Erwischt – Die Geschichte eines Holzfällers – Teil 8

Erwischt – Die Geschichte eines Holzfällers – Teil 8

schweiniNach einer Woche war der Holzfäller mehr oder weniger wieder auf den Beinen. Er versuchte sich zumindest nützlich zu machen. Nachdem Meister Ulgur die Heiler bezahlt hatte, würde er seine Schuld in den nächsten Monaten abarbeiten müssen. Das Gehen fiel ihm noch schwer und irgendwie hatte er immer das Gefühl er würde dem Metzger und seiner Tochter nur im Weg umgehen. Er musste wirklich noch viel über das Metzgerhandwerk lernen.

Im Großen und Ganzen ging es ihm einen Tag gut und am nächsten Tag wieder schlecht. An schlechten Tagen hatte er wieder Fieber und Bruna wachte an seinem Bett und es schien ihm so, als würde sie seine Hitze anziehen und in sich aufsaugen. Und am nächsten Tag ging es ihm wieder gut.

Heute war so ein Tag, es ging ihm mehr als gut und er wurde leicht übermütig. Er hatte sich in der Küche nützlich gemacht, der Meister hat seine Blutwürste gemacht und der Holzfäller hatte ihm dabei über die Schulter gesehen und versucht zu helfen.

Nun waren sie fertig und der Holzfäller trat in die Metzgerstube und erblickte Bruna, die gerade den Boden wischte. Sie kniete neben einem grintigen Eimer auf den blutigen Dielen und er konnte den Blick nicht von ihr wenden. Einen Moment musste er auf ihren Hinter gestarrt haben, bis es ihm Gewahr wurde. Hastig begann er zu faseln. ‚Bruna? Ich wollt mich noch bei dir bedanken.‘

‚Für was denn? Bedank dich lieber bei Schweini!‘ meinte sie mehr zum Putzeimer, als zu ihm.

‚Ich hab die Nächte sehr genossen, in denen du an meiner Seite wachtest!‘

‚Zeit wann redest du so geschwollen daher?‘ fragte Bruna, die den blutigen Lumpen ins Putzwasser warf und den Holzfäller entsetzt anstarrte.

‚Ich wollte…!‘ stotterte der Holzfäller und ging einen Schritt auf sie zu. Bruna nahm den blutigen Lappen, wand ihn aus und stand dann aber auf, weil Branu ihr irgendwie zu Nahe gekommen war.

‚Sag mal hast du wieder Fieber, soll ich dir nen Tee und kalte Wickel machen.‘ meinte sie fast beiläufig.

‚Ja, es muss das Fieber sein, es verbrennt mich.‘ meinte er ziemlich ernst und griff nach ihrer Schultern. ‚Es ist Etwas in mir entbrannt und ich vermag es nicht zu löschen!‘ säuselte er ihr ins Gesicht und kam ihr immer näher.

‚Und da kommst du zu mir?‘ fragte sie ihn ungläubig und versuchte sich aus seinem Griff zu winden. Er kam ihr noch näher und machte Anstalten sie küssen zu wollen. Als sich ihre Lippen sich flüchtig berührten, scheuerte sie ihm Eine und zwar so heftig, dass er nach hinten taumelte. Beinahe wäre er über den Putzeimer gestolpert. Er hielt sich die Wange, die nicht nur wie Feuer brannte, sondern auch so aussah. Aber der Schmerz war es wohl nicht, was ihn so erschreckte. Es war irgendwas anderes. Bruna blickte ihn wutschnaubend an, eine Ader pulsierte auf ihrer Stirn und ihre Finger fingen an zu rauchen.

‚Es tut mir leid, ich konnte nicht anders, ich musste es dir sagen!‘ meinte er und humpelte wieder auf sie zu.

‚Was sagen? Dass du den Verstand verloren hast!‘ rief sie aufgebracht und ging rückwärts durch die Stube, bis ihr Rücken an der Wand anstieß. Er versperrte ihr den Weg, packte sie unsanft und zog sie in eine Umarmung.

‚Nein Bruna, ich habe mein Herz verloren!‘ meinte er und versuchte sie erneut zu küssen, dabei glitten seine groben Finger an ihrem Rücken entlang und vergruben sich in den Stoff ihrer Tunika, die ihren mächtigen Hintern verdeckte. Er presste sie gegen die Wand und küsste sie hart und unnachgiebig, bis ein Räuspern ihn unterbrach.

‚Nimm deine Drecksbatschen von deiner Schwester.‘ stolperte dem Metzger Ulgur aus dem Mund.

Bruna und Branu stoben auseinander und sie blickten erst den Metzgermeister und dann sich gegenseitig verwirrt an.

‚Was zu Beltane passiert, weiß nur der Zwölfender!‘ meinte Ulgur und machte Anstalten nach draußen gehen zu wollen.

‚Ich glaub es hackt. Ich komme seit dem ich laufen kann in dein Haus, Bruna und ich haben unsere halbe Kindheit miteinander verbracht und dann so was und du siehst mir nicht mal ins Gesicht…‚ rief Branu völlig außer sich, bis seine Stimme brach.

Ulgur drehte sich noch mal um, legte den Finger an den Mund und sprach leise aber eindringlich genug: ‚Scht. Deine schwindlige Verwandtschaft darf davon nie etwas erfahren und jetzt beruhige dich, ich geh eine gute Flasche Met holen und dann werde ich dir ins Gesicht sehen, mein Sohn.‘

Bruna konnte nicht fassen, was sie da hörte. Ihr ganzer Körper bebte vor Wut, ihre Finger fingen wieder an zu qualmen und zu rauchen und sie stürzte hastig nach draußen. Ihr Vater kam ihr entgegen, als sie über den Hof lief. Wutentbrannt knallte sie ihm Eine. Und die hatte er sich wohl verdient. Bruna strafte ihn mit einem wütenden Blick und verließ den Hof Richtung Wald.

Als Meister Ulgur mit der Flasche Met in Händen in sein Haus zurück ging, stand Branu immer noch an der selben Stelle mitten in der Metzgerstube und rieb sich die Wange.

‚Die haben wir wohl beide verdient!‘ meinte Ulgur und rieb sich ebenfalls die Wange. ‚Deine Schwester hat nen ziemlichen Schwinger drauf!‘

Branu musste grinsen und blickte Ulgur in die Augen. Ulgur erwiderte den Blick. Sie umarmten sich kurz. Ulgur klopfte Branu auf die Schulter und flüsterte ihm ins Ohr: ‚Ich hätte es dir schon viel früher sagen müssen, mein Sohn!‘

Diese Geschichte basiert auf dem Hintergrund der Rauriker und den Ereignissen nach dem Imbolcfest (http://www.rauriker.de) Ähnlichkeiten von Personen im realen Leben sind völlig ausgeschlossen und somit reiner Unfug. Wir bitten um Verständnis.

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Sprechstunde – Die Geschichte eines Holzfällers – Teil 7

Sprechstunde – Die Geschichte eines Holzfällers – Teil 7

schweiniIn der Wohnstube roch es nach deftigen Eintopf, gebratenen Zwiebeln und Speck. Bruna kochte gerade das Abendessen.

‚Aber das sieht doch schon ganz gut aus!‘ meinte der Heiler zum Holzfäller und erneuerte den Verband.

‚Kann ich aufstehen?‘ fragte Branu ungestüm und war im Begriff aus dem Bett springen zu wollen. Der Heiler hielt ihn zurück und meinte: ‚Na, na, na, morgen, vielleicht!‘

‚Kann ich wenigstens zum Abort gehen?‘

‚Morgen dann, aber überanstrenge dein Bein nicht, sonst waren unsere ganzen Bemühungen für die Katz. Der Eimer wird es heute Nacht für deine kleinen Geschäfte noch tun.‘

‚Muss ich die ganze Zeit im Bett liegen?‘

‚Nein, wenn du eh schon raus humpelst, kannst du morgen ein Bisschen in der Sonne sitzen, aber leg dein Bein hoch!‘

Bruna schaute durch einen Spalt im Vorhang.

‚Ah Bruna, komm nur rein!‘ meinte der Heiler. ‚Sehr gute Arbeit! Ich werd bei Zeiten auf dein inneres Feuer zurückkommen, du kannst viel Leid lindern.‘

‚Ich habe aber keine Ahnung was ich gemacht habe!‘

‚Dein Handabdruck ist auf seiner Wunde eingebrannt.‘

Ein erschrockenes ‚Oh!‘ kam aus ihrem Mund gestolpert, doch der freundliche Gesichtsausdruck des Heilers besänftigte ihren Schrecken und sie fuhr fort. ‚Ich hab einen Moment nicht aufgepasst und dann fing der Verband schon flammen.‘

‚Sehr gut, weiter so!‘ meinte der Heiler und war in der Versuchung ihr auf die Schulter zu klopfen.

‚Irgendwann brennt sie noch das ganze Haus nieder, wenn sie nicht aufpasst!‘ hörten sie Meister Ulgur rufen, der gerade am Vorhang vorbeigelaufen war.

Der Heiler sprang auf und meinte noch: ‚Also immer schön das Bein hochlegen und nicht überanstrengen. Ich schau morgen Abend wieder vorbei.‘

Er war schon hinter dem Vorhang verschwunden, bevor sie ihn rufen hörten: ‚Meister Ulgur!‘

Schweini lief durch den Vorhang und verhedderte sich im ausgerissenen Saum des Vorhangs. Bruna lief zum Schwein und befreite es. ‚Wär ja mal a G’schicht, wenn du durch die Öffnung laufen würdest.‘

Schweini grunzte erbost, so schien es zumindest dem Holzfäller.

‚Ist ja schon gut, ich wollt den Saum schon lang mal um nähen.‘ meinte sie und wand sich wieder zum Holzfäller, der sie belustigt angrinste.

Plötzlich kroch ihr der Geruch von Verbrannten in die Nase. Sie lies das Schwein aufs Bett fallen und blickte auf ihre Hände. Nun roch auch der Holzfäller etwas Verbranntes. Sie drehte sich um und versuchte auf ihren Hintern zu blicken und dann fiel es ihr ein. ‚Bei allen Göttern, mein Kuchen!‘

Und schon stolperte sie durch den Vorhang und er konnte nur noch ein Zischen hören. Bruna hatte wohl wieder den Herd mit bloßen Händen geöffnet.

‚Ach du gute Güte, da wären mir doch beinahe meine Küchlein verbrannt!‘

Der Holzfäller hielt sich die Hand vor den Mund, um ein lautes Loslachen zu verhindern, was ihm nur bedingt gelang.

‚Hör bloß auf zu Lachen!‘ meinte Bruna mürrisch.

‚Ich lach ja gar…!‘ und schon war es um ihn geschehen. Ohrenbetäubendes Gelächter drang durch den Vorhang. Er hielt erst inne, als Bruna ihr wütendes Gesicht im Spalt des Vorhanges auftauchte.

‚Da will wohl einer keinen Kuchen!‘

‚Doch Bruna, sehr gerne.‘

‚Dann hör auf zu Lachen!‘

‚Es tut mir leid, ich höre von dir nur so selten so Sachen wie: Vorhang versäumen und ach du gute Güte, da wären mir doch beinahe meine Küchlein verbrannt!‘ meinte der Holzfäller mit verstellter Stimme.

‚Versucht sie wieder das Haus anzuzünden?‘ meinte Metzger Ulgur, der gerade wieder in die Wohnstube getreten war.

‚Nein, sie hat versucht einen Kuchen zu backen!‘ rief der Holzfäller.

Der Metzger blickte auf den leicht verkohlten Kuchen auf der Anrichte. ‚Ah, die alten Äpfel mussten eh weg. Aber was hast du mit dem Zwiebelkuchen von vorhin gemacht?‘

Diese Geschichte basiert auf dem Hintergrund der Rauriker und den Ereignissen nach dem Imbolcfest (http://www.rauriker.de) Ähnlichkeiten von Personen im realen Leben sind völlig ausgeschlossen und somit reiner Unfug. Wir bitten um Verständnis.

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