Drei und eine Axt – Teil 13

Eine Axtgeschichte – Drei und eine Axt – Teil 13

Meister Kejnen und Ainur ließen die Pferde durch die Furt traben. Ziska stand bis zu den Knien im Wasser und wusch die Wäsche aus. Seifenschaum schwamm auf der Wasseroberfläche und trieb langsam flussabwärts.

Als sie die Pferde hörte, blickte sie auf und lächelte ihnen entgegen. Die Pferde blieben am Ufer stehen und Ziska watete, mit der nassen Wäsche im Arm aus dem Wasser, warf sie fast beiläufig auf einen Stein und lief ihnen entgegen.

Kaum hatte sich Kejnen vom Pferd fallen lassen, sprang Ziska ihn schon an. In dem Moment als ihre Beine seine Hüften und ihre Arme seinen Hals umschlangen, wurde ihm gewahr, dass sie nur eine nasse Tunika trug. Er bedeckte mit einer Hand ihren nackten Hintern und mit der anderen Hand musste er sich am Sattel festhalten, weil er sonst umgestürzt wäre.

‚Hast du mich etwa vermisst?‘ fragte er mit einem breiten Lächeln im Gesicht. Sie zog ihm mit einer Hand das entstellte Gesicht zurecht und musste auch grinsen.

‚Nein, überhaupt nicht!‘ sagte sie in ihrer albernen Art und hielt einen langen Moment inne, bis sie ihm einen langen Kuss aufdrückte. Er verlor fast das Gleichgewicht, aber sein Pferd hielt sein Stolpern auf. An sein Pferd gelehnt rang er nach Luft, erwiderte aber ihren Kuss. Ainur grinste nur.

Als Kejnen seinen Mund wieder zur freien Verfügung hatte, meinte er sanft: ‚Meine Schöne, du hast einen Patienten und wir haben einen weiteren Gast.‘

Langsam löste sie sich von Kejnen und glitt an seinem Körper herab. Als ihre Füße wieder den Boden berührten, zupfte sie ihre Tunika zurecht und hielt Ainur die Hand hin, der immer noch feixend auf seinem Pferd saß.

‚Das ist Ainur, ein alter Kriegskamerad.‘ erklärte Kejnen kurz und zog endlich seinen Stock aus dem Sattel. Nun stand er wieder sicherer auf seinen Beinen und lies sein Pferd los. Das unaufgefordert zusammen mit dem Packpferd langsam zum Gatter trottete.

Ziska machte einen Knicks, während Ainur ihre Hand ergriff.

Wie von einem Schlag getroffen, wurde ihr plötzlich bewusst, dass sie tatsächlich nur eine ziemlich nasse Tunika an hatte. Sie entzog Ainur mit einem entschuldigenden Augenaufschlag die Hand und lief zu einem Stapel Kleidung, der auf einem anderen Stein lag.

‚Ach, so begrüßt du unsere Gäste?‘ meinte Vira, die völlig lautlos aus dem Wald getreten war und nun hinter den beiden vorbei trottenden Pferden hervor kam, um mit beiden Händen in die Hüften gestemmt, das Geschehen ungeduldig zu mustern.

Sie ging zum Pferd von Ainur und hob vorsichtig den Kopf des bewusstlosen Otar an.‚Otar!‘

Dann blickte sie finster zu Kejnen.‚Kejnen, Ihr habt ihn doch nicht den ganzen Weg laufen lassen?‘ Sie lies den Kopf wieder sinken und blickte Kejnen ernst an.

‚Nicht den Ganzen.‘ stammelte Kejnen entschuldigend.

‚Und warum ist er völlig durchnässt?‘ löcherte sie weiter.

Ainur rümpfte die Nase und meinte hastig: ‚Er ist vom Pferd in den Fluss gefallen.‘ Dann räusperte er sich und hielt ihr die Hand hin. ‚Ich bin Ainur, ein…!‘

‚…alter Kriegskamerad und so viele Flüsse gibt es nicht, die es zum Überqueren gegeben hätte!‘ unterbrach ihn Vira schnippisch, hielt ihm dann aber ihre Hand hin: ‚Vira.‘ Ainur packte ihre Hand und stotterte dann: ‚Freud mich!‘ Es war ihm peinlich, dass er kein vernünftiges Wort herausbrachte und lies ihre Hand nach einem viel zu langem Moment, hastig wieder los.

Ziska hatte bereits eine Hose angezogen und stolperte wieder zurück, noch bevor sie diese ganz geschlossen hatte. Mit einer kraftvoller Bewegung war Ainur vom Pferd gestiegen und half Vira ihren Schwager vom Pferd zu heben. Wo sie sich schwer tat, hob er den Bewusstlosen mit einer Hand vom Pferd und legte ihn auf seine Schulter. Ainur gab seinem Pferd einen liebevollen Schlag aufs Hinterteil und es humpelte den anderen Pferden hinterher.

Währenddessen balgte Halef sich mit seinem beiden Hunden am Waldrand, stand dann aber schlagartig auf, als er die Bewegung der Pferde am Flussufer wahrnahm. Seine Mutter gab ihm ein Zeichen, dass er die Pferde absatteln sollte, während sie die Herren zu den Jurten führte. Wena stand mit den Kindern gerade am Tisch und bereitete das Essen vor, während ihre Kinder lautstark um sie herum wuselnden. Aufgrund des Geräuschpegels ihrer Kinder hatte sie die Ankunft der Pferde nicht bemerkt.

Sie blickte auf und wischte gleichzeitig die feuchten Hände an ihrer Schürze ab. Dann erkannte sie in dem bewusstlosen Mann, den man ihr vor die Füße legte, ihren Mann Otar. Sie stürzte schluchzend auf die Knie. Vira scheuchte die aufgeregten Kinder wortlos zu den Pferden, sie sollten Halef helfen die Sachen herbei zutragen.

Ziska und Wena nahmen sich Otar an und Ainur half ihnen Otar in Wena’s Jurte zu bringen.

Vira schenkte den Herren zwei Becher Tee ein. Ainur kam aus der Jurte, während Vira Kejnen aus seinem Klappenmantel half. Ainur grinste wieder breit.

‚Nachdem wir heute Waschtag haben, würde ich euch bitten mir eure Schmutzwäsche zu geben, während ihr euch frisch macht, ich bring euch frische Kleider zum Fluss!‘ meinte Vira und machte sich auf, wieder zum Fluss gehen zu wollen. ‚Aber trinkt nur erst und verschnauft erst mal.‘

Als sie außer Hörweite war, meinte Kejnen grinsend zu Ainur: ‚Darf ich dir Vira vorstellen! Die Herrin dieser kleinen Gemeinschaft!‘

Ainur grinste nur weiter und hatte dem nichts hinzuzufügen. Sie folgten ihr langsam zum Fluss. Vira hatte sich ihre Obertunika ausgezogen und hatte den Mantel von Kejnen schon ausgebürstet und gewaschen und hing ihn gerade zum Austropfen über einen Stein. Ihr Unterkleid war unter der Brust gebunden und an einigen Stellen durchnässt. Nun wand sie die Wäsche, an der Ziska vorhin gearbeitet hatte, aus und hing sie auf die Leine, die sie zum Zwecke des Wäschetrocknens quer über den Hof gespannt hatten.

Halef kam auch zum Fluss, gab seiner Mutter ein Zeichen und ging zu Lamina, die immer noch auf dem Stein lag und schlief. Vira blickte ihn etwas ungeduldig an und gab ihm nur mit Gestik und Mimik zu verstehen, dass er sich beeilen solle, sich waschen, weil sich jemand ums Essen kümmern sollte, und der wird wohl er sein. Aber er könne sich ruhig erst um Lamina kümmern.

Die Herren entkleideten sich indes und tuschelten mit einander. ‚Sie sagt kein Wort und dennoch schallt ihr herrischer Ton über den ganzen Hof.‘ flüstere Ainur.

‚Dem ist nichts hinzuzufügen!‘ grinste Kejnen und humpelte nur mit seinem Stock bekleidet ins Wasser. Ainur folgte ihm. Vira blickte über das letzte Wäschestück hinweg und beobachtete Ainur, wie er sich nach der Seife bückte, bevor er ins Wasser watete. Ihr schoss es die Schamesröte ins Gesicht, so dass sie sich gleich abwandte und zur Jurte ging.

Halef war zu Lamina auf den Stein geklettert und beobachtete sie einen Moment und kitzelte sie mit einer Blume aus dem Schlaf. Ihre Haare leuchteten goldbraun in der Sonne und als sie die Augen öffnete, strahlte ihr Bernstein ihm entgegen. Sie lag auf dem Bauch und drehte nur ihren Oberkörper in seine Richtung und zog die Arme mit der Decke an ihren Körper.

‚Ich hab mich fast nicht getraut, dich zu wecken, aber…ähm…wie geht’s dir?‘ stotterte Halef.

‚Gut! Glaub ich!‘ flüsterte Lamina und nahm die Blume entgegen. ‚Danke!‘ Ihre Wangen wurden rot und sie schloss beschämt die Augen.

‚Meister Kejnen ist gekommen und Ainur und erschreck dich nicht, sie waschen sich gerade am Fluss!‘

Sie lächelte, öffnete die Augen wieder.

‚Ähm, ich werd mich auch waschen und muss dann…!‘ Er brach ab, räusperte sich und fuhr dann fort. ‚Magst du mir nachher beim Essen machen helfen?‘ Sie nickte und ihr fielen die Augen wieder zu.

‚Also, ich bin in der Nähe, wenn… was…ist!‘ Er wunderte sich selber über sein Stottern, strich ihr noch über die Wange und sprang dann vom Stein.

Im Lauf entkleidete er sich und sprang in den Fluss, er tauchte zu den beiden Herren und erbat sich die Seife.

‚Wie geht es der Kleinen?‘ erkundigte sich Meister Kejnen.

‚Gut soweit!‘

‚Und dir?‘

‚Hm!‘

‚Hast du Ziska alles berichtet, was ich dir aufgetragen habe?‘

‚Ja, ähm, Mutter hat es ihr gesagt.‘

‚Und?‘

‚Sie wusste es irgendwie bereits!‘

‚Und das mit Otar?‘

‚Das hab ich ihr in der Jurte bereits gesagt!‘ meinte Ainur. ‚Und sie wusste es irgendwie bereits!‘

‚Ich habs ihr gesagt! Sie hat es erschreckend gut aufgenommen!‘ erklärte Halef.

Die drei Männer guckten sich ratlos an. Halef tauchte wieder unter.

Wenig später kam Vira wieder zum Fluss und legte 3 Stapel Wäsche auf einen freien Stein und griff sich die Kleidungstücke, die am Ufer verstreut lagen, um sie in den Kessel zu werfen. Ainur watete ans Ufer. Ganz beiläufig hielt sie ihm ein trockenes Tuch hin, aber nicht ohne seinen nackten Körper einen flüchtige Moment lang zu mustern. Meister Kejnen kam ebenfalls aus dem Wasser gehumpelt. Sie eilte ihm entgegen, drückte ihm auch ein trockenes Tuch in die Hand, stütze ihn an der Schulter und nahm ihm für einen Moment den Stock ab, damit er sich das Tuch um die Hüften schlingen konnte. Dann geleitete sie ihn zu einem Stein, wo er sich setzten konnte. Dort hatte sie ihm bereits seine Kleidung zurechtgelegt. Ainur trocknete seinen massigen Körper ab, als Vira ihm einen Stapel Wäsche vor die Nase hielt. ‚Das müsste passen!‘ meinte Vira und wand sich ab, aber nicht ohne noch einmal in den Kessel zu blicken und ein Scheit nachzulegen. Dann lief sie zu den Jurten zurück. Als die Beiden angekleidet waren, folgten sie ihr ebenfalls.

Lamina schreckte im Schlaf hoch, in dem Moment als Halef mal wieder auftauchte. Er warf die Seife an den Strand und hechtete in Richtung des Steins, auf dem Lamina nun aufrecht saß und sich verängstigt die Decke vor die Brüste presste. Die Blume war aus ihrer Hand gepurzelt und blieb am Rand des Steins liegen. Halef sprang mit einem Satz aus dem Wasser und kletterte den Felsen hoch und lugte über den Rand. Beruhigende Laute kamen ihm über die Lippen. Er stemmte sich hoch, nahm die Blume auf und hielt sie ihr erneut hin. Sie blickte ihn durch einen Tränenschleier an. Ein flüchtiges Lächeln brach ihre versteinerte Maske und sie machte Anstalten ihn zu umarmen. Dabei lies sie beinahe die Decke fallen.

‚Vorsicht!‘ meinte er noch kurz. Er musste die zweite Hand wieder zum Stützen senken, sonst wäre er in den Fluss gestürzt. ‚Na..ss!‘ Sie umarmte ihn nun weniger stürmisch. Er blickte ihr über die Schulter auf ihren blanken Rücken. ‚Dein Rücken sieht schon viel besser aus.‘ meinte er beklommen. Es war ihm irgendwie reichlich unangenehm, sich vor ihr splitternackt an den Felsen zu klammern.

‚Lamina, ich hab…!‘ stotterte er wieder.

Sie löste sich, erkannte seine Nacktheit und errötete.

‚Ich bin gleich wieder da!‘ meinte er kurz, wand sich ab und sprang ins Wasser zurück. Als er wieder auftauchte war er schon fast an der Stelle, wo seine Mutter ihm die Kleidung zurecht gelegt hatte. Er hielt sich nicht weiter mit abtrocknen auf und schlüpfte, nass wie er war in seine Hose und stolperte bereits wieder zurück zu Lamina.

Sie musste lachen, weil er ziemlich albern dabei aussah.

‚Hätte ich mich gar nicht so beeilen müssen, wenn du schon wieder lachst!‘

‚Wenn du dich nicht beeilt hättest, hätte ich wahrscheinlich nicht lachen müssen.‘

Mit einem Satz war er auf dem Felsen.

Sie hatte eine leichte Tunika in der Hand und versuchte sie anzuziehen, ohne aber die Decke los zulassen. Er ging ihr ziemlich umständlich zur Hand, am Ende hatte sie die Tunika endlich an und war ihm dabei auch noch in den Schoß gestürzt. Worauf beide wieder lachen mussten. Er umarmte sie liebevoll und lächelte sie an: ‚Es ist schön, wenn du lachst.‘ Sie drehte sich in seiner Umarmung und blickte ihm direkt ins Gesicht. ‚Es auch schön, wenn du lachst!‘ Dabei strich sie ihm die nassen Haare aus dem Gesicht. ‚Wir müssen langsam!‘ meinte Halef. Ihre Hand blieb auf seiner Wange liegen, dann drückte sie ihm einen flüchtigen Kuss auf die Lippen. Beide wurden schlagartig rot im Gesicht und stoben auseinander, dabei wäre er beinahe vom Felsen gefallen. Als er sie wieder anblickte, lächelte sie ihn verschmitzt an. Er bot ihr lächelnd seine Hand an, als er den Felsen wieder herunter kletterte. Sie nahm die Blume in die Hand und klemmte sich die Decken unter den Arm und hielt ihm die freie Hand hin. Dann erkannte er, dass sie seine Hose trug: ‚Meine Hose steht dir ausnehmend gut!‘

‚Ja, findest du?‘

‚Ist ja auch meine Hose!‘

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