Ein Knopf kommt selten allein… Teil 48

Ein Knopf kommt selten allein… Teil 48

Tommi saß im Bett und Hermine saß verkehrt herum ans Fußende gelehnt im Bett und blätterte gelangweilt im ‘Faust’ herum. Er drückte mit seinem Gips gegen ihren Fuß, grinste Hermine an und beobachtete sie.

‘Sag mal was war denn eigentlich noch in der braunen Tüte?’ wollte Hermine wissen.

‘Ein neuer Laptop.’ meinte Tommi eher beiläufig.

‘Was, so groß war doch die Tüte gar nicht.’ rief Hermine aufgeregt.

‘Ich glaub der Herr Dr. Dalek möchte, dass ich das Tagebuch gleich abtippe.’ meinte Tommi und hangelte nach der braunen Tüte und zog dann ein neues MacBook heraus.

‘Aber wie willst du denn Tippen, mit dem PiratenSuchsystem?’

Er kniff ein Auge zu und sprach wie ein Pirat: ‘So ihr Landratten, da hat sich wohl gerade jemand freiwillig gemeldet. Arr!’

‘Ey, Kapitän. Ich hätte grad nichts anderes vor, Kapitän…!’ rief Hermine und machte Meldung.

Er blickte sie misstrauisch an. ‘Du willst doch nur, dass ich dir weiter vorlese.’

Sie blickte ihn entgeistert an und rief dann übertrieben echauffiert: ‘Ich hab dir völlig uneigennützig meine Hilfe angeboten.’

Beide blickten sich eine Weile ernst an, ohne dass ein weiteres Wort gefallen wäre, es wurde nur die ein oder andere Augenbraue hochgezogen. Dann fing Hermine an zu kichern, bis Tommi den Finger erhob.

‘Ernsthaft, wie schnell bist du denn im Tippen?’

‘Schneller als du, im Moment.’

Sie grinste, krabbelte zu ihm rüber und küsste ihn auf die Stirn, dann wich sie schmerzverzerrt zurück und setzte sich wieder ihm gegenüber hin.

‘Hey Kleines, alles in Ordnung?’ wollte Tommi wissen.

‘Wie meinst du das?’ konterte Hermine mit einer Gegenfrage.

Er zog eine Augenbraue hoch und blickte sie für einen Moment durchdringend an, wich ihrem Blick aber dann aus, bevor er zu reden begann: ‘Du hast dich die letzten Tage ausschließlich um mich gekümmert, aber eigentlich wollt ich mich doch um dich kümmern.’

Ihr schossen augenblicklich die Tränen in die Augen. ‘Ja, ähm. Die Nase tut noch ein wenig weh.’ Sie schluckte ein Schluchzen hinunter.

‘Komm her, ich les dir weiter vor, Okay!’

Sie schluchzte: ‘Ohne tippen?’

‘Ohne tippen!’ meinte Tommi und nahm sie in den Arm und zog das Tagebuch unterm Kopfkissen hervor.

 

Fortsetzung folgt….

Werbeanzeigen

Ein Knopf kommt selten allein… Teil 47

Ein Knopf kommt selten allein… Teil 47

Nach dem Frühstück verschwand Wolle mit dem Handy in der Hand. Wenig später kam die Schwester wieder und fragte: ‘Frau Weiß-Müller lässt fragen, ob einer von euch das Handy an hat.’

Dann bückte sie sich und hob den Zettel mit dem W-LAN Schlüssel auf. Tommi blickte Hermine an und sie schüttelte den Kopf. ‘Mein Akku ist tot.’

‘In der Plastiktüte ist auch alles was in den Hosentaschen war.’ flüsterte Schwester Emma.

‘Oh sorry, ich hab gestern nicht mehr drüber nachgedacht.’ rief Hermine und zog die Tüte unter dem Bett hervor. Dann kippte sie den Inhalt einfach aufs Bett und kramte wie eine Besessene nach dem Aufladekabel.

‘Das dauert zu lange, wartet mal!’ meinte die Schwester, zog ihr Handy aus dem Kittel und drehte den Zettel um. Sie tippte eine Nummer ein und wenig später ging sie ran.

‘Ja! Hallo, hier ist Schwester Emma. Die Kinder haben kein Ladekabel. Ist der Bulle in der Nähe? Ja, gehen Sie eine Runde.’ Dann gab sie das Telefon weiter an Tommi und zischte ihm noch zu: ‘Nicht aufregen lassen!’

Ein ersticktes: ‘Sonni!’ kam aus seinem Mund. Dann konnte man Sonjas Stimme durchs Telefon hören. Er musste sich irgendwann die Hand vor den Mund legen und schluckte schwer. ‘Sonni, du kannst jetzt nicht heulen. Du bist doch meine große Schwester.’ Er schluckte wieder schwer. ‘Sonni, der Kimmelmann soll sich um dich kümmern und wehe er macht das nicht gut.’ Man konnte Sonni lachen hören. ‘Kann ich den Anwalt mal kurz sprechen!’

Das ‘Wieso!’ war so laut, dass es nicht nur Hermine hören konnte.

‘Ich möchte mich gerne bedanken!’ meinte Tommi und wartete bevor er fortfuhr: ‘Ja, guten Morgen. Ich wollte mich bei Ihnen bedanken, ich hoff meine Schwester bezahlt Sie ordentlich dafür, dass Sie mich alle zwei Tage aus der Scheiße ziehen?’ Eine weitere Pause, in der anscheinend der Anwalt sprach. Tommi schüttelte den Kopf und fuhr erneut fort: ‘Nein, ich zeig Sie nicht wegen Körperverletzung an.’

Man konnte ein: ‘Machen Sie sich bitte keine Sorgen!’ hören.

‘Mache ich aber, ich will nämlich nicht ins Heim, ich bin nämlich nicht so behindert, wie es in meinem Ausweis steht…Ja. Okay. Ist gut!’

Tommi hörte weiter zu und dann fiel ihm noch etwas ein: ‘Ähm, noch was. Können Sie darauf schaun, dass der Kimmelmann keinen Scheiß mit meiner Schwester macht. Ja, Morgen früh. Aha. Ja, Eingipsen und EKG. Ja, danke nochmal.’ Tommi nahm das Handy vom Ohr und blickte aufs Display.

‘Die sind morgen früh im Gericht!’ meinte Tommi und gab Schwester Emma das Handy zurück.

‘Und weiter?’ wollte Hermine wissen.

‘Keine Ahnung, aber er hat gesagt, dass der Heimatverein noch ein oder zwei Eisen im Feuer hat!’

Hermine blickte ziemlich verstört zur Schwester Emma, die ihr Handy in den BH schob. Als sie beide zu Tommi blickten, zuckte er nur mit den Schultern und stöhnte augenblicklich schmerzverzerrt auf.

Fortsetzung folgt….

Ein Knopf kommt selten allein… Teil 46

Ein Knopf kommt selten allein… Teil 46

‘Ich glaub ich muss nochmal kalt duschen!’ meinte Wolle kleinlaut, zog das Handtuch wieder von den Hüften und stieg unter die Dusche.
Schwester Emma richtete ihre Perücke und verschwand aus dem Badezimmer.
Nach einer viertel Stunde klopfte seine Schwester an die Tür: ‘Was zum Knopf dauert da so lange?’
Nachdem keine Antwort kam und sie weiter die Dusche rauschen hörte, ging sie einfach rein. Ihr Bruder stand breitbeinig unter der Dusche und es war ziemlich kalt im Raum.
‘Nicht dein Ernst?’ fragte sie und klopfte gegen die Duschwand. Er drehte sich erschrocken hinter der Duschwand um und blickte durch die Scheibe.
‘Mann, ich muss pissen wie ein Rentier und du machst hier ne Duschparty mit der Krankenschwester.’
Er machte eine einladende Handbewegung Richtung Klo und schnitt ihr eine Grimasse durch die Duschwand.
Hermine zog ihre Hose herunter, setzte sich aufs Klo und murmelte dann vor sich hin: ‘Und ich dachte du wärst ne Schwuchtel!’
‘Das habe ich gehört!’ rief Wolle und schob mit einem Ruck die Duschwand auf.
Hermine grinste ihn an und meinte: ‘Ach so kalt gleich?!’
Er schnappte sich ein Handtuch und wickelte es sich um die Hüften: ‘Dir scheint es ja wieder ganz gut zu gehen.’
‘Ehrlich, wenn du mir solche Vorlagen lieferst!’ rief sie und zeigte ihm den Abstand zwischen Daumen und Zeigefinger von ca. 4 cm.
‘Wer den Schaden hat braucht für den Spott nicht zu sorgen.’ murmelte Wolle und beschloss sich zum zweiten Mal an diesem Morgen die Zähne zu putzen.
‘Zumindest ist noch warmes Wasser da!’ grinste sie und zog die Spülung.

Wenig später drängelte sie sich neben ihren Bruder ans Waschbecken, um sich die Hände zu waschen. Dabei blickte sie ihn ernst an.
‘Kannst du nach dem Frühstück schaun, ob du schon Papa besuchen kannst?’ fragte sie kleinlaut.
‘Der Kaffee ist schon seit Stunden kalt.’ murmelte er, bis sie ihm einen Schlag in die Seite verpasste.
‘Klar, ich wollte eh erstmal Mama anrufen.’ nuschelte Wolle und spuckte Zahnpastaschaum ins Waschbecken.
‘Gut, ich hol meine Sachen und geh dann duschen, Tommi ist noch ziemlich morgenmuffelig.’

Fortsetzung folgt…

%d Bloggern gefällt das: