Das Klagelied des Fuchses – Hochmut kommt vor dem Fall

Das Klagelied des Fuchses – Hochmut kommt vor dem Fall

arcticfoxDie Zeit vergeht wie im Flug und mein Dienst nimmt mich mehr denn je in Anspruch. So konnte ich es mir leider nicht mehr erlauben, weiteren Nachforschungen nachzugehen, weil ich noch eiligere Nachrichten von einem Teil des Landes zum Anderen bringen durfte. So gingen endlos lange Tage ins Land, bis ich wieder an der Stelle war, wo ich das Tagebuch gefunden hatte. Ich war unterwegs mit Nachrichten aus Raurikor und von den Nantwiga. Die Nacht hatte mich überrascht und ich musste absteigen. Ich bin schon so verwirrt, dass mich tatsächlich die Nacht überraschen konnte. Kommt sie doch nach jedem Tag zur selben Zeit.

So ist es nicht die Zeit die sich verändert hat, sondern unser Treiben, dass geschäftiger geworden ist, so dass die Zeit wie im Fluge verronnen ist und mich die Nacht auf dem falschen Fuß erwischte.

Kalt ist es geworden, obwohl der Sommer schon vor der Tür stehen sollte, kann ich meinen Atem sehen, wie er im Vollmondlicht nach jedem Atemzug aus meinem Mund getrieben wird.

Ich lief einen unwegsamen Weg entlang, den ich für sicherer gehalten hatte. In den schweren Zeiten ist mir eine unkomfortable Abkürzung lieber, als das Aufsehen, was ein Meldereiter auf dem großen Weg, hervorrufen würde.

Mein Pferd trottete gelangweilt hinter mir her. Naja, eigentlich war es immer noch das Pferd meiner Mutter. Sie wird mich umbringen, wenn ich mal wieder nach Hause komme.

So in meinen Gedanken versunken, machte ich einen unachtsamen Schritt und stürzte, aber anstatt auf dem Boden aufzukommen, fiel ich. Die Zügel machten einen Ruck, als sie sich strafften und das Pferd hielt meinen Sturz auf. Es gab keinen Laut von sich, obwohl mein ganzes Gewicht am Zaumzeug hing. Ich pfiff leise und es zog mich aus dem Loch, in dass ich gefallen war.

Als meine Beine wieder auf dem Waldboden waren, legte ich mich auf den Boden, entzündete ich eine Fackel und warf sie in das Loch. So tief wie ich erst dachte, war das Loch gar nicht. Ich versteckte mein Pferd und schlich mit dem Zaumzeug und einem Seil wieder zum Loch. Meine Fackel brannte noch. Ich band das Seil an einer Wurzel fest und kletterte nach unten.

Ich lief die restliche Nacht in den Höhlen herum. Und fand neben Unmengen von Spinnenweben nichts außer ein Paar Fetzen Clansstoff und eine verrostete Fibel.

Im Morgengrauen kletterte ich wieder herauf und ritt so schnell ich konnte nach Vargranja zurück.

Brian, Sarolfs Sohn

Reiter im Dienste des ehrenwerten Guiskard Ragin Grünfang

Diese Geschichte basiert auf dem Hintergrund der Rauriker und den Ereignissen nach Beltane (http://www.rauriker.de) Ähnlichkeiten von Personen im realen Leben sind völlig ausgeschlossen und somit reiner Unfug. Wir bitten um Verständnis.

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Das Klagelied des Fuchses – Die Wege der Götter sind unergründlich

Das Klagelied des Fuchses – Die Wege der Götter sind unergründlich

arcticfoxKaum war ich in Vargranja angekommen, erstattete ich Bericht und mein Guiskard schickte mich nach Raurikor, um eine wichtige Nachricht zu überbringen. Also ritt ich gen Raurikor und stellte keine Fragen. Ich diente meinem Guiskard, so wie mein Vater vor mir. Sein Vertrauen lag mir im Blut und mein Guiskard konnte sich voll und ganz auf mich verlassen.

In der Stunde in dem ein Krieg in der Hag Raurik entfesselt wurde, ritt ich von einem Ende des Landes zum Anderen, um eine Nachricht meines Herren zu übermitteln. Das kam mir ganz gelegen und langsam glaubte ich, dass selbst mein Guiskard schon Vorahnungen hatte. Er gab mir die Möglichkeit ein Rätsel zu lösen und ich wette mein Pferd und dass meiner Mutter, dass der Schlüssel für unser Schicksal mit dem Tod des Jungen Faran zu tun haben muss. Ich habe es quasi im Urin.

Ich sputete mich, so dass ich genau an der Stelle, wo wir den Jungen Faran fanden, eine Rast einlegen musste. Meine Mutter wird mich umbringen, wenn ich ihr Pferd zu Grunde richte.

Ich baute ein verstecktes Lager auf, lies den Gaul zurück und schlich dann durchs Unterholz, bis ich an die Stelle kam, wo sich der gewundene Pfad durchs Gehölz schlängelte. Gerade mal so breit, dass zwei Gäule versetzt nebeneinander reiten konnten. Ich blickte nach oben, ich konnte die Wolken durch die Baumwipfel kaum sehen, die über dem Weg ein dichtes Dach aus Ästen bildeten.

An der Stelle, an der Faran in meinen Armen starb, hielt ich inne und betete. Ich bat um einen Segen der Götter, damit sie die arme Seele des Jungen sicher zu den Ahnen geleiteten. Dann kroch ich den Weg entlang, von wo er gekommen war. Man konnte seine Spuren immer noch deutlich sehen. Einige tote Spinnen lagen noch herum. Wie nachlässig, wir hätten alle anzünden sollen, nur für den Fall, dass sie auch Eier in sich trugen. Ich sammelte die Spinnen zusammen und nachher werde ich ein hübsches Feuerchen machen.

Den Spuren folgend irrte ich durchs Unterholz und dann verlor sich die Spur. So was ist mir auch nicht nie passiert, ich beschloss wieder ein paar Schritte zurück zulaufen. Ich musste irgendwas übersehen haben. Plötzlich stolperte ich über einen Ast und kam zu Fall. Das darf man echt niemanden erzählen, dass einer der Grünfänge zu blöd zum Laufen ist. Aber wenn ich nicht gestürzt wäre, hätte ich das Tagebuch des Jungen Faran nie gefunden, es lag halb in Dreck und Schlamm versteckt und wenn ich nicht direkt mir der Nase darauf gestoßen wäre, hätte ich es nie gefunden.

So schnell ich konnte rannte ich wieder zu meinem Pferd und las es hastig. Die halbe Nacht fertigte ich eine Abschrift, die der Beginn meiner Aufzeichnungen werden sollten. Und an dem Punkt, wo ich endlich davon erzählen kann, wie ich zu dem Tagebuch gekommen bin, fallen mir keine geeigneten Zeilen dafür ein. Vor allem weil ich mittlerweile weiß, dass die Leiche des Jungen Faran verschwunden war.

Im Morgengrauen werde ich erst mal gen Raurikor reiten, meine Nachricht abliefern und mich umhören. Beim Rückweg bleibt mir vielleicht noch die Zeit nach der Höhle zu suchen. Genug Kräuter gegen Gift hatte ich den letzten Tage ja sammeln können. Und so nebenbei hatte ich jetzt endlich eine Probe von dem Gift nehmen können, dass den jungen Faran danieder gestreckte hatte. Vielleicht kann mir ja die Hüterin der Halle weiterhelfen, ich hatte Leuten hören, sie hatte bereits die ‚Schlonze‘ untersucht, die die Nantwiga aus ihrem Grenzgebiet gebracht hatten.

Ich warf die letzte Spinne ins Feuer und legte mich zum Schlafen hin. In meinen Träumen selbst verfolgte mich der Junge. Der starre Blick sein trüben, toten Augen lies mich nicht zur Ruhe kommen.

Brian, Sarolfs Sohn

Reiter im Dienste des ehrenwerten Guiskard Ragin Grünfang

Diese Geschichte basiert auf dem Hintergrund der Rauriker und den Ereignissen nach Beltane (http://www.rauriker.de) Ähnlichkeiten von Personen im realen Leben sind völlig ausgeschlossen und somit reiner Unfug. Wir bitten um Verständnis.

Das Klagelied des Fuchses – Brief eines Freundes

Das Klagelied des Fuchses – Brief eines Freundes

arcticfoxBrian mein Freund, ich hoffe mein Brief erreicht dich schnell, denn ich habe düstere Nachrichten zu überbringen. Mein Dank gilt dir auf Lebenszeit, dass du uns unseren Sohn heim gebracht hast und alles sei vergessen, was früher war.

Ich beginne von dem Moment als du aufgebrochen warst. Wir brachten unseren Sohn ins Haus und wuschen ihn und bahrten ihn dann im Stall auf, damit sich alle, die ihn kannten, von ihm verabschieden konnten. Am Abend gingen wir selbst in den Stall und wollten zu unseren Ahnen beten, damit sie seinen Geist zu sich holten.

Meine Frau zündete einige Kräuter an und reinigte den Ort. Ich kniete bei dem Jungen, hielt seine Hand und strich ihm über sein schlohweißes Haar. Was muss er nur für einen Schrecken erlebt haben, dass seine Haare innerhalb der kurzen Zeit, die er auf Wanderschaft war, weiß geworden waren. Mein Herz vermag es sich gar nicht auszumalen, aber doch will ich es wissen.

Seine Hand war merkwürdig warm, gar nicht so wie sonst bei toten Körpern. Ich beugte mich über ihn und betrachtete ihn. Seine kalten bleichen Augen starrten mich düster an und ich war mir sehr sicher, dass sie geschlossen waren, als wir ihn gewaschen hatten. Der Schauder lief mir nicht nur einmal über den Rücken. Ich untersuchte den Körper meines Sohnes erneut und es lies mir den Atem gefrieren was ich da sah. Die Bisse, die von den Spinnen zu sein schienen, waren nun geschwollen, eitrig und schillerten in merkwürdigen Farben. Und trotz der Kräuter, die immer noch brannten, roch ich den Gestank von Tod und Verwesung. Und schlimmer noch als das.

Draußen konnte man wieder den Fuchs jaulen hören und meine Frau brach weinend zusammen. Ich legte die Hand meines Sohnes auf seine Brust zurück und erschrak, so als hätte mich ein Blitz getroffen. Etwas unter seiner Haut bewegte sich. Die eitrigen Bisse brachen auf und ich konnte etwas unter der schillernden Eitermasse sehen. Würgend schreckte ich zurück und brachte meine Frau aus dem Stall. Ich habe sie zu deiner Mutter geschickt. Sie war uns in den letzten Tagen eine große Hilfe. Und du wirst dir ja denken können, dass wir den Sperber von ihr haben, weil ich sonst nicht gewusst hätte, wie wir dich in der Wildnis erreicht hätten.

Als ich wieder in den Stall gehen wollte, kamen mir Unmengen kleiner Spinnen entgegen, die krabbelten über alles hinweg, was sich ihnen in den Weg stellten. Es kam nichts zu schaden, aber durch diese Flut der Spinnen war ich so abgelenkt, dass ich gar nicht bemerkt hatte, dass der Körper meines Sohnes verschwunden war.

Auf dem Tisch lag nur noch das Leintuch, mit dem wir seinen Körper bedeckt hatten und Überreste von Blut und Eiter. Ich scheuchte die Hunde auf und suchte ihn die ganze Nacht und einen weiteren Tag. Von Faran keine Spur. Und auch dieser Fuchs war verschwunden, der sich immer in der Nähe des Hofes aufgehalten hatte, seit dem Zeitpunkt, als du uns verlassen hast.

Alveradis spricht kein Wort mehr, sie summt nur immer ihr Lied und reagiert auf keinerlei Zuwendung unsererseits.

Ich hoffe inständig, du kannst dir ein Reim aus all dem machen und bitte halte Ausschau nach all den Merkwürdigkeiten, die in diesen Tagen durchs Land ziehen.

Komm gesund zurück. Mein Haus steht dir immer offen.

Dein Freund

Thôn

Ich erhielt den Brief als ich vom Grenzgebiet der Nebelwölfe wieder auf den Weg zurück Richtung  Vargranja war. Die letzten Tage standen mir nicht nur ins Gesicht geschrieben, nein mein Gaul begann zu lahmen und ich zog es vor zu Fuß weiter zu gehen und mein Pferd zu führen. Ich kam an eine Lichtung und da lief mir wieder dieser weiße Fuchs über den Weg und bevor ich mich versah, stand ich unter einem riesigen Vogelbeerbaum und musste unweigerlich an Faran denken und an den Brief, den ich seither in meiner Tasche aufbewahrte.

Mein Blick blieb an dem Stamm schier kleben, als meine Augen die Schriftzeichen erkannte. Bei allen Göttern, der Stammbaum. Ich viel auf die Knie und betete.

Der weiße Fuchs war verschwunden und ich untersuchte alles im Umkreis des Baumes. Ich drehe jeden Stein um, doch fand ich nur ein paar alte Spuren und eine kleine Feuerstelle unter dem Vogelbeerbaum, in deren Asche ich nichts weiter fand, als den schalen Geruch verbrannten Haares.  Ich beschloss meinem Pferd keine Pause zu gönnen und ritt wie der Wind nach Hause. Und bettelte meiner Mutter ein frisches Pferd ab und dann ritt ich zum Haus vom Thôn und Alveradis.

Das Haus lag im Dunkeln, als ich vom Pferd abstieg und fand Thôn in der Küche sitzend. Alveradis schlief bereits. Wir tauschten uns kurz aus und ich versprach ihm, bei nächster Gelegenheit nochmal an den Ort zu reiten, wo unsere Delegation auf Faran traf, bevor er starb.

Ich lies Thôn ein paar meiner Elixiere für Alveradis da und versprach ihm bald Nachricht zu schicken.

Brian, Sarolfs Sohn

Reiter im Dienste des ehrenwerten Guiskard Ragin Grünfang

Diese Geschichte basiert auf dem Hintergrund der Rauriker und den Ereignissen um Beltane (http://www.rauriker.de) Ähnlichkeiten von Personen im realen Leben sind völlig ausgeschlossen und somit reiner Unfug. Wir bitten um Verständnis.

Das Klagelied des Fuchses – Alveradis Klagelied

Das Klagelied des Fuchses – Alveradis Klagelied

arcticfoxIch Brian, Sarolfs Sohn, brachte die dunkle Kunde der Spinnenflut nach Vargranja zum Sitz des Ragin Grünfang und ritt dann gleich weiter zum Haus von Thôn und Alveradis. Ich hatte den Leichnam des Jungen Faran auf ein Geflecht von gebogener Zweigen und Ästen gelegt und schleifte ihn etwas Würdevoller hinter mir her, als ihn nur auf dem Hintern meines Pferdes liegen zu haben. Außerdem wurde mir der Körper des Jungen langsam unheimlich. Ich hatte schon viele tote Körper nach der Schlacht nach Hause gebracht, aber dieser Junge war wirklich ein sehr eigenwilliger toter Junge.

Vielleicht schwindet auch langsam mein Verstand, aber ich schwöre auf meine Mutter und all meine Ahnen und alle Götter, dass mein Guiskard dem Jungen die Augen geschlossen hatte, doch blickte der Junge mich nach der ersten Nacht mit seinen starren bleichen Augen an, worauf ich ihm persönlich die Augen schloss. Das tat ich nun jeden Morgen und langsam bekomme ich es mit der Angst zu tun. Hätte ich nur den Pferdejungen dabei, der hatte mehr Ahnung von solch wunderlichen Dingen. Dann ist mir aufgefallen, dass der Junge nicht in die übliche Starre verfallen ist, die sich sonst über Tote legte. Ich zermartere mein Gehirn, ich musste irgendwas übersehen haben. Irgendwas stimmte da ganz und gar nicht, von den riesigen Spinnen mal ganz abgesehen.

Ich trauerte um den jungen Faran, weil er in meinen Armen gestorben war und weil ich ihm nicht mehr helfen konnte, zweifelte ich an meinem Können. So bin ich nicht nur ein Krieger und Reiter des Guiskard und sondern kenne mich mit den Kräutern gut aus. Ich vermag es, Wunden zu schließen mit meinen Tränken, aber wenn einer keine Wunde hat und trotzdem stirbt, was hätte ich da schon machen können. Meine Tränke haben sonst immer gegen allerlei Gift gewirkt und ich hab ihm die doppelte Menge eingeflößt und es zeigte einfach keine Wirkung.

Und dann war da noch was Anderes. Der Junge hätte mein Junge sein können, wenn der Gehörnte damals mein Flehen erhört hätte. Aber die Götter entschieden es anderes. Und so war es Thôn vergönnt, die schöne Alveradis zu heiraten und nun bringe ich, gerade ich, den toten Jungen heim.

Wie soll ich ihnen unter die Augen treten mit so einer Botschaft, so konnte ich doch vorher kaum unter ihre Augen treten. War ihre Heirat nicht der Grund warum ich damals fort ging.

Wie habe ich es jeden Winter gehasst nach Hause zu kehren und ihr Glück zu sehen und nun komme ich im Frühling und bringe die Leiche des Erstgeborenen heim, zu denen, die ich mein halbes Leben verflucht habe.

Mein Gewissen nagt an mir und nun will ich nicht eher ruhen, bis ich ergründet habe, warum dieser arme Junge sterben musste.

Das Klagelied des weißen Fuchses begleitete meinen Weg und ich stimmte ein, so kommen mir die Worte der Wildelben so leicht über die Lippen, als wäre es meine eigene Muttersprache:Dankar Qualin,Abglam macil,Vanwal nai otha, Im quen isil, Im quen nai, Thalion im quen Anduril…‘

Nicht nur mein Herz weinte, auch dieses Tier litt da draußen vor sich hin. Der Fuchs will uns irgendetwas sagen, nur ist es mir nicht vergönnt, mit dem Krafttier eines Toten zu sprechen. Ich werde bei den Schamanen um Rat bitten, sobald ich wieder in Vargranja bin, aber vorher habe ich noch einen Auftrag, den ich erledigen muss.

In der Ferne konnte ich eine Rauchfahne erkennen, bald würde ich der Liebe meines Lebens unter die Augen treten müssen und nur bei dem Gedanken an sie, stieg mir das Blut in den Kopf. Ich atmete tief ein, versuchte mein Herz zu beruhigen und ritt weiter.

Ich erblickte das Haus von Thôn und kaum war ich vom Pferd abgestiegen, kam er auch schon aus dem Haus gelaufen. Er blickte grimmiger, als ich es in Erinnerung hatte. Die hässliche Fratze erschreckt jeden Angreifer, bevor er den Mut aufbringen konnte, sein Schwert gegen Thôn zu erheben. Mittlerweile empfand ich höchsten Respekt gegenüber diesem Mann, dass war Beiweiten nicht immer so. Thôn knurrte mich an, zog sein Messer aus dem Gürtel und warf es fort. Dieser Mann hasste mich einfach, wahrscheinlich bringt er mich jetzt mit bloßen Händen um.

Wie von einem Blitz getroffen blieb Thôn vor mir stehen, sein vernarbtes Gesicht begann zu zittern, als er erkannte, wer da auf der Trage lag. Ich öffnete die Riemen, die die Trage am Sattel befestigten und lies ganz langsam die Trage auf den Boden sinken. Thôn glitt ganz langsam auf die Knie.

‚Mein Herr schickt mich euch euren Sohn zu bringen. Ich konnte nichts mehr für ihn tun.‘ versuchte ich mich zu erklären. ‚Ich spreche im Namen von Ragin Grünfang. Seine Trauer konnte er kaum in Worte fassen.‘

‚Brian, ich weiß wie schwer es dir fallen muss, mir unter die Augen zu treten…‘ flüsterte Thôn, er musste schwer schlucken und fuhr dann fort. ‚Ich rechne es dir hoch an, dass du in dieser Stunde zu uns gekommen bist.‘ Thôn war aufgestanden und hielt mir die Hand hin. ‚Freund!?‘

Ziemlich verblüfft darüber streckte ich ihm beide Hände hin und Thôn zog mich in eine Umarmung. Ich vermochte keinen Laut von mir zu geben, nicht dass er es sich nicht doch noch anders überlegte. Doch sein Körper bebte in meinen Armen und als seine Frau aus dem Haus kam, trennte er sich von mir. Sie wischte sich die Hände an ihrer Schürze ab, lief auf die Bahre zu und rief erstickt: ‚Faran…!‘ Ihre Stimme brach in dem Moment, als sie auf die Knie sank, um den toten Körper von der Trage zu ziehen und ihn in ihre Arme zu schließen.

Ihr Klagelied zerriss nicht nur das Herz ihres Mannes, sondern auch das Meine. Sie wiegte ihren toten Sohn hin und her und Tränen flossen ununterbrochen über ihr Gesicht. Ihre Lippen vermochten die Worte kaum zu formen und so war ihr Lied von einem Schluchzen und Wimmern begleitet, aber doch verstand jeder die Worte: Yenillor morne a ley, Tulinte I Quettar, Tercano nuruvia, H lasta Qutetes, H firmain o mor, i dhu ely siriair, Mornie utulie à H firmain yenillor morne, Mornie alantie, à i lir en el Luitha uren,i lir en el Luitha uren…!‘

Thôn nahm mich bei Seite und blickte mich fragend an: ‚Er kam auf uns zu, als wir gen Raurikor zogen, er wurde von Spinnen verfolgt. Sie müssen ihn zu oft gebissen haben, meine Tränke konnten ihn nicht mehr retten. Er sprach noch von seinem Stammbaum, den er gefunden hatte.‘

In dem Moment brach der Gesang von Alveradis ab und sie ließ den bleichen Körper ihres Sohnes sinken. Dabei glitt die Hand von seinem Brustkorb und man konnte die Schriftzeichen erkennen, die er sich in die Hand geritzt hatte. Thôn erbleichte, als er die Zeichen erkannte und ich musste ihn stützen. Ich hätte nie gedacht, dass diese drei Zeichen diese knorrige Kiefer von einem Mann zu Fall bringen hätte können, aber in seiner Trauer erkannte ich, dass die zerfurchte, harte Rinde nur die Fassade für einen weichen Kern war und nun begriff ich endlich, warum Alveradis ihm sein Herz geschenkt hatte. Die Sanftmütigkeit die ich in der Stunde seines Todes in dem Jungen gesehen hatte, hatte er gleichsam von seiner Mutter und von seinem Vater geerbt.

‚Er wollte nicht vergessen, um nicht vergessen zu werden.‘ flüsterte ich, aber es kam nicht mehr als ein Krächzen aus meiner Kehle, doch mein Krächzen gab Thôn die Kraft, nicht vollends zusammenzubrechen.

Am Waldrand trat der weiße Fuchs durchs Dickicht und sprang geschmeidig auf einen erhöhten Stein. Und dann sang er wieder sein Lied. Alveradis stimmte mit ein: O mor henion I dhu, ely siriair el sila, Ai Anrion Undumiel, Ti iro el eria, Im quen nai isil, quen bruin anduril, Mornie utulie à H firmain yenillor morne, Mornie alantie à i lir en el Luitha uren, i lir en el Luitha uren!‘

Sie letzten Silben verklangen im Wind und ich sprach zu Thôn und schickte mich an aufbrechen zu wollen: ‚Thôn, mein Herz ist mir schwer, dass ich euch in eurer dunkelsten Stunde verlassen muss, aber ich muss weiter. Gebt acht, die Spinnen sind größer geworden, als sie je waren und gebt auf euch Acht. Mein Herz trauert mich euch!‘

‚Mein Dank gilt dir, Brian, mein Freund. Mein Haus steht dir immer offen!‘sprach Thôn mit erschreckend fester Stimme.

Ich nickte und stieg auf mein Pferd und lies Alveradis Klagelied hinter mir, aber nicht aus meinem Herzen.

Brian, Sarolfs Sohn
Reiter im Dienste des ehrenwerten Guiskard Ragin Grünfang.

Diese Geschichte basiert auf dem Hintergrund der Rauriker und den Ereignissen um Beltane (http://www.rauriker.de) Ähnlichkeiten von Personen im realen Leben sind völlig ausgeschlossen und somit reiner Unfug. Wir bitten um Verständnis.

Das Klagelied des Fuchses – Über den seltsamen Tod des jungen Faran

Das Klagelied des Fuchses – Über den seltsamen Tod des jungen Faran

arcticfoxBrian, Sarolfs Sohn. Ich bin Reiter im Dienste meines Guiskard Ragin Grünfang. Und ich berichte von den Vorfällen die sich kurz vor Beltane zugetragen haben. Die Delegation der ehrenwerten Clanführer der Widukin machten sich auf, um auf dem schnellsten Weg nach Raurikor zu gelangen. Ich war als einer von Fünfen ausgewählt worden Ragin Grünfang nach Raurikor zum Rat der Clans zu begleiten. Die Begleiter von Aska Grimmzahn und von Wulfhard Nebelwolf ritten voran.
Noch auf dem Gebiet der Widukin stolperte vor uns etwas oder jemand auf den kleinen gewundenen Pfad und brach auf die Knie. Die Pferde scheuten und wir konnten die Pferde gerade noch beruhigen. Ein ersticktes Keuchen, dass sich wie ‚Hilfe, Bitte!‘ anhörte, drang an unsere Ohren. Der Jemand kroch rücklings auf die Gesandtschaft zu und schien uns nicht zu bemerken. Die Pferde waren immer noch unruhig und einige unserer Begleiter, ließen sich geschmeidig von ihren Gäulen gleiten und schlichen auf den Fremden zu. Der Fremde fuchtelte mit einem Messer in der einen Hand und hält eine kleines Beil in der anderen Hand gegen etwas, was in der Dunkelheit nicht auszumachen war.
Einer der Männer pfiff den Ruf des Waldkauzes und der Fremde blickte auf und lies sofort die Waffen sinken.
‚Mae govannen!‘ Der Gruß der Wildelben floss wie glitzernde Seide aus seinen Mund und man konnte ihm ansehen, wie sanftmütig dieser Junge zu sein schien. Es war tatsächlich nur ein Junge. Kaum 14 Winter auf dem Buckel. Doch stand Angst und blankes Entsetzen in seinem Gesicht und seine langen Haare waren weiß und leuchteten in der Nacht wie der Vollmond.
Doch dann wurde sein Körper nach hinten gerissen und eine Schar zu groß geratene Jagdspinnen übermannten seinen Körper und krabbelten blitzschnell über ihn hinweg und griffen die Männer an, die dem Jungen am Nächsten waren. Die Spinnen waren annähernd so groß wie Füchse und das war ganz und gar nicht normal, obwohl uns die Spinnenart an sich nicht fremd war, war ihre Größe nicht nur äußerst befremdlich, sondern auch Angst einflößend.
Plötzlich ging alles recht schnell. Alle sprangen von den Pferden und einer der unseren packte alle Pferde gleichzeitig am Zügel und brachte sie außer Reichweite. Man konnte seine besänftigten Worte in der Ferne hören. Meine Nackenhaare stellten sich auf, dass tat es jedes Mal, wenn jemand hinter meinem Rücken ein Stück Magie wirkte, auch wenn es diesmal nur das Schutzgebet unseres Pferdejungen war. Wulfhard Nebelwolf bemerkte, bevor er sich ins Kampfgeschehen einmischte, dass sein Gaul noch nie gescheut hätte.
Ich kämpfte mich durch die Reihen und zog den Körper des Jungen aus dem Kampfgeschehen. Ich erkannte ihn gleich und schleppte ihn weiter vor die Füße von Ragin Grünfang und rief: ‚Es ist Einer von den Unseren, Herr!‘
Hastig versuchte ich den Jungen aufzurichten und flößte ihm einen meiner Tränke ein.
‚Junge, nenn mir deinen Namen und erzähl was dir widerfahren ist?‘ rief Ragin Grünfang.
Der Junge stammelte so leise, dass sich Ragin Grünfang auf die Knie warf, um verstehen zu können, was der Junge zu sagen hatte. ‚Faran…mein Name… Sohn von Thôn… Hoher Herr… Ich zog aus… um mein Krafttier…‘ Der Junge brach ab, schluckte schwer, das Atmen fiel ihm nicht leicht. Beherzt riss ich seinen Lederwams auf, auf dem noch vereinzelt Spinnweben klebten und flößte dem Jungen weiter von dem Trank ein. Der Junge fing wieder zu stammeln und krächzen an: ‚Finden und mich fand… Das Grauen…Ich stürzte… tief… ins Dunkle… eine Höhle… und… Spinnen überall Spinnen… sie zerrten an mir…bissen mich und schleppten mich… tiefer ins Dunkle… Es war so kalt. Doch ich konnte fliehen!‘ Seine Stimme brach wieder, Tränen quollen ihm aus den Augen. Er schien große Schmerzen zu haben, obwohl er keine großen Wunden zu haben schien. ‚Herr, sagt meiner Mutter bitte… ich hab ihn gefunden… Stammbaum…!‘ Er brach ab und hielt Ragin die Hand hin und ich konnte verschwommen Schriftzeichen der Elben erkennen, die der Junge sich in die Hand geritzt hatte. ‚Nicht vergessen…!‘ waren seine letzten Worte. Danach starrten seine leeren Augen nur noch an seinem Guiskard vorbei in die Dunkelheit. Von weit entfernt konnte man einen Fuchs hören und keiner von den Männern und Frauen, hatte einen Fuchs je zuvor so jammervoll jaulen hören, wie in dem Moment, als dem Junge Faran mit einem tiefen Seufzer seine Hand auf seine Brust sank und einen blutigen Fleck auf seiner Tunika hinterließ.
Ragin Grünfang schluckte schwer und schloss dem Jungen die Augen, dann stand er in einer langsamen Bewegung auf und blickte in die Runde. ‚Kannte jemand den Jungen?‘
‚Herr, ich kenne seinen Vater, Thôn und dessen Frau Alveradis!‘ rief ich, als ich auch aufgestanden war.
‚Du bringst den Jungen heim zu den Seinen. Sprich ihnen meine Trauer aus. Einer der Nebelwölfe und Einer von Grimmzahn sollten ebenfalls reiten, schnell reiten. Bringt die Kunde zu jeder Sippe. Es soll Ausschau gehalten werden nach Spinnen, großen Spinnen. Es ist Gift im Spiel, die Heiler sollen Vorsorge treffen.‘
Wulfhard Nebelwolf kam aus einem Gebüsch gestolpert und hielt eine tote Spinne in einer Hand hoch. ‚Und die nehmen wir mit zum Rat!‘

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Ich zog einen Zettel aus meiner Tasche und machte einen Abdruck von den Schriftzeichen, die sich der Junge in die Hand geritzt hatte, um sie nicht zu vergessen. Es war ein A, dass für seine Mutter Alveradis stand und ein Th, dass für seinen Vater Thôn stand und darunter das F, dass für den Jungen Faran stand. Und mit seinem Tod war der Stammbaum seiner Ahnen versiegt. Soweit er wusste, was Faran das einzige Kind gewesen, dass der Liebe seiner ElbischFEltern entsprungen war.

Die Männer zogen bald weiter und eilten gen Raurikor, während die Boten Richtung Grimmzahn und Nebelwölfe aufbrachen, lud ich den Körper des Jungen auf mein Pferd und ritt so schnell ich konnte zu der Heimstatt seiner Eltern.

Ich hoffe bald die Zeit zu finden mehr zu Schreiben. Der Krieg zieht auf und ich befürchte, dass mir nicht mehr viel Zeit bleiben wird, um all die merkwürdigen Dinge niederzuschreiben, die ich in den letzten Tagen heraus fand.

Brian, Sarolfs Sohn
Reiter im Dienste des ehrenwerten Guiskard Ragin Grünfang

Diese Geschichte basiert auf dem Hintergrund der Rauriker und den Ereignissen vor Beltane. (http://www.rauriker.de) Ähnlichkeiten von Personen im realen Leben sind völlig ausgeschlossen und somit reiner Unfug. Wir bitten um Verständnis.

Blut ist dicker als Wasser – Die Geschichte eines Holzfällers – Teil 9

Blut ist dicker als Wasser – Die Geschichte eines Holzfällers – Teil 9

schweiniBranu humpelte Schweini hinterher, Richtung Waldrand. Er war auf der Suche nach Bruna, die war schon seit Stunden fort und langsam machte er sich wirklich Sorgen um sie. Auf seiner Wange leuchtete immer noch ihr Handabdruck und in seinem Kopf sang der Met manch rauschendes Lied.

Er hatte nicht nur die eine Flasche Met zusammen mit dem Meister Ulgur vernichtet und deswegen spürte er jetzt auch keinen Schmerz. Der Heiler hatte ihm eigentlich verboten, den Hof zu verlassen und er würde es morgen bitter bereuen, dass er so weit gelaufen war. Aber wenn die Götter ihm nun endlich eine richtige Familie geschenkt haben, dann musste er sich auch darum kümmern. Und sein Vater, also der Meister Ulgur, war zu betrunken um sie zu suchen.

Er hatte ihn vorhin ins Bett bringen müssen, weil er so besoffen gewesen war, dass er nicht mehr laufen konnte und das am helllichten Tag. Aber es war ja auch durchaus ein Grund zu feiern. Mann wurde ja nicht jeden Tag, zum zweiten Mal Vater und Mann bekam auch nicht jeden Tag seinen richtigen Vater zu Gesicht. Das Schwein verschwand im Dickicht und das riss ihn aus seinen betrunkenen Gedanken.

Als er zum Bachlauf kam, sah er schon den Rauch aufsteigen. Und wenig später stieg ihm der Geruch verbrannten Haares in die Nase. Bruna lag im Bach, blickte ohne auch nur einmal zu blinzelnd nach oben und das Wasser dampfte um sie herum. Der Wasserdampf ergoss sich schon über das ganze Tal.

Er versuchte möglichst unbeschadet die Böschung runter zu rutschen. Sein Bein tobte jetzt auch noch oder schon, aber er würde nicht ohne Bruna wieder zurück gehen, nach Hause. Er humpelte weiter auf den Bach zu und kniete sich umständlich ans Ufer in den Schlamm und flüstere: ‚Bruna, für ein Bad ist es entschieden zu kalt!‘ Dann griff er nach ihrer Hand und kam fast aus dem Gleichgewicht. Das Bachwasser schien tatsächlich erwärmt zu sein. ‚Komm da raus. Ich würd mich gerne bei dir entschuldigen.‘

Mit einer ruckartigen Bewegung wand sie ihren Kopf in seine Richtung und Tränen liefen unentwegt aus ihren Augen und verdampften in nächsten Moment auf ihrer Haut. Ihre Hand schien in Flammen aufzugehen und er ließ sie schlagartig wieder los.

‚Komm bitte da raus, du musst mir helfen. Ohne dich komme ich die Böschung nie wieder rauf.‘

Ihre Hand brannte tatsächlich, obwohl sie halb im Wasser lag. Er musste den Kopf schütteln, das musste am Met liegen. Die Hand brannte immer noch. Er kniff die Augen zu und sie brannte immer noch, als er seine Augen wieder geöffnet hatte.

‚Ich glaub, du brennst Bruna?!‘ stotterte er.

Plötzlich schloss sie die Hand und das Feuer erlosch. Er konnte sie atmen hören und er dachte er hätte so was wie ein Seufzer gehört. Sie blinzelte und hielt einen schrecklich langen Moment ihre Augen geschlossen und als sie endlich ihre Augen wieder öffnete, stand das Blau ihrer Augen voll Tränen. Ihr Kinn zitterte und ihre Maske zerbrach, so wie die Tränen über ihr Gesicht flossen.

Beherzt griff er wieder nach ihrer Hand und zog sie zu sich heran.

‚Du heulst doch nicht wegen mir?‘ fragte er unverblümt.

Ein feuriger Schlag in seine Nieren, war ihm Antwort genug. Ihm blieb für einen Moment die Luft weg, hielt sie aber eine Weile im Arm und während ihm beruhigende Laute über die Lippen huschten. Endlich regte sie sich und blickte ihn mit verheulten Augen an.

‚Verzeihst du mir den kleinen Ausrutscher? Ich war irgendwie verwirrt!‘ fragte Branu.

‚Wenn hier Einer verwirrt ist, dann bin ich das wohl und was fällt dir überhaupt ein, deine Zunge in meinen Hals stecken zu wollen. Ich glaub es hackt.‘ plapperte sie los, bis der Rauch wieder von ihr aufstieg. Dann fing sie wieder an zu weinen und krächzte. ‚Der Einzige, der mich je berührt hat, war das wandelnde Feuer…! Und das ist schon schlimm genug und der Nächste ist dann mein Bruder…‘ Den Rest des Satzes konnte er nicht mehr verstehen, aber er glaubte, dass sie ihn zwischen den ganzen Schluchzern ganz schön beleidigt hatte. Sie heulte, wie sie es als 12 jähriges Mädchen nicht getan hätte und dann fing sie sich wieder. ‚Wenn du das irgendjemanden erzählt, schleife ich dich an deinen … Ohren… in den Wald und leg dich wieder unter den Baum!‘

Sie zog den Rotz hoch und lächelte ihn an. Mit einer zarten, ja einer erschreckend zarten Bewegung berührte sie seine Wange, an der Stelle wo ihr Handabdruck immer noch feuerrot leuchtete und tierisch brannte.

‚Das gibt, ich brenn dir Eine, eine ganz neue Bedeutung!‘ meinte sie. Beide mussten Lachen.

‚Der Phönix aus der Asche, Schwesterlein! Der Phönix aus der Asche.‘ meinte er und versuchte zu grinsen, doch sein Gesicht tat ihm fast mehr weh als sein Bein.

ENDE

Diese Geschichte basiert auf dem Hintergrund der Rauriker und den Ereignissen nach dem Imbolcfest (http://www.rauriker.de) Ähnlichkeiten von Personen im realen Leben sind völlig ausgeschlossen und somit reiner Unfug. Wir bitten um Verständnis.

Erwischt – Die Geschichte eines Holzfällers – Teil 8

Erwischt – Die Geschichte eines Holzfällers – Teil 8

schweiniNach einer Woche war der Holzfäller mehr oder weniger wieder auf den Beinen. Er versuchte sich zumindest nützlich zu machen. Nachdem Meister Ulgur die Heiler bezahlt hatte, würde er seine Schuld in den nächsten Monaten abarbeiten müssen. Das Gehen fiel ihm noch schwer und irgendwie hatte er immer das Gefühl er würde dem Metzger und seiner Tochter nur im Weg umgehen. Er musste wirklich noch viel über das Metzgerhandwerk lernen.

Im Großen und Ganzen ging es ihm einen Tag gut und am nächsten Tag wieder schlecht. An schlechten Tagen hatte er wieder Fieber und Bruna wachte an seinem Bett und es schien ihm so, als würde sie seine Hitze anziehen und in sich aufsaugen. Und am nächsten Tag ging es ihm wieder gut.

Heute war so ein Tag, es ging ihm mehr als gut und er wurde leicht übermütig. Er hatte sich in der Küche nützlich gemacht, der Meister hat seine Blutwürste gemacht und der Holzfäller hatte ihm dabei über die Schulter gesehen und versucht zu helfen.

Nun waren sie fertig und der Holzfäller trat in die Metzgerstube und erblickte Bruna, die gerade den Boden wischte. Sie kniete neben einem grintigen Eimer auf den blutigen Dielen und er konnte den Blick nicht von ihr wenden. Einen Moment musste er auf ihren Hinter gestarrt haben, bis es ihm Gewahr wurde. Hastig begann er zu faseln. ‚Bruna? Ich wollt mich noch bei dir bedanken.‘

‚Für was denn? Bedank dich lieber bei Schweini!‘ meinte sie mehr zum Putzeimer, als zu ihm.

‚Ich hab die Nächte sehr genossen, in denen du an meiner Seite wachtest!‘

‚Zeit wann redest du so geschwollen daher?‘ fragte Bruna, die den blutigen Lumpen ins Putzwasser warf und den Holzfäller entsetzt anstarrte.

‚Ich wollte…!‘ stotterte der Holzfäller und ging einen Schritt auf sie zu. Bruna nahm den blutigen Lappen, wand ihn aus und stand dann aber auf, weil Branu ihr irgendwie zu Nahe gekommen war.

‚Sag mal hast du wieder Fieber, soll ich dir nen Tee und kalte Wickel machen.‘ meinte sie fast beiläufig.

‚Ja, es muss das Fieber sein, es verbrennt mich.‘ meinte er ziemlich ernst und griff nach ihrer Schultern. ‚Es ist Etwas in mir entbrannt und ich vermag es nicht zu löschen!‘ säuselte er ihr ins Gesicht und kam ihr immer näher.

‚Und da kommst du zu mir?‘ fragte sie ihn ungläubig und versuchte sich aus seinem Griff zu winden. Er kam ihr noch näher und machte Anstalten sie küssen zu wollen. Als sich ihre Lippen sich flüchtig berührten, scheuerte sie ihm Eine und zwar so heftig, dass er nach hinten taumelte. Beinahe wäre er über den Putzeimer gestolpert. Er hielt sich die Wange, die nicht nur wie Feuer brannte, sondern auch so aussah. Aber der Schmerz war es wohl nicht, was ihn so erschreckte. Es war irgendwas anderes. Bruna blickte ihn wutschnaubend an, eine Ader pulsierte auf ihrer Stirn und ihre Finger fingen an zu rauchen.

‚Es tut mir leid, ich konnte nicht anders, ich musste es dir sagen!‘ meinte er und humpelte wieder auf sie zu.

‚Was sagen? Dass du den Verstand verloren hast!‘ rief sie aufgebracht und ging rückwärts durch die Stube, bis ihr Rücken an der Wand anstieß. Er versperrte ihr den Weg, packte sie unsanft und zog sie in eine Umarmung.

‚Nein Bruna, ich habe mein Herz verloren!‘ meinte er und versuchte sie erneut zu küssen, dabei glitten seine groben Finger an ihrem Rücken entlang und vergruben sich in den Stoff ihrer Tunika, die ihren mächtigen Hintern verdeckte. Er presste sie gegen die Wand und küsste sie hart und unnachgiebig, bis ein Räuspern ihn unterbrach.

‚Nimm deine Drecksbatschen von deiner Schwester.‘ stolperte dem Metzger Ulgur aus dem Mund.

Bruna und Branu stoben auseinander und sie blickten erst den Metzgermeister und dann sich gegenseitig verwirrt an.

‚Was zu Beltane passiert, weiß nur der Zwölfender!‘ meinte Ulgur und machte Anstalten nach draußen gehen zu wollen.

‚Ich glaub es hackt. Ich komme seit dem ich laufen kann in dein Haus, Bruna und ich haben unsere halbe Kindheit miteinander verbracht und dann so was und du siehst mir nicht mal ins Gesicht…‚ rief Branu völlig außer sich, bis seine Stimme brach.

Ulgur drehte sich noch mal um, legte den Finger an den Mund und sprach leise aber eindringlich genug: ‚Scht. Deine schwindlige Verwandtschaft darf davon nie etwas erfahren und jetzt beruhige dich, ich geh eine gute Flasche Met holen und dann werde ich dir ins Gesicht sehen, mein Sohn.‘

Bruna konnte nicht fassen, was sie da hörte. Ihr ganzer Körper bebte vor Wut, ihre Finger fingen wieder an zu qualmen und zu rauchen und sie stürzte hastig nach draußen. Ihr Vater kam ihr entgegen, als sie über den Hof lief. Wutentbrannt knallte sie ihm Eine. Und die hatte er sich wohl verdient. Bruna strafte ihn mit einem wütenden Blick und verließ den Hof Richtung Wald.

Als Meister Ulgur mit der Flasche Met in Händen in sein Haus zurück ging, stand Branu immer noch an der selben Stelle mitten in der Metzgerstube und rieb sich die Wange.

‚Die haben wir wohl beide verdient!‘ meinte Ulgur und rieb sich ebenfalls die Wange. ‚Deine Schwester hat nen ziemlichen Schwinger drauf!‘

Branu musste grinsen und blickte Ulgur in die Augen. Ulgur erwiderte den Blick. Sie umarmten sich kurz. Ulgur klopfte Branu auf die Schulter und flüsterte ihm ins Ohr: ‚Ich hätte es dir schon viel früher sagen müssen, mein Sohn!‘

Diese Geschichte basiert auf dem Hintergrund der Rauriker und den Ereignissen nach dem Imbolcfest (http://www.rauriker.de) Ähnlichkeiten von Personen im realen Leben sind völlig ausgeschlossen und somit reiner Unfug. Wir bitten um Verständnis.

Sprechstunde – Die Geschichte eines Holzfällers – Teil 7

Sprechstunde – Die Geschichte eines Holzfällers – Teil 7

schweiniIn der Wohnstube roch es nach deftigen Eintopf, gebratenen Zwiebeln und Speck. Bruna kochte gerade das Abendessen.

‚Aber das sieht doch schon ganz gut aus!‘ meinte der Heiler zum Holzfäller und erneuerte den Verband.

‚Kann ich aufstehen?‘ fragte Branu ungestüm und war im Begriff aus dem Bett springen zu wollen. Der Heiler hielt ihn zurück und meinte: ‚Na, na, na, morgen, vielleicht!‘

‚Kann ich wenigstens zum Abort gehen?‘

‚Morgen dann, aber überanstrenge dein Bein nicht, sonst waren unsere ganzen Bemühungen für die Katz. Der Eimer wird es heute Nacht für deine kleinen Geschäfte noch tun.‘

‚Muss ich die ganze Zeit im Bett liegen?‘

‚Nein, wenn du eh schon raus humpelst, kannst du morgen ein Bisschen in der Sonne sitzen, aber leg dein Bein hoch!‘

Bruna schaute durch einen Spalt im Vorhang.

‚Ah Bruna, komm nur rein!‘ meinte der Heiler. ‚Sehr gute Arbeit! Ich werd bei Zeiten auf dein inneres Feuer zurückkommen, du kannst viel Leid lindern.‘

‚Ich habe aber keine Ahnung was ich gemacht habe!‘

‚Dein Handabdruck ist auf seiner Wunde eingebrannt.‘

Ein erschrockenes ‚Oh!‘ kam aus ihrem Mund gestolpert, doch der freundliche Gesichtsausdruck des Heilers besänftigte ihren Schrecken und sie fuhr fort. ‚Ich hab einen Moment nicht aufgepasst und dann fing der Verband schon flammen.‘

‚Sehr gut, weiter so!‘ meinte der Heiler und war in der Versuchung ihr auf die Schulter zu klopfen.

‚Irgendwann brennt sie noch das ganze Haus nieder, wenn sie nicht aufpasst!‘ hörten sie Meister Ulgur rufen, der gerade am Vorhang vorbeigelaufen war.

Der Heiler sprang auf und meinte noch: ‚Also immer schön das Bein hochlegen und nicht überanstrengen. Ich schau morgen Abend wieder vorbei.‘

Er war schon hinter dem Vorhang verschwunden, bevor sie ihn rufen hörten: ‚Meister Ulgur!‘

Schweini lief durch den Vorhang und verhedderte sich im ausgerissenen Saum des Vorhangs. Bruna lief zum Schwein und befreite es. ‚Wär ja mal a G’schicht, wenn du durch die Öffnung laufen würdest.‘

Schweini grunzte erbost, so schien es zumindest dem Holzfäller.

‚Ist ja schon gut, ich wollt den Saum schon lang mal um nähen.‘ meinte sie und wand sich wieder zum Holzfäller, der sie belustigt angrinste.

Plötzlich kroch ihr der Geruch von Verbrannten in die Nase. Sie lies das Schwein aufs Bett fallen und blickte auf ihre Hände. Nun roch auch der Holzfäller etwas Verbranntes. Sie drehte sich um und versuchte auf ihren Hintern zu blicken und dann fiel es ihr ein. ‚Bei allen Göttern, mein Kuchen!‘

Und schon stolperte sie durch den Vorhang und er konnte nur noch ein Zischen hören. Bruna hatte wohl wieder den Herd mit bloßen Händen geöffnet.

‚Ach du gute Güte, da wären mir doch beinahe meine Küchlein verbrannt!‘

Der Holzfäller hielt sich die Hand vor den Mund, um ein lautes Loslachen zu verhindern, was ihm nur bedingt gelang.

‚Hör bloß auf zu Lachen!‘ meinte Bruna mürrisch.

‚Ich lach ja gar…!‘ und schon war es um ihn geschehen. Ohrenbetäubendes Gelächter drang durch den Vorhang. Er hielt erst inne, als Bruna ihr wütendes Gesicht im Spalt des Vorhanges auftauchte.

‚Da will wohl einer keinen Kuchen!‘

‚Doch Bruna, sehr gerne.‘

‚Dann hör auf zu Lachen!‘

‚Es tut mir leid, ich höre von dir nur so selten so Sachen wie: Vorhang versäumen und ach du gute Güte, da wären mir doch beinahe meine Küchlein verbrannt!‘ meinte der Holzfäller mit verstellter Stimme.

‚Versucht sie wieder das Haus anzuzünden?‘ meinte Metzger Ulgur, der gerade wieder in die Wohnstube getreten war.

‚Nein, sie hat versucht einen Kuchen zu backen!‘ rief der Holzfäller.

Der Metzger blickte auf den leicht verkohlten Kuchen auf der Anrichte. ‚Ah, die alten Äpfel mussten eh weg. Aber was hast du mit dem Zwiebelkuchen von vorhin gemacht?‘

Diese Geschichte basiert auf dem Hintergrund der Rauriker und den Ereignissen nach dem Imbolcfest (http://www.rauriker.de) Ähnlichkeiten von Personen im realen Leben sind völlig ausgeschlossen und somit reiner Unfug. Wir bitten um Verständnis.

Das Klagelied des Fuchses – Unter den Ästen des Zwillingsbaumes

Das Klagelied des Fuchses – Über den seltsamen Tod des jungen Faran

Eine Sammlung einiger Briefe und Schriften, zusammengetragen von Brian, Sarolfs Sohn, Reiter im Dienste des ehrenwerten Guiskard Ragin Grünfang

vogelbeereAbschrift aus dem Tagebuch des jungen Faran:

Unter den Ästen des Zwillingsbaumes

‚Eigentlich ist Fern viel zu jung!‘ sagte meine Mutter. Aber mein Vater Thôn vom Clan der Grünfänge meinte darauf: ‚Alveradis, meine Schöne, als ich so jung war wie er, war ich einen ganzen Winter lang im Wald unterwegs und im Frühling hatte mich nicht nur mein Krafttier gefunden, sondern auch der Bär.‘

Mutter lächelte milde und strich über das von Narben gezeichnete Gesicht meines Vaters. ‚Und wenn du den Bären damals nicht im Kampf getötet hättest, wärst du bei den Ahnen zwar schön anzuschauen, aber dann hätten wir uns auch nie kennengelernt.‘

Mein Vater verzog sein Gesicht zu einem Grinsen und jeder der ihn nicht kannte, hätte jetzt schon die Flucht ergriffen, weil für einen Außenstehenden sah seine Fratze wirklich furchterregend aus.

Mutter machte was sie immer tat, sie zog ihm die Narben glatt und küsste ihn sanft. Für einen Moment hatte man das Gefühl, dass er eigentlich ein schöner Mann hätte sein müssen, wenn die Narben nicht wären.

‚Alveradis, du bist meine Sonne im dichtesten Nebel, lass deinen Sohn ziehen und zum Beltanefest wird er als Mann wieder kommen.‘ rief mein Vater, wartete ein Nicken ihrerseits ab und klopfte mir auf die Schulter: ‚Hast du dein Messer, deinen Bogen und dein Beil?‘

‚Ja Vater!‘ rief ich pflichtbewusst.

‚Hast du genug Pfeile?‘

‚Und wenn sie mir ausgehen, mache ich mir Neue!‘

‚Deinen Feuerstein hast du auch?‘

Mein Nicken ging unter, weil meine Mutter mir einen Beutel in die Hand drückte und ich konnte das gute Essen durch das speckige Leder riechen.

‚Belenus möge dir immer den richtigen Weg leuchten!‘ flüsterte sie und wischte sich eine Träne aus dem Gesicht. Sie schluckte schwer, drückte mich nochmal und wand sich dann hastig ab. Warum macht sie es mir immer so schwer?

‚Faran, es wird Zeit!‘ hatte mein Vater noch gesagt und dann lies er mich ziehen.

So war ich nach dem Imbolcfest losgezogen und ich würde erst wieder zurück kehren, wenn der Gehörnte zum Fest sein Horn erschallen lässt. Dann sollte ich bestenfalls ein Mann geworden sein, mein Krafttier gefunden haben und um der Ehre meiner Familie gerecht zu werden, ein mächtiges Waldtier im Kampf erlegt haben. Und wie ich das alles bewerkstelligen soll, hat mir niemand erzählt.

Im Moment fühlte ich mich eher dem winterschläfrigen Eichhörnchen zugehörig. Wie gerne würde ich am warmen Feuer liegen und mir die Felle über den Kopf ziehen. Statt dessen stapfte ich noch vor Morgengrauen durch den tiefen Schnee und grübelte vor mich hin. Ich musste schon längst im Gebiet der Nebelwölfe sein, aber sicher war ich mir nicht. Ich konnte nur meinen gefrorenen Atem vor Augen sehen. Meine Zehen waren genauso taub, wie meine Finger und selbst wenn ein Tier meinen Weg kreuzen würde, dann könnte ich es nicht mal erschießen, weil ich meinen Bogen nicht mehr spannen konnte, so kalt war es.

Und plötzlich wurde mein Weg von der Sonne erleuchtet. Die Sonne war auf gegangen und mit ihr keimte die Hoffnung wieder in mir auf.

Ich war schon Tage lang unterwegs und jeden Morgen schnitt ich eine Kerbe in ein Stück Holz, ich wollte auf keinen Fall zu spät zum Fest kommen. Obwohl es in den letzten Tagen stark getaut hatte, war es morgens noch ziemlich kalt und der matschige Schnee bildete Nachts seltsame Eisformen. Ich zählte 24 Kerben und musste unweigerlich an meine Mutter und ihre Worte denken. ‚Belenus möge dir immer den richtigen Weg leuchten!‘ Ich blickte zur Sonne, wie sie durch die Bäume strahlte. Meine Mutter nannte mich immer Fern, was bei den Wildelben Bucheckerl bedeutet, obwohl mein Name eigentlich Faran ist. Aber Faran nennt sie mich nur, wenn sie ihn ausschimpfen will. Faran bedeutet bei den Wildelben Vogelbeerbaum. Und genau deswegen wurde ich von den anderen Kindern immer veralbert. Aber Vater sagte immer, dass die Bäume in unserer Familie immer eine große Rolle gespielt hatten und dass er mit seinem Namen immer gut durchs Leben gekommen wäre. Thôn heißt ja auch Kiefer und genau so zäh und knorrig scheint er mir auch manchmal.

So in Gedanken versunken bemerkte ich gar nicht, dass ich mitten im Wald auf eine riesige Lichtung gekommen war und auf deren Mitte stand ein stattlicher Baum der zwei Stämme hatte. Als ich näher schritt, sah ich dass noch ein paar hellrote Früchte an den Zweigen hingen. Es war ein Vogelbeerbaum. Und es war der Größte den ich je gesehen habe. Seine zwei mächtigen Stämme stiegen hoch auf in den Himmel. Und wenn er erst Blätter trug, würde er die Lichtung wahrscheinlich völlig ausfüllen. Die Bäume, die um die Lichtung standen, ragten wie riesige Säulen auf und umschlossen das Bild. Ich kam mir vor, als würde ich in einem gigantische Bauwerk stehen, größer noch als die große Ratshalle in Raurikor.

Plötzlich hörte ich ein entsetzliches Geräusch, dass mich von meinen Gedanken aufscheuchte und  mich schutzsuchend unter den kahlen Äste des Zwillingsbaumes trieb. Es war ein furchterregendes, kräftiges Schlürfen, dass in einem Pfeifen endete und dann hörte er einen dumpfen Schlag und ein Scharren, dass sich von mir entfernte. Im Augenwinkel hatte ich einen Schatten gesehen, der sich über den Boden geduckt, seltsam schnell fortbewegte und verschwand. Ängstlich blickte ich in die Richtung, wo mein Verstand den Schatten erahnte. Doch der Wald war ruhig. Mein Herz pochte aber so laut, dass ich damit jedes Tier im Umkreis hätte verscheuchen müssen.

Nach einem langen Moment fasste ich mir ein Herz und lief geduckt in die Richtung, wo ich dachte den Schatten gesehen zu haben. Weit vor mir lag etwas auf dem Boden. Ich schlich weiter und erblickte einen toten Fuchs. Als ich näher trat zerbrach mir schier mein Herz in meiner Brust.

Ich hielt meine zitternde Hand vor meinen Mund, um einen spitzen Schrei zu unterdrücken. Ich brauchte einen Moment, je ich mich wieder beruhigt hatte. Ich hatte nie ein größeres Entsetzen im Antlitz eines toten Tieres erblickt, wie bei diesem hier. Der Körper schien völlig blutleer zu sein.

Mit bebenden Fingern zog ich mein Messer und versuchte den Leichnam hochzuheben. Das struppige Fell legte sich geschmeidig um mein Messer und da begriff ich, dass der Schatten echt gewesen sein musste. Das tote Tier war noch nicht gefroren, hatte aber auch keine Wunden und es schien auch keine Knochen mehr im Körper zu haben. Hastig sprang ich auf und balancierte die Haut des armen Tieres auf seiner Klinge, während ich rückwärts durch den Wald stolperte. Mein Atem ging schwer und ich keuchte bei jedem Schritt. Erst als ich wieder auf die Lichtung stolperte, fing ich mich wieder.

Der Vogelbeerbaum blickte auf mich herab und spendete mir Trost. Wie ein stummer Zeuge stand der Zwillingsbaum über den Dingen. Beflügelt vom Anblick des Baumes beschloss ich die Überreste des Tieres zu verbrennen. Ich fand einen trockenen Ast, der noch halb am Baume hing und machte ein kleines Feuer und schürte es hastig hoch. Summend stimmte ich ein altes Lied an und legte den toten Körper in die Flammen. Dann ritze ich mir in die Hand und spritze mein Blut in die Flammen, schlussendlich warf ich ein paar getrocknete Kräuter in die Flammen und wartete bis die Flammen wieder erloschen.

Ich hatte Tränen in den Augen als ich aufblickte. Der Zwillingsbaum stand hoch über mir und schaute auf mich herab. Am Fuße des Baumes war etwas eingeritzt worden. Schriftzeichen, die von den Wildelben waren.  elbischAelbischThElbischF

Ich war mir nicht sicher, aber ich glaubte ein A und ein Th zu sehen und drunter ein F. Kopfschüttelnd kam mir das Wort Stammbaum in den Sinn.

Schweren Herzens verließ ich die Lichtung, weil ich nicht an diesem Ort bleiben wollte, solange  ich nicht wusste, was für ein Wesen dieser Schatten gewesen sein mochte. Auch wenn dieser Baum wohl mehr zu bedeuten hatte, als nur der Hüter einer Lichtung, musste ich fort von diesem Ort. Ich beschloss den restlichen Tag zu nutzen und in einem großen Bogen wieder zurück zu meinem letzten Lagerplatz zu gehen und hoffte, dass mir ein Abendessen noch vor den eigenen Bogen laufen würde.

Als ich in der Abenddämmerung dann endlich an meinem alten Lagerplatz ankam, hatte ich zwei magere Eichhörnchen erwischt. Besser als nichts war es allemal.

Ich grübelte immer noch und konnte mir keinen Reim darauf machen, was mit dem armen Fuchs geschehen sein mochte. Nach dem Essen legte ich mich ans Feuer und fiel in einen unruhigen Schlaf.

Ich erwachte erst wieder, als die ersten Sonnenstrahlen mich wach küssten. Ich wischte mir eine Haarsträhne aus dem Gesicht und blinzelte in die Sonne. Nur ein paar Schritte von mir entfernt lief ein weißer Fuchs vorbei. Der weiße Fuchs hielt vor einem umgestürzten Baum inne und blickte mich kurz an. Die Haarsträhne fiel mir wieder ins Gesicht und dann begriff ich erst, dass meine Haare weiß geworden waren. Im nächsten Augenblick war der weiße Fuchs verschwunden.

arcticfoxWeit, weit entfernt vom Zwillingsbaum

Ich stolperte gehetzt durch den Wald. Es wird nie wieder so sein, wie bevor ich ausgezogen war, ein Mann zu werden. Tagelang musste ich durch den Wald geirrt sein, kein Ziel vor Augen, aber den Schatten im Rücken. Der grauenvolle Schatten, der mich verfolgte seit dem ich meinen Geburtsbaum entdeckt hatte.

Der Zwillingsbaum schenkte mir nun schon lange keinen Trost mehr. Doch immer wenn ich am Ende meiner Kräfte war, schien die Sonne auf mich herab. Immer wenn ich inne hielt, war der weiße Fuchs wieder an meiner Seite und schenkte mir Trost, manchmal lief er vor mir und gab mir eine Richtung. Manchmal konnte ich seinen Ruf von weit entfernt hören, aber ich wusste doch, ich war nicht allein.

Am Ende meiner Kräfte kroch ich weiter und weiter. Ich wollte nur fort von dem Schatten, der mich zu übermannen versuchte. Auch wenn ich ihn nicht ausmachen konnte, wusste ich doch, dass er mir im Nacken saß.

In meiner Verwirrung hatte ich mir die Schriftzeichen in meine Handfläche geritzt, die meine Eltern einst in den Stamm geschnitten hatten, so war ich mir sicher, dass ich sie nicht vergessen würde. Nicht viele unter den Widukin können noch die alte Sprache der Wildelben verstehen und sie zu schreiben gar noch weniger. Der Gedanke an seinen Stammbaum und an seine Eltern hielten mich am Leben und auf den Beinen.

Immer wieder wickelte ich den Verband ab, den ich hastig um meine Hand gewickelt hatte und blickte auf die Zeichen in meiner Hand. Ich hatte in der Hast zu tief geschnitten und mit den tauben, kalten Fingern hatte ich das Messer kaum halten können. Für den Fall, dass ich nicht wieder nach Hause finden würde, so würde jeder es sehen können, dass ich meinen Weg gefunden hatte, bevor ich sterbe und in die nächste Ebene übergehe.

Ich muss auch auf allen Vieren über den Boden gekrochen sein, der Schatten, der mich verfolgte hatte nun Gestalt angenommen und die Angst trieb mich weiter, obwohl ich am Ende meiner Kräfte war. Ganz weit entfernt konnte ich den Fuchs jaulen hören. Plötzlich gab der Boden unter mir nach und ich stürzte in ein dunkles Loch. Und da saß ich nun. Im Dunklen muss ich auch stundenlang herum geirrt sein, bevor ich mich entsinnte, ein paar Kerzen dabei gehabt zu haben. Ich erkundete die Höhle und fand aber keinen Ausweg.

Ich beschloss aufzuschreiben, was ich erlebt hatte und so schreibe ich diese letzten Zeilen. Meine letzte Kerze ist fast runter gebrannt und ich kann keinen Ausweg aus diesem Loch hier finden. Ich weiß genau ich bin nicht allein, irgendwas ist in dieser Höhle, ich kann es scharren hören und wie es langsam näher kommt.

Ich bete inständig an all die Götter da oben, dass mich das Licht des Belenus heimführen möge, aber die Kerze ist am Erlöschen und bald ist es dunkel. Ich kann nur noch den Schmerz spüren in meiner Hand und dass ist es, was mich am Leben hält. Mein Stammbaum wird mich heimführen, ich bin mir ganz sicher. Das Licht flackert nur noch... Auta ilome Aure entuluva,  Auta ilome Aure entuluva, Auta ilome Aure entuluva…

So enden die Worte des jungen Faran mit einem Schutzgebet der Waldelben. Die letzten Absätze waren teilweise unleserlich, teilweise mit den Schriftzeichen der Waldelben geschrieben, teilweise auch in deren Zunge geschrieben, ich hoffe dass ich die Worte des jungen Faran so wieder gegeben habe, wie er sie erzählen wollte. Erst dann beginne ich meine Geschichte zu erzählen, so wie ich sie bis zum heutigen Tage erlebt hatte.

Abschrift verfasst von Brian, Sarolfs Sohn, Reiter im Dienste des ehrenwerten Guiskard Ragin Grünfang.

Diese Geschichte basiert auf dem Hintergrund der Rauriker und den Ereignissen nach dem Imbolcfest (http://www.rauriker.de) Ähnlichkeiten von Personen im realen Leben sind völlig ausgeschlossen und somit reiner Unfug. Wir bitten um Verständnis.

Aufgeschreckt – Die Geschichte eines Holzfällers – Teil 6

Aufgeschreckt – Die Geschichte eines Holzfällers – Teil 6

schweiniEin dumpfer Schmerz zerrte an seinen Träumen und riss ihn unsanft aus dem Schlaf. Er war benommen und sein Kopf rauschte. Sein Bein fühlte sich taub an, schmerzte aber unvorstellbar und er konnte sich nicht bewegen, auch die Arme nicht. Vorsichtig öffnete er ein Auge und sofort rannen ihm Schweißperlen hinein. Hastig kniff er das Auge wieder zu und versuchte sich doch zu bewegen. Er bekam kaum Luft. Es schien so als würde etwas auf seiner Brust sitzen. Röchelnd versuchte er zu sprechen, doch seine Stimme brach und er hustete. Bruna wurde wach und schreckte von seiner Brust hoch. Sie war wohl am Bett sitzend eingeschlafen. Als sie wieder aufrecht da saß, begriff sie erst, das der Holzfäller wach war und panisch versuchte sich aus seiner Verschnürung zu winden. Beruhigende Laute kamen ihr über die Lippen während ihre Hände nach den Seinen suchte, um die Fesseln zu lösen. ‚Sch sch sch! Ich musste dich am Bett festbinden, du bist im Fieber handgreiflich geworden.‘

‚Bruna?‘ hustete der Holzfäller hervor. ‚Hab ich…!‘ Und seine Stimme brach wieder.

Sie legte einen Finger auf seinen Mund und wischte ihm mit einem feuchten Lumpen übers Gesicht. Vorsichtig öffnete er die Augen und blickte in ihre lächelnde Gesicht. ‚Nein, du hast dir keine Schande gemacht und dein Bein ist auch noch dran.‘ Sie musste ein Gähnen unterdrücken und nestelte weiter an seinen Fesseln. Endlich waren seine Hände frei. Und in einer ungeschickten Bewegung ergriff er sie an ihren Schultern, dass ihr vor Schreck der Lumpen aus der Hand fiel. ‚Hab ich dir Schande gemacht?‘ keuchte er ihr ins Gesicht.

Sie schüttelte verschmitzt den Kopf und als ihr Gewahr wurde, dass ihr das Blut in den Kopf stieg, riss sie sich los. Hastig griff sie nach der Wasserkanne und fing auch genauso hastig an zu reden: ‚Du musst viel trinken…!‘ Mit zitternden Fingern goss sie Wasser in einen Becher und setzte ihn an seine Lippen. Er nahm einen Schluck und griff dann nach ihrer Hand.

‚Halt, bevor du mir weiter was einflößt, müsste ich langsam mal was loswerden.‘ sagte er grade heraus.

‚Ja, natürlich! Lass mich erst die Fesseln lösen.‘ Was sie auch machte, dann drückte sie ihm eine Tunika in die Hand und half ihm hoch. ‚Langsam solltest du dir wirklich was anziehen.‘

Dann schob sie ihm einen Eimer vor die Füße und meinte: ‚Ich hoffe, dass schaffst du alleine!‘

Und ehe er sich versah, eilte sie von ihm fort und zog den Vorhang hinter sich zu. Er hörte wie sie sich am Ofen zu schaffen machte, als er sein Bein aus dem Bett hob. Jetzt spürte er es und es schmerzte. Er biss sich auf die Lippe, um ein Stöhnen zu unterdrücken. Nichts desto trotz zog er sich erst seine Tunika an und stutzte nicht schlecht, als er begriff, dass es tatsächlich eines seiner leichten Hemden war.

‚Das ist ja meine Tunika?‚ fragte Branu, über den Vorhang hinweg, während er schwerfällig seine Tunika anzog.

‚Ja, ich war heute untertags bei deiner Hütte und hab dir ein paar Sachen eingepackt und deinen Ochsen geholt. Du hast gestern Nacht im Fieberwahn ziemlich viel wirres Zeug geredet.‘ meinte sie und fuhr umgehend weiter fort, als sie das Plätschern hörte. ‚Aber nachdem du immer nach deinem Ochsen geplärrt hattest, beschloss ich ihn einfach herzuholen. Hab auch die paar Stämme mitgebracht. Nur die Kiefer hab ich liegen lassen.‘

‚Ich werd jeden einzelnen Spreißel von dem krummen Bastard einschüren.‘ fluchte er.

Fortsetzung folgt vielleicht…

Diese Geschichte basiert auf dem Hintergrund der Rauriker und den Ereignissen nach dem Imbolcfest (http://www.rauriker.de) Ähnlichkeiten von Personen im realen Leben sind völlig ausgeschlossen und somit reiner Unfug. Wir bitten um Verständnis.

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