Der unbekannte Fremde

Der unbekannte Fremde

paranoia1Kam ein unbekannter Fremder in eine Taverne und setzte sich an einen Tisch in einer dunklen Ecke des Schankraumes. Seine Gestalt war in dunkle Gewänder und schweres Leder gehüllt und er hatte eine Gugel in sein verschmutztes Gesicht gezogen. Die Schankmaid kam umgehend zu ihm an den Tisch und wischte mit einem schmutzigen Lappen darüber. ‚Was darfs sein, der Herr?‘

Verehrtes Fräulein, überrascht ihr mich mit einem süßen Wein und etwas Warmen aus eurer Küche…‘ flüsterte der Mann und schnipste ihr eine Silbermünze zu. ‚Dann soll was übrigbleibt euer Trinkgeld sein.‘

Wenig später kam sie wieder, auf ihrem Tablett stand ein Krug mit feinstem Wein, ein Becher, ein enormer Napf voll köstlich duftenden Eintopf und ein riesiges Stück frischen Brotes.

‚Bittschön, der Herr und Dankschön!‘ lächelte sie ihm entgegen, als sie ihm seine Bestellung servierte. Er schenkte sich Wein in den Becher und trank. Sie beobachtete ihn neugierig und wand sich ab.

‚Wollt Ihr mir nicht Euren Namen verraten, hübsches Täubchen!‘ fragte er sie, als sie im Begriff war zu gehen. Sie drehte sich wieder zu ihm um, setzte sich verkehrt herum auf einen leeren Stuhl und grinste ihn an. ‚Nicht bevor ich Euren erfahre!‘

Er lehnte sich zu ihr hinüber und flüsterte so leise, dass sie es kaum verstehen konnte: ‚Wenn ich das tue, dann müsste ich euch töten.‘

Blitzschnell packte er ihren Arm und zog sie noch näher zu sich hin. Sein Gesicht war jetzt direkt vor dem ihrem und sie konnte den Geruch von feuchtem Leder und Rauch riechen, vermischt mit einem Hauch von dem Sommerwein, den sie ihm gerade serviert hatte. Er zog die Luft durch die Nase in seine Lungen und kam ihr noch näher. Als er wieder zu flüstern begann, drehte er sein Gesicht nur so viel, um noch näher an sie heran zu kommen und streifte dabei mit seiner stoppeligen Wange, die ihre. ‚So ein süßes Täubchen, ihr wollt doch nicht euren Kopf verlieren?‘ Er schnupperte an ihrem Hals. ‚Ich bin vom GD! Vom Geheimdienst.‘ Er konnte sehen, dass sich ihre Nackenhaare aufstellten. ‚Schschsch. Keine Angst, ich bin Einer von den Guten. Aber ich suche Einen von den Bösen.‘

Sie nickte unmerklich und musste ein Schluchzen unterdrücken.

‚Versuch zu lächeln, hübsches Täubchen.‘ flüsterte er weiter auf sie ein. ‚Mach einfach nur dass, was ich dir jetzt sage!‘

Drei Männer kamen in die Taverne gestürmt.

‚Steh vom Stuhl auf, wackle mit deinem wunderbaren Hintern und küss mich so, als wäre es der letzte Kuss in deinem Leben!‘ Sie tat was ihr geheißen und die drei Männer waren sofort abgelenkt. Der Wirt zischte ihnen etwas zu.

‚Keine Bewegung und die Hände weg von der Hure!‘ rief einer der Kerle. ‚Wir sind vom GGD und wir sind dir schon seit Tagen auf den Fersen, schwarzer Hund.‘

‚Dein Weg ist hier zu Ende, Verräter! Dem geheimen Geheimdienst kommt keiner aus!‘ rief der Zweite.

Der unbekannte Fremde drehte ihre Hand, so dass sie kopfüber in seinen Schoß fiel, dann zog er eine futuristische Armbrust, zielte und schoss. Während der Erste getroffen wurde, hatte die Armbrust sich selbst geladen und der zweite Bolzen steckte schon im Zweiten. Dann warf der fremde Unbekannte die Armbrust auf den Dritten und sprang schwungvoll auf. Die Schankmaid fiel zu Boden und der unbekannte Fremde stürmte schon auf den Letzten der Drei vom Geheimen Geheimdienst.

Im nächsten Moment, rappelte sich die Schankmaid wieder auf und der Wirt kam hinzu.

Als der unbekannte Fremde mit dem Dritten fertig war, blickte er auf das glänzende Ende des Dolches des Wirtes. ‚Schwarzer Hund, du hast dir die falsche Taverne ausgesucht! Ich bin vom GGGD! Vom Ganz geheimen Geheimdienst!‘

In dem Moment, als der Wirt dem unbekannten Fremden die Kehle durchschneiden wollte, kam etwas mit einem lauten Knall auf ihn zugeflogen, was nach dem Einschlag seine Brust rot färbte. Als der Wirt zu Boden ging, rappelte sich der fremde Unbekannte blitzschnell auf und blickte auf die Schankmaid, die eine kleine doppelläufige Flinte in Händen hielt.

‚Ich bin vom GGGGD, vom Ganz und gar geheimen Geheimdienst. Und das ist wohl nicht euer Tag heute, Fremder!‘

Und der Knall, war das Letzte, was der unbekannte Fremde vernahm, bevor er starb.

Anmerkung: Vielen Dank Michael Koser für den ganz und gar normalen Unsinn.

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Am Hohlweg oder von Birnen und Bergen

Am Hohlweg oder von Birnen und Bergen

Sie hastete schnellen Schrittes den Weg zur Burg hinauf. An jedem Arm trug sie einen Korb voll mit Birnen. Und um die Last besser zu verteilen, hatte sie die Körbe in ihre Taille gestemmt.

Die Sonne war bereits untergegangen und ein kühler Wind pfiff ihr die Haare ins Gesicht. Ihre blonden Zöpfe waren nach der vielen Arbeit ziemlich zerzaust. Die Herrin wird sie schimpfen, wenn sie so zerzaust oben ankam. Aber was sollte sie machen, sie konnte sich ja schlecht im Obstgarten die Haare kämen. Mal ganz davon abgesehen, dass sie gar keinen eigenen Kamm hatte.

Die Körbe waren ganz schön schwer, dennoch lief sie hastig den steinigen, steilen Weg hinauf. Sie hätte schon längst damit in der Küche sein müssen. Da wird die Köchin auch noch mit ihr schimpfen. Es war schon ein hartes Los auf Gedeih und Verderb der Herrschaften und ihrer Launen da oben ausgeliefert zu sein. Da half alles nichts, sie war doch nur eine einfache Magd.

Morgen war doch der große Empfang und die königliche Hoheit sollte mit allerlei süßen Köstlichkeiten aus den Obstgärten rund ums Schloss verwöhnt werden. Sie war heute bereits dutzende Male mit Körben, voll allerlei Obst und Gemüse, den Burgberg hinauf gelaufen, während in der Küche schon fleißig gebacken und gekocht wurde.

Der Weg war von beiden Seiten mit knorrigen alten Bäumen gesäumt. Der Wind ging nun stärker und die alten Äste krachten nun bedrohlich über ihrem Kopf. Sie blickte angstvoll nach oben. Die Baumkronen der Alleebäume berührten sich weit über ihr. Sie war schon am Hohlweg angekommen. Das steilste Wegstück stand ihr noch bevor und um so steiler der Berg um so schwerer ging ihr Atem.

Dunst und Rauch vom Wind aufgewirbelt, sank durch die Wipfeldecke des Hohlwegs zu ihr herab. Mit pochenden Herzen schritt sie weiter hinauf und versuchte nicht weiter auf die Bäume zu achten.

An der nächsten Biegung kam sie ins Straucheln und sie wäre beinahe gestürzt, wenn sie nicht beide Körbe am hüfthohen Rand des Weges abgestützt hätte. Sie blickte nach oben auf einen gespaltenen Baum. Das Loch in diesem Baum starrte sie schier an. Der Wind pfiff hindurch und machte ein unheimliches Geräusch. Sie bekam es mit der Angst zu tun, packte beide Körbe wieder fest an ihre Hüfte und rannte weiter nach oben. Die Bäume schienen ihr nachzustarren und die verwachsenen Risse in den Stämmen kamen ihr so vor, wie die aufgerissenen Mäuler wilder Tiere. Sie schrien ihr förmlich entgegen, sie beobachteten sie nun von allen Seiten. Ihr Atem wurde immer lauter und ihr Herz pochte so laut in ihrer Brust, dass sie fast keine Geräusche mehr rings um sich herum mehr wahrnahm.

Wie ein gehetztes Reh blickte sie zurück auf den Weg und konnte große Schatten erkennen. Die Schatten kamen auf sie zu. Sie rannte weiter und kam wieder ins Straucheln und beim Versuch nicht zu Fallen, fielen ihr ein paar Birnen aus dem Korb und kullerten den Hang hinunter.

Sie zögerte kurz und blickte nochmal den Berg hinab, da waren keine Schatten zu erkennen. Da hatte ihr ihre Angst wohl einen Streich gespielt. Hastig stellte sie die Körbe ab und rannte den Birnen hinterher. Ungeschickt klaubte sie die unrunden Ausreißer auf und sammelte sie in ihrer Schürze. Als sie die letzte Birne aufheben wollte, drang ein Klappern an ihr Ohr. Vor Schreck zog sie ihre Schürze bis zu ihren Brüsten hoch und richtete sich blitzartig auf. Ein dumpfer Schlag. Sie muss beim Aufstehen gegen etwas gestoßen sein und just in dem Moment kam sie wieder ins Straucheln.

‚Na, hübsches Täubchen, was haben wir denn da?‘ ertönte eine kratzige Stimme.

Im Taumeln erkannte sie eine Gestalt in Rüstung hinter sich. Sie drückte die Birnen in ihrer Schürze noch fester an ihren Körper, lies sich in einer geschickten Bewegung fallen und rollte sich auf die Seite, um gleich wieder auf zuspringen und weiter nach oben zu hasten.

Sie konnte Gelächter hören und das Geklapper von Rüstungen im schnellen Lauf. Panisch lief sie weiter, bis sie im vollen Lauf  jäh gepackt wurde. Im nächsten Augenblick wurde sie in die Höhe gerissen. Sie strampelte um ihr Leben und schrie aus Leibeskräften. Ihr Angreifer versuchte ihr den Mund zuzuhalten, verlor dabei das Gleichgewicht und taumelte mit ihr zusammen zu Boden, bis sie beide vom senkrechten Waldboden des Hohlweges unsanft gestoppt wurden.

Die Birnen in ihrer Schürze waren unter dem Gewicht ihres Angreifers zerquetscht worden und der Saft der reifen Früchte drang durch ihr Mieder, ran ihr unter dem Gewand am Körper hinab und tropfte nun auf den Weg.

Ihr Angreifer hatte sie an ihren Zöpfen gepackt und riss sie hoch. Ein Schlag in ihr Gesicht lies ihre Sinne für einen Moment lang schwinden. Er riss sich den Helm vom Kopf und lies sein Schild kraftvoll auf den Weg fallen. Obwohl er in der Dämmerung wahrscheinlich nicht viel sehen konnte, machte er sich genussvoll an ihrer Kleidung zu schaffen. Er griff sich einen Überrest einer der Birnen und führte ihn zum Mund. Laut schmatzend befingerte er sie grob und versuchte unter ihr Mieder zu gelangen. Er ließ kurz von ihrem reglosen Körper ab, um sich auch seine Handschuhe auszuziehen.

Sie kam erst wieder zu sich, als sie den Stoff ihrer Röcke reißen hörte. Mit weit aufgerissenen Augen setzte sie zum Schreien an, doch bevor auch nur ein Ton über ihre Lippen kam, presste er schon seine Hand auf ihr Gesicht. Birnenbrei drang in ihren Mund. Mit der anderen Hand machte er sich an seinem Gürtel zu schaffen. Sie kniff ihre Augen zusammen, da ihre Tränen in ihren Augen brannten. Ein Zucken schoss durch ihren Körper, als sie kalten Stahl an ihrem Hals spürte.

‚Noch ein Mucks und ich schlitz‘ dir die Kehle auf.‘ krächzte er wieder.

Die Hand weiter auf ihren Mund gepresst, schnitt er ihr Mieder auf und riss es ihr vom Leib. Dann erst nahm er die Hand von ihrem Gesicht. Sie wollte sich wehren, bemerkte aber erst jetzt, dass sich ihre Arme hinter ihrem Rücken befanden und durch das Gewicht beider Körper gegen die senkrechte Wegbegrenzung gedrückt wurden. Wieder hörte sie Stoff reißen und spürte den kalten Wind auf ihrer nackten Haut. Ein weiteres Klappern verriet ihr, dass er sich wohl eines weiteren Rüstteils entledigt haben musste. Stöhnend leckte er ihr den Birnenbrei vom Bauch und knete grob ihre nackten Brüste. Wieder machte er sich an seinem Gürtel zu schaffen und wühlte gleichzeitig zwischen den Überresten ihrer Röcke umher. Sie bekam ihren schmutzigen Rocksaum ins Gesicht geworfen, atmete ungewollt Staub und Dreck ein und röchelte unter ihrem Rock. Mit grober Gewalt drückte er ihre Schenkel auseinander, schob seine Hüften zwischen ihre Beine, während sie blind und bewegungsunfähig nicht mal die Möglichkeit hatte sich zu wehren. Was am Ende vielleicht sogar besser war,  es würde ihr wahrscheinlich die Schmerzen ersparen, wenn sie versuchte sich zu entspannen.

Ungeschickt aber zielstrebig verschmierte er hastig mit einer Hand den Birnenbrei zwischen ihren Beinen und fingerte dabei fahrig in ihr Allerheiligstes. Der Versuch sich zu entspannen, war wie weggefegt und sie bäumte sich auf, versuchte sich irgendwie zu wehren. Dieser Versuch wurde ebenfalls im Keim erstickt, als er mit einem Ruck in sie eindrang. Ein unglaublicher Schmerz durchschoss ihren Körper. Sie versuchte so viel Luft wie möglich in ihre Lungen zu saugen, damit sie laut schreien konnte, vielleicht hörte sie ja jemand. Er stützte sich jedoch mit dem Unterarm auf ihr ab, quer über Brust und Hals und stieß so heftig nach, dass ihr die Luft vollends weg blieb. Niemand würde sie hören, weil ihre Stimme nun gänzlich versagte. Der Rock rutschte ihr vom Gesicht und im selben Augenblick drang seine Zunge in ihren Mund. Sein Geifer ran ihr ins Gesicht und sie konnte seinen schalen Atem riechen. Sie musste damit kämpfen, sich nicht auf der Stelle übergeben zu müssen.

Mit heftigen Stößen bohrte er wieder und immer wieder seinen Schaft in ihren Leib und flüsterte ihr gotteslästerliche Perversitäten in ihr Ohr. Er biss sie in den Hals, besudelte sie überall mit seiner stinkenden Zunge und trieb weiter seine geschwollene Männlichkeit tief in sie hinein, bis er unkontrolliert zuckend über ihren Brüsten zusammenbrach und seinen Samen in sie entleerte.

Kampfeslärm drang an ihre Ohren. Blitzschnell erhob er sich von ihren Brüsten, zog seinen schlafferwerdenden Schniedel aus ihrer Pforte und eilte nach oben zur Burg. Brandgeruch kroch in ihre Nase, sie schluckte einen Schuchzer hinunter und versuchte sich mit einer ungeschickten Handbewegung die Tränen und seinen Geifer aus dem Gesicht zu wischen. Zitternd versuchte sie sich aufzusetzen und erblickte durch den Feuerschein erhellt, unweit von ihr die beiden Körbe mit den Birnen stehen.

Langsam rappelte sie sich auf und wankte zu ihren Körben, wo sie dann lautlos in sich zusammensackte.

Wenn der Morgen graut…

Wenn der Morgen graut…

Winternacht Teil 2

Sie wurde wach und konnte sich nicht bewegen. Ihr ganzer Körper war taub und sie hatte Raureif in Ge

sicht. Erst als sie langsam die Augen öffnete, erkannte sie, dass noch viel mehr nicht stimmte, als nur die Temperatur in der Hütte. Sie saß auf der Bank und ihre Arme waren auf dem Rücken gefesselt und sie hatte verdammt nochmal Raureif im Gesicht. Langsam drehte sie den Kopf und blickte im Raum umher. Ihr nächtlicher Besucher lag auf dem Kanapee und schlief, neben ihm lehnte die Axt auf dem Boden und auf dem Boden war Blut. Verdammt viel Blut. Schläft er wirklich? Sein Brustkorb hob und senkte sich. Sie grübelte darüber nach, was gestern Nacht noch geschehen war, nachdem sie den fremden Herrn Brock eingelassen hatte. Und um so mehr sie grübelte, um so weniger konnte sie sich erinnern. Hinter ihr ging die Tür auf und ein Schwall eisig kalter Luft kam in den ohnehin viel zu kalten Raum. Sie konnte nicht erkennen, wer die Hütte betreten hatte.

Eine krächzend lachende Stimme kam vom Eingang der Hütte. ‚Das Täubchen hat das Feuer ausgehen lassen!‘ Sie konnte ein paar schlürfende Schritte hören und dann traf sie ein heftiger Schlag ins Gesicht. Von der Wucht wurde sie hoch geschleudert und stieß mit dem Kopf gegen die rückwärtige Wand. Wo sie bewegungslos liegen blieb. Benommen versuchte sie sich von der noch unangenehmeren Haltung zu befreien. Aber ihr eigenes Gewicht drückte so auf ihre Arme, dass sie ihren Körper kaum hoch hieven konnte. Jemand packte sie am Hals und zog sie hoch. Dabei stießen ihre verkrampften Beine gegen die Tischkante.

‚So, Täubchen. Vielleicht willst du mir ja jetzt sagen, was du mit dem sauberen Herrn Dr. Brock zu schaffen hast?‘ kreischte die Stimme ihr nun direkt ins Gesicht. Sie konnte seinen stinkenden Atem riechen. Ihre Sinne schwanden wieder, bis sie ein weiterer Schlag wieder aus der nahenden Ohnmacht riss.

Als sie ruckartig die Augen öffnete, kam auch der Schmerz. Der letzte Schlag musste ihre Nase gebrochen haben, aus der nun Blut lief. Sie blickte in das Gesicht ihres Peinigers. Ein wilder Mann mit zerzausten Haaren und einem ungepflegten Bart starrte sie mit dem ihm eigenen, irren Blick an. Und sein Blick passte so unmissverständlich zu seiner Stimme, dass sie sich jetzt auch nicht mehr wunderte, warum er sie aus unerfindlichen Gründen schlug. Dieser Mann war einfach verrückt. Und was zum Teufel macht dieser Verrückte in ihrer Hütte. Diese Abscheu die sie nun empfand, spie sie ihm ins Gesicht. Mit ihrem Speichel spritze auch eine Ladung Blut mitten in sein Gesicht. Wie es schien, freute er sich darüber, dass sie ihn angespuckt hatte. Er lies einfach von ihr ab und widmete sich nun dem ominösen Herrn Dr. Brock. Sie war wieder auf die Bank zurückgefallen und lag nun quer auf der Bank, mit dem Kopf halb unter dem Tisch. Hinter ihr auf der Bank lag etwas. Sie versuchte mit den gebundenen Fingern danach zu greifen. Gott sei dank, es war ihr Nähzeug. Nun versuchte sie lautlos das Nähtäschchen zu öffnen und suchte nach dem Auftrenner. Dieses kleine Trennmesser konnte nun ihr Leben retten. Da war es ja! Während sie mit dem Trennmesser versuchte ihre Fesseln zu durchschneiden, beobachtete sie den Irren und den ominösen Dr. Brock.

Der Irre hatte sich behutsam an den Rand des Kanapees gesetzt und betupfte die Stirn des Dr. Brock mit einem Küchenhandtuch. Er hatte bereits das Feuer wieder entzündet und Wasser aufgestellt. Der Wasserdampf und der Rauch vom Ofen machte die Szenerie noch unwirklicher. Aber als dann die Sonne aufging und die ersten Strahlen durch die gefrorenen Scheiben schien, konnte sie nur noch den aufgewirbelten Staub, den Rauch und den Wasserdampf sehen, aber nichts von dem was sich nur drei Meter von ihr entfernt abspielte.

‚Dr. Brock, es wäre nicht nötig gewesen mich verletzen zu wollen. Ich hätte Ihnen nichts getan. Aber Sie haben es so gewollt. Sie haben mich förmlich darum gebeten ihnen die Hand abzuschneiden, die Sie gegen mich erhoben haben, Dr. Brock!‘ die Stimme des Irren hörte sich erschreckender Weise richtig fürsorglich an.

‚Hariolf, ich wollte dich nicht verletzen.‘ flüsterte Dr. Brock geschwächt.

‚Ihre Axt hatte mich nur knapp verfehlt, Dr. Brock. Ich habe Ihnen alles anvertraut und wie danken Sie es mir. Sie haben es dem Täubchen erzählt… Sie haben es dem Täubchen erzählt….Sie haben es dem Täubchen erzählt…!‘ wiederholte der irre Hariolf, immer und immer wieder, so dass Dr. Brock es kaum schaffen konnte, ihn mit seiner schwachen Stimme zu unterbrechen.

‚Hariolf, ich brauche ärztliche Versorgung, sonst verblute ich!‘ stammelte Dr. Brock.

Sie hörte wieder diesen schlürfenden Gang. Dann öffnete jemand den Ofen. Dieses quietschende Geräusch kannte sie nur zu gut. Durch den Rauch konnte sie etwas Glühendes sehen. War das der Kohlenschieber? Eine Minute später konnte man nur noch einen gellenden Schrei hören, der sogar weit ab der Hütte, noch das Wild aufschreckte.

Nachdem der Schrei verstummt war, war gar nichts mehr zu hören. Sie hatte innegehalten und lauschte mit geschlossenen Augen. Nichts. Kein Atmen. Keine Bewegung. Nur das Prasseln und Knacken des Ofens. Sie konzentrierte sich noch mehr, aber da war nichts. Vorsichtig öffnete sie die Augen. Da war wieder nur der aufgewirbelte Staub und die Sonnenstrahlen im Raum. Dieser Irre würde sie einfach umbringen, einfach so. Weil sie das Täubchen war, das zur falschen Zeit am falschen Ort war. Die Ironie dabei war nur, dass sie auf diesen Berg geflüchtet war, um endlich ihre Ruhe zu haben vor den ganzen Verrückten in der großen Stadt. Und jetzt würde sie von einem völlig Irren einfach abgeschlachtet werden. Nein. Das war nicht das, was sie sich noch vor ein Paar Stunden für ihr weiteres Leben zu recht gerückt hatte. Lautlos versuchte sie sich weiter von ihren Fesseln zu befreien. Obwohl es immer noch eisig kalt in der Hütte war, stand ihr, von der Anstrengung sich nahezu bewegungslos befreien zu wollen, der Schweiß auf der Stirn und ihre Hände wurden ganz feucht, so dass sie den Auftrenner kaum noch festhalten konnte.

Eine Wolke schob sich vor die Sonne und sie konnte den Irren sehen, wie er den glühenden Kohlenschieber hoch hielt, ihn in der Hand drehte und ihn aufmerksam beobachtete. Er machte einen Schritt in ihr Richtung. Nun konnte sie diesen süßlichen Geruch wahrnehmen. Der Geruch brennenden menschlichen Fleisches. Er musste dem Dr. Brock seine Verletzung ausgebrannt haben. Bei solchenen Schmerzen wäre es kein Wunder, wenn dieser Dr. Brock nun auch völlig verrückt geworden wäre oder einfach an dem Schock gestorben wäre. Der Irre stand nun vor ihr und hielt ihr das glühende Metall vor die Nase.

‚Kannst du sein Fleisch riechen?‘ fragte er sie. ‚Ich kann sein Fleisch riechen!‘

Noch verrückter ging es ja wohl nicht. Das würde ihr nie jemand glauben. Ihre Fesseln begannen sich langsam zu lösen. Der Irre kam ihr mit dem Kohlenschieber gefährlich nahe und sie konnte sich der Gefahr nicht entziehen. Der Raum war hinter der Bank zu Ende und wenn sie sich von der Bank stürzen würde, dann saß sie unter dem Tisch in der Falle. Jetzt war es an der Zeit ein Stoßgebet an Universum zu schicken.

Wie in einem schlechten Horrorfilm begann der Wasserkessel an zu pfeifen, als das glühende Metall nur noch wenige Zentimeter von ihrem Gesicht entfernt war. Der Irre erschrak und lies den Kohlenschieber fallen. In dem Moment schnellte ihre Hand unter ihr hervor und sie fing den Kohlenschieber auf, bevor er allzu viel Schaden in ihrem Gesicht anrichten konnte. Der Irre hatte sich aber schon abgewandt und war zum Herd geschlürft um den Lärm abzustellen. Mit einen Satz kam sie zum Stehen, strauchelte und stolperte Richtung Kanapee. Der Irre drehte sich um, er hatte den Wasserkessel in der Hand. Sie holte aus und warf den Kohlenschieber nach ihm. Sie traf ihn mitten im Gesicht. Es zischte drei mal. Das Zischen als der glühende Kohlenschieber in seinem Gesicht auf traf und sich in sein Fleisch brannte. Der fallende Wasserkessel, der seinen heißen Inhalt auf seine Füße ergoss und durch diese Verkettung der Ereignisse kam auch der Irre ins Straucheln und stütze sich am Ofen auf, um nicht rücklings zu stürzen. Der Ofen brannte sich in seine Hände. Das war ihre Chance. Sie packte die Axt, die zu ihren Füßen lag und schlug auf den Irren ein. Es ging alles so schnell, dass er sich kaum wehren konnte. Sie schrie und schlug unzählige Male auf ihn ein, bis sein blutiger Leib langsam zu Boden glitt.

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