Ein Knopf kommt selten allein… Teil 52

Ein Knopf kommt selten allein… Teil 52

Emma widmete sich wieder Tommi und redete weiter auf ihn ein. ‘Fräulein Hermine besucht gerade ihren Vater. Und eigentlich hatte Frau Weiß-Müller ein paar gute Neuigkeiten für sie gehabt!’

Tommi blickte auf den Tropf, der nun wieder stetig durchlief. Emma setzte sich an die Bettkante und überprüfte den Blutdruck.

‘Herr Weiß, ich hab Ihnen doch gesagt, dass sie sich keine Sorgen machen müssen.’ meinte der Anwalt. Tommi blickte den Anwalt an und beruhigte sich augenblicklich. Der Anwalt setzte sich auf den Besucherstuhl und fuhr fort: ‘Also die Beziehungen unseres Heimatvereines haben uns gleich heute morgen einen Termin beim Richter beschert. Der

Richter war dann auch erstaunlich gut informiert über die Vorfälle der letzten paar Tage. Der Verwaltungsakt wurde erst als nicht rechtskräftig erklärt, da Sie zu dem Zeitpunkt der Verlesung nicht voll zurechnungsfähig waren und kein gesetzlicher Vertreter anwesend war. Dann wurde er als unzulässig erklärt auf Grund der Umstände der letzten Tage. Nach einer Aussage einer Zeugin aus dem Jugendamt wurde nachgewiesen, dass die eher zweifelhafte Mitarbeiterin vom Jugendamt nehmst einer Komplizin von unserer Bank sich persönlich bereichern wollten. Die beiden wurden festgenommen und leisten jetzt diesem Eif vom Schleif in der U-Haft Gesellschaft.’

Der Anwalt grinste Tommi an, der ihm gebannt zuhörte und fuhr dann fort: ‘Ich würde die Beiden privatrechtlich auch noch auf Schmerzensgeld verklagen, was ich Frl. Immerlinger bei dem Eif von Schleif auch empfehlen würde.’ Tommi nickte und der Anwalt fuhr fort.

‘Das Sorgerecht, nehmst des Aufenthaltsbestimmungsrechtes liegt also unumstritten bei Ihrer Schwester. Der Richter wollte dann nur noch sichergehen, dass sowas nicht wieder passieren kann und empfahl geordnete Verhältnisse.’

‘Und was meint der Richter damit?’ wollte Tommi wissen.

‘Das es besser wäre, wenn deine Schwester verheiratet wäre und wenn der Ehemann Sie dann adoptieren würde.’

‘Aha!’ meinte Tommi schnippisch. Er konnte bereits ahnen was nun kam.

‘Nun haben Sie mich gebeten, dass Herr Kimmelmann keinen Blödsinn mit Ihrer Schwester anstellen soll und ich muss nun zugeben, dass ich Folgendes nicht habe kommen sehen. Asche auf mein Haupt. Und glaube Sie mir, ich hätte mich gerne angeboten, aber die Uneigennützigkeit meinerseits hätte ich nicht versprechen können.’

‚Heißt das jetzt, dass Sie auch scharf auf meine Schwester sind?’

‘Nein, ich hätte den gesellschaftlichen Nebeneffekt in Kauf genommen, damit mir meine Familie nicht ständig potentielle Ehefrauen ins Haus schleppt.’ erklärte der Anwalt und grinste geheimnistuerisch.

‘Also der Kimmelmann.’ keuchte Tommi und blickte Emma an.

Der Anwalt zog die Luft zwischen seinen Zähnen hindurch und nickte langsam.

‘Und warum erzählen Sie mir das jetzt!’ rief Tommi nun ziemlich gereizt.

Der Anwalt klappte ein Notizbuch auf, dass er soeben aus seinem Jacket gezaubert hatte und fuhr wieder fort: ‘Also der Herr Kimmelmann erklärte sich bereit, Ihre Schwester zu heiraten, das Geld ist ihm egal. Er hat nur drei Anmerkungen. Er will gescheites Internet im Schloss, ein eigenes Zimmer im Schloss für seinen Fernseher etc. und er möchte seinen Namen ändern. Ihre Schwester würde sich bereit erklären Herrn Kimmelmann zu heiraten, sie hatte aber zuvor schon die Namensänderung nach der Scheidung beantragt und außerdem würde Ihre Schwester nie ohne Ihr Einverständnis heiraten.’

Tommi schluckte schwer.

‘Zusätzlich zu dem Namensdilemma, hat Herr von Waldbuch aber verfügt, dass der Nachname Ihrer Schwester und Ihr Nachname rechtmäßig auf ‘von Waldbuch’ geändert wird inklusive aller Titel.’

‘Das mit der Adoption finde ich schräg.’ meinte Tommi, blickte aber auf Schwester Emma. Sie überprüfte nochmal den Blutdruck.

‘Das ist reine Formalität. Außerdem kann es sein, dass das ganze vor Gericht so lange dauert, bis sie volljährig sind. Dann hätte es sich eh erledigt.’

‘Ich hab Ihnen doch gesagt, mir ist alles Recht, ich will nur nicht ins Heim.’ meinte Tommi abschließend. Der Anwalt nickte und machte Anstalten zu gehen.

Emma machte die Blutdruckmanschette ab und meinte dann: ‘Dann bring ich dich jetzt zum EKG!’

Fortsetzung folgt…

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Ein Knopf kommt selten allein… Teil 51

Ein Knopf kommt selten allein… Teil 51

Am nächsten Morgen wurde Tommi spät wach. Er öffnete die Augen und das Licht blendete so, dass er die Augen gleich wieder schloß. Beim zweiten Versuch konnte er die Augen ein wenig länger offen halten und war sehr verwundert, dass Hermine nicht an seiner Seite war, sondern seine Schwester auf einem Stuhl neben dem Bett saß. Sie umklammerte eine Packung Taschentücher, schien aber eingenickt zu sein. Von Hermine war weit und breit keine Spur.

 

Er griff nach ihrer Hand und Sonja schrak hoch. Beide blickten sich erschrocken in die Augen und diesmal war es Sonja, die seinem Blick nicht standhalten konnte. Tränen liefen ihr übers Gesicht und schon war ihr Gesicht in einem Taschentuch vergraben.

‘Sonni…ich kann dich nicht heulen sehen!’ krächzte Tommi.

‘Deshalb verstecke ich mich ja hinter dem Taschentuch.’ schluchzte Sonja.

‘Das ist nur wenig heilsam, Schwesterherz!’

Sie blickte von ihrem Taschentuch auf und bemerkte: ‘Dir gehts ja wieder ganz gut!’

‘Naja, nachdem du hier im Zimmer sitzt, gehe ich recht in der Annahme, dass der Termin heute morgen bei Gericht erfolgreich war.’

Sonja nickte und fing wieder an zu heulen.

‘Sonni bitte, muss ich jetzt den Anwalt anrufen, um zu erfahren, was ich zu erwarten hab, wenn ich hier entlassen werde.’

Sie räusperte sich und schnäuzte sich dann einen viel zu langen Moment die Nase, bevor sie anfing: ‘Tut mir leid, die letzten Tage waren für mich einfach zu viel.’

‘Dabei bist du ja eigentlich nicht gehandicapt!’

‘Du kannst manchmal echt ein Arsch sein!’

‘Ja und du lässt dir grad echt nicht mal was aus der Nase ziehen…!’ meinte Tommi und dann verzog er sein Gesicht zu einer verzerrten Grimasse. Sein Körper fing langsam an zu zittern. Noch bevor Sonja auf den Notknopf drücken konnte, stürmte Schwester Emma schon ins Zimmer.

Der kundige Blick auf den Tropf verriet ihr was nicht stimmte und beflügelte ihr Handeln. Der Tropf lief nicht gescheit durch. Sie entwirrte die den Schlauch, da schien alles in Ordnung zu sein. Dann tippte sie den Zugang nur mit ihren Fingern an und schob den Regler ganz auf. Ein Schaudern überzog Tommis Körper.

‘Herr Weiß, Ihre Schwester hat mir vorhin versprochen, dass es morgen zum Frühstück Pfannkuchen gibt.’ flüsterte Emma ihm zu.

Der Satz riss Tommi wieder in die Realität zurück, er blickte Schwester Emma fragend an und zischte ihr dann zu: ‘Fräulein Emma, wohnen Sie jetzt auch schon bei uns?’

‘Herr Weiß, wir sind eigentlich davon ausgegangen, dass wir jetzt wo dieser Bulle endlich abgezischt ist, Sie gemütlich zum EKG fahren können…!’ Tommi beäugte sie misstrauisch und wollte noch etwas sagen, doch dann sah er wie der Kimmelmann und der Anwalt den Kopf zur Tür herein streckten. Sonja schluchzte beinahe hysterisch.

‘Herr Kimmelmann bringen Sie bitte Frau Weiß-Müller an die frische Luft.’ rief Schwester Emma unwirsch. ‘Herr Dr. Riemenschneider können Sie mir mal kurz helfen?’

Der Anwalt bellte ein ‘Jawohl!’ in den Raum, wartete aber bis der Kimmelmann Sonja nach draußen gebracht hatte.

 

Fortsetzung folgt…

 

Ein Knopf kommt selten allein… Teil 50

Ein Knopf kommt selten allein… Teil 50

Tommi fing gleich wieder an weiterzulesen: ‘Mein Mann indes, drückte Hans die Schulter und meinte: ‘Hans geh und teile das Fleisch auf und gib jedem der Bediensteten einen Teil für die Familien ab, den Rest können wir den Hunden geben. Alma schick die Köchin, sie soll ein paar Hühner schlachten, ich hab ein paar hungrige Männer mitgebracht und ich denke wir sollten zumindest ein Bisschen feiern und es sind alle eingeladen. Keiner drückt sich, ich will alles wissen, was hier passiert ist, als ich fort war!’ Dann kniete er sich zu mir hinunter und grinste mich an. ‘Mein geliebtes Weib, auch wenn ich zwei gute Tage an deiner Seite verpasst habe, kam ich doch im rechten Moment wieder, um auf weitere gute Tage zu hoffen.’

Ich lächelte ihn an und in dem Moment als die Milchflasche leer war, stand das Fohlen von alleine auf und torkelte in Richtung meines geliebten Stallknechtes. Alma nahm mir die Flasche ab und mein Mann hielt mir die Hand hin, um mir aufzuhelfen.

‘Sagt mir doch, wo ist eigentlich dieser Knilch?’ meinte mein Ehegatte noch zur Alma, als er mich nach drinnen begleitete.

‘Herrin, wenn Ihr es dem Herren nicht erzählt, werde ich es tun!’ rief Alma völlig aufgebracht.

‘Eurer Haushofmeister hat sich gestern zuerst an Eurem teuren Messwein vergangen und dann an meinen Prachtrosen!’ berichtete ich meinem Ehemann.

‘Und wo ist dieser Schuft nun!’ wollte mein Ehegatte wissen.

‘Herr, er muss sich von der Abreibung mit dem Teppichklopfer erholen oder von seinem Rausch! Oder beidem!’ meinte Alma und schlich rückwärts davon.

Mein Ehegatte blieb neben mir stehen, begann einfach zu lachen und er sprach erst wieder mit mir, als sich einigermaßen beruhigt hatte. ‘Ich seh schon, meine Ehegattin schafft das auch ganz gut ohne mich! Und diese Alma, sie wird mir fehlen!’

‘Liebster, bitte schickt sie nicht fort, wenn ich nun wieder gesund zu sein scheine, ich hab meine Alma so lieb gewonnen, ich will sie keinen Tag mehr missen.’ rief ich hastig und ein wenig unbedacht.

‘Wer wäre ich denn, wenn ich das täte!’ meinte mein Ehemann und blieb mit mir in der großen Halle stehen. Sein Verhalten wunderte mich sehr, aber wer bin ich, wenn ich mich beschwere, wenn es nach meinem Willen geht.

Ich lächelte ihn an und wechselte geschickt das Thema: ‘Erzählt mir doch von Eurer Reise!’

‘Es gab Probleme auf dem Weg, die Zeiten sind nicht einfach und wir haben uns entschlossen nach Hause zurückzukehren, um nach dem Rechten zu sehen. Ich hab Watzlaf mit zwei Männern nach Prag geschickt. Er findet sich dort besser zurecht, als wenn er mich mitschleppen muss.’ erklärte er mir kurz und dann blickte er mich nachdenklich an. Er wunderte sich wahrscheinlich warum er mir das alles erzählte.

‘Muss ich mir jetzt Sorgen machen?’ frug ich und machte Anstalten nach oben gehen zu wollen. Doch er hielt mich zurück.

‘Ich bin mir nicht sicher warum ich Euch das alles erzähle. Ich wollte Euch gewiss nicht beunruhigen, aber seit dem Bayern dem Rheinbund beigetreten ist, ist es nur die Frage der Zeit bis Österreich die Hände nach unserer Heimat ausstreckt. Aber sei nicht besorgt, der Krieg gegen die Preußen hat mir viel Ruhm eingebracht, vor allem weil ich meine Männer sicher wieder an Heim und Hof gebracht habe.’

Ich muss ihn verstört angeblickt haben, worauf er meine Hände packte.‘ Jetzt hab ich Euch doch beunruhigt. Glaubt mir bitte, ich sorge vor! Ich mache jeden Schritt sehr bedacht. Ich würde Euch hier nicht schutzlos zurücklassen, falls es wieder zum Krieg kommt. Wir sind so klein, dass sich niemand für das bisschen Land interessiert, aber doch können wir alle hier sehr gut von der Bewirtschaftung leben. Und ich will, dass es auch so bleibt.’

Ich versicherte ihm, dass es mir gut ginge und dass ich mich vor dem Essen noch etwas frisch machen wollte. Doch meine Gedanken reisten in die Vergangenheit und dann den Tag, als meine Verlobung mit dem aus dem Krieg heimgekehrten Herren von Waldbuch bekannt gegeben wurde. An dem Tag wurde ich aus meinem Elternhaus gerissen. Die Zeit des Krieges war schwer genug für Mutter und mich und als Vater schwer verletzt zurückkam, hätten meine Eltern keine andere Wahl als mich reich zu verheiraten.’

Tommi setzte ab und blickte Hermine fragend an und fing dann an zu plappern: ‘Also die haben 1807 geheiratet. 1808 wurde Goethes Faust auf der Leipziger Buchmesse vorgestellt. Der Krieg gegen Österreich begann Anfang 1809. Wann ist Jonathan geboren?’

‘Das war im Winter 1810! Das steht auf dem Grabstein von der Lady Gwendoline.’ gähnte Hermine und schloß die Augen.

 

Fortsetzung folgt…

Ein Knopf kommt selten allein… Teil 49

Ein Knopf kommt selten allein… Teil 49

Tommi begann zu lesen. ‘Nun sitze ich wieder hier an meinem Schreibtisch, ganz allein und das Fenster hinter mir wird für immer geschlossen sein. Nur meine beiden kleinen neuen Freunden leisten mir Gesellschaft. Die beiden Knöpfe, die sich anschickten in meinen Besitz zu stolpern und nun sind sie das Einzige was mir von ihm bleiben ist. Seine Knöpfe und die kleinen vertrockneten Blumen, die ich in dieses Tagebuch gelegt habe, um mich für immer daran zu erinnern: Zwei Tage Freiheit.

So bin ich froh, das wir diese beiden Tage in Freiheit hatten. Die beiden Nächte werden für immer in meiner Erinnerung bleiben. Und der Kuss an unserem Ort. Der Ort, den nur wir beide kennen. Ich kann die Tränen kaum mehr zurückhalten, dennoch schreibe ich weiter, ist doch mein Tagebuch die einzige Freiheit die mir nun noch geblieben ist.

Am Besten beginne ich von Vorne was an diesem Dritten Tag unserer Allianz geschah.

Wir waren heute bei dem jungen Fohlen gewesen. Sie war noch so klein und konnte kaum aufstehen. Die Mutter war noch sehr erschöpft und gab kaum genug Milch für die kleine Zyane. Hans war sehr besorgt. Am Vormittag hatte sich Emma hingelegt und war nicht mehr aufgestanden. Alle Versuche sie zu behandeln waren vergebens.

Der Doktor, der eigentlich nach mir sehen wollte, bot seine Hilfe an. Sie schickten mich fort von den Ställen, der Doktor befürchtete ich würde mir das Schicksal des Pferdes zu sehr Herzen nehmen.

Hans brachte das Fohlen irgendwann auf die Veranda und bat Alma eine Flasche Milch für das arme Ding zu bereiten. Ziemlich geknickt ging er wieder und irgendwann schallte ein Schuss über den Hof und mir war klar, was sie getan hatten. Auch der Doktor hatte sie nicht retten könnte.

Plötzlich kamen Reiter auf den Hof geritten und blickten sich fragend um. Mein Ehemann war wieder da, er ritt völlig außer sich bis auf die Veranda und sah mich weinend mit dem Fohlen im Arm am Boden sitzen. Er sprang vom Pferd und schrie. Ich war mir nicht sicher ob er mich anschrie oder die Bediensteten. Ich erschrak mich dennoch sehr und hörte augenblicklich auf zu weinen auf, um ihn wohl entsetzt anzublicken.

Er war sehr aufgebracht weil er nicht verstand. Doch Hans kam mit der Waffe in der Hand über den Hof geschritten und machte Meldung: ‚Herr, ich musste eine der Stuten erschießen. Das Fohlen hat auf dem Weg ins Leben zu viel Schaden angerichtet.‘

Wortlos übergab er die Waffe seinem Herren. Mein Ehemann schüttelte fassungslos den Kopf, blickte Hans finster an, um ihn dann anzufauchen: ‘Hans, was soll das, ich hab Ihm die Waffe, als Zeichen meines Vertrauens gegeben und eine Geburt ist immer schwierig, das musst er doch am Besten wissen, Hans!‘

Daraufhin übergab er die Waffe wieder dem Stallknecht und wandte sich zu mir. Ich saß immer noch auf dem Boden mit dem Fohlen im Arm und muss meinen Mann immer noch verstört angeblickt haben.  

Der Arzt kam hinzu und erklärte meinem Mann: ‚Selbst wenn er es gleich bemerkt hätte, hätte selbst ich das Tier nicht retten können. Mein eher weniger geschätzter Kollege und Pferdemetzger hätte gar nichts getan und sich später um frisches Fleisch gefreut. So könnt Ihr wenigstens die Überreste verwerten.‘

Angesichts seiner Ansprache muss ich wohl laut geschluchzt haben und schon waren alle Augen auf mich gerichtet.

Gut das in dem Moment Alma auf die Veranda kam und fröhlich mit der Milchflasche wedelte. Sie drückte mir sogleich die Flasche in die Hand. Es war ein Tuch am Flaschenhals befestigt und mit ein bisschen gut Zugerede von mir und Hans trank das Kleine tatsächlich. Ich musste derart gestrahlt haben, dass ich selbst dem Hans ein Lächeln abringen konnte.

Mein Mann und der Doktor hatten sich indes unterhalten und mein Mann begann zu ebenfalls strahlen.

‚Wem hab ich die schnelle Genesung meiner geliebten Ehefrau zu verdanken?‘ fragte er alle Anwesenden.

Alma zeigte auf Hans, Hans zeigte auf den Arzt und der Arzt zeigte auf mich und ich auf Alma, blickte jedoch Hans dabei an.’

Hermine kicherte, während Tommi die nächste Seite umblätterte.

Fortsetzung folgt…

Ein Knopf kommt selten allein… Teil 45

Ein Knopf kommt selten allein… Teil 45

Als Wolle erneut wach wurde, stand das Frühstück bereits auf dem Tischchen. Der Kaffee war kalt und er musste den Würgereiz unterdrücken. Er stand auf und tappte aufs Klo. Er hörte die Tür. Die Schwester schien wohl das Frühstück abräumen zu wollen. Eigentlich wollte er duschen, er konnte aber kein Handtuch finden. Obwohl er bis auf seine Shorts schon nichts mehr an hatte, tappte er wieder zur Tür und riskierte einen Blick durch die Tür.

‘Gibt es hier eigentlich keine Handtücher?’ grummelte Wolle.

‘Doch sorry, ich wollte sie eben auffüllen, seit dem der Bulle vor der Tür sitzt, kommen nicht mal die Putzfrauen hier rein!’ meinte Schwester Emma.

Wolle ging wieder zurück zur Dusche und in dem Moment als er sich seiner Shorts entledigte, stand Schwester Emma mit einem Stapel Handtücher in der Tür.

Als er wieder aus der Dusche kam, stand die Schwester immer noch in der Tür und starrte wie gebannt auf ihn. Er grinste sie nur an und hielt ihr eine Hand hin.

Sie stand wie zu einer Salzsäule erstarrt in der Tür und blickte auf seinen nackten und ziemlich nassen Körper. Er zog nur eine Augenbraue rauf und meinte dann: ‘Kann ich zwei Handtücher haben?’

Wie von einem Schlag getroffen machte sie einen Satz auf ihn zu und versuchte ihm zwei der vier Handtücher in die feuchten Hände zu drücken, dabei fielen ihr die anderen beiden Handtücher aus der Hand, worauf sie beide sich reflexartig danach bückten und dabei kamen sie sich unabsichtlich ziemlich nahe. Und zu allem Überfluss, kam sie auf dem nassen Boden auch noch ins Straucheln, worauf er sie halb auffangen musste, damit sie nicht beide auf den Boden knallten. Daraufhin versuchte er sich mit ihr und allen vier Handtüchern zusammen wieder aufzurappeln. Als sie beide wieder sicher auf den eigenen Beinen standen, hatte Wolle die vier Handtücher in der Hand und war immer noch nackt und ihr war mittlerweile die Schamesröte zu Kopf gestiegen.

‘Ich hab keine Ahnung was Sie mit mir machen?’ meinte Wolle und drückte ihr drei Handtücher wieder in die Hand. Sie blickte ihn so unschuldig wie möglich an, während die Schamesröte sie sichtlich ins Schwitzen brachte.

‘Sie machen mich ganz nervös!’ flüsterte Wolle und schlang sich dann sehr hastig das verbliebene Handtuch um die Hüften. Es regte sich etwas, was sich eigentlich nicht regen sollte, deshalb meinte er kleinlaut: ‘Und Frauen bringen mich eigentlich nicht derart aus der Fassung.’

Nun zog sie eine Augenbraue hoch, als sie die Bewegung unter seinem Handtuch wahrnahm. Er nahm sich ein weiteres Handtuch und wickelte seine zerzausten Haare hinein, dabei drehte er ihr den Rücken zu, in der Hoffnung, dass es für ihn nicht noch peinlicher werden würde. Aber nachdem sein Schwanz da anderer Meinung war, sagte er ganz ruhig: ‘Mir passiert sowas eigentlich nur bei Männern!’

Sie stammelte und musste sich ein Lächeln verkneifen: ‘Ähm, ja. Sorry. Ich kann das vielleicht aufklären.’

‘Sagen Sie jetzt nicht, dass Sie was in den Kaffee getan haben!’

‘Sie haben Ihren Kaffee doch überhaupt noch gar nicht angerührt.’ rief sie empört, grinste dann unsicher, begann mit einen Fuß am Boden zu scharren.

Wolle blickte nochmal nach unten, es hatte keinen Zweck sich verstecken zu wollen, also drehte er sich langsam wieder zu ihr rum.

Sie konnte den Blick nicht von dem Handtuch trennen und begann zu stammeln. ‘Tommi hat mich gestern ja eh entlarvt…!’

‘Wie entlarvt, was?’ rief er und blickte wieder nach unten. Sein Schwanz war immer noch freudig erregt und nichts was sie sagte, schien ihn davon abzuhalten, noch weiter anzuschwellen.

‘Ich bin keine richtige Krankenschwester.’ beichtete sie.

Er schüttelte den Kopf und ging an ihr vorbei zum Waschbecken, er beschloss irgendwas Normales zu tun. Zähne putzen war eine tolle Idee.

‘Ich heiße auch nicht Emma! Tommi hat das schon sehr richtig erkannt, dass auf meinem Krankenhausausweis, der Name nicht stimmt.’ meinte sie und setzte sich neben dem Waschbecken auf die Ablage. Sie zog die Perücke vom Kopf.

Er musste sie einfach nur anstarren. Unter der Perücke kam etwas völlig anderes hervor. Sie hatte ihre scheinbar in allen Farben gefärbten Haare hochgesteckt, damit die ziemlich gut gemachte Perücke kaum auffiel. Dann öffnete sie ihr Halstuch und es kam eine frische Narbe hervor. Wolle schien immer noch nicht zu kapieren.

‘Ich wurde als Emil geboren!’

Er blickte sie ungläubig an, also packte sie seine Hand und schob sie unter ihren Rock. Die halterlosen Strümpfe irritierten ihn ziemlich. Dafür dass sie unter ihrem Rock und in einem engen Miederhöschen einen prächtigen Schwanz versteckt hatte, brauchte er noch ziemlich lange, bis er endlich begriff. Ihm fiel die Zahnbürste aus der anderen Hand, bevor er ‘Emil!’ stottern konnte.

‘Emma wäre mir tatsächlich lieber!’ flüsterte sie.

‘Emma, ich darf doch…!’ Er wischte sich den Schaum der Zahnpasta aus dem Gesicht, wartete ein Nicken ihrerseits ab und hob dann vorsichtig das Röckchen hoch um einen Blick zu riskieren. Seine andere Hand lag ruhig auf ihrem Oberschenkel, als er unter ihren Rock blickte. Er glitt mit dem Daumen über das Miederhöschen und spürte ihren Schwanz, der schier pulsierte, da er vom Höschen etwas eingequetscht war. Sachte glitt er dann unter das Höschen. Es schien alles ziemlich echt zu sein und nachdem er dabei auf ihre Brüste starrte, zog er seine Hand zurück und schüttelte den Kopf. Er keuchte: ‘Ich brauch noch einen Moment!’

‘Okay!’ meinte sie und schob den Rock wieder über den Spitzenrand der Strümpfe.

Er blickte sie eine Weile an und kam ihr dann etwas näher. Sie lächelte unsicher.

‘Wo warst du nur die ganze Zeit?’

Sie blickte ihn nur fragend an.

Er blickte auf seinen Schwanz, der immer noch stand. ‘Er scheint anscheinend auf dich gewartet zu haben.’

Er kam ihr noch näher, packte sie am Nacken und rieb seinen Bart an ihrem Hals entlang, bis er mit seinen Lippen auf ihre Lippen zusteuerte.

Sie wand sich aus seinem Griff und küsste ihn hastig auf die Wange. ‘Nicht so hastig, im Grunde kenn ich Sie doch gar nicht!’

Er muss sie wohl verstört angeblickt haben, weil sie dann bis über beide Ohren grinste, um ihm dann einen Kuss auf den Mund aufzudrücken.

 

Fortsetzung folgt…

Ein Knopf kommt selten allein… Teil 44

Ein Knopf kommt selten allein… Teil 44

Tommi las Hermine aus dem Faust vor und Hermine entspannte sich langsam. Schwester Emma kam wieder und Hermine bemerkte erst ihre Anwesenheit, als Tommi zu lesen aufhörte.

‘Also ihr Herr Vater hatte einen kleinen Herzinfarkt und morgen wird er schon auf diese Station verlegt, dann können Sie ihn besuchen. Herr Wolle bringt noch ihre Mutter nach Hause und kommt dann wieder.’ berichtete sie, lächelte Hermine bezaubert an und fragte dann: ‘Braucht ihr noch was?’

Tommi schüttelte den Kopf.

Wolle kam erst wieder, als es bereits dunkel geworden war. Tommi lag wie ein Toter im Bett, in einer Hand den Goethe und im anderen Arm Hermine.

Sie wurde sofort wach, als Wolle sich erschöpft in den Stuhl fallen ließ. Er fing sofort an zu flüstern: ‘Der Prof. Borgolte ist guter Dinge!’ Doch seine erschöpfte Miene sagte ihr etwas anderes. ‘Ach und der Kimmelmann hat mir noch was für euch mitgegeben.’

Er zog ein echt hässliches Stoffschwein aus einer Tasche und grinste grenzdebil: ‘Die Giraffe ist noch nicht trocken und den Dackel haben wir nicht in die Tasche bekommen.’

Sie musste dennoch lächeln und nahm den neuen Mitbewohner entgegen.

In der Nacht kam Schwester Emma noch einmal, um nach den Rechten zu sehen. Sie nahm Tommi den Goethe ab und legte ihn umgedreht auf das Nachtkästchen. Sie kontrollierte die Zugänge und zog die Decken zurecht. Erst als sie Hermine liebevoll über den Kopf strich, würde ihr gewahr, dass Wolle sie beobachtete.

Sie lächelte ihn an, ging zum Schrank und holte eine Wolldecke und ein Kissen heraus, um es im nächsten Moment Wolle in die Hand zu drücken.

Er blickte sie entgeistert an, bis ihre Lippen: ‘Schlafen Sie gut, Herr Wolle!’ formten.

Ohne eine Erwiderung seinerseits abzuwarten, schwebte sie wieder aus dem Zimmer. Später war er sich nicht mehr sicher, ob das Wirklichkeit oder nur ein mysteriöser Traum war.

Erst als Wolle nach Stunden wieder wach wurde, die Decke fest an den Körper gepresst, war es ihm endgültig klar, dass ihn Schwester Emma doch besucht haben musste. Mit einem zufriedenen Lächeln auf den Lippen schlief er wieder ein, obwohl es schon helllichter Tag sein musste.

Fortsetzung folgt…

Ein Knopf kommt selten allein… Teil 43

Ein Knopf kommt selten allein… Teil 43

OLYMPUS DIGITAL CAMERANach dem Zähneputzen kam diese Schwester wieder und brachte wieder einen Plastikbeutel in dem seine Klamotten waren und eine ominösen braunen Papiertüte.
‘Schöne Grüße vom Dr. Dalek soll ich ausrichten!’ meinte sie und drückte Tommi die Papiertüte in die Hand und Mi nahm ihr den Plastikbeutel ab.
‘Wir müssen darauf bestehen, dass Sie das Krankenhaushemdchen anlassen, wegen dem EKG. Aber die Shorts und Socken sind schon okay.’
Wolle kam aus dem Bad und packte hastig sein Handy in die Hosentasche. Schwester Emma meinte, ohne sich nach ihm umzudrehen: ‘Haben Sie etwa telefoniert?’
‘Es war ein Notfall!’ stammelte Wolle, er war ganz schön blass um die Nase.
Sie drehte sich um und grinste ihn ungläubig an: ‘Sie werden es kaum glauben, es ist immer ein Notfall!’
‘Ernsthaft, Vater hat sich arg aufregen müssen…’ flüsterte Wolle und ließ sich auf einen der Stühle fallen.
Mi ließ den Plastikbeutel fallen und musste sich erstmal setzen, bevor sie stammelnd fragte: ‘Was ist passiert?’
‘Mama steht draußen und raucht und Papa ist wohl grad auf die Intensivstation gebracht worden!’
Schwester Emma hob die Plastiktüte auf und versuchte ihn zu beruhigen: ‘Wenn Sie wollen kann ich bei meinen Kollegen nachfragen und Sie Herr Immerlinger gehen zu ihrer Mutter.’

Wolle blickte sie entgeistert an und begann dann zu stammeln: ‘Ich bin Wolle, der Herr Immerlinger ist mein Vater…’ seine Stimme brach und er musste schwer schlucken.

‘Los, gehen Sie schon, Herr Wolle. Ich werde Sie nachher schon wieder herein schmuggeln.’ rief Schwester Emma, drehte sich im selben Atemzug zu Hermine um, die weiß wie eine Wand auf dem Bett saß und mit den Tränen kämpfte.
‘Frl. Hermine, Sie müssen darauf aufpassen, dass Tommi nichts Dummes mit dem Goethe anstellt.’
Wie aufs Stichwort zog Tommi Goethes Faust aus der Papiertüte.
‘Ich schick dir gleich ne Whatsapp, wenn ich Mutter gefunden hab. Versprochen!’ rief Wolle erschreckend selbstsicher. Wolle blickte Mi an und sie nickte geistesabwesend.

‘Und wir treffen uns dann wieder hier. Wenn Sie der Bulle vor der Tür nicht wieder rein lässt, eben vor der Tür.’ rief Schwester Emma und machte Anstalten aufbrechen zu wollen und fuhr dann fort: ‘Wir machen es am besten wie bei Star Wars. Sie sind C3PO und ich bin R2D2 und habe einen Schaltkreiskollaps!’

Wolle musste lächeln.
‘Oh war das ein Lächeln.’ flüsterte sie und lächelte unwiderstehlich.
Er schluckte einen gewaltigen Klos in seinem Hals hinunter und versuchte nochmal zu lächeln, nur da es ihm diesmal nur bedingt gelang. Dann täuschte sie einen Schwächeanfall vor und Wolle brachte sie vor die Tür.
Draußen vor der Tür konnte man einen Pfleger hören: ‘Mensch Borgolte! Ist es schon wieder Unterzucker, wann gehst du endlich mal zum Arzt.’

Fortsetzung folgt…

Ein Knopf kommt selten allein… Teil 42

Ein Knopf kommt selten allein… Teil 42

OLYMPUS DIGITAL CAMERAEin Pfeifen von hinten erschreckte die Schwester fast mehr als Tommi. Hermine grinste ihn saublöd an und dann hustete sie: ‘Sexy!’

‘Sie helfen ihm beim Zähne putzen und ich schau mal wo die Klamotten bleiben!’ meinte die Schwester und schon ging die Tür auf.

‘Guten Morgen, mein Schatz!’ meinte ein älterer Herr. ‘Ist das die Urinprobe?’

Die Schwester nickte nur.

‘Ach sei so gut und bring sie gleich ins Labor. Ich will ein volles Drogenscreening haben!’

Schwester Emma ging und Hermine und Tommi blickten den älteren Herren fragend an: ‘Meine Enkeltochter haben Sie ja schon kennengelernt. Ich bin Prof. Dr. Severin Borgolte und ich soll Sie schön von Dr. Dalek grüßen.’ Dann zog er eine Plastiktüte aus seiner Kitteltasche. ‘Ich hab das Tagebuch sicher aufbewahrt und nun bringe ich es zurück. Ich konnte kein Wort lesen!’

Hermine half Tommi dabei sich wieder hinzulegen und ging dann die Zahnbürste holen.

Tommi atmete schwer und versuchte sich nicht anmerken zu lassen, dass er Schmerzen hatte.

‘Brauchen Sie was gegen die Schmerzen?’ fragte Prof. Borgolte.

Tommi biss die Zähne zusammen und schüttelte den Kopf.

‘Es ist keine Schande Schmerzen zu haben, junger Mann!’

‘Da läuft mir schon zu viel durch!’ flüsterte Tommi.

‘Naja, es wird darauf rauslaufen, dass wenn es Ihnen wieder besser geht, wir Sie langsam von allem entwöhnen müssen. Aber jetzt ist es erstmal wichtig, den Stresslevel möglichst niedrig zu halten. Und zu starke Schmerzen können Sie in den nächsten Anfall befördern und das wäre eher ungut.’

‘Wie ungut?’

‘Ich will es nicht beschönigen, ich bin mir nicht sicher, ob Ihr Herz in nächster Zeit noch so einen heftigen Anfall packt. Ich muss Ihnen ja nicht sagen, dass einzig und allein der beherzte Einsatz Ihrer Medikamente unter Ihrer Zunge Ihnen im Endeffekt das Leben gerettet haben.’

‘Oh, ich glaub, das war ich!’ meinte Hermine, die vom Bad her kam mit einem Zahnputzbecher und einem Handtuch in den Händen.

‘Ja, junge Dame! Sehr gute Arbeit! Haben Sie schon mal über einen Beruf im medizinischen Bereich nachgedacht?’

‘Ich hab schon nen Job. Ich mach ne Ausbildung im landwirtschaftlichen Bereich und dann die Ausbildung zum Bereiter, wenn ich mit der Schule fertig bin. Und ich hab mir überlegt Erlebnispädagogik zu studieren, abends vielleicht.‘

Tommi grinste Mi an, während sich Prof. Borgolte an die Bettkante setzte, um weiter mit Tommi zu reden: ‘Also Tommi, nachdem Dr. Dalek mir quasi die Pistole auf die Brust gesetzt hat, dass ich mich darum kümmern soll, dass nicht noch mehr Ungerechtigkeiten mit Ihnen passieren, kann ich Ihnen ein Angebot machen, dass ich Sie so lange hier behalte, bis Ihr Anwalt die Sache mit dem Jugendamt geklärt hat. Und wenn alle Stricke reißen, schicken wir Sie sehr sehr lange auf Entzug, auf eine Alm zum Beispiel. Irgendwann werden Sie schon 18 werden.’ Er zog eine Spritze auf und ließ den Inhalt langsam in den Tropf laufen.

‘Und was ist, wenn sich das ganz schnell aufklärt?’ fragte Tommi.

‘Dann gipsen wir Sie neu ein und machen ein Belastungs-EKG und wenn das gut aussieht, dann können Sie heim!’ meinte der Professor und hielt ihm die Hand hin.

‘Damit kann ich leben!’ meinte Tommi und schlug ein.

Der Piepser am Gürtel des Professors ging los.

‚So, junger Mann. Lassen Sie sich schön pflegen, ich komm später nochmal vorbei. Unser Dr. Dalek hat noch eine Überraschung für Sie.’

Fortsetzung folgt… vielleicht!

Ein Knopf kommt selten allein… Teil 41

Ein Knopf kommt selten allein… Teil 41

OLYMPUS DIGITAL CAMERAHermine war bereits wach, als Tommi sich regte. Wolle hatte ihr gerade sein Handy hingehalten und sie musste grinsen.

Sie flüsterte so leise, dass Tommi Mühe hatte sie zu verstehen.

‘Schreib ihr, ich vermiss sie.’

‘Guten Morgen, Jenny!’ meinte Tommi und gähnte dann.

‘Schreib ihr auch noch liebe Grüße vom Schlossherrn!’ grinste Hermine und drehte sich zu Tommi um.

‘Guten Morgen, Tommi. Ihr habt mehr als 12 Stunden geschlafen, es ist bereits Samstag.’ meinte Wolle. ‘Der Chefarzt war schon zweimal da und diese Schwester!’

‘Diese Schwester?’ fragte Hermine ungläubig.

‘Ja, Schwester… Ähm! Der Dr. Dalek hat da was gedreht!’

‘Dr. Dalek ist auch da?’ fragte nun Tommi.

‘Ja, der Heimatverein macht einen Sitzstreik vor dem Krankenhaus!’

‘Nicht dein Ernst!’ rief Hermine und Tommi zugleich.

Wolle goss ein Glas Tee ein und hielt es Tommi hin.

‘Ich kann nicht noch mehr trinken!’ krächzte Tommi.

Wolle hielt beleidigt das Glas mit dem Tee fest in beiden Händen und versuchte den grässlichen Tee zu verteidigen: ‘Ja, er schmeckt grausam, aber ihr sollt viel trinken!’

Das ließ sich Hermine nicht zweimal sagen und nahm ihm das Glas aus der Hand und leerte es auf einen Zug. Dann drückte sie ihm das Glas wieder in die Hand und versuchte aufzustehen.

‘Ich muss pissen!’ krächzte sie, kam zum Stehen und wankte langsam zum Badezimmer.

‘Dito!’ kam von Tommi.

‘Tommi, mein Freund. Ich halt dir gerne die Flasche, aber wenn du mich anpinkelst, dann sind wir geschiedene Leute.’ meinte Wolle und Tommi musste lachen, was aber noch mehr weh tat, als husten.

Die Schwester stand in der Tür und trällerte: ‘Da komm ich wohl genau aufs Stichwort.’ Sie hatte eine Urinflasche in der Hand. ‘Wir brauchen eh eine Urinprobe!’

Im Badezimmer krachte es und Wolle war ganz hin und her gerissen.

‘Ist ihre Schwester grad im Bad? Ich hab Einmalzahnbürsten und so mitgebracht, dieser Hausmeister lässt mit euren Sachen auf sich warten.’

Wolle stand auf und grinste Tommi an, bevor er sich zu der Schwester umdrehte.

‘Schwester…Ähm!’ stammelte er wieder.

‘Emma…. Schwester Emma!’ erklärte sie ihm und drückte ihm einen Plastikbeutel mit Zahnbürsten und Zahncremeproben in die Hand.

Wieder krachte es im Bad. Wolle nahm den Beutel an sich und stürzte zur Badtür. ‘Mi, alles klar bei dir? Ich hab ein paar Zahnbürsten!’

‘So, Herr Weiß…!’ hörte er die Schwester noch zu Tommi sagen, bevor er im Bad verschwand.

‘… dann mal los.’ kicherte sie und ging ums Bett herum.

Tommi hatte sie regelrecht im Visier und meinte dann in seiner üblichen Art des Klugscheißens: ‘Also Lady, ich weiß nicht, wer Sie hier rein gelassen hat, aber ne Krankenschwester sind Sie ja mal nich! Aber von der Presse sind Sie auch nicht, dafür sind Sie zu nuttig angezogen!’

Sie kam ins Stammeln und musste sich erstmal an den Bettrand setzen.

‘Aber nachdem ich ernsthaft dringend pinkeln muss, würde ich es bevorzugen, dass Sie mir aufhelfen! Machen Sie sich keine Sorge. Ihr Geheimnis ist bei mir sicher!’ meinte Tommi gelassen und griff sich an den Hals und brachte sie dazu, dass sie ihr Halstuch zu Recht rückte.

‘Dr. Dalek hatte schon gemeint, dass Sie ein ganz außergewöhnlicher Fall sind, aber ich dachte, ich könnte mich noch vorstellen, bevor Sie mich bloßstellen!’ berichtete sie und schob dann auch noch ihre Perücke zurecht.

‘Emma ist auch nicht ihr richtiger Name! Auf ihrem Ausweis steht Emil Borgolte, Psychiatrie!’ meinte Tommi und machte Anstalten aus dem Bett aufstehen zu wollen.

‘Verdammt!’ fluchte sie und schob ihren Ausweis in den Rocksaum zurück. ‘Ich hab mir echt so viel Mühe gegeben.’

Tommi versuchte sich aufzusetzen, doch der Schwindel und die Tatsache, dass er nichts außer das Krankenhaushemdchen anzuhaben schien, zwang ihn dazu sich wieder hinzusetzen.

‘Ich hätte jetzt eigentlich gerne mehr an!’ murmelte er mehr in sich hinein, als zu ihr.

Sie drückte ihm die Pinkelflasche in die Hand und meinte: ‘Es wird im Sitzen gehen müssen und ich ruf in der Wäscherei an, ob ihre Klamotten schon wieder trocken sind!’

‘Oh verdammt, hab ich mir arg viel Schande gemacht?’

‘Ich war bei der Einlieferung nicht dabei. Ihre Sachen wurden gewaschen, war ne Menge Blut denk ich!’ mutmaßte sie, blickte ihn an und fuhr fort: ‘Sie schaun ein Bisschen so aus, als wären Sie durch eine Scheibe gelaufen!’

‘Genau so fühl ich mich auch!’ meinte Tommi und machte einen erneuten Versuch sich wieder aufsetzen zu wollen.

Sie stützte ihn am Rücken, betätigte die Fernbedienung fürs Bett und fragte: ‘War es nur das Namensschild?’

‘Das Namensschild war nur der Beweis für meine Vermutung.’

‘Und für die Vermutung haben Sie 10 Sekunden gebraucht!’

‘Eher 20 Sekunden, um festzustellen, dass Wolle es noch nicht checkt, dass er sich in Sie verschaut hat!’

Sie musste lächeln und lief unter ihrem Make-up rot an.

‘Ich kann eigentlich nicht, wenn mir einer dabei zusieht.’

‘Ich schau weg und Sie sagen ihm bitte nichts!’ flüsterte sie.

Tommi schlug den Krankenhauskittel ein wenig auf die Seite und versuchte zu zielen, während er mit der Gipshand versuchte die Flasche zu halten.

‘Machen Sie die Flasche nicht ganz voll!’ kicherte sie wieder.

‘Sie haben ja doch geschaut!’ flüsterte Tommi, als er fertig war. Sie nahm ihm die Flasche ab und drückte ihm einen Waschlappen in die Hand.

‘Sehr aufmerksam, Schwester Emma!’ meinte Tommi und grinste sie an: ‘Gratulieren Sie ihrem Arzt für die gute Arbeit, die Narbe am Hals kann man kaum sehen und wenn ich das Sagen darf, Ihre Möpse sind fast zu perfekt.’

Sie schüttelte nur den Kopf und brachte die Urinflasche in Sicherheit, fragte dann aber doch:  ‘War das ein Kompliment?’

‘Ein Anerkennendes!’ grinste Tommi. ‘Kann ich dann auch meine Zähne putzen?’

Fortsetzung folgt…

Ein Knopf kommt selten allein… Teil 40

Ein Knopf kommt selten allein… Teil 40

OLYMPUS DIGITAL CAMERATommi wurde erst wieder wach, als Hermine ziemlich laut keuchend erwachte. Er riss die Augen auf und griff sich zugleich an die Brust.

Sein Herz wummerte in seiner Brust. Sie blickte ihn mit riesigen Augen erschrocken an, bis sich ihre Augen langsam mit Tränen füllten. Er konnte gar nichts sagen, weil er mit atmen und den damit verbundenen Schmerzen beschäftigt war.

‘Du Arsch, mach sowas nie wieder!’ pflaumte sie ihn an, bevor sie einfach nur zu weinen begann.

Davon wurde Wolle wach. Er gähnte nur: ‘Nicht aufregen, ganz ruhig!’

Tommi blickte erst Wolle an und dann Hermine, er wusste gar nicht was los war. Er versuchte etwas zu sagen, doch er brachte keinen Ton heraus. Es blieb ihm nichts anderes übrig als die Hände nach ihr auszustrecken, die umgehend zu zittern begannen. Hermine starrte auf seine Hände und als ein verkrampftes Zucken durch seinen Körper schoss, blieb ihr fast das Herz stehen und sie heulte noch mehr. Tommi konnte die Hände nicht mehr oben halten, die gebrochene Hand tat ihm so weh, dass es ihm schier die Luft abschnürte und ihm die Kraft fehlte die andere Hand noch weiter auszustrecken. Erst als seine Hände schon fast wieder die Bettdecke berührten, gab Hermine sich einen Ruck. Sie packte seine Hände, rutschte näher und versuchte ihn zu umarmen. Allein die Berührung seiner verletzten Hand trieb ihm die Tränen in seine Augen.

‘Nicht so stürmisch, Mi!’ meinte Wolle noch. Doch sie drückte sich fest an Tommi, dem erstmal nur die Luft wegblieb. Erst als ein ersticktes Stöhnen aus Tommis Kehle stolperte, lockerte sie ihren Griff.

Dann flüsterte sie ihm ins Ohr: ‘Du hast gesagt, dass dein Herz mir gehört….!’

Er hatte keinen übrigen Atem, um darauf etwas zu erwidern, was vielleicht auch besser war. Sie fuhr etwas lauter fort: ‘Und dann bleibt es einfach stehen!’

‘Ich glaube nicht, dass er es mit Absicht gemacht hat, Hermine!’ klugscheißerte nun Wolle, weil er schon merkte, dass Tommi ziemlich sprachlos war.

‘Mi, ich hab das nicht…!’ keuchte Tommi endlich und der darauf folgende Hustenanfall, brachte ihn an den Rand der Besinnungslosigkeit. Hermine heulte einfach weiter.

Wolle war schon ein bisschen genervt davon, dass die beiden sich gegenseitig aufstachelten, drückte Hermine ein Taschentuch in die Hand und sprach ein Machtwort: ‘So und ihr beiden beruhigt euch bitte. Vor allem du Hermine und pass beim Schnäuzen auf deine Nase auf und warum machst du ihn so blöd an, er hat kaum die Luft zum Atmen und was soll er dir überhaupt antworten. Er hatte nicht mit Absicht einen Herzstillstand. Und damit das nicht wieder passiert, soll er sich nicht aufregen und du sollst dich auch nicht aufregen. Am Besten legt ihr euch nochmal hin und versucht zu schlafen.’

Er ging ums Bett herum und half Tommi dabei, ein wenig zur Seite zu rutschen. Er drückte ihm ein Glas mit Tee in die Hand und achtete sorgsam darauf, dass er es leer trank. Dann ging er wieder zurück zu seiner Schwester, gab ihr ebenfalls etwas zu trinken und half ihr dann, sich neben Tommi zu legen. So lagen sie beide wie bestellt und nicht abgeholt im Bett, Schulter an Schulter.

‘Ihr hättet mehr Platz, wenn einer von euch den Arm heben würde!’ grinste Wolle, worauf beide den jeweils zum Ende des Bettes befindlichen Arm hoben.

‘Euch ist echt nicht zu helfen.’ meinte Wolle kopfschüttelnd.

Tommi hob unter Schmerzen den anderen Arm und Hermine versuchte sich so vorsichtig wie möglich in seinen Arm zu legen. Wolle deckte beide zu und atmete sichtlich auf.

Tommi lehnte sich gegen ihren Kopf und flüsterte in ihr Haar. ‘Ich bin froh, dass du mich von der Schippe gezogen hast. Ich hatte es nicht mehr in der Hand.’

‘Der Anwalt hat die meiste Arbeit gemacht!’ flüsterte sie, schniefte nochmals und tupfte sich die Nase. Doch Tommi schüttelte fast unmerklich seinen Kopf, küsste ihr Haar und schlief bald ein.

Fortsetzung folgt…

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