Ich suche einen Mann…Teil 11 Mein Feinschmecker und kein Kostverächter

Ich suche einen Mann…Teil 11 Mein Feinschmecker und kein Kostverächter

Ihaeubchench suche einen Mann, der nicht zu lachen anfängt, wenn ich mit der Kochschürze bekleidet vor meinem Backofen sitze und mich freue wie ein 12jähriges Mädchen mit blonden Zöpfen, wenn der Strudel seine goldene Färbung bekommt oder wenn ich rufe: ‚Oh mein Gott, mir sind die beinahe die Muffins verbrannt!‘ Nein ich suche einen Mann, der isst was ich in meiner 378850_2416195170910_1962430602_nKüche mit viel Liebe für ihn zaubere, der Genuss am Essen hat und der z.B. Koriander von Petersilie unterscheiden kann.

Anmerkung: Dies ist der 11. Teil einer völlig ernst gemeinten Bekanntschaftsanzeige von mir, Callabutterfly, und eine Ode an meinen Traummann, den ich mir grad versuche zu basteln.

Zuschriften bitte via Facebook/Callabutterfly per PM

Werbeanzeigen

Der Blankarder Schinkenstrudel

Der Blankarder Schinkenstrudel

brunaMan nehme übrigen Brotteig und schlägt ihn so lange auf den Tisch bis der ganz platt ist. Wahlweise kann die Frau von Welt ihn auch noch mit dem Nudelholz bearbeiten.
Dann geht man in die Vorratskammer und nimmt Schinken, Käse, Zwiebeln und Knoblauch und alles was für einen klassischen Rumfort ansteht, also alles was rumliegt und fort muss.
Wichtig ist frischer Milchrahm oder Schmand, wenn man keinen zur Hand hat, tun es auch zwei Eier und ein Schluck Milch.
Alle Zutaten kleinschneiden und mit dem Schmand zu einer festen Masse verrühren. Mit Kräutern oder Pilzen verfeinern, getrocknet oder frisch.
Dann streicht man die Masse über den Teig und rollt kleine handliche Strudel daraus. Ab in den Brotofen damit und Vorsicht, er ist schnell fertig als man denkt.

Der Blankarder Strudel kann heiß oder kalt genossen werden. Geschnitten oder am Stück. Er hält sich mehrere Tage und ist zum Mitnehmen sehr gut geeignet und enthält alles was der Blankarder Jungkrieger für zwischendurch braucht.

Aus den Rezepten meiner Großmutter und sie sagte immer Rumfort ist kein berühmter Alchemist aus einem fernen Land, sondern gute alte Hūsmanskost.

Eure Bruna

Dieses Rezept basiert auf dem Hintergrund der Rauriker, der Hintergrundgeschichte von Bruna, der Metzgerstochter und den Ereignissen zu Beltane (http://www.rauriker.de) Ähnlichkeiten von Personen im realen Leben sind völlig ausgeschlossen und somit reiner Unfug. Wir bitten um Verständnis.

Kettensägenmassaker

Jakobsweg Zeitreise -Kettensägenmassaker

Unser Nachtlager haben wir dann schon im Dunkeln aufgebaut und das Nachtmahl, war dann wirklich ein Nachtmahl. Zum Nähen und zum Schreiben war es wirklich schon zu dunkel, wie ich jetzt grad erschreckend feststelle, ich kann meine Schrift im Tagebuch kaum lesen….Wir gingen deshalb sehr früh schlafen, und ein Käuzchen schuhute von weit her zu uns rüber.
Super, wie im schlechten Horrorfilm, man sieht eine Waldlichtung mit einer wunderschönen Blumenwiese in der Dämmerung, irgendwo flackern zwei Lichter, man kann einen kleinen Holzunterstand kaum erkennen, man hört das Gekicher zweier Mädchen und ein Käuzchen schreit, plötzlich ist alles unnatürlich still. Wie als wenn die Ordnung gestört wäre, so wie wenn man in einen Raum kommt, einen weißen Raum und in der Mitte steht ein Roter Stuhl. Cthulhu lässt grüßen. Man hört ein Knacken von weit her, die Mädchen schrecken auf und eine fängt an zu kichern: ‚Ist da wer?‘ und dann ist wieder alles ruhig auf der wunderschönen Blumenwiese.
Jetzt ist der Moment, wo eigentlich in jedem schlechten Horrorfilm, der irre Massenmörder, mit dem Dr. Zoidberg-Gesicht und seiner Kettensäge, den Unterstand zamsägt und mit ihm auch die Mädchen. Eines davon kann leicht verstümmelt entkommen. Die Quotenjungfrau, natürlich!
Nachdem wir auch noch Larper sind, spielt unsere Fantasie natürlich Ping-Pong mit uns. Und wir überlegen uns ständig, wie entweder Zombies oder Untote über uns herfallen, oder eine Horde Orks, die uns entführen und uns dann solange vergewaltigen, bis wir tot sind. Dann werden wir natürlich noch fachgerecht zerteilt und im Wald zurückgelassen. ‚Lieber Hirschgott, du Zwölfender du, bitte schick uns keine Vergewaltiger, außer die sind verdammt gutaussehend und frisch geduscht.‘

Jetzt wisst ihr auch was in meinem Kopf so vorgeht, wenn ich armes paranoides Wesen nicht einschlafen kann. Aber trotz der paranoiden Wahnvorstellungen noch Vergewaltigungsphantasien haben, irgendwas stimmt doch bei mir nicht, oder? Aber dafür machen ich ja auch meine Pilgerreise, damit ich vielleicht nur halb so wahnsinnig zurückkomme, wie ich aufgebrochen bin. Im Moment kann ich das leider noch nicht bestätigen. Aber ich arbeite daran.
Irgendwann bin ich dann doch eingeschlafen, bis ich dann aufgrund eines geträumten Schneegestöbers aufgewacht bin, den Grund für den Traum, habe ich dann auch gleich erkannt, mir war eiskalt. Hanna hatte mich von meinem einzigen Fell unter die Bank des Unterstandes gedrängt und nachdem wir zu zweit in meinem Deckenschlafsack stecken, gestaltet sich der Weg zurück aufs warme Fell ein bisschen schwierig. Nun gut, unter der Bank erwischt mich der Vergewaltiger wenigstens nicht gleich, dann kann ich noch zuschauen, wie er die Hanna…… Böse Bine, und es ist keiner da der mir auf die Finger haut. Jetzt bin ich auch noch rattig und kein Vergewaltiger in Sicht und auch keine Zombies zum Spielen, ich versuche also weiter zu schlafen und vermisse nicht nur mein Babyschafsfell, dass ich Depp ja aussortiert habe. Himmel, für diese Gedanken komme ich definitiv in die Hölle.


Bin die Nacht dann noch öfters aufgewacht, aufgrund von Kälte und weil ich mich wieder unter der Bank vorgefunden habe. Dann hab ich endlich tief und fest geschlafen, wie ich plötzlich Schritte höre, ich schrecke auf und da war der Jogger schon vorbeigelaufen. Es kamen dann noch mehrere Jogger und ein Radler vorbei und ich konnte noch nichtmal senkrecht im Bett stehen, mangels Bett und ich steckte ja mit Hanna im Deckenschlafsack fest.
Mich beschäftigten jetzt wieder die Männer, der letzten Wochen und ich hatte langsam das Gefühl zur Nonne zu werden, weil so wie früher ist es schon lange nicht mehr

und seit meinem letzten Fehltritt, treibe ich eher ziellos umher und treibe eigentlich gar nichts mehr so richtig. Sogar mein Vibrator liegt total verstaubt im Bad zwischen den Haarklammern und den Waschlappen. Des ist ja eben auch so ne Sache, an der ich dringend arbeiten muss. Jetzt hat der Herr Uri Geller meinen Vibrator schon repariert und ich benütze ihn gar nicht mehr, ab und zu lese ich in der Mutzenbacher und dann langt es mir meistens schon wieder, fast ohne heimwerken…Grins!
Ich brauch mich ja nicht beschweren, mir taugt zur Zeit der Tausendste nicht und selbst an dem hab ich noch was auszusetzen. Die können mir irgendwie alle geistig nicht folgen oder wollen nur vor mir auf dem Boden herumrutschen. Wenn sie mir geistig folgen können, dann sind sie mir körperlich nicht gewachsen, oder Verbal. Wenn dann alles stimmt, dann sind sie entweder schwul, oder saufen oder nehmen gar Drogen oder sind viel zu jung….oder wollen keinen Geschlechtsverkehr…. so komm ich ja nie zu meinem Traummann und meinem Haus mit Hund und einem Stall voll Kindern. Nur nicht übertreiben, Bine! So schreckst du nur wieder alle ab, unter den Voraussetzungen will ja auch kein Mann eine Beziehung eingehen. Eine Schlampe will Kinder und Haus und Hund, des passt ja so gar nicht ins Weltbild. Wo wir wieder bei diesem verfickten Volksmund wären…Wenn ich den Volksmund erwische, dann muss ich mit dem aber soooo eine aufs Maul hauen….
An diesem Morgen war so gar nichts in Ordnung, ich hab bis um 8 Uhr meine Augen gar nicht aufgebracht und ich war total bewegungsunfähig. Ob des jetzt am schlechten Schlaf gelegen hat, oder an meinen Phantasien oder meinen Träumen, wobei die teilweise vermischt sind. Ich kann gar nicht mehr richtig nachvollziehen, was jetzt Traum war und was ich mir jetzt ausgedacht habe. Dann kann es ja auch noch sein, dass alles an meinem Rausch vom Samstag Nacht liegt, ich vermute es jetzt mal. Weil wenn mich Männer nachts nicht schlafen lassen und ich tagsüber von ihnen Träume, dann muss es ja einigen heute morgen, in den Ohren geklingelt haben. Es ist jetzt übrigens Montag, der 30.03.08 und falls es bei dir geklingelt hat, dann ruf mich an…..Ich beobachtete zwei Rotkehlchen beim Vögeln….
Dass ich immer meine Holzschuhe vergesse, die mir unsere Pilgerschaft ja wirklich nicht leicht gemacht haben. Ich hatte gestern schon des Gefühl, dass die irgendwie morsch werden. Ich hab sie gestern Nacht noch mit Kerzenwachs gekittet und hab mich aber dann doch entschieden heute mit meinen selbstgebauten Römersandalen-Bundschuh-Zwitter zu laufen. Böser Fehler! Aber dazu später….
Wir packen also alles ein und ich latsche ohne Frühstück los und ich bilde mir ein, dass ich irgendwo einen Baum umstürzen höre, so als würde da jemand Bäume fällen, nur dass man keine Axtschläge und keine Kettensäge hört. Ich höre auch einen Specht und vergesse es wieder, weil im Naturschutzgebiet Neuburger Wald wird schon keiner Bäume fällen und genau deswegen haben wir uns gestern nicht getraut ein Feuer zu machen, weil im Naturschutzgebiet macht man so was nicht und so schleppen wir natürlich unseren Müll auch wieder aus dem Wald….
Wir haben nur noch wenig Wasser und meine Überlegung die Zähne zu putzen, viel dann aufgrund ‚Ich bin total gelähmt!‘ und Wassermangel aus und mir mit Innwasser die Zähne zu putzen ist mir dann doch zu authentisch.

Wir laufen also weiter und die Sonne scheint und es ist wirklich wie eine wunderschöne Blumenwiese nur mit Wald und der Frühling hat uns jetzt entgültig in seiner Gewalt. Wir laufen weiter am Inn entlang, bis mir ein großer umgestürzter Baum am Innufer auffällt. Ich schau genauer hin und da ist doch tatsächlich ein Biber am Werk gewesen. Ich machte schnell ein Beweisfoto und dann grübelte ich wieder darüber nach. Hanna machte sich einen neuen Wanderstock und ich grübelte über den Biber nach. Hab ich doch richtig gehört, da fällt tatsächlich einer Bäume im Naturschutzgebiet. Und solchene Großen! Und ich dachte schon ich bin total bescheuert. Aber der Biber hat sich da aber schon ganz schön was vorgenommen, den Inn aufzustauen. Des ist ja fast so ne Lebensaufgabe, wie unsere Pilgerschaft. In dem Tempo, wie wir mit den schweren Kraxen beladen, nicht vorankommen, werden wir in den nächsten 10 Jahren nie aus Bayern rauskommen, geschweige denn in Santiago ankommen. Ist es da wahrscheinlicher, dass dieser kleine Biber es schafft den Inn aufzustauen?
Ich sag ja auch immer ich werde irgendwann im Rentenalt

er in Santiago ankommen. Des ist mittlerweile kein Spaß mehr. Wir werden mit 60 und 70 Jahren, bebückt von jahrelangem Kraxenschleppen, uns von unseren Kindern und Enkeln nach Santiago tragen lassen müssen. Dann sollten wir aber langsam mal mit den Kindern anfangen, oder ein geregeltes Leben führen, damit wir uns welche adoptieren können. Jetzt bräuchte wir jeweils nur einen Mann. Für mich bitte einen, der mir geistig, körperlich und verbal gewachsen ist. Mit einer übersichtlichen Frisur! Bitte keine Nazis, keinen perversen Schweine und keine devoten Männer! Wenn es bei dir im Ohr klingelt, dann ruf mich an….
Und beim ganzen Bibergeschwafel hab ich unsere Griesschnitten ganz vergessen, wir haben bei unserem Nachtmahl in unserer Hütte noch die Griesschnitten vom Con gegessen, die waren dann aber so kalt, dass wir sie dann auf den IKEA-Laternen warmgemacht haben, wir haben uns ja nicht getraut, ein Feuer zu machen. Super IKEA-Griesschitten, des muss man mal gemacht haben, des ist echt der Wahnsinn.

3 Strudel für ein Halleluja

Jakobsweg Zeitreise – 3 Strudel für ein Halleluja

Ich werde von Tag zu Tag immer panischer. Das Wetter wird irgendwie auch nicht besser und die Volksküche rückt immer näher. Ich hab noch nichts gepackt und ich muss noch irgendwo eine Weinraute auftreiben. Die Kohlrabifrage ist zwar geklärt, aber dazu kam die Karottenproblematik. Dann ärgert mich die Hanna schon den ganzen Tag. Also streiten wir schon den ganzen Tag und ich soll nebenbei auch noch arbeiten und nach Möglichkeit alles wegarbeiten und auf den Stammtisch soll ich auch noch gehen. Ich muss irgendwas schönes kaputtmachen. Das ist auch schon wieder so ne Sache an der ich arbeiten muss.

Im Übrigen sind meine Ärmel noch nicht fertig und meine Schürze und ich wollte noch ein weiteres Häubchen machen und ich habe natürlich noch keine einzige Ledertasche gemacht. Aaaaaahhhhh!

Warum machen wir des eigentlich mittelalterlich? Und hoffentlich hält alles was ich in den letzten Tagen zusammengeschustert habe. Alle Männer sind mir mittlerweile scheißegal und ich hoffe, dass mich noch heute der Schlag trifft, dann muss ich mir die Blöße nicht geben, dass man im Leben nicht alles mit Blasen, einer Flasche Rotwein, Vaseline und einer Wund und Heilsalbe lösen kann.
Ich hatte mir mit der Volksküche so viel Mühe gegeben, und jetzt alles hinschmeißen, kommt nicht in Frage. Ich muss da jetzt durch.
Meine Streiterei mit der Hanna ist im Sande verlaufen, jeder macht des was er will und wir treffen uns halt irgendwann im Basic und kaufen für die Wanderschaft und die Volksküche ein. Wo Hanna jetzt plötzlich doch mitkommt und sie will auch mitkochen, hat sich das Streiten doch nicht etwa gelohnt, oder haben wir beide irgendwann erkannt, dass wir langsam mal damit anfangen sollten an einem Strang zu ziehen. Im Nachhinein hab ich fast ein schlechtes Gewissen, dass mir das Streiten immer so viel Spaß macht. Und das ist gar nicht gut, wenn ich auch noch Recht behalte und noch dazu meinen Willen bekomme. Ich sollte mich nicht daran gewöhnen, dass alles so gut klappt. Irgendwie muss ich wohl auch noch bei Hanna entschuldigen und mich bei ihr bedanken, weil sie mir doch viel geholfen hat, beim Nähen und jetzt auch noch beim Kochen. Schmunzel.
Meine Befürchtung, das bei der Volksküche keiner kommen könnte, traf nicht zu, auch wenn es mehr hätten werden können. Und mehr Met hätte sie auch trinken können. Aber nochmal ein herzliches Dankeschön an alle, die da waren. Aber selbst wenn drei Chaoten in einer viel zu kleinen Küche arbeiten, kommt doch tatsächlich was heraus, was man anscheinend essen kann. Ich hab mir sagen lassen, das alles so gut abgeschmeckt war und ich muss zugeben, ich hab eigentlich gar nichts abgeschmeckt. Keine Zeit! Besagt das jetzt, dass ich doch irgendwie kochen kann oder war alles nur Glück. Na ja, egal auch dem Vereinsheim hat es wohl auch getaugt und wir dürfen wiederkommen und nochmal kochkünsteln. Und des nächste Mal gibt es nur Kartoffeln und wenn jemand meckert, kriegt eine Pastinaken-Sellerie-Petersilienwurzelsuppe und wenn ich damit ein Bio-Viagra erfinde und es gleich am lebenden Objekt teste, soll es mir recht sein. (Und ich habe festgestellt, dass Meerrettich echt zum Heulen ist!)
Das Einzige was nicht geklappt hat, war der Nachtisch, der Birnenstrudel ist nicht rechtzeitig fertiggeworden, obwohl ohne einem Nudelholz einen Strudel hinzukriegen ist eine reife Leistung. Aber er ist halt nicht fertiggeworden.
Meinen Einstand als Kochkünstler hatte ich überstanden und einen Tag später hatte ich meinen Ausstand und meinen Hausstand, mit 3 Strudel und dem Anderl im Auto auf dem Weg in den Bayrischen Wald. Auf der Vorderachse zwei Sommerreifen, einen davon hatte ich am Vormittag noch gewechselt und auf der Hinterachse zwei Winterreifen, über die Funktionalität möchte ich mir gar keine Gedanken machen und nachdem meine Gebete wohl erhört worden sind, schneit es wohl nicht mehr, hoffe ich.
Dann ist es Ende März absolut unmöglich Lederhandschuhe und Isomatten zu kaufen. Wer geht auch im März zum Wandern und zum Campen? Beim Packen ist mir dann aufgefallen, dass ich viel zu viele Handschuhe besitze, ist nur die Frage warum ich einen Tag zuvor das Gefühl hatte, ich müsste mir welche kaufen.
Jetzt bin ich irgendwo im Bayrischen Wald auf einem Conplatz mit mehr Schnee und Matsch, als man sich vorstellen kann und die Panik überfällt mich schon wieder. Meine Ärmel sind nicht fertig, ich hab die Kraxe noch nicht gepackt und ich hab nur meine Holzschuhe dabei, weil ich beim Packen nur an die Wanderung gedacht hatte, aber nicht daran, dass ich ja noch auf dem Con bin. Aaaaaahhhhh! Und wir werden alle erfrieren…Dann habe ich natürlich keine neues Häubchen gemacht und mein Zweithäubchen „Die Müllerin“ habe ich auch noch vergessen und die 3 Strudel müssen auch noch gegessen werden…
Das Wetter wird mir langsam echt egal und die Männer, die hier reihenweise herumhüpfen, versuche ich weitestgehend zu ignorieren. Ich habe zwar ein bisschen auf dem Con mitgeholfen, aber die meiste Zeit bin ich auf einer Bank auf der Sonne gesessen und habe meine Ärmel genäht und hab auf den Hund Ida aufgepasst, danke Vroni für die Mußestunden, die habe ich echt gebraucht.

Jakobsweg Zeitreise – Im Vorfeld

Jakobsweg Zeitreise – Im Vorfeld

Das Vorhaben den Jakobsweg zu gehen, das kann ja jeder, machen tun es nur wenige und durchziehen tut es kaum einer, aber in mittelalterlichen Klamotten zu gehen, ist schon ganz schön außergewöhnlich. Und dann noch mit Holzschuhen und mit einer Kraxe auf dem Rücken, des ist wirklich schon ganz schön einzigartig bescheuert. Dann haben wir uns in den Kopf gesetzt von Passau bis Santiago zu laufen. Ein fast wahnwitziges Vorhaben. Ich habe mir gedacht, bevor ich in der Weltgeschichte rum raufe, sollte ich vielleicht erstmal meine Heimat kennenlernen.

Wir reden schon lange davon und planen tun wir auch schon lange, aber endlich soll es soweit sein….vom 30.03.08 bis 04.04.08 waren wir unterwegs….Ein erster Materialtest, eine Woche, wie weit man kommt, mit der Ausrüstung, mit dem eigenen Körper usw.
Wir haben in einer Woche ca. 60 km geschafft und ich habe ca. 80 Tagebuchseiten geschrieben, die ich nun versuche aufzuarbeiten…
Ich hab mir im Vorfeld eigentlich keine großen Gedanken gemacht, warum ich den Jakobsweg eigentlich gehen will. Die Idee an sich war es, die mich davon überzeugt hat, damit anzufangen. Die Suche nach der Authentizität, nach dem Leben wie es früher war… als die Menschen nur das besaßen, was sie tragen konnten und nur so weit laufen konnten, wie ihr Körper es ihnen erlaubte, dem Wetter und der Landschaft hilflos ausgeliefert. Damals kam dann auch noch die heimische Tierwelt hinzu, die durchaus gefährlich sein konnte und die Räuber und Wegelagerer und der Neid und die Mißgunst der anderen Menschen.
Was die Wanderung aus mir machen wird und welche Menschen wir begegnen werden, darüber habe ich mir keine Gedanken gemacht. Oder ob wir die Menschen verändern, denen wir begegnen, daran wagte ich gar nicht zu denken. Ich war der Meinung, dass wir wahrscheinlich schon in Passau festgenommen werden und unsere Pilgerschaft im Irrenhaus endet. Oder dass wir ausgeraubt, vergewaltigt oder vom LKW überrollt werden. Dann bezweifelte ich, dass meine Holzschuhe halten würden, geschweige denn die Kraxen, meine Knie oder meine Knöchel. Dann dachte ich im Vorfeld an den Muskelkater und dass wir einfach aufgeben würden und aus Bequemlichkeit nicht weitermachen würden. Als es dann zu Ostern auch noch zu schneien anfing, wurde die Angst immer größer, dass wir einfach erfrieren würden und uns keiner findet, weil wir irgendwo authentisch im Wald übernachten wollten.
Die Vorbereitungszeit war wie immer zu kurz. Ich hab längst nicht alles fertig genäht was ich gerne mitgenommen hätte haben wollen, dann wollte ich noch für alles eine Ledertasche machen, damit unterwegs wirklich nichts nass wird. Die Überlegung alles ganz authentisch zu machen, macht mich ganz Wahnsinnig. Hält auch alles was ich da näh? Wir hatten kein Deo und keine Schminke dabei, nur eine Rosmarinkernseife. Einfach verrückt!
Der Plan war am Donnertag vor der Wanderung Volksküche im Vereinsheim, am Freitag Nachmittag auf ein Wikingerspiel der Falkenklinge und am Sonntag sollte uns der Anderl nach Passau fahren, und dann würde es losgehen.
Die Woche vor Ostern war eh schon so turbulent, da ich eh schon so verwirrt war, zum Thema Bine und die Männer hab ich ja schon viel geschrieben. Meine Verwirrung stieg von Tag zu Tag, mir liefen viele Männer über den Weg, alte Freunde, alte Liebhaber, neue Bekannte, was meine Verwirrung nicht wirklich entwirrte. Aber nachdem mein Terminkalender eh schon ziemlich voll war, hab ich alles, also auch die Männer, auf nach der Wanderung verschoben, wo ich sie oder die Männer mich, dann eh vergessen hätten.
Aber was bringt es mir eine alte Liebe wieder aufzuwärmen, um dann erstmal eine Woche pilgern zu gehen. Außerdem hatte ich ja noch so viel zu machen, ich würde ja nie fertig werden, wenn ich mir jetzt noch den Kopf verdrehen lassen würde.
Zu allem Überfluss fing es auch noch an zu schneien, und ich wünsche mir es würde damit aufhören. Ich als Winterkind, bin den ganzen Winter mangels Schnee nicht zu meiner Winterwanderung gekommen. Wünsche mir jetzt, dass es jetzt sofort zu schneien aufhört und umgehend Frühling wird. Versteh das wer will, ich nicht.
Mein Terminplan macht mich auch völlig wahnsinnig, ich muss tatsächlich zugeben, dass ich mir mit der Volksküche und dem Con (LARP-Veranstaltung) am Wochenende zu viel aufgehalst habe und es gab keinen Tag, an dem ich nicht alles hinschmeißen wollte. An einem Tag war ich sogar kurz davor meine Mitbewohnerin rauszuschmeißen, die noch dazu meine Pilgerschwester ist. Wir haben in der Woche vor der Wanderung verdammt viel gestritten. Es war eigentlich auch immer begründet und ich hatte oft recht und gerade deswegen hätte ich vielleicht einfach mal des Maul halten sollen. Aber dann wäre mir ja der Genuss des Streitens entgangen. Das ist auch so eine schlechte Charaktereigenschaft an der ich während meiner Wanderschaft arbeiten muss.

%d Bloggern gefällt das: