20. Türchen: Der einzige Grund morgens nicht aufzustehen…

20. Türchen: Der einzige Grund morgens nicht aufzustehen…

Ich wache auf. Der Wecker ging nicht. Es ist 10 Uhr und ich hätte doch schon längst im Büro sein sollen. Ich stolpere ins Bad und stolpere über meine Schuhe und stürze. Vor meiner Nase blinkt was.

Mist, ich hab die Waschmaschine gestern nicht eingeschaltet. Zwischen Pinkeln und Zähne putzen, schalte ich schnell die Waschmaschine ein und stürme wieder ins Wohnzimmer um mich anzuziehen. Mit einem Bein in der Hose hüpfe ich im Wohnzimmer umher und suche meine Schuhe.

Die sind natürlich im Bad. Bin ich ja vorhin auch drüber gestolpert. Toll. Als ich mir die Schuhe zubinde, was ich eigentlich nie mache, da hätte es mir eigentlich schon auffallen müssen, dass hier irgendwas nicht stimmt. Ich starre meine Waschmaschine an, weil ich etwas Blaues im Augenwinkel gesehen habe. Da wieder. Was ist das bloß. Das Wasser füllt sich hinter der Scheibe und meine Stempelkarte schwimmt vorbei. Hm. Ich schüttle den Kopf und blicke nochmal ins Innere meiner Waschmaschine. Was für ein Mist. Wie komme ich jetzt in die Arbeit? Ohne meine Stempelkarte komme ich doch nicht in den Hochsicherheitstrakt.

Kurzerhand ziehe ich den Stecker meiner Waschmaschine. 21. 22. Und den Stecker wieder in die Steckdose, drehe den Regler auf Abpumpen und harre der Dinge, die sich vor meinen Augen in Zeitlupe abspielen, als ich auf Starten drücke. Alle Lichter fangen heftig zum Blinken an und meine Waschmaschine macht ein seltsames Geräusch. Ein sehr seltsames Geräusch. Was sich wenige Momente später als das Pfeifen aus dem letzten Loch entpuppte. Wusa. Verdammt. Ohne Waschmaschine bin ich ja mal völlig aufgeschmissen. Was für eine verschissene Scheiße. Und scheiß auf die Stempelkarte, meine Waschmaschine…ein langer durchdringender Schrei meinerseits weckte mich. Verwirrt schau ich auf meine Uhr es ist 10.20 Uhr. Ich stehe auf und renne aus der Wohnung zu meinem Auto. In meinem Auto liegt auch tatsächlich meine Stempelkarte. Erst jetzt wird mir bewusst, dass ich in Unterhemd und Shorts in meiner Einfahrt stehe. Meine Zipfelmütze ist mir in den Nacken gerutscht. Nun schauen mich alle meine Nachbarn an, die natürlich alle draußen sind, um Schnee zu schippen. Der Schnee schmilzt unter meinen Füßen und meine Socken werden nass. ‚Schönen Sonntag, Frau Rösner!‘

Ich gehe leicht debil grinsend rückwärts wieder zur Haustür. Ich gehe hoch und lege mich wieder ins Bett. Am Sonntag muss keiner ins Amt. Und scheiß auf die Waschmaschine. Der einzige Grund morgens nicht aufzustehen ist, es ist Sonntag. Verfickte Scheiße. Sonntag verdammt.

Eine der lang verschollenen Adventskalendergeschichten aus dem Jahre 2009

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