Des Nächtens… der Mond schien grün!

Des Nächtens… der Mond schien grün!

 

Green_moon‘Der Mond scheint grün heute Nacht…!’ meinte der Totengräber gedankenverloren und blickte aus dem Fenster. In seiner kleinen Hütte, brannte ein kleines Feuer und ein Kessel mit Wasser war auf dem Herd. Tirsch rieb sich die Brust.

‘Ja, scheint der Mond grün in der Nacht, den Tirsch scharf macht!’ lachte Gerk und puhlte mit seinem Messer zwischen den Zähnen herum.

‘Was soll das jetzt wieder heißen?’ fragte Tirsch schnippisch.

‘Seit dem du mit der Tochter von dem neuen Wirt angebandelt hast, bist du nicht mehr ganz bei der Sache.’ meinte der Totengräber.

Tirsch blickte mit verklärtem Blick in die Ferne und grinste merkwürdig.

‘Das ist ein Werk des Satans, dass er einem Kind schon die Brüste eines Weibes gibt. Aber die Brüste müssen die Weiber verdecken, sie müssen sie unsichtbar machen und schnüren, um die Männer nicht zu reizen. Diese Brüste sind Werkzeuge der Wollust, Gott hat sie dem Weibe verliehen, damit sie ihre Kinder säugen, aber der Teufel hat ein Spielzeug für die Unkeuschen daraus gemacht und deshalb sollen sie stets verhüllt gehalten werden.’ rezitierte Gerk laut und musste sich ziemlich zusammenreißen, dass er nicht lauthals zu lachen begann.

‘Öhm, das steht aber nicht in der Bibel!’ rief Tirsch fast zu recht ertappt, er war mit seinen Gedanken wo ganz wo anders.

‘Nein, das nicht und auch nicht in den Gewerkschaftsrichtlinien, aber Gerk, ich werde deinen wertvollen Beitrag gerne weiterleiten.’ flüsterte der Totengräber und blickte wieder nach draußen.

Gerk bekam einen nicht enden wollenden Lachanfall und dabei fiel ihm ein rotes Büchlein aus der Jackentasche.

Der Totengräber nahm das rote Büchlein auf, das auf dem ersten Blick wie ein abgegriffenes Gebetsbuch aussah, blickte verwundert auf den Einband und schlug dann das Buch auf: ‘Josefine Mutzenbacher oder die Geschichte einer wienerischen Dirne von ihr selbst erzählt?’

Dann erhob er mahnend den Finger, las aber leise weiter und bemerkte nach einer ganzen Weile: ‘Dir ist klar, dass ich das hier konfiszieren muss, Gerk. Das’d dich net schämst!’

‘Keine Sorge, ich schäm mich jede Nacht!’

‘Nun zu dir Tirsch!’ meinte der Totengräber.

‘Ja, was ist denn?’ rief Tirsch gedankenverloren.

‘Ist dir an der Wirtstochter nichts aufgefallen?’

‘So Einiges, aber nichts Ungewöhnliches?’

‘Ich finde es schon ziemlich Ungewöhnlich, dass sie so einen Herumtreiber wie dich ran lässt?’

‘So richtig rangelassen hat sie mich ja nicht!’

‘Nur weil ihr Vater dich erwischt hat, wie du ihr an die Wäsche gegangen bist.’ meinte Gerk und grinste seinen besten Freund saublöd an.

‘Hat sie dir irgendwas gegeben?’

‘Nein, wieso?’

‘Nur so eine Frage?’ meinte der Totengräber und machte Anstalten gehen zu wollen.

‘Was habt Ihr vor?’ fragte Tirsch, während Gerk das Feuer löschte.

‘Wir gehen einen Trinken solange das Wirtshaus noch auf hat!’ konnte man den Totengräber rufen hören, bevor er in der Dunkelheit verschwand.

Wenig später saßen die drei im Schankraum des Wirtshauses, das schon ziemlich leer war, es war schon spät und zu so einer unchristlichen Stunde ging hier in Ludwigsdorf keiner mehr einen trinken.

Tirsch war gerade austreten und beim Rückweg hatte ihn die Wirtstochter Amelie entdeckt und stellte sich ihm in den Weg. Ihr Mieder hatte einen verboten tiefen Ausschnitt, in dem er schier versank. Wie jung sie war.

‘Ich hab auf dich gewartet!’ rief sie und ihre tiefe Stimme hallte im Hinterhof. So jung war sie nun auch wieder nicht.

‘Psst nicht so laut, wenn dein Vater dich hört.’ zischte Tirsch geheimnistuerisch.

‘Na und?’ meinte sie schnippisch.

‘Er bringt mich um, wenn er mich nochmal in deiner Kammer erwischt.’

‘Wird er nicht, er ist im Keller und macht Inventur.’

‘Inventur mitten in der Nacht und mitten im Monat?’ fragte Tirsch ungläubig.

‘Er ist ein sehr genauer Mann?’ meinte sie bestimmt und schnürte sich langsam und ziemlich genüsslich ihr Mieder auf. Er versuchte den Blick beschämt von ihr abzuwenden, was ihm natürlich nicht im Mindesten gelang.

‘Genau deshalb versuch ich mich ja von dir fernzuhalten, was wahrlich schwierig ist.’ flüsterte Tirsch und konnte nicht anders, weil Amelie ihm die drallen Brüste vors Gesicht hielt, als wie ein Idiot auf ihre Brüste zu starren. Ihm fiel die Textstelle wieder ein, die Gerk vorhin rezitiert hatte und sein Verstand ging klamm heimlich auf Wanderschaft.

‘Er wird dich schon nicht erschießen, ich hab seine Munition versteckt.’ flüsterte sie, kam ihm näher, drückte ihm bei einer Umarmung ihre Möpse noch mehr ins Gesicht und griff ihm beherzt an den Hintern.

‘Herr im Himmel, lass bitte keinen einzigen Schuss mehr im Lauf sein.’ stöhnte er laut auf.

Wie aufs Stichwort griff sie ihm in die Hose und schleppte ihn zum Heuschober.

Wenig später landeten sie beide ihm Heu, wo sie sich wild befummelten und küssten, doch Tirsch zierte sich ein Wenig. Er rappelte sich auf und versuchte seine Kleidung in Ordnung zu bringen. Er kam sich nicht nur unendlich beobachtet vor, er war auch stutzig geworden, weil die Wirtstochter gar so heftig ran ging und er ein ernsthaft und gewöhnliches Gefühl dabei hat. Hätte der Totengräber vorhin nur nichts gesagt, dann würde er sie jetzt schon pudern.

Aber ein komisches Gefühl hatte er auch immer gehabt, als ihm die Marie immer im Schlaf erschienen war und das hatte er anfangs auch immer mit purer Geilheit verwechselt. Und am Ende war sie doch eine Wiedergängerin und er hatte sie dann mit einem handelsüblichen und geweihten Pamarec gepfählt, den ihm seine Großmutter auf ihrem Totenbett vermacht hatte. Warum muss er gerade jetzt an seine Großmutter denken, wenn er doch jetzt eigentlich die geile Wirtstochter nageln könnte. Ja, so wie die letzte Wirtstochter, die eigentlich ein Werwolf war. Herrgott nochmal, seit dem er bei der Jägergewerkschaft angeheuert hatte, kam er irgendwie nicht mehr zum Zug, weil er sich den ganzen Tag immer seinen Kopf zerbrechen musste, über Vampire, Werwölfe und so’n Kroppzeuch.

‘Ich will dir ja nicht zu nahe treten..’ stotterte er, als sie ihm wieder an der Hose packte und davon abhielt gehen zu wollen.

‘Vielleicht will ich ja dir zu nahe treten..’ zischte sie ihm zu, geschickt öffnete sie seine Hose und sie rutschte zu Boden und Amelie glitt ganz langsam an ihm herab.

‘Jesas Maria und all ihr Heiligen!’ rief Tirsch aus, als sie seinen Schwengel bis zum Anschlag in den Mund nahm und munter zu saugen begann. Wie gut dass er angewachsen war, sonst hätte sie seinen Kasper mit einem Happs verschluckt. Er musste sich schon arg zusammen reißen, dass er ihr nicht gleich die volle Ladung in den Mund spritzte, also dachte er weiter an Bibelverse, die er dann auch noch laut rezitierte:

‘Und ich sah ein Tier aus dem Meer steigen, das hatte zehn Hörner und sieben Häupter und auf seinen Hörnern zehn Kronen und auf seinen Häuptern lästerliche Namen. Und das Tier, das ich sah, war gleich einem Panther und seine Füße wie Bärenfüße und sein Rachen wie ein Löwenrachen. Und der Drache gab ihm seine Kraft und seinen Thron und große Macht…Und es macht, dass sie allesamt, die Kleinen und Großen, die Reichen und Armen, die Freien und Sklaven, sich ein Zeichen machen an ihre rechte Hand oder an ihre Stirn, und dass niemand kaufen oder verkaufen kann, wenn er nicht das Zeichen hat, nämlich den Namen des Tieres oder die Zahl seines Namens. Hier ist Weisheit! Wer Verstand hat, der überlege die Zahl des Tieres; denn es ist die Zahl eines Menschen, und seine Zahl ist sechshundertundsechsundsechzig.’ stöhnte er und als er im wahrsten Sinne des Wortes zum Ende gekommen war, ließ sie schwer schluckend von ihm ab. Nun hatte es ihn doch gepackt und er blickte sie lüstern an, knöpfte ganz langsam sein Hemd auf und kniete sich zu ihr hinunter, um sie gleich darauf hin auf den Rücken zu drängen.

Sie erwiderte auf seine Bibelsprüche etwas, was sich im ersten Moment eher nach einem weiterem Zitat aus Gerks Schundbibel anhörte: ‘Ich kenne eure Bibel sehr gut. In der Nacht ihres Gelobens soll sich die Frau dem Manne öffnen, wie die Ackerfurche dem Pfluge, er soll in ihr arbeiten, wieder und wieder, solange bis sie ihn zu Fall bringt und auf dem Schweiss ihrer Brust Kräfte sammeln lässt.‘

Während er noch mit ihren Röcken zu kämpfen hatte, streifte sie sein Hemd herab und erstarrte, wie zu einer Salzsäule. Er jedoch warft ihr ihre Röcke ins Gesicht und erkannte nicht, was sich unter den Röcken in ihrem Gesicht abspielte.

Als er endlich den Knoten ihrer Rüschenunterhose gelöst hatte und wacker zu Tat schreiten wollte, hielt er kurz inne. Er hatte wieder dieses Gefühl! Es war so, als würde jemand in einen durch und durch weißen Raum einen roten Stuhl stellen. Irgendwo auf dieser Welt war die Ordnung aus den Fugen geraten.

Erst als sie ein merkwürdiges Grunzen und Röcheln von sich gab, begriff er das die Ordnung genau hier aus den Fugen geraten war. Sie packte seinen Schwanz und zog ihn zu sich, er versuchte instinktiv ihr seinen Speer zu entziehen und er riss ihr dabei ihre Röcke vom ihrem Gesicht.

Mit einem schmatzenden Geräusch entglitt ihr sein Schwanz und er stürzte nach Hinten. Eine dämonische Fratze lachte ihn aus. ‘Den Samen eines unschuldigen Lammes hast du mir gegeben, auf dass ich dich immer und immer wieder heimsuchen werde.’

‘Dämon, sieh genau hin, mein Körper wird dir nie als Wirt dienen!’ rief er und zeigte ihr ein Zeichen auf seiner Brust, dass immer noch schorfig war, weil der Totengräber es erst gestern in seine Haut gestochen hatte. Und ohne darüber nachzudenken, stürzte er sich auf sie und begann sie zu würgen und schrie: ‘Exorcizamus te, omnis immundus spiritus, omnis satanica potestas, omnis incursio infernalis adversarii, omnis congregatio et secta diabolica. Ergo, draco maledicte. Ecclesiam tuam securi tibi facias libertate servire, te rogamus, audi nos. Fahr zur Hölle du Schlampe und lass ab von dem Körper der Wirtstochter Amelie!!!’

Sie schrie wie am Spieß und zum Ende hin öffnete sie ihren Mund und eine schwarze Wolke zwängte sich aus ihrem Rachen und entfleuchte durch ein Loch im Scheunendach.

Nur das Bild, dass ihr Vater in dem Moment erblickte, als er seine Schrotflinte durchlud, war wie ein tätowierter Nackter seine Tochter bewusstlos gewürgt hatte.

Tirsch sprang mit erhobenen Armen auf und rief den Herrn an: ‘Der Herrgott wird mein Leben verschonen, weil ich nichts unrechtes Tat, als ich eurer Tochter diesen vermaledeiten Dämon austrieb.’ Tirsch versuchte noch in die Höhe zu zeigen, wo der schwarze Rauch nun den grünen Mond verdunkelte.

‘Dann erklär mir, warum du dazu nackt sein musstest, du abartiger Perverser!’ schrie der Wirt und legte auf Tirsch an.

Tirsch sah wie der Totengräber mit Gerk im Schlepptau schreiend in den Heuschober gelaufen kamen, doch Tirsch war auf die Knie gesunken und fing an zu beten: ‘Als Hirte erlaube mir, zu dienen, mein Vater, Dir. Deine Macht reichst Du uns durch Deine Hand, diese verbindet uns wie ein heiliges Band. Wir waten durch ein Meer von Blut, gib uns dafür Kraft und Mut. In nomine Patris et Filii et Spiritus Sancti!’

Er hörte das Klicken des Abzugs und es geschah nichts. Nach einem viel zu langem Moment atmete Amelie tief ein und sog hastig Luft in ihre Lungen.

‘Dank sei Gott dem Herren, dass keinen einziger Schuss mehr im Lauf war.’ rief Tirsch und blickte in den Himmel.

Die schwarze Wolke formierte sich in der Luft und kam wieder zurück. Gerk, Tirsch und der Totengräber fingen gemeinsam an, verschiedene Riten herunter zu leiern.

‘Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen. Glorreichster Fürst der himmlischen Heerscharen, heiliger Erzengel Michael, verteidige uns im Kampfe gegen die Fürsten und Gewalten, gegen die Weltherrscher dieser Finsternis, gegen die bösen Geister unter dem Himmel. Komm den Menschen zu Hilfe, die Gott nach seinem Ebenbild erschaffen und aus der Tyrannei des Teufels um einen hohen Preis erkauft hat… bitte den Gott des Friedens, dass Er Satan unter unseren Füßen vernichte, damit er nicht mehr imstand ist, die Menschen gefangen zu halten …und ergreife den Drachen, die alte Schlange, das heißt den Teufel und Satan, und stürze ihn gefesselt in den Abgrund der Hölle, damit er die Völker nicht weiter verführe.’ rief Gerk und Tirsch wie aus einem Mund, während der Totengräber eigentlich das Selbe sagte, nur auf Latein und dabei wedelte er mit einem roten Gebetsbuch. Die Litanei brachte die schwarze Wolke zum Stoppen.

Während Gerk eine alte Kartoffel hervor holte, sich in die Hand schnitt, die Kartoffel in die Wunde rieb und dann Amelie und ihrem Vater einen Stempel aufdrückte,  so dass sie das selbe Symbol trugen, wie auch an der Brust von Tirsch war. ‘Ihr dürft das nicht abwaschen, bis wir im Morgengrauen zurückkehren.’ rief Gerk ziemlich ernst zum Wirt.

Tirsch schnappte sich die Tasche von Gerk, zog eine Flasche Weihwasser heraus und goss sie sich übers Gemächt.

Der Totengräber holte Luft, zog eine Augenbraue hoch und rief dann Tirsch zu: ‘Hör auf an deinem Kasper zu spielen und zieh dir was an, wir nehmen die Verfolgung auf.’


Fortsetzung folgt… wenn der Mond scheint rot!

 

P.S. Der Wortdieb bedankt sich bei Wikipedia, Supernatural, Firefly, Der blutige Pfad Gottes, dem Rituale Romanum und der Bibel und meiner Bibel Josefine Mutzenbacher für die vielen Inspirationen. Danke.

Published in: on 11. November 2014 at 01:01  Kommentar verfassen  
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Des Nächstens… der Mond schien voll!

Des Nächstens… der Mond schien voll!

düsterwaldDunkel war’s der Mond schien voll. Und Tirsch und Gerk saßen in der Taverne zu Ludwigsdorf. Sie hatten den ganzen Abend von dem dunklen Bier getrunken und waren schon ein Bisschen beschickert. Der Wirt fiedelte auf seiner Geige und seine Tochter tanzte dazu. Die Schankmaid wuchtete volle Humpen herum und immer wenn sie an ihren Tisch kam, konnten die Jungs ihr in den Ausschnitt blicken, wenn sie die Bierkrüge am Tisch abstellte und sich dazu tief hinunter beugen musst. Das war mit ein Grund, warum sie so viel getrunken hatten.

Plötzlich ging die Tür auf, ein Windsog pfeifte durch die Taverne und der Totengräber humpelte herein. Augenblicklich verstummte das Gebrabbel im Schankraum, der Wirt hörte auf zu spielen, er packte hastig seine Tochter und schob sie hinter die Theke. Nach einem viel zu langen Moment, begannen die Leute wieder zu tuscheln und der Lärmpegel schwoll langsam wieder an. Der Totengräber verzog keine Miene, wie auch, sein ihm eigener Blick war eh so finster und grimmig, dass man den Eindruck haben hätte können, er würde zum Lachen in den Keller gehen, so wie die meisten Dorfbewohner es ohnehin taten.

Der Totengräber humpelte durch den Schankraum, setzte sich zu den beiden Jungs an den Tisch und blickte sie mürrisch an. Er sah abgekämpft und ziemlich schmutzig aus und seit wann humpelte er denn?

‚Habt ihr eure Post nicht gelesen?‘ fragte der Totengräber mürrisch.

‚Ja, schon!‘ rief Gerk.

‚Ja und wo wart ihr die ganze Zeit.‘

‚Es hieß wir sollten zu Hause auf weitere Nachricht warten und es würde uns jemand abholen kommen, wenn es etwas zu tun gibt. Währenddessen sollten wir das Handbuch aufmerksam durchlesen. Wir haben uns sogar von unserem Ersparten die Sachbücher gekauft, die empfohlen wurden.‘ berichtete Gerk.

‚Und dazu sind wir eigens bis nach Bistritz gefahren!‘ meinte Tirsch, räusperte sich und fuhr dann fort. ‚Mit dem Fahrrad!‘

‚Dann müssen wir uns verpasst haben, habt ihr es denn nicht mitbekommen?‘ fragte der Totengräber.

‚Was mitbekommen?‘

‚Ja, die unerklärlichen Tode beim letzten Vollmond.‘

Jemand vom Nachbartisch drehte sich um und meinte ziemlich ernst: ‚Der Wolf hat sie sich geholt, weiter nichts!‘

Der Dorfdepp packte die Schankmaid bei der Hand, fing an zu jaulen und zu tanzen. ‚Ja, der Wolf der auf zwei Beinen tanzt. Jaaaaaauuuuuuhhhhh!‘

Der Wirt packte den Dorfdeppen, hielt ihm den Mund zu und zerrte ihn in die Küche. Dann kam er wieder und meinte: ‚Der Wolf war es und nichts weiter!‘

‚Ihr habt recht und gebt mir doch eine Flasche von eurem Wein, wir wollten eh grad gehen.‘ meinte der Totengräber, schnipste ihm ein Silberstück entgegen und fuhr dann fort. ‚Und ein Paar von den gelegten Broten!‘

‚Kommt sofort!‘ meinte der Wirt in seiner eigenen schmierigen Art und stieß seine Tochter an, während er das Silberstück auf seine Echtheit überprüfte.

‚Dafür bekommt ihr 2 Flaschen von meinem besten Wein und die Brote oben drauf.‘ rief er dann und klatschte in die Hände.

Wenig später überreichte er Tirsch das Päckchen mit den Broten und zischte: ‚Was habt ihr denn mit dem da zu schaffen?‘

‚Ach, meine Großmutter hat mir nur aufgetragen ihm bei seiner Arbeit zu helfen. Sie hat doch immer die Blumen gebracht für die unbekannten Toten. Und der Herr da oben mag es wahrlich nicht, wenn man ein Versprechen bricht, was man auf dem Totenbett gegeben hat.‘ rief Tirsch, zog seine Mütze vom Kopf und blickte den verwunderten Wirt andächtig an. Der Wirt machte 3 Kreuzzeichen, drückte Gerk die zwei Weinflaschen in die Hand und meinte abschließend. ‚Gebt bloß auf euch Acht. Der Mond scheint voll heute Nacht!‘

‚…der Wolf weiter nichts!‘ murmelte der Totengräber und humpelte aus der Taverne.

Als sie allein vor dem Gasthaus standen, zischte er ihnen zu: ‚Unwissendes und ignorantes Pack!‘

‚Wer hat dir nur so schwere Wörter beigebracht?‘ fragte Tirsch und grinste ihn albern an.

Der Totengräber blickte ihn fassungslos an, sagte aber nichts und humpelte ein paar Schritte weiter von der Taverne weg.

‚Sag mal, Totengräber! Seit wann humpelst du?‘ fragten die beiden Jungs.

‚Ich war ihm tagelang auf der Spur und doch hat er mich abgehängt.‘

‚Wer?‘ wollte Gerk wissen.

‚Der Wolf, wer sonst!‘

‚Das erklärt aber nicht dein Humpeln!‘

‚Ich bin über eine Wurzel gefallen und aufs Knie gestürzt. Keine Sorge, ich war nicht nah genug dran, als dass er mich hätte beißen können.‘ meinte er und lief über die Straße.‚Ich hab meinen Beobachtungsposten im Stall aufgeschlagen.‘

Es begann zu regnen. Sie duckten sich unter das Dach des Schobers und versuchten nicht weiter aufzufallen. Nach gefühlten Stunden anhaltenden Regens, begann es zu Stürmen und zu Gewittern. Und sie harrten immer noch im Stall aus, in der Hoffnung, dass etwas Außergewöhnliches geschehen möge. Der Regen kam sintflutartig vom Himmel und schon bald tropfte es durchs undichte Dach.

‚Ganz schön feucht hier!‘ meinte Tirsch, der an einem Stab herum schnitzte. Ein Blitz erhellte das Geschehen einen Moment lang und dann donnerte es.

‚Was schnitzt du denn da eigentlich?‘ fragte der Totengräber, der ihn noch dazu misstrauisch anstarrte.

‚Einen Stock, falls es mit deinem Knie schlimmer wird. Weil ich hab in den letzten Wochen jeden Tag einen Palmarec geschnitzt und am Sonntag auch mal zwei…‘ fing Tirsch an, wurde dann aber von Gerk unterbrochen. ‚Und der Pfaffe weigert sich schon seit einer geschlagenen Woche sie zu weihen!‘

‚Mit dem Pfaffen habe ich eh noch ein Hühnchen zu rupfen, der ist nämlich zur Mitarbeit verpflichtet.‘ flüsterte der Totengräber. Es tat einen gewaltigen Schlag und wieder blitzte und donnerte es. Der Totengräber blickte noch misstrauischer nach draußen: ‚Es muss ganz in der Nähe eingeschlagen haben!‘

‚Der Herrgott gibt es und der Herrgott nimmt es!‘ meinte Tirsch und schnitze weiter.

‚Du hast echt ein Gemüt wie ein Fleischerhund!‘ nuschelte der Totengräber.

‚Hatte deine Oma nicht mal einen Fleischerhund?‘ rief Gerk aufgeregt.

‚Der Herr ist hoffentlich mit Beiden. Mögen ihre Seelen in Frieden ruhen…!‘ meinte Tirsch, kam dann ins Stocken und fuhr erst fort, als er mit dem Stab auf die Tavernentür zeigte. ‚Wenn man vom Teufel spricht…!‘

Der Pfaffe war gerade in der Taverne verschwunden und wenig später kamen alle aus der Taverne gestürmt. Sogar der Wirt, der seine Tochter mit sich schleifte. Sie liefen Richtung Kirche.

Der Totengräber rappelte sich auf und war im Begriff loslaufen zu wollen, doch Tirsch und Gerk waren schneller. Tirsch hatte ihn noch den Stecken in die Hand gedrückt und war verschwunden.

Als der Totengräber endlich an der Kirche ankam, sah er schon den Grund des Aufruhrs.

Der Blitz hatte im Kirchturm eingeschlafen. Zum Glück war das Feuer von dem starken Regen gleich wieder gelöscht worden, doch heruntergefallene Trümmer waren durch die Dachkonstruktion der Kirche gestürzt und die halbe Kirche war eingestürzt.

Die Dorfbewohner versuchten zu retten, was zu retten war. Und Tirsch und Gerk sahen sich nach etwas Ungewöhnlichen um.

Weiter nichts, außer dem Offensichtlichen. Bis der Dorfdepp zu niesen begann.

‚Riecht nach nassen Hund.‘ rief er und fing wieder an zu tanzen.

Tirsch und Gerk wurden hellhörig und schnupperten sich durch die Dorfbewohner, bis sie an der Tochter des Wirtes hängen blieben, die sie Beide mit glühend roten Augen anstarrte. Sie hörten noch ein Knurren, dann ein Fauchen. Ihre Beine verwandelten sich, in dem Moment als der Regen aufhörte und die Wolken den Vollmond freigaben, in etwas Unmenschliches. Sie fing augenblicklich an zu jaulen, sprang über die beiden Jungs hinweg und landete auf dem Dorfdeppen. Im nächsten Moment hörte man ziemlich viel Blut auf den Boden britscheln, noch bevor der tote Körper des Deppen auf den Boden krachte und die mittlerweile ziemlich haarige Tochter der Wirtes auf allen Vieren davon sprang. Der Totengräber spannte seine Armbrust, zielte auf sie und schoss, doch der Wirt warf sich in den Weg und fing den Bolzen mit seinem eigenen Körper auf.

‚Du dummer Naar, sind nicht schon genug Deppen gestorben, für einen Abend!‘ rief der Totengräber, der zu dem Wirt hinüber humpelte, der bereits stöhnend zu Boden gesunken war.

‚Aber sie ist doch meine Tochter!‘ flüsterte er dem Totengräber zu, als er ihn packte und versuchte die Wunde mit den Händen abzudrücken.

‚Aber sie hat schon das halbe Dorf auf dem Gewissen.‘

‚Versprich mir, dass meine Tochter nicht leiden…! röchelte der Wirt und starb in den Armen des Totengräbers. Dieser schloss dem Wirt die Augen und zog ihm den silbernen Bolzen aus der Brust. ‚Der Pfaffe kümmert sich um dein Seelenheil, mein Freund!‘

Er rappelte sich auf und ging zu der Leiche des Dorfdeppen hinüber. Er nahm seinen Geldbeutel zog zwei Silbermünzen heraus und legte sie in die klaffende Halswunde des Toten.

‚Wir sollten ihn sicherheitshalber verbrennen!‘ meinte er und blickte den Pfaffen an.

Der Pfaffe nickte.

‚Und sorgt dafür, dass die Silbermünzen dort bleiben…!‘ rief der Totengräber und wickelte ein Tuch um den blutigen Hals des Dorfdeppen.

Der Pfaffe nickte wieder.

‚Tirsch!‘ rief der Totengräber und Tirsch antwortete wie aus der Pistole geschossen. ‚Jawohl!‘

‚Nimm die Armbrust! Und Gerk!‘ rief der Totengräber wieder, drückte Tirsch die Armbrust und den blutigen Bolzen in die Hand.

‚Jawohl!‘ schrie Gerk.

‚Den silbernen Nagel!‘

‚Steckt in der Wirtstochter!‘ rief Gerk beinahe ratlos.

‚Dann wird sie nicht weit kommen! Ich hab da noch eine Überraschung für sie!‘ rief der Totengräber, zog eine Flinte unter seinem Mantel hervor und fuhr fort. ‚Dann lass uns ihr das Fell über die Ohren ziehen!‘

Sie liefen los und verschwanden an der Stelle, wo die Wirtstochter im Wald verschwunden war. In dieser Nacht hörten die Dorfbewohner zwei Schüsse. Und am nächsten Morgen zogen Rauchschwaden durchs Dorf und es roch verdächtig nach verbrannten Hund.

Des Nächtens… der Mond schien fahl!

Des Nächtens… der Mond schien fahl!

002Dunkel war’s, der Mond schien fahl, da schlichen zwei Männer durch die Nacht.

‚Hey, Tirsch! Bist du dir sicher, dass du…!‘ flüsterte der Eine dem Anderen zu.

‚Scht!‘ zischte der Andere und legte ärgerlich den Finger auf den Mund.

‚Es ist halt schon ganz schön gruselig hier draußen!‘ stotterte der Eine.

‚Spinn dich aus, Gerk!‘ rief der Andere, der wohl Tirsch hieß und einen Rucksack dabei hatte.

‚Ich mein ja nur!‘ rief der Eine, der Gerk hieß und mit sich selbst schon genug zu kämpfen hatte.

‚Halt, wer da?‘ rief jemand zu ihnen hinüber. Jemand spannte seine Armbrust, das Geräusch war unverkennbar.

‚Wir sinds!‘ riefen die Beiden, wie aus einem Mund.

‚Wenn ich jedes Mal geschossen hätte, wenn jemand ‚Wir sinds!‘ gerufen hat, dann wäre hier wegen Überfüllung geschlossen und ich wäre am Ende arbeitslos.‘ rief der Kerl und hielt eine schmutzige, alte Laterne hoch, um besser sehen zu können.

Die Beiden traten ins Licht seiner Laterne und stammelten vor sich hin: ‚Wir sinds, Tirsch und Gerk ausm Dorf!‘

‚Und was macht ihr hier draußen zu einer so unchristlichen Stunde?‘ rief der Mann, der seine Armbrust mittlerweile weggelegt hatte und eine Schaufel zur Hand nahm.

‚Nun ja, wir wollten uns vergewissern…!‘ rief der Tirsch, brach dann aber mitten im Satz ab.

‚Was vergewissern?‘ wollte der Mann wissen.

‚Die Marie ist ihm drei Mal in seiner Kemenate erschienen und jetzt denkt er, sie wär ein Nachzehrer!‘ rief der Gerk aufgeregt.

‚Ein Nachzehrer bleibt für gewöhnlich in seinem Grab und zehrt an seinem Leichentuch oder an sich selbst und man kann nur Nachts das Schmatzen und Stöhnen hören, wenn man genau hinhört.‘ rief der Mann, lehnte sich auf seine Schaufel und legte eine Hand an sein Ohr, um zu lauschen.

‚Du musst es ja wissen!?‘ meinte der Tirsch skeptisch.

‚Der Beruf des Totengräbers ist anspruchsvoller, als mancher denken mag.‘ meinte der Totengräber und zog ein kleines Büchlein aus seiner Manteltasche. ‚Wenn ihr das vorhabt, was ich denke, müsst ihr mir erst mal ein paar Fragen beantworten!‘

Die beiden Männer nickten folgsam.

‚Also, hatte die verstorbene Marie, Tochter des Waldwarts Lunz, zu Lebzeiten eine wie auch immer geartete Beziehung zu dem nächtlich Aufgesuchten?‘

‚Des geht dich einen Scheißdreck an!‘ rief Tirsch aufgebracht und machte Anstalten gehen zu wollen.

‚Wenn du weiter von der schönen Marie um deine Nachtruhe gebracht werden willst, solltest du meine Fragen beantworten!‘ meinte der Totengräber und hielt ihm ein amtliche Urkunde hin, die vorne in das Buch geheftet war. Dort stand: ‚Erfüllungsgehilfe der Jägergewerkschaft, Watzlaf, der Totengräber zu Ludwigsdorf…!‘

‚Ich wusste gar nicht, dass du Wa…!‘ plapperte Gerk, bis der Totengräber ihm blitzschnell den Mund zu hielt.

‚Nenn ihnen nicht meinen Namen, weil wenn sie deinen Namen wissen, dann haben sie Macht über dich!‘ zischte der Totengräber und lauschte bedenklich über den Friedhof. Er hätte schwören können ein Schmatzen gehört zu haben.

‚Was steht da nun?‘ fragte Tirsch. Er konnte anscheinend nicht lesen.

‚Er ist Mitglied in der Jägergewerkschaft!‘ meinte Gerk.

‚Ja, der Waldwart Lunz ist auch Jäger und dem erzähl ich auch nicht, dass ich seine Tochter gepimpert habe!‘ rief Tirsch und merkte nicht, dass er mit seinem Ausruf die Frage bereits beantwortet hatte.

‚Aber er ist nicht in der Jägergewerkschaft! Wir haben den geheimen Auftrag das Außergewöhnliche, Übernatürliche und Unerklärbare zu jagen und zur Strecke zu bringen und ihr tatet gut darin mit eurem Problem zu mir zu kommen.‘ meinte der Totengräber feierlich.

Er zog einen kleinen Kohlestift aus dem Buchrücken und kritzelte in das Buch.

‚Hast du das dauernde Gefühl, dass heute eigentlich gestern ist?‘

‚Ich hab seit 3 Nächten nicht geschlafen, ich bin mir nicht mal sicher, ob ich überhaupt wach bin.‘ rief Tirsch aufgebracht. Der Totengräber kritzelte in sein Buch und flüsterte: ‚Sagen wir mal ja! Hast du, wenn du nach oben blickst das Gefühl zu fallen?‘

Tirsch und Gerk blickten nach oben, nach einem viel zu langem Moment blickten beide den Totengräber an und schüttelten den Kopf.

Der Totengräber zog die Luft zwischen den Zähnen hindurch, kritzelte wieder in sein Buch und meinte: ‚Also nein!‘

Er blätterte um und fuhr fort: ‚Hast du kürzlich etwas gerochen, dass man am Besten beschreiben kann als Praline, obwohl dort keine Pralinen waren?‘

‚Das verstehe ich nicht!‘ meinte Tirsch, während Gerk in seiner Nase bohrte.

‚Hast du Pralinen gerochen, bevor sie dir erschienen ist.‘

‚Sie ist mir nicht erschienen, die hat mich angepackt und das war mehr als körperlich!‘

‚Was du davor irgendwas gerochen?‘

‚Ja!‘

‚Und was?‘

‚So wie sie halt immer gerochen hat. Nach Fichte, Moos und Honig, Nach Lavendel, Rosmarin und Eierlikör…‘ Bei der Aufzählung kam Tirsch richtig ins Schwärmen. ‚…deshalb hab ich sie auch reingelassen!‘

‚Neue Geschmacksrichtung. Muss weiter beobachtet werden.‘ flüsterte der Totengräber und kritzelte wieder ins Buch und fuhr fort. Fühlt sich deine Gallenblase irgendwie taub an?‘

‚Also jetzt wird’s aber hint höher wie vorn!‘ meinte Tirsch und drehte sich zu Gerk um, der nun in seinem Ohr herum puhlte. ‚Hast du auch so eine Gallenblase?‘

‚Gut, streichen wir die letzte Fragen. Nun wollen wir überprüfen, ob es sich um eine unverweste Leiche oder einen Nachzehrer handelt, oder etwas Schlimmeres.‘ meinte der Totengräber und drückte dem Gerk die Schaufel in die Hand. Er griff sich seine Armbrust und ging voran, geheimnistuerisch legte er den Finger auf den Mund und lauschte.

An der Begräbnisstätte angekommen, öffnete Tirsch seinen Rucksack und kramte darin herum. Er zog einen Rosenkranz an und biss in eine Knolle Knoblauch. Wortlos drückte er Gerk den Knoblauch in die Hand, der ebenfalls davon abbiss.

‚Ich merk schon, ihr seid ganz gut ausgerüstet. Was habt ihr denn da alles im Beutel!‘ fragte der Totengräber und blickte neugierig in den Beutel, in dem Tirsch immer noch herum kramte.

‚Großmutters Palmarec¹), Weihwasser, reichlich Knoblauch, ein Silbernagel, ein Kreuz groß, noch einen Rosenkranz!‘ fing Tirsch an aufzuzählen, reichte Gerk den zweiten Rosenkranz und fuhr fort. ‚Einen Hammer, einen Klappspaten, Leinsamen, ein Seil, eine Zitrone und Schnaps.‘

‚Der Palmarec ist aus Weißdorn?‘

‚Und vom Pfaffen gesegnet!‘

‚Tirsch, du solltest dringend lesen und schreiben lernen!‘

‚Wieso?‘

‚Nur für den Fall, dass du einen Brief von der Jägergewerkschaft bekommst, dann wäre die erste Voraussetzung, dass du ihn auch lesen könntest.‘

Ihr Gespräch wurde von einem stöhnenden Schmatzen unterbrochen. Gerk blieb der Knoblauch schier im Halse stecken und Tirsch packte sich erschrocken die Zitrone.

Kauen und Schmatzen!‘ flüsterte der Totengräber und kritzelte wieder in seinem Buch herum. ‚Bevor ihr mit dem Graben beginnt, müssen wir den Platz segnen.‘

‚Ich kann ein Gebet sprechen!‘ meinte Gerk.

Und Tirsch nahm die Flasche mit dem Weihwasser aus dem Rucksack und blickte den Totengräber neugierig an.

‚Ja, sehr gut Tirsch. Trete ans Grab heran, drehe dich zu mir herum und träufle das Weihwasser auf den Boden und gehe dabei einmal ums Grab herum.‘

Tirsch tat was ihm geheißen und Gerk begann zu beten. Müde bin ich, geh zur Ruh, schließe beide Augen zu. Vater, lass die Augen dein, über meinem Bette sein. Hab ich Unrecht heut getan, sieh es, lieber Gott, nicht an, deine Gnad und Jesu Blut, machen allen Schaden gut. Alle, die mir sind verwandt. Gott, lass ruhn in deiner Hand, alle Menschen, groß und klein, sollen dir befohlen sein. Kranken Herzen sende Ruh, müde Augen schließe zu. Gott im Himmel halte Wacht, gib uns eine gute Nacht. Amen!‘

Der Totengräber stand mit offenen Munde da und puhlte nun selbst in seinen Ohren herum. ‚Besser hätte ich es auch nicht machen können. Tirsch gib mir die Flasche und bleibe in dem gesegneten Kreis. Gerk gib ihm die Schaufel.‘

Während Tirsch sich an die Arbeit machte, kniete sich der Totengräber neben das Grab und beobachtete jeden Handgriff. Er murmelte immer wieder etwas und kritzelte in sein Buch. ‚Das Blumengesteck war wesentlich verschoben und die Erde war weich und aufgewühlter als ich sie verlassen habe.‘

Als Tirsch auf den Sargdeckel stieß, blickte er ins Gesicht des Totengräbers, der wieder den Finger vor den Mund legte. Ein schmatzendes Stöhnen erklang und Tirsch wurde unter dem Schmutz kreidebleich. ‚Nun klopfe dreimal auf den Sargdeckel, stemm ihn auf und halte die Zitrone bereit. Gerk Weihwasser und Plamarek bereithalten.‘

‚Gib mir mal den Klappspaten!‘ rief Tirsch und warf die Schaufel nach oben. Der Totengräber zog eine Axt aus dem Gürtel.

‚Die Regel 1 der Jägergewerkschaft ist eigentlich, führe immer eine Axt mit dir. Man weiß nicht für was man sie brauchen kann, aber so ein Klappspaten ist genauso gut.‘

Mit lautem Knarzen hebelte Tirsch den Sarg auf und der Totengräber leuchtete ihm.

‚Sag mal, die ist doch schon eine Woche tot und sie sieht immer noch drall und gesund aus.‘ meinte Gerk, der einen Blick riskiert hatte. Tirsch beugte sich runter und legte ihr die Zitrone in den offenen Mund. Ihre Lippen waren noch genauso rot, wie an dem Tag, als er sie das letzte Mal lebendig sah.

‚Ein Anzeichen für Untote, Strigoi, Wiedergänger oder Vampire ist, die lebenden Leichen wirken vollgefressen und feist, die Wangen schimmern rosig bis rot, die Fingernägel und Haare scheinen gewachsen zu sein!‘ meinte der Totengräber und kritzelte in sein Buch. ‚Der Mund steht meist offen und ist voll Blut, dass meist frisch zu sein scheint!‘

‚Öhm ja!‘ rief Tirsch und blickte den Totengräber ernst an, der bereits einen Haken gemacht hatte und dann fortfuhr. ‚Wenn diese Anzeichen nicht erfüllt wurden, ist ein beschimpfender Unfug an einer Grabstätte nicht gestattet und unter Strafe vom Erfüllungsgehilfen umgehend zu vollstrecken.‘

‚Also sie hat sich an mir vergangen, als ich in meinem Bette lag, dass ist ja wohl Anzeichen genug.‘ rief Tirsch aufgebracht.

‚Aber gebissen hat sie dich nicht, oder?‘

‚Wie meint ihr das?‘

‚Er meint, dass dir dein Kasper abfault und du ihn nie wieder Schnäuzen wollen wirst, wenn sie dir in den Zipfel gebissen hat.‘ rief Gerk und kicherte in sich hinein.

Tirsch zog den Gürtel seiner Hose auf und riskierte einen Blick in seine Hose. Der Totengräber leuchtete, blickte ihm über die Schulter und konnte sich auch kaum mehr zurückhalten.

‚In der Regel beißen die Vampirartigen an gut erreichbaren Stellen des Körpers, wo die großen Adern verlaufen. Also Hals, Hand- und Fußgelenk. Aber in deinem Fall sollten wir Oberschenkel Innenseite und Bauch untersuchen, nur für den Fall der Fälle.‘

Tirsch schob auch noch das Hemd hoch und blickte auf seinen Bauch, als die schöne Marie plötzlich die Augen aufriss, ihm die Zitrone gegen den Kopf spuckte, ein markerschütterndes Keuchen von sich gab und ihren Körper pfeilschnell aufrichtete. Tirsch konnte ihre spitzen Zähne sehen und das Blut, dass ihr aus dem offenen Mund auf ihre drallen Brüste rann. Während der Totengräber aufgeregt in seinem Buch blätterte, schlug Tirsch beherzt zu, noch bevor ihre langen Krallen ihn erreichen konnten.

‚Den Platz mit Weihwasser tränken, Ausgraben und/oder Gruft öffnen, persönliche Schutzzeichen, wie Kreuze und/oder Knoblauch können hilfreich sein. Wenn das Aussöhnen mit dem Verstorbenen und /oder eine Zitrone nicht helfen, ist die Tötung der Leiche empfohlen. Das Pfählen mit einem handelsüblichen Palmarec aus Weißdorn oder eisernen oder silbernen Nagel und das Abtrennen des Kopfes mit einer Axt oder einem Spaten, den Leichnam verbrennen und die Überreste mit reichlich Knoblauch, Leinsamen und einen geknoteten Strick wieder eingraben. Einen Segen und/oder ein Gebet sprechen hat auch noch nie geschadet.‘ rief der Totengräber, doch Tirsch hatte der schönen Marie schon mit dem Klappspaten den Kopf sauber abgetrennt. Gerk reichte ihm den Palmarec und Tirsch trieb ihn ihr mit einem harten Schlag zwischen die Brüste. Dabei hätte er fast seine Hose verloren. Als er aus der Grube kletterte war er mit Blut und Dreck besudelt. Er steckte sein Hemd in die Hose und schloss den Gürtel, während Gerk ihm den Flachmann reichte. ‚Von dem geweihten Schnapse sollst du kosten, liebste Marie. Möge der Herr deiner Seele gnädig sein und dich Heimholen in sein Reich. Grüße Großmutter von mir. Amen.‘ rief Tirsch und verschüttete den Schnaps über dem Leichnam. Gerk zündete einige Streichhölzer an und warf sie hinterher. In Windeseile fing alles Feuer und die Flammen züngelten aus der Grube. Während Gerk einige Knoten in das Seil band, kniete sich Tirsch neben das brennende Grab und wusch sich mit dem restlichen Weihwasser Hände und Gesicht. Dabei schien er in ein stilles Gebet vertieft zu sein.

Der Totengräber war so beeindruckt von den Beiden, dass er sein Buch wieder in seinem Mantel verschwinden ließ und sie mit offenen Mund weiter beobachtete.

‚Gesegnet sei der, der im Namen der Barmherzigkeit und des guten Willens die Schwachen durch das Tal der Dunkelheit geleitet, denn er ist der wahre Hüter seines Bruders und der Retter der verlorenen Kinder.‘ flüsterte Tirsch.

‚Ich will große Rachetaten an denen vollführen, die da versuchen meine Brüder zu vergiften und zu vernichten, und mit Grimm werde ich sie strafen, dass sie erfahren sollen, ich sei der Herr, wenn ich meine Rache an ihnen vollstreckt habe!‘ erwiderte der Totengräber.

Als das Feuer runter gebrannt war, warf Gerk die Leinsamen, das geknotete Seil und den Knoblauch in das Loch, während Tirsch die Grube wieder zu schaufelte. Als sie fertig waren zog Gerk das große Kreuz aus dem Rucksack und steckte es in die weiche Erde. Der Totengräber zog einen Flachmann aus seiner Tasche und schüttete den Inhalt auf das Frische grab. ‚Möge sie in Frieden ruhen. Amen!‘

‚In nomine patris et filii et spiritu sancti!‘ sprachen Gerk und Tirsch wie aus einem Mund.

Ende

¹) Palmarec – bulgarischer oder rumänischer Eigenname für einen Nagel zum Pfählen oder Durchstoßen von Vampiren, der bestenfalls aus Weißdorn oder Metall besteht.

P.S. Der Wortdieb bedankt sich bei Wikipedia, Dr. Mark Benecke, Quentin Tarantino, Warehouse 13, Akte X, Supernatural und der Bibel für die vielen Inspirationen. Danke.

Igor – Hinter dem Fluss und immer weiter… Teil 3

Igor 2.0

Hinter dem Fluss und immer weiter… Teil 3

Elvira wurde wach. Einfach so. Utrecht lag halb auf ihr drauf und hielt sie immer noch in seinen Armen. Sie konnte seine morgendliche Erregung spüren. Lächelnd schob sie ihren Körper unter dem Seinem hervor. Sie konnte nicht mehr schlafen, geschweige denn liegen und außerdem musste sie dringend den Tee loswerden, den sie ihr in der vergangenen Nacht ständig eingeflößt hatten. Sie krabbelte über den reglosen Körper von Utrecht und blieb vor dem erloschenen Feuer stehen. Als sie sich nach dem Feuerholz bückte, erblickte sie Igor, wie er immer noch mit dem Hund kuschelte und vor sich hin schnarchte. Er sah sehr zufrieden aus. So leise wie möglich legte sie Holz in die Glut und mit einem kleinen Schnipsen ihrer Hand brannte das Feuer wieder.

Dann suchte sie ihre Schuhe. Stulpe schnellte aus dem Schlaf hoch und beobachtete Elvira, wie sie mit ihren halb angezogenen Schuhen nach draußen stolperte. Die Sonne koch gerade erst über die vorgelagerten Hügel. Ein ‚Tzzz…Tzzz!‘ lies sie nach oben blicken. Ihr Bruder saß auf einem Felsvorsprung und grinste sie an. ‚Guten Morgen, meine Liebe!‘

‚Guten Morgen!‘ grummelte sie, blickte ihn angestrengt an und stolperte weiter mit offenen Schuhen hinter den nächsten Felsvorsprung außer Sichtweite. Wenig später kam sie wieder und zupfte ihre Röcke zurecht.

‚Möchtest du zu mir rauf kommen?‘ fragte er und hielt ihr die Hand hin.

‚Ähm, einen Moment!‘ meinte sie kurz und ging in die Hocke. Sie nestelte an ihren Schuhen herum, dann rappelte sie sich auf und blickte ihrem Bruder entgegen. Kurzerhand wickelte sie ihre Röcke zusammen, steckte den Saum in den Bund und kletterte zu ihm auf den Felsvorsprung. Auf halber Höhe griff er nach ihrer Hand und zog sie zu sich hinauf.

‚Na, gut geschlafen?‘

‚Ein bisschen kalt wars.‘

‚Hat er dich denn nicht gewärmt?‘

‚Doch schon!‘ flüsterte sie und errötete leicht.

Hengelder zog eine Augenbraue hoch und blickte sie ernst an.

‚Nein, nicht was du jetzt denkst. Aber es ist doch ungewohnt einen Mann neben sich liegen zu haben.‘ meinte sie leicht verwirrt.

‚Ich versteh schon.‘ grinste Hengelder. ‚Und noch dazu ist er ein echter Morgenmuffel.‘

Stulpe kam aus der Höhle, blickte nach oben und grinste beide an. Er ging sich auch erst mal erleichtern und als er wieder zu ihnen kam, meinte er: ‚Hengelder, kletter doch mal nach oben, von dort hat man eine gute Aussicht über die Ebene.‘

‚Bei Sonnenaufgang hab ich noch nichts erkennen können, aber nachdem ich ja jetzt eine Ablöse habe…!‘ meinte er, stand auf und kletterte die Felswand hinauf.

‚Sag mal Elvira, du kannst doch noch mit dem Bogen umgehen?‘

‚Ich denke schon.‘

‚Ich lass dich ablösen, sobald Pürkel gefrühstückt hat.‘

‚In Ordnung!‘

Stulpe ging wieder nach drinnen. Sie konnte ihn hören, wie er Pürkel und Hasenreit weckte. Es dauerte jedoch eine ganze Weile, bis sich etwas regte. Pürkel kam kauend, mit einem Becher in der Hand, aus der Höhle getreten.

‚Guten Morgen, junge Dame. Und wie war deine erste Wache?‘ mampfte er.

‚Aufregend!‘

‚Kann ich dir meinen Tee anvertrauen, während ich…!‘ meinte er und hielt ihr den Becher hin. Sie nahm den Becher entgegen und grinste. Auch Pürkel ging sich erleichtern und Elvira kletterte indes von dem Felsvorsprung hinab. Als sie wieder mit beiden Beinen auf den Boden stand, stand Pürkel bereits hinter ihr.

Sie drehte sich kurz um und ging dann wieder in die Höhle. Hasenreit kam ihr entgegen. Er hatte es sehr eilig.

‚Guten Morgen meine Liebe!‘ meinte Esmeralda. ‚Komm setz dich, Kind! Iss was.‘

Sie blickte aufs Bett und Utrecht hatte sich seinen Mantel über den Kopf gezogen. Er ist wohl wirklich ein echter Morgenmuffel. Sie zog eine Augenbraue hoch und setzte sich zu Igor und dem Hund.

‚Guten Morgen Igor! Hast du gut geschlafen?‘ fragte Elvira und nahm einen Becher und einen Napf entgegen.

‚Ja, Herrin. Ich habe gar vortrefflich geschlafen und ich lebe noch.‘ mampfte Igor, der sein Frühstück mit dem Hund teilte.

‚Hattest du denn Angst um dein Leben?‘ fragte Elvira neugierig.

Er machte eine geheimnisvolle Geste und wisperte so leise, wie es ihm möglich war. ‚Sie haben mich gewaschen. Und waschen macht krank und elend.‘

Sie musste sich ernsthaft ein Lachen verkneifen und nickte nur, während sie ihr Gesicht in ihrem Teebecher vergrub.

‚Aber heute bin ich aufgewacht, einfach so. Ohne das Geschrei und das Gewimmer im Kerker und ohne die Stimme und den Sabber des Meisters.‘ berichtete Igor.

‚Das ist doch schon mal was.‘ meinte Esmeralda, die begonnen hatte aufzuräumen, während Stulpe und Hasenreit die Pferde sattelten.

‚Dann hab ich wohl die Ehre den Morgenmuffel zu wecken?‘ meinte Elvira, als sie ihren letzten Bissen hinuntergeschluckt hatte. Sie goss Tee in ihren Becher und ging zum Bett hinüber, während Igor mit dem Hund nach draußen ging.

Leicht wie eine Feder lies sie sich aufs Bett sinken und lugte unter den Mantel.

‚Guten Morgen schöner Mann.‘ flüsterte sie.

Ein Auge blickte ihr aus einem zerknautschten Gesicht entgegen und ein Grunzen kam aus seiner Kehle, dann schloss er das Auge wieder.

‚Wir müssen bald aufbrechen.‘ wisperte sie zuckersüß und zog ihm ganz langsam den Mantel vom Kopf.

Er grunzte wieder und öffnete erneut nur ein Auge. Ein flüchtiges Lächeln huschte über sein Gesicht.

‚Ich hab einen starken Tee für dich!‘ flüsterte sie in sein Ohr. Und als ihre Lippen sein Ohr berührten, schlug wieder ein Funken über. Er riss stöhnend beide Augen auf und küsste flüchtig ihren Hals. Sie rückte von ihm ab und starrte ihn an, als hätte sie gerade den Verstand verloren. Mit zitternden Fingern drückte sie ihm den Tee in die Hand.

‚Oh, Verzeihung, ich wollte eigentlich nicht..!‘ stotterte sie und starrte auf sein Ohr. Er begriff, dass etwas nicht stimmte und griff an sein Ohr. Mit einem erstickten Stöhnen setzte er sich auf und betastete weiter sein Ohr. Tränen schossen ihm in die Augen, als er begriff, dass sein Ohr spitz gewachsen war.

‚Ich wusste nicht, dass ich es einfach so kann.‘ stammelte sie.

‚Es fühlt sich richtig gut an! Danke!‘ flüsterte er ihr zu und trank den Tee.

‚Leider sehr einseitig.‘ meinte sie, während sie mit wackeligen Beinen aufstand und ihm etwas zum Essen auf einen Teller richtete.

‚Lass für Hengelder noch etwas übrig.‘ meinte Esmeralda, die gerade an ihnen vorbeiging. Sie starrte auf sein Ohr, schüttelte den Kopf und ging weiter zu den Pferden, um den Männern beim Bepacken zu helfen. Während Utrecht aß, richtete sie ihrem Bruder das Frühstück. Ermeralda packte unter seinem Hintern quasi die Felle zusammen. Er zog seine Hose an und nahm seinen Wappenrock vom Boden auf, kaute noch an seinem letzten Bissen und ging nach draußen. Als er wieder herein kam, half ihm Hasenreit in die Rüstung, während die Frauen alles zusammensammelten und das Feuer löschten.

Pürkel stürmte in die Höhle und meinte: ‚Der Beutelrock meint, wir sollen uns sputen.‘

‚Der Beutelrock soll lieber mal seine Rüstung anziehen, wir warten nur noch auf euch!‘ meinte Stulpe, der Pürkel anblickte. Er wollte gerade die ersten Pferde raus bringen. Pürkel rannte wieder raus, Stulpe folgte ihm, mit einem Pferd und Hasenreit mit dem Nächsten.

Wenig später hatten sie alle Pferde nach draußen gebracht und Hengelder kam den Berg hinunter geklettert und lief den Pfad hinunter, den sie mittlerweile in die Wiese getrampelt hatten. Esmeralda machte sich an dem Busch zu schaffen, und die Äste verdeckten nun wieder den Eingang der Höhle. Hastig lief sie nach Hengelder den kleinen Pfad entlang. Sie lies einen kleinen Wind zur Höhle hinauf wandern und das Gras richtete sich wieder auf. Utrecht wartete schon auf Hengelder, mit seiner Rüstung in der Hand. Elvira hatte einen Becher und einen Teller in der Hand und fütterte Hengelder, während Utrecht ihm in die Rüstung half.

Wenig später preschten die Pferde über einen verschlungenen Bergpfand und schon konnte man keine Spur mehr davon sehen, dass je jemand hier gewesen war.

Am späten Abend kamen sie in ein weites Tal. Utrecht schmollte ein Wenig, weil die Männer ihn wegen seinem Elfenohr verhöhnten. Nun war er seine Einohrigkeit. Und wenn schon, es fühlte sich unbeschreiblich gut an, auch wenn er nur eines seiner Ohren wieder hatte. Er fühlte sich, als könnte er heute jeden besiegen. Hengelder jedoch hatte seit längerem das Gefühl, dass sie verfolgt wurden, also holten sie die letzten Kräfte aus den Pferden heraus und trieben sie weiter durch das Tal.

Am Ende des Tales scheuten die Tiere und Stulpe lies Esmeralda vom Pferd gleiten. Sie bückte sich und er trieb das Pferd immer näher zu ihr hin. Murmelnd stand sie mit erhobenen Armen auf und mit erhobener Hand stieg sie in den Steigbügel. Stulpe half ihr aufs Pferd und sie stieg verkehrt herum auf und kniete sich vor Stulpe in den Sattel. Sie hielt die ganze Zeit den Arm hoch, der schon zum Zittern begann. Ein Pfeil flog an ihrem Ohr vorbei und prallte gegen eine unsichtbare Wand und regnete in tausenden glühenden Stückchen auf sie herab.

‚Los reitet weiter, schnell!‘ brüllte Stulpe, während sie sich weiter aufrichtete und die Arme zitternd auseinander hielt. Hinter ihnen kam ein Burghof zum Vorschein und eine heruntergelassene Zugbrücke. Weitere Pfeile hagelten auf sie herab und nun konnte man galoppierende Pferde hören. Hengelder gab seinem Pferd einen Tritt und schlug dem Pferd von Utrecht auf den Hintern. Beide Pferde sprengten durch die Öffnung. Pfeile surrten ihnen um die Ohren. Elvira hörte ein ersticktes Stöhnen hinter sich und das Gewicht von Utrecht drückte sie nach vorne. Sie packte seine Arme und übernahm die Zügel. Utrechts Körper zuckte wieder und wieder. Stulpe drehte das Pferd und Esmeralda sprang mit einem Satz vom Pferd und schloss den magischen Gürtel, den sie vor Jahren um die Burg gelegt hatte. Die Burg wurde von den zersprengten Pfeilen erhellt, die gegen die magische Barriere prallten und glühend zu Boden prasselten.

Stulpe war in den Hof geritten und rief: ‚Erstmal sind wir sicher. Ist jemand verletzt?‘

Elvira konnte Utrecht nicht mehr halten und er stürzte vom Pferd.

Esmeralda kam herbeigelaufen und rief: ‚Ihr könnt keine Magie wirken, solange der Schutz über der Burg weilt.‘

‚Mutter!‘ schrie Elvira. ‚Aber die Tränke gehen, oder! Oder?‘

Esmeralda war schon bei Utrecht angekommen, als Elvira endlich das Pferd stoppen konnte und ungeschickt abstieg. Stulpe und Pürkel nahmen die Pferde und brachten sie in einen Stall. Hasenreit humpelte ihnen hinterher. In seinem Pferd und in seinem Bein steckte ein Pfeil.

Hengelder war vom Pferd gesprungen und riss Igor mit sich. Der purzelte zu Boden, stand aber gleich wieder auf und eilte außer Reichweite der Pferde.

Hengelder war bei Utrecht angekommen und kniete sich neben Esmeralda. Es ragten mehrere Pfeile aus seinem Körper.

‚Ich nehm ihn, lass ihn uns drinnen versorgen.‘ rief er und drängte die Frauen auf die Seite. Utrecht stöhnte erstickt, als er ihn hochhob. Blut rann ihm aus dem Mundwinkel.

Stulpe hatte schon Feuer gemacht und entzündete einige Fackeln. Hengelder lief hinter ihm durch ein Tor. Sie rannte durch die Eingangshalle und Stulpe zog eine Bank von der Seite der Wand in die Mitte und Hengelder legte Utrecht darauf. Sie öffneten seine Rüstung und brachen die Pfeilenden ab. Als sie die Brustplatte anhoben schrie er laut auf. Elvira kam angerannt und bremste auf ihren Knien.

‚Brech auch den Pfeil am Bein ab und holt dann den Hasenreit, der ist auch verletzt.‘ rief Esmeralda, als sie sich neben Elvira auf die Knie warf. Als sie den ersten Pfeil durch die Wunde trieben, wurde er ohnmächtig.

Published in: on 12. Oktober 2012 at 21:32  Kommentar verfassen  
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Igor – Hinter dem Fluss und immer weiter… Teil 2

Igor 2.0

Hinter dem Fluss und immer weiter… Teil 2

Hengelder schlich draußen durch den Wald. An einer Lichtung traf er auf ein Reh. Es stand gut im Futter. Er legte an, doch irgendwas hinter ihm schreckte es auf. Er schoss, traf das Tier gerade noch am Hals, bevor es davonspringen konnte. Dann zog er blitzschnell den nächsten Pfeil auf und machte eine schnelle Drehung. Er blickte in das erschrockene Gesicht von Dolp Hasenreit.

‚Hauptmann, bitte nicht schießen. Ich bring Euch euer Schwert und eure Rüstung.‘ rief Hasenreit aufgeregt mit den Armen wedelnd. Hasenreit kniete sich vor seinen Hauptmann, legte das Schwert und die Rüstung ab und legte sie vor seine Füße. Hengelder zog eine Augenbraue hoch und entspannte seinen Arm, nahm den Pfeil von der Sehne und steckte ihn wieder in den Köcher.

‚Hasenreit! Wie…?‘ rief Hengelder erstaunt. Er musste schlucken. ‚Ich bin sprachlos!‘

‚Ich hab Stulpe belauscht, als er Lady Esmeralda geholt hat.‘

‚Und dann hast du uns verfolgt?‘

‚Ich hab noch ein paar Sachen gepackt und hab versucht euren Spuren zu folgen.‘

‚Und wie, bei allen Göttern, hast du uns gefunden?‘

‚War nicht einfach.‘

‚Hat dich jemand verfolgt?‘

‚Nein, im Trubel der Erstürmung der inneren Burg fiel es nicht auf, als ich mich abseilte, während viele versuchten zu fliehen.‘

‚Und sonst, sag schon!‘

‚Ich hab gewusst, dass ihr kein Mensch sein könnt. Ich hab gesehen, wie dieser Utrecht mit eurer Leiche und Lady Elvira davon geritten ist, dann hab ich den Pürkel, Stulpe und Lady Esmeralda beobachtet und als ich dann über die Ebene zu den Begräbnishügeln ritt, habe ich die Feen gesehen, wie sie über die Ebene davon geflattert sind.‘

‚Ich muss dich töten, wenn du irgendjemand davon erzählt hast.‘

‚Warum sollte ich das tun? Ich habe Euch meine Treue gelobt, keinem Burgherrn und auch keinen Van der Schorten!‘ rief Hasenreit, der immer noch vor Hengelder kniete und sich aufgeregt die rechte Hand gegen die Brust schlug.

‚Nun steh‘ schon auf, Hasenreit!‘ meinte Hengelder und hob sein Schwert auf. ‚Und kommt mit und lern einen anderen Van der Schorten kennen.‘

Hasenreit pfiff und es kam ein Hund schwanzwedelnd auf sie zugelaufen. ‚Los brings, Hektor!‘ rief Hasenreit und wies in Richtung des toten Rehs. Der Hund lief los und brachte das Reh.

‚Jetzt weiß ich, wie du uns gefunden hast.‘ meinte Hengelder, der ganz erstaunt über den Köter war. Hasenreit hob die Rüstung auf und sie gingen Richtung Höhle. Unweit der Höhle standen zwei Pferde an einen Baumstumpf gebunden und Stulpe kam zu ihnen entgegengelaufen. Er hatte eine Armbrust dabei, die er im Lauf spannte.

‚Sieh mal, wer uns gefunden hat.‘ flüsterte Hengelder.

‚Hasenreit, wie habt Ihr uns gefunden?‘ fragte Stulpe und entspannte seine Armbrust, als er Hasenreit erkannte.

‚Verzeiht mir, ich hab Euch und die Lady belauscht, als ihr von der Höhle gesprochen habt.‘ sprach Hasenreit und verbeugte sich vor Stulpe.

‚Steht schon auf, gebt mir die Rüstung und folgt mir.‘ meinte Stulpe.

Sie gingen in die Höhle hinein und Hasenreit tippte auf einige Kerben in der Höhlenwand. ‚Meine Eltern hatten einen Hof am Fluss und ich hab mich bei schlechten Wetter immer mit den Ziegen hier versteckt. Später habe ich mich hier mit einem Mädchen getroffen.‘ Er wischte über die Kerben.

‚Nur mit einem Mädchen?‘ fragte Stulpe neugierig.

Hasenreit nickte und pfiff wieder. Der Hund kam an seine Seite und legte das Reh vor seine Füße.

Stulpe nahm das Reh auf und rief: ‚Seht nur, wer uns gefunden hat!‘

Alle begrüßten Hasenreit fröhlich. Hengelder brachte die beiden Pferde herein und plötzlich stand Utrecht hinter ihm.

‚Können wir reden? Draußen!‘ stammelte Utrecht und blickte auf den Boden.

Hengelder band die Pferde an und drehte sich in dem Moment um, als Utrecht aufsah. Hengelder nickte und ging mit Utrecht wieder nach draußen.

‚Wie geht es meiner Schwester?‘ fragte er

‚Gut soweit, sie schläft, obwohl ihr der Magen knurrte!‘ meinte Utrecht.

‚Gut.‘ rief Hengelder und blickte Utrecht fragend an. Betretenes Schweigen.

‚Ich will mich nicht zwischen euch drängen, aber mit liegt viel an Elvira!‘

‚Das habe ich befürchtete.‘

‚Wieso?‘

‚Du wirst ihr irgendwann das Herz brechen.‘

‚Wie kommst du da drauf?‘

‚Selbst wenn du mehr Elf als Mensch bist, wird sie machtlos dabei zu sehen, wie du alt wirst und wie du eines Tages sterben wirst. Wenn ihr Kinder haben solltet, dann wird sie auch diese überleben.‘

‚Wir kennen uns erst seit einem Tag, Hengelder. Ich trau mich kaum sie zu küssen, um nicht von dir getötet zu werden. An mehr vermag mein Verstand noch gar nicht zu verzweifeln.‘

‚Du bist mehr Mensch, als Elf, mein Freund.‘ meinte Hengelder und hielt ihm die Hand hin.

‚Was das angeht, bin ich wohl eher ein Elf, als ein Mensch. Ich überlege mir immerzu, wie ich meine Gefühle in Worte fassen könnte, um sie ihr dann vorzutragen.‘ stammelte Utrecht kleinlaut und griff zögernd nach Hengelders Arm, um ihn in eine Umarmung zu ziehen. Hengelder musste schwer schlucken, als er seinen Freund Utrecht umarmte. Er klopfte ihm auf die Schulter und flüsterte. ‚Aber die Sache mit den Bienen und den Blumen muss ich dir doch nicht erst erklären?‘

‚Nein! Du Mistkerl! Das tat bereits Stulpe, sehr ausführlich!‘ meinte Utrecht schüchtern und Hengelder spürte die Hitze, die von Utrecht ausging. Als sie sich trennten, sah er selbst im Dunkeln, das Utrecht vor Scham die Röte ins Gesicht gestiegen war.

‚Ich hoffe sie haben dir keinen Unsinn erzählt, es geht immerhin um meine Schwester.‘ Hengelder musste lächeln und ergriff Utrechts Nacken. ‚Aber sie scheint dir sehr Nahe zu gehen und deine roten Wangen verraten mir, wie ernst du es meinst.‘

Utrecht küsste Hengelder erst die rechte dann die linke Wange und dann fiel er zitternd auf die Knie. ‚Danke, Freund. Ich fürchtete schon um unsere Freundschaft.‘ Utrecht hatte Tränen in den Augen.

‚Eigentlich kann ich mir keinen besseren Mann für meine Schwester wünschen als dich, aber wenn du weiter auf dem Boden herum rutschst, dann überlege ich es mir vielleicht nochmal.‘ meinte Hengelder und grinste kurz. Aber anstatt Utrecht beim Aufstehen behilflich zu sein, kniete er sich ebenfalls auf den Boden und packte ihn wieder am Nacken. ‚Du weißt was passiert, wenn du ihr zu deinen Lebzeiten das Herz brichst.‘

Utrecht nickte und verharrte mit gesenktem Kopf. ‚Ich will nicht verbrannt werden, wenn ich einmal sterben sollte.‘

‚Bis dahin ist noch eine lange Zeit, mein Freund.‘

Sie umarmten sich nochmal, rappelten sich dann wieder auf und gingen zum Höhleneingang.

‚Wie kommst du eigentlich darauf, dass du mir das mit den Bienen und den Blumen überhaupt erklären könntest.‘ zischte Utrecht.

‚Nur weil du mich nie mit einer Frau in ein Zelt gehen hast sehen, heißt es noch lange nicht, dass ich es nicht hinterm Zelt mit ihnen getrieben hätte.‘ grinste Hengelder und wuschelte über Utrechts Haare.

Drinnen roch es schon nach gegrillten Fleisch und einer herzhaften Suppe. Der Hund fraß etwas, was er sich in den Höhleneingang gezerrt hatte und Hasenreit sattelte gerade sein Pferd ab.

‚Hasenreit, darf ich dir meinen besten Freund vorstellen, Utrecht van der Schorten!‘ rief Hengelder.

Hasenreit lies seinen Sattel fallen und blickte verstört auf.

‚Herr, seid Ihr Euch sicher, dass Ihr nicht unter einem gar grässlichen Zauber steht.‘ plapperte Hasenreit reichlich aufgebracht.

‚Nein, Hasenreit. Utrecht hat mir zwar einst eines meiner Leben genommen und er stahl das Herz meiner Schwester, aber doch hat er es bereits jetzt hundert mal vergolten, in dem er mir viel mehr Leben im Kampf schenkte, als ich je besitzen dürfte.‘

‚Ich glaube Eurem Wort, Herr.‘ sprach Hasenreit und verbeugte sich vor Utrecht.

‚Hasenreit, verbeuge dich nicht vor mir, ich bin nur ein einfacher Mann.‘ meinte Utrecht und hielt ihm die Hand hin. ‚Sag mir lieber, ob wir von meinem missratenen Bruder verfolgt werden.‘

‚Undrocht hat die Burg eingenommen und verfolgt hat mich keiner.‘ sprach Hasenreit und nahm Utrechts Hand, um sie zu schütteln. ‚Ich hab Brot, Obst, Gemüse, Wein und Süßkram mitgebracht.‘

‚Langsam wird’s mir unheimlich mit dir, Hasenreit.‘ meinte Hengelder misstrauisch, klopfte ihm aber doch auf die Schulter.

‚Ich hab den schmierigen Koch einen über die Rübe gezogen und seinen Gaul geklaut, bevor er damit flüchten konnte.‘

‚Dann müssen wir zumindest nicht verhungern.‘ rief Hengelder und packte mit an.

Nun saßen alle beim Essen und Utrecht sorgte dafür, dass Igor auch ordentlich zu Essen bekam, während Hengelder sich mit einem vollen Napf ans Bett setzte, um seine Schwester zu wecken.

‚Ich hab gehört, dich hüngert es!‘ flüsterte er und streichelte ihr Haar.

Sie machte erst ein Auge auf und dann das andere. Etwas verärgert funkelte sie ihn fragend an.

‚Utrecht mästet Igor auf dein Geheiß!‘ meinte Hengelder und blickte zum Feuer hinüber. Sie blickte wieder über die Bettkante und sah Igor mit einem riesigen Napf vor sich und Utrecht, wie er ihm gerade eine Falsche Wein reichte.

‚Essen sie Beide auch genug?‘

‚Bestimmt. Hasenreit hat dem Koch seinen Proviantgaul gestohlen.‘

‚Er hat Angst, dass du nach seinem Leben trachtest, wenn er mich anrührt.‘ wechselte Elvira das Thema.

Hengelder seufzte schwer. ‚Was will ich dir Vorschriften machen, kennen wir uns doch eben so kurze Zeit, wie du ihn. Und doch liegt dir mehr an ihm, als an mir.‘

‚Nein, ich muss mich nur erst daran gewöhnen einen Bruder zu haben und dafür keinen Vater.‘

‚Wir entstanden aus Feuer und Wasser, aus Wind und Erde. Man vermag es nicht zu sagen, wer unsere Eltern sind und doch habe ich eine klare Vorstellung davon, welche zu haben.‘

‚Versprich mir, ihm nichts anzutun, auch wenn er mir zu Nahe tritt.‘

‚Auch wenn ich kein Recht dazu habe, gab ich ihm gerade meine Zustimmung. Ich möchte nicht an dem Tag, an dem du von mir erfuhrst, meinen besten Freund und meine Schwester verlieren.‘

Lächelnd fiel sie ihm um den Hals, so dass er beinahe das Essen verschüttete. Er nahm sie in den Arm und fütterte sie. ‚Du musst essen, meine liebe Schwester, es liegt morgen viel vor uns.‘

‚Aber nur, wenn du genauso viel isst.‘ meinte sie und setzte sich auf. Er legte die Decke über ihre Schultern und bekam von Esmeralda einen weiteren Napf in die Hand gedrückt.

‚Ist ja nicht, wie bei armen Leuten hier.‘ meinte Esmeralda und setzte sich wieder.

Pürkel hielt die erste Wache und Hasenreit legte sich gleich nach dem Essen hin, während sein Hund immer näher ans Feuer kroch, bis er schließlich bei Igor angekommen war. Der Gnom kaute noch an einem Stück gegrillten Fleisch. Der Hund winselte und blickte den Gnom treudoof an. Igor begann mit dem Hund zu reden. ‚Willst du mein Freund sein?‘ Der Hund winselte und lies sich von Igor füttern. Elvira lehnte zufrieden und satt an der Schulter ihres Bruders, während Utrecht sich ans Bett gelehnt hatte. Sie kraulte ihm sein Haar und er hatte seinen Arm über ihre Beine gelegt und himmelte sie verliebt an.

‚Igor hat einen neuen Freund gefunden.‘ flüsterte Elvira.

‚Nachdem wir mit ihm Leviten getrunken haben, sind wir alle seine Freunde.‘ meinte Utrecht.

‚Ihr habt ohne mich Leviten getrunken?‘ beschwerte sich Hengelder lautstark.

Stulpe blickte auf, zog eine Flasche aus seiner Tasche und grinste ihn saublöd an. ‚Nur, damit wir nochmal eine Runde trinken können, mein Freund!‘ Er trank und gab die Flasche weiter an Esmeralda, diese winkte diesmal ab und gab die Flasche weiter an Hengelder. Er trank und seine Gesichtsfarbe wechselte schlagartig auf Rot, dann auf Lila bis hin zu blau und dann nahm er die Flasche von den Lippen und gab sie an Utrecht weiter, nachdem Elvira erschrocken den Kopf schüttelte.

Utrecht trank, setzte sie ab. ‚Alter!‘ keuchte er und klopfte sich auf die Brust.

‚Da können wir uns nicht oft genug das Leben retten, wenn du es uns mit nur einem Schluck von deinem Gebräu wieder nehmen willst.‘ rief Hengelder, als sein Gesicht wieder die übliche Farbe angenommen hatte.

Elvira schlief auf dem Schoß ihres Bruders ein und Utrecht mit dem Kopf auf ihren Beinen. Auch Hengelder schlief im Sitzen ein, bis Utrecht von Hasenreit geweckt wurde.

‚Freund, leg dich hin, ich hab die Wache!‘ flüsterte Utrecht und stand auf. Hasenreit schüttelte den Kopf, als er seinen Hund erblickte, wie er mit Igor auf dem Fell lag und als Kopfkissen für den Gnom fungierte.

Utrecht schnappte sich seinen Wattierten, die Armschienen, sein Schwert und ein Fell und ging nach draußen. Vor der Höhle lag ein Fell und der Bogen. Utrecht beschloss aber sich einen besseren Platz zu suchen und kletterte auf einen kleinen Felsvorsprung. Dort richtete er sich ein und hielt sein Wache.

Drinnen bettete Hengelder seine Schwester wieder gerade aufs Bett, legte ihr ein Fell unter den Kopf und deckte sie zu. Dann zog er sich ein Fell vors Bett und legte sich auf den Boden, um ein wenig zu schlafen.

Weit vor Sonnenaufgang kletterte Utrecht von seinem Felsen und ging Hengelder zu wecken. Das Feuer war ausgegangen. Er legte noch ein Paar Scheite in die Glut und stupste Hengelder an, als er in die Glut blies.

Hengelder riss die Augen auf und schreckte hoch.

Grummelnd schlich er nach draußen und entdeckte auch den Felsvorsprung. Utrecht blickte zu Elvira hinüber und sah, wie sie unter ihrer Decke zitterte. Kurzerhand nahm er das Fell auf und deckte Elvira damit zu. Nicht dass sie bereits seinen warmen Mantel und eine Decke hatte. Kopfschüttelnd ging er zum Pferdetrog und zog seine Sachen aus, so dass er nur noch in der Bruche da stand. Er wusch sich die restlichen Blutflecken vom Körper. Gedankenverloren rieb er sich mit seiner Tunika über seine nasse Haut. Seine Wunde war verschlossen und war kaum noch zu sehen. Im Schein des Feuers hätte man die zahlreichen Narben kaum sehen können, die von weniger talentierten Heilern versorgt worden waren. Die Zeiten des Krieges hatten ihn nicht nur gezeichnet, man konnte auch jeden Sieg auf seinem Körper sehen. Sein Bauch und seine Brust war mit schwarzen Linien und Ornamenten überzogen, während auf seinem Rücken eine Schlacht skizziert worden war. Er tapste zu seiner Satteltasche, die auf seinem Sattel lag und zog eine warme Wolltunika heraus. Er zog sie an, griff nochmal in die Satteltasche, packte seine Hose und seinen Wattierten und ging zum Bett hinüber. Dann setzte er sich ans Fußende und griff unter die Felle und Decken nach ihren Füßen. Sie waren, wie er vermutet hatte, eiskalt. Also zog er ihr seine Socken an, die er aus seiner Satteltasche mitgebracht hatte.

Als er sie wieder ordentlich zugedeckt hatte, bebte ihr Körper immer noch. Er konnte ihre Zähne klappern hören. Seufzend zog er seine Schuhe aus, legte sich zu ihr aufs Bett und kuschelte sich von Hinten an sie heran. Zu guter Letzt deckte er sie auch noch mit seiner Decke zu.

Sie wurde wach, drehte sich zu ihm um und kuschelte sich in seine Arme. Ihr ganzer Körper bebte in seinen Armen.

‚Ich bin ja da!‘ flüsterte er in ihr Ohr. Sie wühlte sich durch ihre Decken, bis ihre kalten Finger auf seine Wolltunika traf. Zitternd klammerte sich an seine Tunika, während er ihren Rücken rieb und mit seinen Füßen nach den ihren suchte.

Er küsste ihre Stirn. Sie reckte wieder den Kopf und ihre Lippen trafen sich erneut. In seinem Bauch explodierte irgendwas, als sie den Kuss erwiderte. Er spürte seine Erregung wachsen und betete inständig darum, dass sie nichts davon bemerken würde. Vorsichtig rückte er seinen Unterleib von ihr ab und wickelte sie wieder in ihre Decken.

Published in: on 8. Oktober 2012 at 18:28  Kommentar verfassen  
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Igor – Hinter dem Fluss und immer weiter… Teil 1

Igor 2.0

Hinter dem Fluss und immer weiter… Teil 1

Als Hengelder mit Esmeralda auf dem Pferd und Utrecht mit Elvira zusammen an der Furt ankamen, hatten Stulpe und Pürkel den armen Igor bereits mit samt seiner Sachen gewaschen und hatten dann ein Feuer gemacht. Dort saß Igor zitternd in eine Decke gehüllt und umklammerte sein Glasauge. Pürkel hatte seine Sachen ans Feuer gehängt und dort trockneten sie langsam. Utrecht sprang zuerst vom Pferd und half Elvira abzusteigen. Hengelder sprang rücklings vom Pferd und rannte zum Flussufer. Er zog sich aus und sprang nackt in den Fluss. Stulpe hielt Esmeralda die Hand hin und sie lies sich lächelnd in seine Arme fallen. Er hielt sie an ihrem Hintern fest und sie küsste ihn auf den Mund. Etwas verwirrt darüber, dass sie ihn vor den Augen ihrer Tochter küsste, lies er es zu und erwiderte den Kuss erst, als sie ihm auf die Lippe biss. Als sie sich wieder trennten, meinte sie nur: ‚Wir gehen jetzt heim!‘

‚Ja, ehrlich!‘

‚Wirklich ehrlich!‘ meinte Esmeralda. Stulpe sprang mit ihr im Kreis und küsste sie wieder. Dann stellte er sie auf die Beine und kniete sich vor sie hin.

‚Ich will nicht pietätlos sein, aber ich habe so lange auf diesen Moment gewartet.‘ Er zog einen Ring aus einer Tasche, staubte ihn ab und hielt ihn ihr hin. ‚Wenn dein Mann endlich tot ist, willst du dann mich ehelichen?‘

Ihr liefen schon die Tränen übers Gesicht und sie schluchzte, während sie auf die Knie fiel. ‚Ich wartete jeden Tag darauf, seit dem wir uns das erste Mal sahen, dass du mich endlich fragst. Natürlich will ich dich.‘ Sie küssten sich leidenschaftlich. Elvira hatte Tränen in den Augen und Utrecht berührte sachte ihre Schulter, auch er musste schlucken, als er sah, dass auch Stulpe den Tränen nahe war.

Hengelder tauchte pitschnass neben Elvira und Utrecht auf und flüsterte: ‚Ich wusste gar nicht, dass Stulpe so romantisch ist!‘ Er hatte seine Hose wieder angezogen und trocknete sein Haar. Beide blickten auf seine Haare. Schwarze Farbe tropfte herab und das Tuch mit dem er versuchte, sie zu trocknen, war auch schon ganz schwarz.

‚Ich wusste bis vorhin nicht, dass die beiden…du weißt schon!‘ meinte Utrecht.

Elvira blickte beide kopfschüttelnd an und meinte kurz: ‚Ihr sollt euch für sie freuen.‘

‚Wir freuen uns!‘ meinten beide gleichzeitig.

‚Ich bin der Trauzeuge!‘ meinte Utrecht.

‚Ich bin der Ältere, ich bin der Trauzeuge.‘ rief Hengelder und schon rangelten beide miteinander. Elvira schüttelte immer noch den Kopf und trat ein paar Schritte zur Seite.

‚Wir freuen uns vor allem auf das Fest zu eurer Hochzeit.‘ meinte Pürkel und tippte Stulpe auf die Schulter. ‚Und auf das Stulpes schlechte Laune nun endlich ein Ende hat.‘

Elvira kam auf ihre Mutter zugelaufen, als Pürkel und Stulpe sich umarmten und zu Utrecht und Hengelder hinüber gingen, um sie zu trennen.

‚Bist du denn damit einverstanden?‘ fragte Esmeralda, als sie Elvira in die Arme schloss.

‚Natürlich, ich hab dich immer nur lächeln sehen, wenn Stulpe den Raum betrat und ich freue mich für euch.‘ Elvira fing zu weinen an.

Nach einem Moment meinte Stulpe in seinem üblichen Ton. ‚Wir sollten uns sputen, wenn wir vor Einbruch der Dunkelheit am Fuße des Berges sein wollen!‘

Elvira trennte sich aus der Umarmung ihrer Mutter und ging zum Flussufer. Pürkel war bei Igor und half ihm in die noch feuchten Klamotten zu schlüpfen. Utrecht ging zu Elvira ans Flussufer, um ihr seinen Mantel zu bringen.

‚Wenn wir in die Berge reiten, wird es kalt werden.‘ meinte er kleinlaut und legte den Mantel um ihre Schultern.

Sie drehte sich um, schritt vom Wasser weg und fragte ihn: ‚Und was ist mit Euch!‘ Und griff ihm an den nackten Arm. Ihr Gesicht war noch nass und ihr Haaransatz auch. Er wischte ihr übers Gesicht und lächelte sie zuckersüß an. ‚Hab mir gerade überlegt meinen Wattierten und die Rüstung anzuziehen.‘

‚Muss ich mir Sorgen machen?‘ fragte sie und geleitete ihn zu seinem Pferd.

‚Mein Bruder wird uns schon bald verfolgen!‘ meinte er und zog den wattierten Wappenrock von seinem Pferd.

‚Was macht Euch da so sicher?‘ fragte sie und half ihm beim Anziehen. Er packte seine Rüstung, die aus gehärteten Leder war.

‚Er war derjenige, der mir die Ohren abschnitt, meine Mutter vor meinen Augen tötete und mich um ihr Erbe betrog. Ich glaube er hasst mich!‘ meinte er fast beiläufig und schlüpfte in seine Rüstung. Sie half ihm dabei, in dem sie sämtliche Schnallen schloss. Dabei senkte sie ihren Kopf, weil sie wieder Tränen in den Augen hatte.

‚Ihr seid ein empfindsames Wesen…!‘ flüsterte er, bis ihm die Stimme brach. Sachte nahm er sie am Kinn und wischte ihr die Tränen aus dem Gesicht.

‚Ich würde Euch gerne die Ohren richten, wenn Ihr wert drauf legt.‘

‚Ich hätte lange Jahre alles dafür gegeben, sie wieder zu haben.‘ Er schluckte schwer und strich seine Haare nach hinten. Es war das erste Mal, dass sie seine Ohren sah, oder das was davon übrig war. Sie musste ein Schluchzen hinunter schlucken und nahm die Hand vor ihren Mund. Er lies die Haare wieder los und verdeckte somit seine entstellten Ohren. ‚Aber mittlerweile lebe ich damit. Und was ich bin, bin ich hier drin.‘ Er tippte mit den Fingern auf seine Brust. Sie schluchzte laut auf und das rief Hengelder auf den Plan. ‚Was machst du nur immer mit meiner Schwester?‘

‚Ich kann in sein Herz sehen!‘ keuchte sie erstickt.

‚Und gefällt dir, was du siehst?‘ rief Hengelder und rückte ihr den viel zu großen Mantel zurecht.

‚Ich seh mich…!‘ Stieß sie noch hervor, bevor ihre Knie nachgaben und sie wieder ohnmächtig wurde. Utrecht hielt sie fest, damit sie nicht schon wieder auf den Boden fiel.

‚Langsam ist’s echt gut mit Liebeserklärungen!‘ rief Hengelder erbost.

‚Woher kann ich denn wissen, dass sie mir in den Kopf schauen kann.‘

‚Was hast du mit ihr gemacht, du kennst sie grad erst seit ein paar Stunden…‘ brüllte Hengelder.

‚Das nennt man wohl Liebe auf den ersten Blick, mein Freund!‘ unterbrach ihn Utrecht, der immer noch Elvira festhielt.

‚Wohl eher, Liebe auf den ersten Schlag.‘

‚Ich verpass dir auch noch Eine, wenn du willst. Mir wär grad danach.‘

‚Ich bring dich um, wenn du sie ungebührlich betatschen solltest.‘

Esmeralda stand plötzlich hinter ihnen und haute zuerst Hengelder kräftig auf den Hinterkopf und griff dann in einen ihrer Beutel, die sie am Gürtel trug. ‚Ich verwandle euch Beide in zwei Grottenolme, wenn ihr nicht aufhört euch zu zanken. Elvira ist alt genug eigene Entscheidungen zu treffen. Hengelder du reitest mit Igor und Utrecht gib mir meine Tochter und dann ab aufs Pferd.‘ Er übergab den bewusstlosen Körper von Elvira ihrer Mutter, zog seine Armstulpen an und schwang sich aufs Pferd. Stulpe war aufgetaucht und half ihr Elvira auf Utrechts Pferd zu heben. Hengelder hatte Igor auf sein Pferd gesetzt, war selbst aufgestiegen und preschte über die Furt. Pürkel ritt ihm hinterher und rief noch: ‚Bleib im Wasser, wir müssen unsere Spuren verwischen!‘

Langsam lenkte Utrecht das Pferd über die Furt, während Stulpe Esmeralda aufs Pferd hob und hinter ihr im Sattel platz nahm. Er ritt auch ins Wasser, stoppte den Gaul gleich wieder und lies ihn wieder zum Ufer drehen. Esmeralda warf etwas in Richtung Ufer. Ein starker Wind, hob eine Welle aus dem Wasser und schwemmte ihre Spuren fort. Sie wedelte mit den Armen und Steine und Stand überzogen das Ufer neu. Stulpe wies sein Pferd an, den anderen nachzureiten. Esmeralda lehnte sich erschöpft an seine Brust.

Sie ritten eine Weile im Fluss. Als sie ihre Pferde aus dem Fluss führten, waren sie alle ziemlich nass. Sie ritten schneller und Esmeralda lies den Wind nochmal ihre Spuren verwischen.

Sie waren bereits seit Stunden unterwegs, als die Dämmerung einsetzte. Stulpe hatte sie unerbittlich vorangetrieben und endlich hob er die Hand. Er sprang vom Pferd und führte es weiter einen Bergpfad hoch. Utrecht tat es ihm gleich. Elvira saß benommen auf dem Pferd und klammerte sich am Sattel fest. Hengelder stieg auch ab und folgte ihnen. Er blickte immer noch finster drein. Igor saß in eine Decke gehüllt auf dem Pferd und schmollte ebenfalls. Sie hatten ihn gewaschen. Waschen macht krank und elend. Er war fest davon überzeugt jeden Moment sterben zu müssen, weil sie ihn gewaschen hatten.

Stulpe lies das Pferd auf einer Anhöhe stehen und lief weiter, bis er vor einer riesigen Felswand stand. Esmeralda war abgestiegen und half ihm einen Busch zur Seite zu halten, mit einem Seil befestigten sie die Zweige und ein Höhleneingang kam zum Vorschein.

‚Platz ist in der kleinsten Hütte!‘ meinte Stulpe und lies Utrecht mit Elvira auf dem Arm eintreten. Esmeralda hatte eine Kerze entzündet und lief ihnen hinterher. ‚Warte einen Moment, bevor du sie aufs Bett legst!‘ meinte sie kurz, zündete ein paar Fackeln an, die an der Höhlenwand angebracht waren und dann verschwand sie hinter einen Felsvorsprung. Stulpe brachte einen Gaul nach dem Anderen herein und brachte sie in einen anderen Teil der Höhle. Sie hatten wirklich an alles gedacht. Es war Stroh und Wasser in der Höhle für die Pferde. Esmeralda kam wieder und brachte ein Bündel Felle. Sie legte die Felle aufs Bett und rollte sie auseinander. Utrecht legte Elvira auf die Felle, zog ihre Schuhe aus und deckte sie mit seinem Mantel zu. Behutsam strich er ihre Haare aus dem Gesicht. Erschöpft rollte sie sich zusammen und schloss die Augen.

Pürkel kam herein und fragte: ‚Und was gibt’s zu Essen?‘

Esmeralda drückte ihm einen Bogen und einen Köcher mit Pfeilen in die Hand und meinte: ‚Das kommt auf dein Zielwasser an!‘

‚Ne, der Pürkel würde noch nicht mal eine Kuh treffen, wenn er beim Melken vom Schemel fällt. Ich geh uns was jagen!‘ meinte Hengelder, schnappte sich den Bogen und verschwand wieder. Pürkel machte sich daran Feuer zu machen und Wasser aufzusetzen, während Esmeralda noch ein Paar Bündel Felle brachte. Igor tappte mürrisch in die Höhle und setzte sich zittern ans Feuer. Stulpe brachte das letzte Pferd herein und band es an. ‚Igor, komm und setz dich auf ein Fell.‘ meinte Esmeralda zuckersüß. Dann kam Stulpe mit Kochutensilien und einer Flasche unter dem Arm. ‚Bevor wir kochen, stoßen wir mit dem Helden des Tages auf unsere Flucht an.‘ Stulpe lies sich von Esmeralda die Kochsachen abnehmen, ging weiter zu Utrecht und öffnete die Flasche. Utrecht nahm ihm die Flasche ab, stand auf und ging ganz langsam zu Igor rüber, der mittlerweile gewaltsam auf ein Fell gesetzt worden war.

‚Wenn wir auf einen Helden trinken, dann auf unseren kleinen, neuen Freund hier.‘ Er kniete sich zu Igor hinunter und hielt ihm die Flasche hin. ‚Dank Igor denkt mein Bruder, dass unter der Burg tatsächlich ein Drache schlummert und dass kann uns echt den Arsch retten.‘

Igor stammelte nur das Wort: ‚Freund!?‘

‚Los Igor, trink einen Schluck Leviten mit uns. Aber nur einen Schluck vor dem Essen.‘ rief Stulpe.

Igor stammelte immer noch vor sich hin.

Esmeralda beugte sich zu Igor hinunter: ‚Igor ist schon gut, wir sind deine Freunde und nun trink.‘

‚Freunde!‘ Sagte er wieder und sprang auf. ‚Ich hatte noch nie einen Freund.‘ Dann trank er einen großen Schluck. Utrecht nahm ihm die Flasche ab und trank auch. Igor keuchte und versuchte dem ersticken Nahe Luft in seine Lungen zu saugen. Rauch kam aus seinen Ohren und mit einem Hicks setzte er sich wieder aufs Fell.

‚Und er hatte noch nie Levitenschnaps.‘ lachte Stulpe und schnappte sich die Flasche. ‚Leviten kann man nicht lesen, man trinkt sie.‘ Unter Gelächter trank jeder einmal davon. Utrecht haute sich auf die Brust und setzte sich röchelnd aufs Bett. Langsam zog er seine Rüstung aus. Plötzlich regte sich Elvira. Esmeralda hielt ihnen einen Becher Tee hin. Behutsam half er ihr beim Aufsetzen und setzte den Becher an ihre Lippen. Er lies erst von ihr ab, als sie den Becher leer getrunken hatte.

‚Geht’s dir besser?‘ fragte er und stellte den leeren Becher auf den Boden.

‚Ich…ich bin mir nicht sicher!‘ Stammelte sie und lies sich wieder auf die Felle sinken. Ihr Körper zitterte.

‚Versuch noch ein Bisschen zu schlafen.‘ flüsterte er und deckte sie sachte mit einer weiteren Decke zu. Als er wieder aufstehen wollte, hielt sie ihn zurück, in dem sie sich in seine Richtung drehte und seine Hände festhielt.

‚Bleib bei mir!‘ kam es aus ihren Mund.

‚Solange, bis du eingeschlafen bist.‘

‚Wo ist mein Bruder?‘ Es hörte sich komisch an. Sie hatte das Wort das erste Mal im Bezug auf Hengelder gesagt. Sie lehnte ihren Kopf gegen seine Knie und klammerte sich weiter an seine Arme.

‚Der jagt uns was zum Essen.‘ meinte er. Es gab ihm einen Stich von ihm zu reden. Sie zankten sich zwar ständig, aber diesmal war es ernst. Er fürchtete um seinen besten Freund und um dieses empfindsame Wesen in seinen Armen.

‚Oh, Essen!‘ Ihr Magen knurrte. Sie hielt sich den Bauch und grinste ihn an.

‚Ich weck dich, wenn das Essen fertig ist.‘

‚Wie geht’s Igor?‘

‚Er ist betrunken.‘

‚Hm?‘ Sie schaute über seine Knie in Richtung Feuer. Igor lag in das Fell gekuschelt vor dem Feuer und grinste zufrieden. ‚Kümmerst du dich auch um ihn?‘

‚Klar.‘

‚Dass er genug zu Essen bekommt.‘

‚Mach ich.‘ Er kam ihr näher, um ihre Stirn zu küssen. Sie hielt ihn am Hals fest und berührte eines seiner Ohren mit der Fingerspitze. Ein Funken schlug bei der Berührung über. Er zuckte zurück und blickte sie verwirrt an.

‚Oh, Entschuldigung ich wollte dir nicht zu nahe treten.‘ meinte sie erschrocken.

‚Tust du nicht.‘ flüsterte er, nahm ihre Hand und küsste sie.

‚Sicher?‘ Sie blickte ihn fragend an.

‚Ganz sicher!‘ Er küsste nochmal ihre Stirn. Sie packte ihn diesmal am Kopf und reckte den Hals. So trafen seine Lippen zu erst ihre Nase und dann ihren Mund. Er schloss seine Augen, als sie ihren Mund öffnete und sich ihre Zungenspitzen berührten. Mit einem ’schsch‘ trennten er sich von ihr. ‚Dein Bruder bringt mich um, wenn ich dir zu nahe trete.‘

‚Ich bringe ihn um, wenn er dich umbringt.‘

‚Er kommt aber wieder, ich aber nicht.‘

Sie gähnte. ‚Er bringt dich nicht um, versprochen.‘

‚Versuch zu schlafen. Bitte.‘

Sie schloss die Augen, er setze sich ein Wenig aufrechter hin und hielt ihre Hände, bis sich ihre Muskeln entspannten.

Published in: on 7. Oktober 2012 at 18:11  Kommentar verfassen  
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Igor – Ein denkwürdiger Tag auf Burg Feuerhayn Teil 4

Igor 2.0

Ein denkwürdiger Tag auf Burg Feuerhayn Teil 4

Als Utrecht mit Elvira im Arm den Hügel hoch geschritten kam, lag der Körper Beutelrocks schon in der Mitte der Hügelkuppe aufgebahrt. Elvira war gerade wieder erwacht und sah ihre Mutter, wie sie einige Kerzen anzündete, die um den Leichnam von Hengelder aufgestellt waren.

‚Müssen wir ihn diesmal wieder anzünden?‘ fragte Utrecht.

Lady Esmeralda schaute auf und lächelte kurz: ‚Nein, diesmal nicht!‘ Sie kam ihnen entgegen und breitete die Arme aus. ‚Elvira, geht es dir gut?‘

Utrecht hatte Elvira auf ihre Beine gestellt. Etwas wackelig schwankend lies sie sich von ihrer Mutter in die Arme nehmen. ‚Ihr müsst Utrecht van der Schorten sein! Hengelder hat mir schon so viel von Euch erzählt.‘ begrüßte sie ihn und streckte ihm die Hand hin. Elvira blickte beide fassungslos an. Er zog ihre Hand zu sich heran und wollte sie gerade küssen.

‚Müssen wir ihn diesmal wieder anzünden?‘ kam es gleichzeitig aus Stulpes und Pürkels Mund. Beide waren unbemerkt oben angekommen und schauten fragend in die Runde.

‚Nein, nein. Wir haben ja Elvira dabei. Das müsste auch ohne anzünden gehen!‘ erklärte Lady Esmeralda.

‚Mutter, was hast du vor?‘ fragte Elvira entgeistert.

‚Wir können ihn doch nicht so lassen? Wir holen ihn jetzt zurück!‘ kam es in einer Selbstverständlichkeit aus ihrem Mund.

‚Bitte was?‘ schrie Elvira auf, wurde dann aber gleich von Pürkel unterbrochen: ‚Ach, wir haben das schon vier mal gemacht!‘

‚Oh nein, Mutter! Mit schwarzmagischen Ritualen möchte ich nichts zu tun haben.‘ widersprach Elvira und machte Anstalten rückwärts den Hügel runter zu stolpern.

Utrecht stand plötzlich hinter ihr, hielt sie fest und schob sie unsanft zum Leichnam. In Igors Augen sah es so aus, als würden sie ihr jetzt weh tun wollen. Er sprang von Hinten auf Utrecht und versuchte ihn zurückzuhalten. Es blieb bei dem Versuch. Utrecht schüttelte Igor ab, der im hohen Bogen davon flog. ‚Elvira, vertrau mir!‘ sagte Lady Esmeralda in ruhigen Ton und zog einen Dolch. Igor kam schon wieder angerannt. Lady Esmeralda griff in einen Beutel an ihrem Gürtel und warf feinglitzernden Staub auf Igor. Der, vom Staub getroffen, im vollen Lauf stoppte, in seiner letzten Bewegung erstarrte und nach vorne umfiel. ‚Igor, wage es nicht noch einmal mich zu stören!‘ schrie Lady Esmeralda dabei.

‚Da legt’s di nieder!‘ rief Pürkel belustigt. Igor lag immer noch bewegungslos auf dem Boden. Kopfschüttelnd wand sie sich wieder Elvira zu. ‚Wir müssen uns jetzt beeilen, sonst ist es zu spät!‘ Mit Vollendung dieses Satzes packte sie Elviras Hand und stach mit dem Dolch zu. Elvira schrie entsetzt auf und wollte nur noch fort, doch Utrecht hielt sie immer noch fest und drängte sie zu Hengelders Leichnam. Sie weinte und schrie und sie wehrte sich nach Leibeskräften. Blut quoll aus ihrer geschlossenen Hand. Lady Esmeralda packte ihre Hand und zwang sie, sie zu öffnen. Ihr Blut tropfte auf den Leichnam. Der Bolzen steckte immer noch in seiner Brust.

Plötzlich konnte man ein Surren in der Luft hören. Elvira schaute entsetzt nach oben. Durch den Tränenschleier konnte sie zwar kaum etwas erkennen, aber dort oben braute sich etwas zusammen, das spürte sie. Wind kam auf, der ihr die Tränen aus ihrem Gesicht trieb. Sie zwinkerte und sah wieder nach oben. Es war so, als würde ein Schwarm kleiner flinker Vögel direkt auf sie zuhalten. Elvira bekam Panik und versuchte zu fliehen. Utrecht lies sie einfach los, weil er mit offenen Mund da stand und dem Spektakel zusah. Es waren keine Vögel. Es waren tausende kleiner Feen. Sie schillerten in allen Farben und rasten summend auf sie zu. Elvira ging in Deckung. Während Lady Esmeralda, Utrecht, Stulpe und Pürkel aufrecht da standen und das Ereignis genossen. Die Feen stoben auseinander und flogen über die Ebene davon, nur eine zerschellte in unzählige funkelnde Stücke auf Hengelders Brust. Der Körper Hengelders bäumte sich auf. Die funkelnden Stückchen der Fee prasselten als Diamanten auf den Boden herab. Igor erwachte aus seiner Starre und bemerkte, dass es Diamanten regnete. Er sammelte sie auf und schöpfte sie in seine Hosentaschen. Hengelders Körper bewegte sich. Er zog sich den Bolzen aus seiner Brust, atmete tief ein und ein unheimliches Geräusch kam dabei aus seinem Mund. Elvira schaute schockiert auf. Er riss die Augen auf, zeigte auf sie und röchelte: ‚…iebe dich, Schwester!‘

Elvira wurde wieder ohnmächtig. Die am Boden liegenden Diamanten lösten sich langsam in Rauch auf. Igor saß auf dem Boden und was war das? Er weinte. Aus seinen Taschen und von seinen Händen stieg der Rauch auf.

‚Igor, du Dummkopf! Du hast doch nicht wirklich geglaubt, dass wir seine Diamanten behalten dürfen!‘ lachte Pürkel.

‚Ich erinnere dich nur ungern an dein erstes Mal, Pürkel!‘ sagte Utrecht ganz beiläufig, bevor er zu Elvira eilte. Hengelder war bereits aufgestanden und hatte sich bereits zu Elvira hinunter gebeugt. Utrecht klopfte ihm freundschaftlich auf die Schulter und begrüßte ihn: ‚Du wirst alt, mein Freund! Dein Wiederkommen war auch schon mal heftiger!‘

‚Es ist auch schön dich wieder zu sehen, mein Freund!‘ sprach Hengelder Beutelrock. ‚Aber lieber ein kleines Wiederkommen, als kein Wiederkommen!‘

Hengelder nahm Elvira in seine Arme und zog sie liebevoll an sich. ‚Endlich kann ich es zu dir sagen, kleine Schwester. Endlich kann ich dich in meine Arme schließen.‘

Igor würgte hinter ihnen und erntete dafür einen Tritt von Lady Esmeralda.

Utrecht kniete sich auch hin und blickte besorgt auf Hengelder.

‚Du hättest nicht so hart zuschlagen müssen, sie ist doch nach fast ein Kind.‘

‚Woher?‘ fragte Utrecht ungläubig.

‚Deinen Handabdruck kann man immer noch auf ihrem Gesicht sehen.‘

‚Und ich kann ihren noch auf meinem Gesicht spüren!‘ meinte Utrecht und rieb sich die Wange.

Hengelder nahm ihre verletzte Hand in die Seine und küsste sie. In einem Moment rann ihr Blut noch über ihre beider Hände und im anderen Moment hörte es auf. Er wischte da Blut so gut es ging von ihrer Hand. Und als er ihren Kopf berühren wollte, riss sie wieder ihre Augen auf und als sie seine blutverschmierte Hand sah, verdrehte sie wieder die Augen. Er berührte trotzdem die rote Stelle an ihrer Wange und der Handabdruck verschwand langsam. Er rüttelte sie, doch Elviras Körper rutschte nur leblos aus seiner Umarmung.

‚Soll ich’s mal probieren?‘ fragte Utrecht und fing sie auf, bevor sie wieder auf den Boden rutschte. Hengelder riss bei Arme hoch und zischte eifersüchtig: ‚Bitte! Aber schlag sie nicht wieder!‘

Hengelder stand auf und ging zu Lady Esmeralda hinüber, die gerade die Spuren des Rituals beseitigte.

Utrecht küsste Elvira, als er sich so unbeobachtet wie möglich vorkam.

Elvira schreckte hoch und scheuerte ihm eine.

Hengelder drehte sich zu ihnen um und schrie ihn an. ‚Was fällt dir ein, sie zu küssen.‘

‚Hey, ich dachte es wäre eine gute Idee.‘ Er blickte, sich die andere Wange reibend, zu Elvira und zu Hengelder hinüber. ‚Und geklappt hat es allemal! Wach ist sie jetzt.‘

Elvira versuchte gerade sich aufzurappeln und begann zu fluchen. ‚Mir reicht’s, ich könnt mich mal, ich bin doch nicht euer Versuchskarnickel und auch nicht euer Täubchen, dass ihr nach Belieben abknutschen könnt.‘ Als sie rücklings versuchte sich fort zu kommen, stolperte sie über Igor und fiel wieder hin. Utrecht und Hengelder versuchten sie gleichzeitig aufzufangen, stießen aber nur mit den Köpfen zusammen. Sie kroch weiter rückwärts den Berg hinunter und bemerkte dabei beiläufig: ‚Ihr seid doch alle wahnsinnig!‘ Igor eilte ihr zur Hilfe und wollte ihr aufhelfen. Sie rümpfte nur die Nase, ihr Kinn begann zu zittern und sie wurde schlagartig grün im Gesicht. ‚Igor, du stinkst!‘

Würgend drehte sie sich um und übergab sich. Während Stulpe und Pürkel sich die Szenerie belustigt anschauten, haute Utrecht Hengelder mit einer geraden Rechten um. Dann kroch er zu Elvira hinüber und hielt ihr behutsam die beiden Zöpfe hoch. ‚Stulpe, Pürkel bringt den Gnom zur Furt, er soll sich waschen! Wir kommen gleich nach!‘

Mit einem ‚Jawohl!‘ packten sie sich den Gnom und rannten den Berg hinunter.

Esmeralda hielt Hengelder etwas unter die Nase und er kam langsam wieder zu sich. Sie tuschelten miteinander, während Elvira weiter Würgegeräusche von sich gab. ‚Elvira, ich muss mich an diesem Tag ein zweites und drittes Mal bei Euch entschuldigen. Aber Hengelder meinte es nur gut mit Euch. Und ich auch! Wir arbeiten seit 4 Jahren an dem Plan zu Eurer Befreiung und ich muss zugeben, ohne den unwissenden Gnom hätten wir es vielleicht nicht geschafft. Ihr dürft nicht böse auf uns sein, wir wollten Euch nur da raus holen.‘ Währenddessen er redete, hatte er ein Tuch aus seinem Gürtel gezaubert und wischte ihr das Gesicht sauber. Ihr war schwindelig, ihr Kopf rauschte und nachdem sie am Ende ihrer Kräfte war, lies sie sich von Utrecht in den Arm nehmen. Esmeralda hielt ihnen einen Wasserschlauch hin. ‚Er sagt die Wahrheit! Sie steckten die ganze Zeit unter einer Decke.‘

‚Woher kennt ihr euch!‘ meinte Elvira und spülte sich den Mund aus.

‚Wir haben im Krieg zusammen gekämpft. Damals waren wir dumme Jungs, die heiß auf den Krieg waren und Hengelder war noch blond, genauso wie du. Und wir wussten nicht, das Hengelder ein Wiedergänger ist.‘

‚Ich bin kein Wiedergänger!‘ meinte Hengelder erbost. ‚Ich bin nicht Untot!‘

‚Als er das erste Mal starb, wurde er mit allen anderen Leichen verbrannt und er kam wieder. Seine Haare waren von dem ganzen Blut rot geworden. Ich habe ihn dann nochmal getötet, weil ich ernsthaft angenommen hatte, ich hätte ein dämonisches Wesen vor mir. Wir warfen seinen toten Körper wieder auf den brennenden Haufen und als er am nächsten Morgen weinend vor dem Massengrab kniete, ging ich zu ihm und hörte seine Geschichte.‘ erzählte Utrecht leise. Sie blickte ihm ins Gesicht und schüttelte den Kopf. ‚Ihr seid nur halb so alt wie Stulpe und Pürkel, wie könnt ihr im Krieg gekämpft haben?‘

‚Er ist ein Halbelf und wir sind die Letzten eines längst vergessenen Volkes und wir sind dazu verdammt auf dieser Erdenscheibe zu wandeln, bis unsere Lebensenergie erschöpft ist und wir in die nächste Bewusstseinsebene übergehen können.‘ meinte Hengelder ruhig.

‚Nachdem ich ihm eines seiner Leben genommen habe, stand ich seither in seiner Schuld und die habe ich heute eingelöst, indem ich meinen Bruder verraten habe. Nun besitze ich nichts mehr, außer dem, was ich am Leibe trage und dem Gaul da unten.‘

‚Aber ich besitze ein Bisschen was.‘ meinte Esmeralda. ‚Wenn wir schon am Geschichten erzählen sind, dann habe ich auch noch Eine beizusteuern. Bevor ich diesen widerlichen Widerlichen heiraten musste, lebte ich bei meinen Eltern. Eines Nachts sah ich eine Sternschnuppe und am nächsten Tag fand ich dich, Elvira. Wir nahmen dich zu uns und mir war völlig klar, dass du etwas Besonderes bist. Eines Tages kam der unaussprechlich Widerliche, verfluchte meine Eltern und entführte mich und dich. Ich gelobte ihm, seine Frau zu werden, wenn er dir nichts antun würde. Im Laufe der Jahre habe ich meine magischen Fähigkeiten, sagen wir mal, verbessert. Ich habe ihn verflucht, jeden Tag aufs Neue und irgendwann hat es geklappt. Erst habe ich seine Männlichkeit verflucht und dann seinen Namen. Keiner kann sich mehr an seinen Namen erinnern, er nicht und selbst ich nicht. Dann habe ich mich seiner Magie solange bedient, bis nichts mehr davon übrig war. Nun ist er nur noch eine leere, dumme Hülle und wenn Undrocht mit ihm fertig ist, dann bin ich wohl die glückliche Witwe. Ich habe Stulpe dazu angestiftet alle Wertgegenstände auf die Burg meiner Eltern zu bringen. Jahr für Jahr haben wir alles fortgeschafft, was uns am Herzen lag. Dann kam Hengelder auf die Burg und Stulpe weihte mich ein.‘

‚Mutter und ich dachte immer, du hast auch was mit Hengelder.‘

‚Elvira, du ungezogenes Kind.‘ rief Esmeralda empört.

‚Ich hab gesehen, wie er Nachts immer in dein Zimmer geschlichen ist.‘

‚Ja, aber ich bin nie bis zum Morgen geblieben, Schwesterherz!‘

‚Nein, aber Stulpe!‘ meinte Elvira schnippisch. Utrecht kniete immer noch neben Elvira und blickte verwirrt zwischen den Dreien hin und her. Er konnte kaum glauben, was er da hörte.

‚Sag mal, was hältst du denn von mir?‘

‚Mutter, das mit Stulpe wusste ich schon länger, nur das mit Hengelder hat mich echt verwirrt. Und jeder Mann wäre besser gewesen, als ‚Vater‘! Deswegen hab ich mir nichts weiter dabei gedacht.‘

Emeralda war den Tränen nahe und nahm sie in den Arm. ‚Dann reiten wir jetzt heim!‘

‚Heim Heim!‘ Sie wies Richtung Burg Feuerheyn! ‚Oder Heim Heim. Wo auch immer da ist?‘

‚Heim Heim und es liegt hinter dem Fluss und hinter den Bergen.‘ meinte Esmeralda und wies in die Richtung, wo man Stulpe und Pürkel gerade davon reiten sah.

Elvira stand auf. ‚Bevor wir uns zur der Burg deiner Eltern aufmachen, würde ich mich auch gerne Waschen!‘

Published in: on 26. September 2012 at 20:53  Kommentar verfassen  
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