Ruf der Hörner

Ruf der Hörner

Ein laues Lüftchen wabert um meine Ohren. Der erste heiße Tag dieses Sommers, so scheint mir. Mich fröstelt es trotzdem. Meine Gedanken sind noch beim Regen der letzten Tage. Mein Gemüt kann sich noch nicht richtig an die Sonne gewöhnen. Mein Herz erwartet den Regen zurück. Ich wundere mich nicht, dass niemand auf der Straße zu sein scheint und laufe zu meinem Wagen und steige ein. Mit einem merkwürdigen Gefühl im Magen fahre ich nach Hause. Die Straßen sind leer, wie ausgestorben. Keine Menschenseele ist unterwegs. Hm. Ist vielleicht doch schon ganz schön spät geworden. Ich halte an einer roten Ampel. Eine Trambahn fährt vorbei. Es sitzt keiner in dieser Tram. Kein einziger Gast. Keiner bis auf den Fahrer. Ich schüttle den Kopf, es wird grün und ich fahre weiter. Ich will nach hause in mein Bett und mir die Decke über den Kopf ziehen. Der Wind wird stärker und es wehen Blätter über die Straße. Hm. Von weiten kann ich das Geräusch von Rufhörnern hören. Ich denke mir nichts dabei. Es wird diesig und die Sicht wird immer schlechter. Hm. Eben war das Wetter doch noch auf Sommer eingestellt. Als dichter Nebel aufzieht und ich über die Landstraße brettere, wird es mir richtig mulmig. Die Rufe der Hörner begleiten mich. Sag mal, bin ich im falschen Film. Mittlerweile sehe ich fast nichts mehr von der Straße. Nur der Mittelstreifen weist mir den Weg nach Hause. Und die singenden Seitenstreifen ermahnen mich langsamer zu fahren und darauf zu achten, nicht vom Weg abzukommen. Weit entfernt kann ich nur ein paar weiße Lichter erkennen. Ich fahre weiter und plötzlich kommen rote Lichter auf mich zu. Eine Ampel. Ich bleibe mitten in der Prärie an einer roten Ampel stehen und warte. Ich warte ziemlich lange. Mit meinem Knie löse ich meine Zentralverriegelung aus. Ich fühle mich keineswegs sicherer. Die Lichter in der Ferne bewegen sich auf mich zu. Es sieht so aus, wie ein Fackelzug. Hm. Und die Hörner. Ich bin wirklich im falschen Film…Hm…

Ich kneife mir ins Ohr, weil ich steif und fest der Meinung bin, dass ich bereits zu hause sein muss und beim 13. Krieger gucken eingeschlafen bin und mal wieder den Film weiter träume. So wie es mir sehr häufig passiert, bei Filmen, die ich schon so oft gesehen habe, dass ich sie fast auswendig träumen könnte. Ohrkneifen hilft nicht wirklich. Ich beiße mir deshalb in die Hand, zwischen Daumen und Zeigefinger. So fest, dass ich die Abdrücke meiner Zähne erkennen kann, als ich nach dem Beißen auf meinen Handrücken starre. Hm. Ich wache eben nicht davon auf, weil ich bereits wach bin und die Lichter kommen immer näher und die Hörner werden immer lauter…

Gleich kommen die Wendolhorden auf mich zu und ich bin hier in meinem Auto, völlig alleine. Und, ich habe nicht mal eine Axt dabei. So ein Mist. Ich greife nach unten in den Fußraum und fingere nach dem ‚Ungehobelten‘. Ich ziehe einen kleinen Holzknüppel hervor und erwarte das Schlimmste. Ziemlich blutig, male ich mir das Szenario aus, wie eine Horde blutrünstiger Kultistenzombies die Autoscheiben meines Nemo einschlagen, um mich aus dem Auto zu zerren und mich… zensiert…und wie ich mich dann irgendwie losreißen kann und mit Zuhilfenahme einer Wodkaflasche, dem ‚Ungehobelten‘ und verdammt viel Lampenöl sie alle abfackle und später ihre brennenden Überreste auspinkle…

Ich höre jetzt wieder die Hörner. Hinter mir. Häh. Die wollen mich gar nicht…. ich schrecke hoch. Die Ampel wechselt gerade wieder von grün auf orange. Ein blaues Cabriolet überholt mich hupend. Im Auto sitzen….Fußballfans bewaffnet mit Vuvuzelas.

Da war er wieder mein Tinitus namens Dieter Bohlen und mein Gedächtnis, dass anscheinend gerade ein Päuschen eingelegt hatte.

Wir haben gerade Fußball-WM, Frau Rösner. Das Tröten sind Vuvuzelas. Die Tram war leer, weil sich alle Menschen außer dir selber, das Deutschlandspiel angeschaut haben, liebe Bine. Hm, schade eigentlich, oder nicht?

Und ich bin wohl kurz vor Ludwigsfeld an der Ampel mitten in der Prärie eingeschlafen, weil es wirklich schon spät geworden ist. Jetzt ist es wieder rot und ich warte, für meinen Geschmack ein Wenig zu lang. Vor mir sind die Lichter eines enormen Parkhauses. Hm.

Das war letzten Mittwoch….

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Das seltsame Verhalten geschlechtsreifer Männchen in der Regenzeit….

Das seltsame Verhalten geschlechtsreifer Männchen in der Regenzeit….

Habe ja aufgrund ständiger schriftlicher Penetrierung der Männerwelt meinen Status auf ‚zölibatär verzweifelt‘ geändert. Dann war es ein paar Tage wieder gut und dann ging es wieder los.

Dabei ist mir aufgefallen, dass Männer mich grundsätzlich bei Regen zu unkomplizierten Sex aufordern und bei Sonnenschein lassen sie einen ernsthaft in Ruhe. Wie gut, dass mittlerweile die Sonne wieder scheint. Bei diesem Phänomen gibt es anscheinend keine Altersbeschränkungen und auch keine Tageszeit oder Nachtzeit. Anscheinend müssen Männer auch nicht arbeiten. Egal. Versuche mich gerade nicht mehr aufzuregen.
Dann ein weiteres Phänomen, bei Fußball ist alles ruhig, bis auf vereinzelte Vuvuzelagetute aus der Ferne…aber sobald Deutschland verloren hat und es nichts mehr zu feiern gibt, wollen sie wieder  unkomplizierten Sex. Alles klar. Also muss sich mein Liebesleben nach dem Fußball richten. Im Gegenzug würden sich Männer nach der Weltmeisterschaft im Eiskunstlauf oder Paartanzen richten? Hm?

Ich habe ja gedroht alle (hier jetzt nur ein Paar Perlen aus der letzten Woche) ‚respektlosen‘ Mails namentlich zu veröffentlichen:

bane_bama: Mann, Landshut, 19 Jahre, Steinbock auf Arbeitssuche schreibt um 13:10:

‚hättest du lust auf sex?‘

Um 14:09 nachdem ich mich nicht gemeldet habe, während meiner Arbeitzeit:

‚haste etz lust oda nich?‘

Meine Antwort:

‚Guten Tag,

ich verbitte mir Erstens diesen Ton und erwarte Zweitens einen wesentlich respektvolleren Umgang.
Komm mal runter, oder glaubst du, dass mich dein Unvermögen mit der deutschen Sprache umzugehen dermaßen anmacht, dass ich während meiner Arbeitszeit quer durch Bayern fahre, um mit einem 13 ½ jahre jüngeren Typen Geschlechtsverkehr zu haben. Lass mich mal kurz nachdenken…… NEIN.

Grüße

Callabutterfly‘

Eine weitere, vielleicht sogar ernstgemeinte, Mail:

sweetmen60: Mann, München, 51 Jahre, Zwilling, Single und Enkelkinder

‚hey du schöne süsse Maus darf ich dich fragen warum du so verzweifelt bist würde dich gerne mal kennenlernen und mit dir was unter nehmen hätte ich eine chance l.g werner‘

Eine Woche später, nachdem ich mich nicht gemeldet habe.

‚hey du schöne rote lady darf ich dich etwas näher kennenlernen heisse werner und ich würde mich freun wenn es klappen würde l.g werner‘

Ja, lieber Werner, ich will auch viel und kriege es nicht. Und wer hat schon die Chance mit seinen Wünschen in die A(n)nalen der Bloggeschichte einzugehen.

Der nächste Regen kommt, also noch ein munteres Weiterklicken und Hoffen, dass der Tag kommen möge, an dem Mann im Internet seine Traumfrau findet, die dann vielleicht auch daran interessiert ist.

Callabutterfly fly fly fly

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