Schmetterling im Winter…

Schmetterling im Winter…

Schweren Herzens lief ich im Schatten eines Berges zum Gipfel hinauf.

1476421_10201181271640521_209406658_nUnd ob ich schon wanderte im finsteren Tal, so fürchte ich mein Unglück, denn es ist niemand bei mir. So scheint es, doch allein bin ich nie. Und so lief ich durch den Tann und es trieb mich keine Versprechen an. Mich trieb das Untier in mir voran und hinter mir war noch mein unbekannter Verfolger. Sie abzuschütteln war für mich bis jetzt ein sinnloses Unterfangen und so lebte ich mit ihnen in einer merkwürdigen Symbiose. Und doch sind beide ein Teil von mir und entweder komme ich mit ihnen oben am Gipfel an, oder ohne sie, doch ohne sie, komme ich nie an. So lief ich stur den Berg hinauf, mit dem Schalk im Nacken und dem Biest in mir.

Mir war kalt, obwohl der blaue Himmel mich anstrahlte, doch die Sonne stand hinter dem Berg, den ich zu erklimmen versuchte.

Seit Tagen und Wochen trug ich ein flaues Gefühl mit mir herum, irgendwo in meinen Eingeweiden. Zuerst dachte ich, ich wäre krank. Man sagte, ich hätte etwas Falsches gegessen. Also beschloss ich nichts mehr zu essen.

Ich schlief aber auch schlecht. Weil mich das flaue Gefühl sogar in meinen Träumen verfolgte. Etwas was ich nie zu erreichen schien, saß auf meiner Seele und glotze mich an, während es mit einer eisernen Nadel in mein Herz bohrte.

Nun ist von dem halben Pfund Fleisch eh nicht mehr viel übrig geblieben, was sich noch zu zerbrechen lohnte, aber um zu schmerzen, war noch genug davon übrig. So spürte ich, bei jedem Schritt die Nadel in meinem Herzen und ich hörte die Splitter meines Herzens bei jedem Atemzug in meinen Lungen rasseln.

Und mein Atmen ging schwerer bei jedem Schritt. Und die Splitter meines Herzens sangen bei jedem Keuchen meinerseits ihr trauriges Lied für mich. Doch Weinen konnte ich schon lange nicht mehr. Es waren keine Tränen mehr übrig, um weinen zu können.

Doch der Schmerz war deswegen nicht fort. Der Schmerz war mein unbekannter Verfolger, der mir im Nacken saß. Der sich in meiner Seele verbissen hatte und mich mit seinen dunklen Augen anblickte und lachte, während er immer und immer wieder mit der eisernen Nadel ausholte und auf das kleine Etwas einhämmerte, was einmal mein Herz gewesen war.

So wandelte ich atemlos stundenlang auf der dunklen Seite des Berges und bahnte mir meinen mühsamen Weg nach oben.

Was mich am Ende meines Weges erwarten würde, konnte ich nur erfahren, wenn ich den Weg weiter verfolgen würde. Auch wenn der Weg noch so schwer und schmerzlich für mich war, ich musst ihn gehen. Alles hinter mir lassen, was mich vorantrieb.

Der Wind pfiff mir um die Ohren und ich fror und schwitzte zu gleich. Aus meinem Mund kam bei jedem beschwerlichen Atemzug nur noch ein Röcheln und doch konnte ich meinen Atem sehen, wie er sich in der Kälte deutlich abzeichnete.

So schien ich stundenlang zu laufen und doch schien es mir so als würde ich nie ankommen können, weil mich das Untier zurück hielt und mein unliebsamer Verfolger mich weiter quälte.

Das Stechen in meinem Herzen nahm mir auch noch den restlichen Atem. Ich kam ins Straucheln und stützte auf die Knie. Die Sterne tanzten vor meinem inneren Auge herum und der Schwindel hatte meinen Magen gepackt. Und so spie ich mehr heraus, als ich eigentlich hätte kotzen können.

Doch jetzt aufzugeben, lies ich nicht zu. Ich schüttelte meinen unaussprechlichen Besucher ab und rannte los. Ich kam drei Schritte weit, da packte mich das Untier wieder und mein Magen wurde mir in meinen Eingeweiden herumgedreht. So kroch ich weiter wie ein angeschossenes Tier, dass an der ausgestreckten Hand verhungert werden würde. Doch ich kroch weiter. Den unglaublich Unaussprechlichen hinter mir lassen, kroch ich durch den Dreck, bis meine Hände auf Stein trafen. Aber ich kroch weiter, meine Hände rissen auf und ebenso meine Knie, doch ich biss mir auf die Lippe, bis ich Blut schmeckte und ich kroch immer weiter.

Die Tränen waren wieder da, sie rannen über mein Gesicht und ertränkten das Untier in meinem Inneren. Und nach unvorstellbaren Leid und Schmerzen, die jeden anderen in den Wahnsinn getrieben hätten, erhob ich meinen Kopf und die Sonne schickte mir ihre Strahlen, um meine Tränen zu trocknen. Mit letzter Kraft erklomm ich die letzten Schritte und klammerte mich wie ein Ertrinkender an das Gipfelkreuz.

Da saß ich gefühlte Stunden, pumpte wie ein Maikäfer und sog die Sonnenstrahlen in mich auf. Es strahlte mir die grelle Fratze entgegen und sie trocknete meine Tränen. Und ich saß noch solange da, bis sie im Begriff war unterzugehen.

Ich hatte wieder das Gefühl, dass der Verfolger wieder hinter mir war. Ich hatte das Gefühl, als ob 2297_1176180044726399ich seinen Herzschlag schier hinter mir spüren konnte und ich drehte mich ruckartig um, doch da war nichts. Einfach nichts und niemand. Ich war allein. Endlich könnte man meinen. Doch ich habe mich niemals vorher in meinem Leben so einsam und alleine gefühlt, als in dem Moment, als ich begriffen hatte, dass ich meinen Verfolger abgeschüttelt hatte und das Untier nun in meinem Magen die nächsten tausend Jahren unter unvorstellbar qualvollen Schmerzen langsam verdaut werden würde.

Und in dem Moment als mein wahnsinniger Verstand, dass endlich begriffen hatte, flog mir ein Schmetterling ins Gesicht. Er flatterte noch einen Moment taumelnd vor mir und dann flog er der Sonne entgegen und lies mich allein auf dem kragen Felsen zurück. Und doch hatte ich ein kleines Lächeln auf den Lippen.

Es ist einfach alles möglich in einer Welt, in der einem am 23.12 ein Schmetterling in die Fresse fliegt… Man muss nur erkennen, dass es ein gutes Zeichen ist, denn so einen Wink mit dem Schmetterling bekommt man nur einmal im Leben.

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Sprechstunde – Die Geschichte eines Holzfällers – Teil 7

Sprechstunde – Die Geschichte eines Holzfällers – Teil 7

schweiniIn der Wohnstube roch es nach deftigen Eintopf, gebratenen Zwiebeln und Speck. Bruna kochte gerade das Abendessen.

‚Aber das sieht doch schon ganz gut aus!‘ meinte der Heiler zum Holzfäller und erneuerte den Verband.

‚Kann ich aufstehen?‘ fragte Branu ungestüm und war im Begriff aus dem Bett springen zu wollen. Der Heiler hielt ihn zurück und meinte: ‚Na, na, na, morgen, vielleicht!‘

‚Kann ich wenigstens zum Abort gehen?‘

‚Morgen dann, aber überanstrenge dein Bein nicht, sonst waren unsere ganzen Bemühungen für die Katz. Der Eimer wird es heute Nacht für deine kleinen Geschäfte noch tun.‘

‚Muss ich die ganze Zeit im Bett liegen?‘

‚Nein, wenn du eh schon raus humpelst, kannst du morgen ein Bisschen in der Sonne sitzen, aber leg dein Bein hoch!‘

Bruna schaute durch einen Spalt im Vorhang.

‚Ah Bruna, komm nur rein!‘ meinte der Heiler. ‚Sehr gute Arbeit! Ich werd bei Zeiten auf dein inneres Feuer zurückkommen, du kannst viel Leid lindern.‘

‚Ich habe aber keine Ahnung was ich gemacht habe!‘

‚Dein Handabdruck ist auf seiner Wunde eingebrannt.‘

Ein erschrockenes ‚Oh!‘ kam aus ihrem Mund gestolpert, doch der freundliche Gesichtsausdruck des Heilers besänftigte ihren Schrecken und sie fuhr fort. ‚Ich hab einen Moment nicht aufgepasst und dann fing der Verband schon flammen.‘

‚Sehr gut, weiter so!‘ meinte der Heiler und war in der Versuchung ihr auf die Schulter zu klopfen.

‚Irgendwann brennt sie noch das ganze Haus nieder, wenn sie nicht aufpasst!‘ hörten sie Meister Ulgur rufen, der gerade am Vorhang vorbeigelaufen war.

Der Heiler sprang auf und meinte noch: ‚Also immer schön das Bein hochlegen und nicht überanstrengen. Ich schau morgen Abend wieder vorbei.‘

Er war schon hinter dem Vorhang verschwunden, bevor sie ihn rufen hörten: ‚Meister Ulgur!‘

Schweini lief durch den Vorhang und verhedderte sich im ausgerissenen Saum des Vorhangs. Bruna lief zum Schwein und befreite es. ‚Wär ja mal a G’schicht, wenn du durch die Öffnung laufen würdest.‘

Schweini grunzte erbost, so schien es zumindest dem Holzfäller.

‚Ist ja schon gut, ich wollt den Saum schon lang mal um nähen.‘ meinte sie und wand sich wieder zum Holzfäller, der sie belustigt angrinste.

Plötzlich kroch ihr der Geruch von Verbrannten in die Nase. Sie lies das Schwein aufs Bett fallen und blickte auf ihre Hände. Nun roch auch der Holzfäller etwas Verbranntes. Sie drehte sich um und versuchte auf ihren Hintern zu blicken und dann fiel es ihr ein. ‚Bei allen Göttern, mein Kuchen!‘

Und schon stolperte sie durch den Vorhang und er konnte nur noch ein Zischen hören. Bruna hatte wohl wieder den Herd mit bloßen Händen geöffnet.

‚Ach du gute Güte, da wären mir doch beinahe meine Küchlein verbrannt!‘

Der Holzfäller hielt sich die Hand vor den Mund, um ein lautes Loslachen zu verhindern, was ihm nur bedingt gelang.

‚Hör bloß auf zu Lachen!‘ meinte Bruna mürrisch.

‚Ich lach ja gar…!‘ und schon war es um ihn geschehen. Ohrenbetäubendes Gelächter drang durch den Vorhang. Er hielt erst inne, als Bruna ihr wütendes Gesicht im Spalt des Vorhanges auftauchte.

‚Da will wohl einer keinen Kuchen!‘

‚Doch Bruna, sehr gerne.‘

‚Dann hör auf zu Lachen!‘

‚Es tut mir leid, ich höre von dir nur so selten so Sachen wie: Vorhang versäumen und ach du gute Güte, da wären mir doch beinahe meine Küchlein verbrannt!‘ meinte der Holzfäller mit verstellter Stimme.

‚Versucht sie wieder das Haus anzuzünden?‘ meinte Metzger Ulgur, der gerade wieder in die Wohnstube getreten war.

‚Nein, sie hat versucht einen Kuchen zu backen!‘ rief der Holzfäller.

Der Metzger blickte auf den leicht verkohlten Kuchen auf der Anrichte. ‚Ah, die alten Äpfel mussten eh weg. Aber was hast du mit dem Zwiebelkuchen von vorhin gemacht?‘

Diese Geschichte basiert auf dem Hintergrund der Rauriker und den Ereignissen nach dem Imbolcfest (http://www.rauriker.de) Ähnlichkeiten von Personen im realen Leben sind völlig ausgeschlossen und somit reiner Unfug. Wir bitten um Verständnis.

Aufgeschreckt – Die Geschichte eines Holzfällers – Teil 6

Aufgeschreckt – Die Geschichte eines Holzfällers – Teil 6

schweiniEin dumpfer Schmerz zerrte an seinen Träumen und riss ihn unsanft aus dem Schlaf. Er war benommen und sein Kopf rauschte. Sein Bein fühlte sich taub an, schmerzte aber unvorstellbar und er konnte sich nicht bewegen, auch die Arme nicht. Vorsichtig öffnete er ein Auge und sofort rannen ihm Schweißperlen hinein. Hastig kniff er das Auge wieder zu und versuchte sich doch zu bewegen. Er bekam kaum Luft. Es schien so als würde etwas auf seiner Brust sitzen. Röchelnd versuchte er zu sprechen, doch seine Stimme brach und er hustete. Bruna wurde wach und schreckte von seiner Brust hoch. Sie war wohl am Bett sitzend eingeschlafen. Als sie wieder aufrecht da saß, begriff sie erst, das der Holzfäller wach war und panisch versuchte sich aus seiner Verschnürung zu winden. Beruhigende Laute kamen ihr über die Lippen während ihre Hände nach den Seinen suchte, um die Fesseln zu lösen. ‚Sch sch sch! Ich musste dich am Bett festbinden, du bist im Fieber handgreiflich geworden.‘

‚Bruna?‘ hustete der Holzfäller hervor. ‚Hab ich…!‘ Und seine Stimme brach wieder.

Sie legte einen Finger auf seinen Mund und wischte ihm mit einem feuchten Lumpen übers Gesicht. Vorsichtig öffnete er die Augen und blickte in ihre lächelnde Gesicht. ‚Nein, du hast dir keine Schande gemacht und dein Bein ist auch noch dran.‘ Sie musste ein Gähnen unterdrücken und nestelte weiter an seinen Fesseln. Endlich waren seine Hände frei. Und in einer ungeschickten Bewegung ergriff er sie an ihren Schultern, dass ihr vor Schreck der Lumpen aus der Hand fiel. ‚Hab ich dir Schande gemacht?‘ keuchte er ihr ins Gesicht.

Sie schüttelte verschmitzt den Kopf und als ihr Gewahr wurde, dass ihr das Blut in den Kopf stieg, riss sie sich los. Hastig griff sie nach der Wasserkanne und fing auch genauso hastig an zu reden: ‚Du musst viel trinken…!‘ Mit zitternden Fingern goss sie Wasser in einen Becher und setzte ihn an seine Lippen. Er nahm einen Schluck und griff dann nach ihrer Hand.

‚Halt, bevor du mir weiter was einflößt, müsste ich langsam mal was loswerden.‘ sagte er grade heraus.

‚Ja, natürlich! Lass mich erst die Fesseln lösen.‘ Was sie auch machte, dann drückte sie ihm eine Tunika in die Hand und half ihm hoch. ‚Langsam solltest du dir wirklich was anziehen.‘

Dann schob sie ihm einen Eimer vor die Füße und meinte: ‚Ich hoffe, dass schaffst du alleine!‘

Und ehe er sich versah, eilte sie von ihm fort und zog den Vorhang hinter sich zu. Er hörte wie sie sich am Ofen zu schaffen machte, als er sein Bein aus dem Bett hob. Jetzt spürte er es und es schmerzte. Er biss sich auf die Lippe, um ein Stöhnen zu unterdrücken. Nichts desto trotz zog er sich erst seine Tunika an und stutzte nicht schlecht, als er begriff, dass es tatsächlich eines seiner leichten Hemden war.

‚Das ist ja meine Tunika?‚ fragte Branu, über den Vorhang hinweg, während er schwerfällig seine Tunika anzog.

‚Ja, ich war heute untertags bei deiner Hütte und hab dir ein paar Sachen eingepackt und deinen Ochsen geholt. Du hast gestern Nacht im Fieberwahn ziemlich viel wirres Zeug geredet.‘ meinte sie und fuhr umgehend weiter fort, als sie das Plätschern hörte. ‚Aber nachdem du immer nach deinem Ochsen geplärrt hattest, beschloss ich ihn einfach herzuholen. Hab auch die paar Stämme mitgebracht. Nur die Kiefer hab ich liegen lassen.‘

‚Ich werd jeden einzelnen Spreißel von dem krummen Bastard einschüren.‘ fluchte er.

Fortsetzung folgt vielleicht…

Diese Geschichte basiert auf dem Hintergrund der Rauriker und den Ereignissen nach dem Imbolcfest (http://www.rauriker.de) Ähnlichkeiten von Personen im realen Leben sind völlig ausgeschlossen und somit reiner Unfug. Wir bitten um Verständnis.

Wundbrand – Die Geschichte eines Holzfällers – Teil 5

Wundbrand – Die Geschichte eines Holzfällers – Teil 5

schweini‚Er wird Fieber kriegen!‘ hatte der Heiler immer wieder gesagt. Und da lassen sie Bruna mit dem armen Holzfäller allein, wo sie doch gar nichts Kühlendes mehr an sich hatte. Sie betete inbrünstig an die Götter und zwar alle die ihr einfielen, dass sie bis zum Morgengrauen nicht Feuer fing.

Der Holzfäller lag in ihrem Bett und das Fieber beutelte seinen Körper. Der Heiler hatte ihr Kräuterschnaps da gelassen, der gegen Krämpfe helfen sollten, die er auch noch bekommen würde.

‚Du wirst ihn am Bett festbinden müssen! Nicht dass die Wunden wieder aufgehen!‘ Hatte er noch gesagt, bevor er wieder verschwinden wollte. Im Lauf drehte er sich nochmal um und rief über seine Schulter hinweg: ‚Ach, wenn die Wunde durchnässt, versuch vorsichtig den Verband zu wechseln.‘ Er wand sich wieder in ihre Richtung und drückte ihr gleich seinen ganzen Korb in die Hand und verschwand. Des Holzfällers Glück war, dass sie den Heilern in den letzten Tagen gut über die Schulter geschaute hatte, also wusste sie so ungefähr, was zu tun war. Sein Körper fing tatsächlich an zu Krampfen und sie flößte ihm den Schnaps ein. Als er sich wieder ein Wenig beruhigt hatte, stand sie auf und suchte einen Strick. Sie band seinen gewaltigen Körper ordentlich an ihrem Bett fest und blickte dann zufrieden auf ihr Werk. Er faselte wirres Zeug, dass sie kaum verstehen konnte. Sie legte ihm vorsichtig ein feuchtes Tuch auf seine Stirn und als sie sich wieder abwenden wollte, packte er sie an ihrer Tunika und zog sie zu sich aufs Bett. Vielleicht hätte sie ihm auch noch die Hände fesseln sollen. Schweini lief quietschend übers Bett, bevor Bruna das Gleichgewicht verlor und aufs Bett krachte.

Er riss die Augen auf und fing an völlig klar mir ihr zu reden: ‚Holz macht vier mal warm! Einmal beim Umschneiden und einmal beim aus dem Wald holen. Dann beim Hacken und natürlich beim Einschüren!‘

Genauso plötzlich wie er sie ergriffen hatte, löste er seine Umklammerung und sie fiel vor Schreck fast vom Bett. Als sie sich wieder gefangen hatte, band sie auch seine Hände fest. Als sie ihn zudecken wollte, bemerkte sie, dass seine Beinwunde tatsächlich stark nässte und beschloss den Verband zu wechseln.

Sie pfriemelte den Verband ab und noch bevor sie die letzten Lagen des Verbandes abgewickelt hatte, drang schon der Eiter durch die verkrusteten Leinenwickel. Der Gestank des verdorbenen Fleisches, den sie nur zu gut kannte, brachte sie zum Würgen.

Sie band sich ein schnapsgetränktes Tuch um Nase und Mund und wusch sorgfältig seine Wunden aus. Er musste wirklich unglaubliche Schmerzen haben. Tränen standen ihr in den Augen und sie schluckte schwer, als sie den frischen Verband an legte. Sie hatte wohl eine Weile nicht aufgepasst, denn ihre Hände fingen Feuer und brannten sich durch den Verband und als sie sein brandiges Fleisch zischen hörte, zuckte sie zurück.

Nach hinten stolpernd, hechtete sie zum Wassereimer und versenkte ihre Hände darin. Sie versuchte sich zu beruhigen, atmete tief durch und blickte zu dem Bein hinüber. Der Verband schmurgelte noch vor sich hin. Mit einem nassen Lumpen um die Hände schlich sie wieder zum Bett und versorgte erneut die Wunde. Die brandigen Stellen waren nun kross gebacken. Zumindest würde es nun nicht mehr eitern. Sie schmierte mit einem frischen Tuch eine Wundsalbe über die ausgebrannten Stellen und machte erneut einen Verband.

Diese Nacht sollte tatsächlich die Schlimmste werden, denn nach dem versehentlichen Ausbrennen, stieg das Fieber nochmal an und er fieberte wieder lautstark vor sich hin.

Er rief nach seinem Zweiender. Doch sie brauchte bis zum Morgengrauen, bis sie verstand, was er da vor sich hin faselte. Er befürchtete, dass sein Ochse, auch Zweiender genannt, verhungern oder erfrieren könnte. Außerdem schreckte er mehrmals hoch und war sich ziemlich sicher das Feuer in seiner Hütte angelassen zu haben. Er arbeitete gegen die Fesseln und kämpfe gegen seine Bewegungsunfähigkeit an. Sie war heilfroh, dass sie ihn ordentlich fixiert hatte, aber dafür schien sein Verstand mit ihm durchzugehen.

Fortsetzung folgt vielleicht…

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Schüttelfrost – Die Geschichte eines Holzfällers – Teil 4

Schüttelfrost – Die Geschichte eines Holzfällers – Teil 4

schweiniBruna kam an ihr Bett getreten und blickte auf den bewusstlosen Körper des Holzfällers. Er hatte Schweini im Arm und sabberte auf ihr Kopfkissen. Mit einer erhobenen Augenbraue zog sie ein Tuch von ihrem Gürtel und wischte ihm über den Mund und stopfte das Tuch dann unter sein Gesicht. Sein Körper wurde immer noch von heftigen Schüttelfrost gebeutelt. Kopfschüttelnd ging sie zum Ofen, öffnete ihn mit der bloßen Hand und schürte nach.
Hinter sich hörte sie ein Stöhnen. Sie goss einen Tee auf und ging dann mit Kanne und Becher bewaffnet zum Bett zurück.
Er regte sich und öffnete eines seiner Augen. Beruhigende Geräusche stolperten aus ihrem Mund, während sie sich an die Bettkante setzte. Er stöhnte laut und drückte das Schwein liebevoll an sich.
Er küsste es und flüstere dann heiser: ‚Braves Schwein, das hast du gut gemacht!‘
Bruna verdrehte die Augen und zischte ihm zu: ‚Ich möchte eure Zweisamkeit nur ungern stören, aber ihr Beide liegt in meinem Bett und ich verbitte mir jedliche Art von Schweinereien.‘
Er blickte fragend über das Schwein hinweg und krächzte heiser: ‚Oh, ich kann doch…nicht!‘
‚Nein kannst du nicht. Aber Vater dachte, es wäre besser dich zu uns zu bringen, als zu deiner Verwandtschaft!‘ meinte sie, goss Tee in den Becher und machte Anstalten ihm den Tee einflößen. ‚Du musst viel trinken!‘
Zwischen den Schlucken, fragte er beschämt: ‚Hab ich mir Schande gemacht?‘
‚Da musst du die Heiler fragen, die haben dich ausgezogen!‘ meinte Bruna und grinste ihn saublöd an. Der Holzfäller verschluckte sich fast, hustete erstickt unter Schmerzen und stammelte: ‚Ich… ich… bin?!‘
‚Ja, und mein Vater wird dich töten, wenn du was versuchst?‘ meinte Bruna ernst.
Branu musste lächeln, was ihm erschreckend gut gelang, in Anbetracht dessen, was er die letzten paar Tage durchgemacht hatte. Sie flößte ihm den restlichen Tee ein und stand dann auf.
Als sie mit einer Schüssel voll Suppe wieder zum Bett kam, waren seine Augen wieder geschlossen.
Sie setzte sich wieder an die Bettkante und wartete einen Moment. Er schreckte hoch und blickte sie entsetzt an. Wieder kamen ihr beruhigende Laute über die Lippen.
‚Ich hab noch Suppe für dich, dann lass ich dich in Ruh!‘ flüsterte sie und hielt ihm den Löffel hin. Er lies sich füttern und blickte sie unverwandt an.
‚Die Heiler kommen nachher wieder und schauen nach deinem Bein!‘
In dem Moment, als sie sein Bein erwähnte, schien es ihm wieder in den Sinn gekommen zu sein, warum er in ihrem Bett lag und blickte nun noch verstörter.
‚Es ist noch dran!‘ meinte sie kurz und löffelte ihm weiter die Suppe in den Mund. ‚Und du wirst ne Zeit lang nicht in den Wald gehen können!‘
Er rappelte sich auf und zog an der Decke.
‚Hehe, was hast du vor?‘ rief Bruna erschrocken und sprang von der Bettkante auf.
‚Ich will mich selbst überzeugen, dass es noch dran ist…!‘ krächzte er und riss weiter an der Decke. ‚Weil… weil… ich kann es nicht spüren!‘
Das Schwein wurde wach und quietschte aufgeregt. Sie hatte die Schüssel beiseite gestellt, hob die Decke behutsam an und meinte dann: ‚Es ist ein Wunder, dass du deine Finger noch spürst, geschweige denn deine Zehen!‘
Entsetzt blickte er auf sein Bein, dass mit blutigen Leinenbinden verbunden und dann geschient worden war. ‚Jeder Andere hätte sich da draußen auch noch was ab gefroren.‘
Er griff mit zitternden Fingern an sein Knie und hob es an. ‚Es ist tot…!‘ Er schluckte schwer und lies sein Bein wieder sinken.
‚Die Heiler haben dir jeden Menge Zeuch gegen die Schmerzen eingeflößt. Sei froh um jeden Moment, wo du nicht vor Schmerzen schreist.‘ meinte sie und deckte sein Bein wieder vorsichtig zu.
Sie musste sich ein Gähnen verkneifen und fuhr fort. ‚Du solltest versuchen noch ein Bisschen zu schlafen. Ich hab dir einen Eimer hingestellt, wenn du pinkeln musst und Schweini, wenn du in mein Bett machst, mache ich einen Rollbraten aus dir!‘

Sie zog ihm die Decke zurecht und meinte noch: ‚Wenn was ist, musst du schreien, ich schlaf unterm Dach.‘
‚Bruna!‘ rief er ihr hinterher. ‚Danke!‘
Doch sie war schon hinter dem Vorhang verschwunden.

Fortsetzung folgt vielleicht…

Diese Geschichte basiert auf dem Hintergrund der Rauriker und den Ereignissen nach dem Imbolcfest (http://www.rauriker.de) Ähnlichkeiten von Personen im realen Leben sind völlig ausgeschlossen und somit reiner Unfug. Wir bitten um Verständnis.

Bein durch? Die Geschichte eines Holzfällers Teil 3

Bein durch? Die Geschichte eines Holzfällers Teil 3

hirschEtwas schritt auf die Lichtung. Er hielt inne und blickte nach hinten. In den letzten Sonnenstrahlen die auf die Lichtung schienen, trat ein Hirsch auf die Lichtung. Ein weißer Hirsch. Das Sonnenlicht schimmerte auf seinem Fell und es begann wieder zu schneien. Dicke Schneeflocken fielen Branu ins Gesicht, so dass er für einen Moment die Augen schließen musste. Der Zwölfender schritt erhaben auf ihn zu und nun war ihm klar, dass der Zwölfender ihn mitnehmen wollte. Der gehörnte Hirschgott war in der Gestalt des weißen Hirschen zu ihm gekommen, um ihn zu seinen Ahnen zu geleiten. Das war sein Ende, obwohl eine große Ehre mit dem Hüter des Waldes zu gehen, aber nein, er wollte noch nicht gehen. Wenn er jetzt aufgab, dann müsste er das alles hier zurücklassen. Den Wald und seine Hütte. Es war zwar nicht viel, aber das Bisschen hielt ihn noch am Leben. Er konnte noch nicht gehen. Jetzt noch nicht und wenn er auf seinem Stumpf zurück ins Dorf kriechen musste, er wollte noch nicht sterben.

In seinem Wahn könnte er das Wiehern der Pferde und die Rufe nicht mehr hören. Der weiße Hirsch trabte an ihm vorbei und Branu holte noch einmal aus und als er auf sein Bein schlagen wollte, hielt jemand seine Axt fest.

‚Wenn du das machst, werden wir nicht mehr um die Wette laufen können, wie wir es als Kinder immer getan haben.‘ raunte ihn eine Stimme von oben aus an. Er öffnete die Augen und blickte in das ernste Gesicht der Metzgerstochter. Sie zog eine Augenbraue hoch und grinste ihn grimmig an. Und irgendwas Nasses drang an sein Ohr. Doch Branu klammerte sich immer noch an seine Axt und blickte starr an ihr vorbei.

‚Lass die Axt los, bevor du dir noch ins Bein schlägst!‘ rief eine weitere Stimme. Branu zwinkerte, er schien seinen Augen nicht zu trauen, es war tatsächlich der Metzger Ulgur, der da mit ihm sprach. Er saß auf einem mächtigen Ross, dass aufgeregt zu schnauben begann. Kraftlos lies Branu die Axt los und Bruna legte sie beiseite. Dann kniete sich sich neben ihn und zog einen Handschuh aus.

‚Sperr deinen Schnabel auf, ich hab was für dich!‘ meinte sie zu ihm und entkorkte ein Fläschchen, dass sie aus ihrer Tasche gezaubert hatte. Er tat was ihm geheißen und sie goss ihm den Inhalt in den Mund. Er schmeckte grausam, aber er wagte es nicht zu würgen.

Ulgur war bereits von seinem Pferd abgestiegen und machte sich an dem Baumwipfel zu schaffen, während Bruna dem Holzfäller warme Brühe in den Mund laufen lies. Dann zog sie den zweiten Handschuh aus und griff nach seinen Fingern. Als ihre Finger die Seinen berührten, dachte er, sie würden in Flammen aufgehen. Er versuchte zu schreien, doch die Laute kamen nur als Krächzen aus seiner Kehle. Dann zog sie ihm ihre Handschuhe über seine Hände. So vorsichtig wie es ihr möglich war, berührte sie seine Nase und seine Ohren und dann erst widmete sie sich seinem Bein, oder was davon noch übrig war. Vorsichtig versuchte sie den Stofffetzen vom Bein zu ziehen. Er klebte fest. Sie zog einen Wasserschlauch von ihrem Gürtel, öffnete den Verschluss und wartete auf ein Zeichen ihres Vaters.

‚Das könnte jetzt ein bisschen Ziepen!‘ sagte sie fast beiläufig und goss den Inhalt des Wasserschlauches über sein Bein, Dampf stieg auf und der Geruch von Schnaps drang in seine Nase. Er drehte seinen Kopf auf die Seite und rang nach Luft. Schweini quietschte vor Freude und leckte ihm übers Gesicht. Das Ferkel saß schon die ganze Zeit neben seinem Kopf und hatte an seinem Ohr geleckt. Branu sah im Augenwinkel, wie der Metzgermeister seinen Gaul antrieb. Bruna goss den restlichen Inhalt des Wasserschlauches über sein Bein. Der Schmerz war unbeschreiblich und er klammerte sich kraftlos an das Schwein und wimmerte nur noch. Mit einem schlürfenden Geräusch wurde der Lumpen von der Wunde gezogen und der Baumwipfel wurde mit einem Ruck hochgezogen. Der darauffolgende Schmerz lies ihm endgültig die Sinne schwinden. Von ganz weit entfernt konnte er die Stimme der Metzgerstochter in sein Ohr säuseln hören. ‚Du wirst einen neuen Schuh brauchen!‘

Mal ganz davon abgesehen, dass die Metzgerstochter des Säuselns gar nicht fähig war, hätte er die lauten Rufe ihrerseits wohl nicht mehr gehört. Bruna packte ihn und schleifte seinen reglosen Körper ein paar Schritte von dem Baum weg. Während der Metzger den Baumwipfel wieder runter ließ, versorgte sie das Bein des Holzfällers so gut es in der Eile ging. Es war bereits Dunkel geworden, als sie ihn in größter Eile auf einer Trage nach Hoimarshold zurück brachten, wo dann einige Heiler und Feldscher sich um ihn kümmerten. Eine ganze Nacht und einen ganzen Tag waren sie bei ihm geblieben und Bruna konnte nur die Gesänge und Gebete der Heilkundigen hören, die aus ihrer Kammer drangen. Ihr Vater war wie immer mies gelaunt und er hatte ihr verboten ihre eigene Kemenate zu betreten, solange der Holzfäller in ihrem Bette lag.

Sie hatte sich auf dem Speicher ein grobes Stück Leinen in zwischen die Giebel gehängt und schlief dort, wo die geräucherten Schinken und Würsten zum Trocknen gelagert wurden. Da war es einerseits viel kühler und anderseits viel sicherer für Haus und Hof. Nur für den Fall, dass sie im Schlaf wieder Feuer fing, würde erst ihre Hängematte durchbrennen und beim Sturz auf die harten Balken des Dachbodens würde sie wahrscheinlich aufwachen.

Am frühen Abend stand Bruna draußen im Hof und brühte frisch geschlachtete Schweine mit den bloßen Händen ab, als sich jemand hinter ihr räusperte. Sie drehte sich um und einer der Heiler stand in der Tür.

‚Er ist erst mal übern Berg. Er wird Fieber kriegen. Jemand muss in der Nacht bei ihm sitzen und die kalten Wickel wechseln.‘

Ihr Vater plärrte aus der Metzgerstube: ‚Und der Jemand wirst du sein, liebe Tochter!‘

Dann kam eine Heilerin und schob sich an dem Heiler vorbei durch die Tür. ‚Gut gut, da hab ich noch ein paar Kräuter gegen Wundbrand. Da machst du einen Tee und flößt ihm den ein. Wir kommen morgen in der Früh und wechseln den Verband. Wenn er wach wird, kannst du ihm Suppe geben.‘

Dann verschwanden die beiden Heiler und ließen die verdutzte Metzgerstochter vor der offenen Tür zurück.

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Baum durch? Die Geschichte eines Holzfällers Teil 2

Baum durch? Die Geschichte eines Holzfällers Teil 2

DACHSNebel kam auf und mit dem Nebel zog die Feuchtigkeit auch die Kälte an. Trotz des Tauwetters war es immer noch Winter und er musste zusehen, dass er heute Nacht nicht erfrieren würde. Er schlug weitere Äste vom Baum ab und legte sie unter sich. Sein Atem stieg auf und gefror in der Luft.

Er würde erfrieren wenn er sich nicht bewegte. Langsam begann er mit dem Messer auf den Stamm einzuschlagen, doch jeder Hieb auf den Stamm, trieb auch den Schmerz durch sein Bein. Er hieb solange auf den Stamm ein, wie er konnte. Seine Schreie hallten noch durch den Wald, als er schon längst ohnmächtig zusammengebrochen war.

Mitten in der Nacht wurde er wach. Vor Schmerz. Seine Sinne waren nicht ganz bei ihm, es war dunkel und ihm war eiskalt. Seine Augen suchten nach dem Stamm und dank dem Mondschein zeichneten sich langsam Umrisse seiner Umgebung ab. Zitternd versuchte er sich zu regen und dann hörte er ein schmatzendes Geräusch. Er fuhr hoch und überraschte einen Dachs, wie er sich an seinem Bein labte. Der Dachs hatte bemerkt, dass er sich regte und fauchte ihn mit gefletschten Zähnen an. Blut und Geifer rann ihm aus der grässlichen Fratze. Panisch tastete er nach seinem Messer und als der Dachs zum Angriff überging, hatte Branu ihm auch schon sein Messer durch seinen Schädel getrieben. Sein Herz sprang ihm schier aus der Brust und er sank mit dem toten Tier in den Händen wieder auf die Äste zurück, die unter seinem Gewicht laut knirschten. Der Mond spiegelte sich in den starren Augen des Tieres und Blut rann aus dem geöffneten Maul auf den Holzfäller hernieder. Es blieb ihm nichts anderes übrig, als das Blut des toten Dachs zu trinken. Das nennt man wohl ausgleichende Gerechtigkeit. Der Körper des Dachs war noch warm, doch Branu begann wieder zu frieren. Er versuchte irgendwie sein Bein wieder abzudecken, dann schlitzte er den Dachs auf und deckte sich mit ihm zu. Das Innere des Dachs stank erbärmlich, aber es half alles nichts, lieber erstunken als erfroren.

Er wurde wach, als die ersten Sonnenstrahlen den Reif auf seinem Gesicht fort schmolz. Im Halbschlaf dachte er Schweini wäre wieder da. Aber als er die Augen aufschlug, war er allein. Er lebte noch, aber der Baum lag immer noch auf seinem Bein. Auf ihm lag ein toter Dachs. Er hatte also nicht geträumt. Mit holprigen Bewegungen versuchte er den toten Dachs von ihm runter zu schieben, doch er war auf ihm festgefroren. Mit einem reißenden Geräusch trennte sich der aufgeschlitzte Körper von seinem Bauch und er warf ihn zur Seite.

Zum Aufwärmen versuchte er wieder seine Axt zu erreichen. Diesmal band er zwei Äste aneinander. Er kam ganz schön ins Schwitzen, aber nach gefühlten Stunden hatte er endlich seine Axt in Händen. Der erste Schlag auf den Baum lies ihn laut aufschreien. Und jeder Weitere schlug eine Schmerzwelle nach der Anderen durch sein Bein. Er biss aber die Zähne zusammen und drosch weiter auf den verdammten Baum ein. Seine Großmutter hatte immer zu ihm gesagt: ‚So lange du Schmerzen hast, lebst du noch!‘

Die Sonne schickte sich schon an, wieder hinter der Baumreihe zu verschwinden zu wollen und Branu war am Ende seiner Kräfte. Seine Hände waren bereits blutig, aber er musste weiter machen. Er befürchtete wenn er nur einen Moment inne hielt, würde dies sein Ende bedeuten. Unaufhörlich versuchte er weiter seine Axt durch den Stamm zu treiben. Schweiß rann ihm vom Gesicht und sein Atem war nur noch ein Keuchen. Schwindel überkam ihn und er hielt doch inne, um etwas Schnee zu essen. Der tote Dachs grinste ihn saublöd an. Er schnitt sich ein Stück von dem Fleisch ab und kaute dann auf dem gefrorenen Fleisch herum.

Mit einem grimmigen Gesichtsausdruck erhob er wieder die Axt und schlug weiter auf den Stamm ein. Er schwor sich, dass er jedes einzelne Fitzelchen von diesem Baum verbrennen würde, wenn er diesen Baum überleben sollte. Seine Schläge hämmerten unaufhörlich auf den Stamm ein, doch seine Schreie wurden immer schwächer, bis nur noch ein heiseres Krächzen aus seiner Kehle kam.

Völlig außer Puste stürzte er erschöpft in den Schnee und ging nochmal seine Möglichkeiten durch. Wenn er den Stamm nicht bezwingen konnte, dann würde er sich sein Bein abhacken müssen. Und dann würde er sich aus dem krümmen Hund ein schönes Holzbein schnitzen, aber bevor es noch soweit kam, schlug er weiter auf den Stamm ein, bis er endlich durch war. Der Baumwipfel war frei und drehte sich nach hinten. Er schrie wieder, als der Wipfel über sein Schienbein rollte und er konnte den Knochen unter dem Holz mehrmals knacken hören. Die Schmerzen waren unvorstellbar, doch ihm fehlte die Kraft und die Stimme, um seinen Schmerzen Luft zu machen. So kam nur noch ein Wimmern aus seiner Kehle. Er schöpft lies er die Axt sinken und blickte grimmig auf seinen Widersacher.

‚Entweder du oder mein Bein!‘ flüsterte er heiser, rutschte ein Wenig auf die Seite und hob die Axt. Er wählte den Baum und schlug ein ganzen Stück oberhalb weiter auf den Stamm ein. Das machte er so lange, bis seine Kräfte ihn endgültig verlassen wollten. Seine Arme zitterten und neben seinem Bein, konnte er auch seine Finger nicht mehr spüren. Er war mehr als verzweifelt. Dann wird es doch sein Bein sein. Es musste sein Bein sein. Noch konnte er zu seiner Hütte kriechen. Er zog den Gürtel noch enger um seinen Oberschenkel und machte sich bereit, sich von seinem Bein zu trennen. Er hob wieder die Axt und zauderte. Plötzlich hörte er Geräusche hinter sich.

Fortsetzung folgt in: Bein durch? Die Geschichte eines Holzfällers Teil 3

Diese Geschichte basiert auf dem Hintergrund der Rauriker und den Ereignissen nach dem Imbolcfest (http://www.rauriker.de) Ähnlichkeiten von Personen im realen Leben sind völlig ausgeschlossen und somit reiner Unfug. Wir bitten um Verständnis.

Vorsicht Baum fällt…Die Geschichte eines Holzfällers Teil 1

Vorsicht Baum fällt…

Die Geschichte eines Holzfällers Teil 1

schweiniDen Mond im Rücken ging der Holzfäller Branu der Morgenröte entgegen. Seine Axt auf der Schulter und ein trauriges Lied auf den Lippen. Die Ereignisse der letzten Tage stimmten ihn nachdenklich, aber er hatte seine Arbeit vor dem Fest quasi im Wald liegen lassen.

Er hatte schon die Baumgrenze überquert und lief einen kleinen Weg entlang, der mitten durch den Wald führte. Der Schnee war vom Tauwetter matschig und überall fielen dicke Tropfen von den Bäumen. Er rutschte einen Abhang hinunter und lief eine ganze Weile den Bach entlang, bis ihm gewahr wurde, dass ihn jemand verfolgte. Er drehte sich um und sah, wie ein kleines Etwas durch den matschigen Schnee auf ihn zu lief. Es war Schweini.

Erst als das völlig verdreckte Ferkel ihm gegen die Beine sprang, begriff er, dass das Schwein den ganzen Weg vom Dorf bis hier her gelaufen sein musste und obwohl es noch so klein war, hatte es tapfer durchgehalten.

‚Na, Schweini!‘ meinte er und hob es hoch. Schneematsch tropfte vom Körper des Ferkels und es zitterte, wohl mehr vor Aufregung, als vor Kälte. ‚Ist was passiert mit deinem Frauchen, oder hast du jetzt einen Narren an mir gefressen?‘

Das Schwein leckte über seine Hand und das war ihm Antwort genug. Er schüttelte es ein Wenig, damit der größte Dreck vom Schwein herunter fiel und klemmte es sich dann unter den Arm und lief beschwingt weiter.

Es war ein ganz schönes Stück bis zu seiner Hütte, aber mit dem Schwein war der Weg nicht ganz so eintönig. Sie kreuzten den Bach und liefen tiefer in den Wald hinein, bis sie zur Mittagsstunde an der Holzfällerhütte ankamen. Sein Zugochse stand im Gatter und glotzte ihn blöde an.

Er öffnete die Hütte, machte Feuer und gab dem Schwein ein paar Eicheln zum Fressen. Dann machten sie sich auf, zu der Stelle, wo er vor ein paar Tagen noch am Brennholz schlagen war.

Eine Fichte lag quer über einer Lichtung und einige Stämme lagen aufgereiht am Wegesrand. Er war vor dem Fest nicht damit fertig geworden. Beim Ausasteln lief das Schwein um ihn herum und freute sich um die vielen Tannenzapfen, die kreuz und quer auf der Lichtung verstreut waren. Das Schwein war ziemlich schlau, es trug alle Zapfen und kleine Äste auf einem Haufen zusammen.

Morgen würde er die Stämme mit seinem Ochsen ins Dorf bringen. Bis dahin sollte er sich auch überlegen, ob er nun bei der Metzgerei Ulgur aushelfen wollte, oder ob er es lieber bleiben lassen sollte.

Nachdenklich lief er zu einer Kiefer, die ganz schön krumm gewachsen war und quer im Wald stand. Den Baum wollte er schon lange mal fällen, weil der krumme Hund alle anderen Bäume am Wachsen hinderte.

Zum Verbrennen war er zu schade, aber zum Verarbeiten war er zu krumm gewachsen. Irgendwas würde ihm dann schon einfallen, wenn er den erst mal bezwungen und zu seiner Hütte gebracht hatte.

Der zähe Hund verlangte ihm alles ab und kurz bevor der Baum fallen würde, vergewisserte er sich, dass das Schwein in Sicherheit war. War es nicht, deswegen lief er los und wollte es außer Reichweite bringen. Er hatte den Wind noch im Nacken gespürt und da vernahm er das Krachen. Hastig blickte er sich um und sah wie der Baum sich neigte und zu fallen drohte. Er packte das Schwein und lief in die andere Richtung davon. In ausreichender Entfernung, so dachte er, hielt er inne und blickte sich noch mal um. Der Baum hatte sich gedreht und fiel in seine Richtung. Hecktisch stürzte er zur Seite, blieb an einer Wurzel hängen, die im Schnee nicht zu sehen war und fiel in den Matsch. Er konnte gerade noch das Schwein von sich schleudern und dann begruben ihn die verdrehten Äste seines Widersachers. Die Wintervögel flatterten aufgescheucht über die Baumwipfel davon. Ein dumpfer Schlag gefolgt von einem unsäglichen Schmerz, ließen ihm die Sinne schwinden.

Er wurde erst wieder wach, als er das Schwein aufgeregt Grunzen hörte. Es leckte ihm übers Gesicht. Er öffnete die Augen und sah nur die Schweineschnauze und die Zunge, die ihm quer übers Gesicht schlabberte. Benommen griff er nach dem Schwein und drückte es an sich, dann versuchte er aufzustehen und da war wieder dieser Schmerz. Der Versuch sich aufzusetzen wurde von den Ästen verhindert und die Nadeln stachen in sein Gesicht. Und nachdem er sein Bein beim Sturz auch noch verdreht hatte, lies er zuerst das Schwein los und dann versuchte er seinen Körper zu drehen und sich aufzusetzen. Er schrie vor Schmerz, sein Bein war von dem Baumstamm begraben worden. Diese alte, knorrige Kiefer hatte ihre Windungen tief in die Erde gegraben und irgendwo darunter war sein Bein, dass er vom Knie abwärts kaum noch spürte. Und da wo mal sein Bein gewesen war, waren nur noch unvorstellbare Schmerzen. Als ihm seine ausweglose Lage vollends gewahr wurde, rief er nach dem Schwein, dass immer noch folgsam neben ihm ausgeharrt hatte.

‚Schweini, such meine Axt, bring mir meine Axt! Los such die Axt!‘

Das Schwein lief los und er konnte es am Boden schnuppern hören. Er war sich nicht ganz sicher, ob das Schwein wusste, dass es kein Hund war. Durch die Äste hindurch konnte er eine gewaltige Blutlache im Schnee erkennen. Er zog seinen Gürtel aus und band sich unter starken Schmerzen das Bein am Oberschenkel ab. Erschöpft blieb er liegen, bis er wieder das Schwein in seiner Nähe hörte, wie es etwas Schweres über den Boden zog. Er versuchte seinen Kopf nach dem Geräusch zu drehen und sah, wie das Schwein sich unweit von ihm mit der Axt abkämpfte und irgendwann erschöpft in einem Schneehaufen liegen bliebt.

Er versuchte es zu rufen, aber das blöde Schwein reagierte nicht mehr. Er rief aus Leibeskräften, aber das Schwein lag regungslos im kalten Schnee. Die Metzgerstochter würde ihn umbringen, wenn ihr Schwein tot wäre, aber er würde auch sterben, wenn er hier nicht fortkommen würde.

In seiner Not, bewarf er das Schwein mit Tannenzapfen. Keine Reaktion. Und als er nichts mehr zu werfen hatte, warf er mit Schneebällen, bis er wieder vor Erschöpfung inne hielt. Plötzlich sprang das Schwein auf, lief zu dem Holzfäller hinüber und leckte wieder an ihm.

‚Schweini, lauf zu deinem Frauchen und hol Hilfe!‘ keuchte er und das Schwein schaute ihn nur verständnislos an. ‚Lauf nach Hause. Lauf zu Bruna. Los, hol Hilfe!‘ krächzte er und die Verzweiflung in seiner Stimme bewegte das Schwein tatsächlich fortzulaufen und er hoffte inständig, dass es ihn verstanden hätte.

Völlig außer Atem legte er seinen Kopf wieder in den Schneematsch und sah seine Axt in der Sonne blitzen. So weit war sie gar nicht mehr von ihm entfernt. Er kramte nach seinem Seil, dass er für gewöhnlich immer am Gürtel trug. Er musste es in der Hast vom Gürtel gezogen haben, als er sein Bein abgebunden hatte. Das Seil lag unter ihm und er fand auch noch sein Brotzeitmesser. Er packte das Messer und schlug damit ein paar Zweige ab, die ihm im Weg waren. Als kleine Anmerkung, sein Brotzeitmesser war größer noch, als so manches Kurzschwert. Und wenn er seine Axt nicht erreichen konnte, dann würde er sich eben frei schnitzen. Jetzt hieß es er oder der Baum.

Er versuchte die losen Äste unter sich zu schieben, dass er einerseits nicht weiter im Nassen lag und anderseits sich besser abstützen konnte.

Ein Blick auf sein Bein erinnerte ihn an die arme Sau, die er gestern noch auf dem Tisch des Metzgers gesehen hatte. Er riss sich ein Stück seiner Tunika ab und versuchte das Bein so gut es ging abzudecken, damit nicht noch mehr Dreck in die Wunde fiel.

Über sich konnte er drei Raben kreisen sehen. In seiner Lage konnte es nur ein schlechtes Omen sein, auch wenn die alten Weiber immer sagten, dass wenn man einen Raben sieht, es etwas Schlimmes bedeutet und bei zwei Raben würde einem was Gutes widerfahren. Aber von drei Raben haben sie nie gesprochen. Während er über die Raben nachdachte, aß er Schnee und überlegte dann wie er an seine Axt gelangen konnte.

Er band eine Astgabel an das Seil und versuchte sein Glück. Es dämmerte bereits, als er erschöpft zusammenbrach. Und die Axt lag immer noch an Ort und Stelle.

Fortsetzung folgt in: Baum durch? Die Geschichte eines Holzfällers Teil 2

Diese Geschichte basiert auf dem Hintergrund der Rauriker und den Ereignissen nach dem Imbolcfest (http://www.rauriker.de) Ähnlichkeiten von Personen im realen Leben sind völlig ausgeschlossen und somit reiner Unfug. Wir bitten um Verständnis.

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