinter ihm die Tür und verschloss sie wieder, lies aber den Schlüssel stecken. Dann ging sie zu der Anrichte und schaute sich um, fast unmerklich schlug sie sich auf den Schenkel und er kam auf allen Vieren auf sie zu.

Sie nahm einen Buttplug in die Hand und spielte damit herum.

‚Gehe ich recht in der Annahme, dass ich alle Gegenstände hier im Raum an dir verwenden darf?‘

Er nickte wieder, blickte sie dabei aber nur kurz an.

‚Gut. Ich darf alles mit dir machen, solange die Körperflüssigkeiten weiß bleiben?‘

Wieder nickte er.

‚Kein Kaviar, keine Natursekt, kein Blut, keine bleibenden Verletzungen, kein Würgen!‘

Er nahm noch eine unterwürfigere Haltung an.

‚Okay, woher wusstest du, dass ich nicht wie ein kleines 12jähriges Mädchen mit blonden Zöpfen schreiend aus der Wohnung renne und die Polizei hole.‘

Er zog einen Flyer aus der Hosentasche und legte ihn ihr vor die Füße.

‚Du warst da?‘

‚Nur einmal!‘

‚War das Treffen heute eingefädelt?‘

‚Nein!‘

‚Und weiß mein Mitbewohner oder dein Nachbar davon?‘

‚Nein!‘

‚Sicher?‘

‚Ja.‘

‚Gut und dabei bleibt es auch!‘

‚Ich werde von dir kein Geld nehmen.‘

Er blickte sie fragend an.

‚Ich muss meine gewerkschaftlichen Pausen einhalten!‘

Ein Lächeln huscht über sein Gesicht.

‚Wer hat gesagt, dass du lachen darfst?‘

Seine Miene versteifte sich.

‚Wenn du wert darauf legst, dass deine Klamotten ganz bleiben, dann zieh sie aus!‘

Er zögerte keine Sekunde und zog die Hose aus, legte sie ordentlich zusammen und kauerte sich dann wieder vor sie hin. Sie ging zu der Anrichte, nahm sich ein Halsband mit einer kurzen Leine daran und kam zu ihm.

‚Zeig mir deinen Hals!‘

Er reckte den Kopf und präsentierte ihr seinen Hals. Geschickt legte sie das Halsband um seinen Hals und schloss es. Es war eine Maßanfertigung.

‚Willst du mein kleiner Welpe sein?‘ fragte sie mit zuckersüßer Stimme.

Wie ein junger Hund schmiegte er sich aufgeregt an ihr Bein. Sie holte aus und schlug ihm hart auf den Hintern. ‚Ich kann dumme, kleine Hunde nicht leiden!‘

Nun war er reichlich verwirrt, also verharrte er ruhig und wartete. ‚Ich mag große, stolze Köter!‘

Er richtete sich etwas auf und hob den Kopf. Sie packte ihn am Kopf, riss ihm den Kopf nach hinten und schlug ihm mit der flachen Hand hart ins Gesicht. ‚Damit ich ihren Willen brechen kann!‘

Sie lies von ihm ab und ging wieder zur Anrichte. Langsam ging sie um das Spinnennetz herum und setzte sich aufs Bett. Sie schlug sich wieder gegen den Schenkel. Wenig später war er wieder an ihrer Seite.

‚Hm!‘ kam es aus ihrem Mund, als sie sich zu ihm runter beugte. Und das klick, das darauf folgte, signalisierte ihm, dass sie wohl die Handschellen gefunden hatte. Sie nahm ihm an seinem Kinn und zog sein Gesicht hoch, so dass er mit aufrechten Oberkörper vor ihr kniete. Mit einem Ruck riss sie ihm das Hemd auf und lies es blitzartig wieder los.

Dann schlug sie mit der flachen Hand aufs Bett. Einmal. Zweimal. ‚Los komm, sei ein Braver und kommt zu Frauchen aufs Bett.‘

Zögernd machte er Anstalten aufs Bett zu krabbeln und schon verpasste sie ihm wieder einen Schlag auf den Hintern. ‚Tragen wir auf dem Bett etwa Socken?‘

Schlagartig hielt er inne und zog mit einer Hand die Socken aus. Die Andere lag ruhig auf dem Bett, die Handschellen baumelten von der Bettkante.

‚Und das Hemd brauchen wir auch nicht?‘

Das kaputte Hemd glitt etwas einseitig zu Boden. ‚Jetzt kommen wir der Sache schon näher.‘ Sie schlug wieder mit der flachen Hand auf das Bett. Einmal. Zweimal. Er kroch aufs Bett, sie zog ihn auf die Mitte der Matratze und kettete ihn an das Spinnennetz.

Dann stand sie ohne ein Wort zu sagen auf, öffnete die Tür und ging. Er konnte nur noch die Haustür zufallen hören. Unangenehme Stille, bis er nach ungefähr 2 Stunden in der Ferne die Sirenen hörte.

Published in: on 23. September 2012 at 19:34  Schreibe einen Kommentar  
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