Der Schalk im Nacken

Der Schalk im Nacken

jokerDer Narr des Königs lief gehetzt über den Hof, er hatte einen zerschlissenen Sack dabei, den er in dem Moment als es zu schneien begann, vor den Stallungen in eine Nische warft. Dann zupfte er seine Narrenkappe zurecht und schlich geduckt zum alten Burgfried hinüber. Das Schild der Burgtaverne hing schief über dem Eingang und der Name der Kaschemme war äußerst einfallsreich: ‘Zum alten Burgfried’

Er blieb im Torbogen stehen, der sich am Fuße der Treppe auftürmte, die hinaufführte in den Turm und hinunter in den Gewölbekeller führte, der nun die Burgtaverne beherbergte. Seitdem der Burgherr sich entschlossen hatte, die alte Folterkammer in eine Taverne umzufunktionieren, ging hier Jedermann ein und aus und für Jedermanns Heller, wurden hier die Humpen voll gemacht und vieles mehr…

‘Wer nichts wird, wird Wirt!’ Für diesen Satz hatte er schon ganz schön Prügel bezogen.

Egal, er watschelte die Stufen in den Gastraum hinunter, der wie immer nicht sonderlich einladend wirkte und blickte in die Runde. Zwischen den alten Foltergeräten standen einige Tische und Stühle, die vollbesetzt waren mit ein paar Wachen und Söldnern, die sich um ein und die selbe Hure stritten.

Die plötzliche Stille und das leise Getuschel, übermannte sein eh schon wankelmütiges Gemüt. Er zog mit einem missmutigen Grinsen im Gesicht seine Kappe vom Kopf und grüßte in die Runde: ‘Ein Bier und einen von dem Unaussprechlichen!’

Die Leute, die ihn eben noch stumm angestarrt hatten , begannen langsam wieder mit ihren Gesprächen, die sie eben nur unterbrochen hatten, um den Narren anzustarren, seit dem er in seiner üblichen Haltung Treppenabsatz stand. Er schlurfte gelangweilt an den Tresen, seine Schuhe sahen aus wie begossene Pudel mit Glocken.

Der Schnee schmolz langsam auf seinen Sachen und durchnässte seine Kleider noch mehr. Er blickte zur Theke hoch und kletterte auf einen der hohen Stühle, die vor dem Tresen standen. Der überaus hässliche Wirt stellte ihm einen Humpen Bier hin und goss ihm einen Becher voll mit diesem geheimnisumwogenen Unaussprechlichen ein und fragte: ‘Gibts was zu feiern!?’

‘Wie man’s nimmt!’

‘Na, denn Prost!’

Der Narr stürzte den Unaussprechlichen in seine Kehle, ohne zu schlucken lies er das Gesöff in seinen Rachen laufen. Wäre er nur ein liederliches Hurenweib geworden, dann hätte er sich schon jetzt zur Ruhe setzen können, aber mit seinem Aussehen und mit seinem kleinen Pint, hätten ihn nicht mal die alten Griechen genommen.

Er zog ein Notizbuch aus seinen Sachen und kritzelte mit einem abgebrochenen Kohlestift etwas hinein. ‘Nutzloses Talent Nr. 69 – keinen nennenswerten Schluckreflex besitzen!’

Einer der Söldlinge kam völlig durchnässt in den Schankraum gestolpert. ‘Gibt’s was von dem heißen Met! Ich kann meine Zehen und meine Finger nicht mehr spüren!’

‘Als ob Euch der heiße Met das Gefühl in Eure Finger zurückgeben würde!’

‘Was soll das heißen, Narr!? Die Weiber haben sich noch nie beschwert!’

‘Ja, weil sie mit jammervollem Geschrei beschäftigt waren!’

‘Wenn der hohe Herr nicht solch einen Narren an Euch gefressen hätte, dann würde ich Euch eure Verleumdereien in euer geschwätziges Schandmaul zurück stopfen.’

‘Seit wann Eucht Ihr mich, warum so förmlich, bin ich doch sonst nie mehr wert als den Dreck am Stiefel unseres Herren, der der über uns wohnt!’ rief der kleinwüchsige Narr und zeigte nach oben.

‘Anweisung von oben, warzengesichtiger Possenreißer!’

‘Im wahrsten Sinne des Wortes. Der Herr von oben, der zu uns spricht! Mir hört er schon lange nicht mehr zu!’ lamentierte der Narr und liebäugelte mit seinem Bier.

‘Seine Magnifizenz möchte, dass wir Euch so behandeln, wie auch der Herr die Seinen behandeln würde!’

‘Oh nein, mein letztes Stündlein hat geschlagen, der Herr behandelt mich wie seines Gleichen! Ich bin des Todes!’ schrie der Narr laut auf, jammerte und trank seinen Humpen in Windeseile leer, um dann weiter zu jammern: ‘Jammer, weh und ach…!’

‘Wie meint Ihr das?’

‘Sind nicht die letzten fünf Anverwandten unseres geliebten Hochwohlgeborenen eines mysteriösen und gar plötzlichen Unfalltodes gestorben?’ säuselte der Narr und machte dann die Geste des Abmurksens.

‘Das waren alles furchtbar traurige Unfälle!’ rief der Söldner ernst und funkelte den Narren wütend an.

‘Das würde ich auch sagen, wenn ich ein …!’ meinte der Narr und fing gottererbärmlich zu Husten an, als wäre er dem Ersticken nahe, man konnte aber ganz genau ein ‘Meuchelmörder!’ hören, mehrmals hintereinander.

Der Söldner packte ihn am Kragen und schrie ihn an: ‘Narr, ich rate Euch, halte dein losen Mundwerk.’

Der Narr riss sich los und landete auf dem Boden um im nächsten Moment auf seinen Stuhl zurück zu klettern. ‘Ach, stehe ich nicht gerade wegen meinem losen Mundwerk in Lohn und Brot bei unserer ehrenwerten Durchlauchtigkeit!’

Der Söldner biss sich auf die Zunge, schnappte seinen dampfenden Becher und verschwand an einen Tisch, an dem drei von seinen Kameraden saßen und schon heftig miteinander tuschelten.

‘Noch einen doppelten unaussprechbar Widerhaften!’ meinte der Narr.

‘Sagt mal, ist was? Ihr sauft doch sonst nicht so…?’ frug der Wirt.

‘Hab heute meinen freien Tag!’

‘Soso!’

‘Hab heute alle meine Erledigungen gemacht, für die ich sonst immer keine Zeit habe und nun sitz ich hier, ich armer Tor allein an deinem stinkenden Tresen!’

‘Ihr habt wenigstens einen freien Tag!’ nuschelte der Wirt.

‘Ja, aber mir wäre eine Unterhaltung lieber oder einfach nur einen stummen Saufkumpanen.’

‘Das könnte an Euren Beruf liegen!’

‘Wie als Hofnarr darf man keine Freunde haben?’

‘Als Hofnarr lebt man ziemlich einsam und gefährlich!’ zischte der Wirt und blickte so unauffällig wie möglich zu dem Tisch der Söldner hinüber.

Die Söldner tuschelten immer noch miteinander, waren sich wohl in einem Punkt einig geworden und standen gleichzeitig vom Tisch auf. Einer der Stühle fiel um und im nächsten Moment hatten sie sich den Narren gegriffen und in die Höhe gerissen. Seine verbogenen Stummelbeine baumelten in der Luft und sein Gesicht wurde genau auf die Schlaghöhe ihres Redelsführers gebracht, der bei jedem Wort ihm einen Faustschlag ins Gesicht verpasste: ‘Das… wird… Dir… hoffentlich… eine… Lehre… sein!’

‘Was ist mit dem Euchen?’ spuckte der Narr mit einer Blutfontäne hervor.

‘Das… wird… Euch… hoffentlich… eine… Lehre… sein!’ rief der Söldner noch einmal und schlug dabei staccato in das blutige Gesicht des Narren. Seine Narrenkappe blieb auf dem Kopf, als wäre sie angewachsen und die Glocken bimmelten bei jedem Schlag.

Als er mit dem Narren fertig war, ließen seine Leute ihn einfach fallen. Mit einem Klatschen traf das zerschundene Gesicht des Narren auf dem schmutzigen Tavernenboden auf. Er spie eine weitere Blutfontäne heraus und presste folgende Worte hervor: ‘Oh Herr, ja und ich halte auch die linke Wange hin, du abartiger Bastard!’

Nun wurde er auch noch gestiefelt, bis ihn die nahende Ohnmacht beinahe erlegt hätte. Nun wurde er die Stufen hochgeschleift und landete in einem Haufen Schnee, bevor die frische Luft ihm noch eine mit dem Holzhammer verpassen konnte. Der arme Tor war ziemlich weggetreten und wurde erst stutzig, als er ein paar Knöpfe hörte, die an kaltes Leder schlugen. Jemand hatte seinen Hosenlatz geöffnet.

Der Anführer pinkelte neben dem Narren in den Schnee, drehte sich ganz langsam in seine Richtung und fing langsam und behäbig an zu reden: ‘Wir hauen dir einfach so lange auf die Schnauze, bis es dir endgültig die Sprache verschlägt, witzloser Trunkenbold!’

Die Pisse pritschelte auf die Schuhe des Narren und süßer die Glocken nie klangen und genau deswegen antworte der Narr in aller Seelenruhe: ‘Da könnt ihr stinkenden, inzuchtgeplagten Ziegenficker warten bis zum Sankt Nimmerleinstag!’

Kurz bevor der Pissestrahl sein Gesicht erreichen konnte, versiegte die Quelle mit einem merkwürdigen Gurgeln und der Narr fing herzhaft an zu lachen. Ein paar einsamen Tropfen fielen noch auf seinen Wams und er bog sich vor lachen und kieckste: ‘Meiner mag zwar gotterbärmlich klein sein, aber wenigstens schafft er immer dass, was ich mir vornehme damit zu tun!’

Die Retourekutsche bekam er sogleich ins Gesicht getreten, darauf lachte der Narr wieder schallend und spuckte einen blutigen Zahn in den Schnee: ‘Ihr wisst ja nicht was ich gewesen war, bevor ich Hofnarr geworden bin!’

‘Was wird er schon gewesen sein, steckt doch ein Schalk in jeder Faser von ihm…!’ rief der Anführer der Söldner zu seinen Männern. Der Narr kroch über den Schnee und versuchte auf allen Vieren zu flüchten. Und wenn man auf den Narren geachtete hätte, dann hätte man ein kleines Blitzen in seiner Hand gesehen, der Mond muss sich für einem kurzen Moment in irgendwas gespiegelt haben, dass der Narr in seinen Fingern hatte.

Der erste Söldner hatte den Narren eingeholt, doch der nasse Witzbold rutschte ihm durch die Finger. Der Söldner fluchte und blieb plötzlich wie zur Salzsäule erstarrt stehen. Als der Narr an seinem Angreifer vorüberkroch, stürzte dieser auf die Knie, bekam Schaum vor den Mund und kippte vornüber in den Schnee, als der Narr ihn passiert hatte. Seine zwei Kumpanen stürzten sich auf den Narren und wenig später stand der Witzbold über ihnen und spuckte in ihre schaumverschmierten Gesichter. Ein hohles Gelächter purzelte über die Lippen des Narren und meinte dann ganz ernst und trocken: ‚Nur ein Meuchelmörder erkennt einen Meuchelmörder!’

Plötzlich sauste eine Axt an seinem Kopf vorbei, ein paar der Glocken wurden von seiner Kappe getrennt und trudelten hinter der Axt her, die hinter ihm in einem der beiden gefällten Söldner zitternd stecken bleib. Der Narr grinste mittlerweile reichlich grimmig und sprang auf den Anführer. Kurz vor ihm kam der Narr wieder auf den Boden, rutschte auf dem Schnee zwischen den Beinen des Söldners hindurch und stach dem einsamen Redelsführer dabei mit einer dünnen Nadel in den Fuß. Man konnte wieder dieses Blitzen sehen, als der Mond im Begriff war hinter der nächsten Wolke zu verschwinden.

Der Anführer stand erschrocken mitten im Hof und der Wind wehte in seinen offen stehenden Mund. Dann sankt der Mann auf die Knie. Der Schalk sprang dem Söldner in den Nacken und steckte ihm eine angespitzte Stricknadel in den Hals. Mehrmals. Und bei jedem Stich spritze mehr Blut heraus. Irgendwann ging der letzte Söldner mit samt dem Schalk im Nacken zu Boden. Der Narr rutschte von seinem Rücken und schlittere zu den Stallungen zurück, wo immer noch sein Bündel lag. Er ließ es sich auch nicht nehmen, die Männer zu plündern.

Still lenkte er seine Schritte weiter auf das Burgtor zu und pfiff sich sein und sang dazu: ‘Weil du heut Geburtstag hast!’

Nutzloses Talent Nr. 70: Töten mit Haushaltsgegenständen

Dazu da um zu zerbrechen…

Dazu da um zu zerbrechen…

4Ein Frau schaut mich verwirrt an. Ihr eines Auge zuckt irre. Die Augen liegen tief in ihren Höhlen und ich bin mir nicht sicher, ob sie nur schlecht geschminkt ist, oder ob die Augenringe schon fast bis zu den Wangen hinunter reichen. Beide Augen sind rot unterlaufen. Da ist wieder dieses Zucken im Auge und ich kann sehen, wie just in dem Moment eine Ader im Auge platzt und das Weiß ihres einen Auges sich langsam in blutiges599084_4468570759017_1900768554_n rot verfärbt. Ihre Pupillen sind so groß, dass man das Blau ihrer Augen kaum noch erkennen kann. Das Gesicht ist fahl und ich muss unweigerlich an Walking Dead denken und dass ich es selber nicht besser herschminken hätte können. Nur dass das was ich da vor mir hatte, die bittere Wahrheit war.

Sie verdreht verkrampft den Kopf. Irgendwie bekomme ich beim Anblick dieser Verrenkung schon einen Krampf im Nacken, der sich langsam bis zu meinem Hinterkopf ausbreitet. Nun blickt sie an mir vorbei ins Leere.

Ich sprech sie besorgt an, doch sie reagiert überhaupt nicht. Nur wieder dieses Zucken im Auge. Erinnert mich irgendwie an das Scrat, dass bei Ice Age immer hinter seiner Eichel her ist und sie doch nie erreichen kann. Und wenn es die Eichel endlich erwischt, stürzt es mit Sicherheit gleich gemeinsam mit der Eichel in den sicheren Tod. Ist irgendwie ganz schlimm romantisch. Die Frau hat Tränen in den Augen. Jetzt mach ich mir schon irgendwie Sorgen. Ich schrei laut: ‚Hallo!‘

Ich beuge mich weiter nach vorne, weil ich das Gefühl habe, ich könnte sie denn besser sehen können. Sag mal strickt sie da. Die strickt doch nicht. ‚Hallo!‘

Vielleicht ist sie ja taub. Ich versuche sie nochmal anzusprechen und doch mein Satz wird von einem dumpfen, tiefen Hupen unterbrochen. Sie scheint etwas zu brüllen, doch ich kann nur von ihren Lippen lesen, da ich nur ein dumpfes Wummern höre. Meine Ohren rauschen und von ihren Lippen purzeln die Wörter: ‚Fick dich du Arschloch!‘

Eine Erschütterung lässt mich herum purzeln und ich habe das Gefühl einen Moment mich rückwärts zu bewegen, ohne dass ich mich allerdings aktiv bewege. Dann stoppt die Bewegung abrupt und ich knalle gegen die Scheibe, die vor mir zu sein scheint. Meine Nase bricht, bevor das Glas brechen kann. Die Frau schaut mir direkt in die Augen und wischt mit dem Ärmel vor meinem Gesicht herum. Dann klopft sie gegen die Scheibe und redet mit mir. Das Glas bricht und ich kann sie endlich verstehen.

‚Es ist verfickt nochmal erst Montag. Scheiße noch eins, wie viel Pech kann ein Mensch haben? Was hab ich eigentlich verbrochen? Drecks Spiegel. Hättest du nicht erst am Freitag zerspringen können. Verfickter Scheißtag…!‘

WüstenRoadMovie

WüstenRoadMovie

Irgendwo im Nirgendwo, Tunesien

08.05.2013

nauders

Farid und Enzo saßen in einem Zelt an einem Tisch und spielten ein Spiel, so schien es zumindest. Auf dem Tisch lagen Karten, Geldscheine, Waffen, Gläser mit einer goldener Flüssigkeit, eine Flasche Dattelwein und Skorpione in umgedrehten Gläsern. Enzo war kaum wieder zu erkennen. Die Zeit in der Wüste hatte nicht nur sein Gesicht gezeichnet. Er sah schon fast wie ein Einheimischer aus, bis auf die Haare.

‚Enzo, mein Freund, du siehst langsam so aus wie Lawrence von Arabien!‘ meinte Farid. ‚Bis auf deine Augen!‘

‚Ich bin längst nicht so nett wie Lawrence von Arabien!‘ meinte Enzo, strich sich übers ausgebleichte Haar und zog einen Dolch. Er nahm einen Becher hoch und spießte den Skorpion auf, der rasch über den Tisch lief.

Von draußen kamen Geräusche durch die Zeltwand.

‚Vaffanculo, Stupido…!‘ rief eine bekannte Stimme.

Sie konnten die Geräusche einer Schlägerei hören und schon kam Giovanni durch den Zelteingang gestolpert. Zwei bewaffnete Männer von Farid stürzten ihm hinterher. Farid hatte eine Waffe gezogen und zielte auf den Jungen. Enzo hielt ihm blitzschnell das Messer mit dem Skorpion ins Gesicht und nahm ihm mit der anderen Hand die Waffe ab und bedrohte damit die Wachen.

‚Sie haben einen Taliban aus dir gemacht, Onkel!‘ meinte Giovanni und rappelte sich auf.

‚Dummes Kind, mich so zu erschrecken! Ich bin ein alter Mann, ich hab noch drei Monate zu leben!‘ rief Farid und griff sich ans Herz.

‚Sagt, der Mann, der 3 Jahre jünger ist als ich, schon seit einem halben Jahr!‘ meinte Enzo und gab den Wachen mit einer Handbewegung zu verstehen, dass sie sich verpissen konnten. Vorsichtig entließ er den Skorpion in ein leeres Glas und drehte es blitzschnell um.

‚Ach schickt deine Großmutter die Bomben nicht mehr mit der Post?‘ meinte Farid und trank den Dattelwein gleich aus der Flasche.

‚Es ist die Zeit gekommen, dass ich dir ein Angebot unterbreite, dass du nicht ablehnen kannst.‘ meinte Giovanni und grinste dann dreckig.

‚Mit Einem, der beim Manne liegt, mache ich keine Geschäfte!‘ spie Farid ihm förmlich vor die Füße. 

‚Sagt mir ein Mann, der heimlich Frauenschuhe trägt!‘ konterte Giovanni und wedelte dabei mit einem Foto, auf dem Farid eindeutig in Frauenkleidung zu sehen war. ‚Ich habe deinen Frauen schöne Abzüge geschickt, Farid! Wenn ich du wäre, würde ich schnell heim fahren zu deinen lieben Frauen. In diesem Land kann man ja nie wiesen, wann die Post ankommt!‘

‚Du bist ein grausamer Bengel!‘ zischte Farid und blickte sich hastig im Zelt um. ‚Maschallah!‘

Enzo grinste bis über beide Ohren, doch Giovanni blickte sehr skeptisch drein. ‚Wir sollten uns lieber beeilen, ich hab nen Jeep geklaut und die Barkasse wird im Hafen nicht ewig warten!‘

Farid lief wie ein aufgeschrecktes Huhn durchs Zelt, packte seinen Seesack und wollte das Zelt verlassen.

‚Halt, Farid mein Freund!‘ flüsterte Enzo.

Farid hielt inne und blickte ihn schnippisch an: ‚Was ist nun noch?‘

‚Die Schuhe!‘

‚Nein, Sahib. Tut mir das nicht an. Das ist alles was ich noch habe!‘

‚Deswegen schickt dir die Nonna die hier!‘ meinte Giovanni und hob ein paar ausgelatschte, aber wunderschöne schwarze Damenschuhe.

‚Die passen viel besser zu deinem Kopftuch, Farid.‘ rief Enzo.

‚Darf ich dran riechen?‘ wimmerte Farid sehnsüchtig.

‚Gib uns die anderen Schuhe und dann kannst du machen was du willst damit.meinte Giovanni ziemlich angewidert.

Wenig später saßen Enzo und Giovanni im Jeep und Enzo hetzte den Wagen Richtung Küste und Giovanni hatte Blumes Schuhe auf seinem Schoss liegen und beäugte sie scheel.

‚Was is’n das für eine Barkasse?‘ fragte Enzo. 

‚Ach, der Schwager vom Pepe hat da so ein paar kleine Fischerboote.‘ rief Giovanni fast beiläufig.

‚Du bist schon ein Hund!‘ 

‚Die Nonna sagt immer, doppelt genäht hält besser. Der Schwager vom Pepe hat auch unsere Cruise Missile an Bord.‘

‚Was zur Hölle ist das für ein Boot, wenn da die Abschussvorrichtung von einer Cruise Missile drauf passt.‘

‚Es ist ja nur eine Kleine… eine kleine Yacht!‘

‚Sag mal, was meinte Farid mit: Einer, der beim Manne liegt?‘

‚Genau dass, was die Wörter bedeuten!‘ meinte Giovanni und spreizte den kleinen Finger von seiner Hand ab.

‚Aha, und was sagt da die Nonna dazu?‘ fragte Enzo und zog eine Augenbraue hoch. 

‚Sie ignoriert es gekonnt!‘

‚Ist Blume noch in der Casa di Nonna?‘

Giovanni blickte auf sein Handy und zählte dann etwas mit den Fingern ab. ‚Vielleicht sollten wir gleich nach Trapani…!‘

‚Was wollen wir in Trapani?‘

‚Es ist wahrscheinlich der falsche Zeitpunkt es dir zu sagen, aber es ist auch der Grund, warum ich so überstürzt gekommen bin.‘

Enzo machte eine Vollbremsung und blickte seinen Neffen entgeistert an.

‚Bis wir wieder auf Sizilien sind, wird Blume schon im Krankenhaus sein.‘

Enzo packte Giovanni am Kragen und rüttelte ihn, brachte aber keinen Ton heraus.

‚Mann, Onkel! Du hast sie angebumst und die Nonna hat ihre Tasche fürs Krankenhaus schon gepackt.‘

Enzo ließ ihn los, so dass Giovanni in den Sitz zurück fiel und zählte ebenfalls an den Finger etwas ab.

Giovanni war ausgestiegen, zog einen Flachmann aus der Hosentasche und kam an die Beifahrertür. ‚Da trink und rutsch rüber, ich fahr besser weiter!‘

Enzo sagte kein Wort, bis der den Flachmann vollends geleert hatte. Vor ihnen tauchte bereits die Küste auf, als er endlich wieder einen Ton heraus brachte. ‚Aber ihr geht’s sonst schon gut, oder?‘

‚Naja, wie man’s nimmt. Ihre Stimmung ist halt ganz schön scheiße und sie isst nicht genug, sagt die Nonna.‘

‚Und das Baby?‘

Er zog einen schwarzen Zettel aus der Hemdtasche und gab ihn Enzo. ‚Ganz der Papa würd ich mal sagen. Sie will ihn Bambi nennen.‘

Enzo sah auf den Zettel und erblickte ein Ultraschallbild und mit viel Fantasie erkannte man ein menschliches Wesen auf dem Bild.

‚Ich glaub ich muss kotzen!‘ stotterte Enzo.

‚Das Kind muss von dir sein, dass muss ich mir schon seit guten neun Monaten von Blume anhören!‘

Weiter geht es im Alpenroadmovie – Sicilian Standoff – Manchmal kommt es anders und vor allem als man denkt!

 

Aus den Aufzeichnungen von Bernadette G. Teil 4

Aus den Aufzeichnungen von Bernadette G. Teil 4

17.11.2008

Habe von einebernadettem Käseschinkentoast geträumt, warum weiß ich nicht so recht. Ich wache nach einem komatösen Schlaf auf und schwanke ins Bad. Als ich aufm Klo hocke, bemerke ich, dass mir ein Brief am Fuß klebt. Auf dem Umschlag steht ‚Bernadette G.‘. Ich reiße ihn auf und lese…

Liebe Bernadette,

ich weiß nicht so genau, wie ich mich ausdrücken soll. Ich hoffe ich überfordere dich jetzt nicht, wenn ich mit der Tür ins Haus platze. Ich möchte dir auf keinen Fall zu Nahe treten, aber ich habe mich in dich verliebt. Und es ist nicht nur was Sexuelles. Ich würde ich gerne wiedersehen, mein Rasierer übrigens auch.

In Liebe Björn ‚der Schweißer‘ Svenolofson

Beschließe nach dem Pissen zu kotzen…

Ende

Aus den Aufzeichnungen von Bernadette G. Teil 3

Aus den Aufzeichnungen von Bernadette G. Teil 3

15.11.2008 Nachtrag

bernadetteOh, scheiße, dass Wartezimmer ist voll und der Werksarzt musste zu einer Entbindung, ich glaub der will mich wohl verarschen, wo sollen denn hier Schwangere herkommen? Dem werd ich schon was entbinden, wenn er wieder da ist. Der Sören nervt mich schon die ganze Zeit, warum ich heute schon wieder zu spät bin. Der Kerl widert mich an.

Ich beginne die Wehwehchen der Werksangestellten abzufertigen und gucke dabei ganz wehleidig auf meine blauen Einlaufhandschuhe…Und was sagt meine Frau nur dazu, dass ich von der halben Mannschaft hier gepimpert wurde. Liebes Tagebuch, wie soll ich es ihr nur erzählen. Aber sie lässt sich bestimmt wieder nur die Füße von irgend so einem Flachwichser massieren… Der dann gleich wieder mit ihr durchbrennen will… Ich weiß nicht was ich denken soll… Mir ist kalt ohne meine Muschi…

Nachdem ich alle Patienten abgefertigt habe, habe ich diesen blöden Sören bitten müssen, mich in die Röhre zu schieben und von meinem Kopf eine CT zu machen. Hab ne schwere Gehirnerschütterung und durfte mich selbst Arbeitsunfähig schrieben, bis unser lieber Herr Doktor wieder von der ‚Entbindung‘ zurück ist. Der blöde Sören hat jetzt meinen Schwesternkittel an und muss Nachtdienst machen. Hahaha. Oh tut mir der Kopf weh!

Jetzt kann ich mir auch erklären, warum ich auf Einmal an den Eiern lecken so toll fand, ich muss echt einen gewaltigen Schlag haben… hm… schwere Gehirnerschütterung eben. Irgendwie war ich nicht ich selbst… geh jetzt schlafen, morgen sieht die Welt ganz anders aus!

Als ich meine Zimmertür aufmache, ist meine Wohnung im tadellosen Zustand, so als wäre nichts Geschehen und ein Zettel liegt auf dem Kopfkissen….

16.11.2008

Bin heute morgen aufgewacht und ins Bad getappt, habe erst am Spiegel gesehen, dass dieser Zettel an meiner Wange klebt. Man kann kaum mehr was lesen, weil ich ihn wohl vollgesabbert habe. Hab den Zettel weggeworfen. Wird schon nichts Wichtiges draufgestanden sein….

Hab einen Termin beim Herrn Doktor Vladimir Putinowsky. Er untersucht mich nochmal. Dass ich eine schwere Gehirnerschütterung habe, hatte ich schon gewusst, dass man auf dem CT nicht weiter was Schlimmeres sieht, hatte ich auch schon gewusst. Ich bin ja nicht auf der Brennsuppn daher gschwommen. (Des sagt meine Süße immer! Grins!) Dann wollte er wissen, wo ich die ganzen blauen Flecken her habe. Dann hat er den Werksschutz geholt. Ich sollte mal lernen besser zu lügen. Er hat irgendwie einen Blick dafür, blaue Flecken zu lesen, er ist ja auch halber Russe, der kennt sich mit Vergewaltigungen aus. Ich erstattete keine Anzeige, ich hatte keine Lust, dass noch mehr Trara um die Sache gemacht wird. Der Werksschutz meinte nur, dass es noch Konsequenzen hätte und das Werk eigene Ermittlungen anstellen wird. Ich meinte nur: ‚Recht so!‘

Der Klempner und der Schweißer wären in diesem Zusammenhang schon öfter aufgefallen, aber da handelt es sich eigentlich immer um männliche Opfer. Und dieser unbekannte Fremde wäre eh schon auf der Fahndungsliste, nachdem er beim Flüchten Betriebseigentum beschädigt hätte. Außerdem wäre mein Körperschaden auch auf den Unbekannten Fremden zurückzuführen. In der Zeit meiner 14 Tage Arbeitsunfähigkeit müsste schließlich Ersatz eingestellt werden. Blabla.

Der Doktor verschreibt mir noch dazu strickte Bettruhe.

Ich komme zurück ins Zimmer und da hatte jemand ein angebissenes Käseschinkentoast unter meiner Tür durch geschoben.

Mache mir weiter keine Gedanken darüber und falle halbtot ins Bett….

Manchmal kommt es anders…Der Killer wird zum Koch!

Manchmal kommt es anders und vor allem als man denkt.

Der Killer wird zum Koch!

Grünwald bei München

24.12.2012, 20.00 Uhr

gunEin schwarzer Mercedes fährt eine lange Zufahrtsstraße hinauf zu einer riesigen Villa. An der Tür stand Ellen. Onkel Don stieg aus dem Wagen und lief ihr entgegen.

‚Ich grüße dich, schönes Kind!‘ meinte er und küsste sie auf die Stirn. Sie ging zur Tür herein.

‚Ich wünsche dir schöne Weihnachten, Onkel Don!‘ meinte Ellen und versuchte mit der Hand ihren Bauch zu verdecken.

‚Wo ist dein Vater?‘ fragte Onkel Don und blieb dann mit dem Blick auf ihrem Bauch hängen.

‚In der Bibliothek!‘ meinte Ellen und grinste.

‚Wer hat’n dich aufpumpt?‘ fragte Alfons, der einfach hereingekommen war. Er stellte zwei Koffer ab.

‚Alfons, solltest du nicht auf einem anderen Weihnachtsfest sein?‘ fragte Ellen.

‚Die Nonna hat gedroht mich zu erschießen!‘ stammelte Alfons.

‚Ich hab im Sommer deinen Sohn getroffen!‘ meinte Ellen.

‚Das habe ich gehört. Die Kugeln gingen knapp vorbei!‘

‚Schön zu hören!‘

Der Don stand immer noch mit offenen Mund da und blickte auf Ellen und stammelte: ‚Wer…?‘

Jemand, mit einer Kochschürze bekleidet, huschte über den Gang, meinte kurz: ‚Das war ich!‘

Und verschwand im Speisesaal, um gleich wieder aufzutauchen. ‚Das Essen ist gleich fertig!‘

‚Der Koch hat dich angebumst!‘ riefen Alfons und der Don gleichzeitig.

‚Der Koch ist tot!‘ grinste Ellen und machte Anstalten in die Küche zu flüchten.

‚Stronzo!‘ kam eine keuchende Stimme aus der Bibliothek.

Der Don lief in die Bibliothek und sah, einen Mann in einem Rollstuhl sitzen. Die Schiebetür zum Esszimmer war ganz offen und im Esszimmer stand eine ältere Dame auf einer Leiter und schmückte den Weihnachtsbaum.

‚Ah, guten Tag! Sie müssen Herr Don sein und ihr Chauffeur?‘ rief die Dame und stieg von der Leiter. Der Don eilte durch den Raum und griff nach ihrer Hand und half ihr, bis sie mit beiden Beinen wieder auf dem Boden stand.

‚Ernesto hat sich schon so gefreut, gell Ernesto!‘ meinte sie und ging zu dem Mann im Rollstuhl.

‚Stronzo!‘ rief er wieder. Der Don musste sich an der Leiter festhalten. Es hatte schon eine halbe Ewigkeit niemand mehr seinen Bruder Ernesto genannt.

‚Sehen Sie, wie er sich freut?‘ rief sie erregt und drehte den Rollstuhl in ihre Richtung. ‚Aber noch mehr freut er sich auf Silvester!‘

‚Kabumm!‘ rief er.

‚Seit dem Schlaganfall, hat er schon drei Wörter gelernt! Und wir können schon wieder alleine Essen, gell Ernesto?‘ rief sie und wischte ihm den Sabber vom Mund ab.

Der Münchner hatte stark abgenommen, aber er sah so zufrieden aus. Der Don fiel vor dem Rollstuhl auf die Knie und jammerte: ‚Mein Bruderherz, hätte ich gewusst…!‘

‚Schwuchtel!‘ rief Ernesto und tätschelte seinem Bruder auf dem Kopf herum.

‚Er freut sich Sie zu sehen, Herr Don!‘ rief sie und erschrak sich dann. ‚Ach, was bin ich denn für ein Schussel. Da plappere ich und plappere ich und hab mich gar nicht vorgestellt. Ich bin Ruth Hehnlein, Frau Dr. Ruth Hehnlein. Die Mutter vom Rutger!‘

‚Stronzo!‘ rief Ernesto.

‚Ja, mein Lieber und das Essen ist gleich fertig!‘ meinte die Frau Dr. und strich Ernesto über den Kopf.

‚I brauch an Schnaps!‘ meinte Alfons, zog seinen Flachmann aus der Tasche und ging kopfschüttelnd ins Esszimmer.

‚Wäre der ungehobelte Naturbursche gewillt, seine groben Bergstiefel gegen Hausschuhe einzutauschen! Sie ruinieren den guten Perser!‘ meinte sie spitz.

Alfons blieb vor dem Teppich stehen, drehte sich um und ging wieder in die Eingangshalle. Er leerte seinen Flachmann mit einem Zug und zog sich fluchend die Schuhe aus. Ruth stand neben ihm, als er sich wieder erhob. ‚So und jetzt tausche ich Hausschuhe gegen ihre beiden Knarren, Alfons!‘ meinte sie, grinste zuckersüß und fuhr fort. ‚Ich möchte nicht, dass sich Ernesto unnötig aufregen muss!‘

‚Wer sind Sie eigentlich?‘

‚Ich bin die höchst überqualifizierte Krankenpflegerin vom Münchner!‘ meinte sie bedrohlich, nahm einen blauen Gummihandschuh aus der Tasche und zog ihn an.

‚Is ja scho guad!‘

‚Sehen Sie, schon sind wir einer Meinung!‘

Sie drehte sich auf der Stelle um und ging Richtung Esszimmer, wo Ellen ihr über den Weg lief. ‚Ellen, Kind. Du sollst doch nicht so schwer heben.‘

‚Ja Mama!‘ rief Ellen, trug aber dennoch den Weihnachtsbraten ins Esszimmer. 

Fortsetzung folgt im WüstenRoadMovie

 

AlpenRoadMovie21 – Unsere Sache

AlpenRoadMovie21 – Unsere Sache

Marsala, Sizilien.
24.12.2012, 18.00 Uhr

naudersBlume stand auf der Terrasse und blickte aufs Meer. Das machte sie, seit dem sie im Sommer angekommen war. Man konnte die Uhr nach ihr stellen. Jeden Abend stand sie da. Sie schaute nicht wirklich der Sonne beim Untergehen zu, nein sie blickte übers Meer in Richtung Bizerte.

Langsam konnte man ihren Bauch sehen. Sie war schwanger. Die Nonna hatte dies relativ gut aufgenommen, dass heißt sie schimpft noch mehr über den räudigen Ziegenbock Farid und schickt immer wieder Briefbomben an verschiedene Adresse in München, in der Nähe von Nauderns oder nach Bizerte. Die Cruise Missile hatte sie abgeben müssen, da war der Polizeichef sehr deutlich gewesen.

Die Polizei war schon lange nicht mehr da gewesen. Sie haben die Anklage gegen Enzo mittlerweile fallengelassen, seit dem Brand neulich. Seltsame Sachen passieren zuweilen. Dinge verschwinden, tauchen woanders wieder auf. Sachen explodieren. Autos zum Beispiel. Der Nonna konnte man nie etwas nachweisen. Natürlich nicht. Würde sich auch nie einer erlauben. Giovanni ist letzte Woche fortgeschickt worden und er ist noch nicht wieder da. Die Nonna war außer sich.

Es klingelte an der Tür. Wenig später kam jemand auf die Terrasse geschritten.

‚Schöne Weihnachten wünsch ich dir, mein Kind!‘ meinte eine ältere Dame, die nun über die Terrasse schwebte.

Blume drehte sich um und blickte ihre Mutter entsetzt an.

‚Wir haben dein Auto mitgebracht und ein Paar von deinen Sachen, ich habe es nicht übers Herz gebracht alles zu verkaufen.‘

Giovanni stand in der Terrassentür und grinste. Die Nonna konnte man von drinnen lautstark telefonieren hören. Als sie auflegte, konnte man das im ganzen Haus hören. ‚Mein Gott spuckt auf den Seinen! Dieser räudige Hund einer läufigen Ziege. Ich sprenge ihm sein verdammtes Camp in die Luft!‘

‚Die Nonna redet nur deutsch, wenn sie sichergehen möchte, dass ich auch jedes Wort verstehe.‘ meinte Blume und ging nach drinnen.

Heute war ein guter Tag. An guten Tagen machte Die Nonna ihr Hoffnung, Enzo würde schon bald kommen. An schlechten Tagen schaffte es nicht mal Giovanni sie aufzumuntern.

‚Krieg ich eigentlich mal erklärt was eigentlich los ist?‘ fragte ihre Mutter, während sie ihrer Tochter hinterher lief.

Giovanni setzte an zu reden: ‚Frau Müller…!‘ und wurde aber gleich wieder von Frau Müller unterbrochen: ‚Und erzähl mir nicht wieder, es wäre ‚eure Sache‘, mit dem Cosa Nostra-Mist brauchst du mir nicht mehr kommen.‘

‚Ja, aber wenn er es Ihnen erzählt, dann muss ich ihn erschießen!‘ meinte die Nonna und winkte sie ins Esszimmer. Ziemlich mürrisch gingen ihr alle hinterher. 

‚Los jetzt essen wir erst Mal was, dann lässt es sich besser erzählen.‘ meinte die Nonna und blickte Giovanni an, rümpfte die Nase und meinte: ‚Und du, wasch dich erst mal!‘

Im Esszimmer angekommen, saßen schon 5 Kinder am Tisch und Giovannis Mutter tischte auf. ‚Wie will er denn je eine Frau finden, wenn er immer herum läuft wie ein Landstreicher!‘

‚Nonna, ich bin schwul!‘ meinte Giovanni, als er das Esszimmer betrat.

Blume erhob das Glas und meinte: ‚Ich wünsch euch auch allen ein schönes Weihnachtsfest!‘ Die Ironie in ihrer Stimme fegte über alle hinweg.

‚Das sagt er nur immer, um mich zu ärgern.‘ meinte die Nonna und hob ihr Glas.

‚Kind, ist das Wein, den darfst du nicht trinken, wenn du schwanger bist!‘ meinte Frau Müller.

‚Mutter! Den Wein kriegen hier sogar die Kinder und ehrlich mal, möchte ich nicht wissen, was du alles genommen hast, als du mich in Goa empfangen hast.‘

‚Außerdem erlaube ich ihr nur einen Schluck!‘ meinte die Nonna streng.

‚Und warum bist du überhaupt schwanger?‘ fragte Frau Müller ziemlich schnippisch. 

‚Mutter bitte!‘ zischte ihr Blume zu und trank. 

‚Mein Sohn Enzo hat diese wunderschöne Blume bestäubt!‘ grinste die Nonna und schenkte sich nochmal nach.

‚Und wo ist dieser Enzo?‘

‚In Bizerte!‘ rief Giovanni.

‚In Ägypten! Und was macht er da? Skifahren?‘ kreischte Frau Müller dem Wahnsinn anheim zu fallend. 

‚Auf seine Auslieferung warten!‘ meinte Blume ernst.

‚Bitte was?‘ rief Frau Müller erstickt und goß sich das volle Glas Rotwein hinter die Binde. 

‚Das Essen wird kalt!‘ schluchzte die Mutter von Giovanni leise. Sie war fast den Tränen nahe.

‚Ja esst erst mal!‘ meinte die Nonna ernst.

Fortsetzung folgt in Manchmal kommt es anders… Der Killer wird zum Koch!

 

Manchmal kommt es anders… Killer 17

Manchmal kommt es anders und vor allem als man denkt!
Killer 17

Sonntag, 19.08.12, 18.05 Uhr

Krankenhaus Trapani, Sizilien

gunEllen war eingeschlafen und lag mit dem Kopf auf dem Krankenbett. Rutger war schon eine Weile wach und blickte sie einfach nur an. Er versuchte sich unter Schmerzen zu bewegen und konnte mit den Fingerspitzen an ihr Haar gelangen. Behutsam strich er mit zwei Fingern über eine ihrer Haarsträhnen.
Sie machte merkwürdige Geräusche im Schlaf, bevor sie erwachte. Mit einer hastigen Bewegung wischte sie sich Spucke aus dem Mundwinkel und blickte ihn mit verquollenen Augen an.
‚Guten Morgen, Schöne Frau!‘ flüsterte er.
‚Rutger?‘ stammelte sie.
‚Ich kann ja hier nicht weg!‘ meinte er und zog behutsam an dem Schlauch seines Tropfes.
‚Ja und du musst noch ein paar Wochen hier bleiben!‘
‚Es sei denn…!‘
‚Was…?‘
‚Gibt mir mal dein Handy!‘
‚Ja, aber!‘ meinte sie und drückte ihm das Handy in die Hand.
‚Kann ich ein Auslandsgespräch führen?‘ fragte Rutger, wartete ein Nicken ihrerseits ab und grinste sie geheimnistuerisch an. Während er eine ellenlange Nummer eintippte, versuchte er sich unter Schmerzen aufzurichten.
‚Ja god dag, kan du forbinde mig med Dr. Hehnlein?‘
Ellen blickte ihn verwundert an.
‚Ja, ich bins!‘
Man konnte eine hohe kreischende Stimme hören. Er hielt sich das Handy ein Stück vom Ohr weg und meinte nach einer Weile: ‚Ja, Mama!‘

Es geht weiter im AlpenRoadMovie21 – Unsere Sache! Es wird sich lohnen!

Narr in dröger Gesellschaft

Narr in dröger Gesellschaft

jokerNun sitzt er da, der arme Tor, auf den Stufen vor dem Thron und wartet darauf, dass etwas Aufregendes geschehen möge. Denn die unachtsamen Tritte und spitzen Kommentare und sonstige Anzüglichkeiten langweilten ihn schon so lange er denken konnte.

Sonst ist bei Hofe leider nichts los und wenn er heute Tod umfallen würde, würde der Hofstaat wahrscheinlich in einen tiefen, tiefen Schlaf versinken und nie wieder erwachen. Weil selbst seit dem er am Hofe seine Aufwartung gemacht hatte, gingen die Meisten doch immer noch zum Lachen in den Keller.

Das Aufregendste was in den letzten Jahren passiert ist, war als er in seinem ersten Jahr von den Stufen zum Thron stolperte und dabei einen unbesetzten Stuhl mit sich gerissen hatte, der dann umfiel! Es haben tatsächlich ein Paar geschmunzelt. Das ist nun 8 Jahre her.

Einmal hatte er eine unpassende Bemerkung darüber gemacht, dass hier alle zum Lachen in den Keller gehen würden und dass für diese traurige Tatsache der Thronsaal aber immer ziemlich überfüllt wäre. Und dafür hatte der dröge König ihn mit einer Zitrone beworfen. Diese zerplatze auf seinem Kopf und die Wucht des Aufpralls lies ihn zurück taumeln. Er rappelte sich wieder auf und meinte nur lautstark: ‚Mein Herr, Ihr habt mich befruchtet.‘ Das war sein größter Moment. Und diesen einen Lacher würde er bis an sein Lebensende nie vergessen.

Das war aber das Einzige mal, als man ihm einen Ball zugeworfen hatte und er betete inständig jeden verdammten Tag hier am Hofe, es möge ihm doch jemand einen Ball zuwerfen. Nur er würde ihn aufheben, damit spielen und sich dann im Gelächter der Menge suhlen.

Seine Tagträume wurden je unterbrochen, weil die Königin nichts Besseres zu tun hatte, als vor den Augen ihres Mannes mit ihrem hochwohlgeborenen Fuße dem armen Narren am Hintern herumzuwirtschaften. Der König war aber seit jeher nur mit dem Zelebrieren seiner Langweile beschäftigt, dass er es wahrscheinlich nicht mal merken würde, wenn die Königin nackt auf seinem Gesicht säße. Nicht, dass sie es schon mal getan hätte. Der Narr grinste breit und ein besticktes Taschentuch flatterte vor seinem Gesicht vorbei. Die Königstochter war zum Spielen aufgelegt. Und er würde umgehend am Halse aufgehängt werden und von der höchsten Zinne baumeln, wenn die Königin heraus fände, dass der Narr es auch mit der Tochter triebe.

Aber nachdem dem Narren die Tage schon zu dröge waren, konnte er in den Nächten den Damen aber auch gar nichts abschlagen. So stahl er sich des Nächtens wie ein Dieb durchs Schloss und beglückte erst die Königin und wenn diese danach endlich eingeschlafen war, zerrten schon die Hände der Prinzessin an seinen Hosen. Und er machte was von ihm verlangt wurde. Und der König schlief jede Nacht den Schlaf des zu Recht Gelangweilten und bekam davon zum Glück überhaupt nichts mit.

Die Tochter beugte sich zu ihm runter und er hatte ihre prallen Brüste voll im Blick, als er ihr das Taschentuch reichte. Sie tätschelte ihm auf dem Kopf herum und setzte sich wieder aufrecht auf ihren Stuhl. In seinem Schoß lag nun ein Zettel.

‚Heute Nacht an der großen Eiche!‘ Er steckte den Zettel in seinen Schuh und langweilte sich weiter zusammen mit dem Hofstaat. Nach dem Essen schlich er in seine Kammer, doch die Königin passte ihn ab und schleifte ihn in ihre Kemenate.

Als sie ihm seiner Gewandung entledigte, fiel der Zettel aus seinem Schuh.

‚Was hat er da für einen Zettel?‘ rief die Königin und gähnte gelangweilt.

‚Was für ein Zettel?‘ stammelte der Narr.

‚Dieser da, der soeben aus dem Schuh purzelte!‘ rief die Königin und wollte sich tatsächlich danach bücken. Er war aber schneller. Sie blickte ihn grimmig an und dann schrie sie fast: ‚Wage er es nicht den Zettel zu essen, sonst schreien wir so laut, dass der König es hören muss.‘

Der Narr hatte den Zettel schon im Mund und hielt dann inne. Dann streckte er folgsam die Zunge heraus.

‚Spuckt er ihn aus!‘ meinte sie und hielt ihn die Hand hin.

Er tat was ihm geheißen. Sie nahm den feuchten Zettel und blätterte ihn auf. ‚Heute Nacht an der großen Eiche!‘ sprach sie und zog eine Augenbraue hoch.

‚Ich wollte Euch den Zettel vorhin zustecken!‘ stotterte er.

‚Er hat doch nicht gedacht, dass wir bei dem Wetter und in stockdüsterer Nacht das Schloss verlassen würden?‘

‚Ich wollte nur etwas zu Euer Erheiterung beitragen.‘

‚Ja, wir sind erheitert über den Erfindungsgeist den du an den Tag legst.‘ meinte sie und verzog dabei keine Miene.

Sie zog einen Cricketschläger unter dem Bett hervor und meinte trocken: ‚Versohl er uns den Hintern, wir waren ein böses Mädchen!‘

Er versuchte nicht die Augen zu verdrehen und tat was ihm geheißen. Als er mit ihr fertig war, schlich er zum Abbild der großen Eiche. Dort wartete schon die Nächste, er packte die Königstochter und zerrte sie in eine Nische hinter einen Wandbehang. Er hob den Finger an den Mund, während sie ihm umgehend an die Wäsche ging. Sie machte sich an seiner Hose zu schaffen und kniete sich langsam vor ihn hin.

Er hörte ein Geräusch auf dem Gang und hielt inne. Die zügellose Königstochter hatte sein Gemächt bereits erfasst und war im Begriff seinen kleinen Schelm in den Mund zu nehmen. Jemand kam über den Gang geschritten. Er packte ihren Kopf und hielt sie fest, dass spornte sie aber nur noch mehr an und sie saugte unablässig an seinem Schaft.

Die Königin schritt an ihrem Versteck vorbei und blieb vor dem Wandbehang mit der großen Eiche stehen. Und dann ging ihr tatsächlich ein Licht auf. Hastig riss sie den Wandbehang zur Seite und schnappte pikiert nach Luft.

Er drückte den Kopf der Tochter fest an seine Lenden und das Letzte was sie zu atmen versuchte, war sein Schwanz. Als er kam, ging sie, für immer. Er zerdrückte tatsächlich eine kleine Träne darüber. Aber zum Trübsalblasen war jetzt keine Zeit, er lies von ihrem schlaffen Körper ab und die letzte Geste die ihr regloser Körper machte, war theatralisch zu Boden zu gleiten und ihre Hand landete angewinkelt auf ihrer Stirn. Ein letzter Seufzer entwich ihrem Mund.

Die Königin stand einen erschreckend langen Moment einfach nur da und beobachtete sie skurrile Darbietung. Sie zog die Luft zwischen die Zähne ein, erhob ihren Cricketschläger und wollte ihn damit vermöbeln. Er wich dem ersten Schlag aus und bekam den Schläger zu fassen. Ehe ihm bewusst wurde, was er da tat, lag die Königin schon in ihrem Blute da und das Erste mal hatte sie keinen gelangweilten Ausdruck auf den Lippen. Sie war erlöst und lächelte sogar. Und er stand blutüberströmt mit heruntergelassen Hosen da und blickte auf sein Werk und lachte.

‚Was ist das für ein ungeheuerlicher Lärm, Possenreißer!‘ rief der König, der noch mit seiner Schlafbrille auf der Nase aus seinem Gemach stolperte. Der Narr zog hastig seine Hose hoch und hob den Schläger und grinste: ‚Ich musste einfach etwas Schönes kaputt machen!‘

Dann lies er den Schläger sinken, drehte sich schwungvoll um und ging. Den Schläger hinter sich her schleifend.

AlpenRoadMovie20

AlpenRoadMovie20

Sonntag, 19.08.12, 14.10 Uhr

Auf dem Weg von Trapani nach Marsala, Sizilien

naudersIm Wagen war eine bedrückende Stimmung, seitdem Die Nonna zugestiegen war.

Sie war doch einfach am Wegesrand gestanden, mit einem aufgespannten schwarzen Regenschirm in der Hand. Und dabei war es heute ein wunderschöner Sommertag und keine einzige Wolke war am Himmel zu sehen. Außerdem hatte sie eine enorme Sonnenbrille auf, die sie sich erst im Auto etwas über die Nase nach vorne schob, um Giovanni und Blume gründlich zu mustern.

‚Junge, wie siehst du überhaupt aus?‘ fragte Die Nonna.

‚Nonna, ich bin angeschossen worden und zwar von der eigenen Familie!‘ jammerte Giovanni.

‚Hätte dich jemand versucht zu erschießen, der tatsächlich zu der Familie gehören würde, dann wärst du jetzt tot, junger Mann!‘ meinte Die Nonna unwirsch.

‚Ellen gehört ja wohl mehr zur Familie, als so manch Anderer!‘ flüsterte Giovanni schnippisch.

‚Das hab ich gehört, junger Mann. Gib mir die Luger wieder!‘ flüsterte Die Nonna ihrem Enkel ins Ohr, aber genauso laut, wie Giovanni noch einem Moment zuvor. Doch da Blume direkt daneben saß, konnte sie jedes Wort hören. 

‚Oh, die ist in meiner Handtasche im Kofferraum.‘ flüsterte Blume schüchtern.

‚Und wie schießt sie sich, Signorina Fiore?‘

‚Für mein erstes Mal, ziemlich gut!‘

‚Sie hat den Killer erschossen und Ellen knapp verfehlt.‘ plapperte Giovanni.

Es war kaum zu glauben, aber Die Nonna lächelte zum ersten Mal an diesem Tag. 

Es geht weiter in Manchmal kommt es anders…Killer 17! Es lohnt sich!

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